Gartenbaubetriebe für jeden Verkauf an Sonntagen geschlossen bleiben.
D i e Kreishandwerker schast Gießen gibt bekannt, daß die Ausgabe der grünen Der sicherungskarten zur Altersversorgung am Montag, 3. Juli, bei der Kreishandwerkerschaft, Goethe- straße 7, l., erfolgt. Handwerkerkarte und letzter Ein- kommensteuerbescheid sind mitzubringen.
*♦ D i e Fettschein-Abgabe für biß Monate Juli bis September erfolgt nur
vormittags von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr. Die Fettscheine, die an den vom Sozialamt angegebenen Tagen nicht abgeholt werben, können später nur noch Mittwochvormittags in Empfang genommen werden. An Kinder werden die Fettscheine nicht ausgehändigt.
** Das Hessische Str a ß e n b a uo m t Gießen gibt die Vergebung von Straßenbau- unterhaltunasmaterial bekannt. Die Angebotsvor- drucke sind bei den Lezirksbauämtern erhältlich.
Deutscher Honig
Aus verschiedenen Quellen gewinnt die Biene den Honig, einmal aus den Nektarien, d. h. den Honigdrüsen der Blüten und zum andern aus dem Honigtau, der sich auf Blättern und Nadeln der Bäume findet. Zu den wichtigsten Honigtauerzeugern gehören Fichte, Weißtanne und Lärche und von den Laubbäumen Linde, Ahorn und Eiche. Allerdings ist das, was sich aus den Blättern und Nadeln findet und was die Bienen zu den Blüten lockt, nicht schon Honig. Honig ist erst das Erzeugnis der Bienen, ein Produkt also, das in vielfältigen Arbeitsgängen von den Bienen hergestellt und mit Drüsensäften von ihnen bereitet wird. Erst die Fermente, die die Bienen in ihrem Körper den vflanzlichen Säften zu- setzen, und die durch sie bewirkte Spaltung des Rohrzuckers in Frucht- und Traubenzucker machen den Nektar zu dem für die menschliche Gesundheit so überaus zuträglichen Honig.
Einen wesentlichen Einfluß auf den Wert des Honigs hat auch die Gewinnung und Behandlung durch den Imker, wenn man seine Beschaffenheit auch, wie häufig noch angenommen wird, nach Geschmack und Geruch nicht beurteilen kann. Es spielen allzuviel Umstände mit, die das unmöglich machen, wenn man natürlich auch ungefähr die Haupttrachtpflanzen mit der Zunge feststellen kann. Ob aber ein Honig mit einem andern verschnitten ist, läßt sich auf diese Weise nicht nachprüfen. Dazu bedarf es anderer Mittel und Wege, und hier hat nun die sog. Pollenanalyse zum Ziele geführt.
In den letzten Jahrzehnten hat der Pollen, also der Blutenstaub der Pflanzen, für die Moorforschung und für die Waldgeschichte der Nacheiszeit große Bedeutung erlangt, war es mit seiner Hilfe doch mög-
im Einheitsglas.
lich, die Pflanzen festzustellen, die vor vielen Jahr- zehntausenden in Deutschland heimisch waren. Diese Pollenanalyse hat man nun auch bei der Herkunftsbestimmung unseres Honigs angewandt und so feststellen können, welchen Pflanzen er entstammt. Beim Einsammeln des Nektars durch die Bienen gelangen nämlich auch mikroskopisch kleine Blütenstaubteilchen mit in die Zellen der Waben. Da nun der Pollen jeder Pflanzenart eine bestimmte Form hat, so kann man leicht unterscheiden, ob es sich zur Hauptsache x B. um Linden-, Akazien-, Kornblumen-, Obst-, Waldhonig usw. handelt. Auf diese Weise läßt sich also feststellen, daß Honig, der Pollen enthält, der von Pflanzen stammt, die in Deutschland nicht vorkommen, mit Honig ausländischer Herkunft vermischt wurde.
