Ausgabe 
24.1.1939
 
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Schuß im Zunkhaus.

Ein Roman von Maria Oberlin.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Cichacker, Gröbenzell bei München.

4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Sie ging mit schnellen gehetzten Schritten zur Tür, ritz sie aus.Unerträglich--wie mir?* sagte sie

noch heiser und leise und sah den Mann mit einem letzten verwehenden Blick an. Er griff hart nach ihrer Hand. Leise löste sich die kleine Waffe, die sie noch in der Hand hielt und glitt sacht auf den dunkel­roten Velour des Bodens. Beide achteten nicht dar­auf.

Wilhelm Bortefeld hielt die wild pulsende Hand des Mädchens fest in der seinen.

Das Mädchen versuchte, sie ihm zu entziehen, ihre Lippen bebten:

,Jr>enm) Eoordt--Sie wissen doch, was sie für

ein Mensch ist, so zart und so hilflos, so überaus empfindsam. Sie kennen doch ihre Plastiken und ihre scheuen Verse, sie ist doch nichts als ein bißchen zitterndes Herz, die ganze Henny ---Warum

dringen Sie in Ähr Leben ein--warum ver­

nichten Sie es?"

Hart zog sie die Hand aus der des Mannes. Der stand hoch und gesammelt vor ihr.

,Lammen Sie nach der Sendung zu mir", sagte er heiser. Der Blick seiner Augen war fest und klar geblieben trotz aller heftigen Anschuldigungen. Seine Stimme wurde weicher, bat:

Sie werden kommen?"

Evelyn wollte den Kopf schütteln, neigte ihn dann ober doch ganz leicht. Dann schloß sie rasch die Tür...

3m Flur vor dem kleinen Sendesaal stand Stein, er war blaß und erregt und sah Evelyn gespannt entgegen.

Eväyn trat zu chm.

Verzeihen Sie bitte, Herr Dr. Stein, ich--*

Stein unterbrach sie jäh. Er neigte sich zu ihr, seine blauen, klugen Augen faßten fest zu.Fraulein Kay", sagte er leise.Ich weiß, was Sie sagen wollen: Sie werden nicht singen, Sie sind nervös oder sonst was..." Er fuhr fort.Das lasse ich nicht gelten. Sie werden jetzt singen. 3ch kann mir den- ten, daß die Unterredung, die Sie hatten, Sie er­regt hat."

Aber ich kann daraus keine Rücksicht nehmen. Ein

Künstler muß lernen, sich zu beherrschen. Sie sind jung. Sie kannten das noch nicht, Sie werden es heute abend beweisen!"

Evelyn hatte den Kops gesenkt. Er sprach weiter. Zur Sängerin gehört nicht nur Stimme, Verstand, Gefühl--- es gehört auch viel Disziplin dazu.

Sie werden noch häufig singen müssen, wenn Ihnen nicht darnach ums Herz ist."

Evelyn hob den Kopf, ihr Gesicht war sehr bleich, blau lohten die Adern auf der weißen Stirn, der Mund bebte. Aber sie beherrschte sich, nickte und sagte:

Ich danke, Herr Dr. Stein--Es ist gut. Ich

will mir alle Mühe geben...!"

Sie biß die Lippen schmal zusammen und betrat den kleinen Sendesaal. Die Musiker saßen bereits da, ihre weißen Hemdärmel leuchteten grell aus dem leichten blauen Dunkel des Raumes, in das nur die Glühbirnen über den Notenständern schmale, zitternde begrenzte Lichtkegel warfen. Die Geiger hatten schon die Bogen angelegt, leise betrat der Dirigent sein Pult, nickte Evelyn zu, näher zu kom­men, sie stand jetzt neben dem Flügel, man schob ein Mikrophon vor sie hin, bann kam die klangvolle Stimme des Ansagers:

In unserer Stunde: .Zeitgenössische Meister deutscher Ion fünft* hören Sie jetzt von Evelyn Kay (Mezzoalt) mit Liedern von Richard Strauß. Als erstes: ,Und morgen wird die Sonne wieder scheinen*---"

Der Tonmixer in der Abhörkabine bewegte laut- los die Lippen, sah seinen Gehilfen an, nickte an­erkennend. Das sollte heißen:Gut, der Ton da draußen. Ganz prima. Die verstehts!" Dann dreh­te er sich etwas erschreckt um. Ein großer dunkler Schatten fiel in die Kabine.

