Nr. 7 2 Erstes Matt
189. Jahrgang
§amstag, 25./$onntog,26. März 1939
Erichemi tSgllch, sicher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gieyener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle
Monatr-Vezngrpreir:
Mil 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr - -.25 TIuch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
Krantfurl am Main 11686
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrühlsche Universitätrdruckerei R. Lange in Sieben. 8christleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg.25"/<, mehr.
Ermäßigte Grunvpreife:
Strtten-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6 Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Frankreich schreit nach Flugzeugen
Don unserem E. J.-Korrespondenien.
Burgos dementiert ttebergabeverhandlungen
London über den Mßerfolg der Einkreisnngshetze enttäuscht
Polen und
delsmission sollte der rumänischen Regierung so günstige Bedingungen anbieten, daß diese den deutsch-rumänischen Vertrag, durch den Rumänien zum wirtschaftlichen „Vasall Hitlers" werde, nicht ratifiziere.
zögerung der Besprechungen offen aus. So meint der „Daily Telegraph", jeder verlorene Tag werde von Deutschland dazu ausgenutzt, den „nächsten Schlag" vorzubereiten. Es würde in der Tat beklagenswert sein, wenn in diesen Tagen sogar in der britischen Regierung Uneinigkeit herrsche. Heute lägen die Grenzen der englischen Sicherheit weit jenseits des Rheins. „News Chro- nicle" erklärt, nur ein Versprechen sofortigen Beistandes könne jetzt noch nützen. Die Erklärung Chamberlains, daß England keinen oppositionellen Block in Europa errichten wolle, müsse bei Hitler den Eindruck Hervorrufen, daß Chamberlain schwach werde und wieder einmal in seine „Befriedung" zurückfalle. Dieser Eindruck sollte sofort richtig gestellt werden. „Daily Herold" schreibt, der Schaden, der dem britischen Prestige zugefügt worden sei, spiegele sich in dem Mangel an Vertrauen wider, das die kleinen Mächte zu irgendeinem britischen Schritt zur Zusammenarbeit gegen weitere Aggressionen hätte. Dieser Mangel an Vertrauen sei deutlich in dem Beschluß ^Rumäniens, mit Deutschland ein Handelsabkommen zu schließen, zum Ausdruck gekommen. Die Londoner Morgenblätter bemühen sich, den Wert des deutsch-rumänischen Handelsvertrages für Deutschland herabzumindern, sie sagen, daß Deutschland gar nicht so viel bekommen habe, wie es zunächst geschienen hätte. Sie sind gleichzeitig bestrebt, die britische Handelsmission nach Bukarest vorzubereiten. „News Chronicle" meint, die britische Hon-
Burgos, 25. März. (DNB.) Der amtliche Pressedienst sah sich am Freitagmittag genötigt, die vielen, aus ausländischer Quelle stammenden Gerüchte zu widerlegen, nach denen angeblich sowjet- spanische Unterhändler nach Burgos gekomm7n seien, um über die Uebergabe Madrids zu verhandeln. Ebenso seien alle anderen Gerüchte, die von neuen Abkommen sprächen, reine Phantasie. Der Madrider sogenannte „Verteidigungsrat" sei ohnehin nicht in der Lage, für das ganze Restspanien zu sprechen. Selbst bei einer Bereitschaft dieses „Verteidigungsrates" zur Uebergabe Madrids dürften andere Gruppen und Grüppchen Widerstand leisten. Schon aus diesem Grunde könne nur eine militärische Besetzung in Frage kommen. Schließlich ließen zuverlässige Berichte aus dem noch von den Roten terrorisierten Gebiet deutlich den Wunsch der Bevölkerung erkennen, daß endlich die natto-- nalen Truppen einmarschierten. Diese Stimmung habe gerade durch die Gerüchte über Uebergabeverhandlungen einen neuen Auftrieb erfahren. In zahlreichen Kundgebungen, die immer wieder von den Roten brutal auseinandergetrieben worden seien, sei die Hoffnung auf eine baldige Befriedung und auf die endliche Rückkehr' normaler Verhältnisse geäußert worden.
