Die Technik im Kriege.
Don unserem militärischen Mitarbeiter
Der siegreiche und schnelle Verlaus des Krieges in Polen, die Gesamterfolge der deutschen Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Lust während der vergangenen Wochen waren ein einziges Dokument für die Leistungsfähigkeit und den Geist der deutschen Truppen und für die hohe Qualität der von ihnen benutzten Waffen. In der Kombination von Mensch und Material fft im Kriege zweifellos immer in erster Linie der G e i st ausschlaggebend, andererseits darf bei dem heutigen Stand der Kriegstechnik nicht vergessen werden, daß im Enderfolg wieder die bessere Waffe in der Hand des guten Soldaten den Sieg erringt, eine Erkenntnis, die man bei den verschiedenen Kampfhandlungen in Polen, im Seekrieg gegen England, an der Westfront und in der allgemeinen ^Luftabwehr immer wieder machen konnte.
Der „Blitzsieg" über Polen ist neben seiner strategischen Vorbereitung, dem Geist und der physischen Kraft unserer Soldaten in erster Linie der Luftwaffe und den erdgebundenen motorisierten Einheiten zu verdanken. Wir hatten Flugzeuge, die in der Schnelligkeit, in der Reichweite und in der feinmechanischen Ausrüstung dem polnischen Material so überlegen waren, daß selbst eine bessere Führung und eine bessere Truppe als die politische schachmatt gesetzt worden wäre. Die Flüge unserer Bomben- und Kampfgeschwader führten schon in den ersten Tagen des polnischen Feldzuges dank ihrer vorgenannten Vorzüge über das gesamte polnische Gebiet. Ehe der in den vordersten Fronten geschlagene Feind zur Besinnung kommen konnte und in der Lage war, rückwärtige Reserven zu sammeln und einzusetzen, waren sämt- liche militärisch wichtige Verbindungsstrecken, Sammelpunkte und Stützpunkte durch die Luftwaffe unbrauchbar gemacht.
In der gleichen Weise gingen die erdgebundenen motorisierten Waffen vor. Namentlich waren es hier die Panzertruppen, deren Material konstruktionstechnisch dem Feind weit überlegen war. Die sprichwörtlich schlechten polnischen Straßen wie überhaupt die gesamte Unwegsamkeit des Landes, von der sich die Polen insgeheim Erfolge versprochen hatten, existierten für die Panzerwagen nicht. Daher war es auch hier möglich, und zwar in Verbindung mit immer wieder vorstoßenden Kamvfstaffeln der Luftwaffe, dem zurückweichenden Feind jede Möglichkeit sich zu sammeln zu nehmen Und chn zu umzingeln, ehe er über den Lauf der Dinge Klarheit gewonnen hatte. Alle geistigen und physischen Leistungen der deutschen Soldaten vorweggenommen bleibt also die motorische Schnelligkeit des einschlägigen Materials im Vordergrund, die bessere Leistung des deutschen Technikers.
