Ausgabe 
24.6.1939
 
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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

andersahrien

I, nach dem Taunus und

nach dem Hohen Vogelsberg, in die Gegend von Gießen.

ließen. Auf fester Straße wan-

Kanu-

unb 10°/o Bedienungsgeld.

330gD

Floß- unter dunkle unter

Staubfreie, sonnige Lage Laub­und Nadelwälder Höhenluft Zentralheizung Liegehalle.

Tagespreis RM. 3.00 bis RM. 3.50

Flensungerhof

Chcistlich.Trholurrgsheim Post und Station Mücke in Oberhessen. Werbeschrift auf Verlang.

rauschende Mühlenwehre und brandende gaffen, an verträumten Dörfern vorüber, seltsam verschnörkelten Brücken dahin, durch Moore und köstlich duftende Heide oder schweigendem Waldesdom.

Kanadier, Kajak und Faltboot, die für den

öeschäftsdrucksacheb Rechnungen Briefbiatter Briefumschläge Postkarten Geschäfts karten

bei Brühl, Sohulstr.7

dem wir jetzt weiter nach Eichelsachsen (gute Ein­kehr), um von hier, weißen Kreuzen folgend, zum Haselberg oder Schöner Stein genannt, emporzu­steigen, wo sich uns eine wundervolle Fernsicht auftut. Die Zeichen leiten uns hierauf über das Launsbachtal nach dem Alteburgskopf mit wildromantischen Fels­partien, gegenüber das Kurhaus Vogelsberg und alsbald nach unserem Endziel Schotten. Dauer der Wanderung etwa 4 Stunden.

Was das Wasserwandern in diesen drei Boots­arten so anregend und erlebenswert macht, ist ihre besondere Ruderart. Die drei Fahrzeuge werden mit Blick voraus gefahren und geben dem Fahrer daher nicht nur volle Sicherheit bei irgend welchen Hindernissen, sondern gestatten auch die völlig freie Uebersicht über das Gelände und erheben somit das Wasserwandern zum eigenllichen Genuß der Natur und zur Versenkung in die Landschaft und ihren geologischen Bau.

Heute werden selbst die größten deutschen Ströme von diesen drei Bootsarten befahren. Daß der eigentliche Reiz des Flußwanderns aber in den ein» samen Gewässern abseits der großen Verkehrswege und in den tollkühnen Fahrten der Wildwasser besteht,' ist keine Frage.

Wer das Flußwandern betreibt, hat sich dem schönsten sommerlichen Sport ergeben, wird beglückt die Stunde seiner Freiheit genießen und sie nie wieder vergessen.

Mervös-Erschöpfte

Spezialkuranstalt Hofheim 15 (Taunus) bei Frankfurt am Main. Telefon 214

Mäßige Preise. S.-R. Dr. M. 3chulxa-Kahl»yx» NerwMwrt

Kanufahtten.

Don Dr. Karl Neurath.

Klar spiegelt sich der Himmel in den Wasserzügen, und in den Bootshallen sind eifrige Hände am Werk, den prunkvollen Kanadier, den schlanken Kajak für fröhliche Fahrt zu rüsten, und auch der Faltbootmann überprüft fein schönes und zuverläs­siges Fahrzeug, um hinauszuziehen in die Einsam­keit der Wasserwildnis, die sein ewig lockender Traum ist, deren Schönheit ihn immer wieder be­glückt. Ledig aller Fesseln des städtischen Lebens zieht er auf seiner blanken Straße dahin über

Land der Sprudel und Heilquellen.

Fülle der Schönheiten und Genüsse im Gau Koblenz-Trier.

Don unserem Sonderberichterstatter.

IffIII!!IIIIIIIIIIIII!IIII!!III!»IIl!I!IIIIll»II!IIIIII!lIll MNIWAM von Margarete Dole

Mit 20 Abbildungen nach Zeichnungen von Helene Sarges

62 Seiten, kartoniert RM..90

Lin frohes Ferienbüchlein für alle, di« auf der wunderreichen Insel Sylt Erholung und Freude suchen. (Es erzählt von den Schön, heilen dieser Insel mit ihren Dünen, ihrem Wattenmeer und ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Für die Jugend, di« ihre Ferien am Nordseestrande verlebt, ist dieses Büchlein ein reizendes Geschenk, ein Führer für alle, die die Naturschutzbeftrebungen auf den Nordseeinseln kennenlernen wollen.