Deutscher Bienenhonig ist heute allerdings zumeist auch schon äußerlich kenntlich. Bon der Reichs- facharuppe Imker ist s. Zt. ein sog. Einheitsglas geschaffen worden, dessen nur die organisierten Imker sich bedienen dürfen, die damit auch die Gewähr dafür übernehmen, daß das, was in diesem Einheitsglas auf den Markt kommt, reiner deutscher Bienenhonig ist, der zudem eine sehr sorgfältige Behandlung erfahren hat.
Auf großen imkerlichen Veranstaltungen wie z. B. auf der Reichskleintierschau und jetzt wieder auf der Reichsnäyrstandsschau in Leipzig fand man dieses Einheitsglos in vielen Tausenden von Exemplaren mit Honig in den verschiedensten Farben, vom hellsten Weiß des Rapshonigs bis zum dunklen Schwarzgrün des Waldhonigs. Verschieden in Geschmack und Farbe ist der deutsche Honig, aber gleich in seiner Güte.
Aus der engeren Heimat.
Die Stadt Alsfeld im Fremdenverkehr.
Mitgliederversammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins.
>6- Alsfeld, 27. Juni. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. V ö l s i n g hielt der Verein feine Mitgliederversammlung im „Gasthaus zum Hessischen Hof" ab. Aus dem Tätigkeitsbericht des Leiters ging hervor, baß der Verein bestrebt ist, den Anforderungen des gesteigerten Fremdenverkehrs in Alsfeld gerecht zu werden. Zu diesem Zwecke wurde «in neues Werbefaltblatt herausgegeben. Ferner beteiligt sich der Dertehrsverein an der durch den Landesfremdenverkehrsverband Rhein - Main veranlaßten Gemeinschaftswerbung in den dafür vorgesehenen Zeitungen. Außerdem erfolgten Werbungen in den bekannten Fachadreßbüchern. Tnrrch die günstige Lage des Zubringers zur Reicksautobahn in unmittelbarer Nähe der Stadt ist eine erhebliche Steigerung des Kraftwagenverkehrs in der Stadt zu verzeichnen. Die Werbung für Beschaffung von privaten Unterkunstsräumen soll fortgesetzt werden, da die verfügbaren Zimmer der Gaststatten nicht mehr ausreichen. Ferner erwarb der Verein 500 Exemplare des Werkes „Alsfeld" von Professor Dr. Meyer-Barkhausen (Gießen). Das Buch wird zu Werbezwecken verbilligt abgegeben. Die vom Rechner des Vereins, Stadtinspek
tor S e i p p e l, vorgelegten Rechnungen der Geschäftsjahre 1 9 3 7 und 1938 wurden genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der Jahresbeitrag wurde in derselben Höhe wie seither mit 2 Mark festgesetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, eine tatkräftige Mitgliederwerbung alsbald in die Wege £u leiten. Der Voranschlag für das Geschäftsjahr 19 3 9 bewegt sich mit 846,61 Mart in Einnahme und Ausgabe und wurde genehmigt. Unter Verschiedenes wurden aus dem Kreise der Mitgliederversammlung zahlreiche Anregungen und Wünsche bekanntgegeben, die sich namerrtlick aus die Verschönerung des Stadtbildes und die Ausgestal- tuna der städtischen Anlagen bezogen und deren Förderung der Leiter des Verkehrsvereins zusagte. Besonderes Augenmerk soll künftig der Freilegung des Fachwerkes an alten Holzhäusern geschenkt werden unter Zuschußgewäy- rung durch die Stadt.
Marburger Festspiele
vom 1. Juli bis 6. August.
* Marburg, 27. Juni. In Marburg finden auch in diesem Jahre wieder, und zwar in der Zeit vom 1. Juli bis 6. August, die „Marburger Festspiele" statt, für die in diesem Jahre Aufführungen
von vier verschiedenen Theaterstücken vorgesehen sind. Das Programm verzeichnet das spanische Lustspiel von Tirso de Molina „Don Gil mit den grünen Hosen", ferner erfährt eine Dolkskomodie von H. W. Hillers unter dem Titel „Der Flurschutz von Wakefield" in Marburg feine Uraufführung. Shakespeares unsterbliches Lustspiel „Ein Sommer- nachtstroum" steht wiederum auf dem Programm, und als vierte Aufführung wird Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia" gezeigt werden.
