Ausgabe 
27.2.1939
 
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SJ.-fpor/

Hessische Gchi-Meiffei-schoften.

Der 50-kilomeler-Dauerlauf.

Bei sehr ungünstiger Schneebeschaffenheit wurden am Samstag die Schi-Meisterschaften des Gaues Hessen mit dem 50-KiIometer-Dauerlauf in Angriff genommen. Es gab ein sehr scharfes Rennen, bei dem sich erwartungsgemäß die 621.= Läufer der Kampfspielgemeinschaft Fulda-Gersfeld auszuzeichnen wußten. Sie belegten die vier ersten Plätze. Sieger wurde Emil Schleicher (621.= Kampfspielgemeinschaft Fulda-Gersfeld) in 4:04,00 Stunden vor Willi Knüttel (SA.-Kampfspielgem. Fulda-Gersfeld) in 4:19,08, Willi Hofmann (SA.- Kampfspielgem. Fulda-Gersfeld) in 4:20,09, A. Stumpf (SA.-Kampfspielgem. Fulda-Gersfeld) in

Jeher Schwimmer ein Retter."

Tagung des Bezirkes Oberheffen der

Auf einer Tagung des Bezirkes Oberhessen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gemeinschaft, die am Sonntag imBayrischen Hof" unter starker Beteili­gung der Lehrscheininhaber der Wehrmacht stattfand, gab der Technische Leiter der Bezirksgruppe, Kultur­inspektor Franz Sauer-Gießen einen Ueberblick über die Entwicklung der Arbeiten in der Bezirksgruppe Oberhessen. Neben der von Tag zu Tag zunehmenden Arbeit ist demnach auch die Zahl der Mithelfer ge­stiegen. Bisher haben 1595 Schwimmer den Grund- schcin und 236 den Leistungsschcin erworben. Im Jahr 1938 haben allein 247 Schwimmer die Prüfun­gen für den Grundschcin, 50 die für den Leistungs­schcin und 5 für den Lehrschein bestanden. Dieser Aufschwung soll durch vermehrte Aufklärungsarbeit, wofür Kamerad Sauer allen Mithelfern eine große Anzahl im Versammlungsraum ausgelcgter Schriften und Plakate zur Hand gab, noch gesteigert werden. Anschließend gab der Redner einen kurzen Ueberblick über die letzte, anläßlich des 25jährigen Bestehens in Jena stattgefundenen Reichstagung der D.L.R.G. Die neue Satzung bringt u. a. auch eine Namens­änderung insofern, als aus der D.R.L.-Gesellschaft eine D.R.L.-Gemeinschaft wurde. Die D.L.R.G., die aus den Reihen der Schwimmer entstanden ist, ist kein Sportverband, sondern eine Wohlfahrtsein­richtung und arbeitet nur mit allen Turnern und Sportlern zusammen. In allen Turn- und Sport­vereinen, bei den Kampfformationen der Bewegung, bei der Wehrmacht und in den Schulen wird nach den Richtlinien der D.L.R.G. verfahren. Wie notwendig die Beachtung der Forderung: Jeder Deutsche ein Rettungsschwimmer ist, erläuterte der Redner an Hand eines Berichtes auf dieser Reichstagung, in dem die Zahl der in den Jahren 1935 bis 1938 Er­trunkenen mit 14939, und zwar 12581 männlichen und 2358 weiblichen Volksgenossen, angegeben

Erste GauverbaMpiele im Basketball.

Rassige Spiele in her Turnhalle hes DfB.-Reichsbahn.

4:33:27,5 und Philipp Füller (Schi-Club Fulda) in 4:36,00.

Burgsleiner (Gießen) Zweiter in der Kombination.

