sprach von-dem tieferen Sinn der Umbenennung der „Eisenbahner-Vereine" in das „Reichsbahn- Kameradschafts-Werk" und betonte dessen Aufgaben auf dem Gebiete der Kameradschaftspflege, des berufsständischen Zusammenschlusses und der sozialen Fürsorge für die Kameraden und deren Angehörige. In herzlichen Worten sprach er von den starken Eindrücken, die er im Verlaufe der vergangenen Tage in Gießen empfangen konnte und dankte allen Mitwirkenden der Tagung, des Kameradschaftsabends und der Jubiläumsfeier. In ernsten Worten sprach er von der selbstverständlichen Anerkenntnis der wertvollen Arbeitskraft eines jeden Eisenbahners im Betrieb der Reichsbahn.
Der Abend war dann der geselligen Unterhaltung, der Musik, dem Gesang und dem Humor gewidmet. Herr F e u s e r erfreute mit der vorzüglichen Wiedergabe einiger Lieder, die Herren Wehn, Sondermann und S t e u e r w a l d trugen mit Ter- zettvorträgen zur Unterhaltung und zur Heiterkeit bei, Frau B r u s i u s sang und brachte in der Gemeinschaft mit Herrn F e u s e r und Herrn U d e auch Duett und Terzettvorträge zu Gehör, die herzlichen Beifall auslösten. Frl. Margot Wagner (früher Gießen, zur Zeit Ballettschule Münchens bewies mit einigen Solotänzen ihr Können. Dankbar folgten die Zuhörer und ließen es an Aufgeschlossenheit für die verschiedenen Darbietungen nicht fehlen. Tanz beschloß die harmonisch verlaufene Jubiläumsfeier.
Oie Aufgaben der Kindergruppen des Deutschen Frauenwerkes.
Wir alle wissen, daß unsere Kinder mit zehn Jahren zum Jungvolk oder BDM. kommen. In weiser Voraussicht, um unseren Kleinen den Uebergang dieser ersten ernsteren Pflicht im Leben etwas zu erleichtern, hat das Deutsche Frauenwerk die Kindergruppen errichtet. Hier ist zunächst alles noch Spiel! Ganz unmerklich für das Kind aber tritt die Käme- radschaft hinzu, das Gemeinschaftsgefühl, das Eintreten des einen für den anderen. Spielend erlernen sie diese erste Menschenpflicht, die ihnen später das Leben so erleichtern wird. Dor allem aber ist auch der Freude Roum gegeben. Vergnügte Spiele, lustiges Turnen, Singen, Basteln lassen diese Nachmittage nur allzu schnell für die Kleinen vergehen. Und nun kommt der Sommer, und die Leiterinnen wer- den nicht versäumen, recht oft mit den Kleinen ins Freie zu gehen. Was für herrliche Entdeckungen kann man da machen: Wolken, blauet Himmel, Blumen, Käfer, Bäume, alles wird ein unerschöpfliches Frage-Gesprächsthema sein. — Und die Spiele im Freien machen ordentlich Hunger und rote Backen. So wird Mutti ganz zufrieden fein, wenn die Kleinen nach Hause kommen. Keine Mutter versäume also, ihre Kinder in die Kindergruppen des Deutschen Frauenwerkes zu geben.
Ruudgana »um Schaufenster-Wettbewerb.
Einen schönen und sinnvollen Abschluß fand der Schaufenster-Wettbewerb 1939 in unserer Stadt mit einem Rundgang, bei dem die Arbeit, die im Rahmen des Wettbewerbs geleistet worden war, einer besonderen Würdigung unterzogen wurde. Zu dem Rundgang hatten sich Kreisleiter Backhaus, Vertreter der Deutschen Arbeitsfront, der Hitler- Jugend, der Industrie- und Handelskammer, der Organisationen des Handels und des Gewerbes, der Gewerbeschule usw. eingefunden und ließen damit erkennen, daß die im Wettbewerb geleistete Arbeit über die Preisbewertung hinaus Anerkennung in weiterem Kreise fand. Erfreulich war es — und cs verdient in diesem Zusammenhänge besonders bemerkt zu werden —, daß auch die Bevölkerung unserer Stadt an dem Wettbewerb stärksten Anteil nahm und mit viel Interesse die Schaufenster betrachtete, die mit dem Kennzeichen des Wettbewerbs versehen waren.