Durch jede Buchhandlung zu beziehen.

Hugo Berinühler Verlag

Berlin-Lichterfelde

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Gedern Großer See Hof Zwiefalten Lichelsachfen hafelberg Schotten.

Diese lohnende Vogelsberawanderung beginnen wir in dem freundlichen Bergstädtchen Gedern (Sonntagskarte GedernSchotten zurück). Nach Be­sichtigung des Schloßbergs und des durch feine schönen Saumgruppen bekannten Schloßparks mit hübscher Fernsicht folgen wir weißen Dreiecken, die uns über den Galgenberg nach dem waldumsäumten, reizvoll gelegenen Großen See bringen, dessen klares Wasser zum Baden einladet. Die Zeichen führen uns weiter, meist durch Wald, das Hillersbachtal über­schreitend, hinauf zum Hofgut Zwiefalten, wo sie endigen. Leider ist die früher viel besuchte Wirtschaft geschlossen. Doch bietet sich eine prächtige Aussicht

wirb sich lieber ein Holzboot, einen Kanadier oder einen Kajak leisten, denn das Lagergeld ist meist recht mäßig; aber wer seltener fährt, weit vom Wasser wegsitzt und gern große Fahrten unter­nimmt, der wird sich wohl für das Faltboot ent­scheiden müssen. Dieses um 1905 von dem Münch­ner Architekten H e u r i ch erfundene Boot kann bequem verpackt und als Handgepäck mitgenommen werden. Es fällt auch bei längerer Fußwanderung nicht allzu beschwerlich, ist jederzeit leicht aufzu­bauen und abzurüsten. Für Wildwasserfahrten ist es wegen der Geschmeidigkeit von Gerüst und Haut das einzig brauchbare Fahrzeug, das durch feine tiefe Sitzlage, die der des Kajaks entspricht, er­staunlich sicher im Wasser liegt und selbst bei schwe­ren Wellen sein Gleichgewicht gut bewahrt. Seine Zuverlässigkeit, sofern es von einer gediegenen Werft stammt, ist heute über jeden Zweifä erhaben. Wie der Kajak wird es mit der Doppelpaddel ge­rudert und meist auch gesteuert, während der Kajak häufig mit einem Fußsteuer gelenkt wird.

einen solchen Strahl, so hat man die schönste Mas­sage, die man sich wünschen kann. Ein Schwimmbad in dieser Quelle vermittelt den Eindruck, als sei man innerhalb einer Viertelstunde um mindestens zehn Jahre jünger geworden, solch eine Erfrischung ver­leiht dieser heilkräftige Sprudel.

Also ist dieser gesegnete Gau ein Gebiet für Kranke? Weit gefehlt! Natürlich kommen auch Kranke hierher aus aller Herren Länder, dazu sind schließlich alle diese Orte seit Menschenaltern, ja seit Jahrhunderten weltberühmt. Aber die Vereinigung von fünften Waldhügeln, von steilen Felswänden, schier unergründlichen Urwäldern mit sorglich ge­pflegten Wegen, die Möglichkeit, stunden- und tage­weite Ausflüge zu Fuß und zu Schiff zu machen und überall immer wieder noch einen süffigeren Wein vorgesetzt zu bekommen, all dies und viele Vorzüge mehr machen dies Land der Burgen und der Lieder zu einem geradezu idealen Ur­laubsgebiet. Und der Autofahrer, der vielleicht fckon manche alte Straße, manchen Paß mit ober ohne kochendem Kühler bezwungen hat, der wird wohl genau so wie der seit langen Jahren kraft- fahrende Verfasser dieser Zeilen platt vor Erstau­nen sein, wenn ihm hier auf den alpenmäßigen Straßen der Eifel mit ihren endlosen Kehren usw. alle Aufmerksamkeit und alle Gewandheit alwer- langt wird.

