i d) e n Plan für Palästina, der ursprünglich am Montagvormittag vorgelegt werden sollte, vorerst nur flüchtig gestreift.
Kolonialminister Macdonald gab im Unterhaus eine Erklärung über den Stand der Palästina- Konferenz ab. Er teilte mit, daß die englische Regierung den Abordnungen der Araber und Juden Anregungen für eine Lösung der Palästina-Frage vorgelegt habe, über die unvollständige und irreführende Berichte in der Presse erschienen seien. Diese entstellten Berichte seien auch in Pa- l ä st in a bekanntgeworden und hätten Anlaß zu ernsten Zwischenfällen gegeben. Der Ko- lonialmmister richtete einen Appell an die Oeffent- lichkeit in England wie in Palästina, mit dem Urteil über den englischen Lösungsvorschlag zurückzuhalten, bis dieser von der Palästina-Konferenz geprüft werden könnte.
Der Versuch des Kolonialministers, die Verantwortung für die Bombenanschläge in Palästina auf die angeblich irreführenden und unzutreffenden Presseberichte über den britischen Plan abzuschieben, hat in internationalen Pressekreifen B e • fremden und Entrüstung hervorgerufen. Dies ist um so mehr der Fall, als kein Zweifel darüber bestehen kann, daß in den wesentlichen Grundzügen die Berichte der englischen und der Auslandspresse die Anregungen, die von der englischen Regierung den arabischen und jüdischen Delegationen unterbreitet wurden, richtig wiedergegeben haben. In arabischen Konferenzkreisen verlautet, daß der arabische Standpunkt hinsichtlich der Unabhängigkeit Palästinas durch die Ereignisse der letzten 24 Stunden in keiner Hinsicht beeinflußt worden ist. Eine Einigung würde auf der Konferenz durch ein Nachgeben der englischen Regierung gegenüber dem jüdischen und amerikanischen Druck unmöglich gemacht werden.
Der amerikanische Boljchafter in London, Kennedy, hat sich am Montagnachmittag erneut in die Verhandlungen zur Lösung der Palästina-Frage eingeschaltet. Er stattete dem Außenminister Lord Halifax im Außenamt einen Besuch ab. Der Botschafter soll dabei auf die „schweren Gefahren" hingewiesen haben, die eine Verminderung der Judeneinwanderung nach Palästina für England im Hinblick auf die Haltung der amerikanischen Oesfentlichkeit mit sich bringen müßte. Es heißt, Kennedy habe sich auch gegen dieAenderungdesbritischen Mandats in Palästina ausgesprochen. Er soll dabei betont haben, daß „eine solche Aenderung eine verheerende Wirkung in der öffentlichen Meinung Amerikas mit sich bringen mühte".
England und die Vereinigten Staaten sind bekanntlich im Jahre 1934 in einem Abkommen übereingekommen, daß in den Bestimmungen des Palästina-Mandats keine Aenderungen ohne Zustimmung der Vereinigten Staaten vorgenommen werden. Die Vorsprache des Botschafters soll nach einer längeren Unterredung mit dem augenblicklich in London weilenden Neuyorker Rabbiner Wise erfolgt sein, der als einer der schärfsten Vorkämpfer des Weltjudentums mehrfach durch feine üble und hemmungslose Hetze gegen die autoritären Staaten hervorgetreten ist.
Heue Kabinettskrisis in Belgien.
Die Regierung Pierlot schon nach acht Tagen wieder zuruckgetreten.
Brüssel, 27. Febr. (DNB.) Die Regierung P i e r l o t, die erst am Dienstag organgener Woche nach einer langwierigen Ministerkrise zustande kam, ist am Montag wieder zurückgetreten nach einer Sondersitzung des Kabinetts, auf der noch einmal die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und der sozialdemokratischen Partei über die zukünftigen Finanzpläne besprochen wurden. Der sozialdemokratische Parteirat hatte am Montagmorgen beschlossen, seine Ablehnung der geplanten fünfprozentigen Kürzung aller Staatsgehälter und Pensionen sowie der sonstigen Verwaltungsausgaben aufrechtzuerhalten. Die Regierung blieb ihrerseits auf dem Standpunkt, daß die Kürzungen zur Sanierung der belgischen Finanzlage unvermeidlich seien; die sozialdemokratischen Minister teilten darauf mit, daß sie ihre Mitarbeit im Kabinett nicht mehr fortfetzen könnten. Infolgedessen hatte die Regierung Pierlot ihre Demission eingereicht.
