der Reichsbank in den fänden des Reichsministers Funk weniger sorgfältig die bürokratischen Klippen zu meiden sucht, als es im Wirtschaftsministerium und in der Reichsbank unter der Leitung Dr. Schachts geschehen ist.
Ein alter militärischer Grundsatz lautet, daß jeder militärische Verband das Tempo seines Vormar- sches nach der Geschwindigkeit und der Marschleistung seiner auf diesem Gebiet s ch w ä ch st e n Formation richten muß. Eilmärsche eines Teiles reißen die Marschkolonnen auseinander, verhindern gemeinsame Operationen und stellen den Erfolg in Frage. Auf verschiedenen Gebieten haben wir das Gleichgewicht der Funktionen noch nicht erreicht. Einer ausreichenden Inlandserzeugung an einem bestimmten Stoff stehen nicht selten unzureichende Produttionsmöglichkeiten in bezug auf einen anderen gleichwichtigen Stoff geaenüber. Die Lage gestattet es uns nicht, alles Fehlende und Notwendige auf Einfuhrkonto zu nehmen. Auch in der Verteilung unlerer Arbeitskräfte haben wir noch keine gesunde Bilanz schaffen können.
Besonders mißlich ist die Lageinder Landwirt s ch a f t, wo der Mangel an Hilfskräften ernste produktionspolitische Folgen zeitigen könnte. Wenn der Beruf des Landarbeiters bei den jungen Leuten noch nicht seiner nationalwirtschaftlichen Bedeutung und seiner völkischen Ethik entsprechend gewürdigt wird, so ist es Dache derer, die unser Volk im Geist der Einsatzbereitschaft erziehen, auf weite Sicht Vorkehrungen für eijie Anreicherung solcher Mangelberufe zu schaffen. Hier kann auch vor einer Verringerung des Anreizes, ländliche Beschäftigung mit städtischer Arbeit zu vertauschen, nicht zurück- geschreckt werden. Es ist richtig, daß ein zunehmender Maschineneinsatz im Landbau die Arbeitsbilanz auf dem Lande entlasten wird. Aber der Zwang zur intensivsten Bodenausnutzung wird uns immer wieder zu zusätzlicher Verwendung menschlicher Kräfte zwingen, für die Zur Zeit ein ausreichendes Reservoir nicht zur Verfügung steht.
Der wirtschaftliche Vormarsch Deutschlands, der in den nächsten Tagen in sein siebentes Jahr eintritt, wird in immer stärkerem Maße zu einem O r • ganisationsproblem. In den Erlassen, mit denen Generalfeldmarschall Göring den Reichswirtschaftsminister Funk und dieser nneder andere Sonderbevollmächtigte einsetzte, ist nirgendwo von der Schaffung eines neuen Apparates die Rede. Organisation bedeutet nicht/die Einrichtung neuer vielköpfiger Behörden, jöndern im Gegenteil eine Einschränkung und Ausschaltung von Stellen, die ihren Wert überwiegend nach der hohen Zahl der in einem Labre erzielten Journal- nummern bemessen. Damit soll nicht gesagt sein, daß jede kleine Störung oder Unebenheit Keime der Katastrophe in sich trage. Menschen und Einrichtungen können mehr aushalten, als manche wahr haben wollen. Das Entscheidende ist, daß für aufbauende Arbeit der Weg bereitet und derLeerlaufeingeschränkt wird.
Neuregelung
des großdeutschen Geschäftes des Triester Derstcherungskonzerns.
Berlin, 23. Jan. (DNB.) Retchsmirtschafts- Minister Reichsbankprästdent Funk empfing den italienischen Wirtschaftsführer Exzeltenz Gros Volvi di Misurata, Präsidenten der Assi- curazwnä Generali Trieft, die von allen italienischen Versicherungsunternehmungen die größten Auslandsinteressen hat und bereits seit 1831 e t n deutsches Geschäft betreibt. Die Pläne, die Graf Volvi zur Neuregelung der Interessen des Triester Derstcherungskonzem in Großdeutschland oortrufl, sanden die grundsätzliche Billigung des Reichswirtschaftsministers. Zur HerbeiftHrung einer engeren Interessengemeinschaft unter den Tochter- und befreundeten Gesellschaften der Ge- neraligruppe werden weitere Schritte in die Wege geleitet werden.
Der Berkaus des Neuen Deutschen
Theaters noch nicht endgültig.
