Ausgabe 
25.10.1939
 
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Die Technik im Kriege.

Don unserem militärischen Mitarbeiter

Der siegreiche und schnelle Verlaus des Krieges in Polen, die Gesamterfolge der deutschen Wehr­macht zu Lande, zu Wasser und in der Lust wäh­rend der vergangenen Wochen waren ein einziges Dokument für die Leistungsfähigkeit und den Geist der deutschen Truppen und für die hohe Qualität der von ihnen benutzten Waffen. In der Kom­bination von Mensch und Material fft im Kriege zweifellos immer in erster Linie der G e i st ausschlaggebend, andererseits darf bei dem heutigen Stand der Kriegstechnik nicht vergessen werden, daß im Enderfolg wieder die bessere Waffe in der Hand des guten Solda­ten den Sieg erringt, eine Erkenntnis, die man bei den verschiedenen Kampfhandlungen in Polen, im Seekrieg gegen England, an der Westfront und in der allgemeinen ^Luftabwehr immer wieder machen konnte.

DerBlitzsieg" über Polen ist neben seiner stra­tegischen Vorbereitung, dem Geist und der physi­schen Kraft unserer Soldaten in erster Linie der Luftwaffe und den erdgebundenen motori­sierten Einheiten zu verdanken. Wir hatten Flugzeuge, die in der Schnelligkeit, in der Reich­weite und in der feinmechanischen Ausrüstung dem polnischen Material so überlegen waren, daß selbst eine bessere Führung und eine bessere Truppe als die politische schachmatt gesetzt worden wäre. Die Flüge unserer Bomben- und Kampfgeschwader führ­ten schon in den ersten Tagen des polnischen Feld­zuges dank ihrer vorgenannten Vorzüge über das gesamte polnische Gebiet. Ehe der in den vorder­sten Fronten geschlagene Feind zur Besinnung kom­men konnte und in der Lage war, rückwärtige Reserven zu sammeln und einzusetzen, waren sämt- liche militärisch wichtige Verbindungsstrecken, Sam­melpunkte und Stützpunkte durch die Luftwaffe un­brauchbar gemacht.

In der gleichen Weise gingen die erdgebundenen motorisierten Waffen vor. Namentlich waren es hier die Panzertruppen, deren Material konstruktionstechnisch dem Feind weit überlegen war. Die sprichwörtlich schlechten polnischen Stra­ßen wie überhaupt die gesamte Unwegsamkeit des Landes, von der sich die Polen insgeheim Erfolge versprochen hatten, existierten für die Panzerwagen nicht. Daher war es auch hier möglich, und zwar in Verbindung mit immer wieder vorstoßenden Kamvfstaffeln der Luftwaffe, dem zurückweichenden Feind jede Möglichkeit sich zu sammeln zu nehmen Und chn zu umzingeln, ehe er über den Lauf der Dinge Klarheit gewonnen hatte. Alle geistigen und physischen Leistungen der deutschen Soldaten vor­weggenommen bleibt also die motorische Schnellig­keit des einschlägigen Materials im Vordergrund, die bessere Leistung des deutschen Tech­nikers.

Die gleichen Fesfftellungen nach der rein techni­schen Bewährung hin ergeben sich auch für alle Waffengattungen, die bisher tm Krieg an der West­front, im Seekrieg gegen England und in der all­gemeinen Luftabwehr eingesetzt wurden. Das her­vorragende Ergebnis unserer Luftabwehr bei dem englischen Angriff auf Wilhelmshaven ist bei- spielsweise einer der Beweise für die artillerietech­nische Ueberlegenheit unserer Waffe. Die Tatsache, daß die deutschen Torpedos beim Angriff auf angeblich torpedoseste englische Kriegsschiffe einen hundertprozentigen Erfolg verzeichnen, läßt auch nach dieser Richtung der technischen Qualität un­serer Waffen jeden Zweifel überflüssig erscheinen. Wenn wir den Geist der Truppe und die Qualität der Waffen als die Voraussetzungen unserer bis­herigen Erfolge bezeichneten, so dürfen wir anderer­seits nicht vergessen, daß gerade im Materialkrieg die Quantität der zur Verfügung stehenden Waffen eine große Rolle spielt. Man könnte sagen, daß die Masse der Millionenheere durch die kriegs­technische Wandlung der Neuzeit, wie sie jetzt mit der Luftwaffe und den erdgebundenen Einheiten des Heeres und den besonderen Spezialtruppen der Marine in den Vordergrund tritt, mehr und mehr ergänzt und ersetzt wird. Diese Zunahme des Kriegsmaterials der zahlreichen Spezialtruppen setzt