Offiziell werden also als Grund des Rücktritts die Meinungsverschiedenheiten zwischen Katholiken und Sozialisten über die Finanzpolitik angegeben. Darüber hinaus steht jedoch der Streit zwischen Flamen und Wallonen wie ein Schatten über dieser Krise, die eine der schwersten ist, die das Land je durchgemacht hat. In politischen Kreisen wird erneut die Möglichkeit einer Auflösung der Kammer in Erwägung gezogen. Zahlreiche einflußreiche PoliUker und auch der König scheinen jedoch zu zögern, eine solche Lösung ins Auge zu fassen. Denn einerseits drängt die schwierige Finanzlage des Staates zu raschen Lösungen, und anderseits könnte ein Wahlfeldzug die im Lande bestehende politische Unruhe noch verstärken.
Die Witwe Lenins gestorben.
Moskau, 27. Febr. (DNB.) Hier wird bekannt, daß Frau Krupskaja, die Witwe Lenins, am Montagvormittag gestorben fei. Tags zuvor noch hatte sie ihren 70. Geburtstag gefeiert Die Krupskaja, die Lenin im Jahre 1894 kennenlernte, und die seitdem mit ihm verbunden blieb, hat an feiner Seite nicht nur an der Vorbereitung des bolschewistischen Umsturzes hervorragenden Anteil gehabt, sondern auch nach der Machtergreifung durch den Bolschewismus in allen Phasen bis zu Lenins Tode eine ausschlaggebende Rolle gespielt.
Schon zu Lebzeiten Lenins war sie indessen eine Feindin Stalins, und nach 1923, dem Todesjahre Lenins, hat sich diese Feindschaft zeitweise bis zum offenen Heroortreten der Krupskaja auf der Seite der Opposition verstärkt. Da alle Bemühungen der Parteileitung, sie der Politik Stalins geneigter zu machen, vergeblich blieben, wurde sie aus allen einflußreichen 21 e m t e r n entfernt Ein Werk, das sie 1934 über Lenins politisches Programm veröffentlichte, rief starken Unwillen in der Partei hervor, da sie darin offen für Trotzki und gegen Stalin eintrat Als sie bann 1935 das Kesseltreiben geißelte, das Stalin gegen die Opposition inszeniert halle, wurde sie zum erstenmal verhaftet. Ein Jahr später führte ihr Eintreten für die Verurteilten im ersten Trotzkisten-Prozeß zu ihrer erneuten Verhaftung. Seitdem wurde ihr Einfluß in der Partei immer mehr zurückgedrängt, wenn man ihr auch äußerlich als der Witwe Lenins eine gewisse Ehrerbietung entgegenbrachte.
Beim Führer zu Gast.
In den Räumen des Führerbaues in München hatte der Führer am Samstagabend zum großen Parteiempfang geladen, an dem die führenden Persönlichkeiten der Bewegung mit ihren Frauen Gäste waren. — (Presse-Jllustrationen-Hoffmann-M.)
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Unterhaltung und Verkehrssicherheit der Reichsautobahnen
Die Aufgabe der Straßenmeister.
Wenn bis jetzt Entwurf und Bau der Reichsautobahnen die wichtigste Aufgabe war, so ist mit der Fertigstellung der langen Strecken die Unterhaltung und Pflege der Straßen als neue wichtige Aufgabe hinzugetreten. Die maßgebenden Träger des Betriebsdienstes find die Straßenmeister, von deren Pflichterfüllung und Sachkenntnis der Verkehrszustand der Straßen abhängt. Auch die Pflege der landschaftlichen Schönheit ist Ausgabe des Straßenmeisters. An die Straßenmeister wendet sich deshalb der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, D r. Todt, mit einem besonderen Appell, in dem er es als ihre Pflicht bezeichnet, alles dafür einzusetzen, daß nicht nur Entwurf und Bau, sondern auch Unterhaltzustand und Verkehrssicherheit der Reichsautobahnen unerreicht in der Welt bleiben.