Prag, 23. Jan. (Europapreh.) Die amtlich bekanntgegebene Annahme des Angebots des Prager Deutschen Theateroereins auf Verkauf des Neuen Deutschen Theaters durch die Regierung bedeutet noch nicht, wie in deutschen Kreisen verlautet, einen Abschluß des Verkaufes an sich. Der
wies in feiner Antwortrede auf bevorstehende Be- ■ abgewiesen und im Gegenstoß feindliches Gelände sprechungen zwischen Vertretern der Relchsgruppe gewonnen und 150 Gefangene gemacht.
Armee zu erwarten. Ein Nachtrag zum nationalen Heeresbericht erwähnt die Besetzung zahl-
Ist das Nichteinmischung?
Aus Bilbao wirdOeffnung der französischen Grenze gerncldet.
Deutsch-britische Handelsbeziehungen
Keine unfairen Methoden des deutschen Außenhandels.
ftem der Währungskontrolle des bllateralen Clearings und der Zahlungsabkommen fei Deutschland durch die Politik der Gläubigerländer a u f g e -
London, 23.Ian. (DNB.) Die deutsche Handelskammer in London gab ihr Übliches Iahresesfen, bei dem Botschafter y. D i r k s e n die Aussichten der englisch-deutschen Handelsbeziehungen als günstig bezeichnete. „Wie jede Nations so sagte er, „ihr eigenes Schicksal zu bestimmen wünscht, werden auch die wirtschaftliche Entwicklung und die Grundsätze jeder Nation dazu beitragen, Unterschiede untereinander auszugleichen. Es sollte aber möglich sein — wie es in der Vergangenheit auch möglich gewesen ist — einen praktischen W e g zu finden, ohne sich dabei in theoretische Diskussionen über „Vor- oder Nachteile dieses ober jenes Wirtschaftssystems zu verlieren." Botschafter v. Dirksen schloß mit dem Hinweis, daß Deutschland und England gegenseitig viele Jahrzehnte hindurch die b e ■ sten Kunden gewesen seien. Diese alten Beziehungen müßten ein wertvolles Plus für neue Bemühungen ergeben.
Ministerialdirektor Wiehl wandte sich gegen den Vorwurf, daß sich Deutschland unfairer Außenhandelsmethoden bediene. Das Sy-
nötigen D e d i = \ r«>fa jomie östlich von Jgualada und im Abschnitt Lebensmittel- Villafranca de Panades^So wurden Pau de Or-
Industrie und der Federation of British Industry hin, die zwischen den einzelnen Industrien Abkommen über die Konkurrenz auf eigenen und dritten Märkten bezweckten. Der Erfolg der Zahlungsabkommen gebe Anlaß zu der Hoffnung, daß auch diese weiteren Erörterungen erfolgreich fein würden.
sidenten des Senats und der Kammer, das Diplo- matifche Korps, darunter der deutsche Botschafter von Mackensen, sowie zahlreiche Vertreter ausländischer Herrscherhäuser bei. Trauzeugen der Braut waren der italienische Kronprinz und der Graf von Turin, Trauzeugen des Bräutigams feine Brüder, die Prinzen Taver und Gaetan von Bourbon- Parma. Um 13 Uhr wurden Prinz Ludwig und Prinzessin Maria von Bourbon-Parma o o n P a p st Pius XI. in feierlicher Audienz empfangen. D e r Führer hat Seiner Majestät dem König von Italien, Kaiser von Aechiopien, ebenso der Prinzes- sin Maria von Savoyen zu ihrer Vermählung telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt. Außerdem ließ der Führer der Prinzessin durch Botschafter von Mackensen eine Blumengabe überreichen.
Deutsche Theaterverein wird diese Frage vielmehr ausschließlich im Sinne der Führung der deutschen Volksgruppe in der Tschecho- Slowakei entscheiden. Diese Entscheidung selbst bildet aber einen Teil eines noch in der Schwebe befindlichen Fragenkomplexes.
Hochzeit im italienischen Königshaus.
