Rr.U8 Zweites Blatt
Mittwoch, 28. Zuni 1939
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus den Gießener Gerichtssälen
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jung (Ange. Lhandwerker. :biSl3W. ;en zum Ab«
Leben und Sterben der Füllfeder Ly.
Don Josef Friedrich pertonig.
stumpfer, müde und hart. Sie war brav und bürgerlich wie ein Mädchen in der Kanzlei. — Und so wechselte der Mond, Schatten, Sichel und Scheibe,
IniversitätS' in Gießen, jlich 25 Pf. । Pf. mehr, ags 15 Pf., ’it ist Preis« gültig.
Höhenflug ist kein Heilmittel gegen Keuchhusten?
Seit langem wenden Höhenflüge mit keuch- hustenkranken Kindern durchgeführt, weil man meinte, der auf diese Weise entstandene Luftwechsel könne den Keuchhusten beseitigen. Dor kurzem sind dann die Flüge eingestellt worden, um zunächst einmal die Ergebnisse zu sichten. Sie sind jetzt durch Dr. (Hamann und Dr. Decker- Freyseng vom Luftfahrtmedizinischen For- schungsinstitut der Berliner Medizinischen Gesellschaft vorgelegt worden.
Der Bericht ist sehr umfangreich ausgefallen. Er stellt eingangs fest, daß man mit einer gewissen Art Impfung ansehnliche Erfolge erzielt hat, daß aber immer noch die Luftveränderung als eines der besten Mittel gilt. Höhenflüge führen den Menschen in staubfreie Luftschichten, die Sonnenstrahlen wirken in größeren Höhen kräftiger. Der Berliner Arzt Dr. K e t t n e r machte 1927 auf die Möglichkeit aufmerksam, kranke Kinder in entsprechende Höhen zu bringen, um sie hier heilsamen Klimareizen auszusetzen. 1938 wurden solche Versuche häufiger durchgeführt und schließlich vom NSFK. organisiert.
Der Luftfahrtmediziner weiß, daß in Höhen von mehr als 3000 Meter der Körper eine starke Umwandlung durchmacht. Namentlich wird der Blutbildungsapparat angeregt und geradezu eine Erneuerung des Blutes herbeigeführt. Da offene Maschinen für Kinder nicht in Frage kamen, mußten geschlossene Flugzeuge gewählt werden. Das hatte Nachteile. Immerhin reichte dieses Verfahren, aus, um ähnliche Verhältnisse wie in einer Höhe von 1000 Meter im Gebirge herbeizuführen. Die Kinder waren während des Fluges unter ärztlicher Aufsicht und wurden durch Schwestern betreut. Unter den 156 Kindern, die zum Teil zwei- und drei- mal an den Flügen teilnahmen, waren Säuglinge von zwei Monaten und Kinder von 12 Jahren.
Die exakten Nachprüfungen ergaben das Aus* bleiben sensationeller Heilungen. Weiße Blutkörperchen, die bekanntlich den Kampf gegen Krankheitserreger auszufechten haben, wurden durch den Höhenflug nicht stärker vermehrt, als das ohnehin im Verlauf der Krankheit der Fall ist. Bei etwa 10 v. H. der Kinder war eine gewisse Besserung zu verspüren, die auch länger als die ersten fünf Minuten nach der Landung anhielt. Daß der Höhenflug nicht einmal vorbeugend wirkt, bewies die Tatsache der Erkrankung einer Pflegerin, die von einem Kind angehustet worden war, das sie auf dem Schoß hielt. Die genannten Aerzte stellen sich auf den Standpunkt, man müsse sich mit der Tatsache abfinden, daß die Flugtechnik im Höhenflug kein Heilmittel gegen den Keuchhusten geschaffen hat.
Vezirksschöffengencht Gießen.
Die * am 28. März 1939 vertagte Verhandlung gegen I. K. III. in Hergersdorf wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuch wurde gestern fortgesetzt. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, in den nachträglich vom' Architekten durch Streichung und Herabsetzung geänderten Rechnungen von Bau- Handwerkern diese Aenderungen ganz oder zum Teil ausradiert und die Rechnungen der Hessischen. Brandversicherungskammer in Darmstadt vorgelegt zu haben, um die Auszahlung der ursprünglichen Beträge zu erreichen. Weiterhin soll er in einem andern Falle die höheren ursprünglichen Rechnungsbeträge statt den tatsächlich bezahlten niedrigeren Summen eingesetzt haben. Der Angeklagte bestreitet nach wie vor jegliche Schuld.