Dr. Todt weist dabei darauf hin, daß viele Verkehrsunfälle auf Fahrzeuge zurückzuführen sind, die in ber Fahrbahn stehen bleiben. Die Reichsautobahnen neuer Bauart würden einen verbreiterten Querschnitt erhalten mit einem außenseitigen befestigten Bankettstreifen von 2,25 Meter Breite für jede Fahrbahn, so daß.stehende Fahrzeuge in allen ^Fällen außerhalb der Fahrbahn abgestellt werden können. Es müsse aber auch gelingen, die Kraftfahrer selbst noch bester zu erziehen. Etwa 70 v. H. aller schweren Unfälle seien durch falsch abgestellte Fahrzeuge hervorgerufen. Es sei deshalb die Aufgabe der Straßenmeister und ihres Dienstpersonals, den Wagenführer zu veranlassen, entweder zum n ä ch -
st en Parkplatz oder wenigstens scharf rechts heran zu fahren. Eine weitere Pflicht sei es, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß die bei normaler Sicherung vollkommenen Straßen auch in den wenigen Wochen verkehrssicher bleiben, in denen Schnee und Eis den Verkehrszustand der
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Straße beeinträchtigen. Schließlich spricht Dr. Tobt den Wunsch aus, baß jeder Straßenmeister an der Autobahn selbst Kraftfahrer ist und auch selb st am Steuer seine Strecke abfährt. Nur, wer selbst am Steuer sitze, lerne die Sorgen des Kraftfahrers kennen und fei als Straßenmeister zu den nötigen Abhilfemaßnahmen in der Lage.
Der Nachwuchs in der Hauswirtschaft.
Neuordnung des Schulwesens.
Die übermiegenbe Mehrzahl ber beutschen Mäb- chen finbet bie Erfüllung ihrer Lebensaufgabe barin, als Hausfrau und Mutter in ihrer Familie zu wirken. Die Vielfältigkeit der Aufgaben im Haushalt für bie Hausfrau fordert von ihr eine gründliche Ausbildung in allen Zweigen der Hauswirtschaft. Reichserziehungsminister Rust hat durch einige Anordnungen dieses umfassende schulische Ausbildungsgebiet neu geordnet. Dabei handelt es sich um bie Haushaltungsschulen als Berufsfachschulen, um bie Schulen zur Ausbildung von Kinderpflege^ und Haushaltsgehilfinnen, um bie Frauenfachschulen und um bie Ausbilbung von Hauswirtschaftsleiterinnen, eines neu entstehenden Berufs, den der Minister als höchste Lei- stungsstuse im hauswirtschaftlichen Erwerbsleben charakterisiert.
Die H a u s h a l t u n g sschulen bieten eine gute Möglichkeit der gründlichen Schulung auf allen Gebieten hauswirtschaftlichen Schaffens. Ihr erfolgreicher Besuch während der Lehrlingsdauer von einem Jahr befreit von der hauswirtfchaftlichen Berufsschulpflicht. Die Neueinrichtung solcher Schulen soll von öffentlichen Schulträgern oorgenommen werden. Sie bedarf der staatlichen Genehmigung. Schulküche, Unterrichtsräume für Waschen, Platten und Hausarbeit, für Kranken- und Säuglingspflege, für Handarbeit und möglichst ein Gartengrundstück gehören zu den Lehreinrichtungen. Die Mädel werden dahin ausgebildet, eine. Hausfrau in Küche und Haus entlasten zu können. Darüber hinaus haben die hausfraulich-mütterlichen Erziehungsaufgaben stärkste Beachtung zu finden. Am Ende der Ausbildung steht eine Abschlußprüfung, die für Volksschülerinnen als Nachweis der Vorbildung für die Aufnahme in die Frauenfachschule gilt, falls bie sonstigen Aufnahmebedingungen erfüllt sind; weiter gilt sie als erstes Halbjahr der Ausbildung zur Kinderpflege- und Haushaltsgehilfin, sie wird angerechnet auf die vierjährige Berufsarbeit zur Ausbildung als Volkspflegerin und gilt als Nachweis ber haus- wirtschaftlichen Vorbilbung zur Aufnahme in ein Seminar für Äinbergärtnerinnen und Hortnerinnen.