Nach einem Bericht des Sonderberichterstatters des Depeschenbüros Europapreß aus Burgos sind dem- Madrider Verteidigungsausschuß in den Uebergabeverhandlungen, die bereits am Donnerstagabend in Burgos geführt wurden, von nationalspanischer Seite folgende Bedingungen zur Wasfenstreckung gestellt worden: Das gesamte Flugmaterial, Waffen und Munition sind frontabschnittsweise den Nationalspaniern auszuliefern. Die sowjetspanischen Truppen kommen zunächst alle in ein Konzentrationslager. Die Besetzung des sowjet- spanischen Gebietes durch die nationalspanischen Truppen erfolgt abschnittsweise, und zwar in Anlehnung an den für die geplante Offensive festgelegten Operationsplan. In den Verhandlungen mit den Parlamentären des Madrider Verteidigungsausschusses wurden diesen die Bedingungen
ziersnachwuchs in Salon-de,Provence, Versailles und Avord ist eine vierte Schule in Romilly-sur- Seine gekommen. Die Unteroffizierspiloten werden auf fünf zivilen Pilotenschulen, über die die Militärbehörde ein gewisses Aufsichtsrecht ausübt, ausgebildet. Sie erhalten nach dem Verlassen dieser Schulen ihren letzten Schliff aus der Militärschule der bekannten großen Lustfahrtbasis in Süd frankreich, Jstres. Besonders empfindlich machte sich bisher der Mangel an Mechanikern und Spezialisten innerhalb der französischen Luftwaffe bemerkbar. Die Zahl der für die Mechaniker und Spezialisten bestimmten Schulen ist im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt worden und soll in Kürze bereits verdreifacht sein. Da die bisher bestehenden Schulen gleichzeitig einen Ausbau erfuhren, hat sich die Zahl der jährlich ausgebildeten Mechaniker verdreifacht, die der Spezialisten sogar verfünffacht.
Alle diese Maßnahmen zielen nicht nur darauf ab, eine leistungsfähige französische Luftwaffe zu schaffen, sondern man sucht auch die notwendigen Reserven auszubilden, auf denen nicht unwesentlich die Kampfkraft einer jeden Luftwaffe im Ernstfälle beruht. Mit der Schulung der Reserveoffiziere scheint es aber noch sehr im argen zu liegen. Jedenfalls wird über unzureichende Ausbildung der Re- serveofsiziere in den Fachblättern gegenwärtig noch lebhafte Klage geführt.
Oie englische presse stellt fest, daß keinerlei Fortschritte erzielt worden sind Gowjei-Rußland weigern sich, zu unterschreiben.
Holland Winkt ab.
A m st e r d a m, 25. März. (Europapreß.) Die englisch-französischen Allianzpläne gegen Deutschland und das angebliche Uebereinkommen dieser beiden Länder, die Grenze der Niederlande zu verteidigen, werden in holländischen Re- gierungskreisen als einseitige englischfranzösische Interessen abgetan. Der „Te- legraaf" schreibt, welche Beschlüsse England und Frankreich in bezug auf Holland auch fassen würden, Holland werde sich nie daran beteiligen. Die Regierung werde auf die Garantie- Absprachen zwischen England und Frankreich nicht antworten und wünsche auch in keinerlei Verpflichtungen einbezogen zu werden. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt, daß Deutschland die erste Runde glänzend gewonnen habe. Gegenüber dem, was Deutschland geglückt sei, könnten die Engländer kaum Erfolge aufweisen. Die Engländer hätten in ihrer Wut Pläne bekanntgegeben, die noch gar nicht die Zustimmung der Mächte gehabt hätten, aus der angekündigten Erklärung sei bis h e ji t c noch nichts geworden und es werde auch nichts daraus, solange die Interessen der Par- feien nicht in Einklang gebracht werden könnten.