Aktive und Zuschauer hatten wenig Freude am letzten Tag der hessischen Schimeisterschaften in Gers» feld (Rhön). Strömender Regen störte die einwand­freie Abwicklung- der Titelkampfe empfindlich und machte den Teilnehmern sehr zu schaffen. Die Or­ganisation setzte alles daran, die notwendigen Vor­aussetzungen zu schaffen: dennoch ließen sich zahl« reiche Stürze und Schibrüche nicht vermeiden. Gau­meister in der alpinen Kombination wurde Ludwig Volke (Wintersportverein Willingen-Waldeck) vor Burgsteiner (4./JR. 116 und Schiklub Gießen). Bei den Frauen holte sich Frl. K u k u t s ch k a vom Schiklub Gießen überlegen den Gaumeister-l titel.

wurde. Diese Zahlen beweisen zwar, daß die Zahl der demnassen Tode" Verfallenen trotz Erweiterung des Arbeitsbereiches der D.R.L.G. und trotz umfang­reicherer schwimmsportlicher Betätigung in den letzten Jahren sehr stark herunter gedrückt werden konnte, aber das Ziel ist die Erhaltung und Förde­rung des Lebens und die Durchführung vorbeugender Maßnahmen. Deshalb werden Mitarbeiter, aber keine Abzeichenträger gebraucht. Im Bereich des Bezirks ist kein Rettungswachdienst wie etwa am Rhein und Main erforderlich, an denen sich mehrere Rettungs­stationen befinden, aber durch die Rettungsschwimmer ist der Bezirk soweit, daß gesagt werden kann: es ist eine Wache da. D.L.R.G.-Mann zu sein, heißt opfer­freudig und einsatzbereit zu sein. Wenn auch dicsa Gedanken in Oberhessen sich fortschreitend durch­setzen, so ist es doch noch immer notwendig, neue Mit­arbeiter zu gewinnen. Diese müssen wenigstens 3 Lehrgänge mitmachen und beweisen, daß sic es ernst mit der Erfüllung der ihnen gestellten Aufgaben meinen.

Der Vortragende erwähnte dann die Regelung der Prüfungsabnahme für die Wehrmachtsangehöri­gen und die damit im Zusammenhang stehende Aus­richtung der Richtlinien für die Lehrschcinabnahms bei der Wehrmacht mit der der D.L.R.G.

Diesem Zwecke diente auch die praktische Belehrung und Unterweisung in der Prüfungsabnahme durch einen Vertreter des Landesverbandes, die anschließend im Volksbad durchgeführt wurde. Durch die Kamera­den des Bezirks Offenbach wurde der Dräger-Bade- tauchretter vorgeführt, der als der einfachste Tauch­apparat gilt. Mit diesem Apparat kann man bei einer Wassertiefe von 8 bis 10 Metern bis zu^ Stunde unter Wasser bleiben. Durch das Rote Kreuz Gießen wurden noch anbare Hilfsmittel vorgeführt.

leutnant Hergenröder von der III. Abteilung Artillerie-Regiment 9 geprüft wurden. Der Prüfung wohnten auch der NSRK.-Standartenführer, Ober­sturmbannführer Münker, und der Pferde- oormusterungsofflzier, Major Freiherr Roeder von Diersburg, bei. Gruppenreiterführer Wehner sprach sich anerkennend über die Fort­schritte der reiterlichen Ausbildung der Gießener SA.-Reiter aus.

Gießener Ortsfachqruppe her Imker.

Am gestrigen Sonntagnachmittag hielt die Gie­ßener Ortsfachgruppe der Imker im Hotel Hopfeld ihre gut besuchte Monatsversammlung ab.

Ortsfachgruppenoorsitzer Bodenbender erläu­terte die Anordnung zur Bestellung der Standoer- treter. Auch für die Gießener Ortsfacharuppe ist ein älterer Stellvertreter des Ortsfachgruppenleiters be- stimnit, die weiteren Standoertreter werden derart ernannt, daß kein Ort und kein Stand unbetreut bleibt. Zu diesem Zwecke wird jede Ortschaft im Bereich der Ortsgruppe einen eigenen Bezirk mit einem Standoertreter darstellen. Die oom Jungvolk den Imkern zur Mithilfe gestellten Pimpfe sollen zu Jungimkern erzogen werden. Der Bienenzucht, der Zucht der Seidenraupe, des Angorakaninchens u. a. werde heute im Rahmen der Erzeugungs­schlacht größte Beachtung geschenkt. Der Wert der Honigernte allein betrage rund 60 Millionen Mark. Leider werde der Arbeit des Imkers noch nicht überall das nötige Verständnis entgegengebracht. Hier könne nur Aufklärung helfen, lieber die Arbeit in der Gießener Ortsfachgruppe konnte der Vorsitzer Bodenbender mitteilen, daß sich die Zahl der Mitglieder in letzter Zeit von 234 auf 251 und die der Völker von 1899 auf 2262 erhöht hat. Er dankte allen Mitarbeitern und stellte fest, daß das Ziel jedes einzelnen 20 Völker fein müsse, weil dann die Imkerei erst wirtschaftlich sei.

