Ausgabe 
24.1.1939
 
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ihre jetzt wieder blanken Augen schon Häßliches ge» sehen haben.

Bei 42 Grad Hitze im Lubjanka-Kerker

Was deutsche Heimkehrer von ihren Erlebnissen in der Welt berichten.

die oftmals mittellos in die Heimat zurück­kehrenden deutschen Volksgenossen mit ihren Familien die erste Wohnung erhalten.

Der große Ueberseedampfer geht mit hoher Kraft durch den Ozean. Am Vorlademast des schwimmen­den Hotels weht der Heimatwimpel.Nach Hause, nach Hause!" Und wie herrlich blau das Meer ist' Ganz wie in Wirklichkeit, denn wir stehen vor einem riesigen Wandgemälde im Kinderzimmer des Rück­wandererheims -er AO. in Berlin-Tegel. Nun spielen.die Kleinen wieder sorglos mit der sie betretenden Schwester, ein helles Lachen beherrscht den Raum. Weiß der Himmel man stellt eine Frage an eines der Mädel oder einen der Jungen, wie man sie sonst nur an weitgereiste erwachsene Menschen richtet.Aus Brasilien, aus Amerika, aus Australien, aus Rußland, aus Kanada, aus Po­len" kommen sie. Bunt und leuchtend ist die Welt, die einem da bei Namen genannt wird. Doch sie ist bei näherer Betrachtung gleichsam ein Kaleido­skop der Freude und des Leidens.Wir freuen uns ja so, daß wir endlich in Deutschland sind, gottlob, endlich wieder in der Heimat." Das er-

Doch nun spielen sie, pausbäckig wie die Weih­nachtsengel, im großen Garten, nur noch mit einer Sorge behaftet:Wann gibt's die nächste Mahl­zeit?" Gleich sorglos, wie es die kleinen Fragesteller sind, ist der Heimleiter in dieser Beziehung. Man hat ihm für seine zu betreuenden Rückwanderer ein ideales Gelände zur Verfügung gestellt ein ehe­maliges Sanatorium, am schönen Tegeler See ge­legen. Große Gärten und ähnliche Nutzflächen sind der Gemüsezucht zugutegekommen, und in einer eigenen Schweinezucht wird das nötige Frischfleisch und Fett sichergestellt.

An welche Einrichtung ist hier nicht gedacht wor­den! Es ist alles wie in einem großen H o - t e L Wäscherei, Plätterei, Schneiderwerkstatt, Schuh­macher, Land- und Gartenarbeiter, alle Berufe sind, von den Rückwanderern gestellt, hier im Heim ver­treten. Wie froh sind sie, daß sie überhaupt nur wieder eine Arbeit verrichten dürfen, deren Lohn sie sichtbar vor sich haben. Die Erzählungen dieser Menschen, die oftmals jahrzehntelang von der Hei­mat getrennt waren, sind genau so abenteuerlich an­

Werbung durch Llnfug.

Wohl jeder unserer Leser hat in den letzten Tagen über die merkwürdigen Demonstrationsarten, die in England Sensation machen, seinen Kopf geschüttelt oder mindestens im Willen Herzenschrein eine gelinde Verblüffung registriert. Und das mit Recht: Bombenattentate mag es sich auch mehr um Krachbomben als um Sprengbomben gehandelt haben sind ebenso wenig nach deutschem Ge­schmack wie das Herumtragen eines Sarges oder das Sich-Hinwerfen auf Straßen zur Erzwinguna einer Verkehrspause oder etwa die Idee, daß sich Demonstranten an die Cisengitter der Regierungs- gebäuüe anketten. Warum treiben nun eigentlich die Engländer diesen Unfug? Wir sympathisieren durch­aus mit den englischen Arbeitslosen, um die sich kein Mensch in dem reichen England kümmert; selbstverständlich tun wir das. Aber der klare Men­schenverstand kann sich doch nicht darüber hinweg­setzen, daß die Demonstrattonsarten der englischen Arbeitslosen nach unseren Begriffen Unfug sind und bleiben. Also warum dieser Unfug?

