Ausgabe 
30.11.1939
 
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einer gewöhnlichen Kopfbedeckung durch Metall mag wohl die älteste Form sein. Nicht nur Schutz gewähren sollte der Helm. Bald hatte der Mensch entdeckt, daß er auch schmückte und achtunggebie- tendes Aussehen gab, das das Gefühl der eigenen Stärke steigerte. So blieb es durch alle Zeiten. Im Schmuck des Helmes suchte der Krieger Helden­haftigkeit wie Rang und Reichtum au zeigen. So erlaubte im alten Rom, im 6. Jahrhundert vor Christi, die erste Verfassung des Servius Tullius nur den ersten drei der sechs Bürgerklassen das Tragen des Helmes. In der Blütezeit des deutschen Rittertumes erkannte man an dem mit einem Helm­kleinod geschmückten Helm die edle Herkunft des Trägers, über dessen Zulassung zum Wettkampf die Helmschau" vor. Beginn des Turniers entschied.

Es kann daher nicht wundern, daß der Kunst­sinn der Griechen und Römer Prunkstücke von Helmen schuf, wie sie unsere Museen zeigen. Zwar wollen uns die ältesten Helme recht plump erscheinen, aber bald hat sich das der Antike eigentümliche Formgefühl geltend gemacht. Der Oberkopf bekam ovale Gestalt, die Augenlöcher erhielten einen ele­ganteren Schnitt, die Wangenstücke wurden nach unten und vorn größer, und hübscher wurde der Helm dadurch, daß man die obere Kappe scharf gegen den unteren Tell absetzte. Wir kennen einen solchen Helm von der bekannten Porträtsstatue des Perikles, die Kresilas schuf. Schöne, gravierte Ornamente zieren mitunter den Rand, Rosetten uni) stilisierte Blüten in leichtem Relief Wangenftücke und Stirnschild. Schachbrettmuster in Silber- tauschierung bedecken die Oberfläche der Gladia­torenhelme.

Die Germanen trugen die Kopfhäute wilder Tiere, Fellhauben und später Helme aus Eisen oder Erz. Niemals aber bedeckte das Haupt eines Germanen der Flügelhelm, der auf Bildern zu sehen ist. Er ist ein Phantasiegebilde.

Die Helme des deutschen Mittelalters waren kegelförmig und mit einem Naseneisen versehen. Ihnen folgte der ungefüge eiserne Topfhelm, wie er noch bis in das 15. Jahrhundert im Lanzen­kampfe seinen Träger schützte; bis ins späte Mit­telalter trug das Fußvolk den Eisenhut, die Sturm­haube ohne Visier und Nackenschutz. Bis auf Rücken und Brust herab reichte der schwere Krötenkopf­helm, völlig umschlossen wurde der Kopf von den im 15. Jahrhundert aufkommenden eisernenSchal- leoi"» Zur Ausrüstung des Fußvolkes gehörte im

16. Jahrhundert die enganliegende Sturmhaube mit festem Stirn- und Genick schirm, während der Rei­ter mit einem Helm in die Schlacht zoa, der Wan­gen, Nacken-und Nase schützte. T)ie Landsknechte Maximilians I. trugen unter ihrem breitkrempigen Hut eiserne Hauben, der Ritter schützte sich durch den Spangenhelm. Nur wenige Helmchpen wurden unmittelbar auf dem Kops getragen, die meisten waren mit Stoffen gefüttert.

Immer mehr näherten fid> die Helme den For­men, wie wir sie aus den Glanzzeiten des deutschen Heeres kennen. So bildete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts, nachdem wohl die napoleonischen Helme das Muster abgegeben hatten und nachdem man mit den Mützen aller Formen, die man im 18. Jahrhundert trug, schlechte Erfahrungen gemacht hatte, bei uns eine Helmform heraus, die unsere Truppen bis in den Weltkrieg trugen. Durch die Kabinettsorder vom 23. Oktober 1842 wurde an Stelle des Tschakos in der preußischen Armee die Pickelhaube" eingeführt. Erst die Erfahrungen schwerer Kriegsjahre ließen im Stahlhelm wieder eine Helmform entstehen, diz der ursprünglichen Be­stimmung des Helmes, den Kopf des Kriegers zu schützen, gerecht wird. Seine schmucklose, aber nicht unschöne Zweckform, die denSchallern" des Mit­telalters nachgebildet wurde, kennzeichnet die Auf­fassung vom Soldatentum, die wir heute haben.