Der Vertreter der Anklage führte aus, es stehe fest, daß die Rechnungen, die Gegenstand des Strafverfahrens seien, die Grundlage für die Brandversicherungskammer für Gewährung der sogenannten Teuerungszulagen waren. Es stehe weiterhin fest, daß der Angeklagte dies auch gewußt habe. Er habe weniger bezahlt, als auf den von ihm vorgelegten Rechnungen vermerkt war. Der Betrugsversuch fei darin zu erblicken, daß der Angeklagte bei Vorlage der Rechnungen nicht gesagt habe, daß er tatsächlich weniger bezahlt habe, als die Rechnungen auswiesen. Da die Urkundenfälschung dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden könne, komme lediglich Gebrauchmachung von gefälschten Urkunden in Frage. Wegen Betrugsversuch und Gebrauchmachung von gefälschten Urkunden beantragte der Vertreter der Anklage eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten.
Der Verteidiger beantragte Freisprechung und im
Im Herbst dann fiel einmal rotes Weinlaub auf Ly, und eine verliebte Ranke streichelte sie. Da wurde sie wach unter dem feinen Zauberstab und besann ihr Versäumnis. Das Jahr ging dem Ende zu, und sie hatte immer nur anderen gedient, schon band sich das Jahr zum Kehraus den Besen. Ihr eigenes Herz hatte geschlafen, es war eine Blüte im Frühling und Sommer gewesen: jetzt führten die Menschen die Früchte heim, nun war ihr Herz auch eine Frucht und wollte genossen sein.
Die kleine ängstliche Füllfeder Ly schaute sich um, es roch nach" Staub und Petroleum. Graue Bücher standen um sie, altes Papier war gelb, und auf braunem Tuche dehnte sich ein vertrockneter schwarzer See. Don dem jenseitigen Ufer sah jemand herüber, es war ein schöner, goldgelber Bleistift. Sie verliebte sich auf den ersten Blick, sie wurden ein Paar, es war ein großes Glück. Der Staub roch nun wie Blüte und das Petroleum nach Honig. Die grauen Bücherdecken waren silbern, und das gelbe Pergament war Gold... Der Herr Bleistift war ein Don Juan, er kannte die Welt und wußte etwas von Treue und Liebe, tausendmal hatte er sie als kleine und große Lüge hingeschrieben. Er liebte auch das silberne, zierliche Crayon, aber er sprach natürlich niemals davon ... Mir war die Liebschaft zwischen Füllfeder und Bleistift nicht verborgen geblieben — wie zerstreut war doch plötzlich die kleine Füllfeder Ly, immer vergaß sie den Punkt auf dem j — und ich sprach einmal um Mitternacht zu ihr: „Laß doch den Heuchler, er ist ein schlechter Kerl und außerdem nicht standesgemäß. Eine goldene Feder und ein Bleistift, ein seltsames Paar. Liebe deinesgleichen, einen Federstiel, hier diesen hübschen, grünen, wirklichen Kavalier. Du wirst es noch bereuen, glaube mir. Der Bleistift ist ein Ausländer, nicht sehr fein, und er betrügt dich noch obendrein." Aber Ly lächelte nur. Sie war zu voll von dem süßen Gift. Sie liebte im tiefsten Herzen den gelben Stift, den glatten, eleganten, mit den sechs wunderbaren Kanten. Er hatte so noble Verwandten in allen Härten, die sich wie richtige, edle Herren bewährten, die nicht erst trinken mußten, um ZU schreiben. Ly war selig, wenn er seine falschen Eide schwor: und dazu hieß er noch Koh-i-noor Sein gelbes Kleid war immer glatt und neu. Nein, Ly blieb ihm treu, wie er sie auch quälte... Bis er sich mit dem schönen Crayon vermählte.
