Ausgabe 
24.1.1939
 
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Rr. 20 Lrstes Blatt

189. Jahrgang

Dienstag, 24. Januar jyzy

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Zukunstsbild der

(Eigener Äericht des

O. Str. Wien, im Januar 1939.

Dor wenigen Fahren noch lang man das Lied vonWien, oer ilerbenden Malcyenftaot, für die man nur noch ein kücheln hat". Die (Sturme des ibiuioe*» itiuo ijuucii uic|e utuaüeiue luuiuuie Hili chrern weichlichen Rhythmus hinweggefegt wie jo vieles anioere, was m Wien mor|cy uno kraftlos tDui. zins uer |ieio«:iiOen jj(.ULiyeii|iuui gui üuS neue Reich eine andere lebendige Märchenstadt ge­macht, denn die Perspettioen, die ,uy jetzt für G.rotz-Wien eröffnen, ericheinen fast unbe= ^grenzt. Ltiuergainübagn bei. (&t. Stefan, Schnell­bahnen in die zu bluyenden Siediungsfladten oer- roanbelten Wienerwaiooörichen, Ozeaiurampser Hin­term Prater ankernd, eine Auiopratze vom Ste- faiispiu«! vis m jenes ewige '^uruuies, wo einjt der Frühlingswind dem Walzerkönig Strauß ine G'lchlch^en aus dem Wienerwald" erzählte das ist das Zukunftsbild der wach «enden Weltstadt an der Donau!

Wie ist das alles gekommen und wie soll das nun weiter werden? ürft ein Vierteljahr ist es her, seit der Bürgermeister des neuen Wien, Dr.-Fng. Reubacher , am 15. Oktober 1938, ge- schmuar mit der ehrwürdigen goldenen Kette, die schon die Verteidiger der Ostmark gegen die Tür­ken trugen, die Rundfahrt durch Die an Wien grenzenoen 97 Ortfchaften machte, die mit Liefern Tag mit der alten Hauptstadt zu Groh-Wien oer- schnwizen wurden. In einer Weiheftunde am Haupiplatz der alten Babenberger- und Beechooen- Staot Mödling im Schern der Fackeln sagte Dr. Reubacher auf dem Altan des Rathauses:So wollen mir denn dieses Wien so gestatten, daß es seiner Ausgabe, das deutsche Tor noch dem Süd- osten zu sein, gerecht roerüen kann, und ein Wien schaffen, Das das wird, als was es der Führer bezeichnete ,öie Perle an der Son au!1"

Gcotz-Wien hat sich heute nach Angliederung der umiiegenDen 9/ Gemeinden (darunter neben Möd­ling Die alte Herzogstadt Klosterneuburg, bu., au» Der XtueaOcii jiammenDe Schwechat und die industriereichen Orte um die Stadt Lie­sing) von 27 800 Hektar auf 121800 fyettar vergrößert. Es ist somit heute der Fläche nach di«, gtotzte t u o t Deutschlands und Die sechstgrößte Stadt der Welt. Wien erhielt etwa 215000 Einwohner mehr und hat nun seit dem 15. Oktober 2 087 000 Menschen. Besonders groß ist der Raum­gewinn Wiens im Südosten, wo Himberg, Fijchamend, Schwadorf und jenseits der Donau felvst Groß-Enzersdorf und Süßenbrunn zum neuen Wien gehören. Somit reicht das Gemeinde- geoiei hurt uh GrogdeutjchlanDs suDostiichste Do­naustadt Hainburg heran, die mit Theben an die Gebiete von Engerau und an den Preßburger Brückenkopf grenzt.

