Ausgabe 
25.3.1939
 
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Nr. 7 2 Erstes Matt

189. Jahrgang

§amstag, 25./$onntog,26. März 1939

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Frankreich schreit nach Flugzeugen

Don unserem E. J.-Korrespondenien.

Burgos dementiert ttebergabeverhandlungen

London über den Mßerfolg der Einkreisnngshetze enttäuscht

Polen und

delsmission sollte der rumänischen Regierung so günstige Bedingungen anbieten, daß diese den deutsch-rumänischen Vertrag, durch den Rumänien zum wirtschaftlichenVasall Hitlers" werde, nicht ratifiziere.

zögerung der Besprechungen offen aus. So meint derDaily Telegraph", jeder verlorene Tag werde von Deutschland dazu ausgenutzt, dennächsten Schlag" vorzubereiten. Es würde in der Tat be­klagenswert sein, wenn in diesen Tagen sogar in der britischen Regierung Uneinigkeit herrsche. Heute lägen die Grenzen der englischen Sicherheit weit jenseits des Rheins.News Chro- nicle" erklärt, nur ein Versprechen sofortigen Bei­standes könne jetzt noch nützen. Die Erklärung Chamberlains, daß England keinen oppositionellen Block in Europa errichten wolle, müsse bei Hitler den Eindruck Hervorrufen, daß Chamberlain schwach werde und wieder einmal in seineBefriedung" zurückfalle. Dieser Eindruck sollte sofort richtig ge­stellt werden.Daily Herold" schreibt, der Schaden, der dem britischen Prestige zugefügt worden sei, spiegele sich in dem Mangel an Vertrauen wider, das die kleinen Mächte zu irgendeinem bri­tischen Schritt zur Zusammenarbeit gegen weitere Aggressionen hätte. Dieser Mangel an Vertrauen sei deutlich in dem Beschluß ^Rumäniens, mit Deutschland ein Handelsabkommen zu schließen, zum Ausdruck gekommen. Die Londoner Morgen­blätter bemühen sich, den Wert des deutsch-rumäni­schen Handelsvertrages für Deutschland herabzumin­dern, sie sagen, daß Deutschland gar nicht so viel bekommen habe, wie es zunächst geschienen hätte. Sie sind gleichzeitig bestrebt, die britische Handelsmission nach Bukarest vorzu­bereiten.News Chronicle" meint, die britische Hon-

Burgos, 25. März. (DNB.) Der amtliche Pressedienst sah sich am Freitagmittag genötigt, die vielen, aus ausländischer Quelle stammenden Ge­rüchte zu widerlegen, nach denen angeblich sowjet- spanische Unterhändler nach Burgos gekomm7n seien, um über die Uebergabe Madrids zu verhan­deln. Ebenso seien alle anderen Gerüchte, die von neuen Abkommen sprächen, reine Phantasie. Der Madrider sogenannteVerteidigungsrat" sei ohne­hin nicht in der Lage, für das ganze Restspanien zu sprechen. Selbst bei einer Bereitschaft diesesVer­teidigungsrates" zur Uebergabe Madrids dürften andere Gruppen und Grüppchen Widerstand leisten. Schon aus diesem Grunde könne nur eine mili­tärische Besetzung in Frage kommen. Schließ­lich ließen zuverlässige Berichte aus dem noch von den Roten terrorisierten Gebiet deutlich den Wunsch der Bevölkerung erkennen, daß endlich die natto-- nalen Truppen einmarschierten. Diese Stimmung habe gerade durch die Gerüchte über Uebergabeverhandlungen einen neuen Auftrieb er­fahren. In zahlreichen Kundgebungen, die immer wieder von den Roten brutal auseinandergetrieben worden seien, sei die Hoffnung auf eine baldige Be­friedung und auf die endliche Rückkehr' normaler Verhältnisse geäußert worden.

