Ausgabe 
28.3.1939
 
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Nr. 74 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag. 28. März syzy

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2pd. In einer Ausführungsverordnung 3um Gc über die Ortspolizei bestimmt der Reichsstatt

r. k.

Neue ortspolizeiliche Befugnisse für die Bürgermeister in Hessen.

Nachdem er 1909/10 als Einjähriger beim 1. Bad. Leib-Grenadier-Regiment gedient und 1913 zum Leutnant der Reserve befördert worden war, rückte er bei Kriegsausbruch sofort mit ins Feld. Bis zum Kriegsende diente er dem Vaterland bei den Badi­schen Leibern und bei zwei Pionier-Truppenteilen. 1918 wurde er 5um Oberleutnant der Reserve der Badischen Leiber befördert.

Nach dem Kriege war er in Freiburg als Architekt und Amtsvorstand des Städtischen Kliniken-Neu- bauamtes tätig. 2)cum wurde er zum Stadtbaurat ernannt und Vorstand des Städtischen Siedlungs­amtes in Freiburg. Mit seiner Wahl zum Bei­geordneten bei der Stadtverwaltung in Gießen schloß sein Wirken in Freiburg ab.

Aus einer sehr großen Zahl von Bewerbern wurde Dr. 5) a m m am 20. Juli 1925 zum Beigeord­neten der Stadt Gießen gewählt. Sein neues Amt teilte ihn vor eine Fülle von Aufgaben, deren- ung in jenen Jahren durch vielerlei Hemmungen behindert wurde. Mit Einsatz aller seiner Kräfte und seines großzügig ausgerichteten Strebens ging er an seine Aufgaben heran. Ihm ist es denn auch in weitem Ausmaß mit zu danken, daß auf seinem Arbeitsfeld in unserer Stadt mancherlei Fortschritte und anerkennenswerte Verbesserungen erzielt wur­den. Daß dabei nicht überall und in jeder Hinsicht manche an sich berechtigte Wünsche so rasch wie er­hofft oder bis heute überhaupt noch nicht erfüllt werden konnten, ist auf den fortdauernden Nieder­gang unseres wirtschaftlichen und kommunalen Le­bens vor der Machtübernahme, bann auf die unbe­dingte Vordringlichkeit anderer, lebenswichtigerer Angelegenheiten zurückzuführen. Stets hat aber Dr. Hamm unter Einsatz aller Kräfte die Erfüllung der Notwendigkeiten und die Zielsetzungen der Ver­waltung angestrebt und auch in erheblichem Aus­maß zur Verwirklichung bringen können. So hat er denn bei senem Ausscheiden aus der Gießener Stadt­verwaltung allen Grund, mit Befriedigung auf ein erfolgreiches Wirken als Beigeordneter und Leiter wichtiger städtischer Abteilungen zurückblicken zu können.

Neben seinen Hauptaufgaben im Beigeorn-tenarnt entfaltete er noch auf zahlreichen anderen Gebieten in ehrenamtlicher und vorbildlicher Mitarbeit eine rege Tätigkeit mm Besten unseres Gemeinwesens und auch zum Nutzen anderer Teile unserer engeren Hennat und darüber hinaus. Er ist u. a Mitglied bes Deutschen Ausschusses für wirtschaftliches Bauen,

Durch feine weitreichenbe hauptamtliche unb ehren­amtliche Tätigkeit, sein aufgeschlossenes unb für jedermann entgegenkommendes Wesen, durch feine geoiegene Sachkunde unb feinen praktischen Blick >ur die wesentlichste Seite aller Aufgaben, zugleich auch durch die tatfrohe, mit klugem Einsatz der Mit­tel und der Möglichkeiten gepaarte Arbeit hat sich

Hamm allenthalben in Gießen und darüber hinaus große Wertschätzung erworben. Sein Wir­ken hat nicht nur an den berufenen amtlichen Stellen Anerkennung gefunden, sondern es wird auch in nur 'RöllnllArim« -f.- t. r. - - 01 ...v r. . . '____

