Unser freudiger Einsatz in der Heimat schwächt den Gegner.
Der Nationalsozialistische Gauikienst Hessen-Nassau schreibt:
In unserer Heimat gibt es noch viele Männer, die Soldat sein könnten. Vielen von ihnen merkt man es an, daß sie lieber draußen in der Front am Feind ständen, als im Zivil- rock in der Heimat zu weilen. Aber es kann niemand von ihnen dafür, daß sie hier sind. Im ge- nnuestens ausgearbeiteten, den Erfordernissen der Kriegsführung bis auf die letzte Einzelheit entsprechenden Plan ist chr Platz gegenwärtig nicht an der Front, sondern im Lande. Ihre Pflicht ist allerdings die gleiche wie des Frontsoldaten, nur datz ihre Waffe nicht das Gewehr, sondern die Arbeit ist. Von ihrer Pflichterfüllung und ihrer tadellosen Arbeitsleistung hängt ebenso der Sieg ab wie von den kämpferischen Leistungen der Kameraden an der Front. Die Stellung, die ihnen zugewiesen wurde, haben sie ebenso auszufüllen wie der Krieger feinen Kampfplatz.
Für einen deutschen Mann ist es hart, nicht an der Front stehen zu dürfen. Aber daraus darf sich kein Minderwertigkeitsgefühl entwickeln, das feine Kraft lähmen und fein Selbstvertrauen schwächen würde. Kraft und Selbstvertrauen sind gerade heute notwendiger denn je. Der Volksgenosse muß immer daran denken, daß er auch in der Heimat Soldat zu sein und sich bestens zu bewähren hat. Jedes Stück vorbildliche Arbeit, das er leistet, schadet dem Feind, jedes starke und zuversichtliche Wort, mit dem er anderen Kraft gibt, ist ein Schlag gegen jeden Gegner, jede helfende Tat, der ungebrochene Wille zur Volksgemeinschaft schwächt unsere Widersacher. Treu, gewissenhaft und tapfer soll er seinen Platz ausfüllen, immer bereit, ihn morgen mit einem anderen zu tauschen. Drückeberger gibt es im heutigen Deutschland nicht. Jeder steht da, wo er im Interesse des Volkes zur Erfüllung seiner Pflicht hingestellt worden ist. Auf seinem Platz wirkt jeder für den Sieg unserer Waffen mit. Wer bereit bleibt, dies moraen als Krieger zu tun, der braucht sich nicht zu schämen, es heute in der Heimat tun zu müssen. Und niemand hat das Recht, ihn deshalb schief anzusehen. Unsere Verachtuna gilt heute nur dem, der im Schicksalskampf unseres Volkes zu keinem Opfer, zu keiner Einschränkung bereit ist. Unsere Achtung aber allen, die als opferfreudige Soldaten Adolf Hitlers die ihnen auferlegten Pflichten erfüllen und jederzeit bereit sind, ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, die Ehre und Größe Deutschlands zu verteidigen. Front und Heimat ist eins. Ein Wille beseelt sie und eine unerschütterliche Bereitschaft: nicht zu kapitulieren.
Keine Gonderreiseprüfnngen.
Der Reichserziehungsminister hat angeordnet daß von Sonderreifeprüfungen für Schüler und Schülerinnen der Höheren Schulen allgemein abzu- sehen ist. Das einem Schüler der Klasse 8 bei der Einberufung zum Heeresdienst auszustellende Abgangszeugnis gilt als Reifezeuanis, wenn es den Vermerk enthält, daß dem Scyüler auf Grund der n a ch g e w i e se n e n Einberufung gemäß diesem Erlaß des Reichserziehungsministers die Reife zuerkannt wird. Der Vermerk darf jedoch nur gegeben werden, wenn Führung und Klaffenleistung des Schülers es rechtfertigen. In allen anderen Fällen wird vorzeitig abgehenden Schülern ein einfaches Abgangszeugnis ausgestellt. Verläßt ein Schüler ober eine Schülerin vorzeitig die Klaffe 8, um K r i e g s h i l f sdi e n st zu leisten, so erhält das Abgangszeugnis bei Würdigkeit des Schülers oder der Schülerin nachträglich, d. h. am Schluß des Schuljahres, sinngemäß den erwähnten Reife-Vermerk, wenn der Schüler oder die Schülerin eine Bescheinigung über pflichtgetreue Arbeit in wichtigem Kriegshilfsdienst für den gesamten Zeitraum bis zum Schluß des Schuljahres beibringen kann. Diese Voraussetzung der pflichtgetreuen Arbeit in wichtigem Kriegshilfsdienst für den angegebenen Zeitraum muß ausdrücklich hervorgeh ob en werden, die Entscheidung darüber, was
nach den örtlichen Verhältnissen als wichtiger Kriegshilfsdienst angesehen werden darf, trifft der Oberpräsident bzw. die Unterrichtsverwaltung des Landes.