Freilegung der Kasematten der Dillenburger Burg.
Lpd. Dillenburg, 27. Juni. Nachdem bereits in den vergangenen Jahren an der alten Dillenburger Schlohoeraanlage, dem früheren Stammsitz der Prinzen von Oranien, umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt worden sind, sollen jetzt die noch nicht zugänglichen unterirdischen Gänge und Käse- matten der früher stark befestigten Buraanlage frei- gelegt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.
Hunderte von Hühnern durch Marder und Füchse gestohlen.
Lpd. Westerburg (Westerwald), 27. Juni. Im Gebiet des Westerwaldes haben die Füchse und Marder in den letzten Jahren eine so starke Vermehrung erfahren, daß Hühnerdiebstähle dieser kleinen Raubtiere fast an der Tagesordnung sind. Es vergeht kaum ein Tag, in dem Marder oder Füchse nicht in einen Hühnerstall eindringen und aus ihm mehrere Hühner wegschleppen. In den letzten Monaten sind in den Dörfern des Westerwaldes auf diese Weise Hunderte von Hühnern verschwunden, wodurch den Landwirten und Hühnerhallern ein beträchtlicher Schaden entstanden ist.
Landungsfahrten des „Graf Zeppelin" nach deutschen Städten.
Jeden Sonntag ab 2. Juli bis zum Spätsommer.
Lpd. Frankfurt o.M., 27.Juni. Das Luftschiff LZ 130 „Graf Zeppelin" wird in den kommenden Monaten Landungsfahrten nach deutschen Städten durchführen. Mit der Aufnahme dieser Fahrten ist ab Sonntag, den 2. Juli, zu rechnen. Weitere Fahrten werden voraussichtlich bann mit wenigen Ausnahmen jeden Sonntag bis zum Spät- ommer durckgeführt werden. Das Luftschiff wird e nach der Wetterlage in den Vormittagsstunden starten und abends nach dem Heimathafen zurück- kehren. Als erste Stadt wird am kommenden Sonntag Meiningen besucht werden. Mit einer ganzen Reihe anderer Städte schweben zur Zeit 93er- hcmdlungen, die noch nicht endgültig abgeschlossen sind.
Durch die Starts und Landungen bei diesen Fahrten des Luftschiffes wird auf dem Flug- und Lust- schiffhaien Rhein-Main bei Frankfurt a. M. die Möglichkeit gegeben, nach längerer Pause wieder dem aus früheren Jahren gewohnten Schauspiel eines startenden und landenden Luftschiffes beizu- wohnen.
Landkreis Gießen.
* Inh« ide n, 28. Juni. Der beim Schwelkraftwerk angestellte Lokomottvführer Karl Lotz von hier geriet gestern nachmittag unter bie Lokomotive der Grubenbahn und erlitt dabei so schwere Verletzungen an einem Bein, daß er sofort durch die Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach der Gießener Chirurgischen Klinik gebracht werden mußte. Die Verletzungen waren so erheblicher Natur, daß dem bedauernswerten Manne sofort das Bein bis zum Knie amputiert werden mußte.
+ Allertshausen, 27. Juni. In unserer Gemarkung haben sich in diesen Tagen die Wild- s ch w e i n e wieder einmal sehr unliebsam bemerkbar gemacht. Sie haben sich insbesondere auf Kar-
tofseläcker gestürzt und erheblichen Schaden ange- richtet. Der hiesige Förster Beyer hatte sich des- halb auf die Suche nach den Tieren begeben, und es gelang ihm auch, einen Keiler von über einem Zentner Gewicht zu erlegen.
kreis Friedberg.