Äuf eine Anfrage über die Spritzungen gegen den Kartoffelkäfer wurde geantwortet, daß, ent­sprechend den Vorschriften, die Spritzungen erst dann erfolgen, wenn das Unkraut beseitigt ist, dann seien sie für die Bienen nicht schädlich.

Studienassessor Maul gab praktische Anregun­gen für die Anpflanzung weiterer für die Bienen­nahrung geeigneter Pflanzen.

Zum Schluß wurden die Arbeiten an den Völkern in den nächsten Wochen besprochen, wobei u. a. darauf hingewiesen wurde, daß die Völker unbedingt warm verpackt bleiben müssen und daß durch pein­lichste Sauberkeit an der Vermehrung der Völker mitgeholfen werden muß.

Kriegerappell in Lollar.

* Lollar, 26. Febr. Am heutigen Sonntag hielt die Kriegerkameradschaft Lollar ihren Generalappell ab. Der Kameradlchaftsführer, Pg. Taubert, begrüßte die zahlreich erschienenen Kameraden, insbesondere die im letzten Jahr neu hinzugekommenen 38 Kameraden, besonders die jungen Reservisten der letzten beiden Jahre. Er wies auf" die großen Ereignisse des Jahres 1938 hin und betonte die Verbundenheit der Vorkriegs- und Kriegssoldaten mit den Soldaten der jungen Wehr­macht. Der im abgelaufenen Jahr verstorbenen vier Kameraden wurde in ehrender Weise gedacht.

Der Jahresbericht ließ erkennen, daß die Mit­gliederstärke zu Anfang des Jahres 134 Kameraden betrug; Zugang 38 Kameraden, Abgang durch Tod vier und durch Wegzug drei Kameraden, so daß jetzt ein Bestand von 164 Kameraden zu verzeichnen ist. Die Betätigung der Kameradschaft war in 1938 recht rege.

Der von Kamerad Schmitt vorgetragene Kassenbericht ließ einen günstigen Abschluß er­kennen.

Sodann wurde vom Kameradschaftsführer hin­sichtlich des Schießwefens berichtet, sowohl vom Schießen mit Wehrmannbüchsen als auch mit Klein­kaliber. Die Ausführungen wurden durch den später eingetroffenen Kreisschießwart Hanf, der die Grüße des Kreiskriegerführers überbrachte, unter­strichen.

UnterVerschiedenes" wurde der diesjährige Reichskriegertag vorn 3. bis 5. Juni kurz gestreift. Der Heldengedenktag am 12. März wurde bespro­chen. Die Werbung für die Reichskriegerzeitung,

wurde besonders betont. Zu Ehrenmitgliedern wur­den ernannt: Ludwig Schmidt, Ludwig Scha­deck IV., Hermann Müller, Heinrich Bauer.

Zum Schluß sprach der Kameradschaftsführer seiner Führerschaft sowie seinem Beirat für die mühewaltende Mitarbeit besten Dank aus.

Der Gruß an den Führer und der Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes brachte den Abschluß des offiziellen Teiles des Appells, dem sich der kameradschaftliche Teil beim Gesang alter Soldatenlieder anschloß.

Landkreis Gießen.

5 Alb ach, 27. Febr. Am heutiaen Montag, 27. Februar, feiert der Landwirt Ferd. Balser in guter Gesundheit feinen 7 6. Geburtstag. Herr Balser, dessen ältester Sohn im Weltkrieg ge­fallen ist, verlor seine Frau vor fünf Jahren und lebt jetzt im Hause seines zweiten Sohnes. Dem Jubilar unseren herzlichen Glückwunsch.

Wirlschast.

Rhein-Mainische Börse.

Denig verändert.