Zur Neuordnung der Ausbildung von Kinderpflege- und Haushaltgehilfinnen m schulischer Hinsicht bemerkt der Minister, baß für diese bebeutfamen Berufe in zunehmendem Maße Nachfrage bei kinderreichen Familienhaushaltungen und Äinberbetreuungsftätten aller Art besteht. Es müßten daher im ganzen Reich mehr als bisher entsprechende Aus- b i 1 b u n g s m ö g l i ch k e i t e n geschaffen werden. Beim Nachweis ber erforderlichen hauswirtschaftlichen Vorbildung bauert die Ausbildung ein Jahr, sonst VA Jahre. Sie schließt mit einer staatlichen
Prüfung ab. Die Pflege ber häuslichen Kultur ist in allen Fächern Unterrichtsgrundsatz. Wirb nach beftanbener Prüfung ein Jahr erfolgreicher Haushalts-Tätigkeit nachgewiesen, dann kann bie Berufsbezeichnung .Iinberpflege- unb Hausgehilfin" geführt werben.
Die nächste Stufe, bie Frauenfachschulen, dienen insbesondere ber Heranbilbung z u leitenben und lehrenden Berufen wie Hauswirtschaftsleiterinnen unb -lehrerinnen ober Gewerbelehrerinnen für Hauswirtschaft. Hier erfolgt eine Kernausbilbung in Hauswirtschaft mit einer weitere Berechtigungen gewährenben staatlichen Abschlußprüfung. In zunehmenbem Maße werben aber auch ausgebilbete hauswirtschaftliche Kräfte für die wirtschaftliche Leitung von Schulungslagern, Erholungsheimen, Krankenhäusern, Kinderheimen, Beratungsstellen usw. angefordert. Der Minister regelt hierfür die Ausbildung zu dem neuen Beruf ber „H a u s w i r t s l e i t e r i n", ber beim Vorhandensein einer guten Allgemeinbildung auch Mädchen mit dem Abschlußzeugnis ber Volksschule offensteht. Die bisherigen Bezeichnungen „Haushaltspflegerin", „Hausbeamtin" ufw. werben durch die neue Bezeichnung ersetzt. Die Ausbildung baut auf dem Abschluß ber Frauenfachschule auf.
Oie Berechtigung
der hauöwirischafilicken Reifezeugnisse.
Ndz. Verschiebene Anfragen geben bem Reichs- erziehungsrnlnister Veranlassung, nochmals barauf hinzuweisen, baß es hinsichtlich ber Berechtigung ber Reifezeugnisse ber Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form, bei seinem Erlaß vorn 24. September 1938 verbleiben muß. Die Berechtigungen der Reifezeugnisse der neuen hauswirtschaftlichen Form können erst dann zuerkannt werden, wenn bie neuen Lehrpläne s i ch noch mehr ausgewirkt haben unb die etwa nötigen Ergänzungsprüfungen festgelegt sind. Schülerinnen, bie Oftern 1939 unb 1 940 bas Reifezeugnis ber hauswirtschaftlichen Form erhalten unb ein akademisches Studium ergreifen wollen, für bas ihr Zeugnis keine Berechtigung gibt, müssen also vor Beginn ihres Studiums eine entsprechende Reifeprüfung ablegen. Dabei kann, wenn der weitere Prüfungsgang spätestens ein Jahr nach der ersten Prüfung erfolgt, auf bie Leistungen bes hauswirtschaftlichen Reifezeugnisses Rücksicht genommen »werden.