London, 25. März. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenpresse muß zugeben, daß sich die britische Regierung mit ihren Bemühungen um die Errichtung einer „Anti-Aggression-Front" völlig fe st gefahren hat. Es scheint, daß vorläufig mit einer Regierungserklärung nicht zu rechnen ist und daß man zunächst die Rückkehr des britischen Ministers für Außenhandel, Hudson, der offenbar neben seiner Handelsmission auch die Aufgabe hatte, in Moskau politische Fühler auszustrecken, sowie den Besuch des polnischen Außenministers B e ck in der ersten Aprilwoche in London abwarten will. Die Times stellt fest, daß in den englisch-französischen Besprechungen keinneuesAbko m- m e n getroffen worden sei, daß aber in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die sich zur gegenseitigen Verteidigung verpflichtet hätten, verschiedene wichtige Punkte neu präzisiert worden seien. Eine gewisse Enttäuschung sei entstanden, weil in der Frage der beabsichtigten Viermächtebesprechung zwischen England, Frankreich, Rußland und Polen nicht mehr Fortschritte erzielt worden seien. Daily Herald erklärt, daß P o l.e n sich weiterhin bis zum äußer st en weigere, sich einer Anti-- Aggressions-Erklärung anzuschließen und Rußland scheine sich zu weigern, ohne Polen zu unterschreiben. Der Plan hänge also noch immer in der Luit.
Mehrere Morgenblätter, die die britischen Ein-
für die Waffenstreckung durch Oberst Gonzalo vom Großen Generalstab und dem Leiter des Sicherheitsdienstes, Oberst U n g r i a , vorgelegt. Den Sowjetspaniern war nur gestattet, Fragen technischer Natur zu stellen. Als letzter Zeitpunkt für die Antwort des Madrider Verteidigungsausschusses auf die nationalspanischen Uebergabebedin- gungen wurde der Freitagabend bestimmt.
Petain überreicht sein Beglaubigungsschreiben.
Burgos, 24. März. (Europapreß.) Nach achttägigem Warten konnte der neue französische Botschafter in Burgos, Marschall Petain, am Freitagvormittag dem nationalspanischen Staatsches, Generalissimus Franco, sein Beglaubigungsschreiben überreichen. Das bei der Ueberreichung streng gewahrte übliche Zeremoniell stand im Gegensatz zu der völligen Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung. Der Wagen des Botschafters, der mit den Herren feiner Botschaft und zahlreichen Begleitern feierlich eingeholt wurde, fuhr durch menschenleere Straßen an geschossenen und verhängten Fenstern vorbei. Niemand zeigte sich auf den Balkonen. Strenge Ab- sperrmaßnahmen der Polizei hatten die Anfahrtstraßen des Botschafters von jedem Verkehr isoliert.
In seiner Ansprache bei der Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens drückte Botschafter Petain seine Genugtuung darüber aus, mit dem alten Waffenkameraden wieder Fühlung nehmen zu können. Staatschef Franco begrüßte in feiner Antwort in Marschall Petaill als neuen Botschafter Frankreichs vor allem den tapferen Soldaten, der am besten die Gefühle des neuen Spanien verstehen müsse. In den Kommentaren der nationalspanischen Presse spiegelt sich unverkennbar die Enttäuschung über das französische Verhalten hinsichtlich der Zurückhaltung der ehemals rotspanischen Kriegsschiffe in Biserta, der Behandlung der spanischen Flüchtlinge und der Stimmungsmache eines Telles der französischen Presse wider.
bekannt gewordenen Verlautbarungen scheint es den französischen Ingenieuren noch nicht gelungen zu sein, einen eigenen französischen Motor herauszubringen, den man in die Weltspitzenklasse einreihen könnte.
