50. September Oktober 1959
Llnseren Toten.
Don Gerhard Seeger-Ahlert.
Und nun schweigen die Fanfaren, Und die endelosen Scharen Stehen still, wie festgebannt.
Und die Fahnen sinken schweigend, Denen ehrfurchtsvoll sich neigend, Die da starben für das Land.
Alle stehen schweigend stille. Fühlen, daß ein heil'ger Wille Sie in diesen Ring gespannt. Und erfüllt von tiefer Ahnung Denken sie der Toten Mahnung, Reichen sie sich stumm die $anb.
So hat sich das Volk gefunden, Und für wenige Sekunden Wird das Herz der Stärksten weich. — Doch nun höher die Standarten! Deutschland soll nicht länger warten, Stehe fest, du Drittes Reich!
NSG. Gerhard Seeger-Ahlert fiel in diesen Tagen an der O st front. Der 23jährige junge Dichter gehört dem Kulturamt der Reichs- jugendführung an. Dieses Gedicht wählte Baldur von Sch i r a ch vor Jahren für eine Sammlung bester junger Lyrik aus. Nun lebt der junge Dichter selbst in der unsterblichen Gemeinschaft toter deutscher Soldaten weiter, denen er diese Verse schrieb.
Deutsches Soldatentum.
Von Hans Sturm.
Soldaten sind geboren
Aus ritterlichem Stamm.
(Des Knaben Wunderhorn.)
Die Verse dieses alten Volksliedes zeigen, welche Achtung schon unsere Vorfahren vor dem Soldatentum hatten. Wenn der Herzog zum Heerbann aufrief, folgten alle waffenfähigen Männer. Wer ein Schwert tragen konnte, mußte es auch führen zur Verteidigung von Grenze, Herd und Familie; und alle folgten ohne Zwang, pflichtgemäß.
Der Begriff der Pflicht hat immer zum geistigen Besitz der Deutschen gehört, er hat Denker angeregt. Dichter begeistert und den deutschen Soldaten erfüllt. Kant, Goethe, Friedrich der Große, Gneisenau und Moltke, das find uns nur verschiedene Namen für eine Sache; sie erwarben sich ewige Gültigkeit, well sie sich bedingungslos fügten den strengen Gesetzen
!tr. 229 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Oberhessen)
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Das Korridorgebiet einst und heute
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Gruppen die Flanken
termilch schaffen sollte, schien ihm ein Ding der Un-
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Und Walt-r hielt durch. Es kam ihm oft sauer genug an, ober er hielt durch. Am dritten Tag war es am schlimmsten. Da war er so steif, daß er kaum aufstehen konnte. Aber er stand doch auf. Selbst im Traum sah er Kartoffeln vor sich — schnurgerade Kartoffelreiben, die sich bis an den Horizont erstreckten, Wälder aus Kartoffelkraut, die sich im Herbstwind bewegten. Berge von Kartoffelknollen, die auf ihn zurollten und ihn zu ersticken drohten.
Der fünfte Tag war ein Sonntag, und sie wollten alle gleich nach dem Essen mit dem Kastenwagen an die eine Wagenstunde entfernte See fahren. Walter hatte das Meer noch nie gesehen, aber er sagte: „Ich komme nicht-mit, ich muß buddeln." Denn er hatte sich blitzschnell ausgerechnet, daß er keinen Tag auslassen durfte, wenn er sein Ziel erreichen wollte.
„Junge, du mußt gar nicht", verwies ihn Onkel Fritz. „Wir verlangen es nicht, und du kannst mit deinen Ferien anfangen, was du willst."
„Doch, ich muß", sagte Walter, und da Onkel Fritz sehr gut wußte, daß Walter keinen äußeren Zwang gemeint hatte, sondern ein inneres Müssen, nickte er nur. Später sagte er zu seiner Frau: „Der Bengel gefällt mir von Tag zu Tag mehr. Er ist mit dem Mund ein bißchen vorneweg, aber wenn etwas dahintersteckt, dann macht das ja nichts aus."