Nach einem Bericht des Sonderberichterstatters des Depeschenbüros Europapreß aus Bur­gos sind dem- Madrider Verteidigungsausschuß in den Uebergabeverhandlungen, die bereits am Don­nerstagabend in Burgos geführt wurden, von natio­nalspanischer Seite folgende Bedingungen zur Wasfenstreckung gestellt worden: Das gesamte Flug­material, Waffen und Munition sind frontabschnitts­weise den Nationalspaniern auszuliefern. Die sowjet­spanischen Truppen kommen zunächst alle in ein Konzentrationslager. Die Besetzung des sowjet- spanischen Gebietes durch die nationalspanischen Truppen erfolgt abschnittsweise, und zwar in An­lehnung an den für die geplante Offensive fest­gelegten Operationsplan. In den Verhandlungen mit den Parlamentären des Madrider Verteidi­gungsausschusses wurden diesen die Bedingungen

ziersnachwuchs in Salon-de,Provence, Versailles und Avord ist eine vierte Schule in Romilly-sur- Seine gekommen. Die Unteroffizierspiloten werden auf fünf zivilen Pilotenschulen, über die die Militär­behörde ein gewisses Aufsichtsrecht ausübt, ausge­bildet. Sie erhalten nach dem Verlassen dieser Schu­len ihren letzten Schliff aus der Militärschule der bekannten großen Lustfahrtbasis in Süd frankreich, Jstres. Besonders empfindlich machte sich bisher der Mangel an Mechanikern und Spezia­listen innerhalb der französischen Luftwaffe be­merkbar. Die Zahl der für die Mechaniker und Spe­zialisten bestimmten Schulen ist im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt worden und soll in Kürze bereits verdreifacht sein. Da die bisher bestehenden Schulen gleichzeitig einen Ausbau erfuhren, hat sich die Zahl der jährlich ausgebildeten Mechaniker ver­dreifacht, die der Spezialisten sogar verfünffacht.

Alle diese Maßnahmen zielen nicht nur darauf ab, eine leistungsfähige französische Luftwaffe zu schaffen, sondern man sucht auch die notwendigen Reserven auszubilden, auf denen nicht unwesent­lich die Kampfkraft einer jeden Luftwaffe im Ernst­fälle beruht. Mit der Schulung der Reserveoffiziere scheint es aber noch sehr im argen zu liegen. Jeden­falls wird über unzureichende Ausbildung der Re- serveofsiziere in den Fachblättern gegenwärtig noch lebhafte Klage geführt.

Oie englische presse stellt fest, daß keinerlei Fortschritte erzielt worden sind Gowjei-Rußland weigern sich, zu unterschreiben.

Holland Winkt ab.

A m st e r d a m, 25. März. (Europapreß.) Die englisch-französischen Allianzpläne gegen Deutsch­land und das angebliche Uebereinkommen dieser beiden Länder, die Grenze der Nieder­lande zu verteidigen, werden in holländischen Re- gierungskreisen als einseitige englisch­französische Interessen abgetan. DerTe- legraaf" schreibt, welche Beschlüsse England und Frankreich in bezug auf Holland auch fassen wür­den, Holland werde sich nie daran be­teiligen. Die Regierung werde auf die Garantie- Absprachen zwischen England und Frankreich nicht antworten und wünsche auch in keinerlei Ver­pflichtungen einbezogen zu werden. DerNieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt, daß Deutschland die erste Runde glänzend gewonnen habe. Gegen­über dem, was Deutschland geglückt sei, könnten die Engländer kaum Erfolge aufweisen. Die Engländer hätten in ihrer Wut Pläne bekanntgegeben, die noch gar nicht die Zustimmung der Mächte gehabt hätten, aus der angekündigten Erklärung sei bis h e ji t c noch nichts geworden und es werde auch nichts daraus, solange die Interessen der Par- feien nicht in Einklang gebracht werden könnten.