Don berufener Seite wurde den Rundgangsteil- nehmern ein Ueberblick und eine Charakteristik der Arbeit vermittelt. Darüber hinaus bildete sich jedermann aus eigener Anschauung ein Urteil. Der Kreisleiter gab seiner Freude und Anerkennung über die gezeigten Leistungen Ausdruck. Einige der Wettbewerbsteilnehmer beglückwünschte er persönlich. Bei dem Rundgang wurde der größte Teil der im Wettbewerb befindlichen Schaufenster betrachtet.
Feierliche Immatrikulation an der Ludwigs-Universität
Arn vergangenen Samstagvormittag fand in der festlich geschmückten Aula der Universität die feierliche Immatrikulation der Studenten und Studentinnen (etwa 120 an der Zahl), die sich zum Studium an unserer Universität eingeschrieben hatten, statt.
Se. Magnifizenz,
der Nektar Prof. Dr. Seifer
hieß die Studenten und Studentinnen im Namen der Universität herzlich willkommen. In seiner Ansprache erinnerte er zunächst an die großen geschichtlichen Ereignisse der vergangenen Monate, würdigte des Führers geniale politische Initiative und ließ die hohe Bedeutung der politischen Großtaten für die Gegenwart und Zukunft unseres Volkes erkennen. In seinen weiteren Darlegungen wandte er sich den Aufgaben der deutschen Universitäten und des deutschen Studenten im besonderen zu und führte u. a. aus:
Die nationalsozialistische Staatsführung hat die Hochschule verpflichtend in den Bannkreis chrer Dynamik gezogen. Eingegliedert in die Volksgemeinschaft als das tragende Fundament der Leistungsgemeinschaft, erfüllt sie mit den Aufgaben der Forschung und des wissenschaftlichen Lehrbetriebs eine besonders wichtige Mission im Rahmen des Aufbauwerks. Das Riesenmaß der Arbeit wächst mit den politischen Erfolgen. Da das Erziehungswerk der Hochschule sich nicht auf die Vermittlung von Fachwissen beschränkt, sondern allen Bedürfnissen der Persönlichkeitsgestaltung Rechnung zu tragen hat, setzt die zielbewußte Nutzung der Hochschuljahre heute jene Härtung des Charakters und disziplinierte Einordnung in die Gemeinschaft voraus, die hie Haltung des politischen Studenten bestimmen.
So legen Sie heute das feierliche Gelöbnis ab zu Gehorsam gegenüber Ihren Gesetzen und zur Achtung Ihrer Lehrer und zugleich das Versprechen eines ehrenhaften Lebenswandels und einer_ eifrigen Pflege Ihrer Studien. Mit diesem Gelöbnis rücken Sie in eine Gemeinschaft ein, die Sie in ihren Reihen herzlich willkommen heißt und Ihnen
in kameradschaftlicher Verbundenheit stets bereitwillig helfend zur Seite steht. Möge der Ernst des Strebens, mit dem Frohsinn der Jugend gepaart, Ihnen Erfolg und Freude bescheren und das Ge- den'kblatt der Gießener Burschenjahre zur schönsten (Erinnerung Ihres studentischen Lebens werden!
