Ausgabe 
29.4.1939
 
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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

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Vom ersten Spatenstich zum Mchtsest

Charakter geben!

In der Schwarzlach werden jetzt Häuser verputzt.

Hier wird Speis gemischt. (Aufnahmen [8]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Der Klempner hat seinen Arbeitsplatz im Freien aufgeschlagen.

Bauunternehmen und Handwerkerschaft in un-

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strengten Arbeit hinter sich, zudem sie ja nicht nur innerhalb der Stadt Gießen, sondern auch an zahl­reichen auswärtigen Baustellen ihre Kraft beweisen mußten. Die Reichsautobahn und manches Bau­werk an der Autobahn haben viele Arbeitsstunden und manches Tagewerk in Anspruch genommen.

setzt der Maurer sorgfältig nach Schnur und Senk­blei die Steine aufeinander, bringtSpeis da- zwischen, setzt die Steine systematisch im Verband und augenfällig sieht man den Erfolg seiner Ar­beit. Zu ebener Ewe rattert die Betonmischmaschine, werden in den bekannten flachen Kästen Kalk und Sand untereinander gebracht; ein Lastauto hält und Steine werden abgeladen kaleidoskopartig wechseln die Bilder, die sich dem bieten, der die Zeit dazu hat, zuzusehen.

Dem aufmerksamen Betrachter unserer Bilder wird es nicht entgehen, wie dabei in scheinbaren Kleinigkeiten eine Fülle der Erfahrung steckt^So ist es interessant, wie in dem Bild mit dem Manne, der Steine zu tragen hat, diese Steine geschichtet sind! Der Stein unmittelbar über seinem Kopf scheint gar keinen Halt haben zu können. Und erst bei genauem Zusehen sieht man, daß durch die Schrag- stellung der Steine links und rechts des Kopfes dieser mittlere Stein gehalten wird! Und wer sich das Gerüst ansieht, von dem aus die Weißbinder die Hausfront verputzen, dem muß es auffallen, mit welch geringen Mitteln das Gerüst gebaut ist, das die Männer trägt und doch gestattet, bequem jeden Teil' der Frontfläche bearbeiten zu können.

Und während hier der Rohbau entsteht, wird für ein anderes Haus das Dachgebälke aufge­schlagen und der Balkon gezimmert. Sicher und schwindelfrei bewegen sich die Zimmerleute m ihrem Bereich. Es sicht sehr hübsch aus, wenn ein neues Dachgebälk hell und in seinen vielfachen Linien ge­gen dunkelblauen Himmel und Wolken steht. In­dessen schneidet sich der Klempner auf seiner kleinen Arbeitsbank die Rohre für Gas und Wasser­leitungen zurecht, schneidet Gewinde, schraubt Fit­tinge auf und verschwindet dannn mit seinem Rohr­stück im Haus. (

Und wieder in einem anderen Neubau sind die Schreiner am Werk, setzten Türenfutter oder Fen­sterrahmen ein, legen Fußböden, während im näch­sten Hause die Weißbinder die Pinsel schwingen oder auf schwankenden Gerüsten den Außenverputz

Der Zimmermann im Dachgebälk hat einen luftigen Arbeitsplatz.

manden überflüssig sein. Es liegt viel Arbeit zwi­schen dem ersten Spatenstich und dem Bild oder der Plastik die dem oder jenem Raum den besonderen

ehr viel gebaut worden t und diese Neubauten den Charakter der bis vor kurzem selbständigen Gemeinde grundlegend verändert haben. Gießen und Wieseck wachsen in mehr als einem Sinne immer mehr zusammen. Dabei soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, daß auch einige Gebäude, ins­besondere im Stadtinnern allen mußten. Welche es auch gewesen sein moch­ten: es war nicht schade darum! Im Woh­nungsbau innerhalb un­srer Stadt reichten sich häufig private Initiative und öffentliche Förde­rung die Hand.

Aber auch die öffent­liche Hand entfaltete eine lebhafte Bautätigkeit. Durch die Stadt Gie­ßen wurde mancher Bau erstellt, der dem öf­fentlichen Interesse dient. Da entstand der Komplex Kirchenplatz - Schloßgasse Lindenplatz, dem der bau­fälligsten Teile des älte­sten Stadtgebietes Platz machen mußte; es wurde die Diehmarkthalle Rhein- Main mit der hübschen Bauernschänke gebaut, da entstand für den Schlacht­hof eine neue Kuttelei und ein neues Verwal­tungsgebäude, bevorsteht der Bau des HJ.-Heimes, ein Bauvorhaben von nicht alltäglichem Um­fang. Für die Univer­sität wurde durch den Staat mancher Um- und Ausbau vorgenommen, wenngleich hier umfang- 1 reichere Bauten der nahen Zukunft vorbehalten sind.

In der Reihe der gro­

ßen Bauten dürfen die

Bauten der Wehrmacht nicht vergessen werden, für die über Jahr und Tag die Lastwagen rollten, um das Baumaterial herbeizuschaffen. Gießen ist dadurch eine Garnisonstadt ersten Rangs geworden. Auch die Wirtschaft und die Industrie ist in unserer Stadt mit manchem Um- und Er­weiterungsbau hervorgetreten.

muß, um Nachschau zu halten. Denn schneller wird das Haus dadurch auch nicht fertig!