Die Schülerinnen der Oberschulen für Mädchen, die an sich die Reifeprüfung nach neun Schuljahren im Januar 1940 ablegen sollten, werden schon jetzt aus der Schule entlassen. Sie erhalten das Reifezeugnis ohne besondere Prüfung, wenn diese Zuerkennung nach Führung und Leistung der Schülerin möalich ist. Das Zeugnis wird aber e rst am Schluß des Schuljahres 1939/40 ausgehändigt, und zwar nur dann, wenn die Schülerin nachweist, daß sie sich in der Zwischenzeit im Hilfsdienst irgendwelcher Art (Hilfe in kinderreichen Familien, Hilfe in der Landwirtschaft u. ä.) betätigt hat. Wenn die Reife nicht zuerkannt werden kann, so tritt die Schülerin in die Klasse 8 zurück.
Die private Krankenversicherung
' der Einberufenen.
Das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung hat eine Regelung für die private Krankenversicherung getrosten, die ab 26. August gilt. Für Versicherte, die zur Wehrmacht, zum Reichsarbeitsdienst oder einen auf ähnlicher Grundlage beruhenden staatspolitisch notwendigen Dienst, mit dem Heilfürsorge verbunden ist, einberufen sind oder werden, ruhen die Rechte und Pflichten aus dem Versicherungsvertrag, soweit es sich um die Beitragsteile und Leistungsansprüche des Einberufenen selbst handelt. Die Versicherung nichteinberufener Familienangehöriger ist mit unveränderter Leistung f o r t z u s e tz e n. Soweit Geschäftspläne vor- ! sehen, daß beim Erlöschen der Hauptversicherung chie Versicherung der Familienversicherten ebenfalls erlischt oder beendigt werden kann, dürfen diese f Rechtsfolgen beim Tode eines einberufenen Haupt- !versicherten nicht geltend gemacht werden. Das gilt auch, wenn der Tod eines nicht, einbe- I rufenen Hauptversicherten durch Kampfhandlungen
Husarenstreich ein
Das Bodenpersonal vernichl
P.K. Auf dem Flugplatz eines Kampfgeschwaders im Osten. Allmählich wiederholt sich die Fülle von Angriffen kleiner polnischer Einheiten auf den Horst. Nacht für Nacht stört diese Schießerei die des Nachtschlafes so bedürftigen Männer. Der Horst hat Sicherheit notwendig. Starke Postenketten mit Maschinengewehren müssen ständig Dienst tun. Tollkühn kommen nun oft diese Burschen aus den Wäldern. Die Wachen sind sehr anstrengend und die Folgen einer Unachtsamkeit sind nicht auszudenken. Maschinen, Brennstoff, Munition — das wäre ein hübsches Feuerwerk.
Eines Tages wird es nun unserem Horstkommandeur, einem verdienten Weltkriegs-Hauptmann, zu arg.
„Kinder, die müssen mir kriegen!"
Wir sind Feuer und Flamme. Flieger in« fanteristisch eingesetzt — einmal etwas Neues. Wo stecken nun eigentlich untere Freunde? Einmal hatten wir Glück. Etliche Kilometer von uns, in einem dichten Wäldchen, wurden sie durch eine Maschine festgestellt.
„Polnische Truppen in Stärke eines Bataillons mit vollständiger Ausrüstung"^ so lautete die Meldung.