Die gleichen Fesfftellungen nach der rein technischen Bewährung hin ergeben sich auch für alle Waffengattungen, die bisher tm Krieg an der Westfront, im Seekrieg gegen England und in der allgemeinen Luftabwehr eingesetzt wurden. Das hervorragende Ergebnis unserer Luftabwehr bei dem englischen Angriff auf Wilhelmshaven ist bei- spielsweise einer der Beweise für die artillerietechnische Ueberlegenheit unserer Waffe. Die Tatsache, daß die deutschen Torpedos beim Angriff auf angeblich torpedoseste englische Kriegsschiffe einen hundertprozentigen Erfolg verzeichnen, läßt auch nach dieser Richtung der technischen Qualität unserer Waffen jeden Zweifel überflüssig erscheinen. Wenn wir den Geist der Truppe und die Qualität der Waffen als die Voraussetzungen unserer bisherigen Erfolge bezeichneten, so dürfen wir andererseits nicht vergessen, daß gerade im Materialkrieg die Quantität der zur Verfügung stehenden Waffen eine große Rolle spielt. Man könnte sagen, daß die Masse der Millionenheere durch die kriegstechnische Wandlung der Neuzeit, wie sie jetzt mit der Luftwaffe und den erdgebundenen Einheiten des Heeres und den besonderen Spezialtruppen der Marine in den Vordergrund tritt, mehr und mehr ergänzt und ersetzt wird. Diese Zunahme des Kriegsmaterials der zahlreichen Spezialtruppen setzt
natürlich eine erhöhte Leistung der Heimat voraus. Es ist nicht allein damit getan, daß in der Heimat jeder nur verfügbare Mensch direkt oder indirekt für die Rüstungsindustrie eingesetzt wird. Noch wichtiger erscheint es, daß die Produktionsmittelindustrie, die Maschinen- und Appa- rateininiftrie auf einer Höhe sich befindet, die jede ausländische Hilfe erübrigt. Mit anderen Worten: die Rüstungsindustrie legt den größten Wert auf die sorffchreitende technische Entwicklung der verschiedenen Richtungen von Werkzeugmaschinen. Nur auf diese Weise kann der ungeheure Bedarf von Material nicht nur mengenmäßig, sondern auch in hoher Qualität gedeckt werden. Der beste Soldat in der Front ist bei der heutigen Form der Kriegführung hilflos, wenn entweder die Menge seiner Waffe nicht genügt oder ihre Qualität Den Anforderungen nicht entspricht.
Es ist unter Berücksichtigung dieser Notwendigkeiten von nicht zu unterschätzender Bedeutung, ob ein Volk wie das deutsche im vollen Bewußtsein seines Rechts und feiner Kraft an dem Schraubstock der Rüstungsindustrie steht, oder ein Volk wie das englische und ftanzösische, das an dem Sinn des Krieges zweifelt, und erkennt, daß gewissenlose Kriegshetzer und Kriegsgewinnler die Nutznießer ihrer Arbeit sind. Der deutsche Techniker im Kon
struktionsbüro der Rüstungsindustrie und der deutsche Arbeiter am Schraubstock schafft aus seiner inneren Ueberzeugung heraus das Beste, was er farm, er wird nicht an dem großen Ziel seines Einsatzes zweifeln, er ist darum der beste Treuhänder für Quantität und Qualität der Ausrüstung des deuffchen Soldaten. Und wenn jemand sagen würde, daß hier und da die Roh- st o f f r a g e die Ausrüstung des deuffchen Sol- oaten gefährden könnte, so hat sich auch hier wieder der schöpferische Geist des Deutschen in die Bresche geworfen. Ein großer Teil des Vierjahres- planes, dessen Früchte wie Reichswirffchaftsmini- ster Funk kürzlich in seiner Rede sagte, sich jetzt ergeben, ruht auf der Grundlage neuer technischer Erkenntnisse, namentlich auf dem weiten Gebiet der A p p a r a t e i n d u st r i e. Wir alle wissen schließlich, welche besondere Förderung der schöpferische Geist gerade im nationalsozialistischen Deutschland findet. Daß dabei das technische Können und die technische Leistung an erster Stelle liegen, beruht in der Natur unseres Zeitalters, das man ja das technische nennt. Deutschland hat in den letzten Wochen gezeigt, daß es hier unbestritten die Führung besitzt und einen der ausschlaggebenden Faktoren für den Endsieg in der Hand hat.
Aus aller Well.
Erleichterungen für Studierende, die die Hochschule wechseln müssen.
Da es nicht möglich war, den Unterrichtsbetrieb an sämtlichen Hochschulen wieder aufzunehmen, werden viele Studenten gezwungen, ihre bisherige Hochschule zu wechseln. In vielen Fällen werden dadurch wirtschaftliche Schwierigkeiten entstehen, die manchmal das Studium überhaupt in Frage stellen. Die Mittel zur wirtschaftlichen Förderung der Studenten, Stipendienmittel und Studienstiftungen, sollen bei den Hochschulen, die ihren Unterrichtsbetrieb vorerst nicht forffetzen, in der Weise verwendet werden, daß sie bisherigen Studierenden dieser Hockschule n, die jetzt an eine andere Hochschule übergehen müssen, als Zuschüsse zur Verfügung gestellt werden. Auch das Reichsstudentenwerk wird sich in besonderem Maße derjenigen Studierenden annehmen, die jetzt an einer von ihrem Wohnort entfernten Hochschule das Studium forffetzen müssen. Schließlich sind die Rektoren der Hochschulen, die ihren Unterricktsbe- trieb forffetzen, angewiesen worden, bei Geoüh- renerlaß die Studierenden zu berücksichtigen, für die der Hochschulwechsel wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich bringt.