In der Anfangszeit der Ministertätigteit Guy la Chambres hat man zunächst sehr stark das Augenmerk auf die reine Materialfrage gerichtet. Nach den ersten Erfolgen in der Herstellung neuen Materials wendet man sich nunmehr stärker der Menschenfrage zu. In Frankreich, wo es nicht wie in Deutschland und anderen Ländern eine von breiten Schichten der Bevölkerung getragene Volksfliegerei gibt, die den Nachwuchs liefert, fehlen heute Piloten. Zu diesem Mangel trügt nicht unwesentlich der Umstand bei, daß 200 Flugstunden, d. h. ein Ausbildungsjahr, nicht mehr genügen, um einen Militärpiloten zu erhalten. Die ausreichende Ausbildung der Kriegspiloten erfordere, fo versichert man in Frankreich, eine Verdoppelung oder sogar Verdreifachung der Ausbildungszeit. Die französischen Luftfahrtschulen sind Deshalb im vergangenen Jahre wesentlich erweitert bzw. neue Schulen eingerichtet worden. Zu den Schulen für den Offi-
GwßdeuWand lind die Wirtschaft des Ostens
Ebenso wie die Rückführung des böhmisch-mährischen Raumes in den Schutz des Reiches ist die Wiedervereinigung des Memellandes mit dem Reich eine Wiedergutmachung des seit den Tagen von Versailles an dem deutschen Volk begangenen Unrechts, die der genialen Staatskunst des Führers auf dem Weae friedlicher und freiwilliger Vereinbarungen zwischen den direkt betroffenen Völkern ohne einen Schwertstreich gelungen ist, weil er sich auf ein dank der Erziehungsarbeit des Nationalsozialismus wieder seiner inneren Kraft bewußtes Volk und eine vom Willen dieses Volkes getragene und erfüllte deutsche Wehrmacht stützen konnte. Daß mit diesen weiteren Schritten zu einer auf den natürlichen Gegebenheiten sich gründenden Neuordnung des europäischen Festlandes auch wirtschaftspolitisch ein Zustand wiederhergestellt wird, der nach der kurzsichtigen und willkürlichen Zerreißung organischer Zusammenhänge nun endlich wieder nicht nur den dem Reich ein gegliederten Gebieten, sondern auch seinen Anrainern die Vorteile eines großen geschlossenen Wirtschaftsraums, wie ihn Großdeutschland darstellt, zuteil werden läßt, das wird schon die nächste Zukunft überzeugend lehren. Am schnellsten wird dies zweifellos das Memelland spüren. Mit ihm wird ein vorwiegend landwirtschaftlich orientiertes Gebiet dem Reich zurück- gegeben. Wie sehr die Landwirtschaft die tragende Grundlage des Memellandes ist, zeigt, daß von den annähernd 150 000 Einwohnern etwa 3roci Drittel direkt oder indirekt in der Landwirtschaft beschäftigt sind und von den 2657 Quadratkilometern des Gebietes fast die Hälfte Acker- und ©artenlanb sind. Der bäuerliche Betrieb wiegt vor, denn 39 v. H. aller Betriebe waren 5 bis 20 Hektar groß und 41 v. H. umfaßten 20 bis 100 Hektar. Die Landwirtschaft des Memellandes war der Litauens an Intensität und Leistung weit überlegen. So z. B. wurden im Jahre 1935 im Memelland je Quadratkilometer 1540 Doppelzentner Hafer geerntet, in Litauen nur 1170, und der Milchertrag betrug im Memelland 3406 Kilogramm je Kuh, in Litauen aber 1000 Kilogramm weniger, schließlich verbrauchte der Bauer des Memellandes 76,7 Doppelzentner Kunstdünger auf dem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, der litauische Bauer indessen nur 29,6 Doppelzentner. Diese wenigen Zahlen zeigen zur Genüge Die kulturelle Ueberlegenheit des memettändischen Bauern, aber auch die wirtschaftlichen Gefahren, die für ihn die Verkoppelung mit dem ebenso rückständigen wie anspruchslosen litauischen Bauerntum bedeuteten. Für die hochwertigen Erzeugnisse der memelländi- schen Landwirtschaft fand sich bei den billigen Preisen der litauischen Bauern und der Bedürfnislosigkeit der vorwiegend agrarischen Bevölkerung Litauens kein Absatz. Litauen ist ja selbst landwirtschaftliches Ueberschußgebiet und Exportland. So kam der Memelbauer um den Lohn seiner Arbeit und spürte bald die Unmöglichkeit, seinen Betrieb gesund zu erhalten. Die bitterste Not linderte freilich der deutsch-litauische Handelsvertrag, der vorwiegend landwirtschaftlichen Erzeugnissen des Me- mellanües den Weg ins Reich freigab, aber immer wieder wandte sich der Blick des Memelbauern über die künstliche Grenze, nach deren Beseitigung nun auch er an den Segnungen der Neuordnung deutschen Bauerntums teilhaben wird.