„Herr Oberleutnant Müller, stellen Sie aus der Bodenmannschaft eine Kompanie zusammen, freiwillige Offiziere, Maschinengewehre sind mitzunehmen."
Im Nu ist eine Kompanie mit 70 Männern aufgestellt. Heute gegen Abend kann es losgehen.
Um 16 Uhr war Antreten. Jeder von uns hatte nur den einen Wunsch: hoffentlich werden mir die Brüder treffen! Mit Sicherung marschieren mir ab. Wir biegen gleich von der Landstraße ab. Nur nicht lärmen. Leise geht's durch den tiefen Sand.
Nach einer Stunde Marsch sind mir in die Nähe des Wäldchens gekommen. Unsere Späher kommen
er Horstkompanie.
et zwei polnische Bataillone.
zurück. Feind im Wald, fast ohne Sicherung. Lie Brüder müssen sich ja verteufelt sicher fühlen. Unser schneidiger Kompanieführer trifft die Einteilung. Wir umstellen das Wäldchen so, daß mir die allenfalls Flüchtenden auf die Straße hinaustreiben, mo mir ja ihrer reicher habhaft werden können.
Langsam pirschen wir uns vor. Schußbefehl nur auf Pfiff, mir wollen doch alle bekommen. Die Sonne ist gerade hinter den Wipfeln verschwunden, das Schußlicht ist noch gut. Auf indianermäßige Weise werden die Posten unschädlich gemacht. Sie sind so erschrocken, daß-''sie an gar keinen Widerstand denken.
Nun haben wir das. Lager vor uns. Auf einer Lichtung sehen wir große Vorräte von Munition und Material aufgestapelt. Auch Artillerie ist vorhanden. Wenn das nur gut geht. Wir haben eine f ä st zehnfache U e b e r m a ch t vor uns. lieber» raschung ist alles. Ein schriller Pfiff ertönt — nun knattert es los. Wie aufgescheuchte Hasen sausen die Polen durcheinander. Der Widerstand ist nur sehr kurz. Sie haben ja keine Ahnung wie wenige mir sind. Bald fliegen die Hände hoch — sie reollen sich ergeben.
Die Maschinengemehre bleiben in Feuerstellung. Wir haben schon Erfahrungen gemacht mit den Burschen. Die Toten und Verwundeten mürben gesammelt, ebenso das Material. Ein langer Zug von Gefangenen marschiert ab — Richtung Berlin.
Unser Erfolg war durchschlagend. Polen in der Stärke von fast zwei Bataillonen mit Offizieren und reichlichem Material — gefangen durch eine Horst- kompanie in der Stärke von 70 Mann — wohl ein einmaliges Erlebnis. Nun hat unser Horst Ruhe, die Gefahr ist abgewendet. Die Luftwaffe hat in kühnem Einsatz bewiesen, daß sie auch auf der Erde zu kämpfen weiß.
machtangehörigen, 9. alle Zulagen, soweit sie bish„ steuerfrei waren, einschl. der Frontzulage. Zu steuerfreien Zulagen zählt auch die Fliegerzulag^ Die übrigen Bezüge der Wehrmachtangehöriger, wie z. B. Grundgehalt und Wohnung s< g e l d z u s ch u ß, zählen nicht zum mobile, Diensteinkommen und werden nach den Steuer, gesetzen versteuert.
Die Umstellung des Handwerks auf die Kriegswirtschast.
Reichshandwerksmeister Schramm hatte der; aus dem Führerkorps des deutschen Handwerks ga bildeten Beirat zu einer Sondertagung zusoir, i menberufen, wobei alle Fragen zur Erörterung langten, die hn Zusammenhang mit der Umstellung des Handwerks auf die Kriegswirtschaft stehen. Der Handwerkerfrauen, die in Abwesenheit ihrer an bq Front stehenden ober sonst im feldgrauen R»j dem Vaterland dienenden Männer die Hand, merksbetriebe aufrecht zu erhalte, suchen, wird von den Innungen, Kreishandwerkei. schäften und Handwerkskammern alle nur denkbare Fürsorge zuteil. Auch für biejen!< gen Handwerksbetriebe, die durch die Einführung der Kriegswirtschaft zur Zeit über Auftrags, mangel klagen, wird Hilfe geschaffen merber, indem man diese Handwerkszweige, Betriebssühur und Gefolgschaften, dort einsetzt, wo ihre Arbeit:, kräfte gegenwärtig am besten eingesetzt werde, können.