Anerkennung für mustergültigen Kraftfahrer.
Der Gendarmerie-Obermeister Kose in Kolberg hat seinen Dienstkraftwagen, der ihm nach einer Laufdauer von 20 000 Kilometer zugeteilt wurde, so mustergültig gepflegt und in Stand gehalten, daß während einer Laufzeit von 9V- Jahren, in der über 100 000 Kilometer zurückgelegt wurden, keine nennenswerten Reparaturen vorgenommen zu werden brauchten. Der Reichsführer ff und Chef der deuffchen Polizei bot diesem mustergültigen Kraftfahrer für seine vor- oildliche Fahrzeugpflege seine vollste Anerkennung ausgesprochen und damit dieses Beispiel zur Nachahmung empfohlen.
Zeitungsjubiläum in Babenhausen.
Im Oktober 1879 gründete der aus Rockenberg in Oberhessen gebürtige Buchdrucker Lorenz Grünwald in Babenhausen die „Babenhäuser Zeitung", die jetzt ihr 60jähriges Bestehen feiern konnte. Seit 34 Jahren gibt ihr jetziger Verleger Georg Krapp die dreimal wöchentlich erscheinende Heimatzeitung heraus, die auch in schweren Zeiten stets ihre Aufgabe im öffentlichen Interesse erfüllt hat. '
Zum 50.2HaIe Großmutter.
In Neustift im Gau Niederdonau fand die feierliche Ueberreichung der Ehrenkreuze für Idiedeutsche Mutter statt. Unter den zu ehren
den Müttern war auch die Bäuerin Maria Horn- b a ch n e r eingeladen worden, eine Mutter von elf Kindern. Aber erst gegen Ebbe der Feier erschien sie, und zwar freudestrahlend mit der Botschaft, daß sie soeben zum 5 0. MaleGroßmutter gewor- Den fei. Die Bäuerin wurde zu diesem seltenen Ereignis besonders herzlich beglückwünscht.
40 Tote bei einem Eisenbahnunglück in Mexiko.
Bei Entgleisung eines Güterzuges von Veracruz nach der pazifischen Küste bei Toloba wurden 40 Personen getötet. Zwei Petroleum-Tankwagen gerieten in Brand. Die meisten Fahrgäste kamen in den Flammen um.
Raubmörderin zum Tode verurteilt.
Das Sondergericht verurteilte die 47jährige Cäcilie K o e l b l von München, die am Heiligen Abend vergangenen Jahres die greife Rentnerin Josepha Wolf in deren Wohnung ermordet und beraubt hatte und die später die Leiche der Ermordeten im Isar-Kanal versenkte, wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehrenrechtsverlust.
200 Schweine kamen in den Flammen um.
Auf dem Gut Crusenkrien bei Anklam in Pommern brach in einem Schweinestall Feuer aus, das sich schnell verbreitete und den Dachstuhl des Gebäudes fast völlig zerstörte. Annähernd zweihundert Schweine fielen den Flammen zum Opfer. Die Wegeverhältnffse verhinderten das rechtzeitige Eintreffen der Feuerwehr.
Verschüttet.
In der Sandniederung des Emschertales bei Hamborn hatten Kinder eine Art Unterstand gegraben, der über zwei Meter tief war. Als zwei Schüler dort spielten, brach plötzlich die Sanddecke herab und begrub die beiden Jungen. In der Nähe weilende Kinder gingen sofort ans Rettungswerk und konnten auch einen neunjährigen Knaben lebend herausziehen. Der zehnjährige Gerhard Schwidlinski konnte erst später geborgen werden; die bei ihm angestellten Wiederbelebungsversuche waren leider ohne Erfolg.
Schwere Bluttat eines Jugendlichen.