Rom, 23. Ian. (DNB.) Die Trauung der Prin- zefsin Maria von Savoyen mit Prinz Ludwig von Bourbon-Parma hat in der mit prachtvollen weißen Blumengebinden geschmückten Kapelle des Quirinalfchloffes stattgefunden. Der Feier wohnten das italienische Herrscherpaar, die Mitglieder der Familien Savoyen und Bourbon- Parma, König Boris von Bulgarien, Mussolini und die Mitglieder der italienischen Regierung, die Prä-
zwungen worden. Die Exportförderungsmetho- ___________v_ ,
den rührten von der Tatsache her, daß Deutschland reicher -weiterer Ortschaften südwestlich von Man- nur durch Exporte d i e nötigen D e d i = । refa jr—:- - 9fkr*„w<-
(en für seine unerläßliche Lebensmittel- Villafranca de Panades."So wurden Pau de Or- und Rohstoffeinfuhr erwerben könne. !kst, 28 Kilometer vor Barcelona, und Ielida, 24 Deutschlands Ziel sei lediglich, dieselbe Unab- Kilometer van der Hauptstadt entfernt, erobert, hängigkeit aus wirtschaftlichem Gebiet zu er- Im Küstenab schnitt ist der inmitten der zerklüfle- ringen, deren andere Länder sich erfreuten. t€n Steilküste gelegene Ort Garras eingenom- Ein Handelskrieg wurde keinem Lande nutzen, bei- ! men worben, der bereits in unmittelbarer Nähe den Ländern aber Schaden bringen. । der Vororte Barcelonas liegt. An der Estrc -
Der britische Ueberseehandelsminister Hudsonmadura-Front wurde ein Angriff der Roten
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Martorell,
Panik in Barcelona.
Oie Hauptstadt Kataloniens ohne Strom. — Seit drei Tagen kein Brot mehr.
E. F. Paris, 23 Januar.
Der katalanischen Hauptstadt bemächtigt sich immer mehr eine offene Panikstimmung und auf der anderen Seite eine heimliche Freude auch derjenigen^ die den Einzug der Truppen Francos sehniichst herbeiwünschen, gegenwärtig aber sich verbergen müssen, um nicht mit den drakonischen Bestimmungen des Kriegszustandes, der über ganz Sowjetspamen verhängt ist, in Konflikt zu geraten. Me das „Journal" berichtet, beginnt sich bereite jetzt, wo die Bolschewisten noch Herren Barcelonas sind, in der Stadt die bekannte „ 5. Kolonne" Der Parteigänger Francos zu rühren, die von den roten Machthabern so gefürchtet wird. Durch die 5. Kolonne wurden in der Nacht zum Montag in einer Reihe wichtiger Straßen der Stadt Handzettel ongeklebt, In denen die Bevölkerung aufgefordert wird, den Befehlen der raten Machthaber nicht nachzukommen, da jeder weitere Widerstand sinnlos sei und nur unnötiges Blutvergießen zur Folge haben würde.
Der Sonderberichterstatter der Agentur H a v a s schreibt mit außerordentlicher Nervosität über bte Beunruhigung, die über Barcelona lagere. Seit gestern abend habe bte Stadt ein anderes Aussehen genommen. Die großen Straßen nach dem Norden seien besät mit langen Reihen von Flüchtlingswagen. In den Räumen der sowjetspamschen Zensur säßen die Journalisten und verfaßten ihre Berichte bei Kerzenlicht. Man atme auf, wenn man die ruhige Stimme „hier ist Panis" am Telephon vernehme.
Auch die Aussagen der an der französischen Grenze eintreffenden Flüchtlinge lassen erkennen, daß die Lage in Barcelona katastrophal zu werden beginnt. Seit drei Tagen ist kein Brot mehr verteilt worden. Die unaufhörlichen nationalen Bombenangriffe haben den Flug
hafen Prat zerstört, so daß die Landung von Flugzeugen unmöglich ist. Da durch die Luftangriffe auch die Elektrizitätswerke zerstört worden sind, ist die Stahl Barcelona ohne Lich t- u n d K r a f t st r o m. Die Auhenviertel sollen geräumt und die Bevölkerung in die Innenstadt geflutet sein. Die Flüchtlinge behaupten, daß die extremen Elemente ote Oberhand gewonnen hätten. Die Akten der roten „Ministerien" sollen aus Barcelona bereits nach Valencia und Alicante abbefördert worden sein, desAleichen auch die zahlreichen Wertgegenstände, die rm Palast des sogenannten „PrSst- denken" Azana ausaestapelt lagen und durchweg aus von den Bolschewisten geräumten Städten und Provinzen weggeschleppt worben waren.
Die evglischs Kolonie Vareelsnas hat die Stadt Montag zum größten Teil auf dem Seewege v erlassen. Man schätzt die Zahl der englischen Staatsangehörigen auf über 200, wovon zwanzig Mitglieder der Gesandtschaft bzw. des Generalkonsulats sind. Um ihre Sicherheit zu ge- wLchrleiften, hatte das Außenamt den englischen Gesandten Stevenson angewiesen, sich mir dem Oberbefehlshaber Im Mittelmeer in Verbindung zu setzen. Der Kreuzer „Devonshire" und der Zerstörer „Greyhound", Ine sich in der Nähe aufhielten, haben entsprechend« Weisungen erhalten.