Oie Arbeit des Internationalen Noten-Krenz-Komitees.
Bern, 23. September. (DNB.) Zur Herstellung der Verbindungen mit den Regierungen und der Rot-Kreuz-OrgaNisationen der kriegführenden Ar> der hat das Internationale Komitee vom Roter, Kreuz in Genf Beauftragte schweizerischer Staat-; an gehörig kett nach Deutschland, Polen, Frankreich! und England entsandt. In Berlin weilt Dr. Marci I u n o d , der das Komitee früher in Abessinier
ober Kriegsereignisse eingetreten ist. Familien- und Anschlußversicherte können in diesen Fällen b i e Versicherung fort setz en. Bestimmungen, daß Dersicherungsleistungen nicht gewährt werden für Schäden, die infolge von Kriegsereignissen entstanden sind, werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt mit der Maßgabe, daß hierbei Leistungen für solche Schäden nicht zu gewähren sind, für die auf Grund gesetzlicher Vorschriften Ansprüche gegen das Reich bestehe«.
Oie Krankenversicherung für Famil enanqehörige.
Zur Weitergewährung der Krankenversicherung an die Familienangehörigen der Einberufenen nimmt der Reichsarbeitsmini st er in einem Erlaß ergänzend Stellung. Darin macht er es den Trägern der Krankenversicherung zur besonderen Pflicht, dafür zu sorgen, daß die nach der getroffenen Regelung für die Familienangehörigen in Frage kommenden Leistungen schnell und frei von bürokratischen Hemmungen gewährt werden.
und in Spanien vertreten hat. Der Vertreter b« Genfer Komitees in Polen, Robert Brunel, si zugleich in Rumänien akkreditiert. In Paris reiri das Komitee durch Eduard Frick vertreten, in London durch Robolphe H a e c i u s. Die Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreiz haben bei den Regierungen und Organisationen bt einzelnen Länder die beste Ausnahme gefunden. Se haben bisher die folgenden Mitteilungen nach Geis gesandt:
Am 20. September sollen etwa 30 000 Flüchj, ringe und Internierte sich auf rumänischem G- biet befunden haben. Eine genaue Zählung ist noch nicht vorgenommen worden. Sie sind alle in dec Moldau konzentriert. Rumänien bietet ihnen eine dankenswerte Gastsreurtbfchaft.
In Berlin, Paris und London stehen die Bei« tteter des Internationalen Komitees vom Rotei Kreuz in engen Beziehungen zu den Persönlich feiten, die von ihren Regierungen mit der Schaf« fung einer am tilgen A u s ku n f t s ste lle ü^ber bie Kriegsgefangenen beauftrag sind. Das Komitee erwartet in der nächsten Zeit von diesen Organisationen die lleberfenbuitg b e r Kriegsgefangenenlisten. Das temationale Kontitee vom Roten Kreuz hat aud)
Oie Kriegszulagen des Wehrsoldes steuerfrei.
Der Reichsfinanzminister hat die steuerliche Be- hanblung des Dien st einkommens von mobil verwendeten Angehörigen der Wehrmacht geregelt. Er bestimmt, daß das Diensteinkommen mobil verwendeter Angehöriger der Wehrmacht, Soldaten wie Wehrmachtbeamter, in seinen nicht friedensmäßigen Bestandteilen, also in Höhe der besonderen Kriegszulagen, steuerfrei ist. Als steuerfreies Diensteinkommen in diesem Sinne gelten folgende Bezüge, die auf Grund des Einsatz-Wehrmachtgebührnis- gesetzes und der Durchführungsbestimmungen hierzu gewährt werden: 1. Wehrsold, 2. freie Verpflegung, 3. freie Unterkunft, 4. freie Bekleidung, 5. Bekleidungsentschädigung, 6. Einkleidungsbeihilfe, 7. Ausrüstungsbeihilfe, 8. freie Heilfürsorge des Wehr
die Länder, welche Militär interniert und Zivilflüchtlinge aus Polen aufgenom« men halben (Rumänien, Ungarn, Litauen und Lett« land) ersucht, deren Zählung vorzunehmen und itnn die Listen sobald wie möglich zu übersenden. Da Vertreter des Komitees in Deutschland besucht am Freitag die Kriegsgefangenen an den Orten, reo sie untergebracht sind. Er wird sich nächste Woche nach-Genf begeben.
