Ausgabe 
25.11.1939
 
Einzelbild herunterladen

30 Meter legen. Plötzlich erhielten wir von rechts flankierendes Feuer. Mein Zug schwenkte daraufhin ein und trieb elf Polen, die auf uns geschossen hatten, längs des Drahthindernisses dem dritten Zug in die Hand. Die beiden nächsten Drahtverhaulinien konnten mir nicht beseitigen, da sie einbetoniert waren. Außerdem zwang uns ein tiefer, ebenfalls betonierter Graben zur Umgebung des Forts. Wir mußten uns nun bemühen, die rückwärtigen Ein­gänge zu den Werken des Forts II zu gewinnen. Mein Zug schwenkte ein und stieß unmittelbar dar­auf auf ein polnisches Pak-Geschütz, das mit seiner gesamten Munition von der Besatzung im Stich ge­lassen worden war. Leutnant Stolz und sein Kom­panietrupp, die ich auf das Pak-Geschütz aufmerk­sam gemacht hatte, bemächtigten sich sofort der Waffe und brachten das Geschütz so in Stellung, daß damit nun das Feuer gegen die Kasematten des Forts ausgenommen werden konnte. Dem Schneid unseres Kompanieführers und seines Kompanie­trupps gelang es daraufhin, überraschend in das Fort einzudringen. Mein Zug hatte außerhalb des Forts diesen Vorstoß zu sichern, während Leutnant Stolz und seine Leute die Polen, die etwa noch Widerstand leisten wollten, durch Handgranaten aus den Kasematten ausräucherten. Die Kompanie machte im Fort noch einmal weitere 80 Gefangene. Die sonstige Beute dieses Tages betrug 10 Maschinen­gewehre, zahlreiche Gewehre und Munition. Außer ihren Gefangenen hatten die Polen noch etwa 50 bis 60 Tote verloren, so daß eine ganze Kompanie, die das Fort zu verteidigen hatte, restlos aufgerieben war. Die Erstürmung des Forts war unser schönster Tag!" Leutnant Stolz wurde für diese Tat mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet; ein Unteroffizier aus dem Kompanietrupp wird das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten; der Gefreite und der Unteroffizier sind mit dem Eisernen Kreuz aus- gezeichnet worden.

Schließlich ist noch von dem Schneid und der Um­sicht eines jungen Vizewachtmeisters zu be­richten, der als Angehöriger einer Artillerie- Beobachtungsabteilung im polnischen Feldzug einen Meßtrupp führte. Der junge Vize- Wachtmeister war vor einigen Jahren aus Südtirol gekommen, hatte die deutsche Staatsangehörigkeit er­worben und war sofort Soldat geworden. Nach mehr­jähriger Dienstzeit wurde er zunächst entlassen, um zu studieren. Unmittelbar vor Beginn des polnischen Feldzuges erreichte ihn dann der Einberufungsbefehl zu seiner Abteilung. Er machte den Vorstoß der Süd­armee über den Iablunca-Paß mit, der schließlich über Przemysl nach Lemberg führte. Vor Lemberg, in der Gegend von Jcmow, hatten sich die Polen mit zwei Divisionen in den riesigen Wäldern beiderseits der Sttaße PrzemyslLemberg festgesetzt, und es kam hier zu erbitterten und verlustreichen Kämpfen. Die Infanterie drang auf der Straße mit Panzer­abwehrformationen vor und trieb die Polen zunächst wie einen Keil auseinander. In den dichten Wäldern aber blieben die polnischen Truppen vorläufig völlig unbehelligt, da die deutsche Artillerie noch nicht in Stellung gegangen war.

Unser Dizewachtmeister erhielt nun Auftrag, hart westlich des großen Forstes von Ianow mtt seinem Meßtrupp in Stellung zu gehen. Bei dem Vor­marsch auf die befohlene Stellung konnte er in einem Bauernhof noch 19 völkische Soldaten über­raschend gefangennehmen, Die von ihm entwaffnet und unter Bedeckung nach hinten abgeschoben wur­den. Während er sich nun mit den restlichen sieben Leuten seines Trupps in der Stellung einzurichten suchte, erhielt er plötzliches flankierendes Feuer. Kurzerhand unternahm der Dizemachtmeister darauf­hin eine gewaltsame Erkundung gegen das Waldstück, aus dem er beschossen worden war und erwischte dabei einen polnischen Kompaniechef, den er vom Pferd herunterstieß. Ein polnischer Un­teroffizier, der ebenfalls beritten war, erlitt un­mittelbar darnach das gleiche Schicksal. Etwas später konnte die deutsche Patrouille weitere drei Mann zu Pferd aus dem Waldstück herausholen, womit zunächst die unmittelbarste Gefahr für den Meß­trupp behoben war.