London, 25. März. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenpresse muß zugeben, daß sich die britische Regierung mit ihren Bemühungen um die Errichtung einerAnti-Aggression-Front" völlig fe st gefahren hat. Es scheint, daß vorläufig mit einer Regierungserklärung nicht zu rechnen ist und daß man zunächst die Rückkehr des britischen Mi­nisters für Außenhandel, Hudson, der offenbar neben seiner Handelsmission auch die Aufgabe hatte, in Moskau politische Fühler auszustrecken, sowie den Besuch des polnischen Außenministers B e ck in der ersten Aprilwoche in London abwarten will. Die Times stellt fest, daß in den englisch-fran­zösischen Besprechungen keinneuesAbko m- m e n getroffen worden sei, daß aber in den Be­ziehungen zwischen den beiden Ländern, die sich zur gegenseitigen Verteidigung verpflichtet hätten, ver­schiedene wichtige Punkte neu präzisiert worden seien. Eine gewisse Enttäuschung sei entstanden, weil in der Frage der beabsichtigten Viermächtebespre­chung zwischen England, Frankreich, Rußland und Polen nicht mehr Fortschritte erzielt worden seien. Daily Herald erklärt, daß P o l.e n sich weiterhin bis zum äußer st en weigere, sich einer Anti-- Aggressions-Erklärung anzuschließen und Ruß­land scheine sich zu weigern, ohne Polen zu unter­schreiben. Der Plan hänge also noch immer in der Luit.

Mehrere Morgenblätter, die die britischen Ein-

für die Waffenstreckung durch Oberst Gonzalo vom Großen Generalstab und dem Leiter des Sicherheitsdienstes, Oberst U n g r i a , vorgelegt. Den Sowjetspaniern war nur gestattet, Fragen technischer Natur zu stellen. Als letzter Zeitpunkt für die Antwort des Madrider Verteidigungsaus­schusses auf die nationalspanischen Uebergabebedin- gungen wurde der Freitagabend bestimmt.

Petain überreicht sein Beglaubigungsschreiben.

Burgos, 24. März. (Europapreß.) Nach acht­tägigem Warten konnte der neue französische Bot­schafter in Burgos, Marschall Petain, am Frei­tagvormittag dem nationalspanischen Staatsches, Generalissimus Franco, sein Beglaubigungsschrei­ben überreichen. Das bei der Ueberreichung streng gewahrte übliche Zeremoniell stand im Gegensatz zu der völligen Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung. Der Wagen des Botschafters, der mit den Herren feiner Botschaft und zahlreichen Begleitern feierlich eingeholt wurde, fuhr durch menschenleere Straßen an geschossenen und verhängten Fenstern vorbei. Niemand zeigte sich auf den Balkonen. Strenge Ab- sperrmaßnahmen der Polizei hatten die Anfahrt­straßen des Botschafters von jedem Verkehr isoliert.

In seiner Ansprache bei der Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens drückte Botschafter Petain seine Genugtuung darüber aus, mit dem alten Waf­fenkameraden wieder Fühlung nehmen zu können. Staatschef Franco begrüßte in feiner Antwort in Marschall Petaill als neuen Botschafter Frankreichs vor allem den tapferen Soldaten, der am besten die Gefühle des neuen Spanien verstehen müsse. In den Kommentaren der nationalspanischen Presse spiegelt sich unverkennbar die Enttäuschung über das fran­zösische Verhalten hinsichtlich der Zurückhaltung der ehemals rotspanischen Kriegsschiffe in Biserta, der Behandlung der spanischen Flüchtlinge und der Stimmungsmache eines Telles der französischen Presse wider.

bekannt gewordenen Verlautbarungen scheint es den französischen Ingenieuren noch nicht gelungen zu sein, einen eigenen französischen Motor herauszu­bringen, den man in die Weltspitzenklasse einreihen könnte.