Die weite Ausdehnung längs der Donau nach Südosten gibt Wien die Möglichkeit, der größ­te Binnenhafen und Hauptumschlagplatz des mitteleuropäischen Wasseroerkehrs zu werden. Im Frühjahr beginnt der Bau der großen Wiener Hafenanlagen, die sich vom jetzigen Donauhandcls- tai in Der Höhe des Praters über 20 Kilometer stromabwärts erstrecken werden. Zwei eigene Schnellvaynen unD Drei Zuvringerstrccken werben für diesen Hafen angelegt. Silos für 150.000 Ton­nen sowie ein eigenes Viertel für Veredelungsan­lagen für Industriegüter sind vorgesehen. Wenn man bedenkt, daß erst vor kurzem bei der plötz­lichen Vereisung der Donau über 500 Schiffe im viel zu kleinen Wiener Winterhafen Schutz suchen mutzten, läßt sich die Bedeutung des künftigen Großhafens für den internationalen Handels- und Schisfahrtsverkehr auf der wichtigsten Wasserstraße Europas nach dem Südosten unseres Erdteils er­messen. Bei der Marchmündung bei Theben, also unmittelbar vor den Toren Groß-Wiens, wird der geplante Donau-Oder-Kanal, der einen Teil des Marchflusses als Kanalstrecke benützt, in die Donau münden und jo den Binnengroßhafen Wien direkt mit den deutschen Ostseehäfen verbin­den. 'Rach den Planungen werden selbst kleinere Ozeandampfer in Wien vor Anker gehen können.

Die weite Ausbuchtung des Gemeindegebietes im Nord osten der Stadt dient den gewaltigen Militäranlagen rund um den Bisamberg. Wien wird- eine Der größten G a r n i s o n ft ä d t e des Reiches werden. Schon jetzt lassen das die Kasernen- und Lagerneubauten, die Geländepla- merungen und die Anlage eines engmaschigen Straßennetzes zwischen den Donaubrückenköpfen und dem künftigen Garnisonviertel erkennen. Selbstredend wird diese Garnisonstadt ebenso wie die anderen angegliederten Gebiete dem Wiener Leitungsnetz für Wasser, Gas und Elektrizität an- geschlossen. Die Hauptstadt der Ostmark kann sich rühmen, das b e ft e Trinkwasser zu haben, liegen doch die Wiener Quellen an den Alpenaus- läufern und im Gebiet des Hochschwab, sodaß es frisches Gebirgsquellwasser heute schon in jedem Wiener Haushalt gibt. Groß-Wien wird jetzt neue Quellen im Hochschwabgebiet und auf der Wild- alpe erschließen, und damit eine der größten Was- ferleitungsbauten in Angriff nehmen.

Eine unumgängliche Voraussetzung für die Ver­wirklichung aller dieser Pläne ist die Verbesse­rung der Dehrkehrsverhältnisse. Da­bei ist der Bau einer Untergrundbahn viel- "leicht dds kühnste Projekt. Die besondere Boden- Ibeschaffenheit Wiens, die gewaltige Unterkellerung Der alten Stadtteile (die Katakomben von St. Stefan reichen etwa drei Stock tief unter die Erde tunb dehnen sich weit unter die innere Stadt, eben­so wie unterirdische Kasematten und halbverschüttete

Wettstadt Wien.

G'eßener Anzeigers

Keller bis unter die Hofburg) stellt da riesige Anforderungen. Zur Entlastung des Stadtverkehrs wird auch die Ringstraße von der Stra­ßenbahn befreit und zu einer prächtigen Autopromenade ausgeftaltet. Bei der Ort­schaft Gaaden unweit Mödling erreicht künftig die Reichsautobahn das Wiener Gemeindegebiet. Zu­bringerstraßen fuhren zu den einzelnen Stadtzent­ren, während vom Norden her die quer durch die Tschecho-Slowakei geführte Reichsautobahn Breslau Wien ins Stadtgebiet mündet. Wenn man dazu noch die Pläne zur Ueberwol- , bung des heute noch offen durch die Stadt strö­menden Wienflusses und die Skizzen der großen Autostraße von dem Volkserholungspark im Wie­nerwald bis in das Zentrum des alten Stadtkerns sieht, dann weiß man, wie sehr der neue Ausbau und Aufschwung Wiens dem Bauherrn Groß- deutfchlands am Herzen liegen.

Die Aufgabe des Handwerks in der Wirtschaft.