Die Antwort ist nicht ganz leicht, aber sehr inter­essant. Die politischen Parteiorganisa­tionen des Engländers sind reine Wahl­maschinen. Was Über den Bereich der parla­mentarischen Kämpfe und Wahlen hinausgeht, inter­essiert sie nur insoweit, als diese Zustände oder Vorfälle auf die Wahlchancen zurückwirken. Aber grundsätzlich sind die Parteiapparate ganz und gar dem Parlament verhaftet und auf außer­parlamentarische Aktionen nicht ein» aestellt. Was sonst an Organisationen vorhanden ist, die in die Breite und Tiefe gehen, ist eben­falls wenig geeignet, aktuelle Probleme in scharf zugespitzter Form vor die breiteste Oeffenttichkeit zu tragen. Zu diesen an sich vorhandenen, aber für demonstrative Synderzwecke wenig geeigneten Organisattonen sind in England ganz besonders auch die kirchlichen Vereinigungen aller Art zu rechnen, die sich gewiß mit dringenden Gegenwartsfragen stark beschäftigen, aber deren

Wir haben unseren brt.-Mitarbeiter in das I hält man von Kindern zur Antwort, die oftmals Rückwanderer-Heim der Auslandsorganisation gerade richtig sprechen gelernt haben. Was müssen der NSDAP, nach Berlin-Tegel entsandt, wo V*~" w------ --

kirchlicher Zweckcharakter verständlicherweise merk­liche Grenzen der äußeren Betätigung setzt.

Es ist also eine Lücke im öffentlichen Leben Englands vorhanden. Ein alter Satz der Physik lehrt, daß jeder luftleere Raum eine starke Anzie­hungskraft entfaltet. Genau so ist es auch hier im politischen Leben Englands. Menschen, die entweder unmittelbar durch bestehende Mißstände schwer ge- ttoffen sind oder die aus der gefühlsmäßigen oder verstandesmäßigen Erfassung solcher Mißstände eine Lebensaufgabe machen, erschließen sich y- einfach nach eigenem Gutdünken ein persönliches Tätigkeitsfeld. Der Natur der Sache nach muß das zunächst immer eine Minderheit fein, wenigstens soweit es sich um eine Kampf­gemeinschaft zur Beseitigung von tatsächlichen oder behaupteten Mißständen handell. Solche Minder­heiten aber müssen mit überaus drastischen Mitteln arbeiten. Je ausgefallener ihre Werbe­methoden sind, desto mehr Hoffnung haben sie, daß man von ihnen spricht. Und eben darauf kommt es diesen Kampfgruppen an. Die Suffragetten haben vor dem Kriege bereits in ihrer Werbung für das Frauenwahlrecht einige Rekordleistungen in dieser Beziehung verbucht.

Wir Deutsche haben picht allzuviel für Werbung durch Unfug übrig. Diese Ablehnung bedeutet aber nicht, daß wir die Probleme leugnen, die hinter diesen absonderlichen Werbemechoden lauern. Mit der sozialen Tätigkeit in England sicht es ungefähr so wie mit dem englischen Sport: Es sind glän- zende Einzelleistungen vochanden, aber eine all­gemeine, systematische und sozusagen selbst­verständliche soziale Betätigung ist ebensowenig vor­handen wie eine allgemeine sporttiche Betätigung. Wir tpnnen es wahrhaftig nicht englischen Arbeits­losen verdenken, daß sie chre glücklicheren Lands­leute etwas derb auf chre soziale Saumseligkeitan­stoßen", wenn das reiche und satte England in eigenen und in fremden Bezirken wunderbar klug redet, aber nicht in die eigene Tasche greift.

Dr. Ho.

zuhören, wie es einstmals ihre Flucht war, die sie in den Tagen antraten, da das Mutterland sich nicht ihrer, sondern der jüdischen Parasiten erbarmte.