Von der Stellung seines Meßtrupps aus meldete dann der Mzewachtmeister durch Funk, daß er mit fünf Gefangenen eingekreist fei und Verstärkung erbitte. Die Verstärkung konnte den Meßtrupp jedoch nicht erreichen, da sie auf dem Anmarsch von

polnischen Truppen überfallen und zum Ruckzug gezwungen wurde. Der Dizemachtmeister entschloß sich nunmehr zu einer zrneiten gewaltsamen Er­kundung gegen den linken Flügel oer von ihm be­zogenen Stellung, wobei es zu Handgranatenkämp- fen mit anderen polnischen Truppenteilen kam. Wie durch ein Wunder blieben er und feine Leute un­verletzt, während mehrere polnische Soldaten ver­wundet wurden und es außerdem gelang, weitere sechs Gefangene zu machen. Inzwischen war der

Abend hereingebrochen und der Mzewachtmeister durste daraufhin mit seinen Fahrzeugen befehlsge- mäß die Stellung räumen. Seine Gefangenen setzte er dabei auf die Gerätewagen, während er selbst mit einigen seiner Leute sich auf den polnischen Beutepferden beritten machte. Es gelang ihm, seine Gefangenen unbehelligt einzubringen. Der Dize- machtmeister wurde wenige Tage später mtt dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Ein Pionier erhält das erste Eiserne Kreuz in der Kompanie.

P. K. Für Tapferkeit vor dem Feinde verleiht der Kommandierende General e inem unbekann- ten Pionier am ÄeftroaH das Eiserne Kreuz II. Klasse. Stolz trägt er es am schwarz-weiß- roten Band. Er hat es ehrlich verdient, er für sich und seine Kompanie. Die Kompanie ist angetreten. In ausgerichteten Reihen blinken die Stahlhelme. Der Kompaniechef spricht. Die Mannschaften erleben eine ernste Feierstunde. Der unbekannte Pionier ist ausgezeichnet. Aber alle, die hier stehen, sind Männer, wie fte Führer, Volk und Vaterland brauchen.

Heute sind es gerade zwei Monate her, seit sie zu den Fahnen gerufen wurden. Der Führer wollte keinen Krieg, vor allem wollte er mit seinem west- lichen Nachbar in Frieden leben. Aber es sollte anders kommen. Nur langsam wollte man den Ge­rüchten Glauben schenken, daß die heimatlichen Gau­dörfer Befehl zur Räumung hätten. Aber die lange Kette hochbeladener Wagen, deren Kuhaefpanne nur langsam Raum gewinnen konnten, belehrten jeden einzelnen über die herbe Wirklichkeit. Hier zog der Nachbar, dort der Bekannte aus dem anderen Dorf geschützteren Gebieten des Reiches entgegen. Einst so blühende Städte und Dörfer entleerten sich und geräumte Einsamkeit hielt ihren Einzug. Es war nicht immer leicht mitzuerleben.

Aber Deutschland ist überall da, wo starke Her­zen sind. Unsere Pioniere haben die.se Herzen. Das haben sie schon bewiesen, als sie den Feind im In­land hatten. Schon bei der Saarabstimmung 1935 haben sie einen hundertprozentigen Sieg davonge­tragen. Und nun hat der Führer sie erneut auf ge­rufen, Heimat und Vaterland in einem auf gezwun­genen Kampfe zu verteidigen. Tag und Nacht fol­gen sie gehorchend den Befehlen ihrer Führer. Sie sind froh, wenn sie in ihren bedrohten Gaudörfern auf Posten stehen dürfen. Hier kennen sie jeden Weg und Steg. Erinnerungen aus einsttgen Tagen steigen auf.