— Butzbach, 27. Juni. Die Bautätigkeit hielt sich in unserer Stadt feit Frühjahrsbeginn in dem gewohnten Ausmaße. Einige im Herbste fertiggestellte Rohbauten werden im Innern fertiggestellt. Daneben sind eine Anzahl Wohnhäuser und einige größeren Bauvorhaben im Entstehen begriffen. Der Stall für das Ernährungshilfswerk wird in Kürze im Rohbau fertiggestellt sein, so daß im Lause des Sommers die „Belegschaft" einziehen kann und so die Küchenabfälle in der Stadt ihrem nutzbringenden Zwecke zugeführt werden können. Unser historischer Marktplatz, der durch seine kunstvollen Fachwerkbauten weithin bekannt ist, hat durch Freilegen des Gebälkes und entsprechenden Anstricy an drei Häusern eine wesentliche Erweiterung nach der Wetzlarer Straße erhalten und ist dadurch um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden. In der vorigen Woche wurde mit dem Bau einer Reihe Eigenheimhäusern begonnen. Die 9 Ei nf ami li enw oh nun gen sollen sämtlich noch in diesem Jahre fertig und bezugsfähig werden. Eine Reihe von Erweiterungs- und Umbauten waren notwendig geworden. Das Daühand- werk ist voll beschäftigt.
kreis Alsfeld
c. Flensungen, 28. Juni. Am Sonntag veranstaltete die hiesige Kriegerkameradschaft aitf ihrem Schießstand am Ortsausgang nach Mücke ein Leist u n g s sch i e ß e n. Als Höchstleistung konnten 35 Ringe erzielt werden.
c. Merlau, 28. Juni. Die Ortsgruppe der NSDAP. Merlau hielt am Samstagabend bet Pg. Baist ihren Mitgliederappell ab. Mit einem Lied wurde die Versammlung eröffnet. Schulungsleiter Dönges schilderte sodann die Verhältnisse der Ausländsdeutschen in großen Zügen. Weiterbin gab er noch Aufschlüsse über das SA.-Wehrsport- adzeichen bekannt. Zum Schlüsse sprach noch der Ortsgruppenleiter Münch über geschäftliche Angelegenheiten. Mitgliedskarten- und -bücher gelangten zur Ausgabe.
ORunOfunfprogramm
Donnerstag, 29. Juni:
5 Uhr: Frühmufik. Es spielt der Mufikzug der Gruppe 1 (Ostland) des NS.-Fliegerkorps. 5.50: Dauer, merk auf! 6: Uebertragung nach Saarbrücken: Morgenlied — Morgenspruch — Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Es spielt die Kapelle Otto Fricke. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Königsberg. 9.30: Nur Koblenz-Trier: Nachrichten. 10: Schulfunk. Volkskiedsingen. Leitung: Helmut Franz. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Ausführung: Das kleine Rundfunkorchester. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Frisch aus der „Presse" (Jndustrie-Schall- platten und (figenaufnahmen). 14.45: Für unsere Kinder: Heut sollt ihr fleißige Handwerker sehn. 16: Bäderkonzert. Einlage 17 bis 17.10: Bücher, von denen man spricht. 18: Aus Arbeit und Berus: Die Frau im sozialen Dienst. 18.30: Wagen und Mann am Westwall. Motoren als Helfer zum Schutze der Heimat. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher (Jndustrie-Schallplatten und Ci gen aufnahmen). 20: Nachrichten. 20.15: „Singendes klingendes Kassel". 22: Nachrichten. 22.15: Sportnachrichten in Kürze. 22.20: Unsere Kolonien: Hörerbriefe von drüben... 22.35 bis 24: Volksund Unterhaltungskonzert.
GROSSGARAGE
■Qltßl Weiten
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Qsrl Duncker Verlag, Berlin W 35
1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Box 18 wird frei. Aber sagen Sie Preetz, er müsse mit der Limousine in die Sammelgarage, wenn er kommt. Ich muß Box 18 vermieten. Muß alles besetzt sein, wenn die Pachtbewerber er- scheinen! Verstanden?"
„In Ordnung, Herr Mühsam!" Fritz hastete nach unten. Nun mal 'ran an die „Gemüsekraft"!