Zeitschriften.

Dichter des Weltkrieges sind im Dezemberheft derneuen l i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) vereinigt. Die Gesichter von meist unbekannten Sol­daten sehen uns an, von Männern, die faft alle noch namenlos waren, als ihr Kriegsbuch erschien. Da­neben steht wie in jedem Weihnachtsheft der neuen linie dieGeistige Ernte", in der die besten Bücher aus der Produktion des Jahres hervorgehoben und in der zugleich die Werke genannt werden, mit denen man Soldaten im Felde eine Freude macht. Auf Weihnachten ist ferner eine Veröffentlichung ge­stimmt, die Maoonnenbilder von drei Nationen zeigt, der deutschen, italienischen und spanischen. Die weih­nachtlichen Geschenkseiten bringen viele gute Vor­schläge. Ein Gang durch das winterlicbe München, eine Novelle und ein farbiger Beitrag über Winter­hotels in der Ostmark runden das reichhaltigs Heft ab.

zach ermordet. Im Mat 1934 verschwand bann eine 26jährige Münchener Friseursfrau. Auch sie wurde ein Opfer Eichhorns. Im September 1934 ermoKete Eichhorn in München Milbertshofen eine 25jährige Kontorifttn. Im September 1937 fand man in der Nähe von Puchheum bei München eine 25jährige Frau entsetzlich verstümmelt als Leiche in einer Wiese auf und im April 1939, als Eichhorn schon in Haft war, wurden beim Forst- Haus Oberdill unweit von München die Leichen­teile eines 23jährigen Mädchens aus dem Allgäu gefunden. Die Verhandlung vor dem Sondergericht begann damit, daß Eichhorn sein früheres Geständ­nis widerrief und behauptete, fein Zellengenosse habe ihm dies alles vorerzählt. Der Leiter der Son­derkommission erklärte, er habe schon mit den schwersten Verbrechen zu tun gehabt, auch mit dem Lustmörber Kürten, aber noch nie einen solchen ge­fühllosen und rohen Menschen gefunden wie Eich­horn. Seit Eichhorns Verhaftung hätten die Ueber- fälle auf Frauen schlagartig aufgehört. Außerdem habe der Angeklagte bei den Tatortbesichtigungen die Beamten selbst genau an die verschiedenen Stellen geführt und die Lage der Leichen angegeben.

Große Ueberschwemmungen in Belgien.

Sämtliche belgischen Blätter bringen große Bild­berichte von den Ueberschwemmungen, unter denen ganz Belgien zur Zeit leidet. In Antwerpen, Lütt sich und anderen Städten mußten teilweise die Einwohner in Kähnen aus dem ersten Stockwerk ihrer Häuser in Sicherheit gebracht werden. Beson­ders schlimm hat das Unwetter auf dem Lande ge­wütet. Ganze Dörfer sind unter Wasser aesetzt. Die Verkehrsverbindungen haben unter Sen Ueberschwemmungen ebenfalls sehr zu leiden. Die Hauptstraße zwischen Brüssel und Mons mit einer Fläche von über hundert Hektar war zeitweise durch die Fluten in einen Binnensee ver­wandelt. Der im ganzen Lande angerichtete Ma­terialschaden ist sehr groß. Seit zwanzig Jah­ren sind Ueberschwemmungen in einem solchen Ausmaß nicht mehr zu verzeichnen ge­wesen.

u Schwere Sturmschäden in Dänemark.

3000 Morgen Viehweide und Ackerland sind in der Gegend von Nibe auf Jütland während eines schweren Sturmes in der Nacht zum Mitt­woch unter Wasser gesetzt worden. Gegen Mittwoch abend war das Wasser etwas gesunken, jedoch wurde festgestellt, daß durch ungeheure Schlammassen beträchtlicher Flurschaden angerichtet worden ist. Der Ort Loegstoer war fast völlig überschwemmt, so daß die Straßen nur in Booten passiert werden konnten.