Frankfurt a. M., 25. Febr. Der. Auftrags­eingang blieb klein, demzufolge hielt sich auch das Geschäft nach dem sehr stillen Verlauf der Vortage in engsten Grenzen. Am Aktienmarkt war die Entwicklung der Kurse weiterhin etwas uneinheitlich, größere Veränderungen als durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. H. traten nur vereinzelt ein und beruhten auf Zufall. Im ganzen war die Haltung im An­schluß an die Abendbörse etwas freundlicher. Bei den anfangs etwas niedriger liegenden Papieren stellten sich später teilweise wieder Erholungen ein. Montanwerte fanden etwas Nachfrage und zogen bis 0,65 v. H. an, Verein. Stahl 111 (110,65), Hoesch 109,40 (108,75), Mannesmann 111,25 (111); stärker erhöht Ilse Genuß mit 131,25 (129,75). Maschinen­aktien lagen gut behauptet, Autowerte etwas höher, Daimler 134 (133,50), Adlerwerke 107,50 (106,50). JG.-Farben bröckelten um 0,65 v. H. auf 150,40 ab, ferner AEG. auf 119,75 (120,25), Schuckert auf 177,75 (178,25) und Reichsbank auf 180,25 (181). Weiter leicht erholt waren Westdeutsche Kaufhof auf 103,50 (103).

Der Renten markt lag ruhig und wenig ver­ändert. Reichsaltbesitz 0,13 mH. nachgebend auf 129,50, Reichsbahn-VA. unv. 123,40, ebenso Kom- munal-Umschuldung mit 93,15. Am Pfandbriefmarkt bröckelten Franks. Hyp. und Meininger Hyp. Liqui­dation je 0,13 v. H. ab auf 100,90 bzw. 101,13. Stadtanleihen kamen völlig unverändert zur Notiz, auch Industrie-Obligationen wiesen kaum Abwei­chungen auf. 5proz. Gelsenbenzin 100,50 (100,30), 5proz. Gelsenberg 100,50 (100,40).

Im Verlaufe blieb das Geschäft klein, etwas leb­hafter war es zeitweise in JG.-Farben, die unter mehrfachen Schwankungen zwischen 150,50 bis 151,50 mit 151,75 nach anfangs 150,40 schloffen. Höher waren ferner Mannesmann mit 111,50 nach 111,25 und Rheinstahl mit 137,65 nach 137,40, sonst erfolgten kaum zweite Notierungen, doch hörte man überwiegend 0,25 bis 0,50 v. H. festere Kurse. Von später notierten Werten sind Bemberg mit 137,75 (136,50), anderseits Conti Gummi mit 213,50 (215) zu erwähnen.

Der Freiverkehr lag ruhig bei behaupteten Kursen. Elsäss. Bad. Wolle leicht ermäßigt auf 95,75 bis 97,75. Tagesgeld unv. 2,50 v. H.

Briefkasten her Rehaktion.

(Nechtsgutochten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung )

3. JI. Ehestandsdarlehen werden nach dem Auf­gebot und vor der Trauung beim Finanzamt, oder beim Jugendamt der Stadt Gießen beantragt. Dar­lehen werden bis zu 1000 Mark gegeben. Entschei­dend für die Höhe der Summe ist'die wirtschaftliche Lage des Antragstellers. Darlehen werden auch dann gewährt, wenn eine geschiedene Frau geheiratet wird. Wenn einer der beiden Ehepartner bereits katholisch-kirchlich getraut worden ist, kommt eine Zweite kirchliche Trauung (selbst nach der vom Ge­richt bestätigten Scheidung) nicht in Betracht. Im einzelnen gibt das Katholische Pfarramt Gießen Auskunft. Der gesetzlichen Form wird mit der standesamtlichen Trauung genügt.

_ Nachdem das Basketballspiel innerhalb unserer Sladt durch die tatkräftige Förderung des Gausach- warts für Basketball eine außerordentliche Förde­rung erfahren hat und schon mancher Ausbildungs­kursus abgehalten worden war, konnten nun am vergangenen Samstag die ersten Pflicht- spiele gestartet werden. Diese ersten Spiele ge­stalteten sich bereits zu einem schönen sportlichen Erfolg, der gleichzeitig erkennen liefe, daß die Spie­ler aus den Vereinen der Stadt wie auch von Heuchelheim das Spiel mit Eifer und Begeisterung aufgenommen haben und Mannschaften stellen kön­nen, die sich Kämpfe liefern, denen olles Interesse gebührt. Die Zuschauer, die sich am Samstagabend einfanden, kamen sehr auf ihre Rechnung.