In der Anfangszeit der Ministertätigteit Guy la Chambres hat man zunächst sehr stark das Augen­merk auf die reine Materialfrage gerichtet. Nach den ersten Erfolgen in der Herstellung neuen Materials wendet man sich nunmehr stärker der Menschenfrage zu. In Frankreich, wo es nicht wie in Deutschland und anderen Ländern eine von breiten Schichten der Bevölkerung getragene Volks­fliegerei gibt, die den Nachwuchs liefert, fehlen heute Piloten. Zu diesem Mangel trügt nicht unwesentlich der Umstand bei, daß 200 Flugstunden, d. h. ein Ausbildungsjahr, nicht mehr genügen, um einen Militärpiloten zu erhalten. Die ausreichende Ausbildung der Kriegspiloten erfordere, fo ver­sichert man in Frankreich, eine Verdoppelung oder sogar Verdreifachung der Ausbildungszeit. Die fran­zösischen Luftfahrtschulen sind Deshalb im vergange­nen Jahre wesentlich erweitert bzw. neue Schulen eingerichtet worden. Zu den Schulen für den Offi-

GwßdeuWand lind die Wirtschaft des Ostens

Ebenso wie die Rückführung des böhmisch-mäh­rischen Raumes in den Schutz des Reiches ist die Wiedervereinigung des Memellandes mit dem Reich eine Wiedergutmachung des seit den Tagen von Versailles an dem deutschen Volk begangenen Un­rechts, die der genialen Staatskunst des Führers auf dem Weae friedlicher und freiwilliger Vereinbarun­gen zwischen den direkt betroffenen Völkern ohne einen Schwertstreich gelungen ist, weil er sich auf ein dank der Erziehungsarbeit des Nationalsozialismus wieder seiner inneren Kraft bewußtes Volk und eine vom Willen dieses Volkes getragene und er­füllte deutsche Wehrmacht stützen konnte. Daß mit diesen weiteren Schritten zu einer auf den natür­lichen Gegebenheiten sich gründenden Neuordnung des europäischen Festlandes auch wirtschafts­politisch ein Zustand wiederhergestellt wird, der nach der kurzsichtigen und willkürlichen Zerreißung organischer Zusammenhänge nun endlich wieder nicht nur den dem Reich ein gegliederten Gebieten, sondern auch seinen Anrainern die Vorteile eines großen geschlossenen Wirtschaftsraums, wie ihn Großdeutschland darstellt, zuteil werden läßt, das wird schon die nächste Zukunft überzeugend lehren. Am schnellsten wird dies zweifellos das Memel­land spüren. Mit ihm wird ein vorwiegend land­wirtschaftlich orientiertes Gebiet dem Reich zurück- gegeben. Wie sehr die Landwirtschaft die tragende Grundlage des Memellandes ist, zeigt, daß von den annähernd 150 000 Einwohnern etwa 3roci Drittel direkt oder indirekt in der Landwirtschaft beschäf­tigt sind und von den 2657 Quadratkilometern des Gebietes fast die Hälfte Acker- und ©artenlanb sind. Der bäuerliche Betrieb wiegt vor, denn 39 v. H. aller Betriebe waren 5 bis 20 Hektar groß und 41 v. H. umfaßten 20 bis 100 Hektar. Die Landwirtschaft des Memellandes war der Litauens an Intensität und Leistung weit überlegen. So z. B. wurden im Jahre 1935 im Memelland je Quadratkilometer 1540 Dop­pelzentner Hafer geerntet, in Litauen nur 1170, und der Milchertrag betrug im Memelland 3406 Kilogramm je Kuh, in Litauen aber 1000 Kilo­gramm weniger, schließlich verbrauchte der Bauer des Memellandes 76,7 Doppelzentner Kunstdünger auf dem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, der litauische Bauer indessen nur 29,6 Doppelzentner. Diese wenigen Zahlen zeigen zur Genüge Die kul­turelle Ueberlegenheit des memettändischen Bauern, aber auch die wirtschaftlichen Gefahren, die für ihn die Verkoppelung mit dem ebenso rückständigen wie anspruchslosen litauischen Bauerntum bedeuteten. Für die hochwertigen Erzeugnisse der memelländi- schen Landwirtschaft fand sich bei den billigen Prei­sen der litauischen Bauern und der Bedürfnislosig­keit der vorwiegend agrarischen Bevölkerung Li­tauens kein Absatz. Litauen ist ja selbst landwirt­schaftliches Ueberschußgebiet und Exportland. So kam der Memelbauer um den Lohn seiner Arbeit und spürte bald die Unmöglichkeit, seinen Betrieb gesund zu erhalten. Die bitterste Not linderte frei­lich der deutsch-litauische Handelsvertrag, der vor­wiegend landwirtschaftlichen Erzeugnissen des Me- mellanües den Weg ins Reich freigab, aber immer wieder wandte sich der Blick des Memelbauern über die künstliche Grenze, nach deren Beseitigung nun auch er an den Segnungen der Neuordnung deut­schen Bauerntums teilhaben wird.