Berlin, 23. Ian. (DNB.) Aus der Reichs- arbeitstagung des deutschen Handwerks in der DAF. erörterte Reichshandwerksmeister Schramm dos Verhältnis von Wirtschaft und Staatsführung. Wenn auch heute der Staat und die Partei die Wirt­schaft zu den Zielen lenken, die für die Volksgemein­schaft zu erreichen sind, so wenden sie sich damit selbstverständlich nicht gegen hie Initiative des einzelnen, sie haben die Führung der Wirtschaft ausdrücklich bei den Wirtschaftsführern gelassen. Aber es gibt kein Wirtschaftsleben, das,

Mrd Chamberlain n

Japan wünscht persö

Tokio, 24.3an. (DR.-Aunkfpruch, Offaflenbienff.) Die Zeitungkokumin Schimbun" spricht heule von der Möglichkeit einer Einladung Chamber­lains oder eines anderen britischen Staatsmannes nach Tokio. Das Blatt schreibt: England werde bald gezwungen sein, feine veralteten Vor - slellungen über die Lage in Oslasien zu über­prüfen, nachdem alle seine vereint mit Amerika und Frankreich unternommenen Einmischungs- verfuche fehlgcschlagen seien. Außerdem hätten der japanische Ministerpräsident, der Außen­minister und der kriegsminlster im Reichstag un­mißverständlich erklärt, daß Japans Politik in Ost- asien auch gegen dritte Mächte entschie­den durchgeführt würde, falls diese Mächte versuchen sollten, die Entwicklung in Ostasien auf pi- halten. Die gegenwärtige militärische Lage beweise ja deutlich, daß Japan in kurzer Zelt das gesamte Gebiet von China beherr­schen werde, kreise des Außenamtes seien deshalb der Ansicht, daß nichts wirksamer zur Verbesserung der englisch-japanischen Beziehungen beitragen kön­nen als eir? persönliche Fühlungnahme zwischen den führenden Staatsmännern, wie es in

Der alle G«

Magere Ausbeute der 1

Eigener Bericht des

E. P. Genf, 23. Januar.

Wenn man die Bedeutung der 104. Tagung des Rates der Genfer Liga an ihren Ergebnissen mißt, so bedarf es eigentlich gar keiner Bilanzziehung: Denn in keiner der anstehenden Fragen, etwa der des spanischen Bürgerkrieges oder im chine­sisch-japanischen Streitfall, ist etwas Positives ge­schehen. Auch über die zweitägigen Besprechungen des englischen Außenministers Lord Halifax und des französischen Außenministers Bonnet ist nichts Nennenswertes bekannt geworden.

Trotzdem Hst das alte Spiel vom 16. bis zum 20. Januar in Genf gespielt worden. Und es ist dabei zunächst einmal bedeutsam, daß die Liga trotz der schweren Nackenschläge des Jahres 1938 überhaupt noch lebt, daß es immerhin noch insgesamt fünf Außenminister nebst einem Troß von fast hundert Journalisten gegeben hat, die sich zu einer Reife nach Genf verleiten ließen, und daß die Genfer Organisation als solche zwar gewisse Sparmaßnahmen, die schon nicht mehr als Säuberungsaktion gedacht find, durchführen muß, aber in etwas kleinerem Rahmen und mit beschei­denen Aufgaben erhalten bleibt.

Wenn aber die Genfer Liga bestehen bleiben kann, so ist der Grund davon ganz einfach der, daß die in Genf führenden Mächte, also in der Hauptsache England und Frankreich, zwar an einer eigenmächtigen Hetzpolitik der Liga kein Interesse haben, daß sie aber umgekehrt ihr gänzliches Verschwinden jedenfalls noch nicht wün­schen. Vielmehr wollen sie das Genier Instrument behalten, um es für ihre Zwecke b e» nützen zu können, falls es eines Tages doch ein­mal zu einem großen Konflikt kommen sollte. Des­halb wurde im Laufe der 104. Tagung deralte

von den Idee des Nationalsozialismus losgelöst, fei­nen Weg geht. Auch in den handwerklichen Betrie­ben mutz es darauf ankommen, die Einsatzbereit­schaft zu steigern. Wie umfanareich diese Aufgabe ist, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß es in Deutschland allein 1 604 000 Handwerks­betriebe gibt, die insgesamt 671000 Lehrlinge aus­bilden. Es ist die Aufgabe der Wirtschaftsführung, den deutschen Handwerksmeister in wirtschaftlicher Beziehung so zu schulen, daß er in der Lage ist, die wirtschaftlichen Aufgaben, die ihm heute gestellt find, reibungslos zu erfüllen. Bei der Losung die­ser Aufgaben werden die Deutsche Arbeitsfront und die wirtschaftliche Führung des Handwerks eng Zu­sammenarbeiten müssen.