Der Abend brachte drei Begegnungen, die schon

erkennen liefern, daß es das Spiel in sich hat. Fünf Mannschaften traten an. Leider war es der Spiel­vereinigung 1900 nicht möglich, anzutreten, die an diesem ersten Kampfabend gegen die Mannschaft des Turnvereins Heuchelheim hätte antreten sollen. Hoffentlich kommt das Treffen dann beim nächsten Kampfabend, am Freitag, zustande. Vertreten waren zu diesen ersten Punktespielen der Männerturnver­ein, der VfB.-Reichsbahn, der Turnverein Heuchel­heim, iber Polizeisportverein und eine Mannschaft des NSKK., die allerdings außer Konkurrenz teil­nimmt.

Die erste Begegnung sah die Mannschaften von M t v. und Polizeisportverein im Spiel, seid. Die Männerturner, die schon manches Uebungs- spiel hinter sich haben und jegliche Gelegenheit zum

Vas Wöchm Wye.

liomnn von Walther kloepffer.

(lopytigfef by Earl Diintfct Xicrlag^crlin Wss

6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Holls altes Motorrad, diese abscheuliche Ziege, streikte haargenau vor der Orientierungstafel am Ortseingang. Pfarrdorf Seesham, Amtsgericht Höching, Bezirksamt Pfunz, Obbay., stand darauf. Holl stieg geduldig ab und lehnte das Rad an einen Gartenzaun, durch den gelbe Kapuziner und grüne Brennefsel quollen. Dann zog er seine ver­schallte Lederjacke aus und krempelte die Aermel hoch.

Ein kleiner Bull, blond und schmächtig, der ein rotes Marmeladebrot in der Hand hielt, schob heran und guckte angeregt zu.

Dös dürft an den Zündkerzen liegen", sagte er sachverständig und biß in fein Brot.

Meinst?"

Die Zündkerzen san Luder", kaute er und zog die Nase hoch.

Also wollen wir halt mal nachschauen, obs die Zündkerzen sind", lächelte Holl und schraubte am Zylinderblock herum. Die Zündkerzen waren cs nicht.

Dann därst's der Vergaser sein", riet der Kleine und leckte sich die Mundwinkel ab.Der Hupfinger Wastl hat genau ew solches Radl, und bei dem ift's immer der Vergaser. Vielleicht is an Dreck oder Wasser drinnen."

Nachher schauen wir halt den Vergaser nach. Ich tu, was du rätst", erwiderte Holl 'todernst, aber innerlich belustigt.Ganz richtig, der Vergaser ifts! Die Düse war verstopft. Du bist ja der reinste Auto­schlosser! Wie heißt du denn mit dem Vornamen?"

Reimar-Dieter."

Was? Jetzt so ein schöner Name!" lobte Holl. Da bist du wohl recht drauf?"

Gar net. Mir stinkt er über den geschwollenen Namen, weil's mich in der Schul' immer derblecken damit. Die Paula nennt mich auch nie so. Die sagt Mannderl zu mir", erklärte der Knirps.

Wer ist denn jetzt das wieder, die Paula?"

Meine Schwester halt. WennS von hier wären, täten Sie's kennen. Sie hat die Segelschul' am See drunten. Aber heuer geht ja kein Geschäft wegen dem Hundswetter. Harn's den Wetterbericht nicht gelesen?"

Holl mußte verneinen.In welche Volksschulklasse gehst du denn, Mannderl?"

In die dritte, zum Lehrer Summer. Der ist zünftig, das sagen alle. Ader jetzt haben wir Va­kanz", erläuterte das Mannderl und kratzte an sei­nen verstochenen Beinen herum.

Du, wo ist denn hier die .Neue Poff?"

Gleich am See drunten. Wenn 'S mich hinten aufsitzen lassen, zeig' ich sie Ihnen. Suchen 'S mel- leicht ein Zimmer? Die Paula hält' auch eines zu vermieten, weil heuer das Geschäft gar so schlecht geht. Wir wohnen gleich neben der ,Neuen Poff."