Eins aber wird der wandernde Tourist gerade hier, vor allem im Tal der Mosel und der Ahr, lernen, soweit er aus einer Gegend stammt, die keinen Weinbau kennt: daß nämlich die Arbeit des Winzers auf diesen unvorstellbar steilen Hängen anders als meistens im Rheingau ober der Rhein­pfalz so bitterschwer unb strapazenreich ist wie nur noch die Arbeit der Hochgebirgsbauern bei­spielsweise im oberen Oetztal. Alles muß der Win­zer auf dem eigenen Rücken mühsam bergan schlep­pen, die schweren Kanister mit den Spritzflüssig­keiten, den Dung und immer wieder, immer wieder die karge, mit Geröll durchsetzte Erbe, die jeder Re­gen herunterwäscht. Wenn man Winzer und Winze­rinnen mühsam mit ihren Lasten diese steilen Hänge der Weinberge erklimmen sieht und weiß, baß ein einziger verspäteter Nachtfrost genügt, die Arbeit eines ganzen Jahres zu vernichten, dann sieht man erst recht ein, wie billig die herrlichen Weine allet dieser Täler sind. Wie herzlich wird jeder Gast hier empfangen aber in den offenen Gesichtern dieser Weinbauern ist auch jener Emst, der um lebens­längliches, schwerstes Mühen weiß. Um so fröhlicher feiern sie dann ihre Feste, bei denen jeder Fremd­ling empfangen wird, als wäre er einer der Ihren.

Ter.

fport allein in Frage kommen, sind drei Boots­arten von vollendetem Bau und untadelhafter Schönheit. Jedes ist in feiner Art ein Meisterwerk an Zweckmäßigeit und Sicherheit. Der Kanadier, den man gern in bunte, leuchtende Farben kleidet, geht auf das Birkenkanu der nordamerikanifchen Indianer zurück. Es hat trotz feiner Länge eine ungemeine Wendigkeit, die dem leisesten Pagaischlag fast ohne Widerstand folgt, selbst wenn es mit fünf ober sechs Personen voll besetzt ist. Der Kanadier ist gewöhnlich mit einem dichtgewebten Stoffüber­zug versehen, der überspachtelt und dann in satt leuchtende Farben gestrichen wird. Seine Geräumig­keit gestattet, auch größere Lasten an Bord zu nehmen, und so hat er sich in den Niederungs­gewässern als Familienboot heute schon völlig durch- gesetzt.

An Geschwindigkeit wesentlich übertroffen wird es von dem schmalen und niedrigeren Kajak, der auf das Fellboot der Eskimos zurückgeht. Im Gegensatz zu dem offenen Kanadier ist er zu einem guten Teil wasserdicht gedeckt und behält somit beim Ken­tern eine wesentlich größere Auftriebskraft. Auch der Wellenschlag, gegen den sich der Kanadier mit feinem höheren Bord und den hochgezogenen Steven schützt, kann ihm dadurch wenig anhaben. Es ist bekannt, daß die Eskimos in der Beherrschung ihrer Fellboote geradezu Unglaubliches leisten, .daß sie imstande sind, sich, beim Kentern um die Längs­achse des Bootes schwingend, wieder aufzurichten. Als Einer oder Zweier ist der Kajak das eigentliche Wanderboot für große Fahrt, wenn man nicht das in mancher Hinsicht bequemere und jedenfalls leich­ter zu befördernde Faltboot oorzieht. Dieses hat nach dem Krieg außerordentlich starke Verbreitung gewonnen, und durchaus mit Reckst, denn es ist für viele Großstädter das bequemste und billigste aller Boote. Wer unmittelbar am Wasser wohnt und Gelegenheit zu häufigeren Fahrten hat, der

Aronhausen hassenhausev Hachborn Frauenberg Marburg.