Ly sah die beiden eng zusammen, es war keine Täuschung, es konnte nicht anders sein. Er lächelte auch spöttisch herüber, und das Crayon sagte recht laut zu ihm: „Du Lieber..." Und er sagte: „Jetzt bist du mein..." und sein Leib glänzte hell. Da
am 22. Februar 1939 mit seinem Fahrrad aus der als Stoppstraße deutlich gekennzeichneten Moltke- traße über die Kaiserallee, ohne anzuhalten. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein. In der Hauptverhandlung wurde der Angeklagte überführt, und er erhielt die gleiche Strafe wie im Strafbefehl.
Einen Strafbefehl, ebenfalls über 10 Mark, erhielt der H. T. in Kassel. Er fuhr am 22. Dezember 1938 gegen 11 Uhr mit feinem Personenkraftwagen auf der Marburger Straße in Richtung nach der Stadt und hat unter Außerachtlassung der nötigen Vorsicht einen vor ihm fahrenden Radfahrer angefahren. Der Radfahrer kam zu Fall und das Fahrrad wurde beschädigt. Der Angeklagte legte gegen den Strafbefehl Einspruch ein. In der Haupt- verhandlung wurde er überführt, und er erhielt die gleiche Strafe wie im Strafbefehl.
Die am 24. d. M. vertagte Derl)andlung gegen L. G. in Gießen wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde gestern fortgesetzt. Der Angeklagte hatte einen Strafbefehl über 50 Mark erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Er fuhr am 2. Februar 1939 gegen 11 Uhr mit einem Auto nach Lich. Aus der kurvenreichen Straße zwischen Steinbach und Lich fuhr der Angeklagte unter Außerachtlassung der nötigen Vorsicht gegen einen Baum, wooei er und fein Beifahrer erheblich verletzt wurden. Nach Vernehmung eines weiteren Zeugen beantragte der Vertreter der Anklage, auf eine Geldstrafe von 80 Mark zu erkennen. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 50 Mark, ersatzweise zehn Tage Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah von einer Freiheitsstrafe ab, weil der Angeklagte selbst schwer verletzt wurde und längere Zeit im Krankenhaus lag und weil er sich sonst einwandfrei geführt hat.
zeigte, in Betracht.
Große Strafkammer Gießen.
Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte W. O. aus Lauterbach hatte sich wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an einer Person unter 14 Jahren zu verantworten. Der Angeklagte, der geständig ist, stand bereits früher wegen dem gleichen Delikt unter Anklage, wurde aber damals mangels Beweises freigesprochen. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. Der Verteidiger beantragte auf eine geringere Strafe zu erkennen, dem Angeklagten auch die Untersuchungshaft anzurechnen.
Der Angeklagte wurde eines Verbrechens nach § 176 Z. 3 StGB, schuldig erkannt und zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, abzüglich zwei Monate fünf Tage Untersuchungshaft, verurteilt. Straserschwerend kam in Betracht, daß dem Angeklagten das frühere Verfahren gegen ihn keine Warnung war.
Sodann standen sieben Schottener Einwohner (R. R., P. B., G. H., Th. D., H.W. Sch. jun., A. D. und G. Sp.) wegen Einbruchsdiebstahls, begangen Anfang Oktober' 1938 in Schotten, vor Gericht. Ferner hatten sich H. W. Sch. fen. und R. D., ebenfalls beide aus Schotten, wegen Hehlerei zu verantworten. Die Angeklagten find im wesentlichen geständig. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen R. R. eine Gefängnisstrafe von acht Monaten wegen Einbruchsdiebstahls, gegen P. B., G. H. und Th. D. je eine Gefängnisstrafe von einem Monat wegen Beihilfe zum Einbruchsdiebstahl, gegen Sch. jun., A. D. und H. Sp. je eine Gefängnisstrafe von drei Monaten wegen Einbruchsdiebstahl, gegen Sch. sen. und R. D. je anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 5 Tagen eine Geldstrafe von 50 RM. Acht der Angeklagten wurden schuldig erkannt und verurteilt: R. zu einem Jahr Gefängnis, B. und H.' je anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 10 Tagen zu einer Geldstrafe von 100 RM., D. II. zu drei Monaten Gefängnis, Sch. jun. zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis, Sp. zu vier Monaten Gefängnis, Sch. fen. anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 5 Tagen zu einer Geldstrafe von 50 RM. und D. anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 3 Tagen zu einer Gefängnisstrafe von 30 RM. Das Verfahren gegen Th. D. wurde eingestellt. Den Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt. Bei dem Angeklagten R. kamen die erheblichen, teils einschlägigen Vorstrafen straferfchwerend in Betracht. Gegen letzteren erging Haftbefehl.