Der Leiter des Amtes Handwerk der NSDAP, und des Deutschen Handwerks in der DAF. Seh - nert eröffnete am Montagvormittag in Berlin die erste großdeutsche Arbeitstagung der Gauhand- w e r k s w a l t e r in der DAF. Die Aemter, das deutsche Handwerk und der deutsche Handel im Zentralbüro der Deutschen Arbeitsfront, übten im Auftrage des Hauptamtsleiters für Handwerk und Handel die politische Führung des Hand­werkes und des Handels aus. Im Einvernehmen mit dem Hauptschulungsamt der NSDAP, werde die weltanschauliche Schulung durch­geführt. Um die Leiftungsfähiakeit aller Handwerker zu erhöhen, fei ein umfassender Organisa- t i o n s p I a n aufgestellt worden. Zur Errichtung vorbildlicher Kleinbetriebe sei ein Kredit von 3 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden. Es fei also nunmehr möglich, die Hand­werker, die sich am L e i st u n g s k a m p f betei­ligen, bei der Verbesserung ihrer Werkstätten, der Einrichtung von Musterbetrieben oder der Grün­dung eines Unternehmens zu fordern. Nur in we­nigen Handwerksbetrieben gebe es einen Betriebs­obmann. Die Handwerker müßten daher der Füh­rung eines Ortshandwerksmeisters unter­stellt werden, der praktisch die Stelle des Betriebs­obmannes einnehme.

nliche Fühlungnahme.

sEuropa schon bei den Besprechungen in Mün­chen und Rom geschehen sei. Man erwarte da- her, daß Außenminister Arita die Frage einer E i n- ladung des britischen Premierministers Chamber­lain oder eines anderen britischen Staatsmannes erwägen werde und daß er vielleicht dem britischen Botschafter in Tokio direkt einen solchen Vorschlag machen werde.

Vor neuen Kampfhandlungen in Südchina?

Tschun king, 23. Ian. (Europapreß. Funkspr.) Nach hier am Sonntag eingetroffenen Meldungen über die Lage an den Fronten wird von chinesischer Seite berichtet, daß in Kanton 5000 Mann japanischer Truppen eingetroffen feien. In Kürze würden noch weitere Trup­pen erwartet. In militärischen Kreisen schließt man daraus, daß die Kampfhandlungen in Südchina sehr bald wieder auf genommen werden. Heber die Kampfhandlungen inMittelchina wird in chine­sischen Kreisen behauptet, der japanische Vorstoß auf Jtschang, Kingschan und Tschiahsiang sei 120 Kilo­meter nordwestlich von Hankau aufgehalten worden.

ist lehi noch.

l)4. Genfer Ratstagung.

Gießener Anzeigers.

Kurs" fortgesetzt und sogar verschärft, wie die Entschließungen des Rates zeigen.

Sowjetfpanien wurde dafürgelobt", daß es ein paar TausendFreiwillige" aus dem Land entfernt und daß es angeblich allenichtspanischen Kriegsteilnehmer" bereits aus der Frontlinie her­ausgezogen habe. Umgekehrt wurde National­spanien ^verurteilt", weil die Genfer Ratsherren feiner Flugwaffeabsichtlich ober fahrlässige An­griffe gegen die Zivilbevölkerung" unterstellten. Ferner wurden die dafür in Frage kommenden Mitgliedsstaaten der Liga aufgefordert, miteinander in Fühlung zu treten, um einewirksamere Hilfeleistung" für China zu gewährleisten, d. h. um die japanischen Ein- und Ausfuhren zu unterbinden! Anderseits diente der Rat dem eng­lischen Vertreter als Tribüne für seine Drohung, daß London die P a l ä st i n a f r a g e nach Gutdün­kenregeln" werde, falls die bevorstehende Konfe­renz mit den Arabern und den Juden zu keiner Einigung führen sollte! Das waren, wenn man so sagen will, die greifbaren Ergebnisse dieser 104. Ratstagung. Man sieht also, daß wenn in Europa und der Welt seit einigen Monaten eine neue Lage entstanden ist und in verschiedenen Haupt­städten ein neuer G e i st aufzukommen beginnt, in Genf von einer Wandlung noch keine Rede sein kann. Vielmehr bleibt Genf nach wie vor eine kollektivistische Angelegenheit, und der ein­zige Unterschied im Vergleich zu früher besteht eben darin, daß die Führung von der Sowjetunion auf die Westmächte übergegangen ist und daß demge­mäß der einstmals scharfe Kurs durch einen ab­wartenden abgelöft worden ist.