Am diesjährigen Faschingsdienstag lud der damals erst 18 Jahre alte Ernst Bock aus Theisen in Sachsen gegen 23 Uhr einige junge Burschen auf dem Rummelplatz in dem rechtsrheinisch gelegenen Köln-Kalk zum Biertrinken ein. Von den Eingeladenen war einer, der später von dem Angeklagten totgeschlagene 13jährige Junge, bald stark betrunken, da Bock ihm Schnaps ins Bier geschüttet hatte. Auf dem Wege von Kalk nach Deutz begann Bock zu frieren. Sein Begleiter hatte einen Mantel und Bock nötigte den 13jährigen Jungen in
Die $rau ao8ötr ?r8inö6
Roman von Walter ftlotpftr
Oopyrlßl)! by Carl Duntfor Verlag * Berlin w 62
L4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Tag, Herr Friedrich!"
„Tag. Lassen Sie Die Maschine jetzt stehen, ich habe mit Ihnen zu reden. Sie kennen sich in München aus, sagten Sie?"
„Wie in meiner Hosentasche, Herr Friedrich."
„Sie müssen für mich nach München fahren, ein paar Tage bloß; ich gebe Ihnen sechzig Mark mit, die werden reichen. Sie notieren aber Ihre Ausgaben und gesoffen wird nicht, das sage ich Ihnen gleich. Sie sollen herausbringen, was Dr. Severin so treibt. Seine Adresse bekommen Sie."
„Darf man wissen, warum ick Det herausbringen soll?"
„Es handelt sich um eine Geldgeschichte. Das Nähere geht Sie nichts an. In wenigen Tagen ist der 1. Juni, und bis dahin muh ich wissen, wie ich daran bin. Es wird aber geschwiegen, Parsunke, kein Sterbenswörtchen wird geplaudert, sonst haben Sie sich gewaschen. Verstanden?"
„Sie können sich auf mir verlassen, Herr Friedrich. Wie Det Grab schweige ick. Ick soll wohl sone Art Detektiv mimen, Herr Friedrich?"
„Wer redet von Detektiv? Sie haben zuviel Schundromane gelesen, Mann/ Ich will nur erfahren, in welchen Verhältnissen der Doktor jetzt lebt und was er tagsüber so treibt"
„Mach ick, Herr Friedrich. Da bin ick Der richtige Mann for", beteuert Parsunke.
„Aber nicht picheln! UnD Maul halten!" scharst ihm Der andere ein.
„Sie können sich absolut auf mir verlassen, Herr Friedrich."
Nikotine schaltet gerade auf Königs Wusterhausen um, weil ihr das Münchener Programm nicht paßt, Da stürmt Dr. Weng ins Zimmer. Sein weißblonder nordischer Schopf steht kerzengerade in die Hohe. Er fft in ziemlicher Aufregung.
„Scheußliche Sache! Stirbt der alte Lohmüller drüben! Und die Angehörigen meckern mir vor, jetzt sei Das viele Geld zum Fenster hinausgeworfen, und man hätte so einen alten Mann zu Hause sterben lassen sollen, wenn er es nun einmal will. Als ob ich ans Sterben gedacht habe! Durchbringen wollte ich chn doch! Und darum war doch alles, das Krankenhaus, die Operation und Der zweite
Arzt. Ist es meine Schuld, wenn er eine Embolie bekommt und eins-zwei-drei weg fft?"
„Die Leute sind manchmal fo , tröstet Nikotine. „Wenn es schief geht, muß ein Sündenbock her. In München wird es genau so fein, da merken Sie's bloß nicht so, Herr Doktor, weil die Klinik einen breiteren Buckel hat. Natürlich find Sie im Recht. Wenn ich Den Angehörigen das bei Gelegenheit zergliedere, nehmen sie schon Vernunft an. Man muß nur Den richtigen Ton treffen."
„Dieser verdammte Dialekt hier! Den lerne ich meiner Lebtage nicht", seufzte Dr. Wenz.
„Gibt sich alles mit der Zeit. Nur Die Flinte nicht ins Korn werfen.?
„Ich kann Den Leuten hier nichts recht machen, ich zähle nicht, ich habe feine Autorität; es ist zum Kinderkriegen."