Im weiteren Verlauf der Feier sprach bann
Studentenführer Frank
zu den Studierenden. Er hieß besonders die Kameraden willkommen, die Gießen zu ihrer Stammuniversität gewählt haben. Er begrüßte ferner die alten Bekannten und Kameraden, die nach kurzem Studium an anderen Hochschulen zu ihrer Stamm- unioersität, die ihnen sicherlich ein Stück Heimat geworden sei, zurückkehrten. Er schilderte die Vorzüge der Universität in der Mittelstadt und sprach dann davon, welch ernsten Schritt jene unternehmen, die sich an einer deutschen Hochschule einschreiben. Jeder Studierende bekgnde damit, daß er in vorderster Front arbeiten wolle und an erster Stelle zu stehen gewillt sei im Einsatz für Führer und Volk. Die Universität gebe mit all ihren Einrichtungen dafür das nötige Rüstzeug. Sodann sprach der Studentenführer von Gesetzen, die vor allem die Grundlagen der im Werden begriffenen nationalsozialistischen Hochschulen bilden, die mit zu verwirklichen eine Aufgabe des NS.-Studentenbundes sei. Abschließend machte der Studentenführer auf die hohen Forderungen aufmerksam, die in wissenschaftlicher und politischer Hinsicht an den Studenten gestellt werden. Er forderte dazu auf, sich der stolzen und verpflichtenden Tradition des deutschen Studen- tentums bewußt zu sein. Die Geschichte werde einmal darüber urteilen, ob das Studententum und dis Hochschule zur Zeit Adolf Hitlers die Zeichen der Zeit erkannten.
Im Anschluß daran folgte die feierliche Verpflichtung der neuen Studenten an unserer Universität. Universitäts-Dürodirektor Kinkel verlas die 93er- pflichtungsformel und rief jeden einzelnen Studenten auf. Se. Magnifizenz verpflichtete sodann die Studenten und Studentinnen durch Handschlag und nahm sie damit in die große Arbeitsgemeinschaft unserer Universität auf.
Jahreshauptversammlung der Spar- und Oarlehnskaffe Wieseck.
Die Spar- und Darlehnskasse (e. G. m.b. H.) Wieseck hielt am Samstagabend bei Gastwirt Schepers ihre Jahreshauptversammlung ab. Der Vorsitzende des Auffichtsrates Schreinermeister Gustav Seibert eröffnete die Generalversammlung und gedachte zunächst der verstorbenen Mitglieder, die die Versammlung in üblicher Weise ehrte. Hierbei gedachte er besonders des Mitbegründers und langjährigem Aufsichtsratmitgliedes Johannes Deibel. Danach verlas er die Revisionsberichte von 1937 und 1938. Den Geschäftsbericht erstattete der Vorsitzende der Kasse, Adolf Weller. Dem Bericht, der eine sehr günstige Entwicklung der Kasse nachweist, entnehmen wir folgendes:
Der Gesamtumsatz betrug im Berichtsjahr 4 950 000 Mk. und ist um 910 000 Mk. höher wie im Vorjahr. Der Bargeldumsatz betrug 1 440 670 Mk., das sind 310 000 Mk. mehr als 1937. An Spareinlagen wurden 105 000 Mk. neu eingezahlt und der Zuwachs betrug nach Abzug der Rückzahlungen rund 17 600 Mark. Die Schulsparkasse erbrachte 4325 Mark, das sind 1000 Mark mehr als im Vorjahr. Die Gesamtspareinlagen betragen am Ende 1938 228 900 Mk. zuzüglich 46 000 Mk. Guthaben in laufender Rechnung. Diese Aufwärtsentwicklung hat sich im ersten Vierteljahr 1939 wesentlich gesteigert. An Geldern wurden der heimischen Wirtschaft im Berichtsjahr rund 113 000 Mk. zu- geführt. Die Jahresrechnung und Bilanz weist auf beiden Seiten 347 888,70 Mk. nach. Der Reingewinn
betrug in 1938 = 1456,70 Mark. Hiervon werden den Mitgliedern 3*/- v. H. Dividende vergütet, und der Rest wird den Reserven überwiesen. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt.
Infolge der günstigen Entwicklung ist es möglich, die Zinsen für Hypotheken und Althypotheken um ilt v. H. zu senken. Ebenso wird die Aktivkreditgrenze erhöht. In der sehr regen geschäftlichen Aussprache wurden noch verschiedene wertvolle Anregungen gemacht und gestellte Fragen von dem Vorsitzenden der Kasse beantwortet. Der Vorsitzende des Auffichtsrates schloß die Versammlung mit dem Dank an die Mitglieder und besonders an die Mitarbeiter, die es ermöglicht hatten, daß die Kasse das wieder geworden ist, was sie früher unterem Ort war.
Amt für Dolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd.