Wall aus

affen, Stahl und Herzen."

P. K. Ein Wintertag mtt harter Kälte, aber vol­ler Schönheit ist angebrochen und schickt sich an, den auf Gräsern und Zweigen funkelnden Reif hinwegzuschmelzen. Don steilen Berghängen flan­kiert, lieat in winterlicher Stille ein schmales Wald­wiesental, in dem plötzlich Kommandos laut wer­den: Feldgraue Soldaten marschieren an und neh­men Aufstellung, an ihrer Spitze ein Musikzug. Eine Kompanie aus der Altmark, die vor wenigen Tagen aus dem Vorfeld des Westwalls abgelöst wurde und heute eine Feierstunde ganz besonderer Art erleben wird. Die Verleihung des Eisernen Kreuzes an einen der Kompanie angehörenden Sol­daten. Er ist der erste Soldat der Kompanie und des Regiments, der diese Auszeichnung erhält. Je­doch kein kühner Handstreich, keine verwegene Hel- derttat wird heute ausgezeichnet werden; daran hat es auch bei diesem Regiment nicht aefehtt; belohnt und anerkannt wird heute aber jener gelassene Heldenmut des Frontsoldaten, der nicht zuerst an sich selbst und die Rettung seines Lebens denkt, son­dern an den Kameraden in der Gefahr und in der Not; belohnt wird heute jene selbstlose Hingabe an die Kameradschaft, die der stärkste Kitt ist zwischen den Männern an der Front: zu Land, zu Wasser und in der Luft.

Die Kompanie war im Stellungsbau eingesetzt, als der Franzose die zeitweise von chm besetzten deutschen Gebiete roieber räumen mußte. Auf schma­len Pfaden mußte im bergigen, waldigen Gelände Mcherial nach vorne geschafft werden. Nur auf Leitern waren stellenweise die Geländeschwierig­keiten zu überwinden. Doch fühlten sich die Leute in diesem Geländeabschnitt wohl, waren doch viele Förster und Waldarbeiter unter ihnen, wennÄeich die Pirsch wegen der starken Verminung des Wal­des wenig verlockend war. Und noch ein Umstand machte den Aufenthalt in jener Stellung ungemüt­lich: die französische Artillerie hatte sich auf die Verbindung swe ge eingeschossen und überraschte immer wieder mit plötzlichen Feuerüberfällen. So wurde auch der 1. Zug der Kompanie gefaßt, dem der Gefreite Vartz angehörte.

In einer schmalen Schlucht, aus der es keinen Ausweg gibt, in der keine Deckungsmöglichkeit vor­handen ist, wird der erste Zug von der feindlichen Artillerie eingedeckt: ein Mann ist tot, zwei Kame­raden sind schwer verletzt, der Arm des einen ist zerschmettert. Und nun folgt eine gut gezielte Lage I der andern. Bartz hat sich dieses verletzten Kameraden angenommen. Ruhig und sachgemäß, als wäre er I

in der Kaserne beim Unterricht über die erste Hilfe für Verwundete, so legt er den zerschmetterten Arm des Schwerverletzten in einen ordentlichen Verband, achtet nicht des feindlichen Artilleriefeuers, achtet nicht seiner eigenen Verletzung im Gesicht. Er ist kein Mediziner, kein Sanitäter. Aber ihn lenkt unsichtbar die Erinnerung an einen vor Jahren mitgemachten Ausbildungslehrgang beim Roten Kreuz, ebenso die Ausbildung bei der Truppe über die Anlegung des ersten Verbandes. Mit eiserner Ruhe beendet Bartz die Anlegung des Verbandes. Der Truppenarzt, dem der Schwerverletzte später zugeführt wird, findet den Verband vorzüglich, er braucht keine Aenderung daran vorzunehmen. Im Lazarett wird festgestellt, daß es nur der sofortigen Betreuung und dem sachgemäßen Ver­band zu verdanken ist, daß der verletzte Arm gerettet und die Arbeitskraft des Verwundeten erhalten werden kann.