Die Einkreisung Mnresas.
Saragossa, 24. Januar. (DNB Funkspruch.) Wie der Frontberichterstatter des DNB. meldet, drangen nach der Einkreisung Manre- fas am Montag gegen 23 Uhr nationale Tanks in die Stadt ein, wo der völlig umzingette Feind wetterhin heftigen Widerstand leistet. Für die nächsten Stunden ist ein konzentrischer Angriff aller Kolonnen der Maestrazgo-
Bilbao, 24. Jan. (DNB. Funkspruch.) Wie die nattonalspamschen Zeitungen melden, sollen die frranzösischen Grenzposten in den Pyrenäen, unter ihnen auch die von Le Perthus, Port VeNdres und (Eerbere vom französischen Innenministerium die strikte Anweisung erhalten haben, alles aus Frankreich nach Sowjetfpanien gehende Kriegsmaterial ungehindert passieren zu lassen. Es fallen bereits größere Transporte rotes Gebiet erreicht haben. Bei Le Perthus überquerten 20 fr anzösi sche Tanks die Grenze in Richtung Barcelona, bei Eerbere sind eine Anzahl Eisenbahnwagen mit Kriegsmaterial über die Grenze gerollt und bei Bourg Madame fuhren elf Üastwagenzüge mit zerlegten Flugzeugen zu den Roten.
Mas wird mit den Flüchtlingen?
E. F. Paris, 23. Januar.
Der sowjetspanische Außenkommifsar Aloorez d e V Bayo, der aus Genf i n Paris eingetroffen ist, hatte eine längere Unterredung mit dem französischen Außenminister Bonnet, bte dem Vernehmen nad) in erster Linie der Frage des demnächst zu erwartenden Massen Zustroms von spanischen Flüchtlingen aus Katalonien an der südfranzäfischen Grenze galt. Soviel bis setzt bekannt ist, wind sich Frankreich grundsätzlich nicht weigern, eine gewisse Anzahl von spanischen Flüchtlingen en seiner Grenze aufzusLhmen. Indessen richten sich starte Strömungen gegen einen dauernden Aufenthalt solcher Flüchtlinge in größerer Anzahl in Frankreich. Es wird also noch einer Lösung gesucht, wonach Frankreich den spaMchen Flüchtlingen lediglich die Durchreise über südfranzösisches Gebiet gestatten und versuchen würde, die Flüchtlinge nach anderen Ländern abzuschieben. Man hat in dieser Beziehung bereits von Me xi k o gesprochen.
Die radikalsoziale ,,Ere Nouvelle" halt es für selbstverständlich, daß Frankreich es als seine Pflicht betrachte, die nfltleibenbe Bevölkerung in Rotspanien mit Lebensmitteln Zu versorgen. Eine andere Frage sei aber die Versorgung mit Waffen und Munition, die das Massen-
Gießener Konzertverein.
II. Orchester-Konzert.
Das diesmalig« Konzert bestätigte und verstärkte aufs neue die Einbrücke, bie man bei dem vorjährigen Auftreten von Claudio Ar rau Haden tonnte; eine Pianisten Persönlichkeit, die instrumentaltech- nifches und musikalisches Können höchster Potenz in gleichwertiger Ausgeglichenheit verbindet. Für ihn tritt das rein Klameriftische in seiner Alleingeltung zurück; ausschlaggebend ist für ihn die musikalische Ausgabe. Man wind bei ihm nie den Eindruck des Einstudierten haben. Seiner Gestaltungsgabe ist es möglich, das Werk so darzubieten, als entstehe es im Augenblick vor den Ohren des Hörers. Sein Gefühlsablauf vollzieht sich in engster Verbindung mit dem inneren Geschehen des Werkes, dessen gei- stige Welt ganz zu der seinen wird und feine Per- soniichkeit bis zur letzten Faser erschließt. Seiner Vortragsart wohnt etwas ungemein Ursprüngliches inne. Nirgendwo könnte man bei Claudio Arrau ein einseitiges Heroortreten des Intellekts feststellen. Er will nicht musikalisch darbieten, sondern im Brechungswinkel seiner Persönlichkeit fängt er die Musil ein und läßt fie mit ihren inneren Lebenskräften erstehen.
