Ausgabe 
28.3.1939
 
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Ar. Erstes vlatt

189. Jahrgang

Dienstag, 28. Marz 1939

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

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Paris nach der Mussolini-Rede

Die neue Chance

Vor einer englischen Regierungserklärung

DasJournal" glaubt, eine italienische Neigung nod 3U Verhandlungen feststellen zu können. Die Frage | auch fei, welche Aufnahme man einer solchen Einladung dun

In folini

bereiten wolle. Auch sonst mehren sich die Presse- stinnnen, die Verhandlungen mit Italien für möglich halten. So verlangt das rechtsstehendePetit Jour­nal" die baldige Anknüpfung von Verhandlungen mit Italien, schreibt jedoch gleichzeitig, Frankreich brauche hierzu nicht den e r st e n Schritt zu

n g entsprechend den Notwendigkeiten des Augen- blicks um gestaltet werde. Allerdings gehen die Blätter ineist nicht so weit, non der Negierung die sofortige Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht zu verlangen, doch setzt sich die Times z. B. für eine zwangsmäßige U e b u n g s p e r i o d e der Jugend, also für eine Art Wehrpflicht, ein. Dos Blatt meint, es märe sehr ratsam, wenn man heute als erste Maßnahme zumindest ein allgemeines Training7 für die Jugend von 18 Jahren ein­führen würde. Technische Schwierigkeiten bestünden nicht. Diese Dtaßnahme würde die Schwierigkeiten der Uebergangszeit zwischen dem Friedenszustand und der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Kriegsfälle erleichtern. Im übrigen rät das Blatt

unternehmen. Selbst aus den Äeußerungen dieses Blattes, das eine gemäßigte Haltung gegenüber Ita­lien an den Tag legt, ergibt sich, daß man sich in Frankreich nur zu geringfügigen Zugeständnissen an Italien bereiterklären möchte. Vom Kern des Tunis- Problems ablenkend, behauptet dasPetit Journal" z. B. wenn die Italiener eine humane Behandlung ihrer Landsleute in Tunis wünschten, so seien ihre Wünsche schon jetzt befriedigt. In bezug auf das Regime des Suez^Kanals erklärt das Blatt, hier

Blätter von der Regierung, daß England nicht nur noch jt ärfer aufrüsten müsse, sondern daß

der Regierung, außer der Einführung der vorberei­tenden Wehrpflicht für die 18järigen die Terri-

nicht geduldet merben können, ist eigentlich selbst­verständlich. Der Faschismus hat seinen Frieden mit der Kirche gemacht und denkt nicht daran, biefen Frieben von sich aus in Frage zu stellen. Die all­gemeine Anteilnahme nicht nur bes Volkes, fonbern auch ber Regierungs- unb Parteistellen am Ableben Pius XL, besPapstes ber Aussöhnung", ist berebt genug. Die faschistische Regierung erwartet, baß auch ber Nachfolger eine Regel beachtet, bie Staat und Kirche friedlich nebeneinanber zu leben erlaubt. Dos gilt nicht zuletzt für bie Schule, bie jetzt ber leben- bige Ausdruck vollendeter faschistischer Revolution werden soll.

Die neue Schulreform soll mit dem kommenden Schuljahr, also im Herbst 1939, in Kraft treten. Selbstverständlich kann sie auch dafür ist eine größere Frist vorgesehen nicht überall hundert­prozentig durchgeführt werden. Immerhin läßt sich heute bereits voraussagen, daß namentlich das Hochschulstudium in den kommenden Jahren eine wesentliche Wandlung erfahren wird nicht nur hinsichtlich ber sozialen Zusammensetzung ber Hörerschaft, fonbern auch hinsichtlich ber Fre­quenz ber einzelnen Stubienfächer.

geworfenen Fragen anzuknüpfen. Dazu gehört nach ranzösischer Ansicht vor allem auch eine Klarstellung ber Tragweite ber italienischen Note vorn 17. Dezember 1938, die sich nach ihrem Wortlaut lediglich auf die Kündigung des Laval- Abkommens vom Jahre 1935 beschränkt habe, ohne die italienischen Forderungen be­kanntzugeben. Im übrigen müsse, so wird in Paris weiter betont,Klarheit über den Charakter ber italienischen Forberungen" geschaffen werben.