„Wollen wir einen kurzen Spaziergang machen? Die Sorgen auslüften? Zur Burg oder auf Den Galgenberg?"
„Gerne, Fräulein Nikotine. Mit Ihnen gehe ich immer gern. Ich will mich nur rasch mal umziehen."
„Wozu? Mr sind Sie schon genug. Wird Ihnen das ewige Umkleiden nicht übel? Sie machen Die Leute bloß scheu mit so viel Vornehmheit. In Der Stadt, ja. Aber auf Dem Land wissen sie mit Bügelfalten nichts anzufangen."
„Wie Sie meinen, Fräulein Nikotine."
Auch mit Dr. Weng sind in diesen vierzehn Tagen schon etliche Umstellungen geschehen. Er fft gar nicht mehr überheblich, er läßt sich Ratschläge von Fräulein Ferber erteilen, und er hat feine despektierlichen Ansichten über Die Bauern-Doktorei revidiert. Sie schlendern zum Schloß, von dem aus man eine so hübsche Aussicht auf Das Städtchen und die Umgebung hat. Im Burggraben plagen sich zwei Männer mit dem Ausroden von Baumstümpfen, Der Konsul und fein Adlatus Beinhölzl. Denn der Konsul braucht Holz, und außerdem will er Maulbeerbäume an pflanzen für eine geplante Seidenraupenzucht, worüber die Eschelbrunner mitleidig Den Kopf schütteln. Herr von Depenau trägt ein gewagtes Kostüm, nämlich Reitstiefel, weiße Leinenhose und einen Tropenhelm wegen Der heißen Sonne. Er ist mit viel Eifer und schwitzend dabei, einer widerspenstigen Baumwurzel Den Garaus zu machen.
„Doller Auszug", lacht Wenz.
„Scht, leiser", sagt Mkoline. Aber der Konsul muß es gehört haben, schaut her und verschwindet mit seiner Axt hinter einem Gebüsch. „Da nun haben Sie ihn vergrämt", flüstert Nikoline zornig. „Ihr von da droben seid aoer auch immer so laut und ungeniert. Man mag das nicht im Süden."
„Pardon, Fräulein Nikoline". erwidert er klein
laut. Nach einer Pause fährt er fort: „Sie sind die seltsamste Frau, Die mir untergekommen ist. Sie hocken lauter gute Eigenschaften. Ich verstehe nur eines nicht; warum Sie noch nicht längst verheiratet sind. Die Männer um Sie müssen ja alle blind gewesen sein, ja, tatsächlich."
Nikoline lacht belustigt und müßte keine Frau fein, wenn ihr diese spontane Huldigung nicht gefiele. „Jetzt schwindeln Sie aber, Herr Wenz. Jetzt Übertreiben Sie."
„Nein, bestimmt nicht; großes Ehrenwort, Niko- linchen. Sehe ich wie ein Schwindler aus? Dreist und gottesfürchtig legt er die Hand um chre Hüfte und will sie küssen. Aber Mkoline dreht rasch den Kopf weg und so landet Der Kuß in ihren Haaren.
„<Äe haben ja ein fabelhaftes Tempo, Herr Wenz. Aber ich will das nicht. Wir verstehen uns?"
Er fft verlegen und sieht vor sich hin.
„Nicht gekränkte Leberwurst spielen.^ Das steht Ihnen gar nicht und macht Sie noch jünger, Doktor. Man kann doch auch so Kameradschaft halten. Helfen Sie mir lieber, München suchen, es muß in der Richtung über diesen Föhrenwald liegen."
Was schiert mich München, denkt Der junge Dr. Wenz mißlaunig. Einmal, wenn Du Denkst, Die Rechte aufgegabelt zu haben, Dann ist es Essig unD du blitzt ab. In diesem Eschelbrunn läuft mir schon alles verquer.
„Denken Sie, Herr Wenz, heute ist eine Ansichtskarte aus Garmisch gekommen. Er hat jetzt etwas Aussicht. Wie ist es denn um diese Münchner Praxen bestellt?"