Aber es hat keinen Zweck, Gefühle walten zu lasten In Sehwette liegt der Feind, der unsere liebe Heimat verwüsten will. Freiwillige vor! Minen sind dicht vor dem Feinde zu legen. Unbekannte Pioniere arbeiten sich in die dunkle Nacht hinein.

Großbritanniens"

'tt

ehrmacht.

Don Major a. O. von Reifer.

Im Weltkriege sah sich England zum ersten Male gezwungen, zur Erreichung seiner imperlalistischen Ziele neben seiner seit Jahrhunderten überragend starken Flotte auf dem Kontinent sehr starke Land st reitkr äste in den Kampf zu werfen und sogar die in England außerordentlich unpopu­läre allgemeine Wehrpflicht einzuführen. Zwar hat England die Dienstpflicht nach dem Kriege wieder fallen lasten und ist zu seinem ttadttionellen Söldnersystem und einem kleinen Berufsheer mit vorwiegend kolonialer Ausbildung zurückgekehrt. Seit 1934 aber stellte sich die englische Heerespolitik wieder mehr auf die Teilnahme an einem fest­ländischen Krieg ein und regelte danach die Gliede­rung, Bewaffnung und Ausbildung ihres Heeres, unter gleichzeitiger stärkster Vermehrung der Flotte und Luftwaffe. Anfang 1939 gelang es der Kriegs­propaganda der britischen Regierung sogar, im Par­lament eine Art von beschränkter Wehr­pflicht durchzusetzen, die die Regierung ermächtigt,

Diele von ihnen werden zum erstenmal die feind­lichen MG.-Garben über sich pfeifen hören. Wen's trifft, den trifffs. Aber die Minen schützen die Hei­mat, Haus und Hof, wo Weib und Kind einst wie­der heimkehren wollen. Auch unser unbekannter Pionier mit seinen Kameraden ist dabei. Nur Orts­kundige kennen den Weg zwischen schon gelegten Minenfeldern hindurch. Jedes Geräusch mahnt zu Vorsicht. Aber nicht nur Vorsicht, auch Kaltblütig­keit gehört zu solchen Unternehmungen. Schon ist die Gruppe in unmittelbarer Nähe der feindlichen Linien. Die Franzosen sprechen. Sie ahnen nicht, daß in 30 Meter Entfernung ein deutscher Pionier Minen eingräbt. Da geschieht es. Das Dunkel der Nacht hat einen Graben und einen kleinen Abhang verborgen. Polternd fällt einer. Die Hölle ist er­wacht. In allernächster Nähe blitzen MG.-Mündun- gen auf. Aber wahllos treffen die Kugeln nur das Dunkel der Nacht. Mensch und Erde werden eins. In ungedeckter Lage werden die Minuten zur Ewig­keit. Fast ärgert man sich über den verräterisch bauten Schlag des Herzens. Aber man lernt schnell im Kriege. Nicht jede Kugel trifft. Schon merkt der Pionier, daß der Gegner andere Geländeteile be­streut. In dieser Zeit des Lärmes kann er sich seines Auftrages entledigen und den Rückweg sichern. Aber jo schnell geht es nicht. Auch er muß wieder mit Der Nase in den Dreck. Fast möchte man glauben, der Franzmann wollte nun dem Kamerad zur Linken Zeit geben, den Rückzug anzutreten. Was kümmert unseren Pionier Schmutz und Dreck. Er hat seine Minuten abzuwarten. Morgen werben ihn Wasser und Bürste schon wieder sauber vor seinem Zugführer erscheinen lasten.

Fünf Stunden hat die freiwillige Arbett gedauert. Dann gibt es Ruhe.

Sie sind zum Kommandeur bestellt, Pionier I, haben Sie etwas aus gefressen?"

Im Zweifel, ob er eine nie zu rauchende Zigarre oder eine Belobigung erhalte, meldet sich einer der unbekannten Pioniere.

Jetzt trägt er das Eiserne Kreuz am schwarz- weiß-roten Band.

Er für sich und seine Kompanie als erster tn seiner saarländischen Heimat.

gewisse Jahrgänge zum militärischen Dienst einzu­berufen, wodurch offenbar die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht auch in dem heutigen schon lange geplanten Angriffskriege gegen Deutsch­land erleichtert werden sollte.