Bitter haben unsere Auswandererdrüben" kämpfen müssen, nichts blieb ihnen und den tapse- ( ren Frauen erspart, ein stilles Heldentum der deutschen Volksgemeinschaft trugen > sie Jahr um Jahr in klageloser Entsagung mit sich; unter den fremden Sternen. Nur wenige Menschen j sind den Deutschen in der Welt begegnet, die ihnen ' den Fleiß ihrer arbeitsamen Hände und Hirne gönnten. Haß, Verfolgung, Terror, alles nahmen sie auf sich, immer von dem Gedanken beseelt, daß man der deutschen Flagge doch noch Achtung zollen würde, oder daß die Stunde käme, da die Hei­mat sie wieder zllrückrufen würde. Die Stunde hat geschlagen, nun sind sie heim, die Deutschen aus der Welt! Die letzten Spargelder wurden buchstäblich zusammengekratzt, die letzte Habe wurde auf die Schulter geladen, und dann ging es an Bord! N a ch Hause, nach Hause!"

Rund 26 OOO Volksgenossen kehrten allein im letzten Jahr in den Rückwandererheimen der Aus­landsorganisation der NSDAP, ein. Mittellos, ohne Arbeit, am Rande der Verzweiflung. In Berlin, in Stuttgart, in Düsseldorf oder in Prien am Chiem­see, in allen zehn Zweigstellen der AO. bietet sich den Heimleitern das gleiche, trostlose Bild bei der Ankunft ihrer Gäste.

Herrgott, was haben diese Menschen nicht alles erlebt? Lassen wir einen von ihnen erzählen, der vor Monatsfrist aus einer Kleinstadt in der Nähe Moskaus zurückkehrte. Er saß bei unserem Besuch mit seiner Frau und seinem kranken, elf Jahre alten Töchterchen in der blitzsauberen Stube des Rück­wandererheimes und erzählte uns mit tiefbewegter Stimme folgendes von seinem Schicksal:

Dor vielen Jahrzehnten bin ich als Spinnerei­fachmann nach Rußland gegangen. Bei der Oktober­revolution im Jahre 1916 haben sich auch die neuen Machthaber meine Kenntnisse zunutze gemacht. Ja, man ließ mich sogar bis zum Direktor einer Spin­nereifabrik aufsteigen. Konnte ich da ahnen, daß dieser Posten nur eine Falle der Sowjets war?

Eines Abends, es war zu Anfang des Sommers 1938, klopfte es an der Tür meiner Wohnung. G P U.! Wortlos durchstöberten die Blutschergen Stalins mein Heim und führten mich dann ohne jede Begründung ab. Meine Frau, die sich weinend an mich klammerte, wurde von den Burschen rück­sichtslos beifeite gestoßen, kein Wort der Erklärung fiel. Ich wurde als Staatsfeind verhaftet, und die Haussuchung, bei der man einige belanglose Briefe von meinen deutschen Verwandten fand, genügte, um mich nach Moskau in das Lubjanka-Ge- fängnis zu führen. Verhöre, Verhöre, Verhöre!

Ich wußte immer noch nicht, weshalb ich verhaf­tet worden war. Mittlerweile wurde es Hochsom­mer, und im Zimmer des Kommissars sah ich, daß das Thermometer auf 42 Grad stand. Diese Hitze wurde bald unerträglich. Dennoch führte man mich, um mich zumGedächtnis" zu bringen, in einen Raum, in dem sich schon 20 Mann stöhnend unter der Hitze wanden. Einer von uns maß den Raum der Zelle aus der Flächeninhalt betrug 6V2 Qua­dratmeter. Auf meine Beschwerde hin sagte man mir höhnisch grinsend: ,Sie sollen mehr Platz ha­bend Und nun führte man mich Aeynliches wird Ihnen aus Literaturschilderungen bekannt sein in einen Raum, der 15 Quadratmeter groß war und in dem 72 Mann Tag und Nacht im Lubjanka-Gefäng- nts standen.