Als Höhepunkt unb Abschluß ber Fahrten sind an ben Sammelpunkten für den letzten Abend Feier­stunden geplant. Meist werden Sing- und Dorp gemeinschaftsabende mit der Bevölkerung veran­staltet. Ader wo eine alte Burg ober ein schöner ^chloßgarten den stimmungsvollen Hintergrund geben, werden auch Märchenspiele aufgeführt. So wird im Weilburger Schloßhof dasDornröschen" erwachen, dieFroschkönigin" spielt im Burghof zu

Ute rbach mit ihrer goldenen Kugel am Brun- nen Auch das Kasperle geht mit auf Hesfen-Nassau- i^ahrt und will vielerorts an Kindernachmittagen

lichtest hat nicht minder dazu beigetragen, daß er nicht nur in Gießen, sondern auch darüber hinaus Freundschaften und Wertschätzung in hohem Maße genießen konnte. So wird denn das Scheiden dieses hervorragenden Beamten und vortrefflichen Men­schen aus Gießen weithin in unserer engeren Hei­mat bedauert werden. Die guten Wünsche vieler Volksgenossen für sein weiteres Leben darf er in feinen neuen Wirkungskreis mitnehmen.

Bürgermeister Professor Dr.-Ing. Hamm, der seit dem 20. Juli 1925 als Beigeordneter der Gieße­ner Stadtverwaltung angehört, wird am 16. April aus unserer Stadtverwaltung ausscheiden und einem Ruf als Ministerialrat in der Reichs- stellefürRaumordnunginBerlin Folge leisten. Dort wird er die Oberleitung für die Reichs­planung im Rahmen der Reichsstelle für Raum­ordnung übernehmen. Er roirb Jein Amt in'Berlin am 17. April antreten.

Bürgermeister Professor Dr. Hamm stammt aus -Baben, wo er im Mai 1886 in Kenzingen geboren mürbe. Nach bem Abitur am Humanistischen Gym­nasium in Karlsruhe ftubierte er an ber dortigen Technischen Hochschule Architektur und bestand 1906 das Staatsexamen, 1909 das Examen als Diplom- Ingenieur und ein freiwilliges Examen über Volks­wirtschaftslehre. Er war dann als Regierungsbau­führer im badischen Staatsdienst, u. a. bei den Ba­rschen Staatseisenbahnen, tätig, wo er auch an dem Bahnhofneubau in Karlsruhe mitarbeitete. Im Win­ter 1913/14 bestand er das Examen als Regierungs­baumeister, dann war er in dieser Eigenschaft bei dem Bezirksbauamt in Emmendingen tätig. Am 1. Mai 1914 schied et aus dem Staatsdienst aus und ging in Freiburg im Breisgau in den Kommunal­dienst über.

setz über die Ortspolizei beftimnit der Reichsstatt- huiter in Hessen Landesregierung u. a., daß mit Wirkung vom 1. April d. I. ab in Gemeinden mit staatlicher Polizeiverwaltung dem Bürgermeister (Db^rbürgermcifter) die nachstehenden ortspolizei- lichen Aufgaben und Befugnisse bis auf Widerruf Zur Verwaltung und Ausübung übertragen werden: die Baupolizei; die Feld- und Forstpolizei; der Na­turschutz; die Feuerpolizei, soweit sie zum Bereich der Baupolizei gehört, unb die Feuerlöschpolizei; die Gewerbepolizei, soweit sie durch näherbestimmte Paragraphen der Reichsgewerbeordnung, des Not­gesetzes vom 24. 2.23 durch die Arbeitszeitordnung, durch das Gaststättengesetz und das Gesetz über bas Versteigerergewerbe befugt ist; die Gesundheitspoll- zei; bie Veterinärpolizei; die Lebensmittelpolizei; die Marktpolizei; die Schlachtvieh- und Fleischbe­schau, soweit in ben, Gemeinden ber Schlachthaus- 3roang angeorbnet ist; die Wegepolizei hinsichtlich der Unterhaltung, Beleuchtung und Reinigung; die Jagdpolizei mit Ausnahme der Bestimmungen über die Erteilung, Versagung und Entziehung der Jagd- scheine; die Wohnungspolizei; die Obdachlosen- pollzei; dix Schulpolizei; die Befugnisse, die den Ortspolizeibehörden übertragen sind durch die Kul-

Bürgermeister Professor Dr. Ham m.

(Ausnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

arbeitete eifrig mit im Fulda-Lahn-Kanalverein, uon 1925 an bis 1932 als Vorstandsmitglied, seit­dem als Vereinsleiter des Derkehrsvereins Gießen mit, gehörte dem Vorstand des Vereins für Luft- ahrt in Gießen an, ließ seine Kraft und sein Wissen der Beamten-Baugenossenschaft Gießen, dem Eisen- bahner-Heimstättenoerein, der Baugenossenschaft 1894, der Freiwilligen Sanitäts-Kolonne vom Deut­schen Roten Kreuz in Gießen usw. zugute kommen, war von der Gründung des Verkehrsbundes Ober- Hessen im November 1926 bis zu dessen Ueberlei- tung in die große Rhein-Mainische Gemeinschafts­organisation im Jahre 1933 als Vorsitzender tätig, mar von 1933 bis 1935 Bezirksgruppenführer des Reichsluftschutzbundes in Oberhessen, mo er an dem Aufbau der Organisation an hervorragender Stelle mitwirkte, machte mehrere Jahre lang als Gebiets­referent für Oberhessen im Landesfremdenverkehrs­verband Rhein-Main fein Wissen und seine Erfah­rungen im Dienste von ganz Oberhessen nutzbar und arbeitete als Beauftragter des Reichsstatthalters an wichtigen Aufgaben im Dienste der Raumordnung ^ir Butzbach, Bad-Nauheim und Friedberg mit dem ßtele ber Aufstellung eines zweckmäßigen General­bebauungsplanes.

3m August 1931 erhielt er bie Dienstbezeichnung Bürgermeister" verliehen. Im Mörz 1930 habi- iticrte er sich an ber Technischen Hochschule in Darm- tabt fürStadtmirtschaft im Städtebau". Seit 1932 gehört er dem Lehrkörper ber Universität Gie­len an, mo er Vorlesungen über Geschichte bes Stabtebaues hält. Im Juli 1936 wurde er vom Reichskultusminister zum nichtbeamteten außeror- bentlichen Professor in ber Philosophischen Fakultät ber Universität Gießen ernannt.

turgesetze, insbesondere burch bas Kulturkammergesetz unb bas Gesetz über bie Vermittlung von Musttauf- fuhrungsrechten, sowie besonders zugewiesene Auf­gaben. Für die übrigen Aufgaben sind die staat­lichen Polizeiverwaltungen oder die Sonderpolizei- behorden zuständig. In Zweifelsfällen entscheidet bie Landesregierung.

Heffen-Naffau-Iahrt

führt in die schönsten Gegenden.

NSG. In die schönsten Gegenden des Rhekn- Main-Gebietes führt in diesem Jahre wieder die Hessen-Nassau-Fahrt des BDM.-Obergaues, die vom 12. bis 22. Mai unb vom 22. bis 31. Mai veran- taltet wird. Im Vogelsberg, Spessart, Rhein­gau, Lahntal unb Westerwalb werden die Mädel zehn frohe Tage erleben. Auf Wanderungen^ zu denen- 20 Mädel immer zu einer Einheit zusammen­gefaßt sind, lernen sie Landschaft unb Menschen, bodenständiges Handwerk und alle Volkskunst ken­nen.

Zeitschriften.

Seit der Jahrhundertwende sind die Großstädte oie Schrittmacher der Geburtenbeschränkung. Am -öeilpiel ber Stabt Dresden zeigt Walter Czach im Marzheft der MonatsschriftVolk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 15), wie ver­heerend Krieg, Inflation, politische Zerrissenheit, Liberalismus, sittliche Entartung sowie Wirtschafts- und Vertrauenskrisen auf die Bevölkerungskurve gemirft haben. Einen wertvollen Beitrag' liefert Med.-Rat Dr. H. Thiele mit feinem AufsatzDie nordisch-germanische Auffassung über die Invertier­ten . lieber sehr interessanteRassenkundliche Beob­achtungen in Ungarn" berichtet Dr. S. A. Küppers- Sonnenberg.