Der Divisionskommandeur ruft der Kompanie diese tapfere Tat des Gefreiten Bartz mit ehrenden Wor­ten ins Gedächtnis zurück. In sichtlicher Ergriffenheit hören die Soldaten ihrem General zu. Im Auftrage des Führers und Obersten Befehlshabers verleiht er dem Gefreiten Bartz das Eiserne Kreuz. Die Ehre, die hier einem einzigen Soldaten zuteil wird, gilt gleichermaßen allen Kameraden, die darunter vor und am Westwall unerschrocken und tapfer dem Feind die Stirn geboten haben. Nicht jeder von ihnen kann ausgezeichnet werden, aber jeder kann stolz sein, daß durch seinen Beitrag und Einsatz kein Feind an den Westwall herankam. Befestigungen sind tote Werke. Ihre Widerstandskraft erhalten sie erst durch den Einsatz der Truppe und ihre Führung. Und die Verteidigungskraft wird um so größer, je zäher Füh­rung und Truppe kämpfen und aushalten.

Stärkster Ausbau des Westwalls vereint sich mit unerschütterlichem Abwehrwillen der Truppe und machen den Wall unüberwindlich. Hinter dem Wall aus Beton und Eisen steht, das soll die Front nicht vergessen, das gesamte deutsche Volk, dessen Herzen, Wille und Kraft ausstrahlen bis zur Front.

Die Partei und ihre Gliederungen halten diesen Geist des Widerstandes und der Kampfkraft aufrecht gegen den Vernichtungswillen unserer Gegner.

So ergibt sich ein Dreiklang:

Wall aus Waffen, Wall aus Stahl, Wall aus Herzen.

I Dieser Dreiklang ist die beste Garantte dafür, daß kein Feind deutschen Äoden betritt.

I Willi St Öhr.

M der Mnensilchflottille in der Nordsee.

Nachtfahrt in stürmischer See.

Orkanartiger Sturm über Dalmatien und Bosnien.

In Dalmatten und Bosnien herrscht seit einigen Tagen ein orkanartiger Sturm, der großen Schaden angerichtet hat. In Split wurden zahlreiche Dächer schwer beschädigt und Schornsteine umgestürzt. Der Schiffsverkehr ist völlig lahmgelegt. Im Hafen von Split erreichten die Wellen teilweise eine Höhe bis zu 16 Meter. In Serajewo hat starker Schneefall eingesetzt.

Explosion auf einem Tankschiff im Hafen von Bayonne.

In dem sudwestfranzösischen Hcrfen Bayonne ereig­nete sich an Bord des Pettoleumtankschisf esMo- winckel (12 225 t), das unter der Flagge von Panama fährt und zum Transport von Petto- leum durch die Standard Oil benutzt wird, aus unbekannter Ursache eine schwere Explosion. Die Explosion riß ein Leck in das Schiff und zerstörte außerdem die Kommandobrücke. Mehrere Mitglie­der der Besatzung wurden leicht verletzt. Die Ex­plosion ereignete sich, als die Mattosen des Schis­ses damtt beschäftigt waren, die Pettoleumbehälter au säubern. Nach Ansicht der Sachverständigen kann die Ursache darin Tiegen, daß Petroleum­dämpfe zur Entzündung kamen. Das Schiff ist teilweise voll Wasser gelaufen und liegt mit dem Hinterteil bis zur Ladelinte im Wasser.

Riesenbrand in Schweden.

Ein Riesenbrand, der einen Schaden In Höhe von mehreren Millionen Schwedenkronen anrichtete, brach in Weibullsholm (Landskrona) aus. Ein Speicher, in dem wertvolle Saaten gelagert waren, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Polizei vermutet Brandstiftung, da es sich bei dem Großfeuer um das zweite handelt, das innerhalb der letzten zehn Tage in diesen Saat­speichern ausbrach.