So? Gleich neben dem Hotel? Das wäre nicht übel. Schauens wir's halt an", stimmte Holl bei. Er war mit feiner Reparatur jetzt fertig.Kannst dich auf den Sozius setzen, aber putze deine Marme­ladenfinger nicht an mir ab." Holl trat auf den Starter. Das Mannderl zwängte sich zwischen Holl und den rückwärts aufgeschnallten Koffer und gab die Richtung an. Holl fuhr seine alte Kiste langsam und mit Genuß. Anheimelnd alte Schilder ragten in die StraßeZum goldnen Rössl",Zum letzten Hieb",Gemischtes Warengeschäft",Speze- reicn und Landesprodukte". In den kleinen Vor­gärten gab es Salat, gelbe Rüben, Phlox und Sonnenblumen. Dazwischen trieben tönerne Zwerge und farbige Glaskugeln ihr Unwesen. Zwei unüber­sichtliche Kurven, und man erblickte den See, den Dampfersteg, die Badeanstalt. Das war auch schon dieNeue Post", mit einem hübschen Kastanien­garten uorm Haus, gegen den See zu.

25 Zimmer, ff-Hoferlbräubiere, zivile Preise, Pension von 6,50 aufwärts", verkündete eine frisch gemalte Tafel. Vor seinem Hotel stand der Besitzer und Gastwirt Hingerl und studierte sorgenvoll das Barometer. Er klopfte dn bißchen daran herum, aber der goldene Zeiger rührte sich nicht. Als Holl anknatterte, blickte er flüchtig um, sah wieder weg, wegen einem Motorradfahrer riß man sich kein Bein aus. Das Mannderl zupfte Holl an der Jacke:Da wären wir!"

Sie hielten vor einem einstöckigen kleinen Ge­bäude, das dicht neben dem Hotel lag und früher mal Stallung oder Schlachthaus gewesen fein mochte. Jetzt war unten eine Garage eingebaut und oben etliche Zimmerchen. Holl streifte seine Leder- klappe ab und folgte dem Mannderl über eine schmale Stiege in den Oberstock. Der Bub öffnete eine Tür und sagte:Das ist das Zimmer!^ Er benahm sich ganz wie ein Erwachsener.

Ein bisserl klein."

Aber Aussicht auf das Gebirge haben 'S. Und billig ist es auch. Wenn 'S länger bleiben, laßt es die Paula Ihnen für eine Mark."

Holl beschnupperte mißtrauisch das Bett. Das schien ordentlich zu sein, nur etwas kurz. Das Hotel mit seinen 6,50 Mark kam nicht in Frage.

Rufe deine Schwester her. Wo ist sie denn?"

Die Paula sitzt drüben im Bierstüberl und war­tet auf Schüler. Ich hol' sie. Gelt, Sie gehen mir nicht davon? meinte der -kleine Mann mißtrauisch.

Nein, geh' nur. Halt, noch etwas. Erkundige dich so unter der Hand, ob nicht bereits eine Familie Hegemann angekommen ist."

Der Mannderl nickte und sauste los. Holl trat ans Fenster. Der See lag träge und dunstverhangen da. Vom jenseitigen Ufer war nichts zu sehen. Und die Berge? Na, die sowieso nicht. Holl zog seine Stum­melpfeife und bröselte ein wenig Tabak hinein. Dann holte er seinen Koffer herauf und schob das Motorrad in die Garage. Dabei dachte er optimi­stisch: wenn ich bei Maxie bin, ist mir das Wetter ziemlich schnuppe.---

Eine Stunde später, als Herr Hingerl gerade wieder bei der Barometernachschau war, fuhr der junge Tinser in einem neiderregenden Wagen vor, einem zweisitzigen offenen Kabriolett.von zartgelber, auffallender Lackierung. Es war ein sehr breites Auto mit ein bißchen Sitzgelegenheit und sehr viel Motor und Hinterteil, mit allen erdenklichen Fein­heiten am Armaturenbrett und einem selbstbewußt aufheulenden Bo sch Horn. Tinser hatte diesen Wagen bei irgendeiner internationalen Sternfahrt gewon­nen, ihnPourquoi pas"warum nicht" getauft und sich auch in den trübsten Abschnitten feines Lebens noch nie von ihm getrennt. Es war für Tinser unmöglich, sichPourquoi pas" bei einem Pfandverleiher vorzustellen. Tinser liebte Pourquoi pas",