Grunblage ber abenblänbischen Kultur a l s Pflichtfach. Erst nach erfolgreichem Besuch ber unteren Mittelschule bars ber Schüler sich für einen ber höheren Schultypen entscheiben (huma­nistisches Gymnasium mit einem mehr klassischen unb einem mehr naturwissenschaftlichen Zweig, Lehrer­seminar unb befonbere Fachschule), wobei wieber nicht ber Wunsch, fonbern ausschließlich bie natür­liche Begabung unb charakterliche Veranlagung aus­schlaggebend bleiben. Der 11 ebergang zur Hochschule endlich (19. Lebensjahr) sieht einen ähnlichen Ausleseprozeß unb in Zusammenhang ba= mit befonbers scharfe Prüfungen vor, nach benen der Abiturient zu diesem oder jenem Hochschul­studium zugelassen wird.

Die rein formalistische unb humanistische Bildung, die für bie italienische Familie bisher bas Bilbungs- ibeat war, tritt also stark in ben Hintergrunb. Den reinen Geisteswissenschaften sollen künf-

vor allem bie militärische Ausbil -

fei eine gewisse Fortentwicklung unter Berücksichti­gung ber eingetretenen Veränderungen möglich. Schließlich sei schon seit langem ein Projekt über die Errichtung eines Freihafens für Italien in Dschi­buti ausgearbeitet worden.

Der französische Ministerrat tagte am Mon­tag bis in bie späten Mittagsstunden. Ministerpräsi­dent D a l a d i e r dankte im Namen der französi­schen Regierung dem Staatspräsidenten und dem Außenminister für die Ergebnisse ihres Staats­besuches in London, ber bie Kraft unb die Herzlich­keit ber englisch-französischen Freundschaft unter­strichen habe. Bonnet erstattete Bericht über seine Verhandlungen mit Chamberlain unb Lord Halifax und gab zugleich ein Gesamtbild der gegenwärtigen weltpolitischen Lage, wobei er besonders auf bie Rede Mussolinis vom Sonntag einging. Dann wurden dem Präsidenten fünf Erlasse zur Unterschrift vorgelegt. Sie betreffen bie Vermeh­rung ber Effektiv st ärke ber franzö­sischen Marine, eine Aenderung des bestehen­den Gesetzes über die Organisation der Reserven für bie Marine, die Vermehrung der Effektivstärke bes Marine-Jngenieurkorps, bie militärischen Grenzregionen und bie Kredite für die i n - bustrielle Mobilisierung. Die Minister werben am Mittwoch zu einem Kabinettsrat zusam­mentreten, um bie Grundlinien des Aufrufes auszuarbeiten, mit dem sich Daladier über den Rundfunk an bie französische Nation wen- ben will. Die Runbsunkrebe Daladiers wirb vor­aussichtlich am Mittwochnachmittag gehal­ten werben. In ben größeren Provinistädten werben Lautsprecheranlagen zur öffentlichen Wiebergabe der Rede aufgestellt werden. Es ist noch nicht bekannt.

London, 28. März. (Europapreß.) Minister­präsident Chamberlain unb Außenminister Lorb Halifax werden am Dienstag im Parla­ment eine Erklärung über bie Besprechungen zwi­schen England unb den anderen Mächten in ber Frage einer gemeinsamen Erklärung abgeben. Chamberlain hatte völlig unerwartet am Montag­abend den Unterausschuß bes Kabinetts für aus­wärtige Angelegenheiten einberufen. Dem Verneh­men nach wurde in dieser Besprechung der Wort­laut für bie am Dienstag in beiben Häusern des Parlaments abzugebende Erklärung festgelegt. Wie derDaily Telegraph" berichtet, bürste die Erklärung von Chamberlain im Anschluß an eine von dem Labour-Abgeorbneten Greenwood in Vertretung bes erkrankten Fraktionsvorsitzenden Attlee einge­brachte Anfrage abgegeben werden. Lorb Halifax wird bie Regierungserklärung im Oberhaus am Schluß der von Lord Davies veranlaßten außen­politischen Aussprache abgeben.