„Die NS.-Dolkswohlfahrt im (Sou Hessen-Nassau."'
NSG. Unter diesem Titel hat die Gauamtsleitung der NS.-Volkswohlfahrt der Oeffentlichkeit einen Leistungsbericht über ihre Tätigkeit seit ihrem Bestehen im Gau Hessen-Nassau vorgelegt. Der unter Erwähnung sämtlicher Arbeitsgebiete der NSV. auch mit Bildern ausgestattete, 32 Seiten starke Rechenschaftsbericht bringt interessante Zahlen
Amtsgericht Gießen.
H. H. auf Gut Waldhof (Kreis Fritzlar) einen Strafbefehl über 10 Mark. Er fuhr
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Falle einer Verurteilung auf eine Geldstrafe zu erkennen.
Der Angeklagte wurde schuldig erkannt des wissentlichen Gebrauchmachens einer verfälschten Urkunde in Bereicherunasabsicht in Tateinheit mit Betrugsversuch (nach §§ 268, 270, 263 StGB.) zu einer Gefängnisstrafe von vier Wochen und einer Geldstrafe von 500 Mark verurteilt. Strafmildernd kam das hohe Alter und die seitherige Unbescholtenheit des Angeklagten, straferschwerend dagegen, daß er nicht die geringste Einsicht für seine Tat
war jung, golden und schwarz, da kam
Us, hatte ein glattes Gesicht und eine kühle ______ Inh sah aus den Augen einer Braut. Sie spürte den zärtlichen Druck meiner Hand, horte mein ölut rauschen und verstand mein Herz. Sie hatte uine kleine Wohnung zwischen weißem Papier, Wischen Büchern und Versen, die jung waren rote ifie; sie trug einen Mädchennamen und hieß Ly. Vloch war sie scheu und ein furchtsames Ding, wie pjin Gespenst schreckte sie an meinem Finger der Ring. Sie trank Tinte als dunklen Wein und war bann ein wenig berauscht und taumelte auf dem weißen Blatt. ' Und ihr Gesang wurde nimmer intt, das helle Papier zu betören. Ich schalt sie nicht, jt.e war jung, ich ließ sie gewähren. Ihr Herz war •iocf) töricht und rein, ihre goldene Stirne noch glatt. Sie kannte diese Erde noch nicht, in ihren Augen K>ar noch ein jenseitiges Licht. Sie schrieb Liebesbriefe auf Rofabögen und kleine Gedichte auf Papier, gelb wie Elfenbein: sie strichelte Blumen md Falter hin und in ein schlankes Herz Den Schwur: „Ich bin Dein!" Sie zeichnete «lerne, des .‘limmels silberne Ernte, und einmal auch eonne .ind Mond. Nicht umsonst waren die ersten Worte, He sie lernte: Frühling, Glück, Geliebte, Himmel und Tau. Zwischen solchen lieblichen Dingen wurde ise älter, wurde sie eine junge Frau.
*
Eines Tages glitt sie durch eine Träne, die auf bem Papiere lag, und in dem Salz erstarrte ihr reiches Herz. So erfuhr sie, daß die Menschen auch meinen, erfuhr sie von ihrem Schmerz. Sie lachte rjur selten mehr und sprang nicht mehr über das kapier, als ob es eine Wiese im Frühling war. Ähre Züge wurden langsam, und jedes Wort führte trroas' von dem Tränensalz fort. Sie schrieb immer iDd) Briefe, wohl auch Verse, doch sie waren nicht nolbbeftäubt wie ehedem. Der Sommer wehte Den < Bolbftaub von ihr, und in den Nächten fragte ste li-ife zu mir: das klang beinahe wie em trauriges lüeb Die Sonne durchglühte sie und glühte sie nüb, sie hatte Sehnsucht nach stillerem Dunkel ihr liiesicht war nicht mehr nur goldenes Gefunkel, es mar manchmal düster von den Gedanken, die m iiie Zeilen strömten, war von erstarrten «eufzern t-rmunberf, unb bic Seufzer würben kleine Ranken, ^ote Wünsche hingen an ihr wie unsichtbares -olei, ins Jahr war ein Meer zwischen Mai unb Mai. <i'-ie mußte jetzt bittere Worte jagen, mußte manchmal auch eine Lüge wagen, unb Die weiche Feder Hy, früher golden und zart, sie wurde allmählich
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• Vorüber, weise auch 1 lebhaften )Qs schwül. m wesent- länbig.