„Gott, jede fft anders. Da läßt sich fein Schema aufstellen. Ich für meine Person will froh fein, wenn ich wieder in meiner Klinik sitze. Da hat man Dienst oder man hat keinen Dienst. Aber hier hat man überhaupt nicht frei. Ist es nicht so? Entweder ist etwas los, oder man wartet darauf, daß etwas los ist."
„Immer noch eingeschnappt?"
„Ihnen kann man nicht böse sein, Fräulein Nikoline. So wie sie male ich mir manchmal meine zukünftige Frau."
Die drei Eschelbrunner Abgesandten halten im Münchner Hauptbahnhof Kriegsrat. Weinzierl schlägt vor, einen Rechtsanwalt zu kosultieren. Wegen der rechtlichen Seite. Schon, kann man tun. Was liegt gn den paar Mark. Hat der Teufel den Bock geholt, kann er Die Geiß auch holen. Also auf in Den Kampf, Torero! Um den Bahnhof gibt's ja genug Emailleschilder. Der Bürgermeister macht Den Sprecher und setzt dem bebrillten Jurfften den Vorgang auseinander. Er vergißt nicht, zu betonen, daß Eschelbrunn das größte Interesse an
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In Tokio wurde Der BescPuß Der japanischen Regierung bekanntgegeben, die Pen-Währung von der Sterling-Währung loszu- losen, um das Arbeiten japanischer Kapitalien im Auslande zu erleichtern. Der Wechselkurs Des Pen zum Dollar wurde mit 237Ae Dollar — 100 Yen festgesetzt. ,
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Kleine politische Nachrichten.
Am 25. Oktober 1939 eröffnete die Reichsbahn auf der Strecke Ka tt o w itz — W ar s ch au und zurück den öffentlichen Reisezugverkehr. Hierfür sind zunächst für beide Richtungen je ein V-Zug und je ein durchgehender Personenzug vorgesehen. Die V-Züge halten in Zabkowice, Tschenstochau, Ra« domsko, Petrikau, Koluszki und Skiemiewice. In Ko- luszki haben alle Züge sofort Anschluß nach und von Lodz. Die V-Züge verlassen Kattowitz und War- schau-West in den Morgenstunden und treffen in Warschau-West und Kattowitz in den frühen Nach- mittagstuNden ein. Die durchgehenden Personenzüge fahren in Kattowitz und Warschau-West um die Mittagszeit ab und treffen in Warschau-West und Kattowitz in den Wendstunden ein.
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Der Führer empfing in der Neuen Reichskanzlei den von seinem Berliner Posten abberufenen kaiserlich-japanischen Botschafter General Oshima zur Verabschiedung. Der Boffchaster gab hierbei im Auftrage seiner Regierung der festen Ueberzeugung von der unveränderten Fortdauer der deutsch-japanischen Freund- schäft Ausdruck und überreichte Dem Führer vier wertvolle Werke moderner japanischer Kunst, Die der japanische Großindustrielle Fujiwara Dem Führer als Zeichen seiner Hochschätzung übersandt hat.
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der Wiedererlangung des Bildes habe. Kein Mensch könne ihnen billigerweise zumuten, Die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Man erbitte Ratschläge. Ja, es stimme, daß Die Stadt das ,Mösterl mit Dem ganzen Krempel von Einrichtungsgegenständen vor sechs Jahren verkauft habe, aber ein Inventarverzeichnis fei leider nicht mehr aufzufinden, und Das mit Dem Lukas Cranach fei eben Mißgeschick. Ihrer Auffassung nach müsse Der jetzige Besitzer das Bild wieder zurückgeben. Was er meine?
„Soviel ich jetzt sehe, liegt Der Fall reichlich verzwickt, meine Herren. Verzwickt, aber nicht hoffnungslos. So im Handumdrehen fft Die Rechtslage nicht zu entscheiden. Alles kommt auf Die Umstände an, unter denen damals der Besitzwechsel vor sich gegangen ist. Ich würde es bei Herrn Leinfelder zuerst in Güte versuchen, wenn er Sperenzchen macht, rate ich Ihnen zu einer Klage."
Prozessieren also.