Draußen stand der musikalische Sendeleiter, der Generalmusikdirektor Dr. Bortefeld, öffnete leise die Kabine, erwiderte den Gruß des Technikers, sah durch die Glaskabine des Abhorraumes in den oenbcfaaL Die Sängerin wandte ihm halb den Rucken zu, es war ein geschmeidiger, schlanker Rucken, sehr gerade. Die Stimme, ein ans Herz greifender weicher Alt, schön und beruhigend wie dunkelblauer Samt, begann gerade ein überströ- menb seliges Lied, Richard Strauß:Goldene §ulle --Wir schreiten in goldener Fülle durch seliges Sommerland. Fest liegen unsere Hän. de wie ineinander gebannt"

Der Mann stand da und starrte das Mädchen an Klemer tapferer Mensch, dem man heute noch bitter wehe tun muß. Wie ist es nur möglich, daß

du, gerade du, Doras Tochter bist? Das ist doch unmöglich! Bei dir ist doch nichts von ihrer flirrenden Unrast, ihrem wilden Lebenshunger, der alles an sich reißen mochte, als gelte es morgen schon zu sterben und zu vergehen, bei dir ist doch nichts von ihrer fahrigen Nervosität, ihrer Hyste­rie Nein, du hast nichts von ihr, Evelyn, du bist die Tochter deines Vaters, du hast nur ein wenig Aeßerliches von ihr geerbt, weiter nichts!

Und bleicht deine sinkende Stirne-- und

läßt deine Seele ihr Haus--" fang die dunkle

sanft streichelnde Stimme jetzt innig.Wir schrei­ten in goldener Fülle auch in das Jenseits hinaus"

Die Tochter deines Vaters Plötzlich, wie ein Schlag fiel den Mann eine atemraubende Unruhe an. Hilf mir, hat die abgelebte, nervöse Frau damals gesagt. Meine Stimme ist am Ende, aber ich kann nicht leben, wenn ich nicht weiterhin die große Dora Tuerck bin, hilf mir--laß mich

in den Augen meines Kindes die berühmte Frau bleiben, sie glaubt so an mich die Kleine, sie ist so rührend anhänglich, zerstöre dies Ideal nicht Ich habe zwei Kinder, Wilhelm, Thomas ist der Sohn meines zweiten Mannes, aber meine Toch­ter ist auch dein Kind es wurde geboren, kurz nachdem du mich verließest ich sagte dir niemals etwas davon, ich fürchte, du würdest es mir nehmen hilf mir--um deines Kindes

willen? Und wieder sieht der einsame Mann das eigene ablehnende Gesicht vor sich: Ich glaube dir nicht, Dora--ich kann dir nicht

glauben--

Und wenn die Frau doch die Wahrheit ge­sprochen hatte? Sie sprach sie selten, das wußte er. Immer war ein krauses Gewirr von Lügen und Unwahrheiten um sie herum--aber dies­

mal konnte sie dock die Wahrheit gesagt haben es mar doch möglich, daß sie ihm die Geburt dieses Kindes verschwieg, damit er keine Ansprüche stellte---sie war ja damals wie

von der Welt verschluckt gewesen und trat nach Monaten etft wieder in Rio auf, Beginn ihres ganz großen Ruhmes ...

Der Mann atmete schwer der letzte Dries an ihr Kind--eine Anklage gegen ihn

---sie hielt hartnäckig an ihrem Haß fest sogar über das Grab hinaus ...

3ft Ihnen nicht gut, Herr Dr. Bortefeld?" frag­te eine teilnehmende Stimme neben ihm. Er sah m das besorgte Gesicht Dr. Steins, die klugen blau­en Augen seines Assistenten ruhten in tiefem Ernst auf ihm. Er zwang sich zu einem Lächeln.