So vergingen für Walter die Ferien, und da er sich so tüchtig ins Zeug legte, hatte er am vorletzten
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Der geographische Korridor ist eine Erfindung des Versailler Diktates und hat eine traurige Berühmtheit erlangt. In den 14 Punkten des Präsidenten Wilson war dem neuen Staate Polen ein „A u s g a n g z u m M e e r e" versprochen worden. , Wilson dachte dabei an keine ganze Provinz, sondern an die Internationalisierung des Laufes der Weichsel und an einen polnischen Freihafen in Danzig.'Erst in den Verhandlungen um die Gestaltung des Diktates gelang es den Feinden, auf Grund falscher Darstellungen und frisierter Landkarten f a st das ganze Weichseltal der Provinz West- preußen diesem „Korridor zuzuschanzen. Das Gebiet bildete seitdem mit der früheren preußischen Provinz Poien die Wojewodschaft P o m m e r e l- l e n. Die nördlichen und überwiegend deutschen Teile Posens bilden gemeinsam mit den alten west- preußischen Kreisen an der Weichsel den sog. K^o r - ridor, nachdem das Gebiet von Danzig-Stadt und Land herausgeschnitten und zu einem sog. Freistaat gemacht worden war.
Die alte Provinz W e st p r e u ß e n mit Danzig und Thorn brachte bei den Reichstagswahlen von 1912 rund 173 0'00 deutsche und nur 115 000 polnische Stimmen auf. Bromberg, das zum Posenschen zählte, war eine der größten und deutschesten Städte des damaligen Ostens. Bei der Nationaloersammlungswahl von 1919 wurde eine deutsche Stimmenzahl abgegeben, die weit über die Hälfte aller Wähler darstellte. Zur eigentlichen Volksabstimmung gemeinsam mit dem südlichen Ostpreußen wurde aus Westpreußen nur der Bezirk Stuhm-Marienwerder zugelassen, der zu 93 vH für D e utschland sti mmte und daher in der Hauptsache beim Reiche verblieb, obwohl man diesem rechtswidrig die Dörfer an der Weich
sel vorenthielt.
Betrachten wir uns den bisherigen Korridor von
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Ob erfchle sie n das polnisch-oberschlesische Industrie- und Rüstungsgebiet, während die Armee des Generals B l a s k o w i tz diese ganzen Operationen gegen einen von Posen aus erfolgenden F l a n k e n st o ß der Polen zu sichern hatte.
Unterstützt wurde dieses konzentrische Vorgehen' durch die Luftflotten des Generals Kesselring im Norden unb des Generals Löhr im Süden. Sie zerschlugen die feindliche Abwehr in der Luft und auf dem Boden in raschen, vernichtenden Schlägen; sie belegten die marschierenden Polen, ihre Munitionskolonnen, ihre Sammelstellen, ihre Bahnhöfe mit Bomben, sie ließen ebenso wie die motorisierten deutschen Truppen den Gegner nicht zu Atem kommen.
Die abgeschlossene Korridor-Armee mußte sich ergeben, die von der Armee des Generals von Reichenau um R a d o m eingekesselten Truppen desgleichen, während gleichzeitig vorgeworfene Kräfte dieser Armee der langsam aus dem Posener Raum aus Kutno zurückweichenden Armee den Weg nach Warschau abschnitt. Diese größte politische Armee war also im westlichen Weichselbogen abgeschnitten, die Armeen Blaskowitz und Reichenau hatten sie in die Zange genommen, und sie hielten fest. Verzweifelt versuchten die Polen immer wieder, diesen ehernen Ring zu durchbrechen. Die deutsche Zange hielt, und fast vor den Toren Warschaus mußte die größte polnische Armee sich ergeben.
Die größte Vernichtungsschlacht der Weltgeschichte war geschlagen worden. Ganz Polen lag den Deutschen offen, und nur in Warschau kämpfte gegen alles Völkerrecht eine ausgehetzte Zivilbevölkerung als Heckenschützen im Verein mit versprengten polnischen Truppen einen aussichtslosen Kampf. Diese beispiellose Niederlage der Polen ist erzielr worden durch die geniale Führung unseres Heeres, durch 5en Geist, der die Führung und Truppe beseelt, und durch die geschickte Anwendung der neuesten technischen Waffen, die nur im Verein wirken, einzeln aber keine Entscheidung zu bringen vermögen.