natürlich eine erhöhte Leistung der Hei­mat voraus. Es ist nicht allein damit getan, daß in der Heimat jeder nur verfügbare Mensch direkt oder indirekt für die Rüstungsindustrie eingesetzt wird. Noch wichtiger erscheint es, daß die Pro­duktionsmittelindustrie, die Maschinen- und Appa- rateininiftrie auf einer Höhe sich befindet, die jede ausländische Hilfe erübrigt. Mit anderen Worten: die Rüstungsindustrie legt den größten Wert auf die sorffchreitende technische Entwicklung der verschiedenen Richtungen von Werkzeug­maschinen. Nur auf diese Weise kann der un­geheure Bedarf von Material nicht nur mengen­mäßig, sondern auch in hoher Qualität gedeckt wer­den. Der beste Soldat in der Front ist bei der heuti­gen Form der Kriegführung hilflos, wenn entweder die Menge seiner Waffe nicht genügt oder ihre Qualität Den Anforderungen nicht entspricht.

Es ist unter Berücksichtigung dieser Notwendig­keiten von nicht zu unterschätzender Bedeutung, ob ein Volk wie das deutsche im vollen Bewußtsein seines Rechts und feiner Kraft an dem Schraubstock der Rüstungsindustrie steht, oder ein Volk wie das englische und ftanzösische, das an dem Sinn des Krieges zweifelt, und erkennt, daß gewissenlose Kriegshetzer und Kriegsgewinnler die Nutznießer ihrer Arbeit sind. Der deutsche Techniker im Kon­

struktionsbüro der Rüstungsindustrie und der deut­sche Arbeiter am Schraubstock schafft aus seiner inneren Ueberzeugung heraus das Beste, was er farm, er wird nicht an dem großen Ziel seines Einsatzes zweifeln, er ist darum der beste Treuhänder für Quantität und Qualität der Ausrüstung des deuffchen Soldaten. Und wenn je­mand sagen würde, daß hier und da die Roh- st o f f r a g e die Ausrüstung des deuffchen Sol- oaten gefährden könnte, so hat sich auch hier wie­der der schöpferische Geist des Deutschen in die Bresche geworfen. Ein großer Teil des Vierjahres- planes, dessen Früchte wie Reichswirffchaftsmini- ster Funk kürzlich in seiner Rede sagte, sich jetzt ergeben, ruht auf der Grundlage neuer technischer Erkenntnisse, namentlich auf dem weiten Gebiet der A p p a r a t e i n d u st r i e. Wir alle wissen schließlich, welche besondere För­derung der schöpferische Geist gerade im national­sozialistischen Deutschland findet. Daß dabei das technische Können und die technische Leistung an erster Stelle liegen, beruht in der Natur unseres Zeitalters, das man ja das technische nennt. Deutsch­land hat in den letzten Wochen gezeigt, daß es hier unbestritten die Führung besitzt und einen der ausschlaggebenden Faktoren für den Endsieg in der Hand hat.

Aus aller Well.

Erleichterungen für Studierende, die die Hochschule wechseln müssen.

Da es nicht möglich war, den Unterrichtsbetrieb an sämtlichen Hochschulen wieder aufzunehmen, werden viele Studenten gezwungen, ihre bis­herige Hochschule zu wechseln. In vielen Fällen werden dadurch wirtschaftliche Schwierig­keiten entstehen, die manchmal das Studium über­haupt in Frage stellen. Die Mittel zur wirtschaft­lichen Förderung der Studenten, Stipendienmittel und Studienstiftungen, sollen bei den Hochschulen, die ihren Unterrichtsbetrieb vorerst nicht forffetzen, in der Weise verwendet werden, daß sie bisheri­gen Studierenden dieser Hockschule n, die jetzt an eine andere Hochschule übergehen müssen, als Zuschüsse zur Verfügung gestellt werden. Auch das Reichsstudentenwerk wird sich in besonderem Maße derjenigen Studierenden annehmen, die jetzt an einer von ihrem Wohnort entfernten Hochschule das Studium forffetzen müssen. Schließlich sind die Rektoren der Hochschulen, die ihren Unterricktsbe- trieb forffetzen, angewiesen worden, bei Geoüh- renerlaß die Studierenden zu berücksichtigen, für die der Hochschulwechsel wirtschaftliche Schwierig­keiten mit sich bringt.