Wieder wurde ich von einem etwa 25 Jahre alten Burschen verhört. Er ließ mich 4V2 Stunden in einer Ecke stehen. Ich sollte ,kirre werdens dabei wußte ich immer noch nicht, was ich verbrochen hatte. Ich wußte auch nicht, wie es meiner Frau

und meinem Kinde ging. Körperlich war ich ganz herunter, denn wir bekamen jeden Tag 600 Gramm Brot, 2 Stück Zucker und einen Löffel Wasser zur Ernährung! Und dann kam das Tollste! Als ich mich umdrehte, da hatte man an der Wand Bilder auf« gehängt, die ich aus der Heimat in ihrer Ausfüh« rung nur von den Moritatensängern her in Erin­nerung hatte. ,Der blutige Hitler^ war der Titel dieser Schmierereien, die mir die Zornesröte in das Gesicht trieben, weil sie die haarsträubendsten »Bil­der aus dem Dritten Reichs zeigen sollten. Weiß Gott, das konnten sich nur Wahnsinnige ausgedacht haben!

So begann mein Derhör, ich mußte mich abwech­selnd hinlegen und aufstehen, mußte wie ein dum­mer Junge in der Ecke stehen trotz meiner 54 Jahre. Dann fa$te man mir: »Unterschreibe!* Mir war alles egal, ich konnte kaum noch meinen Arm heben, denn ich war am ganzen Körper zerschlagen. Dann ließ man mich frei. Ich weiß, ich bin einer der wenigen, der aus dieser Hölle des Lubjanka entkam. Denn ich habe noch meine Frau und mein Kind, und mein Deutschland!"

Lange, lange haben wir uns mit diesem Volks­genossen, der nun wieder in die Heimat zurück- gekehrt ist, unterhalten. Bewundernd schauen wir lhn an, der nach allen erlittenen Drangsalierungen wieder mit klaren Augen in die Welt blickt.

Wetterbericht

Don der Rückseite des inzwischen bis zur Ostsee vorgestoßenen Sturmwirbels ist kältere Meeresluft auf das Festland eingedrungen. Sie brachte auch uns merkliche Abkühlung und vor allem in den höheren Gebirgen Deutschlands stärkeren Schneefall. Das über Westeuropa aufgebaute Zwischenhoch bringt voraussichtlich Beruhigung, aber noch keinen endgültigen Abschluß der unbeständigen Witterungs­periode.

Dorhersage für Mittwoch: Häufig auf­heiternd, doch noch unbeständig und einzelne meist schauerartige Niederschläge, nachts leichter Frost, Tagestemperaturen etwa bis ju + 6 Grad anstei­gend. Auf den Bergen leichter Dauerfrost, abflauende Winde aus West bis Nord.

Lufttemperaturen am 23. Januar: mittags 6,4 Grad Celsius, abends 6 Grad; am 24. Januar: mor­gens 5,1 Grad. Maximum 7,8 Grad, Minimum heute nacht 5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Januar: abends 6,6 Grad; am 24. Januar: morgens 6,2 Grad. Niederschläge 3,5 mm.

Wintersport-Wetterbericht.

Schwarzwald. Feldberg: Schneefall,3 Grad, Gesamtschneehöhe 60 cm, Neuschnee 20 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel sehr gut.

Alpen, Schnefernerhaus: Schneefall, 6 Grad, Gesamtschneehöhe 155 cm, Neuschnee 5 cm, Pulver­schnee, Schi sehr gut.

In den höheren Gebirgen Deutschlands kann mit stärkeren Frösten gerechnet werden. Bei abflauenden Winden aus West bis Nord leichter Dauerfrost.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 38: 10843. Druck und Verlag- Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange, K.-G.. sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu- strierten-15 Pf mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 aultlg

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Mittwoch, den 25. Januar 1939

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