Eugen Siebert
Möglichkeit zu sein.
Nun zeigte chm Onkel Fritz, wie man es machte: wie man am besten immer eine etwa fünfzehn Schritt lange Reihe aufhackte, nicht zu nah, aber auch nicht zu weit hinter jeder Staude, wie man sich dann auf die Erde niederließ und keine Knolle beim Sammeln vergaß Walter, eine bis auf die Füße reichende Schürze aus Sackstoff vor dem Leib, mußte es nachmachen, und Onkel Fritz war zufrieden
„Stellst dich ganz gut an, Junge! sagte er Jäber lege nicht gleich ein zu scharfes Tempo vor! Wenn dahinten rechter Hand der O-Zug vorbeifahrt, ist es neun, dann frühstücken wir. Und wenn da linker Hand auf dem Gute die Glocke geläutet wird, ftt es zwölf, dann kommst du zum Essen. Die vollen Sacke läßt du stehen, wo sie stehen; ich hole sie heute abend mit dem Kastenwagen ab. Und nun viel Vergnügen.
„Danke gleichfalls!" rief Walter ihm nach und stürzte sich auf die Arbeit.
Donnerwetter, das machte Spaß, die Hacke mi dem Kraftaufwand eines Holzfällers durch die Luft zu schwingen, sie tief in die Erde bringen zu lasten und sie mit einem gewissen Zug nach oben.der bas Wurzelwerk lockerte, wieber herauszuziehen. Schars aufpassen mußte man freilich, baß bte Zmken nicht hie Knollen trafen, aber bas lernte man bald. Dann rutschte man knienb auf ber (Erbe entlang, unb es war lustig, wenn rngn bte feuchten Knollen aus ihrem bunklen Versteck aufstöberte und sie mit lässigem Schwung in ben Korb warf. Schon war ber erste^Kord voll unb würbe in ben ersten leeren Sack aUÄam ber D-Zug. unb bie sechs Stullen im Nu weg, bie Kanne auf einen Zug ge- Uert Aber als Walter nun wieber frisch gestärkt bie Arbeit aufnehmen wollte, war sem Nucken vom Stillsitzen ganz steif geworben. Teufel noch einmal, Ut ging das Hacken nicht mehr so schwungvoll von der Hand' Und als er wieder auf dem Boden kniete, merkte er erst, wie scheußlich dreck g die Erde war Zie war naß und kalt und klumpig, kleine kantige Steine bohrten sich einem schmerzhaft,unterdle izm- St ”SU*' Ä - ssr »j-ä ä
OerIelVzugderliSTage
In einem Feldzug von achtzehn Tagen haben putsche Soldaten das Heer der Polen, eines Fünf- mddreibig-MiIlio.nen-Volkes, hinweggefegt; die deut- |ge Führung hat in schweigender Tat die alle Welt joerrafchende Antwort auf die bramarbasierenden geben der polnischen Oberstenclique gegeben, die hnterwärts der deutschen Hauptstadt die deutsche Srmee vernichtend schlagen wollte. „Der Pole", j-gte der Führer in seiner Danziger Rede am 9. September, „hat an vielen Plätzen tapfer gesichten. Seine untere Führung machte verzweifelte Snstrengungen, seine mittlere Führung war zu genig intelligent, seine oberste Führung schlecht, Liter jeder Kritik. Seine Organisation war pol- /sch!" Dieses Urteil ist vom Auslande unwider- frochen geblieben. Die harten Ereignisse hatten die fliünbe dafür geliefert. Die deutsche Ostfront hat ; jxnerhalb weniger Tage Geschichte gestaltet unb men der Versailler Un- und Aberwitze aus der Landkarte Europas ausgelöscht. Polen ist zerfallen, Europa steht vor neuen politischen Tatsachen.