"ags 18,6 1 28. Juni: rab, Kini- eraturen in Trab: am Menschein-
DAF. und Kreishandwerkerschaft: 20.30
.Hotel Hindenburg" Lichtbildervortrag der Reichs- iMenftfteUc des Deutschen Handwerks „Kulturelle .lufgaben im deutschen Handwerk". — Gloria-Palast Seltersweg): „Im Kampf gegen den Weltfeind". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Peter spielt mit
hauchte Ly leise vor sich hin: „Ich möchte sterben." Doch ihr Herz war noch jung, es brach nicht so schnell.
Es fror ein, wie eine späte Blume gefriert, wenn sie vom frühen Schnee überrascht wird, und wurde ein winziger Klumpen Eis in dem schwarzen, schlanken Leib, und taute nicht mehr auf. Liebesschmerz ist ein schlechter Zeitvertreib. Sie hörte nicht mehr die guten Worte des Herrn, seine Stimme klang ihr fremd und fern, ihre Schrift war blind, ohne das dunkle Blut, sie tat, wie ein lobtrauriger tut, sie bewegte oft lautlos ben Munb, bic eckigen Zeichen würben rund, bie runben mürben seltsam lang. Ja, ein Kranker hat einen anberen Gang, unb ein Kranker hat einen krausen Sinn. Ich war ihr Herr, ich schalt sie eine schlechte Dienerin. Mein Gott, als ob es nur ein Vorrecht ber Menschen sei, traurig zu sein unb Unglück zu leiden. Als könnte nicht auch so ein kleines Geschöpf aus Hartgummi und Gold einen großen, wilden Kummer haben: aber manchmal schweigen seltsam still unseres Herzens Gaben. Sie trank nicht mehr ihren dunklen Wein in sich, blasser wurde ihr goldenes Gesicht, und als sie einmal hinter dem Bleistift eine Schrift verdunkeln sollte, da stand über dem ersten Buchstaben ihr Herzchen still. Mit einem Schnörkel hauchte sie ihr Leben aus, er hatte eines Herzens Gestalt, unb halb war sie in meinen Fingern kalt... Eine enge Schachtel mürbe auch ihr letztes Haus. Ein Gluck galt ihr im Leben bie große, unheimliche Weite nie. Sie mar zart, mar ein bescheibener Schatz, sie hatte auch jetzt in einem Schächtelchen Platz. Unb ich als ihr Herr schrieb barauf: „Hier ruht bie kleine Füllfeber Ly".
Hochsckulnachrichten.
Professor Dr. Erwin von Beckerath, Orbi- narius für Wirtschafts- unb Sozialwissenschaften an ber Universität Köln, wurde zum 1. Oktober in gleicher Diensteigenschaft an die Universität Bonn berufen. Vor kurzem wurde der Gelehrte wegen seiner Verdienste auf dem Gebiet der italienisch-deutschen Kulturbeziehungen zum (Sommern batorc des Ordens ber Krone von Italien ernannt. Professor von Beckerath konnte biese Beziehungen befonbers in feiner Eigenschaft als Direktor Des Deutsch-Italienischen Kulturinstituts in Köln fördern.
Professor Dr. Richard S e b l m a i e r , Drbinarius für mittlere unb neuere Kunstgeschichte an ber Universität Rostock, würbe in gleicher Diensteigenschaft an bie Universität Kiel berufen. Professor Seblmaier ist Herausgeber der Bücherreihe „Kunst in Franken" unb Mitherausgeber ber Bücherreihe „Deutsche Baukunst". Archite'kturgeschichte unb Ornamentgeschichte befonbers ber Barockzeit sinb seine Hauptarbeitsgebiete.