In Pretoria und Windhuk sind je ein In« ternierungslager für deutsche Reichs- angehörige eingerichtet worden. In Pretoria sind ungesährt 130 Deutsche interniert worden, bar« unter die Besatzung des in Durban beschlagnahmten Dampfers „Hagen" und die beim Stahlwerk in Prs« toria tätig gewesenen Reichsdeutschen. In Südwejt« afrifa sind ebenfalls etwa 100 Reichsdeutsche inter« niert worden.
Em vergessener Maler.
Don Ludwig Kinckh.
Die Stadt Landau in der Rheinpfalz ist die Mutter der rußlanddeutschen Siedelung Landau im Beresan, wohin vor jetzt 100 Jahren zahlreiche Pfälzer auswanderten. In der Zeitschrift der Ruß- landdeutschen „Deutsche Post aus dem Osten" wurde das Gesamtverzeichnis jener Ansiedler veröffentlicht, eine vorbildliche Arbeit, wie sie planmäßig von allen Niederlassungen Deutscher gemacht werden sollte.
Aber die Stadt Landau hat auch an Nordamerika zwei berühmte Söhne abgegeben. Der eine war der Dichter und General im nordamerikanischen Bürgerkrieg Konrad Krez, dem ich ein literarisches Denkmal setzen durste. Von dem anderen wußte wohl auch seine Vaterstadt .Landau noch nichts. Es mar Thomas Nasi, der am 27. September 1840 in Landau geboren als Sohn eines Musikers, als sechsjähriger Knabe mit seinen Eltern nach Neuyork kam. Es waren wohl die politischen Verhältnisse der Zeit, die den armen Pfälzer nach Amerika trieben. Der herangewachsene Junge sollte Uhrmacher werden, aber ihn verlangte, alles, was er um sich sah, zu zeichnen, und offenbar mit dem besonderen, angeborenen Pfälzer Witz Damals waren dem Maler Theodor Kaufmann alle Gemälde verbrannt, und er eröffnete, um sein Leben zu fristen, eine Zeichenschule. Bei ihm lernte der junge Thomas Nasi — aber es reichte nur sechs Monate. Dann mußte er zeichnen, um Geld zu verdienen, für Neuyorker bebilderte Zeitschriften tagüber, und abends bildete er sich in der Kunstakademie weiter. Als Zeichner der Jllustrated News wurde er 1860 nach London geschickt, um den Wettkampf zwischen dem besten britischen und amerikanischen Faustkämpfer zu zeichnen. Das Glück war ihm gewogen. Er kam als Kriegszeichner zur Eroberung von Sizilien und Neapel durch Garibaldi, und als er 1861 heimkehrte, heim nach Amerika, war der nordamerikanische Bürgerkrieg ausgebrochen. Er machte ihn berühmt.
Es gab zwei Zeichner, die durch ihre politischen Zerrbilder die öffentliche Meinung Amerikas jahrelang mächtig beeinflußten, Josef Kepvler im „Puk", und Thomas Nast. Thomas griff die verdorbene Tammany-Gesellschaft der Neuyorker Stadtverwaltung mit beißendem Spott an und stürzte ihr Haupt Tweed. Er verstand es, im Bürgerkrieg die amerikanischen Dinge in witziger Uebertreibung darzu- stellen, ein Mark Treain des Stifts, und man riß sich tim seine Bilder in Harpertz Weekly.