Am 24. September lüftete das Oberkommando ber Kehrmacht in einem Rechenschaftsbericht, ber wegen jiimet sachlichen Sprache im Auslanbe ungeheuren Cinbrud gemacht hat, den Schleier von den Ope- rftionen in Polen. Der polnische Marschall Rydz- Cmigly, ber währenb bes Sommers in öffent- fchen Reden nicht nur Breslau und Königsberg er- oerte, sondern auch in Tempelhof westwärts Ber- ! die Deutschen schlug, hatte seine Armee, mit oder gerne Wissen der französischen und englischen Heeres- litungen, folgendermaßen offensiv aufgestellt: Drei Heeresgruppen sollten Ostpreußen unb janzig bedrohen, und zwar — von Osten Hetzen — eine zwischen Njemen und Narew, also Mischen Grodno und Wilna, eine mitt- |ce, sehr starke nördlich von Warschau Lva zwischen Kolno und Mlawa, und eine dritte in Korridor. Die Hauptmasse des polnischen feeres befand sich i m R a u m e v o n P o s e n ; sie sillte die Angriffe aus Oberschlesien und aus Pom- rem abwehren und von ihrer zentralen Lage inso- jrn Gebrauch machen, als sie den vorgehenden deutschen in der Flanke und im Rücken bedrohen jidte. Damit aber ließ sich diese starke Polengruppe is Wirklichkeit das Gesetz des Handelns vom deut- sien Gegner auferlegen, denn wenn tatsächlich diese Fall eingetreten wäre, hätten die Polen um fofen den Vorteil ihrer zentralen Stellung ver- lren und überdies die Aussicht, gegen Berlin, das
seine Verbindungen zu zerschneiden, um ihn somit in Einzelkämpfen zu überwinden, gelang.
Die Einheitlichkeit der deutschen Führung hatte die einzelnen Heeresgruppen am 1. September nach diesen Weisungen marschieren lassen. Der strategische Stoß kam den Polen derart überraschend, daß eigentlich schon am 2. September ihr ganzer Feldzugsplan zusammengebrochen, war und daß von da an jede einzelne polnische Gruppe für sich focht und untergehen mußte. Wenn ihr Marschall Rydz- Smigly jetzt in Rumänien erklärte, er habe schon am zweiten Tage des Feldzugs eingesehen, daß sein Plan falsch mar, er habe bann Frieden machen wollen, so spricht diese Erkenntnis durchaus gegen ihn und für die Genialität der ihm turmhoch überlegenen deutschen Führung. Gegen die stärkste Macht der Polen umPosenherum richtete sich zunächst der deutsche Stoß überhaupt nicht. Von der Heeresgruppe Nord des Generalobersten von Bock ging die Armee des Generals von Kluge aus Pommern vor, überschritt zwischen Grau- denz und Bromberg die Weichsel unb trennte im Zusammenwirken mit Teilen ber in O st preußen ausgestellten Armee des Generals von Küchler die starke polnische Korribor-Armee von ihren Verbinbungen. Dieser Schlag gegen General Bornowski erfolgte so rasch, baß die P o s e n e r Zentralgruppe der Polen gar nicht in der Lage war, ihn zu verhindern. Ihre eigenen rückwärtigen Verbindungen waren bereits bedroht, zumal die Armee des Generals von Küchler aus Ostpreußen bereits ben Marsch anben Narew angetreten hatte unb damit den Polen zuvorkam. Dieser Stoß erschütterte die Polen; Teile der Armee Küchler standen bald hinter Warschau.
Gleichzeitig erfolgte aber auch der Stoß aus demSüden. Die Heeresgruppe Süd des Generalobersten von Rundstedt war in drei Armeen eingekeilt Die Armee des Generalobersten L i st griff aus dem südlichen Teil des Protektorats und aus der Slowakei in Richtung Krakau an, bie mittlere bes Generals von Reichenau aus
Zwei Morgen Kartoffeln.
Von Joachim Lange.
„Unb der kleine Fetzen Land hier sind eure Kar- ti'feln, Onkel Fritz?" fragte Walter. „Da hat ja man- thrr Laubenkolonist bei uns in Berlin mehr!