Kämmerer und Dr. phil. Kurt Becker in Büdingen, Dr., Mchelm Menger und Wilhelm Wemel in Orünberg, Heinrich Rösch und Adolf Weiß in Schotten, die Reallehrer Otto Müller-Ahchelm in Orünberg und Georg Decker in Lauterbach, der Musiklehrer Heinrich Blaß in Gießen, die Turn­lehrer Jakob Klippel und Rudolf Paul in Gießen der Hausmeister Johannes Klober in Gießen und der Amtsgehilfe Konrad Mifar in Grünberg die gleiche Auszeichnung.

Militärische Beförderung.

Der Kommodore des Kampfgeschwaders in Sie- feen, Oberst Süßmann, wurde, wie uns vom Standortoffizier der 9. Division mitgeteüt wird am 18. Januar vom Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht mit Wirkung vom 1. Januar 1939 zum Generalmajor befördert.

Hitler-Jugend Bann 116.

Am Sonntag, 5. Februar, finDet in Oiefeen für die Führerschaft des Bannes 116 eine Tagung mit dem Gebietsführer statt. Es haben hieran teilzu­nehmen:

der Stab des Bannes 116,

die Führer der Stämme,

die Führer der Gefolgschaften und Sonderem- beiten.

die Nachfolger derjenigen Führer, die am 1.4. ausscheiden.

Die Führerschaft tritt um 11 Uhr vor dem Gym­nasium, Gießen, Bismarckstraße, an. Führer vom Dienst: Stammführer Dr. Schneider.

Tag der Wehrmacht in Vorbereitung.

Am 25. und 26. Februar wird, wie auck in ande­ren Städten, von den Truppen des Standorts Gie- feen wiederum einTag der Wehrmacht" im Dienste des Winterhilfswerks durchgeführt werden. Unsere Gießener Soldaten wollen dabei an verschiedenen Stellen der Stadt (Oswaldsaarten usw.) eine ganze Reihe von interessanten Ausschnitten aus ihrem militärischen Betrieb der Bevölkerung vorführen. Marsch durch die Stadt, Platzkonzerte, ein großes Stuhlkonzert, Besichtigung der Kasernen mit allerlei Unterhaltungsmöglichkeiten (Reiten, Fahren, Schic- feen usw.), Umschau in den Militärflugzeugen, Em- topfessen aus der Feldküche und noch vielerlei mehr sollen dazu beitragen, daß für das WHW. ein schönes Ergebnis der Sammlung erziell wird. Am gestrigen Montagnachmittag fand bei dem Standort- offijier der 9. Division eine erste vorbereitende Be­sprechung statt, in der die Durchführung dieser Ver­anstaltung in allen Einzelheiten festgelegt wurde. Näheres darüber wird zur gegebenen Zeit berichtet werden.

Meldungen

für die 6>anitäisoffizierslaufbahn.

Schülern, die Ostern 1940 die Reifeprüfung ob­legen und Neigung für die Sanitätsoffizierslauf­bahn im Heere haben, ist die Möglichkeit gegeben, als Fahnenjunker (im Sanitätskorps) eingestellt zu werden. Bewerbungsgesuche sind spätestens bis zum 30 4. 39 an den örtlich zuständigen Wehrkreisarzt (Wehrkreisarzt IX, Kassel) zu richten. Merkblätter für die Samtätsoffizierlaufbahn im Heere können bei dem Wehrkreisarzt IX, sowie bet den Wehr­ersatzdienststellen angefordert werden.

Schulungsabend der Jugendgruppen

gfs. Im Monat Januar fand ein Schulungsabend für die Jugend gruppen der vier Gießener Ortsgrup­pen statt. Der Abend wurde von der Jugendgruppen- führerin des Kreises Wetterau, Fräulein Rosen- schon, eröffnet; sie sprach Worte des Dankes für das entgegengebrachte Vertrauen und die bisher geleistete Arbeit. Dann sprach Pg. H e fe über Reli- gions- und Weltanschauungsfragen. Frl. Rosen- schon ermahnte darauf oie Mädchen zu mehr Idealismus und schlug vor, die nächsten Arbeits­abende der Jugendgruppen zu einer nochmaligen Aussprache über das Thema zu verwenden, da es unerschöpflich sei. Außerdem müsse man sich immer an das Wort von Dr. Goebbels halten:Niemand kann von der kommenden Generation erwarten, was die lebende versäumt."