Der Klavieranteil von d e Fallas „Nächten in spanischen Gärten" mochte ihm besonders naheliegen. Hier ließ er den Klavierton zur Farbe und im Nacherleben der Nachtstimmung bas land- schaftliche Kolorit plastisch gegenständlich werden. Die rhythmischen Akzente wurden gebättrenhaft lebensnah, und unter seiner Hand wurden bie Impressionismen zu wahrhaften Impressionen.
Aber ebenso vermochte er mit profilierter Klarheit und Herausstellung der thematischen Gebundenheit Cösar Francks „Symphonische Dana- Honen" Gestatt gewinnen zu lassen. In straffer, musikalischer Konzentration wurde chm das Thema mit seinen solistischen Ausbreitungen ebenso zum Angelpunkt des Werkes, wi« er im Verein mit dem Begleitkörper stets auf plastische Eigenwerte hin- zielte. Immer wieder aufs neue mußte man die restlos gelöste, zur höchsten Leistung gesteigerte Technik bewundern, bie aber stets dem musikalischen Ziel diente. Nach den Symphonischen Variationen brauste die Anerkennung zu einem wahren Beifallssturm auf und rief den Künstler vielmals an die Rampe.
Das Orchester unter Kapellmeister Paul Walter einte sich mit dem Soloinstrument zu einer homogenen Ausdruckssphäre. Die Vielfältigkeit der Partitur aewann fo Leben als ein Gesamtwefen bei äußerst fein differenzierten Abstufungen der klanglichen Farbigkeit und mit einem inneren Impuls, der aus der Grundsphäre des Werkes Mit seinen mannigfachen Bildern bie Kräfte schöpfte. Der selbständige Orchestern nteil bei Cchar Franck mischte sich mit dem Solopart zu einheitticher Ausdruckswelt.
Für einen Musiker wie Paul Walter, dessen Haupttätigkeit der sinnenfälligen Bühnenkunst eng verhaftet ist, muhte die visionelle Gegenständlichkeit b e Fallas ebenso großen Anreiz bieten wie die aus dem Bild-Erleben geborene Moussorgskij- sche Folge „Bilder einer A u s st e l l u n g ", zumal einem solchen Musiker ein besonderes Maß an Eindringungskraft für derartige Werke gegeben ist. Was Mousiorgskij der immerhin eingeschränkten Äusdrucksfähigkeit des Klaviers ano er traut hat, wird durch die Instrumentationsckunst Maurice Ravels im einzelnen individualisiert. So ließ denn Paul Walter den verbindenden „Prome- naden"-Gedanken, der jeweiligen Situationsentwick- hing entsprechet, in dem ihm zukommenden Eigenlicht erstehen — besonders verinnerlicht als Nach- klang der ,^atakomben"-Szene. Die einzelnen Bilder hellte er schlaglichtartig auf und ftimmte dabei alle musikalischen Faktoren aufs engste mit dem jeweilig Gegenständlichen ab, so daß sich stets ein plastischer, in sich fest fundierter und gerundeter Gesamteindruck heraushob, dabei der einzelnen Situation mit temperamenigebunbenem Durchleuchten nachgehend. Die gegenständliche Ausdrucksweise Moussorgskijs wuchs gedärbenhaft, bildhaft heraus, eng in der angeschlagenen Situation wurzelnd. Es war ein förmliches Sich-Ueberbieten der an allen Pulten bis zum letzten Einsatz bereiten Orchesterkräfte. Ja, man könnte fast behaupten, daß ein solch gerundeter, organisch geformter Klang nne diesmal bisher nur selten festgestellt werden konnte. Jeder verdient seine Anerkennung; da hieße es ungerecht fein, wenn man die geradezu präch- ngen EinzeNeistungen noch besonders hervorheben wollte.
So wurde dieses Konzert nicht nur durch die fdner Werke, sondern auch durch den hohen Stand der Darbietungen zu einem nachhallenden Erlebnis für die beifallsbereiten Hörer
Dr Hermann Hering.
Ein Mann, eine Krau, ein Regenschirm.
Don Peter Mottheus.
Es fing an zu tröpfeln. Ganz plötzlich. Sozusagen aus heiterem Himmel. Kurt sah sich suchend nach einem Auto um, aber Lotte winkte ab.
„Nicht nötig", sagte sie großspurig, „ich habe einen Schirm mit"
Sie holte ein kurzes, rundes Ding aus der Tasche, das ungefähr wie eine Rakete aussah. Da hinten ein Griff dran war, konnte man es auch für eine Handgranate halten. Lotte machte ein nachdenkliches Gesicht, drehte das Ding in den Händen hin und her und bewegte stumm die Lippen. Dann packte sie entschlossen zu. Sie zog an dem Griff, und eine dünne, polierte Stahlstange kam zum Vorschein.