Von Montag, 24. April, bis Mittwoch, 26. April, findet die Lebensmittel-Opferringsammlung für Monat April im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenfchaft statt. Die Einwohnerschaft der Ortsgruppe wird gebeten, für Lebensrnittel einen entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung zu stellen.
Ortsgruppe Gießen-77ord.
In der Zeit von Dienstag, 25., bis Freitag, 28. April, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-
Nord von der NS.-Frauenfchaft die Pfundfgmmlung (Lebensmittelopferring) für den Monat April 1939 durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, an Stelle von Pfundpäckchen Geldspenden zu geben.
Ortsgruppe Gietzen-Ost.
Betr.: Lebensmittel-Opferring.
In der Zeit vom 24. bis 26. d. M. wird im Bereiche unserer Ortsgruppe die Sammlung zum Lebensmittel-Opferring durch die NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Volksgenossen werden gebeten, dem Führer den Dank durch die Tat zu beweisen, indem sie während der Sommermonate gerne ihre Geldspenden der NSV. zum Zwecke der Dolksge- sundung zur Verfügung stellen.
Oer 1. Mai in Gießen.
Der 1. Mai soll auch in diesem Jahre wieder ein Tag der Volksgemeinschaft sein, der alle Schaffenden festlich vereint. Für den großen Tag liegt das Programm im einzelnen und in seinen wesentlichen Punkten bereits fest. Im Stadtwald wurde eine Fichte geschlagen, die die statttiche Höhe von 30 Meter hat und für den Festplatz der Mittelpunkt sein wird, wenn vom hohen Stamme die Bänder am grünen Kranz flattern werden.
Am Samstag, 29. April, 19 Uhr, wird der M a i« bäum in feierlicher Form eingebracht werden. Er wird durch den Schiffenberger Weg über Bismarckstraße, Ludwigsstraße, Ludwigsplatz und Kaiserallee zum Trieb gebracht, von der Handwerkerschaft mit den Zeichen der Zünfte geschmückt und die Jugend wird die Bänder anknüpfen. Nach der Ausstellung des Maibaumes, die um 19 Uhr erfolgt, wird das Volksfest auf dem Trieb eröffnet. Ein Festzelt wird aufgeschlagen, zum Tanze und zur Belustigung an Schaubuden, Fahrgeschäften usw. wird Gelegenheit gegeben sein.
Der Sonntag, 30. April, bringt von 15 Uhr ab ein Kinderfest auf dem hinteren Trieb, um dessen Ausgestaltung der Iungmädeluntergau 116 bemüht fein wird.
Der Festtag selbst wird mit einem großen Wecken eingeleitet, die Gießener Gesangvereine roerben, wie zu Führers Geburtstag, auf Straßen und Plätzen fingen und nach einer Jugendkundgebung wird die große Zahl der Schaffenden unferer Stadt zur Kundgebung aufrnarfchieren. Aufmarschplatz ist der Trieb. Der Aufmarschplan wird noch rechtzeitig bekanntgegeben. Nach Fanfarenrufen des Jungvolks, nach den Einzelvorträgen der Sprecher, nach Chören der Hitler-Jugend und der Werkscharen wird der Kreisleiter eine Ansprache hatten, der dann die Uebertragung des Staatsaktes von Berlin folgt.
„Gießener Studententag 1939/
Der NS D. -Studentenbund teilt mit: Studentenführer Frank hatte dieser Tage sämtliche Amtsleiter und Kameradschaftsführer der Gruppe zur Entgegennahme der Arbeitsanweisungen für das Sommer-Semester 1939 befohlen. Neben der Arbeit in den einzelnen Kameradschaften und Fachschaften stellte der Studentenführer die Vorbereitungen für den Gießener Studententag vom 6. bis 9. Juli allen Mitarbeitern als dringende Aufgabe vor Augen. Dieser Studententag gliedert sich, wie im Vorjahre, wieder in den „Tag des Sports", den „Tag der Wissenschaft" und den „Tag der Kameradschaften".