Anerkennung für mustergültigen Kraftfahrer.

Der Gendarmerie-Obermeister Kose in Kolberg hat seinen Dienstkraftwagen, der ihm nach einer Laufdauer von 20 000 Kilometer zuge­teilt wurde, so mustergültig gepflegt und in Stand gehalten, daß während einer Laufzeit von 9V- Jahren, in der über 100 000 Kilometer zurück­gelegt wurden, keine nennenswerten Re­paraturen vorgenommen zu werden brauchten. Der Reichsführer ff und Chef der deuffchen Polizei bot diesem mustergültigen Kraftfahrer für seine vor- oildliche Fahrzeugpflege seine vollste Anerken­nung ausgesprochen und damit dieses Beispiel zur Nachahmung empfohlen.

Zeitungsjubiläum in Babenhausen.

Im Oktober 1879 gründete der aus Rocken­berg in Oberhessen gebürtige Buchdrucker Lorenz Grünwald in Babenhausen dieBa­benhäuser Zeitung", die jetzt ihr 60jähriges Bestehen feiern konnte. Seit 34 Jahren gibt ihr jetziger Verleger Georg Krapp die dreimal wö­chentlich erscheinende Heimatzeitung heraus, die auch in schweren Zeiten stets ihre Aufgabe im öffent­lichen Interesse erfüllt hat. '

Zum 50.2HaIe Großmutter.

In Neustift im Gau Niederdonau fand die feierliche Ueberreichung der Ehrenkreuze für Idiedeutsche Mutter statt. Unter den zu ehren­

den Müttern war auch die Bäuerin Maria Horn- b a ch n e r eingeladen worden, eine Mutter von elf Kindern. Aber erst gegen Ebbe der Feier erschien sie, und zwar freudestrahlend mit der Botschaft, daß sie soeben zum 5 0. MaleGroßmutter gewor- Den fei. Die Bäuerin wurde zu diesem seltenen Er­eignis besonders herzlich beglückwünscht.

40 Tote bei einem Eisenbahnunglück in Mexiko.

Bei Entgleisung eines Güterzuges von Veracruz nach der pazifischen Küste bei Toloba wurden 40 Personen getötet. Zwei Petroleum-Tank­wagen gerieten in Brand. Die meisten Fahrgäste kamen in den Flammen um.

Raubmörderin zum Tode verurteilt.

Das Sondergericht verurteilte die 47jährige Cä­cilie K o e l b l von München, die am Heiligen Abend vergangenen Jahres die greife Rentnerin Josepha Wolf in deren Wohnung ermordet und beraubt hatte und die später die Leiche der Er­mordeten im Isar-Kanal versenkte, wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehrenrechtsverlust.

200 Schweine kamen in den Flammen um.

Auf dem Gut Crusenkrien bei Anklam in Pom­mern brach in einem Schweinestall Feuer aus, das sich schnell verbreitete und den Dachstuhl des Ge­bäudes fast völlig zerstörte. Annähernd zweihundert Schweine fielen den Flammen zum Opfer. Die Wegeverhältnffse verhinderten das rechtzeitige Ein­treffen der Feuerwehr.

Verschüttet.

In der Sandniederung des Emschertales bei Hamborn hatten Kinder eine Art Unterstand gegraben, der über zwei Meter tief war. Als zwei Schüler dort spielten, brach plötzlich die Sanddecke herab und begrub die beiden Jungen. In der Nähe weilende Kinder gingen sofort ans Rettungswerk und konnten auch einen neunjährigen Knaben lebend herausziehen. Der zehnjährige Gerhard Schwidlinski konnte erst später geborgen werden; die bei ihm angestellten Wieder­belebungsversuche waren leider ohne Erfolg.