Engiano eiivagt Wehrpflicht für 18 MW.

London, 28. März. (DNB. Funkspruch.) In der Londoner Morgenpresse hat plötzlich wieder der Ruf nach energischeren Maßnahmen, vor allem auf dem Gebiete der nationalen Verteidigung, mit Wucht eingesetzt. Fast ausnahmslos fordern die

Die italienische Schulreform

Von unserem Dr. C. H.-Korrespondenien.

tig nur noch solche Elemente zugeführt werden, bie bafür auch wirklich begabt finb sie wer­ben immer eine Minberheit sein, bem prakti­schen, schaffsenben Leben aber alle Kräfte ber Nation. Das ist der Sinn einer Reform, bie, wie ber Unterrichtsminister gelegentlich betont hat, ganz im Gegensatz zu Sowjetrußlanb bas Kinb vom L Le­bensjahre an nicht etwa ber Familie entstehen, son- bern bie Familie an ber Förderung bes kör­perlichen, moralischen unb geistigen Wachstums interessieren will im Hinblick auf bas eine große Ziel, ben pvlitisch-solbatischen Menschen, b. h. ben Mitkämpfer an ben großen Ausgaben bes neuen Imperiums zu schaffen.

Eine Frage, bie Beachtung verbient, wenn sie auch in ber neuen Schulreform überhaupt nicht ange­schnitten worben ist, ist bie bes Religions­unterrichts. Das bisher bestehenbe unb auch durch bie Lateranverträge sanktionierte System, baß ber Religionsunterricht in ben Schulen burch Geist­liche wahrgenommen wirb, scheint keine Aenberung erfahren zu sollen und wohl deshalb nicht erwähnt worden zu fein. Daß die weltanschauliche Schulung ber Jugenb Primat bes Staates bleibt unb etwaige Uebergriffe ber Geistlichkeit nach dieser Richtung

ten, daß eine neue Lebensauffassung die beiden revolutionären Bewegungen in Italien 11 nb Deutschland vereint; diese Bewegungen seien dazu beftimmt, die reaktionäre und konservative Po­sition der alten Welt aus den Angeln zu heben unb gleichzeitig die Gefahren der bolschewistischen Welt­anschauung zu bannen. Diese Gedanken durchleuchten auch die römische Rede des Duce vom Sonntag, wenn auch dort der Tagespolitik unb ihren Not- roenbigfeiten ber Vorrang gegeben wirb.

Was ist der Sinn dieser Rede des Duce? Er nennt das Mittelmeer den Lebensraum Ita­liens, er führt die Probleme Tunis, Dschibuti u n b Suez-Kanal an, unb er schiebt der fran­zösischen Regierung die Initiative ,auch nur einer einfachen Aussprache über diese Probleme" zu. Don vornherein verwahrt er sich dagegen, mit Unver­bindlichkeiten wie dem Gerede von der lateinischen Verwandtschaft über die tatsächliche Problematik hinweghuschen zu wollen, und er fügt warnend hin­zu, daß eine allzu kategorische Ablehnung ben Gra­ben, ber gegenwärtig Frankreich und Italien trennt, so sehr vertiefen würde, daß es eine ungeheure, wenn nicht unmögliche Aufgabe würde, ihn wieder aufau füllen.