Das Konklave.
Das Wort „Konklave" bedeutet verschlossenes Ge- mach. Es bezeichnet im besonderen bie Versammlung ber Karbinäle, bie in einem Raum eingeschlossen bleiben, bis ber neue Papst gewählt ist. 1179 hatte Papst Alexanber III. auf dem Laterankonzil bie Wahl feines Nachfolgers ausschließlich ben Karbinälen übertragen, aber erst Papst Gregor führte 1274 auf bem Konzil zu Lyon das Konklave ein, b. h. bie Karbinäle sollten, bis sie sich über bie Wahl geeinigt hätten, in geschlossenen Räumen unb abgeschnitten von jedem Verkehr mit der Außenwelt gehalten werden. Diese Regeln gelten, mit wenigen Abweichungen, bis zum heutigen Tage. Das Konklave beginnt damit, daß die Karbinäle in der Paulinischen Kapelle dem Hochamt „de spiritu sancto“ beiwohnen unb eine in lateinischer Sprache gehaltene Rebe über ihre Pflichten als Papstwähler anhören. Darauf wird ihnen das Abendmahl gereicht. Sie leisten in der Sixtinischen Kapelle einen feierlichen Eid unb ziehen sich bann in bas Konklave zurück. Dort werben bie einzelnen Zellen burch bas Los verteilt. Jeder der Kardinöle, die ja Fürsten ber Kirche sinb, barf sich von einem Sekretär unb von einem Kammerdiener begleiten lassen. In der primitiv eingerichteten Zelle stehen nur ein Bett, ein Tisch und einige Stühle. Früher mußten sie sich nur von Brot, Wasser und Wein, bie sie mit in bie Klausur nahmen, nähren. Aber jetzt ist bas anders geworden. Es sind in das Bereich des Konklave mehrere Küchen eingebaut, und em Zere- monienmeifter sorgt für eine angenehme Speift- foige, die für 300 Personen berechnet ist.
Vor dem ersten Wahltag ertönt um sieben Uhr abends ein Glockenzeichen, unb ber Zeremonienmeister sorgt bafür, baß alle unbeteiligten Personen die Räume verlassen. Der von brei Karbinälen begleitete „Camerlengo" kontrolliert bie Türen unb Fenster, die nach außen hin mit Blenden versehen unb nach innen burch Plomben geschlossen werben. Die Papstwähler sinb unter sich. Der eigentliche Wahlgang beginnt am Morgen des zweiten Tages in ber Sirtinischen Kapelle. Während ber Wahl haben bie Karbinäle auf einem mit einem Baldachin bedeckten Sessel Platz genommen, ber sich zurückschlagen läßt. Nacheinander verlassen sie ihren Sitz unb schreiten auf einen Holzaltar zu, ber vor bem eigentlichen Altar errichtet worben ist. In ber erhobenen Rechten tragen sie ben zusammengefalteten unb von ihnen gesiegelten W a h l z e t t e l. Der Kardinal kniet vor dem'Altar nieder unb schwört, nach bestem Willen und Gewissen seine Wahl getroffen zu haben. Dann legt er feinen Zettel in einen bereitstehenden Kelch. Haben alle Karbinäle ihren Stimmzettel abgegeben, so wirb ber Kelch geschüttelt, unb bie Stimmzettel werden in einen zweiten Kelch geschüttet, ber ben Wahlprüfern, bie an einem Tisch in ber Mitte ber Kapelle Platz genommen haben, überreicht wird. Die Zettel sinb so gefaltet, baß allein berName bes zu wählen- ben Papstes, nicht aber ber bes Wählers zu lesen ist. Ist eine Zweibrittelmehrheit ber abgegebenen Stimmen erreicht, so nennt ber älteste ber Prüfer ben bürgerlichen Namen des neuen Papstes und übermbt gleichzeitig bie Stimmzettel besonderen Revisoren, die bas Ergebnis nochmals überprüfen. Wenn aber im ersten Wahlgang bie notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht worden ist, so werden die Stimmzettel aneinander- gereiht und in einem Ofen verbrannt, in bem feuchtes Holz bereitsteht, das viel Rauch entwickelt. Ein Rohr ragt aus bem Kamin ber Kapelle empor. Der emporfteigenbe Rauch verkünbet bann der wartenden Menge draußen, daß bie erste Wahl erfolglos gewesen ist und daß ein zweiter Wahlgang folgen muß.