Schwere Bluttat eines Jugendlichen.

Am diesjährigen Faschingsdienstag lud der da­mals erst 18 Jahre alte Ernst Bock aus Theisen in Sachsen gegen 23 Uhr einige junge Burschen auf dem Rummelplatz in dem rechtsrheinisch gelegenen Köln-Kalk zum Biertrinken ein. Von den Einge­ladenen war einer, der später von dem Angeklag­ten totgeschlagene 13jährige Junge, bald stark be­trunken, da Bock ihm Schnaps ins Bier geschüttet hatte. Auf dem Wege von Kalk nach Deutz begann Bock zu frieren. Sein Begleiter hatte einen Man­tel und Bock nötigte den 13jährigen Jungen in

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Roman von Walter ftlotpftr

Oopyrlßl)! by Carl Duntfor Verlag * Berlin w 62

L4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Tag, Herr Friedrich!"

Tag. Lassen Sie Die Maschine jetzt stehen, ich habe mit Ihnen zu reden. Sie kennen sich in Mün­chen aus, sagten Sie?"

Wie in meiner Hosentasche, Herr Friedrich."

Sie müssen für mich nach München fahren, ein paar Tage bloß; ich gebe Ihnen sechzig Mark mit, die werden reichen. Sie notieren aber Ihre Aus­gaben und gesoffen wird nicht, das sage ich Ihnen gleich. Sie sollen herausbringen, was Dr. Severin so treibt. Seine Adresse bekommen Sie."

Darf man wissen, warum ick Det herausbringen soll?"

Es handelt sich um eine Geldgeschichte. Das Nähere geht Sie nichts an. In wenigen Tagen ist der 1. Juni, und bis dahin muh ich wissen, wie ich daran bin. Es wird aber geschwiegen, Parsunke, kein Sterbenswörtchen wird geplaudert, sonst haben Sie sich gewaschen. Verstanden?"

Sie können sich auf mir verlassen, Herr Fried­rich. Wie Det Grab schweige ick. Ick soll wohl sone Art Detektiv mimen, Herr Friedrich?"

Wer redet von Detektiv? Sie haben zuviel Schundromane gelesen, Mann/ Ich will nur er­fahren, in welchen Verhältnissen der Doktor jetzt lebt und was er tagsüber so treibt"

Mach ick, Herr Friedrich. Da bin ick Der richtige Mann for", beteuert Parsunke.

Aber nicht picheln! UnD Maul halten!" scharst ihm Der andere ein.

Sie können sich absolut auf mir verlassen, Herr Friedrich."

Nikotine schaltet gerade auf Königs Wusterhausen um, weil ihr das Münchener Programm nicht paßt, Da stürmt Dr. Weng ins Zimmer. Sein weiß­blonder nordischer Schopf steht kerzengerade in die Hohe. Er fft in ziemlicher Aufregung.

Scheußliche Sache! Stirbt der alte Lohmüller drüben! Und die Angehörigen meckern mir vor, jetzt sei Das viele Geld zum Fenster hinausgeworfen, und man hätte so einen alten Mann zu Hause sterben lassen sollen, wenn er es nun einmal will. Als ob ich ans Sterben gedacht habe! Durchbringen wollte ich chn doch! Und darum war doch alles, das Krankenhaus, die Operation und Der zweite

Arzt. Ist es meine Schuld, wenn er eine Embolie bekommt und eins-zwei-drei weg fft?"

Die Leute sind manchmal fo , tröstet Nikotine. Wenn es schief geht, muß ein Sündenbock her. In München wird es genau so fein, da merken Sie's bloß nicht so, Herr Doktor, weil die Klinik einen breiteren Buckel hat. Natürlich find Sie im Recht. Wenn ich Den Angehörigen das bei Ge­legenheit zergliedere, nehmen sie schon Vernunft an. Man muß nur Den richtigen Ton treffen."

Dieser verdammte Dialekt hier! Den lerne ich meiner Lebtage nicht", seufzte Dr. Wenz.

Gibt sich alles mit der Zeit. Nur Die Flinte nicht ins Korn werfen.?

Ich kann Den Leuten hier nichts recht machen, ich zähle nicht, ich habe feine Autorität; es ist zum Kinderkriegen."