Die brittschen Seestreitkräfte umfaßten zu Beginn dieses Jahres 15 Schlachtschiffe, 7 Flugzeug­träger, 15 schwere Kreuzer, rund 50 leichte Kreuzer, etwa 175 Zerstörer und 50 U-Boote. Don den Schlachtschiffen, Flugzeugttägern und Zerstörern »st die große Mehrzahl in der Heimat bzw. int Mittel­meer stationiert, während die Kreuz er flotte, die Hauptttägerin des britischen Piratenkrieges, auf alle Teile des britischen Weltreiches verteilt ist. Im Ge­gensatz zu den durchweg hochmodernen leichten See­streitkräften stammt die Mehrzahl der Schlachtschiffe noch aus der Weltkriegszeit, ist aber durch Deck- panzer gegen Flugzeugbomben, starke Flakbewaff- nung,Torpedowulste" usw. wiederholt den neuzeit­lichen Erfordernissen angepaßt worden. Das gleiche

gilt für die Flugzeugträger, z. T. ehemalige Linien- schiffe, große Kreuzer oder Handelsschiffe, die nach dem Weltkriege ihrer heutigen Bestimmung zu. geführt und ebenfalls mehrfach modernisiert wurden. Daß sich ttotzdem die Durchschlagskraft der deutschen lorpebos und Luftbomben der Panzerung der britischen Schlachtschiffe und Flugzeugträger als überlegen erwiesen hat, war ein schwerer Schlag für die britische Admiralität.

Englands L a n d h e e r gliedert sich in dieRe­guläre Armee" mit dazugehörigerArmeereserve- und dieTerritorialarmee , beide beruhen auf frei­williger Dienstverpflichtung. In der Regulären Armee dienen die Mannschaften im allgemeinen sieben Jahre akttv und fünf Jahre in der Armee­reserve. Die nur milizartig ausgebildete Terri. torialarmee hat im Frieden die Vorarbeiten für die Mobilmachung zu leisten und bildet eine gute Grundlage für die volle Erfassung der Wehr- traft des Volkes jetzt im Kriege. Die gesamte Ar­mee in der Heimat hat eine Friedensstärke von 475 000 Mann, wovon 135 000 auf die aktive Ar­mee, 150 000 auf die Armeereserve und 190 000 auf die Territorialarmee entfallen. Man kann mit einer Gesamtkriegsstärke von rund zwei Millionen größ. tenteils allerdings nur milizartig ausgebildeter bri­tischer Soldaten rechnen. Ob England darüber,hin­aus auch in diesem Kriege wieder eine so gewal­tige Mobilisierung seines Weltreiches durchführen kann wie im Weltkriege, als es im ganzen 8 650 000 Mann in 96 Divisionen und 8 Reiterdivisionen ins Feld stellte, erscheint angesichts der offenkundigen Unlust in den Dominions und Indien, sich für Eng­lands Angriffskrieg zu verbluten, mindestens zwei­felhaft. Planmäßig verfügbar war kurz nach Kriegs« ausbrud) nur das sogenannteExpedition-- k o r p s , das aus 5 Divisionen und 1 Panzer­division besteht. Die Aufstellung und der Transpott eines großen Heeres nehmen bei der geschilderten brittschen Heeresorganisation naturgemäß längere Zeit in Anspruch, zumal die Territorialarmee im Frieden teilweise mit veralteten Waffen ausge­rüstet ift Die britische Panzerwaffe bestand zwar im Frieden nur aus 600 Kampfwagen, kann aber sehr schnell stark vermehrt werden. Schon am Schlich des Weltkrieges befanden sich über 2000 Panzerkampfwa gen an der Front. Im Gegensatz zu Frankreich legt England den Hauptwert nicht auf schwere Panzerkampflvagen aur Begleitung Des Infanterieangriffs, sondern auf sehr schnelle, leichte und mittlere Kampfwagen für selbständige Ope­rationen.