Am „Tag des Sports" werden Kämpfe in den verschiedensten Sportarten gegen mehrere Hochschulen ausgetragen werden. Voraussichtlich wird sich die Universität Marburg und HL. Weilburg beteiligen.
Der „Tag der Wissenschaft" wird jedem Volksgenossen die Möglichkeit geben, sich ein Bild zu machen über die wissenschaftliche Arbeit, die von den Studenten ganz besonders auch im Reichsbe- rufswettkampf geleistet wird. Ferner werden noch bekannte Persönlichkeiten sprechen.
Der letzte Tag wird eine Morgenfeier bringen, und nachmittags werden sich die alten Stuben« tenbunbsmänner und Amtsleiter treffen. Beim Empfang, den der Stubentenführer geben wird, tritt auch der NS.-Altherrenbund an die Oeffentlichkeit. Den Abschluß des Studententags wirb roieber ein großes Volksfest bilden, das diesmal in sämtlichen Räumen des Studentenhauses am Leihgester-- ner Weg ftattfinben wird.
10 Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
uns eigentiid) noch? Wir reifen über« kaum. In diesen Tagen ist sehr viel zu rufe ich auf alle Fälle noch mal an."
wie ge- Sie Bc- 0e.
das ge
hen wir morgen." „Wohl tun."
„Dann
Aber viele gab es auch, die wirklich Freude machen wollten mit einem Buch und sich gründlich und
Gennrichs und Baron Wiebesheim verabredet. Kommst du mit?"
„Ein reichhaltiges Programm für einen erschöpften Menschen", gab Dina zu, „aber ich muß bauten, ich bin tatsächlich zu mübe. Außerdem habe ich noch allerlei Schre'rberei zu erledigen."
„Ein Kateridee, so zu schuften, wo du es nicht mehr nötig hast. Ader des Menschen Wille — Se»
froh ich bin, daß Sie dieses Vierteljahr noch blieben sind. Ich wüßte nicht, was ich ohne machen sollte." So endete die letzte Zeit ihrer rufstätigfeit harmonischer, als Dina anfangs glaubt hatte.
Heiligabend gegen drei Uhr betrat ein Herr Geschäft, der nicht zur gewohnten Kundschaft
zu treffen."
„Ich hatte Ihnen doch erzählt, daß ich bis zum ersten Januar bleibe."
Roman von Hedda Lindner
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin
sam als Sinnbild: dieses sollte für sie nichts anderes mehr fein als Asche.
Bisher hatte sie geglaubt, daß Enttäuschung und (Erbitterung alles in ihr ausgelöscht hatten, aber in diesem Augenblick begriff sie, daß sie die (Erinnerung gescheut hatte, weil sie mit dem Manne einfach noch nicht fertig war.
Während sie ihren Weg durch die Menschenmenge des Kurfürstendammes suchte, schüttelte sie ratlos den Kopf. Gab es das, daß man sich aus eigenem freien Entschluß von einem Manne scheiden ließ, weil man seinen Unwert erkannt hatte — und daß man dennoch von diesem Manne nicht loskam?! Ihr Verstand lehnte ihn ab, heute fast schärfer als vor fünf Jahren, und dennoch konnte sie nicht an sein Lächeln denken, ohne Herzklopfen zu bekommen. Und dabei hieß es immer, sie hätte überhaupt kein Herz.
„Du hast kein Herz", hatten die Kinder gesagt, wenn eins von ihnen hingefallen war und sie stumm und blaß dabeigestanden, statt sich an dem allgemeinen Geschrei zu beteiligen. „Du hast kein Herz", hatten die jungen Mädchen, mit denen sie in der Kochschule gewesen, behauptet, wenn sie es nicht tragisch genommen, daß der vielbewunderte Filmstar immer noch kein Autogramm geschickt hatte. „Du hast kein Herz", hatte auch Joe gemeint, wenn sie das Bezahlen der Hotelrechnung für wichtiger gehalten als die Flasche Sekt, die das Wiedersehen mit irgendeinem Kollegen hatte feiern sollen. Kein Herz! Hat man wirklich fein Herz, wenn einem keine gefühlvollen Worte zu Gebote stehen, wenn es einem nicht liegt, sich heute da und morgen dort zu verlieben, heute mit dem und morgen mit jenem ewige Frei', dschaft zu schließen? War Herz überhaupt eine Angelegenheit, die man erörtern konnte? —
Wer wenn sie wirklich kein Herz hatte, warum erschreckte es sie denn so, ihren früheren Mann in Berlin zu wissen, in dieser Stadt, die uns, wie alle Großstädte, mit Vorliebe die Menschen in den Weg schickt, denen wir nicht begegnen wollen?