Was für Namen die Wagenwäscher erfanden! Fast jedem Wagen hatten sie einen Spitznamen ge. geben. Die ersten Tage hatte er gar nicht gewußt, was eigentlich los war, wenn sie so redeten. Die „®emüfetraft , das „Fräulein", der „Star", der „Doktor", die „Verleih", die „Garage"... Aber jetzt wußte er Be cheid. Die „Verleih" — das war Hilde Webers Wagen, in dem sie mit ihren Büchern aufs Land fuhr. Und das „Fräulein" — das war der Wagen von Fräulein Sandner, der in der großen Sammelgarage stand. Der „Star" — das war der Wagen des Schauspielers Vallendar, und der „Doktor" gehörte Dr. Römer, dem Arzt, der gegenüber seine Praxis hatte. Und „der Garage" war der große Wagen, der vermietet wurde.
Als Fritz mit der Benzinkanne bei der „Gemüse- kraft" angelangt war, heulte der Motor auf. Der behäbige Gemüsehändler Neumann lachte und winkte leutselig ab. „Feiner Wagen — braucht bloß die Benünspritze zu sehen, schon springt er an... Zieh n Sie man wieder ab, Herr Huckemann!"
Von oben ertönte ein Signal. Fritz lief wieder hinauf.
Ein Wagen hielt vor der Tankstelle. Ein Blick genügte für Fritz: Es war der Wagen Dr. Römers.
„'n Abend, Herr Dotter! Wieviel Liter?"
Dr. Römer flieg aus. Sein Übergangsmantel stand offen. Sein braunes Haar, nach hinten zurück- gestrichen, war an den Schläfen ergraut. Freundlich nickte er Fritz zu. „Zwanzig Liters Er blieb einen Augenblick neben dem Tank stehen und bettachtete die vielen Werbesckilder und die Ratschläge für Autofahrer an den Wänden.
Bißchen viel war es heute! dachte er. Tja, der Herbst bringt das so mit sich... Und während er ein paar Schritte vorwärts machte, um aus dem Bereich des Tanks zu kommen, und in die Tasche griff, um sich eine Zigarette anzustecken, farm er über einige Fälle nach. Unbewußt bas Gefühl des
Genusses auskostend, Mies er den Rauch vor sich hin und beobachtete, wie die Wagen die roten Winker ausstreckten, in einer Kurve in die Ein- ahrt bogen und dann wie Raubvögel in die Diese schossen.
Ausspannen mußte man! In den paar Stunden, in denen man frei hatte, sich völlig aus der Praxis loslösen! Tja, wenn das so einfach wäre... Ob er noch mal zu Frau Preetz hinaufging? Doch der Fall lag ja völlig normal. Aber er könnte vielleicht dabei Charly treffen?
Bei dem Gedanken an sie lächelte er. Es wäre schön, einen Abend mit Charly zu verbringen. In ein Konzert zu gehen ober in ein Theater. Sie neben sich sitzen zu sehen. Ihre dunkle Stimme zu hören. In den Glanz ihrer braunen Augen zu Micken.
Sein Gesicht verdüsterte sich. Was hatte Charlotte in den letzten Tagen? Sie war anders geworden.- Sie wollte nicht ausgehen, sie saß zu Hause, und er fürchtete, sie grübelte... Seinetwegen? Dachte sie nun daran, daß es eigentlich Zeit sei, sich zu entscheiden? Für — oder gegen ihn?
,Hst Fräulein Sandner schon gekommen?" fragte er.
„Nein, Herr Dokter, noch nicht. Aber nun muß sie ja wohl gleich kommen... Der Wagen ist fertig. Zwanzig Liter Benzin, ein Liter Oel. Ich hole gleich die Quittung aus dem Büro!" Fritz wollte gehen.
In dieser Sekunde packten scharfe Scheinwerfer die Einfahrt zur Garage. Ein langgestreckter Sportwagen kam in rascher Fahrt heran.