Vom Bahnhof Fronhausen (Sonntagskarte Mar­burg) gehen wir über das Bahngeleise, später über die Lahn nach Bellnhausen und erblicken unterwegs Schloß Friedelhausen, den Altenberg, das Mar­burger Schloß, Spiegelslust und den Rimberg. Von Bellnhausen wandern wir über Hassenhausen mit hübschen Fachwerkhäusern dem Tal der Zwester Ohm aufwärts nach Hachborn, wo wir auf blaue Punkte stoßen, denen wir nachgehen. Zunächst durch freie Gegend, hierauf am Waldrand aufwärts gehend genießen wir unterwegs prächtige Blicke nach dem Ebsdorfer Grund mit mehreren Dörfern, nach der Wittelsberger Warte und Amöneburg. Nachdem wir noch ein kurzes Stück Wald durchschritten haben, stehen wir am Fuße des Frauenberges, den wir nach mäßigem Anstieg bei der unteren Gastwirtschaft er­reichen. Nach einer Erholungspause besteigen wir noch die Burgruine, um uns an dem herrlichen Rundblick zu erfreuen, und wandern dann blauen Strichen nach auf schönen Waldpfaden nach unserem Endziel Marburg-Süd. Dauer der Wanderung 4V» Stunden.

Schwehinger Schloßgatten.

Don Peter Bauer.

Brett steht das Schloß da. Es strebt nicht in die Höhe, sondern spannt selbstbewußt und herrschaft­lich mit seinen an den Mittelbau angrenzenden Seitengebäuden die Arme aus, um ein möglichst großes Stück Erde als seinen Besitz zu umfangen. Der Mittelbau ist Tor zu einem Garten, der mit seinen verschwenderischen Ausmaßen die Geste des Besitzstolzes Noch stärker wiederholt. Eine Allee mächtiger Kastanienbäume führt in das Geheimnis­volle ein, das im Hintergrund rauschende Wasser- spiele und verschwiegene Wandelgänge ahnen lassen.

Glitzernde Weiher, von marmornen Flußgöttern bewacht, und mit jenseitigen Schilf- und Weiden­ufern, als locke dort eine verschwiegene Insel, wech­seln mit verschatteten Kanälen, auf denen zwischen ruhig aleitenden Schwänen zitronen- und rostfar­bene Blätter treiben, lieber die Wasserarme wöl­ben sich kleine Brücken, die zu schmalen, labyrin­thisch sich schlängelnden Seitenwegen gängeln, denen man so' lange folgt, bis man sich wie in einem Irrgarten an der Seichen Stelle wieder fin­det. Es gibt Laubengänge, dämmerig wie die Sei­tenschiffe eines romanischen Doms, und Waldein­samkeiten, in denen Eichhörnchen sich Zeit nehmen zu flüchten, so geborgen fühlen sie sich. Und die Göttinnen, Helden und Philosophen der Antike lächeln, wenn man plötzlich überrascht vor ihnen steht. Selbst die beiden Sphinxpaare, die eine kleine Wiese bewachen, haben trotz ihrer Krallen, die sie aus geduckten Löwenleibem zücken, die liebenswür­digen Gesichter von Hofdamen, die sogar mit einem kleinen Schleier kokettieren. Alle Gestalten sind nur zur anmutigen Belebung der Dege und Waldungen aufgestellt. Man soll keine andere Absicht und kei­nen anderen Sinn hinter ihrem Dasein suchen. Der kleine Tempel des Apollo, unter dem ein Wasserfall hervorstürzt, hat grottenartige Durchgänge, die an das Dunkel von Burgverließen erinnern, ohne daß man an deren Schauer denken darf. Sie wollten nicht unheimlich sein, sondern eher ein heimliches Versteck, das Bewunderung erregen sollte. Wie es an einer anderen Stelle der reiche Baumgarten mit seinen fremdartigen Düften ist, in dem die Palmen des Südens mit ihrem herrlichen Wuchs am meisten auffallen.