Die drei gehen unbefriedigt von dannen. Was der da Droben verzapft hat, wissen sie ohnehin. Schabe um Das Honorar. Also auf zu Leinfelder, Der in Der Luisenstraße wohnt. Sie werben von einer wasserstoffblonden Dame in ein Wartzimmer komplimentiert, vertrödeln endlose Zeit auf Stahlmöbeln unb werden schließlich voraelassen. Die beiden anderen schicken Stadtrat Weinzierl wegen seines bestechenden Redevermogens vor, der sich, den Rübezahlbart streichend, seines Auftrags entledigt.
Die Antwort ist niederschmetternd.
„Das Bild herausgeben? Sonderbare Zumutung. Wie komme ick dazu? Belieben Sie die Quittung einzusehen, meine Herren. Das Bild ist ordnungsgemäß erworben. Nein, nein, kommt gar nicht in Frage, meine Herren", knurrt der Architekt.
„3a, sehen Sie, Herr Leinfelder", unternimmt Weinzierl einen neuen Angriff, „die Geschichte ist halt so. Die Bevölkerung ist aufgebracht, und man hat uns hergeschickt und alles hofft, baß Sie bar Geschäft rückgängig machen. Schließlich ist es doch kein x-beliebiges Gemälde »unbekannter Meistes, wie in ihrer Quittung steht, sondern es handelt sich um ein Stück von seltenem Wert. Das wissen Sie ia selbst am besten. Auch bie Zeitungen sind voll davon, unb wir kommen schlecht weg in ihrer Kruitik. Wir sind ermächtigt. Ihnen die verausgabten 1500 Mark wiederzuerstatten. Es war eine Heidenarbeit, das viele Geld zu beschaffen, das dürfen Sie uns glauben. Wir müssen das Bild wiederhaben, sonst sind wir für alle Zeiten lächerlich vor dem ganzen Bezirk. Wir appellieren an Ihr Einsehen, Herr Leinfelder, an Ihre Noblesse.
(Fortsetzung folgt)
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einem Schrebergarten, Den Mantel auszuzieyen. Der Junge zog den Mantel aus und hängte ihn über eine Hecke. Als Bock danach griff, kam es zu einer Balgerei, in Deren Verlauf Bock dem Jun- geren einen Kinnhaken gab, den Mantel an sich nahm unb bavonlief. Er geriet Dabei in eine Sackgasse und mußte umkehren. Dabei kam ihm nun ber Gedanke, der Junge müsse mundtot gemacht werden, damit dieser ihn nicht anzeigen könne. Als er wieder bei dem noch stark benommenen Knaben angelangt war, riß Bock eine schwere Zaun- latte los und schlug auf Den am Boden Liegenden mit voller Wucht ein, bis er Den Knaben tot glaubte. Dann entwendete er ihm noch Hose, Hut und Hand- schuhe, begab sich zum Koln-Deutzer Bahnhof, fuhr nach Koblenz unb langte später nach Wittlich (Eifel). Dort reinigte er feinen Anzug vom Blut unb versuchte bie Grenze zu erreichen, kehrte aber wieder nach Wittlich zurück und stellte sich hier Der Polizei. Der Staatsanwalt beantragte gegen Den jugendlichen Verbrecher wegen schweren Raubes mit Totschlag lebenslängliches Zuchthaus. Das Urteil lautete auf 15 Jahre Zuchthaus unb Stellung unter Polizeiaufsicht. Die Strafmilberung sei in ber Jugenb bes Angeklagten begrünbet.
Die Rubensfelern 1940.
Die Stadt Antwerpen setzt ihre Dordereittm- gen zu den Feierlichkeiten fort, Die 1940 anläßlich des 300. Todestages des großen flämischen Malers Rubens stattfinden sollen. Das Rubenslnius In Antwerpen wird auf Grund aller Pläne wieder in Den Zustand versetzt, in dem es sich befunden hat, als es noch von dem großen Maler bewohnt wurde, eine Arbeit, Die einen großen Aufwand verursacht, da das Haus von den späteren Besitzern umgebaut und bis zur Unkenntlichkeit verändert wurde. König Leopold hat für die Feierlichkeiten, die zur Erinnerung an Rubens 1940 ftattfinden werden, das Patronat übernommen.