Die nächsten Tage brachten soviel Arbeit, daß der Gedanke an Mikenys Wiederauftauchen in den Hintergrund gedrängt wurde. Wie immer, wollten im letzten Augenblick noch recht viele Leute beraten werden, was für ein Buch sie der Tante, der Großmutter oder dem Bruder schenken sollten. Viele betrachteten Bücher lediglich als Verlegenheitsgeschenk, und Dina mußte manchmal ihre ganze Kunst auf» bieten, um beispielsweise eine uralte Dame vor
Aber so weit hatte Fred recht: es hatte keinen ' Zweck, Empörung zu zeigen, wenn man doch nichts ändern konnte. Quittieren würde sie schon mal dafür. — Und wie diese Person sich in der Gewalt hatte! Wenn sie beim Lunch nicht genau gesehen hätte, daß Dina noch vier Zigaretten im Etui hatte, wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, daß dieser Zigarettenkauf nur ein Manöver war, um das Thema Mikeny abzubiegen. Da schien also doch noch eine Stelle zu fein, wo sie verwundbar war. Interessant!
Dennoch verfolgte Margit das Thema nicht weiter, weil ihr im Augenblick nichts an einer Verstimmung lag. Im Gegenteil, sie erwog sogar ernsthaft, ob sie nicht mit Dina nach Arosa gehen sollte. Aus Zweckmäßigkeitsgründen. Frau Margit hatte die Erfahrung gemacht, daß es sehr angenehm sein konnte, mit einer anderen Frau zu reifen, vorausgesetzt, daß diese Frau nicht als Konkurrenz in Bettacht kam. Man hatte erheblich mehr Bewegungsfreiheit als allein, weil eine gediegene Begleitung auf alle Klatschbasen beruhigend wirkt. Das muhte sie sich unbedingt noch genau überlegen.
„Ich bin völlig erledigt. Diese Weihnachtsbesorgungen bringen mich immer halb um. Aber glaubst du, daß Fred mir jeweils dabei hilft? (Er ift ein gräßlicher Egoist."
„Wer? Fred?" fragte Dina ehrlich verblüfft.
„Natürlich? Wer denn sonst? Er sitzt jetzt bestimmt mit irgendwelchen Freunden behaglich in einer Ecke und fachsimpelt: womöglich spielt er sogar Skat, eine schreckliche Angewohnheit von ihm. Und ich muß mich hier kaputtmachen mit all den Besorgungen — und dazu noch die Anproben."
„Die kann Fred ja wohl kaum für dich erledigen, du armes Opfer!" spottete Dina gutmütig.
Margit lächelte einen Augenblick in Gedanken an die neuen Kleider. „Ich bin tatsächlich völlig erschöpft", versicherte sie dann. „Ich nehme eine Taxe und fahre direkt ins Hotel. Wenn ich gegen sechs da bin, kann ich vor dem Umziehen noch eine Stunde ruhen. Wir wollen in die „Scala" und hinterher in einer Bar tanzen. Wir haben uns mit
sorgfältig vorher unterrichteten. Dina las die halben Nächte hindurch, um über die Neuerscheinungen wenigstens ein^rmaßen Bescheid zu wissen, eine Gewissenhaftigkeit, die sogar Fräulein Jürgen imponierte. Und Fräulein Wolfram ließ den selbst- gewählten Abstand wieder schwinden und wiederholte oft genug: „Sie glauben gar nicht, ™:*
Als Margit im Begriff war, die Tür des Taxis hinter sich zu schließen, drehte sie sich nochmals nach Dina um, die an der Bordschwelle stand. „Uebrigens, fast hätte ich es vergessen: Mikeny spielt Weihnachten hier in Berlin im Palasthotel. Auf Wiedersehen und frohes Fest!"