Wollen wir einen kurzen Spaziergang machen? Die Sorgen auslüften? Zur Burg oder auf Den Galgenberg?"

Gerne, Fräulein Nikotine. Mit Ihnen gehe ich immer gern. Ich will mich nur rasch mal um­ziehen."

Wozu? Mr sind Sie schon genug. Wird Ihnen das ewige Umkleiden nicht übel? Sie machen Die Leute bloß scheu mit so viel Vornehmheit. In Der Stadt, ja. Aber auf Dem Land wissen sie mit Bügel­falten nichts anzufangen."

Wie Sie meinen, Fräulein Nikotine."

Auch mit Dr. Weng sind in diesen vierzehn Tagen schon etliche Umstellungen geschehen. Er fft gar nicht mehr überheblich, er läßt sich Ratschläge von Fräulein Ferber erteilen, und er hat feine despek­tierlichen Ansichten über Die Bauern-Doktorei revi­diert. Sie schlendern zum Schloß, von dem aus man eine so hübsche Aussicht auf Das Städtchen und die Umgebung hat. Im Burggraben plagen sich zwei Männer mit dem Ausroden von Baum­stümpfen, Der Konsul und fein Adlatus Beinhölzl. Denn der Konsul braucht Holz, und außerdem will er Maulbeerbäume an pflanzen für eine geplante Seidenraupenzucht, worüber die Eschelbrunner mit­leidig Den Kopf schütteln. Herr von Depenau trägt ein gewagtes Kostüm, nämlich Reitstiefel, weiße Leinenhose und einen Tropenhelm wegen Der heißen Sonne. Er ist mit viel Eifer und schwitzend dabei, einer widerspenstigen Baumwurzel Den Garaus zu machen.

Doller Auszug", lacht Wenz.

Scht, leiser", sagt Mkoline. Aber der Konsul muß es gehört haben, schaut her und verschwindet mit seiner Axt hinter einem Gebüsch.Da nun haben Sie ihn vergrämt", flüstert Nikoline zornig. Ihr von da droben seid aoer auch immer so laut und ungeniert. Man mag das nicht im Süden."

Pardon, Fräulein Nikoline". erwidert er klein­

laut. Nach einer Pause fährt er fort:Sie sind die seltsamste Frau, Die mir untergekommen ist. Sie hocken lauter gute Eigenschaften. Ich verstehe nur eines nicht; warum Sie noch nicht längst verhei­ratet sind. Die Männer um Sie müssen ja alle blind gewesen sein, ja, tatsächlich."

Nikoline lacht belustigt und müßte keine Frau fein, wenn ihr diese spontane Huldigung nicht ge­fiele.Jetzt schwindeln Sie aber, Herr Wenz. Jetzt Übertreiben Sie."

Nein, bestimmt nicht; großes Ehrenwort, Niko- linchen. Sehe ich wie ein Schwindler aus? Dreist und gottesfürchtig legt er die Hand um chre Hüfte und will sie küssen. Aber Mkoline dreht rasch den Kopf weg und so landet Der Kuß in ihren Haaren.

<Äe haben ja ein fabelhaftes Tempo, Herr Wenz. Aber ich will das nicht. Wir verstehen uns?"

Er fft verlegen und sieht vor sich hin.

Nicht gekränkte Leberwurst spielen.^ Das steht Ihnen gar nicht und macht Sie noch jünger, Dok­tor. Man kann doch auch so Kameradschaft halten. Helfen Sie mir lieber, München suchen, es muß in der Richtung über diesen Föhrenwald liegen."

Was schiert mich München, denkt Der junge Dr. Wenz mißlaunig. Einmal, wenn Du Denkst, Die Rechte aufgegabelt zu haben, Dann ist es Essig unD du blitzt ab. In diesem Eschelbrunn läuft mir schon alles verquer.

Denken Sie, Herr Wenz, heute ist eine Ansichts­karte aus Garmisch gekommen. Er hat jetzt etwas Aussicht. Wie ist es denn um diese Münchner Praxen bestellt?"