über bie Leistungen der NSV. unb zeigt anberfeits aus welch großer Zahl von Einzelmaßnahmen sich das Gesamtarbeitsgebiet der NS.-Dolkswoh^fahrt zusammensetzt.
Mitgliedern unb Spendern werden durch das Heine Heft bemerkenswerte Aufschlüsse über die großen Leistungen ber NSV. in unserem Gau gegeben.
Feuerwehr einsatzbereit und zuverlässig
Am Dienstagabend wurde eine interessante Hebung einiger Feuerwehren durchgeführt. Der Dezernent für das Feuerlöschwesen des Landkreises Gießen, Regierungsrat Dr. Fuhr, hatte vier der in nächster Entfernung von der Stadt Gießen stationierten Feuerlöschwehren zu einer überraschend an- gesetzten Hebung alarmiert. Der Zweck der Hebung war, die Einsatzbereitschaft der Wehren in der Stadt einer Prüfung zu unterziehen. Bisher sind derartige Hebungen nur auf dem Lande durchgeführt worden. Die Wehren trafen schnell und pünktlich am Hebungsplatz am Schiffenberger Weg ein. Auch bei den befohlenen Aufgaben, die lediglich dem Gebrauch der technischen Ausrüstung galten, erwies es sich, daß die Wehren rund um Gießen einsatzbereit und zuverlässig sind. Am Schluß der Hebung fuhren die beteiligten Wehren auf dem Platz am Schiffenberger Weg auf. Nachdem der Führer der Lollarer Feuerlöschpolizei, Schwabe, Meldung erstattet hatte, sprach Kreisfeuerwehrführer Bouffier den Mannschaften seinen Dank für den Einsatz aus. Hauptmann ber Schutzpolizei Heinacker sprach ben Kameraden ebenfalls seine Anerkennung für Geist und Haltung aus.
** Rabfahrerweg Gieße n—S teinbach vox ber F e r t i g st e l l u n g. Der Rabfahrerweg von Gießen nach Steinbach ist nach einer, durch anhaltendes schlechtes Wetter bedingten, verhältnismäßig langen Bauzeit nahezu fertig und wird von den Radfahrern zu Teilen schon benützt. Der Abschnitt von ber Landes-Heil- und Pflegeanstalt bis zur Kaserne zeigt sich bereits in schöner Form. Neben der Fahrbahn wurde ein Rasenstreifen angesät, ber schon frisches Grün zeigt, und mit dem hellen Weiß der Fahrbahn lebhaft kontrastiert. Wenn auch ber Rabfahrerweg amtlich seiner Bestimmung noch nicht übergeben ist, so benützen ihn die Radfahrer doch bereits gerne. Man muß aber auch die Beobachtung machen, daß sich Spaziergänger auf dem Radfahrerweg aufhalten und sich damit in Gefahr begeben. Für etwaige Unfälle, bie daburch entstehen, wirb man die Radfahrer nicht haftbar machen können.
** Erfolgreicher Gießener Schachspieler. Das Mitglieb des Gießener Schachklubs Rohr ich beteiligt sich gegenwärtig mit bestem Erfolg am „Mittelrhein-Schachturnier", wo er einer Reihe schwerster Gegner gegenüberstand. In den bisherigen Spielen, konnte er sehr gut abschneiden und nach der vierten Turnierrunde zusammen mit zwei anderen Teilnehmern (Dr. Troger, Wiesbaden, und Dr. Jung, Wiesbaden) noch ohne Spielverlust bleiben. Der Gießener Schachspieler, der von den Teilnehmern des Turniers als ein großes Talent angesehen wird, hat nicht unberechtigte Aussichten, im' Kampf um die Mittelrhein-Meisterschaft ein ernstes Wort mitzureden.
** Kampf gegen ben Verkehrs- f ü n b e r. Die Polizei in unserer Stabt mußte in ber Zeit vom 16. bis 22. Juni Zwölf Kraftfahrzeugführer zur Anzeige bringen unb zwei gebührenpflichtig verwarnen. Ferner wurden vier Radfahrer zur Anzeige gebracht unb zehn gebührenpflichtig verwarnt. Auch ein Fußgänger wurde diesmal wegen seines gröblich verkehrswidrigen Verhaltens zur Anzeige gebracht.