Freund und Helfer aller Volksgenossen.

Ewiges aus dem Aufgabenkreis der Berwaltungspolizei.

Wenn man von der Polizei spricht, denkt man tn erster Linie an die Sicherheitsorgane des Staates, die zum Schutze der Ordnung und zur Aufklärung von Straftaten eingesetzt werden. Viele, ja die mei­sten Dolksgenosien aber können sich fein Bild von der Verwaltungspoltzei und von den ihr zugewiesenen Aufgaben machen. DerTag der Po­lizei" am 29. Januar gibt Veranlassung, den der Derwaltungspolizei aufgetragenen Pflichtenkreis allen Volksgenossen wenigstens in großen Zügen näherzubringen und ihnen zu sagen, daß nicht un­wichtige Gebiete gerade von der Verwaltungspoli­zei im Interesse und nicht zuletzt zum Wohle großer Volkskreise bearbeitet, aufgeklärt und bereinigt werden.

Zu der Verwaltungspolizei und von dieser laufen alle Fäden ein und aus, die notwendig sind, um die überaus vielseitigen Aufgabengebiete einer Po­lizeidirektion in die richtige Bahn zu lenken und sie insbesondere auch zweckentsprechend zu verwerten.

Wenn ich nachstehend von den einzelnen Abtei­lungen der Verwaltungspolizei und ihrem Pflichten­kreis etwas erzähle, so auch deshalb, um manchen Volksgenossen den Weg zur Polizei, insbesondere zur Verwaltungspolizei zu erleichtern, chnen weiter­hin zu zeigen, wohin sie sich z. B. bei An-, Ab- und Ummeldungen, bei Ausstellung von Pässen, Hausier­erlaubnisscheinen, Wandergewerbescheinen, Reise­legitimationskarten usw. zu wenden haben, und endlich sollen sie immer wieder wissen, daß der Po­lizeibeamte auf der Straße und der in den Polizei- bienfträumen Diensttuende Freund und Hel­fer aller Volksgenossen sind. Alle Hilfe und Rat suchende Volksgenosien sollen nicht ängst­lich und bangend zur Polizei kommen, sondern zu­versichtlich und hoffend, daß der Pvlizeibeamte, und insbesondere auch der Polizeiverwaltungsbeamte im Dritten Reich, heute seinen Stolz und seine Freude darin findet, allen Volksgenossen, und besonders der Jugend, mit Rat und Tat beizustehen.

Einwohnermeldeamt.

Nun laßt uns einen Mick tun in den Betrieb des Einwohnermeldeamts im Hause Neuen Baue 22 (Stadtpost). Ebenfalls sind hier untergebracht bas Ausländeramt und das sog. Wehrdezernat.

Jeder zu-, um- oder wegziehende Volksgenosse wird karteimäßig erfaßt und reaiftriert. Das Ein­wohnermeldeamt wird mit Recht die Seele der Polizei genannt; restloses Erfassen aller hier Zu­ziehenden und sei es auch nur vorübergehend liegt nicht nur im polizeieigenen, sondern insbeson­dere auch im Interesse der in die Stadt zuziehenden Personen. Die Praxis hat oft gelehrt, wie mancher Volksgenosse es schon oft bitter hat erfahren und bereuen müssen, daß er es unterlassen hatte, sich ordnungsgemäß an-, um- und abzumelden. Die Ausstellung von amtlichen Ausweisen, wie z. B. von Reisepässen, Führungszeugnissen und sonstigen gewerbepolizeilichen Bescheinigungen usw. hängt einzig und allein ab von der ordnungsmäßigen An-, Um- und Abmeldung. Ist sie unterblieben, so kann dem Betroffenen das für ihn meist wich­tige Dokument nicht ausgestellt werden, was natur­gemäß Verdruß, unnötige Zeitverschwendung und nicht zuletzt auch unangenehme Folgerungen nach sich zieht. Darum: Meldepflicht ist drin­gende Staatsbürgerpflicht !

Die Führung der Impfliste, in der alle Impflinge zu erfassen sind, die sog. Schulliste, die sämtliche schulpflichtigen Kinder zu enthalten hat, wie auch alle hier wohnenden Aerzte, Apotheken, Kranken­pfleger, Schwestern und sonstiges Pflegepersonal erfaßt werden müssen, läßt jeden einsichtigen Volks­genossen erkennen, wie überaus wichtig die amtliche Meldepflicht ist.