Haben sich nun bie Karbinäle über bie Person bes zukünftigen Papstes geeinigt, so bringen sie ihm sofort eine eigenartige Huldigung bar. Die Baldachine, bie bisher bie Sessel der Karbinäle bedeck- ten, legen sich plötzlich um. Nur über bem Neu- gewählten bleibt ber Balbachin ausgebreitet. Der Karbinaldekan erhebt sich, verbeugt sich vor bem neuen Papst unb fraat, welchen Namen er anzunehmen gedenkt. Nachdem ber Name genannt ist. wirb er mit bem päpstlichen Ornat, mit ber Tiara unb mit ber dreifachen Krone geschmückt. Der Kardinal-Diakon begibt sich bann auf bie äußere Mittelloggia des Petersdomes unb verkündet ber harrenden Menge ..habemus Papam dominum reverendissimum“ (folgt der NameV Bald darauf erscheint ber neuoeroäblte Papst leibst unb erteilt von ber großen Loggia aus ben Segen, urbi ef orbi. Sehr bald darauf findet auch bie Krönung statt. Bei biefer Feierlichkeit ruft der Zeremonienmeister bem Papst vor der knienden Menge bie Worte zu: „sic transit gloria mundi“, unb jedesmal verbrennt er bei diesen Worten ein Stückchen Watte und bläst bie Asche in bie Luit. Nach ber Krönung bestimmt der Papst seinen Hosstaat unb ernennt die Männer seiner Umgebung. Grundsätzlich kann jeder Männliche Katholik zum Papst gewählt werben, jeboch ist seit 1378 immernur ein Kardinal gewählt worden, unb zwar hat sich leit bem Tode bes Papstes Hadrian VT., ber Holländer von Geburt war. im Jahre 1523 dabei bie Regel herausgebildet, baß dieser Kardinal e i n Italiener ist. Er darf mit keiner regierenden Familie verwandt sein und muß das 55. Lebensjahr überschritten haben U. St.—
Der Bevölkerungsrückgang in Frankreich.
Paris, 28. Febr. (Europapreß.) Die rückläufige Bevölkerungsentwicklung in Frankreich, bie schon seit Jahren festzustellen ist, aber ein stets großer werbendes Ausmaß anzunehmen beginnt, bereitet ernste Sorge. Der Präsident ber „Nationalen Vereinigung gegen bie Entvölkerung", Booerant, der zugleich Mitglied des amtlichen 2lusschusses zum Studium der Bevolkerungsfragen ist, ergreift im „Journal" das Wort. „Die Deutschen zählen achtzig Millionen, bie Italiener fünfzig Millionen, währenb man bei uns immer mehr Särge als Wiegen zählt", ruft Boverant besorgt aus. Nach seinen Ausführungen hat Frankreich gegenwärtig 42 Millionen Einwohner. Von diesen sind brei Millionen Ausländer, bie sich in Frankreich für dauernd niedergelassen haben. Die Zahl ber Tobesfälle überrooa bie Geburten im vergangenen Jahre um 30 000. Während im Jahre 1876 1 022 000 Kinber geboren würben, belief sich bie Geburtenzahl im Jahre 1938 auf nur 610 000. Im gleichen Jahre würben bagegen in Deutschland 1 450 000 unb in Italien über eine Million Kinder geboren. Boverant bemerkt, wenn bie Zahl ber Geburten in ben fommenben Jahren in gleicher Weise absinken werbe wie im Vorjahre, würden im Jahre 1949 nur noch 500 000 unb Im Jahre 1955 in Frankreich nur noch 400 000 Kin° ber geboren werden. Das französische Volk