** Die Kreisgruppe Gartenbau unb bie Fachgruppe Blumenbinberei geben bekannt, baß in ber Zeit vom 30. Juni bis einschließlich 30. September bie Blumengeschäfte unb.
n Lange. Hans Thy, die Bilder: ns Thyriot: hast: Ernst ch Ludwig ig Neuner.
Aus der Stadt Gießen.
Das Lachkabinett.
Ieber, ber sich ber eblen Kunst des Photogra- :chierens mibmet, kennt wohl bie „Tücke bes Ob- pffs", in biedern Falle wohl besser bes „Objektivs" । genannt. Ein kleiner Kobold sitzt immer in der । iiähe und lauert, ob er nicht ein bißchen Schaber- < ack treiben kann. Unb ba gibt cs benn — zur : roßten Ueberraschung bes Lichtbilbners — Aufnahmen, auf benen gar nichts zu sehen ist als chwärzeste Finsternis, wieder andere zeigen nur blasse Schotten. Oder — der Kobold hat einen Schups gegeben! — das Bild ist vollkommen verwackelt, alle Umrisse sind doppelt und merkwürdig erwischt, so daß einem bie Augen zu tränen am tangen, wenn man hinschaut. Dann wieder hat man .vergessen, weiterzubrehen ... sck)ade, schabe!
Aber alles Mergern Hilst ba nichts, am besten, wan lacht barüber. Unb bas tun rojr benn auch: m einem Album sind alle diese unAücklichen Ge- chöpfe ber Knipskunst vereinigt.
Da finben wir zum Beispiel ein Bild des Vaters, teiber sind ihm beide Beine abgeschnitten. Trotzdem schelt er noch! Oder, ein Bild der stattlichen Schwiegermutter, der das Wertvollste, nämlich der Kopf, fehlt. Auf einem anderen Bilde ist das Haus iu sehen, in dem wir wohnen. Es ist erstaunlich, . aß die Baupolizei es noch nicht wegen Einsturz- .lefahr abreißen ließ, so schief sind die Wände.
Das nächste Bild ist eine Gruppenaufnahme von einer Weihnachtsfeier, mit Blitzlicht aufgenommen. Alle Teilnehmer sind totenbleich, einige haben die -lugen gechlossen, wie vor etwas Ungeheuerlichem. !3nb wir waren doch damals so vergnügt?
Auch das Bild von einer Geburtstagsfeier ist merkwürdig: die Kinder machen alle Gesichter wie o’or der Hinrichtung. Sie wollten nämlich nicht lochen. Ein anderes'Bild ist unterschrieben: „Bitta iim Wasser". Vergeblich sucht man bie kühne Schwimmerin, man sieht aber nur aufspritzende Wellen; sie war, nach einem Sprunge, wirklich am Wasser, als der Apparat „knips" machte.
Die nächste Aufnahme zeigt eine entzückende : Landschaft, aber leider!, mitten drin ist ein dicker Selegraphenmast. Zu komisch, daß man den nicht • leid) gesehen hat. Und nun kommt das merkwürdigste Bild, es scheint im Glaspalast des Wassvr- lanns aufgenommen zu sein: unter dicken, grünen Säumen sitzen zwei junge Damen, lesend und . andarbeitend, aber, Wasser umflutet sie, und ein chlankes, weißes Schiff mit wehenden Fahnen -leitet über sie hinweg.
Des Rätsels Losung: zwei Aufnahmen sind Über- i inanbergef lüpft! Unb fo geht es weiter, Seite um
i Seite, unb so oft man bas Album zur Hanb nimmt, muß man lachen. Der schöne Spruch stimmt also: ..Wer photographiert, hat mehr vom Leben!"
E. L. St.
HI.-Heimbau in Angriff genommen.
Die Bauarbeiten für Die Erstellung des Gießener Heimes ber Hitler-Jugend auf ber „Schönen Ansicht" am Wartweg find nunmehr in Angriff gekommen worden. Gegenwärtig find Arbeiter mit , >cm Erdaushsb beschäftigt. Die Bauleitung liegt in II Händen des Architekten Müller (Offenbach), von li jicm die Pläne stammen, nach denen das Heim ! rbaut wird.
Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
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