Neben der hochentwickelten Landwirtschaft spielt die I n d u st r i e des Memellandes eine geringere Rotte. Der waldreichen Natur des Hinterlandes ent­sprechend steht die Holz- und Papierindustrie mit einer großen, einem deutschen Konzern angeschlosse-

u-,______kreisungsbernühungen besonders lebhaft begrüßt

5 rllen die M o t o r e n f r a g e. Nach allen bisher i hatten, sprechen heute ihre Besorgnis über die Der:

Paris, März 1939.

Flugzeuge, Flugzeuge" ist die Forderung, die seit 'der September-Krise täglich erneut in den Kreisen der Abgeordneten und Senatoren, ebenso wie von iöen Vertretern der französischen Wirtschaft und 'Presse erhoben wird. In der letzten Zeit haben im iKriegsminifterium unter dem Vorsitz des Minister- I Präsidenten Daladier mehrere Besprechungen | stattgefunden, an denen auch der Luftfahrtminister 'Paul Reynaud und der Arbeitsminister P o - «märet teilgenommen haben. In ihnen wurde eine sorgfältige Bilanz des ersten Jahres der Daladier- sichen Luftaufrüstung gezogen und im einzelnen die ^Pläne zur weiteren Steigerung der französischen tßuftaufrüftung ausgearbeitet. Seit der September- Mrise sind die Produktionszahlen der französischen Mugzeugfabriken zwar gestiegen, aber die Produk- ittionsziffern, die bei der Aufstellung des neuen auf fzwei Jahre bemessenen Luftrüstungsplanes im April Les vergangenen Jahres festgesetzt wurden, sind Luch heute noch nicht erreicht. Zwar sollen Lie in den Vereinigten Staaten vor wenigen Wo­chen bestellten 615 Jagd- und Bombenmaschinen einen gewissen Ausgleich schaffen, doch vermögen ssie nicht das entstandene Loch zu stopfen.

Aber nicht nur mengenmäßig, sondern auch ' qualitätsmäßig bemüht man sich in Frank­reich gegenwärtig, den Rückstand, in dem sich die eigenen Luftrüstungen seit der Amtstätigkeit des Wolksfront-Luftfahrtministers Pierre Cot befin- Dcn, rasch aufzuholen. Pierre Cot gilt heute nach Ansicht der französischen Sachverständigen als der­jenige, der schuld daran ist, daß die französische Rriegsluftfahrt heute der Luftfahrt Deutschlands, Italiens, Japans, Englands, der Vereinigten Staa­ten und Sowjetrußlands bei weitem nachhinkt. Als Mierre Cot als Luftfahrtminister in das erste Ka- minett Blum einzog, übernahm er ein Produktions­programm, das von feinem Amtsoorgänger, dem General Denain, ausgestellt worden war. Dieses Produktionsprogramm sah im wesentlichen die Her­stellung eines Mehrzweckflugzeuges vor, <as als Jagd-, Bomben- und Aufklärungsmaschine »jenen sollte. Bald aber stellte sich heraus, daß diese Neukonstruktion mit ihrem Dielartigen Verwen- ungszweck jeder Maschine, die entweder nur der Üuftlärung, der Bombardierung oder dem Angriff iiente, jeweils in diesem Aufgabenbereich unter­legen war. Trotz der Hinweise des Generalstabes, I » es sich bei dieser Maschine um eine Fehlkonstruk- ion handele, hielt Cot hartnäckig an ihr fest und ef3 weiterhin mehrere Hundert von diesen Maschi- en Herstellen. Zugleich gingen während seiner Mi- j iistertätigkeit die Produktionszisfern der französi- chen Luftfahrtindustrie erheblich zurück.