„Siehst du!" jagte Kurt hastig, „ich wußte es jat Schmeiß schnell weg, ehe es los geht. Mach schnell und komm!"
Er holte tief Luft und wollte davonstürmen. Aber bevor er dazu kam, streifte Lotte eine Seidenhülle von dem Ding herunter und schüttelte es. Jetzt ähnelte es einer kranken Fledermaus. Eine Weile arbeitete sie schweigend daran herum. Dann knackte es, und bann hielt sie einen richtigen, aufgespannten Redenschirm in der Hand. Verblüffend. Kurt war einigermaßen platt.
„Na?" sagte Lotte ttiumphierend. „Da staunst du, wie? So — und jetzt brauchen wir kein Auto, jetzt gehen wir hübsch bis zur Haltestelle und fahren mit der Elektrischen."
So weit war alles in Ordnung.
Als jedoch die erste Bahn in Sicht kam, begann Lotte nervös an dem Schirm herumzufingern. Er blieb offen. Do war nichts zu machen.
„Ich weiß nicht", murmelte sie verstört, „bie Der- fäuferin hat mir doch ganz genau Bescheid gesagt! Fch muß auf einen Knopf drucken. Siehst du einen Knopf? Wie — auch nicht? Merkwürdig?"
Die erste Bahn fuhr vorüber und bie zweite kam. Der Schirm streikte immer noch. Bei der dritten versuchte sie es fo. Aber der Schaffner zeigte sich unzugänglich.
„Offene Regenschirme", erklärte er kichl von der Hohe der Plattform herab, „stehen im Widerspruch zu den Beförberungsvorschrtsten."
Dann klingelte er, und bann fuhr auch diese Bahn davon.
Kurt und Lotte nahmen nun doch ein Auto. Der Chauffeur berief sich auf keinerlei Beförderungsvorschriften, er grinste nur. Und er grinste wieder, als Lotte sich vor ihrer Tür von Kurt verabschiedete und mit offenem Schirm im Hausflur verschwand.
An diesem Abend ging Kurt früh zu Bett. Gegen Mitternacht läutete das Telephon. Schlaftrunken fuhr er in die Höhe und nahm den Hörer ab. Es war Lotte.
,Lch hab's geschafft!" erklärte sie fröhlich. „(Er- lebigt, mein Junge! Er ist zusammengeklappt."
„Wer!?" fragte Kurt benommen. „Ist jemanb bei dir? Von wem sprichst du denn?!"
„Dom Schirm natürlich", sagte Lotte. ,^sch habe den Knopf endlich gesunden, und nun ist er zu!"
Kurt warf einen Blick auf die Uhr. „Wann — wann hast du den Knopf gefunden?" fragte er fassungslos.
„Na jetzt, diesen Augenblick", antwortete Lotte. ,Lch weiß ja, daß es schon ein bißchen spät ist, aber ich habe eben so lange suchen müssen. Der Schirm 1 tonnte doch nicht in alle Ewigkeit offen bleiben, nicht wahr?"
Dann sagte sie „Gute Nacht" und hängte ab.
Kurt stand auf, ging bedächtig auf den Vorplatz hinaus und nahm seinen eigenen Schirm zur Hand. Einen richtigen Männerschirm. Dreimal hintei?m- ander machte er ihn auf und zu und stellte ihn mit einem Gefühl tiefinnerster Befriedung zurück in den Ständer.
Er rieb sich den Kopf, gähnte herzhaft und sagte: „Teufelteufelteufel..
Und dann verfügte er sich schleunigst wieder ins Bett
*
Damit keine Mißverständnisse entstehen — diese Geschichte wurde nicht wegen der Schirme und ihrer verschiedenen Techniken erzählt. Sondern wegen der Menschen und ihrer verschiedenen Psychologie...
Hochschulnachrichten-
Professor Dr. Theodor Seif, der ausgezeichnete Orientalist der Wiener Universität, ist im Alter von 44 Jahren g e ft o r b e n. Er hatte als genauer Kenner des Korans internationale Bedeutung. Hervorragendes hat er auch im Entziffern von Papyri geleistet.
Der Dozent Dr. Werner Frauendienst wurde zum o. Professor an der Universität Halle sowie zum Direktor des Historischen Seminars ernannt.