Thomas Nast stand als Republikaner auf der Seite der Nordstaaten, und er trug wie ein tapferer General mit seinem Zeichenstift zur Entscheidung für die Union bei. Von feinen großen Gemälde / wurde der „Ausmarsch des 7. Neuyorker Regiments am 19. April 1861" und der „Einzug Lincolns in Richmond" berühmt. Neben Lincoln reitet der deutschamerikanische General Weitzel.
Thomas Nast gehört zu jendn deutschamerikanischen Kämpfern, die mit Gut und Blut zum Ruhm und Sieg ihres neuen Vaterlandes beitrugen. Sie sind heute noch vergessen und von dem wenig dankbaren amerikanischen Volk in den Schatten gestellt. Er starb als Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Ekuador. Es wäre an der Zeit, ihn der Vergessenheit zu entreißen und von seinem Werk auch in Deutschland etwas zu erfahren.
Kanonenmund spricht...
Von Namen und Sprüchen alter deutscher Kanonen.
Der alte Deutsche liebte es, wie man dies noch in Westfalen, Friesland und Holstein sehen kann, seine Häuser mit Sprüchen, meist frommen Inhalts, zu verzieren. Diese Sitte gibt dem Hause einen eigenen, gemütvollen Reiz. In ähnlicher Weise schmückte der Deutsche in früheren Zeiten seine Geschützrohre, besonders die „gröberen", wie man sie damals nannte, mit Inschriften. Auch wurde jedes Geschütz mit Namen bezeichnet und damit gewissermaßen zu einem Lebewesen gestempelt.
Die Namen waren meist der Tierwelt entlehnt. Die schwersten Geschütze erhielten die abschreckendsten Namen: „Drache", „Basilisk", „Krokodil", „Salamander" ufm.; die andern hießen „Bär", „Büffel", „Einhorn" u. a.; auch „Hirsch", „Katze", selbst „Bremse" und „Hummel" wurden als Namen gewählt. Aber es gab auch Geschütze mit anderen Bezeichnungen, so wurde z. B. ein für damalige Zeiten furchtbares Geschütz, das fast 200 Zentner wog und Steinkugeln von 750 Pfund schleuderte, die „Faule Metze" genannt Aber auch „Schön Els" sandte ihrem erwählten Helden den donnernden Gruß und Todeskuß, die „Sängerin" fang dem todwunden Landsknecht auf grüner Heide feine Sterbelied, und die „Nachtigall" schmetterte ihr Lied in das wilde Schlachtgetümmel. Die Namen der Vögel aller Gegenden liker Erde wurden überhaupt mit Vorliebe gewählt, um die Kanonenrohre damit zu schmücken. Hier und da suchten aber die „frumben" Lands- , knechte, die an Zauberkugeln glaubten und sich mit
Zaubersprüchen umgaben, auch die Heiligen für ihre Sache zu gewinnen, und nannten die Rohre drum auch „St. Anma", „St. Laurenz", besonders auch nach der Schutzheiligen der edlen Zunft „Artol- lerey", „St. Barbara".
Klangen die Mädchennamen „Ursel", „Grete" u. a. zart und poetisch, so drohten „Lucifer" und „Fliehender Geist" auf dämonische Weise. Als dann die Aahl der Geschütze immer größer und die Zahl der noch unbenutzten Namen immer kleiner wurpe, kamen die Arttlleristen schließlich in Verlegenheit und nannten die Kanonen nach ihrer Tätigkeit oder nach Monaten oder Sternen oder sie bezeichneten sie auch nur mit Zeichen und mit Buchstaben. Hier feien als besonders originelle Geschütznamen noch erwähnt: „Drummerin", ,^Humserin", „Purasserin", „Kitzlerin", ,Lauer pfeif", „Hirngrille", „Burlabuß", ^,Weckusf", „Trummler", „Schnurrhindurch" und „Machesried". Später wurden die Geschütze nach ihren Kalibern durchweg mit dem gleichen Namen bezeichnet; alle 48-Pfunder hießen „Basilisken", die 40-Pfunder „Drachen", die 36-Pfünder „Adler", die 24-Pfünder „Falken", die 12-Psünder „Geier", die 6-Pfünder „Habicht", die Mörser „Eulen" und die kleinen 3-Pfünder „Sperber".