L ~ "Eine Volksgasmaske ist kein alter Stroh­hut , sagt bie Luftschutzlehrerin.Man kann sie nicht einfach aufstülpen, fonbern sie muß sorgfältig verpaßt werben, damit sie ihren Zweck erfüllt!" Wie das gemacht wird, zeigt ein interessanter Bildbericht ber neuen .Sirene". Anschaulich wird gezeigt, wie Wundverbande angelegt werden wie man die Decke eines Raumes abstützt, wie man verdunkelt, rote man den Löscheimer handhabt u. v. a Das O txJ9tÄI0d) andere Bildberichte über praktischen Luftschutz. Dazu gute Unterhaltung und die Mit- teilungen des Reichsluftschutzbundes'

der Beziehungen und ber Anschauungen: es hat seine Gültigkeit in ber Liebe so gut wie in ber Politik unb m ber öffentlichen Meinung. Die Geschichte spielt sich zugleich im Zeitungsmilieu ujtb vor den Hintergründen der Marokko-Frage, also zwischen ben Kulissen ber Politik ab: solche Verflechtung von Politik unb Liebe unb guten Geschäften ist eines ber Hauptmotive im Film, unb auch bieses muß toicberum ein ausge­sprochen französisches Problem sein, beim es be­hauptete sich in ber Literatur von Maupassant bis zu Jules Roniains, in bessen großartiger Nomanreihe' Die guten Willens sinb" es ebenfalls eine gewichtige unb offenbar charakteristische Rolle spielt. (Die auf 18 Bänbe berechnete, noch nicht abgeschlossene No- manserie, bie an eine große französische Erzähle r- trabition anknüpft, ist eines ber erstaunlichsten Zeug­nisse der zeitgenössischen Literatur.) Ilm zuBel ami" zuruckzukehren: sein Aufstieg enbet mit ber Ernennung Mm Kolonialminister, aber er bleibt nur ganz kurze Zeit im Amt. Dann tritt er sofort roieber ab ...Er zieht sich aus bem politischen Leben zurück: aus bem ,Belami'ift berlicbenbe Gatte Suzamies geworben." Wir sind nicht ganz sicher, ob biese Schlußwendung, wie sie bas Programmheft formuliert, allen Be- ^chern ganz beutlich geworben ist, unb wenn es ber Full fein sollte, bann wirb man sich ber Relativität erinnern, von ber schon bie Rebe war, unb bie Wen­dung vielleicht nicht als enbgültig anerkennen ober jcbenfalU mit einem skeptischen Lächeln bezweifeln. Der Kreislauf ber Dinge ist zuvor mit solcher Selbst- verständlichkeit geschilbert worben, baß es schwer fällt, an die Dauer einer derartigen Lösung zu glauben.

*

Die kleine Szene im Zimmer des Ministers, wo an einer kehr bezeichnenden Stelle des Gesprächs ein Bildwerk, das Frankreich verkörpert, den Rücken wendet, und die leblose Figur gleichsam ihr Haupt verhüllt, ist nur im Fflm so pointiert wiederzugeben und kennzeichnet den Stil der Inszenierung, die ^.ockerheck, Sicherheit und spielerische Grazie, mit der Forst den Stoss ergriffen und ins Optische übersetzt hat. Da er überdies auch die Hauptfigur unb Titelrolle selber spielt, trägt baf Ganze sehr deutlich bie Züge eines Wesens unb seiner Spielphantasie. Möglicher­weise wirkten einige frühere Filme aber gerabe des­wegen noch stärker, weil er dort, als Darsteller nicht beteiligt, sich ausschließlich auf die Spielführnng konzentrieren konnte. Uebrigeus liegt ihm der Typus "Al ami" vorzüglich, das unbeschwert Bewegliche, die Wandlungsfähigkeit, das Improvisatorische... : dRan kann sich den jungen Mann gut so vorstellen, : roie er hier gezeigt wird. Vier Frauengestalten um ! ihn her, die amüsant charakterisiert und geschickt gegen- I einander abgesetzt sind: Olga Tschechowa, eine so 1