Die restlose Erfassung aller Arbeitsdienstpflich­tigen und Wehrdienstpflichtigen ist auch eine der Pokizeiverwaltung übertragene Arbeit des bei der Posizeidirektion bestehenden sog. Wehrdezernats, die nur bei genauester Führung der Meldekartei so bearbeitet und durchgeführt werden kann, daß die

Von Polizeloberinspettor Beate, Gießen.

jährlich stattftndenden Musterungen und Aushebun­gen reibungslos vonstatten gehen können. '

Von dieser Stelle das soll jeder Volksgenosse und jede Volksgenossin wissen werden bearbeitet und ausgestellt die Freiwilligenscheine (das sind die zum freiwilligen Eintritt zur Wehrmacht nötigen Scheine), ferner die Meldebescheinigungen für die in den Reichsarbeitsdienst eintretende weibliche Jugend. Arbeits- oder Wehrdienstpflichtige, die aus beruflichen ober sonstigen wichtigen Gründen glau­ben, ihre Arbeits- oder Dienstpflicht zu der befoh­lenen Zeit nicht ableisten zu können, wenden sich mit einem gehörig begründeten schriftlichen Gesuch unter Beifügung der für die Begründung wichtigen Unterlagen an die Polizeidirektion, die die Aufgabe hat, die jeweilig einlaufenben Rückstellungsgesuche zu bearbeiten.

Ausländeramt und Paßamt.

Hier soll weniger von dem Ausländeramt und seinen Arbeiten, die mehr interner Natur sind, ge­sprochen werden, als von den eigentlichen Paß- bestimmungen und insbesondere davon, wer einen Paß benötigt und unter welchen Voraussetzungen ein solcher ausgestellt und abgegeben wird. Paß- pflicht besteht für alle über 15 Jahre alte Personen, die die Grenze des Deutschen Reiches zur Ein-, Aus- und Durchreise überschreiten wollen, d. h. jede dieser Personen muß im Besitz eines gültigen Pas­ses sein. Der Antrag auf Ausstellung eines Reise- paffes ist bei der Ortspolizeibehörde, in Gießen bei den Polizeirevieren, in dem die jeweiligen Paß- beroerber wohnen, zu stellen. Hierbei sind erforöer- lich: das persönliche Erscheinen des Antragstellers, das Mitbringen zweier Ächtbilder aus neuerer Zeit, der Nachweis, daß der Antragsteller die Reichs- angchörigkeit besitzt und eine Unterlage über seine Personalien. Der Nachweis der Reichsangehörigkeit kann geführt werden durch Vorlage eines Heimat- fd)eines, Geburtsscheines, Staatsangehöriakeitsaus- weises, Anstellungsurkunde oder durch Vorlage eines dem Antragsteller früher ausgestellten Passes. Min­derjährige Personen bedürfen der Einwilligung des Vaters bzw. gesetzlichen Vertreters, ausgenommen Ehefrauen unter 21 Jahren. Die Geltungsdauer eines Passes beträgt im allgemeinen 5 Jahre. Reise­pässe werden als Einzel- und als Familienpässe ausgestellt. In einem Familienpaß können Eltern ober Elternteile mit ihren Kindern bis 15 Jahren eingetragen werden.

Fundbüro.