Bei der Bedeutung, die >das noch so primitive llKaffenhandwerk aber in den alten Zeiten hatte, genügte es der mit den Dingen des Krieges ununterbrochen beschäfttgten Volksseele nicht, den Geschützen nur solche Namen zu geben, sondern die immer rege Volkspoesie beschäftigte sich damit, der Kanone, als dem Munde, aus dem sichtbar und schrecklich das Schicksal sprach, Sprüche mitzugeben, die für uns heutige Menschen vielfach aufschlußreich sind in bezug auf die Stellung unserer Altvordern zu Krieg und Tod. Hier folgt eine Auswahl solcher Sprüche, die auch volkskundlich von hohem Interesse sind:
„Ich heis der Drach (Drache) von Hal
Und fahr auß mit großem Geschsl (Schall)." Damit ist der Geschützdonner bezeichnet. Deutlicher noch redet das Geschütz, das im Pariser Zeughaus steht:
„Der Greif heis ich,
Meinen genedigen Herrn von Drir (Trier) din ich, .Wo er mich Heist gewalden,
So will ich door und Mauren zerspalten", d. h. wo er mich wirken läßt und walten, werde ich Türen und Mauern spalten.
Die Helle Flamme beim Schießen ist in diesem Sprüchlein gut dargestellt:
„Ich flihe (fliege) bei Nacht wie ein Drach, Im finstern Feld ich's lichte mach,"
Auf dem Hohentwiel im Schwabenland steht ein altes Rohr mit folgendem Vers:
,Lch alter Beer (Bär) thu brummen sehr, Mit meiner Pseisf ich alls um kehr." , Dann kommen die Sprüche mit Vogelnamen:
„Ein nachttgall bin ich genannt,
Liebsich und süß ist mein gesangk, den ich zusinge, ist die Zeit langt!", soll heißen: der geht in die Ewigkeit. Schneidig H oer Hahn:
„Ich heiß der Han,
Im Hader bin ich fom dran!"
Sehr gut ist das Bild des Phönix, der statt Ei^k Bomben legt:
„Der Denix heis ich,
Ich lege ein Ei,
Was ich dresf, das bricht entzweiU!
Die Eule, d. h. der Mörser, der nachts schießt, sagt: „De Ule bin ik genannt, Wenn, andre Vagel slapen. So komm ik bi de Hand".
Ihr Nachbar, das Käuzchen, aber meint:
* ,Lch bin genannt der kleine Kauz, Hau manchem sehr hart uf die schnauz."
Als der wegen seines Weines berühmte Ratskel' ler der Stadt Hamburg ein Geschütz schenkte, schrieb ber Rat auf das Geschütz:
„Bacchus Sasft / Hat diese Krafft, Daß er Mars die Waffen schafft!"
Nicht vergessen werden sollen die Geschütze Frie2- richs des Großen, auf denen jein Namenszug stand und darunter die Worte „Ultimo ratio regis“, fr« übersetzt: „Des Königs letztes Mittel." Wer Geleaer« heit hat, in alten Waffenmuseen und Zeughäuser« Geschütze aus alter Zeit zu betrachten, wird diese Sammlung von Kanonensprüchen noch mit manche« ähnlichen ergänzen können. U. S.
Büchertisch.
— Emil Braunweiler: Physik ohne Zahlen. Mit 183 Abbildungen. (Verlag Knoik & Hirth, München.) Seinen 5,50 RM. — (252) - Der Leitgedanke dieses Buches ist: Keinerlei Dor« kenntniffe voraussetzen, jede Formel und jede Be' rechnung vermeiden! Es gibt nur leicht faßliche, ab et vollständige Schilderungen, unterstützt durch klare Zeichnunaen, und doch läßt es jeden sich jenes Grundwissen aneignen, das die Voraussetzung sio das Verständnis jedes Spezialgebietes bildet. Daß dem Verfasser eine besonders glückliche, ja unterhalt' sarne Form gelang, darf pls besonderer Vorzug gellen.