^gabte wie großzügige Dame; Hilde Hildebrand, die ihreEisersuchtsszenen mit hysterischenTränenfluten benetzt; Lizzi Waldmüller, eilte scharmante, kleine pariserische Zofe, bie mit heiterem Gesang das sehr melodiöse Leitmotiv einführt; und Ilse "Werner: ziierst inFrau Sixta" herausgestettt, hier betonter unb persönlicher entfaltet, ein gescheites, helläugiges, sunges Geschöpf. Johannes Riemann hat sich vom Bouvivant ins schillernde Eharakterfach hinüberqe- spielt. Aribert Wäscher unb Will Dohm liefern ein pa^ bübsch sitzenbe, komische Episoben. Die Kamera- leute Teb Pahle unb Erich Schmibke unb ber Kom- pvulst 4-1)eo Mackeben sinb vom Regiestab mit An­erkennung zu nennen. (Tobis.)

Die Wochenschau ber Tobis bringt Ausnahmen vom Einmarsch in Böhmen unb Mähren, vom Führer- Empfang in Wien unb Berlin. Ein Kulturfilm, ber den Nerz als kleines Raubtier unb als kostbaren Pelz zeigt, wirb bie weiblichen Besucher besonbers inter- essteren. Hans Thyriot.

Hochschulnachrichten.

~ ist übertragen roorben: dem Negierungsbaurat pr.^ng. Wilhelm Loos in Berlin- Dahlem un- tzr Ernennung zum ordentlichen Professor an der Hochschule Berlin der Lehrstuhl für Wehrbautechnik; dem Dozenten Dr.-Ing. Werner ilcA r 9<nm ?-r C5i)en unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule mnr°fDnr nr [ür Werkzeugmaschinen;

öem Professor Dr. phil. Walter G r ö ß e r in Aachen unter Ernennung zum außerordentlichen Professor V1 ber Dechmschen Hochschule Aachen der Lehrstuhl ur Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hoch- requenztechmk; dem nichtbeamteten außerordent­lichen Professor Dr. Hermann Heuer -unter Er­nennung zum außerordentlichen Professor an der Unwerbtat M ü n st e r der Lehrstuhl für Englische Philologie. Professor Heuer wirkte seit 1928 als ra-c am Euglischen Seminar der Universität rrle vJlv ""b habilitierte sich hier 1932 für Euq- juche Phllulogie. Vor seiner Berufung nach Münster lehrte Professor Heuer mehrere Semester an der Universität Kiel.

Bürgermeister Pros. Dr. Hamm verläßi Gießen

Zum Ministerialrat in der Reichsstelle für Raumordnung ernannt.

Mozart-Preis 1939.

21m 22. März, dem Todestag Goethes, wurde der o,^a r t -P r e i s 1 9 3 9 der Johann-Wolfgang- Goethe-Stiftung an Hans Kloepfer in Köflach unb an ^uitbert Lobisser in Klagenfurt ver- m?enJ^?rn5..ÄIoepfer ist nach Josef Weinheber und Max Mell, die den Preis 1937 und 1938 erhielten, öer dritte steirische Dichter, dem diese Auszeichnung zuteil wird. Kloepfer erfüllt seit mehr als vier Jahr­zehnten den verantwortungsvollen Beruf eines Werk- Mtes der Alpinen Montan-Gesellschaft in Köflach als reifer Mann begann er sein dichterisches Schas­sen, und sein Name ist erst in den letzten Jahren auch über die engeren Grenzen seiner Heimat hin­aus bekannt geworden. In fünf Bänden liegen seine gesammelten Werke vor, und mit zum schönsten ge­boren seine Gedichte in steirischer Mundart D-r Mecke Preisträger, der 1878 in Kärnten geborene a11.1 Oobisser, ist ein weit bekanntgewordener Holzschneider, der mit außerordentlichem technischen ^oanen Hunderte von Holzschnitten Gestalt werden ließ. Seine Motive fand er vornehmlich in biblischen chhemen, Legenden und Allegorien. Wenn auch seine eigentliche Stärke auf dem Gebiet des Holzschnittes liegt, i|t er doch auch als Schöpfer von Wandmale­reien in Freskotechnik, von Oelgemälden und Aqua­rellen bekanntgeworden. Auf der letzten Großen Deutschen Kunstausstellung in München war Lo- bister nut einer Reihe repräsentativer Werke ver­treten.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrTorquato Tasso". Gloria-Palast, Sellersweg:Bel Ami". Licht- uielhaus, Bahnhofstraße:Ich verweigere die Aus- :nge".