Herr Hingerl, auf den in der Küche sein vor­mittägliches Tellerfleisch harrte, stürzte beflissen an den Schlag, schrie nach seinem Personal und gab Anweisungen, die ein wenig widersprechend waren. Dabei ließ er den unerhörten Wagen und den jun­gen Apoll am Steuer keine Sekunde aus den Augen. Der Ankömmling lachte, zeigte viele weiße Zähne und erkundigte sich nach den bestellten Zim­mern. Oh, die seien reserviert, natürlich, selbstver­ständlich, wie denn nicht! Ob der Herr Geheimrat bald nachkomme? Was der Herr Baron für Wünsche habe? Es war nicht zu leugnen, daß Herr Hingerl, ein Mann mit Glatze und vertraueneinflößendem Bauch, ziemlich aufgeregt war. Acht Jahre besaß er jetzt dieNeue Post", aber so ein Wagen war ihm noch nicht untergekommen.

Tinser schwang sich federnd auf das Trittbrett, entledigte sich des Staubmantels und hielt dem Wirt sein Zigarettenetui hin.

Können Sie mir die Zimmer gleich zeigen? Ich bin nämlich als Quartiermacher vorausgeschickt. Wunderbar habt ihr es hier, Leuteln! Diese Luft, diese Luft! Sieht man von den Baikonen aus dis Berge?" .

Hingerl murmelte etwas von einem Tief über! Island und entschuldigte sich namens der unhöflichen Berge.

Also Herr Hingerl, ober wie S' heifeen, wegen der Aussicht machen Sie sich keine Gedanken. Die kann man nicht herzaubern. Kommen S'." Er schob seinen Arm unter den des Wirtes und zog ihn gleich mit sich. Es war eine von jenen natürlichen und anmutigen Bewegungen, mit denen er sich die Menschen gewann. Die Zimmer gefielen ihm. Er lobte die Möbel und die Tapete und hörte höflich zu, als ihm Herr Hingerl von jenen 8000 Mark berichtete, die er heuer zwecks Erneuerung in fein Hotel gesteckt hatte. Er gab dem Zimmermädchen Elli einen vertraulichen Klaps auf die Kehrseite und dem Hausdiener, der die Koffer anschleppte, ein paar Zigaretten. Es war ihm das Bedürfnis eint geboren, nett zu allen zu fein, die feine Wege kreu.z- tcn. Er war gut zu den Menschen aus Herzens« Höflichkeit und nicht aus Berechnung. Und das ganze Hotel bis in die Hintergründe der Küche und der DienftbotenEammcrn dachte bas nämliche: was füc ein reijenby- flotter Kerl, dieser Baron!

Tinser fmg mit dem Wirt die Treppe miebec hinunter, begutachtete ben Speisesaal, machte Vor­schläge für bas Schreibzimmer unb lanbete schließlich im Bierstüberl, wo bie Einheimischen verkehrten. Der kleine, braun getäfelte Raum war leer bis auf einen Tisch, an bem eine junge Frau in weißer Leinenhose saß. Sie trug barüber einen hellen Pul­lover und blätterte gelangweilt in einer alten Illu­strierten. Sie besaß eine gute sportliche Figur, ein nettes Gesicht mit blauen Augen unb hellblonde Haare, die ihr auf die Schulter fielen und nach dem Friseur schrien. Dieses Gesicht hinterließ den Eindruck, als habe fein Träger viel durchgemacht im Leben und fei nur schwer zum Lächeln zu bringen.

Einen Kognak, Herr Hingerl. Darf ich mich art Ihren Tisch setzen, mein Fräulein?" fragte Tinser mit einer Verbeugung.

Bitte", erwiderte die junge Frau kühl und blickte flüchtig von ihrer Zeitung auf.

Korrektes kleines Gefrorenes, urteilte Tinser bei sich unb zupfte feine Hofe hoch. Mit ber anbanbeln, gehört zum Schwierigsten, was es gibt. Er zündete sich eine neue Zigarette an und blies den Rauch von sich.

(Fortsetzung folgt!)