Der Neubauer Fritz Rohde warf einen raschen, ftarfen Blick auf seinen dreizehnjährigen Neffen. !„5o?" meinte er. Und er erklärte ihm: dies hier sei ehr besonders guter Boden für Weizen und Zucker- irtfcen, deshalb baue er nur so viel Kartoffeln an, wie ei für die eigene Wirtschaft brauche. Nur zwei I Jorgen. „
.Nur zwei Morgen? Das ist ja rein gar nichts! «Es war in der Abenddämmerung, vor ein paar Kunden war Walter angekommen, um bei dem Bru- ■- W seiner Mutter die Herbstferien zu verleben, und um führte der ihn über sein junges Eigentum
„Ja, nur zwei Morgen", wiederholte Onkel Fritz. „Unb wenn bu es in behördliches Maß umrechnest, biim ist es sogar nur ein halber Hektar."
[ Nur ein halber Hektar? Aber, Kinder, damit mutzt •1“ doch im Handumdrehen fertig werden!
: vnkel Fritz sah sich um, wie wenn er die „Km- bor" suchte. Dann stand er einen Augenblick sinnend n b sagte: „Wir wollten gerade morgen mit Dem Kirtofselbuddeln anfangen. Ein Stück hat j-™*6 &tte übrigens schon vor zwei Wochen gemacht — Winten die Ecke an der Wegkreuzung. Du wolltest p s ja helfen: wie wär's, wenn du morgen mal ein ! bßchen in die Kartoffel gingst und siehst, wie weit kommst? Dann könnten Tante Lotte unb ich schon k^mer mit ben Zuckerrüben anfangen, bie machen Die ' "Liste Arbeit." , _ .
i, „Aber klar, Onkel! Faulenzen wollt ich M W i lcwieso nicht. Du mußt mir’s bloß zeigen. Stemel IAnkner hat benn ein Morgen?"^
„Na, hier so ungefähr hunbert."
„Was, nur hunbert?" s
; „3a, und wenn du nach Tonnen rechnest, Dann ■ fr-b es sogar nur fünf Tonnen." .,.
„Nur fünf Tonnen? Das ist ja rem gar nichts: | -Früh um 7 ging es los. Walter trug stolz feine [Öide, ein paar Säcke und einen Drahtkorb, mcht zu [Hessen sein Frühstück. „Werden sechs Stullen [ttchen?" hatte Tante Lotte gefragt. „Na klar! hatte | kalter, der eben erst vier Stullen verdruckt Halle, Llwtoortet. Unb daß er die große Kanne voll But-
man durste sie nicht zu fest an ber groben Sackschürze abstreifen, bas ging einem kribbelnb burch alle Nerven. Aber bann war es buch wieber schön, mittags, als bie Glocke läutete, die fünf prallen Säcke zu sehen, wie sie gleichsam zufrieben inmitten bes ausgerissenen Kartoffelkrautes ftanben.
„Nicht schlecht für ben Anfang!" lobte Onkel Fritz. „Heute nachmittag kann Rotkäppchen mitgehen, die Kinder können nebenbei auf dem Feldweg spielen." Rotkäppchen, eigenllich Erna, war die Maid aus dem Arbeitsdienstlager, bie vormittags bie beiben Kinber besorgt, bie Wohnung gesäubert unb bas Essen bereitet hatte.
Aber bavon wollte Walter nichts wissen. „Nem , sagte er, „nehmt Fräulein Rotkäppchen nur mit zu ben Rüben!" Die Kartoffeln mache ich ganz allein."
Sein Onkel sah ihn rasch unb scharf an. „Schön!" sagte er nur. Unb als er mit feiner Frau allein war, meinte er: „Bin neugierig, ob er burchhalten wirb!"