Sladllhealer Gießen.

Heute, um 20 Uhr, findet die erste Wiederholung «mTorquato Tasso", Schauspiel in fünf Akten nm Johann Wolfgang von Goethe, statt. Spiellei- :nng Hermann Schultze-Griesheim. Bühnenbilder mrl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 55. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Ende 22.30 Uhr.

Hitler-Jugend Bann 116.

?Am 2. April findet um 9 Uhr in der Landes-Heil- i«d Pflege-Anstalt, Gießen, Licher Straße 106, die r °chste Annahme-Untersuchung für die statt.

-Die Stammführer sind verantwortlich, daß bei din Nachgeordneten Einheiten über die en Termin tisstlose Klarheit herrscht.

ü^n Frage kommt insbesondere der Jahrgang 1921.

NG.-Zrauenschaff/Frauenwerk.

Gießen-Nord.

Unser Gemeinschaftsabend ist heute, Dienstag, den 2 März, 20.15 Uhr, im Cafe Leib.

Hatten Sie nicht schon den Wunsch, IhrHeim zu verschönern? Kommen Sie doch bitte mal zu Bernard, auch in der Abteilung Gardinen finden Sie die bekannte Preiswürdigkeit!

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Neben uns her lief Wolf, der Hund, mit hängen- öer Zunge. Riefelte ein Wässerlein kalt und dünn unter Brombeersträuchern, dann stürzte er sich tbarauf, ohne sich Sorgen zu machen, um ein paar .Haare, die ihm die Dornen ausrissen. Es war schön i zuzuschauen, wie ihm das Wasser schmeckte. Abends «aßen wir manck)mal wohlgekühlten weißen Käse bei iden Bauern, zu heißen Pellkartoffeln und herbem !Landwein. Am schönsten aber war cs in Mond- inächten, wenn weitgeschwungen im blauen Licht die ! Hügel lagen. Kalkweiße Häuser strahlten aus sanften ^Senken, Pappeln standen schwarz um Bäche, Vogel- Übeeren hingen brennendrot zwischen flattriggrünen Wlättchen.

Schwarzgezackte Wirtshausschilder vor sternen- Noldenen Nachthimmeln, süßlicher Duft der Linden, knarren von späten Leiterwagen, das alles gehörte IQU diesen Sommerserien. Aber auch:

Das seidenweiche, nasse Haar, das ich als Kind so igern von den goldangeschimmernden Maiskolben !gog; die Scheuern, die nach Brot und Heu dufteten und immer in geheimnisvoll erregendem Dämmern i'agen; der Feigenbaum vor des Onkels Haustür, der Ehrlich nur eine Feige trug; das Ruckseln der Tau- ioen und das Bellen, Pfeifen und Lachen der Eichel- läher; Mitleid mit einem Stallhasen in der Mar- Mrinekiste; die weißen Tücher der Frauen, die ins Feld fuhren; die lohenden Sauern gärten schließlich, itrefe Büschel von Wohlgeruch, knallige Farben Hin- Zer bemoosten Zäunen ...

Aus öer Stadt Gießen.

Warum ich so gern auf dem Land war.

Wir leben in grauen Städten und haben ewige Sehnsucht nach den Tagen unserer Knabenferien, verlebt auf dem Land. Und manchmal, nachts, kommt alles zurück.