Die Droschke war längst um die Ecke gefahren, da stand Dina immer noch auf derselben Stelle. Erst als Vorübergehende sie in dem Weihnachts- trubel heftig anstießen, schreckte sie auf und setzte sich langsam in Bewegung. Sie ging mühsam — das ist die Abspannung, sagte sie sich, obgleich sie genau wußte, daß diese Schwäche in den Kniegelenken nichts mit körperlicher Abspannung zu tun hatte. Margit konnte zufrieden sein, ihr Pfeil hatte gut getroffen.
Dina hatte die Unwahrheit gesagt, als sie verneinte, von Mikeny gehört zu haben. Sie wußte — und dieses Wissen war ihr eine riesengroße Erleichterung — daß er nach der Scheidung Deutschland verlassen hatte. Sie wußte auch von seiner Kapelle, denn ein Grammophongeschäft hatte an= gezeigt „Die neuesten Tanzplatten der Kapelle Joe Mikeny" und darunter: „Der berühmten Tanzkapelle des Waldorf-Astoria, New ^ort". Joe war mit der Geige im Arm abgebilbet, und sie hatte nicht verhindern können, daß ihr Herzschlag für eine Sekunde aussetzte, um dann wie rasend loszuhämmern: obwohl es ein sehr schlechtes Bild von ihm war, das nichts von dem Zauber zeigte, der von ihm ausgehen konnte.
horte, wie Fräulein Wolfram auf den ersten Blick fesffteltte. Es war ein großer, gut aussehender Mann: das fcharfgefchnittene Gesicht war gebräunt und ließ dadurch die braunen Augen besonders hell erscheinen. Die Haare waren mittelbraun und. glatt zurückgesttichen.
Der Herr hatte beim (Eintreten höflich den Hut gezogen und sah sich suchend um. Fräulein Wolfram war beschäftigt und wollte Dina gerade zur Unterstützung holen, als diese mit einem Pack Bücher auf dem Arm aus dem rückwärtigen Raum auftauchte. Sein suchender Blick begegnete ihr. „Oh!", sagte sie mit einem Lächeln des Erkennens, „das ist aber nett, daß Sie Wort gehalten haben!" „Mein erster Weg von Tempelhof war hierher. Ich mochte meiner alten Dame doch gern ein paar Bücher rnitnehrnen, ehe ich nach Potsdam weiterfahre."
„Da wollen wir aber etwas ganz besonders Gutes heraussuchen", meinte Dina. Sie hatte die zwei Stunden in Biringen in den langen Wochen, die seitdem vergangen waren, fast vergessen: aber nun stand alles wieder vor ihr: die Sonne, das Leben und Treiben des Flugplatzes: und sie dachte auch daran, welch guten und verständnisvollen Zuhörer sie an diesem Manne gehabt hatte. Daß er den Umweg nicht scheute, um sie aufzusuchen, freute sie wirklich, und ein klein wenig geschmeichelte Eitelkeit war auch in dieser Freude, wie es rootyl bei keiner Frau anders gewesen wäre.
Drei Bücher wurden nach reiflichem Ueberlegen ausgewählt, und dann, als das Geschäftliche erledigt war, ging er rasch noch auf persönliches Gebiet über: „Ich fürchtete schon, Sie hier nicht mehr
Sie hatte sich selbst befohlen, nicht wieder an diesem Geschäft vorbeizugehen, und ganze acht Tage diesem Befehl gehorcht. Dann erfand sie vor ihrem Gewissen eine Begründung, doch vorbeigehen zu müssen. Das Bild hatte nicht mehr im Fenster gestanden, und sie wußte nicht, mar sie damals erleichtert oder enttäuscht darüber gewesen. Sie selbst hatte nach ihrer Scheidung Bilder, Briefe, alles, I einem Zukunftsroman zu bewahren, für den sie beim £ lwgtz sie an ihn erinnern konnte, verbrannt; gleich-t besten WMü ItiÄ Berstäpdnis tPWtfiA