Neben der hochentwickelten Landwirtschaft spielt die I n d u st r i e des Memellandes eine geringere Rotte. Der waldreichen Natur des Hinterlandes entsprechend steht die Holz- und Papierindustrie mit einer großen, einem deutschen Konzern angeschlosse-
— u-,______kreisungsbernühungen besonders lebhaft begrüßt
5 rllen die M o t o r e n f r a g e. Nach allen bisher i hatten, sprechen heute ihre Besorgnis über die Der:
Paris, März 1939.
„Flugzeuge, Flugzeuge" ist die Forderung, die seit 'der September-Krise täglich erneut in den Kreisen der Abgeordneten und Senatoren, ebenso wie von iöen Vertretern der französischen Wirtschaft und 'Presse erhoben wird. In der letzten Zeit haben im iKriegsminifterium unter dem Vorsitz des Minister- I Präsidenten Daladier mehrere Besprechungen | stattgefunden, an denen auch der Luftfahrtminister 'Paul Reynaud und der Arbeitsminister P o - «märet teilgenommen haben. In ihnen wurde eine sorgfältige Bilanz des ersten Jahres der Daladier- sichen Luftaufrüstung gezogen und im einzelnen die ^Pläne zur weiteren Steigerung der französischen tßuftaufrüftung ausgearbeitet. Seit der September- Mrise sind die Produktionszahlen der französischen Mugzeugfabriken zwar gestiegen, aber die Produk- ittionsziffern, die bei der Aufstellung des neuen auf fzwei Jahre bemessenen Luftrüstungsplanes im April Les vergangenen Jahres festgesetzt wurden, sind Luch heute noch nicht erreicht. Zwar sollen Lie in den Vereinigten Staaten vor wenigen Wochen bestellten 615 Jagd- und Bombenmaschinen einen gewissen Ausgleich schaffen, doch vermögen ssie nicht das entstandene Loch zu stopfen.
Aber nicht nur mengenmäßig, sondern auch ' qualitätsmäßig bemüht man sich in Frankreich gegenwärtig, den Rückstand, in dem sich die eigenen Luftrüstungen seit der Amtstätigkeit des Wolksfront-Luftfahrtministers Pierre Cot befin- Dcn, rasch aufzuholen. Pierre Cot gilt heute nach Ansicht der französischen Sachverständigen als derjenige, der schuld daran ist, daß die französische Rriegsluftfahrt heute der Luftfahrt Deutschlands, Italiens, Japans, Englands, der Vereinigten Staaten und Sowjetrußlands bei weitem nachhinkt. Als Mierre Cot als Luftfahrtminister in das erste Ka- minett Blum einzog, übernahm er ein Produktionsprogramm, das von feinem Amtsoorgänger, dem General Denain, ausgestellt worden war. Dieses Produktionsprogramm sah im wesentlichen die Herstellung eines Mehrzweckflugzeuges vor, <as als Jagd-, Bomben- und Aufklärungsmaschine »jenen sollte. Bald aber stellte sich heraus, daß diese Neukonstruktion mit ihrem Dielartigen Verwen- ungszweck jeder Maschine, die entweder nur der Üuftlärung, der Bombardierung oder dem Angriff iiente, jeweils in diesem Aufgabenbereich unterlegen war. Trotz der Hinweise des Generalstabes, I »aß es sich bei dieser Maschine um eine Fehlkonstruk- ion handele, hielt Cot hartnäckig an ihr fest und । ef3 weiterhin mehrere Hundert von diesen Maschi- । en Herstellen. Zugleich gingen während seiner Mi- j iistertätigkeit die Produktionszisfern der französi- chen Luftfahrtindustrie erheblich zurück.