Der Wagen war offen, und Fritz begrüßte den Fahrer mit einem lauten Zuruf: 'n Abend, Herr Vallendar! Willkommen in Berlin!"
„War das der Schauspieler Vallendar?" fragte Römer.
„Jawohl, Herr Dotter! Er ist heute früh aus Aegypten zurückgekommen. Hat dort gefilmt."
Römer nickte. Vallendar — auch jemand, den man ganz aus den Augen verloren hatte. Und sie hatten sich doch so gut verstanden damals, als er den Schauspieler wegen eines Knöchelbruchs behandelt hatte. Er hatte ihn in die Klinik von Geheimrat Wiesener gelegt. Ja, sie hatten eigentlich geglaubt, es würde eine Freundschaft fürs Leben werden. Und nun war es doch nichts geworden.
Der Berus frißt einen auf! stellte Römer sachlich fest. Seiner wie meiner — das ist eben so. Was für schöne Abende hatte er mit dem Schauspieler verbracht! Vallendar glühte vor Temperament. Er erzählte glänzend: Wahres, Erfundenes, alles durch, einander. Kein Mensch wußte zum Schluß mehr, was wahr und was erfunden sei.
Römer ging auf und ab, um auf den Schauspieler zu warten.
Ganz unvermittelt tönten Rufe aus der Garage. Eine mächtige, geschulte Stimme schimpfte: „Toll ist bas! Huckemann — kommen Sie her! Hucke- mann!! Zum Donnerwetter — Huckemann!" Die
Stimme kam näher. Offensichtlich lief der Mann den Tunnel herauf.
Der Tankwart eilte an die Stelle, wo der Weg sich in die Tiefe senkte. Er beugte sich hinunter, um abwärts spähen zu können. „Hier bin ich! Was ist denn los?"
„Ein fremder Wagen steht vor meiner Box! Haben Sie vielleicht meine Box während meiner Abwesenheit vermietet? Unerhört ist das!"
„Ich komme gleich! Wird ein Begehen sein, Herr Vallendar! Kann ja mal Vorkommen, jetzt am Letzten." Fritz verschwand im Dunkel des Tunnels.
Dr. Römer lächelte. Genau so, wie früher, der gute Vallendar! Immer gleich los mit allen Kräften und mit dem größten Stimmaufwand... Richtig — jetzt tauchte er aus dem Gange auf. Und er schien schlechter Stimmung zu fein — schimpfte vor sich hin und fuhr sich dabei mit beiden Händen durchs Haar. „Schöner Empfang, den maft bekommt! Aerger — nichts als Aerger!" grollte er.
Römer ging ein paar Schritte auf ihn zu. „’n Abend, Herr Vallendar! Erinnern Sie sich noch?"
Mit einem jähen Ruck hob Vallendar den Kopf. „Römer — natürlich: Doktor Römer! Wie kommen Sie denn hierher?"
„Ich habe jetzt meinen Wagen hier stehen."
Impulsiv streckte Vallendar die rechte Hand aus. „Auch gegen Sie habe ich mich schändlich benommen. Immer benimmt man sich schlecht gegen Menschen, denen man etwas verdankt." Sie schüttelten sich die Hände. „Ich habe mich geärgert. Vorhin schon — auf der Straße. Und jetzt steht ein Wagen vor meiner Box. Soll man da nicht aus der Haut fahren?"
„Immer noch mit dem Kopf durch die Wand?" lachte Römer.
„Natürlich. Bringt der Beruf so mit sich. Man muß explodieren. Schließlich gewöhnt man sichs an... Na, Dokter, und Sie? Was macht die Praxis?"
„Immer das gleiche, lieber Vallendar."
„Freut mich, Sie wiederzusehen. Und sonst geht es Ihnen gut?" Vallendar wandte den Kopf. Er überhörte die Antwort Römers.
Ein kleiner alter Wagen kam auf die Einfahrt der Garage zu. Es war der Wagen, der Vallendar davongeflitzt war. Und in dem Wagen saß das Mädchen... Das Gesicht des Schauspielers strahlte auf wie die Morgensonne. Der ganze Aerger war verflogen. Glück hatte er. Glück!