Damit, daß Mussolini Frankreich bie Initiative unb Verantwortung auferlegt, ist bie fran­zösische Presse sehr wenig einoerftanben. Die Times" bagegen bemerkt, baßgewisse Berichti­gungen für Beratungen absolut geeignet" seien und läßt sogar die Möglichkeit offen, baß die Rebe des Ducefür eine gute Diplomatie" tatsächlich ein Wendepunkt in der europäischen Lage werden könne. Wie man sieht, ist die englische Presse rein taktisch eingestellt und liest willentlich an den grundsätzlichen Erklärungen Mussolinis sowohl in der römischen Rede selbst wie in bem Danktelegramm an den Führer vorbei.

Vor einer Rundsunkansprache Daladiers.

E. F. Paris, 28. März.

Nach der Rede Mussolinis erörtert man in Pariser politischen Kreisen bie für Frankreich günstigsten Möglichkeiten einer Fühlungnahme mit Italien. Am Quai b'Orsay steht man auf dem Stanbpunkt, es müßten sich auf bem normalen diplo­matischen Wege Möglichkeiten finden lassen, um Verhandlungen zwischen Frankreich und Italien über die einzelnen in der letzten Mussolini-Rede aus-

ob Daladier in seiner Rundfunkrede auf die von Mussolini bekanntgegebenen italienischen Forderun­gen eingehen wird.

Verschiedene Zeitungen sprechen davon, baß im Kabinett im Zusammenhang mit ber Rebe Musso­linis lebhafte Meinungsverschiebenheiten aufgetreten seien. DerJour" schreibt, auf bie Anstänbigkeit Dalabiers, ber seinen Ministern eine völlige Mei­nungsfreiheit lasse, sei es zurückzuführen, daß sich innerhalb ber französischen Regierung zwei feinbliche Strömungen gebilbet hätten. Die eine Gruppe Hetze zum Kriege, bie anbere ba­gegen wolle vor einer kriegerischen Lösung alle ehrenhaften Friedensaussichten erschöpft sehen. In seinem eigenen Ministerium werde Außenminister Bo n n e t von der hohen Bürokratie be­kämpft, deren Wortführer ber Generalsekretär bes Quai d'Orsay, Leger, sei. Leger habe gestern nicht davor zurückgeschreckt, ben bevorstehenden Rück­tritt bes Außenministers anzukünbigen.

25 000 Italiener kehren aus Tunis in die Heimat zurück.

M a i I a n b , 27. März. (Europapreß.) Wie bie italienischen Blätter aus Tunis melbcn, haben bis jetzt 1000 Familienväter mit insgesamt 25 000 An­gehörigen die Einladung der italienischen Regierung zur Rückkehr in die Heimat angenommen. 40 Bergarbeiterfamilien aus Gerissa, bie wegen ihrer Haltung von ben französischen Be­hörden in Tunis entlassen worben waren, finb be­reits nach bem sardinischen Bergwerk von Carbonia zurückgekehrt.

torialarmee z u verboppeln und eine neue, großangelegte Rekrutierungskam­pagne zu unternehmen, Stammrollen sofort einzuführen unb Maßnahmen zu treffen, um wenig­stens einen Teil ber Territorialarmee zu jeber Zeit sofort mobilisieren zu können. News Chronicle will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß sich das Kabinett bereits mit dem Plan der Einführung her Wehrpflicht für die Jugend befasse. Allerdings wolle die Regierung auch weiter von der Einfüh­rung der allgemeinen Wehrpflicht im Augenblick nichts wissen.

Segnungen einer britischen Kronkolonie. 150000 Hungernde, 20 000 Tuberkulöse auf Neufundland.

London, 27. März. (DNB.) DieSegnungen" der britischen Kolonisation gehen aus einem Bericht besDaily Expreß" über Neufundlanb hervor, das bereits im Jahre 1583, von den Engländern besetzt wurde und jetzt, nachdem ihm im Jahre 1933 ber Charakter eines Dominion wegen Verarmung, offiziellZahlungsunfähigkeit" genannt, von Eng­land aberkannt wurde, als Kronkolonie un­mittelbar unter ber Kontrolle bes britischen Mutter­landes steht.