Solcherlei Gedanken um das Haus sind ganz pri­vat und ließen sich deshalb weit und immer weiter ausspinnen es ist aber nicht der Zweck dieser Zeilen den Empfindungen eines angehenden Haus­besitzers oder gar denen einesUnbefugten nach­zuspüren, demdas Betreten der Baustelle verbo-

Vielmehr ist das ganze Bpuwesen eine höchst öffentliche Angelegenheit, eine Sache von wirtschaft­licher Bedeutung, von öffentlich-rechtlichem Charak­ter es ist zweckbetont, es ist eng verknüpft mit Zivilisation und Kultur und immer auch mit der Kunst und mit der Aeschetik verwandt und ver­schwägert. Das Bauwesen ist eines der großen be­lebenden Elemente unserer Wirtschaft unserer heimischen Wirtschaft. Das Baugewerbe ist Schlüsselgewerbe! Es spannt den Tiefbauarbeiter

Hochinteressant, einmal Rückschau zu halten, z.B. auf die vergangenen sechs Jahre, feit denen Deutsch­land und damit auch unsere Stadt Gießen im Zei­chen des Aufbaues steht. Es ist viel Neues ge­schaffen worden in diesen sechs Jahren und wenn hier in den folgenden Zeilen der Versuch gemacht werden soll, einmal aufzuzählen, was in Gießen alles gebaut worden ist, dann erhebt die Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Wenn man schon mit den Wohnhausbau- t e n beginnen will, dann kann man sich auf summa­rische Zusammenfassungen beschränken. Ganze Straßenzüge sind neu entstanden! Ostmarkenviertel mit Danziger, Memeler, Posener, Schlesischer, Hult- schiner, Graudenzer Straße usw. Im Eichgärten­gebiet sind die Fröbelstraße, die Curtmannstraße, der Tannenweg entstanden, amAlten Friedhof" wurden viele Häuser gebaut, die Bergstraße wurde verlängert, in der Lessingstraße entstand ein mäch-

Erinneruna an das Richtfest für das nun eingeweihte Lazarett. Der schöne Richtfestkranz wird aufgezogen.

Es ist ein Vergnügen ganz eigener Art, in Häu­sern herumzusteigen, Jbie noch gar keine Hauser sind, sondern erst welche werden wollen! Es ist von eige­nem Reiz, in Räumen zu sein, die dereinst Wohn­räume fein sollen, Leben bergen werden und in ihrer Halbfertigkeit vorerst nur steinerne Wände sind, nur Rohbau! Die Phantasie geht dann spa­zieren und beginnt sich auszumalen, was wohl für Bilder an den Wänden hängen werden, wie woyl die junge Hausfrau aussehen mag, die hier In durchaus absehbarer Zeit schalten und walten wird und wieviel Kinder da herumspringen werden, wo jetzt noch Sand den Boden bedeckt, der Wind durch die noch offenen Fensterhöhlen bläst und der Regen hereinjagt. Wie schön mag es sein, ein eigenes Haus so heranwachsen zu sehen! Wenn da die zu­künftige Hausfrau Umschau im Rohbau hält, dann sieht sie schon ohne viel darüber zu reden ob guteStellwände" da sind, ob hier der Kuchen­schrank hinpaßt und dort das Büfett, der Kleider- schrank und die Betten ...

Aber jetzt haben noch die Handwerker die Herr­schaft und sie fragen sich wobl oft, ob der zukünftige Hausbesitzer mit all seiner Ungeduld so oft kommen

tiger Wohnhauskomplex, und am Nahrungsberg 5--- . ..... ,

stehen neue fiäufer. Im Süden der Stadt wuchsen erer Stadt haben nun schon Jahre -'ne ange- am Wartweg. am Aulweg. am Schlangenzahl viele r-11 n1*1 nur

schöne Wohnhäuser heran; neu entstand die Schu- bertstraße und wenn sich auch die Stadt nicht nach dem Westen ausdehnen konnte, so tat sie es doch in nördlicher Richtung. In den Schießgärten entstanden hübsche Ein- und Zweifamilienhäuser, Kleinwoh­nungen wurden an der Krofdorfer Straße, am Lei­menkauter Weg erbaut und gerade die dortigen Wohnhausbauten sind auf eine feine Weise der weiten Landschaft verbunden. Ein Wohnungsbau­vorhaben außerordentlichen Ausmaßes hat die Schwarzlach" von Grund auf verändert. Dort ent­standen 300 Wohnungen, die bald alle bezugsfertig sein werden. Ueberall, bei einer Runde in den Grenzbezirken unserer Stadt trifft man neue Wohnhäuser an. Wenn man der Konsequenz halber

Eine Last schwerer Steine, kunstvoll geschichtet.

Das Bauen selbst ist ein zutiefft sinnvolles Wir- ken. Wenn man auf einem Bauplatz steht, so spürt man fast auf jedem Arbeitsplatz, daß die Theorie überwunden und in Plänen fixiert ist. Die prak­tische Arbeit beherrscht das Feld!

Es ist schön, dabei zu sein, wenn sich auf einem verhältnismäßig kleinen Raum die Möglichkeit bie­tet, den Hausbau in allen feinen Etappen sehen zu können, wie es z.B. gerade gegenwärtig an der Jahnstraße und am Tannenweg der Fall ist. Dort kann man jetzt alle Handwerker sehen, die über­haupt am Hausbau beschäftigt sein können, Hier

Ein fröhlicher Maurer bei seiner Arbeit.

besorgen. Die Elektriker ziehen ihre Leitungen, drüben sind die Dachdecker an der Arbeit, hier werden die Pfosten für die Gartenmauern betoniert und ein Haus weiter da liegen etwa 15 Bade­wannen einträchtig beieinander und harren des Einbaus. ,, .

Und überall ist der tätige Mensch an der Arbeit, der Bauhandwerker, der, wie es kürzlich bei der Lazarett-Einweihung so schön gesagt wurde, in das Namenlose zurücktritt und das Werk seiner Hande verläßt, wenn das Haus schlüsselfertig ist und seiner Bestimmung übergeben werden kann, N«

Die Decke eines Wohnhauses entsteht, Holz, Eisen M Stein fierbi

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