Es durfte nichts in diesem Lustgarten fehlen, was der Sinn seines Besitzers begehren konnte. Und jedem noch jo absonderlichen Einfall scheint die Ver­wirklichung auf dem Wege gefolgt zu sein wie außer einem versteckt liegenden Badehaus mit chine­sischem Zimmer der entzückende Bau einer kleinen türkischen Moschee mit zwei ragenden Minaretts und ausgedehnten Derwischgängen beweist. Sogar die Sprüche morgenländischer Weisheit an den Wänden sind nicht vergessen:Wegen der Rosen begießt man die Dornen",Einsamkeit ist besser als böse Gesellschaft",Ein Laster des Weisen gilt für Tausend" und anderes mehr wissen die verblaßten, gerade noch zu entziffernden Zeilen.

Hier wie überall fällt leise das Laub aus schon gelichteten Wipfeln. Es fallen Blätter auf die Kiel­bogen der Moschee, auf die Marmorleiber der Göt­tinnen und auf die Wege, deren wie mit dem Lineal 1 gezogenen Säume sich mehr und mehr verwischen. Es ist wieder Frühling, und der Frühling erweckt den Schloßgarten zu neuem Leden, und immer mehr wird von der Vergangenheit des Barock über­grünt werden von dem unbändigen Willen der Na­tur, immer mehr wird aus dem Zierwerk franzö­sischer Gartenkunst ein deutscher Park werden, im­mer mehr werden die allein übrigbleibenden Tem­pel und Gestalten ein steinernes Märchen sein: es war einmal.

Vad-Aauheim.

Don Helene Rostih.

Bad-Nauheim ist so verschieden im Ausdruck wie ein bewegtes Menschenantlitz. Wie viele suchen und finden hier Heilung. Neben dem modernen Leben mit feinen bunten Riefenautomobilen, die viele Menschen aus allen Ländern hierher bringen, träu­men noch immer alte Dorff troffen um ihren Markt­platz von der Zeit, als das kleine NauheimNu- heim",Neues Heim" hieff, bis die Entdeckung des großen Sprudels Weihnachten 1846 Nauheim zum Weltbad machte. Der Johannisberg aber galt bis zum 17. Jahrhundert noch als Hexentanzplatz! In der Nähe stand früher die Burg, die den Münzen- berger Grafen und später den Grasen von Hanau gehörte. Auch Kriege zogen über das Land. Ferdi­nand von Braunschweigs Heere, des Bundesgenos­sen Friedrichs des Großen, und 1792 die franzö­sische Revolutionsarmee brachten den friedlichen Nauheimer Bauern und Bürgern Angst und Un­ruhe.

Nirgends ist im Frühling die Baumblüte fo üppig und zauberhaft, die zwischen blauen Hügelketten um den Johannisberg und unter Friedbergs Türmen ihre weiße Pracht entfaltet. Im Hochsommer aber liegen um Nauheim die Rosenfelder wie ein buntes Mosaik vor dem entzückten Auge. So mancher Kranke im Rollstuhl verweilt andächtig vor diesem Wunder. Im Herbst schmücken sich die herrlichen Bäume des Parks, die wie Monumente auf den weiten Rasenflächen stehen, mit glühenden Farben. Purpur und Gold leuchten wie altvenezianischer Brokat. Bis in den November hinein erglühen auf den Terrassen die rosa und roten Geranien, denn eine milde, fast südliche Luft weht in Nauheim. Die unterirdischen heißen Quellen fördern und steigern auch den Pflanzenwuchs.

Der ernstlich Erkrankte vertieft sich in das immer wechselnde Schauspiel der Natur. Am Morgen er­freut ihn die Blumenpracht der Trinkkuranlage. Hoher blauer Rittersporn steht im Sommer vor einer hellen Wasserfläche. Oder er blickt auf den Teich unterhalb des Kurhauses, wo die weißen Schwäne ziehen und steigt dann langsam durch den Frauenwald, den die Hexen verlassen haben. Kräf­tigere Pattenten dürfen ein ruhiges Golfspiel auf dem nahegelegenen Platz wagen. Die weiten flachen Wiesen, auf denen oft Schafherden weiden, erfor­dern keine besondere Anstrengung.