Die Unmenge der Fundgegenstände, angefangen von Fahrrädern, Teilen von Kraftwagen bis zu den kleinen, zum Teil wertvollen Schmuck- und sonstigen Gegenständen, beweist die wohl unausrottbare Schwäche des Verlierens und Stehenlassens all die­ser netten, manchmal auch nicht hübschen Sächelchen. Damit sowohl der Verlierer als auch der Finder weiß, wie sie sich bei Feuerfällen zu verhalten haben, lasse ich kurz das hierzu Wissenswerte fol­gen: Jeder Finder einer verlorenen Sache hat nach § 915 BGB. der Polizeibehörde, sofern der Emp­fangsberechtigte unbekannt ist, unverzüglich von dem Fund Anzeige zu machen. Er ist verpflichtet, den ge­fundenen Gegenstand mindestens 1 Jahr aufzube­wahren, oder der Polizeibehörde zwecks Aufbewah­rung abzuliefern. Dies gilt jedoch nur von den über 3, RM. Wert betragenden Gegenständen. Ist der Verlierer nach einem Jahr noch nicht bekannt, oder ermittelt worden, so geht der Fundgegenftand in den Besitz des Finders über. Der Finder kann von dem Empfangsberechtigten einen Finderlohn verlangen. Der Finderlohn beträgt von Dem Werte der Sache bis zu dreihundert Mark 5 v. H., von dem Mehr­wert 1 v. H.; bei Tieren 1 v. H. 5)at die Sache, was oft vorkommt, nur für Den .Empfangsberechtigten, also dem Verlierer einen Wert, so wird der Finder­lohn nach billigem Ermeßen bestimmt.

Wenn vorstehend schon einiges aus Dem Auf­gabenkreis der Derwaltungspolizei mitgeteilt wor­ben ist, so Darf nicht vergessen werden. Das wichtige Aufgabengebiet Der

Gewerbeabteilung

zu umreifeen, ein Gebiet, Das überaus vielseitig und für einen großen Teil Der Bevölkerung wichtig ist. Wie schon das WortGewerbe" sagt, handelt es sich hier in erster Linie um gewerbepolizeiliche lieber- wachung aller Betriebe. Es gilt, Die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes, Die Gesetze und Verordnun­gen zum Schutze Der Arbeiter in Betrieben, sog. Ar- oeiterfchutzbestimmungen, in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeaufsichtsamt zweckentsprechend zur Durchführung zu bringen. Aber von diesen sowohl für die Werksleituna, als auch für Den Arbeiter gleich wichtigen Gesetzen, Verordnungen und Be­stimmungen soll hier nicht gesprochen werden, son­dern es soll nur das mitgeteilt werden, was Die einzelnen Volksgenossen am ehesten interessieren dürfte, und hier nur der ambulante Gewerbebetrieb.

Was versteht man unter ambulantem Gewerbe­betrieb? Folgendes: Der ambulante Gewerbebe­trieb setzt Die Befugnis zum felbftänDigen Betrieb eines stehenden Gewerbes voraus und berechtigt Darüber hinaus zur Ausübung dieses Gewerbes innerhalb und, unbeschadet Der Bestimmungen über Das Wandergewerbe, auch außerhalb des Gemeindebezirks Der gewerblichen Niederlas­sung. Also ambulante Gewerbetreibende sind Personen, Die in ihrem Wohnort oder am Orte ihrer gewerblichen Niederlassung, losgelöst von Dem Geschäftslokal, ein Gewerbe betreiben. Die Ausübung des ambulanten Gewerbebetriebs muß erfolgen: a) entweder auf öffentlichen Hegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Or­ten (Parks, Festplätzen, Rennplätzen); b) oder ohne vorgängige Bestellung von Haus zu Haus und besteht in c) Feilbieten von Waren; d) An­kauf von Waren oder Aufsuchen von Warenbe­stellungen oder e) Anbieten gewerblicher Lei­stungen.

Zu den öffentlichen Orten gehören auch Schank- wirtschaften, Kinos, Zirkusse, solange Dort jeder­mann Zutritt hat. Im Gegensatz hierzu steht die offene Verkaufsstelle". Eine offene Verkaufs­stelle ist vorhanden, wenn jemastd sein Gewerbe an einer f e ft e n Stelle betreibt, auf die er unter Ausschluß anderer ein Reckt und zu Der jeder­mann Zutritt hat. So gehören zu Den offenen Verkaufsstellen ßäDen, Derkaufsstände, Duden, Derkaufstische der Händler mit Postkarten, Kurz­waren, Obst usw. Sämtliche Anträge auf Ausstel­lung von Reiselegitimationskarten, Wandergewer- bescheinen, Hausiererlaubnisscheinen sind bei Den für Die Antragsteller zuständigen Polizeirevieren zu stellen. Nach entsprechender Prüfung und Be­arbeitung werden Die Reiselegitimationskarten, Wandergewerbescheine und Hausiererlaubnisscheine von den Verwaltungsbeamten Der Polizeidirektion ausgestellt und Den Antragstellern nach Entrich­tung Der hierfür vorgesehenen Gebühren ausge- händigt.