Bei der Uebemahme des Catchen Erbes mußte xr neue Luftfahrtminister Guy l a Chambre mf drei Punkte vor allem seine Aufmerksamkeit jchten: Verbesserung der Qualität des Flugzeug- Materials, Steigerung der Produktionsziffern der -anzösifchen Flugzeugindustrie, rasche Heranbildung mes starken Fliegernachwuchses. Was die Frage . Lr Qualität d e s Materials betrifft, so j Heinen hier die erzielten Ergebnisse dank dem Er- mhrungsaustausch zwischen dem englischen und dem ; anzösischen Generalstab, in einer gewissen Weise über auch zwischen den Generalstäben von Frank- TÜd) einerseits und der Vereinigten Staaten wie wowjetrußlands auf der anderen Seite, die größten I ,ii sein. Die neue Dewoitine-Jagdma- I itchine D 520, die im Januar erstmalig vorge- I.ihrt wurde, erreichte eine Stundengeschwindigkeit ion 520 Kilometer. Durch gewisse Veränderungen I hr Form des Apparates soll diese Stundengeschwin- I hgfeit nunmehr auf.560 Kilometer erhöht worden j s'in. Die neue D 520 zeichnet sich auch dadurch aus, laß sich die Zahl der zur Serienherstellung dieser ; Maschine benötigten Arbeitsstunden verringert hat. i Cie braucht zu ihrer Fertigstellung 6000 Arbeitsstunden.
Wann wird nun Frankreich in der Lage sein, eile seine Neukonstruktionen in großen Men - pt n herzuftellen? Don dem Luftfahrtminister Guy il li Chambre und französischen Militärkreisen wird crrsichert, daß die französischen Flugzeugfabriken vwm Juni dieses Jahres ab die Produk- icmsziffer von 300 Flugzeugen monatlich erreichen mürben. Es besteht allerdings eine gewisse Wahr
1 scueinlichkeit dafür, daß diese Ziffer in Wirklichkeit niebriger liegen dürfte. Doch erscheint es gewiß, d.iß die Milliardenbeträge, die feit dem April des umgangenen Jahres von Guy la Chambre zur Schaffung einer leistungsfähigen Flugzeugindustrie abgegeben worden sind (normaler Haushalt des Llftfahrtministeriums im Jahre 1938: 7 027 157 491 ftranfen; im Jahre 1939: 11 531 586 429 Franken: \ 1.30 insgesamt rund 18V2 Milliarden Franken innerhalb von zwei Jahren) endlich ihren sichtbaren Nie- ; d^schlag finden. Ein gewisser Erfolg läßt sich ohne greife! feststellen und wird auch für die Zukunft icht ausbleiben. Während vom 1,Januar 1938 bis |iim 30. November 1938 in den ftanzösischen Flug- jcagfabriEen insgesamt nur 53 Maschinen hergestellt mrben, steigerte sich deren Zahl im Monat Dezemst kr auf 73 und im Januar auf 94.
Inzwischen gehen aber die Maßnahmen zur Stei- |r:ung der Leistungsfähigkeit der französischen Flug- ! i&igprDbuftion dauernd weiter. Allein im ersten kftre der Ministertätigkeit von Guy la Chambre o.iirde die Ausstattung der Flugzeugfabriken um ICO v. H., die Zahl der Fabriken um 30 v. H. und lii Facharbeiterschaft ebenfalls um 30 v. H. ver- «rchrt. Noch größere Sorge bereitet den zuständigen