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Fischerdörfer verschwin'den, deren Cinwohner zunächst auf der Insel Rügen eine neue Heimat suchten. An der Ostsee liegen die Kreise Neu -- ft ab t — Karthau 5 unb Berent — Stargard, die im wesentlichen von Kaschuben bewohnt werden, einem Dolksstamm, der nicht zu ben Polen gehört. Das Gebiet stellt eine Endmoräne dar, ist mit Hügeln ünb Kuppen landschaftlich reizvoll, aber arm. Die Zahl ber Kaschuben ist unter dem Druck ber Polo Nisi erung zurückgegangen und beträgt h eute 100000 bis 140000. Die Kaischub en sind stets willige' Bürger des deutschen Staatswesens gewesen.
Der Korridor wird in seinem mittleren Teil mest- lich von der Stadt K o n i tz (10 000 Einwohner), im Osten an ber Weichsel von dem Städtchen M e w e begrenzt, das von einer stolzen Ordensburg überragt wird, die von der Kolonisation des Landes Zeugnis liefert. Dazwischen liegt das dünn besiedelte Land ber Tucheler Heid e. Don der auf altem Reichsgebiet liegenden Stadt Schneide- m ü h l führt die Hauptstrecke ber Reichsbahn über Konitz unb Dirfchau mitten durch den Korridor nach Marienburg und weiter nach Königsberg. Bei Dirschau (16000 Einwohner) befindet sich die große W e i ch s e l-b r ü ck e , ein stolzes Zeugnis deutscher Technik.
Weiter aufwärts ber Weichsel liegt die Festung G r a u d e n z , bie vor dem Weltkriege über 33 000 Bewohner zählte, von denen 85 v. H. deutsch waren. Hier verteidigte im Unglücksjahre 1807 der alte Courbiere bie letzte.Festung Preußens und gab zur Antwort, wenn es keinen König von Preußen mehr gebe, so sei er der König von Graubenz. Südlich davon liegt B r o m b e r g an der Brahe, eine schöne und saubere Stadt, die früher Sitz eines Regierungspräsidenten war und unter fast 90 000 Einwohnern 77 v. H. Deutsche aufwies. Durch die Verdrängung unb Vertreibung ber eingesessenen Bevölkerung hat sich auch hier unter der polnischen Herrschaft das Zahlenverhältnis fast, umgekehrt. Daher war der Vorschlag des Führers voll berech- ttgt, daß bei einer Volksabstimmung nur diejenigen
iur einige Tagemärsche entfernt lag, offensiv vor- gehen. Oberschlesien war durch eine etwas pwächere polnische Armee gedeckt, die aber in Ver- Mndung mit ben tief gestaffelten polnischen Kräf- tn stand, bie bei Krakau und Lemberg gruppiert Daren. Der polnischen Heeresleitung ftanben im- rerhin die großen Vorteile der innere n Linie p Verfügung, während bie deutsche zunächst ihre reit auseinantierliegenben Heeresgruppen in Verbindung setzen mußte, was immerhin — so waren zwischen Ostpreußen und ber deutschen Heeresgruppe (Eüb, ber Armee List, immerhin bie Entfernungen ron Tannenberg bis Krakau zu überwinden — trüge Zett erforderte, selbst wenn alles gut ging.
Der strategische Plan der Deutschen unter Generaloberst von Brauchitsch war in vollem Maße auf bas Zusammenwirken aller Waften- oettungen bes deutschen Heeres aufgebaut. Mit die- |nt Instrument wurde die polnische Aufstellung gmial aus den Angeln gehoben. Die deutschen Truppe wurden gewissermaßen an den polnischen Ausfüllungen v o r b e i g e s ch o b e n , sie stießen tief ii die Verbindungslinien der feindlichen Aufstellung hinein, zerschnitten sie unb zertrümmer- tn damit die ganze polnische Armee, Die bald m eftzelne umklammerte Teile zerftel.. Diese Stratege erscheint einfach, ist aber in Wirklichkeit geradezu n Meisterstück für Führung und Truppe, Denn die Wen hatten die Möglichkeit, sich mit stärkeren kästen gegen einzelne vorgehende Truppen der Irutschen zu wenden und sie zu vernichten, menn ijee Führung von demselben Angriffsgeist beseelt Mesen wäre und dasselbe Truppenmaterial gehabt
beteiligt werden durften, die im Jähre 1918 im Korridor wohnten. Zwischen Bromberg unb Grau- denz liegt Kulm, bie alte Bischofs stabt, die einst der Mittelpunkt der deutschen Kulturatbeit war. Die „Kulmer Handfeste" war die vorbildliche Verfassung für alle Städte des Ordenslandes. Westlich von Bromberg finden wir Rakel, das einst ein wichtiger Holzhafen an der Netze war.