Der Wagen war näher gekommen. Jetzt fuhr das Mädchen über die Bordschwelle — hielt den Kopf den beiden Männern zugewandt, die wenige Schritte beiseitegetreten waren.
„Guten Abend, Charly!" rief Römer.
Vallendars Kopf fuhr jäh herum. Er sah Römer von der Seite an und hatte im gleichen Augenblick ein niederdrückendes Gefühl. Die Augen des Arztes waren voll Zärtlichkeit. Es waren Äugen, die niemals hell strahlten, die vielmehr wie von innen
heraus erleuchtet wurden, wenn ein großes Gefühl das Herz erfüllte.
Charly trat auf die Bremse. „Ich muß Sie unbedingt nachher sprechen, Doktor! Wollen Sie auf mich warten?"
„Gern, Charly!"
Der kleine Wagen senkte sich in den Tunnel hinab.
Es war Vallendar, als habe eine Vision ihr jähes Ende gefunden. Auf der Straße lag der kühle Herbstabend; die Laternen hatten kleine,c Ulbe Kreise. Der Schauspieler zog den Schal etwaigster um den Hals. „ Wer war das Mädchen?" fnagte er, und feine Stimme klang völlig gleichgültig.
Das stille Leuchten war auf Römers Gesicht haften geblieben. „Das war Charly", sagte er leise und lächelte vor sich hin, ein gutes und zuversichtliches Lächeln, „Charlotte Sandner. Ich kenne sie seit vielen Jahren."
Vallendar räusperte sich. Er mußte seine Stimme genau überwachen — sie durste keinen Ton zu viel interessiert klingen... „(Eine Patientin von Ihnen, Doktor?"
„Charly? Nein, nein — Charly braucht keinen Arzt! Sehen Sie nicht, daß sie die leibhaftig« Gesundheit ist?"
Es lag Vallendar auf der Zunge, daß er das Mädchen vorhin gesehen habe — in einer Verfassung, da die Röte aus ihrem frischen Gesilft gewichen war, da sich ihre Augen vor Schrecken geweitet hatten ... Ach was: Dummheit! Was wollte er denn? Er war doch nicht blind? Sah er denn nicht, wie es um Dr. Römer stand? Er fühlte die herzliche Sympathie, die ihn mit dem Manne verbunden hatte. Er schalt sich selbst einen Narren. Aber was sollte das helfen?
Römer ging ein paar Schritte. Ihm war, als könne er nicht auf einem Fleck stehenbleiben. „Jo- Charly ist Modezeichnerin in einem Geschäft oben am Kurfürstendamm, nach Halensee hinaus. Vor vierzehn Tagen hat sie sich den kleinen Wagen ge> kauft. Das war ihr sehnlichster Wunsch schon seit geraumer Zeit. Ja, seit die Mutter starb. Oh — ich kenne Charly noch viel länger! Der Vater lebte in ausgezeichneten Verhältnissen. Ich war Hausarzt bei Sandners. Dann verlor er plötzlich sein ganzes Vermögen. Charly hatte viel Talent. Sie studierte. Aber nach dem Tode der Mutter mußte die kleine Villa verkauft werden. Jetzt wohnt Charly beim Chauffeur Preetz. Den kennen Sie doch? Er föhn' uns immer die Wagen vors Haus." ,
Schweigend hatte Vallendar zugehört. Er beoor achtete Römer, der hin und her ging, als rede er' sich etwas von der Seele. Und dabei waren es^d^ nur ein paar kurze Bemerkungen über dieses Mädchen ...So also stand es um den Doktor, daß er wie ein Jüngling schwärmte! Lieber Gott: So jung, war Römer doch eigentllch nicht mehr? Die grauen. Schläfen, die ersten Falten um Mmte und "Ugen^ So an die Fünfundoierzig mußte er sein, "we wie sich sein ernstes, berufsgebildetes Gesicht durch' fonntel (Fortsetzung folgt-/