(pk.)Sieben Uhr alles seeklar!" Dieser Befehl geht durch das Minenboot, auf dem schon reger Be­trieb herrscht. Die letzten Vorbereitungen für die Ausfahrt werden getroffen. Befehle werden über die Reeling gerufen und von Boot zu Boot weiter- gegeben. Heber den Landungssteg ein Kommen und Gehen. Proviant wird verladen, Munition an Bord genommen. Alles wird für eine längere Ausfahrt gerüstet. Punkt 7 Uhr gehen die Anker hoch; ein Boot nach dem anderen schiebt sich aus dem Hafen. In Doppelkiellinie fährt die Minensucbflotttlle T. in die Nordsee. Der Name Minensucher hat schon für die Landratte einen ernsten und etwas gruse­ligen Klang, hat sie doch die Bezeichnung Him­melfahrtskommando für die Minensucher noch aus dem Weltkriege, in dem diese Waffe neben den U-Booten die schwer st en Verluste hatte, bis heute gehalten. Trotz froher Laune, die auf allen Gesichtern zu sehen ist, liegt über der Ausfahrt ein unverkennbarer Ernst. Die Männer wissen um die Gefährlichkeit ihres Ein­satzes, sie lieben aber gerade ihr Kommando, auf dem einer zum anderen gehört.

Je weiter die ausgelaufene Flottille in die Nord­see hinein vorstößt, desto stürmischer wird die See. Brecher schlagen über das Achterdeck, und Spritzer reichen bis an die Brücke. Die Mannschaft hat in­zwischen ihr Oelzeug angelegt. Einige haben sich sogar mit dem Südwester gefrönt. Auf der Kom­mandobrücke werden Winksprüche und Flaggen­signale entgegengenommen und sofort durch ent­

sprechende Befehle wettergegeben. Der Komman­dant itt auch hier im wahrsten Sinne des Wortes die Seele des Schiffes. Bald steht er auf der Kom­mandobrücke und gibt dort seine Anweisungen, bald ist er im Kartenhaus und verfolgt den Kurs des Bootes. Dann ^eht er auf Achterdeck und prüft die Räumgeräte. Jin Vorübergehen gratuliert er einem Mattosen, der sich verlobt hat und gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Dem Komman­danten zur Seite steht der 1. Wachoffizier. Er steht im Augenblick auf der Kommandobrücke und korrigiert den Abstand des Bootes zum Füh­rerboot.Backbord 5!"Steuerbord 10!", so und ähnlich gibt er forttaufend seine Korrekturen an den Rudergänger.

Die Flottille ist inzwischen in Dwarslinie aufge­fahren. Dann ein Flaggensignal vom Führerboot Räumgeräte klarmachen zum Aus­bringen!" Das schwere Räumgerät ist schnell 'zum Auswerfen fertiggemacht. Hart müssen die Männer anpacken. Die seemännische Nummer I, der B o o t s« mann, der auf dem Boot für den gesamten Ab­lauf auf Deck verantwortlich ist, steht wie ein Vater unter ihnen und gibt in aller Seelenruhe seine knappen Anweisungen. Ein schwerer Brecher haut Über das Achterdeck und lädt seine salzige Ladung auf seinen Rücken ab.Festh a lte n!" ist seine erste laute Mahnung an die Männer in den Sturm hinaus, dann schüttelt er wie ein Seehund das Wasser yon sich ab.

In kurzen Abständen erfolgen weitere Befehle

vom Führerboot. Das Gerät wird ausgebracht. Der Sperrwaffenoffizier, derMeister" der Minensuch­geräte, überwacht das Ausbringen des Gerätes und kontrolliert dessen Tiefenstellung und Sicherung. Das Gerät ist inzwischen versenkt. Die Minensuch- arbeit beginnt. Schnell ist es dunkel geworden. Kein Lichtschein bringt mehr aus dem Boot heraus. Keine Lampe, nicht einmal ein Streichholz leuchtet auf. Das Boot ist nun am Feind! Ein Minensuch­boot braucht sich seinen Gegner nicht erst lange zu suchen. Sobald es auf Minensuchfahrt ist, steht es vor dem Feind. Ein Zaaen aber gibt es bei kei­nem. Jeder hat seine Aufgabe und ist stolz, sie er­füllen zu dürfen.