Von ben 300 000 Einwohnern Neufunblands hungern rund 150000, 70000 Einwohner leben von einer völlig unzureichenben Arbeits- losen Unterstützung. Zahlreiche Frauen unb Kinber können im Winter ihre Häuser nicht ver­lassen, ba sie fast nackt, sich nicht ber Kälte aus« sehen können. Eine Schulpflicht gibt es noch nicht, runb 10000 Kinber besuchen über­haupt keine Schule. Die übrigen verlassen bie Schule Zu 80 v. H. bereits, wenn sie zwölf Jahre alt sind. Die Stabt kümmert sich überhaupt nicht um bie Schule, die von ber Kirche unterhalten wirb. Kin­ber über zehn Jahre, die straffällig werden, werden im Gefängnis zusammen mit Erwachsenen unter­gebracht. Eine ärztliche Untersuchung gibt es tn den Gefängnissen überhaupt nicht. Ein Ehescheidungs- gesetz gibt es in Neufundland nicht. In den letzten Jahren hat zum ersten Male eine Tuberkulose- Untersuchung ftattgefunben. Dabei wurden gleich

Rom, im März 1939.

Die vom. Großen Rat bes Faschismus angenom­mene, in 29 grunbsätzlichen Erklärungen verankerte Schulreform ist im wesentlichen bas Werk bes Ministers für Erziehung unb Unterricht B v 11 a i. Minister Bottai legt Wert auf bie Feststellung, baß es sich um feine (Begenreform zu ben im ersten Jahr ber faschistischen Zeitrechnung (1922) vom bamaligen Unterrichtsminister Gentile, einem nicht aus bem Faschismus hervorgegangenen, aber ihm nahestehen­den Philosophen, auf Anregung Mussolinis durch­geführten Reformen handle, sondern um die l o - gische Fortsetzung unb Volle nbung eines Prozesses, besten Grunbgebanken Gentile vor- roeggenommen, ber aber erst jetzt, nachbem bie fa­schistische Revolution ihren Nieberschlag im faschisti­schen Regime gefunben hat, feine enbgiUtigc Kobifi- , zierung erhalten konnte, bie alsM agna iChartaberSchule" würbig neben bieMagna ' Charta der Arbeit" unb bieMagna Charta ber ! Rasse" tritt.

Wenn nach liberalistischer Auffassung bie Schule aufs Leben vorbereitet, gilt für ben Fa­schismus ber Grunbsatz, baß bie Schule ber erste unb «unb beshalb wichtigste Abschnitt bes Lebens stelbst ist. Soll bas Leben in seinen Voraussetzungen, ^Zielsetzungen unb Schlußfolgerungen faschistisch fein, 5bann muß bie Schule bem von vornherein Rechnung »tragen, b. h. eine f a f ch i ft i f d) e Schule werben. Deshalb wirb an ben Anfang ber Schulreform ber iin ber ersten Erklärung niebergelegte Grunbsatz ge­stellt:In ber moralischen, politischen unb wirt­schaftlichen Einheit ber italienischen Nation, bie sich im faschistischen Staat verwirklicht, formt bie Schule Das menschliche unb politische Bewußtsein ber neuen Generation als erste Grunblage ber S o l i b a r i t ä t nller sozialen Kräfte von ber Familie bis ' gu den Korporationen unb ber Partei."

Als einer ber entscheibenben Faktoren für bie Bil­dung ber neuen Generationen hat die Bestimmung riu gelten, baß jeber Schüler von ber Elementar­schule bis zur Hochschule dem faschistischen Jugend- verband (GIL) bzw. bem faschistischen Studenten- Qerbanb (GUF) automatisch an gehört, womit bie Durchdringung von Schule unb Partei gewährleistet Mrd im Hinblick auf die in ber dritten Erklärung getroffene Zielsetzung: moralische unb geistige Bil- i«ung ber Jugend unb in Verbindung mit ben irzieherlschen Zielen ber faschistischen Juqenborgani- rationen ihre politische unb militärische Vorbe- jetfung. Gleichzeitig soll bie Durchdringung 1 0 n Schule und Arbeit (Korporationen) da­durch gesichert werden, daß der W e r k u n t e r r i ch t uuf ben verschiedensten Gebieten (Werkstätten, Lanb- ivirtschast, Seefahrt usw.) zum integrierenben Be- oanbteil bes Unterrichtswesens erklären wirb.