Das Material der britischen Luftwaffe war immer erstklassig und ist es noch heute", heißt es im Jahrbuch der deutschen Luftwaffe 1938. Da­gegen stößt die Heranziehung des nötigen Flug- zeuapersonals angesichts der mangelnden Flugsreudigkett der englischen Jugend auf größte Schwierigkeiten. Heute besteht die brititoe Luft­waffe aus 6000 bis 7000 Flugzeugen einschließlich aller Reserven in der Heimat und in den Kolonien. Die Zahl der Kampsflugzeuge (Bomber) zu der der Jagdflugzeuge verhütt sich etwa wie 2)4:1. Trotz der allgemein anerkannten vorzüglichen Leistungsfähigkeit der britischen Luftwaffe haben sich bei den bisherigen kleineren Zusammenstößen deutscher und britischer Flieger die ersteren fast immer überlegen gezeigt.

Ob die britischen Truppen im Landkriege, mit dem sich ja schließlich allein ein Kriegsziel wie das britische Zerschmetterung des Feindes und Zer­stückelung seines Landes erreichen läßt, seit dem Weltkriege strategisch und taktisch zugelernt haben, können mir Deutschen, gestützt auf die beste Armee der Wett, in Ruhe ab märten. Damals fehlte ihnen trotz aller Tapferkeit die genügende Ausbildijng für den europäischen Krieg, vor allem die Ini r- tive der Führer und Unterführer und das verständ­nisvolle Zusammenwirken aller Waffengattungen. Darum haben sie auch bei starker Ueberlegenheit niemals einen durchschlagenden Erfolg erzielt.

Bcc Optiker am Bahnhof

Lieferant auch Ihren Krankenkasse

herrschte. Das kleine Trauergefolge, das hinter dem Sarge herschritt, wurde immer geringer. Einer nach dem andern kehrte des schlechten Wetters wegen um. Und draußen, auf dem Friedhof stand keiner weiter an feinem Grade als der Totengräber.

Als Mozarts Gattin Constanze, die krankheits­halber an dem Begräbnis nicht hatte teilnehmen können, später den Friedhof besuchte, begab es sich, daß niemand wußte, wo Mozart begraben ist. Der alte Totengräber mar fort, der neue konnte keine Auskunft geben.

Mozarts Grab ist nie bekannt geworden.

An einem Februartage des Jahres 1826 bestieg Carl Maria von Weber in Dresden die Reifekutsche, die ihn zur Uraufführung seiner Oper Oberon" nach London bringen sollte. Bleich und hohlwangig war er, quälendes Hüsteln drang aus seiner Brust. Frau Lina breitete wärmende Decken über seine Beine und reichte ihm das notwendige Medikamentenkästchen. Sie sprach nicht; sie biß die Zähne zusammen. Freundeshände streckten sich dem Abreisenden entgegen; doch den nochmaligen mah­nend-beschwör enden Worten gegenüber schüttelte Weber den Kopf und sagte leise, damit es die Frau nicht höre:Das ist alles gleich. Ob ich reise oder nicyt, ich bin in einem Jahr ein toter Mann. Der Ruf nach London ist lohnend. Folge ich chrn, so haben Frau und Kinder zu essen, wenn ich tot bin, während sie hungern, wenn ich bleibe."

©eine schmale, weiße Hand zog den Schlag zu. Der Wagen rollte. Mit dem Aufschrei: ,/Zch habe seinen Sarg zuschlagen hören!" brach die zurück­gebliebene Frau zusammen.

Der am 12. April, 1826 zur Aufführung des Oberon" unter tosendem Jubel der Londoner das Dirigentenpult betrat, mar bereits ein Sterbender. Aufs äußerste riß sich Weber zusammen, allein schon zu Beginn des zweiten Aktes fühlte er, wie von Szene zu Szene seine Kräfte nachließen. Am Schluß der Oper nahm der Beifall einen Umfang an, wie man ihn in London zuvor kaum kennen gelernt hatte. Aber hinter des Komponisten an­mutig-verbindlichem Dankeslächeln kauerte die Ge­wißheit: das ist das Letzte.

Am 5. Juni umstanden einige treue Freunde das Sterbebett. Weber dankte ihnen.Gott lohne euch allen eure Liebe." Dann bat er sie, hinauszugehen. Nun laßt mich schlafen."