Das Boot fährt inzwischen mit hoher Geschwin­digkeit durch die stürmische Nacht. Der Wind hat sich immer noch nicht gelegt; wild schäumt das Heck- wasser hinter dem Boot auf. Die Boote sind so ge­staffelt, daß der abgefahrene (Streifen mit Sicher­heit für minenfrei erklärt werden kann. Auf Achter­deck beobachtet die Kriegswache das Räumgerät, ob irgend eine Mine anbeiht. Wegen der Minengefahr

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träat alles Schwimmwesten. Auch das Vor­schiff, in dem sich hauptsächlich die Mannschafts­räume befinden, ist inzwischen vollkommen geräumt worden. Der Kommandant hat aber das Achterdeck mit sämtlichen Räumen für die Freiwache zum Schlafen fr ei gegeben. Und hier bietet sich ein er­götzliches Bild. Jeder, der von Kriegswache kommt, haut sich irgendwo im Achterdeck hin, denn auf Deck ist cs falt. .Lieber im warmen Mief ersticken, als im kalten Ozon erfrieren", heißt es hier. In den Gängen, in der Messe, überall liegen sie deshalb eng zusammengedrängt und schlafen. Dann plötzlich Alarm!" Alles an Deck! Die Geschütze werden besetzt. Jeder geht an seinen Posten. Vorn sind in der Dunkelheit zwei Lichter gesichtet mor­gen, alles schaut gespannt dorthin. Als diese als ungefährlich erkannt worden sind, wird der Alarm beendet.

Gegen Morgen ist die gestellte Aufgabe gelöst. Es geht heimwärts. Inzwischen hat sich die See etwas- beruhigt. Wie die Boote vor Anker gehen, ist alles froh, daß alle wohlbehalten zu- rückgekehrt sind. Man möchte die Arbeit unserer Minensucher fast eine einsame Pflichterfüllung nennen. Sie vollbringen ihre Taten in der Stille. Sie bringen auch keine großen sichtbaren Erfolge mit nach Haus. Aber ihre Arbeit ist eine unerläß­liche Voraussetzung für die Sicherheit der ein- unt> ausfahrenden Schiffe. Es gibt wenige Ruhetage für die Minensucher. Sie müssen immer wieder hinaus, um den anderen Schiffen den Weg fteizuhalten. Sie wachen unablässig über dieGerman sea", über die Deutsche See, wie die Engländer selbst die Nord­see nennen, und wehren jede Gefährdung ihrer Schiffahrtswege ab. Gustav Schütt

Kleine politische Nachrichten.

Reichsiugend sichrer Baldur von Schirach ernannte an Stelle der wegen Verheiratung ausgeschiedenen Obergauführerin Clementine zu Castell zur neuen Beauftragten für das BDM.-WerkGlaube und Schönheit" die bisherige Führerin des Ober- gaues Wien Annemarie Kaspar. Der Reichs­jugendführer hat Obergauführerin Clementine zu Ca­stell für ihre selbstlose Arbeit und die Erfolge beim Aufbau des BDM.-WerkesGlaube und Schön­heit" seine besondere Anerkennung ausgesprochen.

Das Bukarester BlattSera" veröffentlicht eine Meldung über Truppenverstärkungen der Sowjets in Zentralasien und Transkaukasien auf Grund der kürzlichen Truppenkonzentrationen Frankreichs in Syrien, Englands in Aegypten und der Türkei an der Kaukasusfront.

Die italienische Regierung hat in Argenttnien 6000 Tonnen Gefrierfleisch zum Preise von 45 Cen­tavos das Kilogramm angekauft.

Geister am Kirchhof.

Eine wahre Geschichie von S.Droste-Hülshosf

Ein junger Schulgehilfe, der in der sogenannten guten, allen Zeit beim Schulmeister Fuchs zu Windhag im Böhmerwald arbeitete, hatte an sei­nem Meister manches auszusetzen. Für zwölf Gul­den Monatslohn mußte er nicht nur Schule halten und Organistendienste leisten, sondern auch noch wie ein Knecht auf dem Felde schaffen. Dazu gab's karges Essen und wenig Freistunden. Ueberdies ging Schulmeister Fuchs mit seinem Untergebenen nicht gerade sanft um.

Eines Tages mähte der junge Schulgehilfe mit einigen Kameraden eine große Wiese am Bach. Ein paar Krebse spazierten durch das Grün. Die Bur­schen spielten eine Weile mit den Tieren. Und dann neckten sie einen Streich aus, den sie ,chem alten Fuchsen" spielen wollten.