Nur ein kleiner Ausschnitt.

Diese Ausführungen sind nur ein kleiner Aus­schnitt aus Dem überaus großen Aufgabengebiet der Verwaltungspolizei, Deren Beamte, wie über­haupt alle Beamten der Polizei, nur den Wunsck und das Bestreben haben, allen Volksgenossen und Dolksgenossinnen mit Rat und Tat jederzeit bei* zustehen, damit das Vertrauen des die Gesetze respektierenden Volkes zur Polizei immer noch fester und vertrauensvoller wird. Die Polizei im nationalsozialistischen Staat hat auf ihr Schild ge­schrieben: Freund und Helfer aller anständlgen Volksgenossen fein und bleiben zu wollen!

Gießener Wochenmarktpreise.

* © i e fe e n, 24. Jan. Aus Dem heutigen Wochen* markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, Das Stück 4 bis 9, Wirsing, Vt kg 12 bis 16, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 35, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 18,

Die Luft ist wieder mal abscheulich hier, Stein", sagte er so leicht er konnte.Gut, Der Ton Da Drinnen, was?"

GeraDe hatte Evelyn ihr letztes Lied begonnen. Die Männer schwiegen und horchten, Die warme Stimme klang zart in tastender Frage auf:Wo­rum so spät erst, Georgine? Das Rosenmärchen ist erzählt--und honigsatt hat sich die Diene ihr

Bett zum Schlummer auserwählt ..." Die Sän­gerin hatte leicht Den Kops gehoben und wandte ihn ein wenig, während die Begleitung einige Takte allein spielte ... sie sah hinüber und gerade in Bortefelds Gesicht, ihr Gesicht wurde noch blas­ser, und Die schmale Linie um Den Mund verstärkte sich, aber ruhig sang sie weiter:SinD nicht zu kalt Dir diese Nächte? Wie lebst Du diese Tage hin? Wenn ich Dir nun Den Frühling brächte---!

Du feuergelbe Träumerin! Wenn ich mit Maitau Dich benetzte, begösse dich mit Iulilicht doch, ach! Dann wärst Du ja Die letzte, Die stolze Einzige auch nicht ..."

Sehr zart unD erfühlt fuhr Der weiche schwin- genDe Alt fort:Wie Träumerin? Lock ich dich vergebens?" Und bann sehr tief und innig:So reich mir schwesterlich Die Hand. Ich hab Den Mai­tag dieses Lebens, wie Du Den Frühling nicht ge­kannt ... UnD spät wie Dir, Du Feuergelbe, stahl sich Die Liebe in mein Herz ...Ob spat, ob früh, es ist Dasselbe Entzücken und Derselbe Schmerz ... Und Derselbe Schmerz ..

Ausgezeichnet", sagte Stein nachDenklich.Ganz erstaunlich, wo sie bas hernimmt ..."

Er sah Den Generalmusikdirektor an ,Lch hätte gern noch auf einen Augenblick etwas mit Ihnen besprochen, Herr Dr. Bortefeld. Wegen des Tede- ums."

Ich hab nicht viel Zeit", jagte Der Mann neben ihm karg..Erwarte gleich noch Besuch----

Aber, wenn wir eben zu Ihnen hineingehen wol­len --Kommen Sie ..."

Er warf noch einen Blick in den SenDesaal, Evelyn hatte sich nieDergesetzt. Das Orchester be- Dann ein kleines Kammermusikwerk, bas Mädchen horchte intensiv, es wollte die Sendung wohl hö­ren ---ober wollte es nur Ruhe finden?

Evelyn Wie sie basaß, ernst, tapfer, lieb und gescheit---Und wenn sie wirklich

sein Kinb Und wenn sie wirklich sein Kind---Nein, es konnte boch nicht sein!

Mit schmerzlicher Gewalt überfielen ihn plötzlich die Verse Des Liebes--Ob spät, ob früh, es

ist dasselbe Entzücken und derselbe Schmerz--N

(Fortsetzung folgtl)