Als achtzehn Jahre später Webers sterbliche Ueberrefte mit feierlichem Gepränge von London nach Dresden übergeführt wurden, begann Richard Wagner feine unvergeßliche Weiherede mit den Worten: Nie hat ein deutscher Musiker gelebt als tnU

Großvaters letzte Fahrt.

Von Ernst Eimer.

Als der Burkel Jakob an einem Spätsommertag auf seinem Hof den Gaul in den Erntewagen spannte, reckelte sich auf der Oberstufe sein Vater, der alte Konrad, in den Kissen hoch und sah durch die Fensterscheiben.

Ei, Schwiegervater", mahnte die Bäuerin Grete, die gerade in die Stube kam,bu mußt auch hübsch unter der Decke bleiben desto eher bist du dann wieder gesund."*

Ach ja Grete", klagte Konrad,du hast gut schwätzen aber wenn draußen die Kühe und Gäule trappeln und die Wagen rasseln, da halte ich's nicht mehr aus unter der Decke und muß dann wenigstens einmal hinunter gucken. Ach so geht es auf der Welt. Einundsiebzig Jahre lang hat mir nichts gefehlt und jetzt, wo die Arbeit drunter und drüber geht, liege ich im Bett und bin krank. Aber der Hafer am Fausteberg muß heute unbedingt ge­holt werden."

Ei gewiß" versprach die Grete,Jakob spannt ja gerade an?

Als Grete später den Tee in der dampfenden Kanne ans Krankenbett brachte, lief ihr sechsjähriger Hermann neben ihr her.Großvater", fragte der Kleine,bist du bald wieder gesund? In Hupperod ist der Pittersmarkt und da wollen wir zwei doch zusammen hin!"

Gewiß mein Bub", schmunzelt« Konrad,bas wollen wir auch. Aber der Markt ist ja erst im Oktober und bis dahin bin ich längst wieder auf den Beinen."

Gelt Großvater, bann kaufst bu mir eine neue Peitsche?"

Natürlich kaufe ich eine und knallen muß sie so laut wie ein Gewehr".

Noch viel viel lauter", rief ba in hellem Eifer der Junge und machte große frohe Augen,bie muh knallen so laut wie eine Kanone."

Konrad trank geduldig den Tee, doch je öfter der Arzt kam, desto sorgenvoller schüttelte er den Kopf. Aber der zähe Bauer schlug nach bangen Tagen dem Sensenmann doch ein Schnippchen. Und als an einem nebligen Herbstmorgen auf der Dorfgasse ein Wagen rasselte, da bewegte der bleiche Konrad ein wenig den abgemagerten Kopf und sah horchend nach oem Fenster.Was arbeitet ihr denn jetzt im Feld?" fragte er dann bie Bäuerin, bie ihm gerade eine Stärkung reichte.

Seit gestern graben mir am Kesselrain Kartoffeln.

Dick sind bie in biefern Jahr es ist bie reinste Pracht!"

Dann müssen wir aber ein paar große Säcke voll dem Winterhilfswerk geben", meinte der Konrad.

Gewiß", war's dir Bäuerin zuftieden,bas wollen wir gerne tun."

Täglich reckelte sich Konrab nun wieder hoher in den Kissen und als die Dickwurz eingefahren wurde, schleppte Klein-Hermann die schwerste davon dem Großvater ans Bett.

Tausendkramenot", staunte Konrad,bie ist ja fast so groß wie bu."

O ja", prahlte der Junge,oon biejcr Sorte sinb noch viele dabei. Und soll ich auch einmal unser Kalb herbringen? Das ist auch schon viel ge­wachsen."

Laß es im Stall", schmunzelte der Großvater wir gehen jetzt lieber einmal zu ihm."

Er stieg mühsam aus dem Bett, schlüpfte in feine warmen Kleider und humpelte in der Stube hin und her.So, sagte er,es geht besser als ich dachte nur noch ein bißchen durmelig ist mir's im Kopf."

Das schadet nichts", tröstete Hermann,ich hatte dick fest."

Als die Beiden im Kuhstall angewackelt kamen, schlugen Jakob und Grete die Hände über den Köpfen zusammen.

Du liebe Zeit, ei Vater", jammerte bie Grete, warum bleibst du denn nicht im Bett?"