Gott, jede fft anders. Da läßt sich fein Schema aufstellen. Ich für meine Person will froh fein, wenn ich wieder in meiner Klinik sitze. Da hat man Dienst oder man hat keinen Dienst. Aber hier hat man überhaupt nicht frei. Ist es nicht so? Ent­weder ist etwas los, oder man wartet darauf, daß etwas los ist."

Immer noch eingeschnappt?"

Ihnen kann man nicht böse sein, Fräulein Niko­line. So wie sie male ich mir manchmal meine zukünftige Frau."

Die drei Eschelbrunner Abgesandten halten im Münchner Hauptbahnhof Kriegsrat. Weinzierl schlägt vor, einen Rechtsanwalt zu kosultieren. We­gen der rechtlichen Seite. Schon, kann man tun. Was liegt gn den paar Mark. Hat der Teufel den Bock geholt, kann er Die Geiß auch holen. Also auf in Den Kampf, Torero! Um den Bahnhof gibt's ja genug Emailleschilder. Der Bürgermeister macht Den Sprecher und setzt dem bebrillten Jurfften den Vorgang auseinander. Er vergißt nicht, zu be­tonen, daß Eschelbrunn das größte Interesse an

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Photo-Geller, am Bahnhof.

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In Tokio wurde Der BescPuß Der japanischen Regierung bekanntgegeben, die Pen-Währung von der Sterling-Währung loszu- losen, um das Arbeiten japanischer Kapitalien im Auslande zu erleichtern. Der Wechselkurs Des Pen zum Dollar wurde mit 237Ae Dollar 100 Yen festgesetzt. ,

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Kleine politische Nachrichten.

Am 25. Oktober 1939 eröffnete die Reichsbahn auf der Strecke Ka tt o w itz W ar s ch au und zurück den öffentlichen Reisezugverkehr. Hierfür sind zunächst für beide Richtungen je ein V-Zug und je ein durchgehender Personenzug vorgesehen. Die V-Züge halten in Zabkowice, Tschenstochau, Ra« domsko, Petrikau, Koluszki und Skiemiewice. In Ko- luszki haben alle Züge sofort Anschluß nach und von Lodz. Die V-Züge verlassen Kattowitz und War- schau-West in den Morgenstunden und treffen in Warschau-West und Kattowitz in den frühen Nach- mittagstuNden ein. Die durchgehenden Personenzüge fahren in Kattowitz und Warschau-West um die Mittagszeit ab und treffen in Warschau-West und Kattowitz in den Wendstunden ein.

Der Führer empfing in der Neuen Reichs­kanzlei den von seinem Berliner Posten ab­berufenen kaiserlich-japanischen Botschafter General Oshima zur Verabschiedung. Der Boffchaster gab hierbei im Auftrage seiner Regierung der festen Ueberzeugung von der unveränderten Fort­dauer der deutsch-japanischen Freund- schäft Ausdruck und überreichte Dem Führer vier wertvolle Werke moderner japa­nischer Kunst, Die der japanische Großindu­strielle Fujiwara Dem Führer als Zeichen seiner Hochschätzung übersandt hat.

*

der Wiedererlangung des Bildes habe. Kein Mensch könne ihnen billigerweise zumuten, Die Angelegen­heit auf sich beruhen zu lassen. Man erbitte Rat­schläge. Ja, es stimme, daß Die Stadt das ,Mösterl mit Dem ganzen Krempel von Einrichtungsgegen­ständen vor sechs Jahren verkauft habe, aber ein Inventarverzeichnis fei leider nicht mehr aufzu­finden, und Das mit Dem Lukas Cranach fei eben Mißgeschick. Ihrer Auffassung nach müsse Der jetzige Besitzer das Bild wieder zurückgeben. Was er meine?

Soviel ich jetzt sehe, liegt Der Fall reichlich ver­zwickt, meine Herren. Verzwickt, aber nicht hoff­nungslos. So im Handumdrehen fft Die Rechtslage nicht zu entscheiden. Alles kommt auf Die Umstände an, unter denen damals der Besitzwechsel vor sich gegangen ist. Ich würde es bei Herrn Leinfelder zuerst in Güte versuchen, wenn er Sperenzchen macht, rate ich Ihnen zu einer Klage."

Prozessieren also.