Auf der anderen Seite sitzt man unter den Salinen, wo die starke Salzluft die Atemorgane kräftigt und heilt. Die Gewinnung des Salzes war schon in Urzeiten in Nauheim berühmt. Ein späterer Finanzminister Friedrichs des Großen, Jakob Sieg­mund Waitz von Eschen, der sogenannteSalzgraf, ist der Reorganisator der Nauheimer Salinen. Von dort aus blickt man auf das liebliche Friedberg. Am liebsten fährt man im Sommer gegen Sonnen­untergang in einem ruhigen Einspänner dorthin. Man fühlt sich dann ganz in die Zeit der Romantik versetzt, als der Postillon lustig sein Horn auf der Landstraße bließ. Tapfer ersteigt das Pferdchen die Höhe, und wir stehen bald vor dem Schloß der hes­sischen Fürsten, im Garten über den Wällen, und überblicken die Landschaft, in der Nauheim mit seinen bunten Häusern wie ein riesenhaftes Blumen­beet liegt.

Die Stadt ist stetig im Wachsen. Dankbare Aus» länder, die hier ihre Gesundheit wiederfanden, mach­ten mildtätige Stiftungen. So ist in den letzten Jahren das schöneKerckhoff-Jnstttut" entstanden. Dort können Aerzte ihr Wissen, besonders auf dem Gebiet der Herzkrankheiten, erweitern und vertiefen. Frau Kerckhoff, geb. Eschman, aus Los Angeles, hat außerdem zur wissenschaftlichen Fortbildung ein Kapital zur Verfügung gestellt.

Die Besitzer der Läden in der Adolf-Hitler-Straffe sind die langjährigen Freunde der Badegäste. Aus dem Wege pflegt man immer hier und dort seine kleinen Gespräche über die Zeitläufte, das Wohl­befinden der Familie. Man kauft von dem schönen Obst, das zwischen den herrlichen Rosen leuchtet. Dort winkt auch schon der bekannte Kutscher, der uns immer fährt.Ja heute wird wohl nichts dar­aus werden", er grüfft freundlich und trottet gemächlich weiter. Man sitzt dann vielleicht an den prächtig angelegten Tennisplätzen mit den Rosen­wänden.

Am schönsten aber ist es, in einer Mondnacht in Nauheim unter den hohen Bäumen der Parkallee zu wandeln. Dahinter träumt der weite Park, in dem man schließlich wie in ein tiefes Geheimnis einbringt. Bald führen uns die Wege nach dem Sprudel. Unter dem weißen Mondlicht erinnern die weiten Säulenhallen an griechische Tempel. In der Mitte des Platzes steigt der weißschäumende Spru­del aus der schöngeschwungenen Brunnenschale em­por. Eine geheimnisvolle Kraft spricht aus diesen Gewässern, die aus der Dunkelheit hervorbrachen, um die Menschheit von ihren Leiden zu heilen.

Reisewinke.

Reisen nach dem Protektorat BöhmenMähren.

Bei den verschiedensten Prager Amtsstellen häufen sich in letzter Zeit schriftliche Anfragen über Reisen nach dem Protektorat Böhmen-Mähren, deren Erledigung sich verzögert, da sie erst an die zuständige Stelle weitergeleitet werden müssen. Die Prager Polizeidirektion weist daraus hin, daß für derartige Anfragen der Fremdenverkehrsverband, Prag I.Beim Pulverturm, zuständig ist, der auch weitere Aus­künfte bezüglich des Protektorats erteilt.

fommerbad färmmfels

Schwimmbad mit erwärmtem Quellwasser

Luft-, Licht- u. Sonnenbad am Waldesrand. Auch Sonntag» geöffnet.

In nächster Nähe der Obermtthle, Schloßbranerei.

4471D

Bad Hönningen am Rhein, im Juni.