Schon aus biefen Hinweisungen ergibt sich, baß bie faschistische Schule keine lebensfrembe Einrichtung hin unb noch viel weniger lebensfrembe Menschen normen will, bie, mit sich unb ber Welt zerfallen, »m Staate zur Last fallen ober ihn gar bekämpfen, jiefem Gebauten entspricht auch ber organische Auf- iniu der neuen Schule, der von bem Grunbsatz aus» -sht, daß nicht mehr der Geldbeutel ber Eltern ober iisren soziale Stellung maßgebenb für bie Förde- Wg des einzelnen finb, fonbern nur noch bas Leistungsvermögen unb bie charakter - l ch e Haltung bes Schülers unb bie Pebürf - hi f f e ber Nation. Der Staat hat fein Jn- ttreste an ber Züchtung eines geistigen Proletariats, fnnbern sichert von vornherein ben zweckentsprechen- iim Einsatz aller für bas Gesamtwohl burch eine sorgfältige Führung unb Auslese.

Jeber Italiener ist vom 4. bis zum 21. gebens« jHr zumSchulbien ft" verpflichtet, wie c anschließend sich bem Militärbienst zu unterziehen bitt, lieber bie Absolvierung besSchuldienstes" in culen seinen Formen wirb bas sogenannteSchul- bm ch" geführt, bas gewissermaßen eine fontinuicr- lche Chronik ber Arbeitsleistungen, Fähigkeiten, cha- ! rZkterlichen Eigenschaften usw. bes jungen Italieners Erstellt. Grundsätzlich hat jeber Italiener vom 4. bis l. Lebensjahr bie Elementarschule zu be­lachen (Kindergarten und Volksschule), deren obere Klassen zurSchule der Arbeit" werden, auf her sich eine dreijährigeH a n d w e r k s s ch u l e" iiijfbaut Jeder Italiener kann nach erfolgreichem Lfisuch ber dritten ElemeRtarfchulklasse auf die Mittelschule übergehen, vorausgesetzt, daß er str entsprechenden Fähigkeiten unb Bürgschaften, bie (nter näheren Prüfung unterzogen werden, mit- I bringt. Dies festzustellen ist nicht nur Aufgabe des Lchrpersonals, sondern auchderElternschaft, di deshalb in engster Fühlungnahme mit der Schule bl iben soll, um auf Grund dauernden gegenseitigen Udankenaustausches unb sich ergänzender Beob- tGtungen die natürliche Begabung und die Neigun- <ifL der Kinder festzustellen unb ohne soziale ober virtschaftliche Vorurteile zweckentsprechenb zu leiten.

Die Reform ber Mittelschule ist somit ium Kernstück bes gesamten Erziehungs- unb Unter« nditsroefens geworden insofern, als sie bie eigentliche Liaftform für das Kriterium, was aus bem L-ngen Menschen werben soll, abgibt, ils diesem Grunde ist die Aufteilung in eine in t e r e und eine höhere Mi11elschule mgesehen, erstere ben unteren Klassen ber bis« > lägen höheren Schulen entsprechend, letztere ben Viren Klassen ber gleichen Schulen, nur mit bem iegreifenben unb einschneibenben Unterschied, daß 1 ü< untere Mittelschule noch feine Aufspaltung in . Ichsische und reale Fächer vorsieht, sondern eine i ! iiillh eitlich e geschlossene Erziehung ' ? it Latein, weil form« und geistbildend und '

bem Danktelearamm, mit bem Benito Mus- die Glückwünsche des Führers zum 20. Jah­restag ber Gründung ber Faschistischen Kampfbünde beantwortet, zeichnet der Duce selbst den geisttgen Hintergrund seiner römischen Rede mit ben War-