Bei der Uebemahme des Catchen Erbes mußte xr neue Luftfahrtminister Guy l a Chambre mf drei Punkte vor allem seine Aufmerksamkeit jchten: Verbesserung der Qualität des Flugzeug- Materials, Steigerung der Produktionsziffern der -anzösifchen Flugzeugindustrie, rasche Heranbildung mes starken Fliegernachwuchses. Was die Frage . Lr Qualität d e s Materials betrifft, so j Heinen hier die erzielten Ergebnisse dank dem Er- mhrungsaustausch zwischen dem englischen und dem ; anzösischen Generalstab, in einer gewissen Weise über auch zwischen den Generalstäben von Frank- TÜd) einerseits und der Vereinigten Staaten wie wowjetrußlands auf der anderen Seite, die größten I ,ii sein. Die neue Dewoitine-Jagdma- I itchine D 520, die im Januar erstmalig vorge- I.ihrt wurde, erreichte eine Stundengeschwindigkeit ion 520 Kilometer. Durch gewisse Veränderungen I hr Form des Apparates soll diese Stundengeschwin- I hgfeit nunmehr auf.560 Kilometer erhöht worden j s'in. Die neue D 520 zeichnet sich auch dadurch aus, laß sich die Zahl der zur Serienherstellung dieser ; Maschine benötigten Arbeitsstunden verringert hat. i Cie braucht zu ihrer Fertigstellung 6000 Arbeits­stunden.

Wann wird nun Frankreich in der Lage sein, eile seine Neukonstruktionen in großen Men - pt n herzuftellen? Don dem Luftfahrtminister Guy il li Chambre und französischen Militärkreisen wird crrsichert, daß die französischen Flugzeugfabriken vwm Juni dieses Jahres ab die Produk- icmsziffer von 300 Flugzeugen monatlich erreichen mürben. Es besteht allerdings eine gewisse Wahr­

1 scueinlichkeit dafür, daß diese Ziffer in Wirklichkeit niebriger liegen dürfte. Doch erscheint es gewiß, d. die Milliardenbeträge, die feit dem April des umgangenen Jahres von Guy la Chambre zur Schaffung einer leistungsfähigen Flugzeugindustrie abgegeben worden sind (normaler Haushalt des Llftfahrtministeriums im Jahre 1938: 7 027 157 491 ftranfen; im Jahre 1939: 11 531 586 429 Franken: \ 1.30 insgesamt rund 18V2 Milliarden Franken inner­halb von zwei Jahren) endlich ihren sichtbaren Nie- ; d^schlag finden. Ein gewisser Erfolg läßt sich ohne greife! feststellen und wird auch für die Zukunft icht ausbleiben. Während vom 1,Januar 1938 bis |iim 30. November 1938 in den ftanzösischen Flug- jcagfabriEen insgesamt nur 53 Maschinen hergestellt mrben, steigerte sich deren Zahl im Monat Dezem­st kr auf 73 und im Januar auf 94.

Inzwischen gehen aber die Maßnahmen zur Stei- |r:ung der Leistungsfähigkeit der französischen Flug- ! i&igprDbuftion dauernd weiter. Allein im ersten kftre der Ministertätigkeit von Guy la Chambre o.iirde die Ausstattung der Flugzeugfabriken um ICO v. H., die Zahl der Fabriken um 30 v. H. und lii Facharbeiterschaft ebenfalls um 30 v. H. ver- «rchrt. Noch größere Sorge bereitet den zuständigen