,Ach" gab Konrad Bescheidich muß ja doch endlich wieder einmal in Den Stall gucken."

Erstaunt und zugleich erfreut waren bie Burkel- leute, als Konrab am nächsten Tag auch wieder in ihrer Mitte seine Suppe löffelte.

Ach natürlich", schmunzelte er,hier am Tisch schmeckt mir's ja siebenmal besser als im Bett'. Und weil wir so schönes Wetter haben, fahre ich nach­her auch wieder einmal mit aufs Feld.

Ach Vater", bat bie Grete,bleibe doch lieber daheim."

Baberlababb, ich fahre mit, ich muß endlich wie­der einmal hinaus aufs Feld.

Und da Konrad sich sein Vorhaben nicht aus- schwätzen ließ, wurde er vor der Abfahrt von Den Seinen eingemummelt wie der Pelznickel um die Weihnachtszeit. Die Sonne schien sommerlich ins herbstliche Land und im Geäst der rotbraunen Apfel­bäume, die den Weg umsäumten, riefen frohlaunige Meisen und Finken. Und an den weiten Berg­hängen lagen zwischen ftischgepflügtem, Dunklem Ackerland die leuchtenden gelben Rapsfelder wie reines Gold.

Hinter einem Höhenrücken tauchte ber Rockel-

Kasper mit seinem Kuhgespann auf.Aaah" tat der überrascht,ba sieht man ja auch ben Konrad roieber."

,Ha freilich", gab ber Bescheid,ich habe lange genug auf dem Strohsack gelegen und bei bem schonen Wetter lebt man braunen roieber ordentlich auf."

Während bann Jakob auf dem Acker am Mähen roar, packte Konrab geschromb die Gabel und lud den Klee auf den Wagen.

Ei Vater", mahnte Jakob,lege doch die Gabel hin Das Auflaben ist ja viel zu schwer für dich/

Glaub's Doch nicht", wehrte sich ber Konrad, ich habe jetzt wieder Kraft und überhaupt ohne Arbeit hat bas Leben keinen Wert." Der Großvater stützte sich aber bann doch auf bie Gabel, um zu verschnaufen und musterte lange bas benachbarte Gewann.

Als es heimwärts ging, sah Hermann, ber eifrig das Futter zusammengerecht hatte, auf dem Klee­wagen an Großvaters Seite. Der hatte sich behag­lich hingelagert und ließ, von einer wohligen Müdigkeit benommen, halb wachend und halb träu­mend, Die friedvollen, ländlichen Bilder an sich vor­überziehen. Ein dichter Wind trieb von den Berg­hängen den herben Geruch letzter Kartoffelfeuer heran und unweit des Dorfes auf den Talwiesen weideten rotscheckige und braune Kühe Inmitten der Tiere sprangen und sangen Mädchen und Buben und auf einem Grashügel saß ein Junge und spielte auf feiner Flöte. Vor Den Burkelleuten aber, über dem Rücken Des Gauls, gaukelte einsam ein Falter.

Großvater", fragt Da Der Hermann,warum ist Denn Der Schmetterling ganz allein?"

KinD, es ist Herbst, und Da roerDen die anDeren nicht mehr da sein."

Gar mancherlei fragte ber Kleine noch, aber Großvaters Antworten waren jetzt fast alle zer­streut. Und es wollte scheinen, als ob sein Blct über bie bläuliche Ferne hinweg nach jener großen Wolke gerichtet sei, Die vom Schein der scheidenden Sonne verklärt, märchenschön und rätselvoll am öst­lichen Himmel stand.

Gelt Großvater", fragte Hermann nun wieder, in Hupperod ist jetzt bald der Pittersmarkt und Dort kaufst bu mir eine schone Peitsche?"

,Ha", sagte Der Konrab, aber so leise, daß es kaum zu hören war.

Und knallen muß bie", rief Hermann,so taut, so laut wie---ei Großvater so sag's

doch so laut wie eine ..."

Aber Der Großvater sagte nichts mehr. Er hatte Die Augen geschlossen und lag still und friedlich auf dem Klee. Und auch, als ihn Jakob und Grete riefen, würbe er nicht mehr wach.