Die drei gehen unbefriedigt von dannen. Was der da Droben verzapft hat, wissen sie ohnehin. Schabe um Das Honorar. Also auf zu Leinfelder, Der in Der Luisenstraße wohnt. Sie werben von einer wasserstoffblonden Dame in ein Wartzimmer komplimentiert, vertrödeln endlose Zeit auf Stahl­möbeln unb werden schließlich voraelassen. Die bei­den anderen schicken Stadtrat Weinzierl wegen seines bestechenden Redevermogens vor, der sich, den Rübezahlbart streichend, seines Auftrags ent­ledigt.

Die Antwort ist niederschmetternd.

Das Bild herausgeben? Sonderbare Zumutung. Wie komme ick dazu? Belieben Sie die Quittung einzusehen, meine Herren. Das Bild ist ordnungs­gemäß erworben. Nein, nein, kommt gar nicht in Frage, meine Herren", knurrt der Architekt.

3a, sehen Sie, Herr Leinfelder", unternimmt Weinzierl einen neuen Angriff,die Geschichte ist halt so. Die Bevölkerung ist aufgebracht, und man hat uns hergeschickt und alles hofft, baß Sie bar Geschäft rückgängig machen. Schließlich ist es doch kein x-beliebiges Gemälde »unbekannter Meistes, wie in ihrer Quittung steht, sondern es handelt sich um ein Stück von seltenem Wert. Das wissen Sie ia selbst am besten. Auch bie Zeitungen sind voll davon, unb wir kommen schlecht weg in ihrer Kruitik. Wir sind ermächtigt. Ihnen die veraus­gabten 1500 Mark wiederzuerstatten. Es war eine Heidenarbeit, das viele Geld zu beschaffen, das dürfen Sie uns glauben. Wir müssen das Bild wiederhaben, sonst sind wir für alle Zeiten lächer­lich vor dem ganzen Bezirk. Wir appellieren an Ihr Einsehen, Herr Leinfelder, an Ihre Noblesse.

(Fortsetzung folgt)

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einem Schrebergarten, Den Mantel auszuzieyen. Der Junge zog den Mantel aus und hängte ihn über eine Hecke. Als Bock danach griff, kam es zu einer Balgerei, in Deren Verlauf Bock dem Jun- geren einen Kinnhaken gab, den Mantel an sich nahm unb bavonlief. Er geriet Dabei in eine Sack­gasse und mußte umkehren. Dabei kam ihm nun ber Gedanke, der Junge müsse mundtot gemacht werden, damit dieser ihn nicht anzeigen könne. Als er wieder bei dem noch stark benommenen Knaben angelangt war, riß Bock eine schwere Zaun- latte los und schlug auf Den am Boden Liegenden mit voller Wucht ein, bis er Den Knaben tot glaubte. Dann entwendete er ihm noch Hose, Hut und Hand- schuhe, begab sich zum Koln-Deutzer Bahnhof, fuhr nach Koblenz unb langte später nach Wittlich (Eifel). Dort reinigte er feinen Anzug vom Blut unb versuchte bie Grenze zu erreichen, kehrte aber wieder nach Wittlich zurück und stellte sich hier Der Polizei. Der Staatsanwalt beantragte gegen Den jugendlichen Verbrecher wegen schweren Raubes mit Totschlag lebenslängliches Zuchthaus. Das Ur­teil lautete auf 15 Jahre Zuchthaus unb Stellung unter Polizeiaufsicht. Die Strafmilberung sei in ber Jugenb bes Angeklagten begrünbet.

Die Rubensfelern 1940.

Die Stadt Antwerpen setzt ihre Dordereittm- gen zu den Feierlichkeiten fort, Die 1940 anläß­lich des 300. Todestages des großen flämi­schen Malers Rubens stattfinden sollen. Das Rubenslnius In Antwerpen wird auf Grund aller Pläne wieder in Den Zustand versetzt, in dem es sich befunden hat, als es noch von dem großen Maler bewohnt wurde, eine Arbeit, Die einen großen Aufwand verursacht, da das Haus von den späteren Besitzern umgebaut und bis zur Unkennt­lichkeit verändert wurde. König Leopold hat für die Feierlichkeiten, die zur Erinnerung an Rubens 1940 ftattfinden werden, das Patronat übernommen.