Die Besiedlung des Landes hat sich in der Hauptsache zwischen 1250 und 1350 vollzogen. In diese Spanne fallen die Gründungsjahre der meisten Städte, an denen das Land reich ist. Nach der Vertreibung von hunderttausenden deutscher Bürger und Bauern ist hier ein kultureller Stillstand ein» getreten. Besonders hatten es die Polen auf die deutschen Ansiedler abgesehen, die meist im Erbbaurecht angesessen waren. Sie behaupteten, der politische Staat sei der Nachfolger ber preußischen Ansiedlungkommission und habe das Recht, die deutschen Siedler zu verdrängen, um Zuwanderer aus Galizien und Kongreßpolen anzusetzen, wo einst deutscher Schweiß die Scholle gedüngt hatten
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mit seinen Händen an vielen ewig gleichen endlosen Tagen aus der Erde gewühlt hatte. Am letzten Tage wanderte er, von Tante Lotte wohl versehen mit Stullen und Limonade, an die Küste. Das war ein schöner Abschluß der Ferien und der Arbett, als er zum erstenmal die See, die weite graue See hinter den weißen Dünen auf sich zurollen sah. Aber noch viel mehr als über die See freute er sich schon während des ganzen Tages auf etwas anderes, nämlich auf das Festessen, das es heute abend zu feinem Abschied geben sollte. „Etwas ganz besonders Feines!" hatte Onkel Fritz ihm verheißen, und Tante Lotte hatte geheimnisvoll dazu gelächelt. Sonst gab es an einem Abend Pellkartoffeln mtt Specktunke, am nächsten Specktunke mit Pellkartoffeln, am dritten wieder Pellkartoffeln mit Specktunke — was würde es wohl heute geben? Ob Onkel Fritz ein Huhn geschlachtet hatte? Ob Tante Lotte beim Bäcker eine Torte hatte machen lassen mit seinem Namen in Zuckerguß?
Und was brachte Tante Lotte dann auf den Tisch in riesigen dampfenden Schüsseln? Pellkartoffeln und Specktunke ...
„... aber keine gewöhnlichen Kartoffeln", sagte Onkel Fritz, „sondern zum erstenmal Kartoffeln von dir. Ich denke, sie werden dir besser schmecken als jemals Kartoffeln."
Besser als jemals Kartoffeln? Bester, viel bester, als ihm das zarteste Hühnchen, die feinste Torts hätte schmecken können!
Aber Onkel Fritz hatte noch etwas. „Ich weiß. Junge", sagte er, „du mochtest gern ein Fahrrad haben. Hier, kauf dir eins, wenn du wieder in Berlin bist! Es soll kein Lohn sein für deine Arbeit, benn ber Lohn, bas hast bu ja gemerkt, steckt nicht tm Gelb. Unb mir hat es Spaß gemacht, bir zuzusehen." Damit hotte er was aus ber Tasche. Drei Zehnmarkscheine!
Walter konnte sich kaum bebauten, so überwältigt war er. Aber balb kaute er wieber Kartoffeln, seine Kartoffeln, und schließlich meinte er: „Aber was ich bir schon immer sagen wollte, Onkel Fritz, so wenig ist bas boch nicht, zwei Morgen Kartoffel- lanb!"
„Da hast bu recht", sagte Onkel Fritz, und in seiner Stimme war auch nicht eine Spur von Spott. „Ueberhaupt kann man die Größe eines Ackers nur schlecht aus seiner Morgen- oder Hektarzahl ermessen. Wie groß ein" Acker ist, weiß man erst, wenn matt ihn selber abgeerntet hat."