Der Schulmeister ging jeden Abend ins Dorf­wirtsh aus um ein paar Viertel Roten zu trinken und kehrte meist sehr spät nach Hause zurück. Wie­der einmal machte er sich in stockfinsterer Mitter­nachtsstunde in Begleitung des Dorfschneiders Bar­tel auf den Heimweg. Man mußte am Kirchhof vor- uberaehen. Da schrie der Schneider entsetzt auf:

Alle guten Geister! 's geht um! Da dal Am Gottesacker ...!"

Auch dem Schulmeister standen vor Entsetzen alle Haare zu Berge. Mitten auf dem Friedhof bewegten sich dicht über dem Boden kleine gelbliche Lichtchen langsam und völlig lautlos hin und her. Der Schnei­der und Schulmeister Fuchs nahmen schleunigst Reißaus. Zitternd vor Schrecken und weiß wie Leintücher stürzten beide zurück in die Gaststube, wo noch einige Gäste beisammen saßen, und stöhnten:

Am Kirchhof geht's um, alle Geister sind los!"

Der Wirt, seine Gäste und die Knechte liefen ins Freie und spähten von weitem angstvoll nach dem Kirchhof hinüber. Auch sie sahen die gespenstischen Flämmchen ganz deutlich. - Das ganze sah sehr un­heimlich aus. Endlich faßten der Wirt und der For­ster Mut und rückten dem Spuck zu Leibe. Mit äußerster Vorsicht betraten sie den Kirchhof und näherten sich den geheimnisvollen Lichtlein. Da dröhnte plötzlich das Lachen des Försters über den Kirchhof-,

,Leut Leut, kommt's und schaut euch die Geister a bisserl näher an!"

Bald sahen es alle. Die spukhaften Lichter stamm-- ten von kleinen Kerzenstumpen, die man mit etlichen Wachstropfen auf die Rückenpanzer von Krebsen geklebt hatte. Und diese unfreiwilligen Gespenster spazierten mit ihrer flimmernden Fracht bedächtig hin und her.

Am anderen Tage lachte man in ganz Windhag über denGeisterschreck". Bald wurde der junge Schulgehilfe als Anstifter entdeckt und von Schul­meister Fuchs in einer grimmen Beschwerde bei der hohen Schulobrigkeit in Linz an gezeigt. Der Nichts­nutz aber, der die Geister rief, wurde später ein berühmter Mann: der große Musiker An ton Bruckner ...

Von der Fetthaube zum Stahlhelm.

Von Adolf Neß.

Wer trug den ersten Helm? Wehrloser als das Tier war der Mensch. Aber er fühlte sich Herr über die Tiere und zwang sie in seinen Dienst. Ihr Fleisch gab Nahrung, ihre Knochen lieferten Waffen, ihre Haut bedeckte seine Nacktheit. Wie der Vogel Strauß seinen Kopf vor der Gefahr im Sande versteckt, so war das erste Bedürfnis des Menschen neben einem Körperschutz die Kopfbe­deckung, die ihn vor den Keulen und Steinen der Angreifer schützte. Wieder diente ihm das Tier. Er nahm sein Fell und mit ihm den festem Schädel und setzte ihn sich auf den Kopf. Das war der erste ^Aber der aus Leder oder Metall hergestellte Kopfschutz? Zwar wissen wir, daß noch die Sueben des Ariooist mit unbedecktem Kopf m die Schlacht zogen, da ihr Angriffsgeist den Schutzwaffen roenig Wert beimaß. Aber es ist uns auch bekannt, daß schon die Babylonier drei Jahrtausende vor Beginn unserer Zeittechnung niedrige, kappenförmige Helme aus Leder oder Kupfer trugen. Das eigentliche Ent­wicklungsgebiet des Helmes jedoch liegt im vorge­schichtlichen Europa. Seit sich in der Bronzezeit der Dolch zum Schwert weiterentwickelt hatte war der Kämpfer gezwungen, seinen Kopf durch den Helm gegen .Schwerthiebe zu schützen. Die Nachahmung