Schon am zweiten Tag einer längeren Berei­sung des Gaues Koblenz-Trier hatten wir es be­schlossen: der Urlaubs freudige und vor allem der urlaub sbebürftige Mensch muff hierher, je eher, desto lieber. Wenn das Wort Rheinland fällt, dann hat der Deutsche im allgemeinen sofort selige Vor­stellungen von Weingläsern, Lampions auf abend­lichen Terrassen und von einer verruchten Lorelei, die von Booten aus angefungen wird. Aber wie die Lorelei in Wirklichkeit kein steinernes Weibsbild ist, dasden Schiffer im kleinsten Schiffe" tückischer­weise in die Felsenriffe lockt, so sind Gläserklang und Liedersang doch nur eine und noch nicht einmal die wichtigste der vielen Seiten dieses begnadeten Landes, das jetzt im Schutz des unüderwiMichen Westwalles liegt.

Auf diesem Gebiet von Rhein, Mosel, Nahe, Ahr usw. ist eine solche Fülle von landschaft­lichen Verlockungen nicht nur, sondern von geradezu konzentrierten Erholungs - und Ge­sund ungsmöglichkeiten vereint, daß man sofort die Qual der Wahl hat. Es ist das Land der Eifel, des Hunsrücks und des Westerwaldes mit den anschließenden Bergwaldgebieten, das Land der Berge, der endlosen Wälder, der unübersehbaren weitverzweigten Flußreviere, der stillen abseits ge­legenen Bergseen wie die berühmten Maare, Krater­seen in der Eifel beispielsweise, bei dem in die tief­sten Eifelwälder sorglich eingebetteten Bad Bertrich, das Land der Weinberge und vor allem das Land der Sprudel und Heilquellen.

Die Erde hier, die die köstlichsten Gaben des deutschen Weinbaues oben auf den steilen, sonnigen Hängen trägt, ist innen gleichsam ein ungeheures poröses Labyrinth von Heilquellen aller Art, die Radium, Sole, Salze, Kohlensäure und noch mancherlei andere heilsame Dinge enthal- ten. Was soll man dazu sagen, wenn beispielsweise ein Bezirk von der Größe einer Kreisstadt sich rüh­men kann, rund 300 solcher nützlicher Quellen zu besitzen! Daher ist denn auch das Charakteristikum der weitaus meisten Bäder hier die Trinkhalle, die den unaufhörlich emporschießenden, heilenden Spru­del umgibt. Zu diesen Bädern gehören die aemäch- lich Brunnen trinkenden Gäste, die langgestreckten Hallen der medizinischen Bäder, die mächtigen Gra­dierwerke, die durch staubfreie Verteilung der Sole die Lust geradezu mitMedizin" schwängern. Man kann in schattigen Parkanlagen auf bequemen Bänken ober behaglichen Liegestühlen sich ausstrecken und hat weiter nichts zu tun, als in äußerster Fe­rienfaulheit sich die so freigebig gespendete Gesundheit mit tiefen Atemzügen in sich hineinzupumpen, wo­zu ausgezeichnete Kapellen noch eine schlemmerhaste Musik machen.

Unmöglich, alle diese Orte aufzuzählen, die teil­weise Weltruf haben wie etwa Kreuznach oder das wunderschöne Munster am Stein, dies ganze Land von Saarburg bis nach Bad Neue nähr und alles was dazu gehört. Soviel Orte, soviel heilende Bäder und Quellen, kann man ohne Uebertreibung sagen. Aber vielleicht darf man aus dem weiten Perlenkranz aller dieser Schön­heiten wenigstens noch Hönningen am Rhein wegen einer Besonderheit heroorheben. Dort schießt Tag unb Nacht ununterbrochen ein Heilsprudel von der Mächttgkeit eines mittleren Baumes hundert Meter hoch aus der Erde. Die Stadt kam auf den gescheiten Einfall, diesen kostbaren Ueberfluß noch dadurch besonders nützlich zu machen, daß sie un­mittelbar an der Rheinpromenade ein modernes großes Schwimmbad errichtete, das von diesem mächttgen Sprudel gespeist wird. Aus der Marmor­wand eines Settenbassins schießen zwei dicke Strah­len des Sprudels mit einer Eigenwärme von 28 Grad Celsius heraus Stellt man sich unter