Ich ging jeden Tag in meinen Ferienwochen mit dem Onkel über Land. Er nähte mit krummer Chirurgennadel die Wunde, wenn sich ein Bauern­mädchen mit der Sichel verletzt hatte, er zog den Burschen die sck)wersten Backenzähne, er munterte die krächzenden Alten in den kühlen, tiefen Stuben auf oft war ich dabei. Viele staubige, helle'Wege sind wir gewandert.

Bauernhäuser standen wie für die Ewigkeit ge­fugt- Am Scheunenholz hingen die Kummete mit Messlngschildern und grün-roten Tuchfetzchen als Schmuck. Ueber den Tisch der Wirtschaften warben Plakate für Dreschmaschinen und Mineralwässer. In den Hofen krähten halbverschlafene Gockel

d» Beoölkerunq als hohes Verdienst um die All" S? vielerorts an ftinbmmdjmiftäo gemehlt anert-nnt. Seine charat.ervolle Person: I Schanin Äni2°"n BttÄ

Willy ForstsBel ami.

Gloria-Palast.

Ön diesem jüngsten Film hat Willy Forst den Stil ferner Wiener Filme dieMaskerade" bleibt noch I erntet unübertroffen eine bezaubernde Erinnerung IW folgerichtig ins Pariserische übertragen, und es ftmnbestreitbar, daß es im Atmosphärischen der beiden fclbte, wie das Auge und Ohr seiner Kamera sie | iich'aßt, bei manchen Unterschieden viele Verwandt- ! !Men und Parallelen gibt; unbestreitbar auch, daß p;er Uebergang mit der einzigen großen Film-Mode pmnmenfällt, welche sich nun schon so länge uner- Mttert und ungeschwächt in ihrer Anziehungskraft kimuptet: das neunzehnte Jahrhundert unb die liste Jahrhundertwende im besonderen erleben «ich hier wieder ihre Auferstehung wie schon in r ieten Filmen vorBel ami"; es wurde kürzlich in «mr Betrachtung in unserer Filmbeilage ausführ- Urr von diesem Rückfall gesprochen. Forst fand seinen <rjff bei Maupassant, und es ist.keine Frage, daß fef m Roman seiner Eigenart und seiner Begabung Kstndets lag und entgegenkam und auch manches Eit:alt, was sich gerade im Film verwerten und i MHinnen ließ. Davon zeugt das Drehbuch, das ko'ft mit Axel Eggebrecht zusammen schrieb. Der Wqrf ist typisch französisch in seinen Motiven, in der Ni chung seiner Schauplätze, in seinem Lebensgefühl, m 8'.orst hat die leichte und sichere Hand, den Blick Ull die Einfühlungsgabe, sich gerade dies zu eigen zi machen. Bel ami wörtlich übersetzt: schöner tonö ist der Typus des jungen Mannes, der piJlt, der Glück bei den Frauen hat und Karriere Nutzt; er braucht gar nichtschön" zu sein, er braucht mattem Geld zu haben, man begreift gar nicht einmal I IW, woraus fern Ausstieg eigentlich beruht, vielleicht i ifeij seine Gabe der Anpassungsfähigkeit, sein impro- \ »irisches Geschick, den Augenblick zu nützen, einer tLil°bung zu folgen, eine kaum wahrnehmbare Mme zu ergreifen, auf seinen Stern zu vertrauen L ll.4 äch von der günstigen Welle entführen und tragen gltjqifen: sie trägt immer und sie trägt auch allemal riuhwben oder an ein freundliches Ufer.Bel ami" üPqiÄo die Geschichte vom Aufstiege eines jungen 9 Äriea, zugleich seine Liebesgeschichte, das ist typisch f MMisch, oder vielmehr: die Geschichte vieler Sieben u 11) vieler Abenteuer, die einander ablösen. Man blinchte das berühmte Gemälde des Ehepaares Splttt) von Renoir nicht an der Wand eines Damen- ft I'cki zu erblicken, um sich landschaftlich zu orientieren li ir zu wissen, daß das alles in Frankreich spielt.

Vielleicht", von dem in der Charakteristik des nöl1 timi die Rede war, ist typisch für die Relativität