Wirischaftlicher Vormarsch

Von Or. Earl Wellthor.

Nacktem die Sensation, die ein Teil des Auslan« des im Personenwechsel an der Spitze der Reichs­bank erblicken wollte, verraucht ist, gewinnt das Verständnis dafür an Boden, daß es sich hierbei nur um einen allerbings bedeutungsvollen Einzel­akt zur Vereinheitlichung der Wirt­schaftsführung handelt. Die Hälfte der für denVierjahresplan" festgesetzten Zett ist vergan­gen. Führende Männer tm Vierjahresplan ver­wahren sich dagegen, daß die Durchführung dieses Planes etwa der Errichtung eines Gebäudes gleich­zusetzen sei, das nach einer bestimmten Zeit fertig dasteht und keiner wesentlichen Abänderung mehr bedarf. Sie sehen im Vierjahresplan vielmehr die Möglichkeit, beftimmte grundlegende Notwendigkei­ten der deutschen Wirtschaft sicherzustellen, wie Roh- stoffausstattung, Kapitalaufwand, Heranbildung von Arbeitskräften und Erzielung eines echten und dauerhaften Gleichgewichts in der deutschen Devisen­bilanz.

Es wäre also falsch zu fragen, warum man Überhaupt einen Vierjahresplan aufgestellt habe, wo man von vornherein wußte, daß die in Angriff genommenen Arbeiten innerhalb von vier Jahren nicht erledigt sein werden. Bei der Schnelligkeit und der Tatkraft, mit der an die Losung verschieden­artiger, häufig eng ineinandergreifender Aufgaben- herangegangen worden ist, konnte es nicht ausblei­ben, daß die Oekonomie etwas in Rückstand geriet, d. h. daß der Erfolg nicht immer ganz dem Aufwand entsprach. Die Zusammenfassung der großen Wirt­schaftsgaben im Vierjahresplan gab die Möglichkeit, in der Person des Ministerpräsidenten Generalfeld­marschalls Gorina eine einheitliche Ober­leitung zu schaffen. Nachdem auf den verschieden­sten Wirtschaftsgebieten der Vormarsch angetreten worden ist, erwies es sich als notwendig, in großen einheitlichen Bereichen klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten herzustellen.

Das ist die Bedeutung des Mandats, das Gene­ralfeldmarschall Goring kurz vor Weihnachten dem Reichswirtschaftsminister Funk erteilte, und das sich nach der Abberufung Dr. Schachts auch auf die Tätigkeit des Reichsministers Funk an der Spitze der Reichsbank erstrecken wird. Die Bestellung von Sonder bevollmächtigten für das Bau­wesen (Dr. Todt), die Kraftfahrwirtschaft (Oberst von Schell), den Maschinenbau (Direktor Lange) und die Energiewirtschaft (Oberbürgermeister Dill- gardt) zeichnen einen klaren Weg von den obersten Dispositionen bei der Leitung des Vierjahresplans über den Reichswirtschaftsminister bis zu den außer­ordentlichen Bevollmächtigten auf den einzelnen Wirtschaftsgebieten.

Der Einzelne neigt dazu, die Bedeutung des von ihm geleiteten Werkes und auch seine eigene Ar­beitsleistung hoher einzuschätzen als das Werk und die Leistung anderer. In einer Wirtschaft, die mit den wichtigsten Dingen so haushalten muß wie die deutsche, darf es kein irgendwie geartetes Faustrecht geben, das einem außerhalb der besonders Berufe­nen und Verantwortlichen das Recht gibt, auf Roh­stoffe, Waren, Arbeitskräfte usw. zurückzugreifen, die ein anderer für seinen Zuständigkeitsbereich be­schafft hatte. Dabei kann eine Reihenfolge der Dring­lichkeit durchaus gewahrt bleiben. Heber allem steht die Sicherheit von Staat, Volk und Wirtschaft. Aber nicht alles erweist sich bei näherer Prüfung in dieser Hinsicht als so vordring­lich, wie es von seinen Befürwortern hingestellt worden war.

In dem Schreiben, das der Führer an den Reichs­wirtschaftsminister Funk anläßlich der Berufung zum Reichsbankpräsidenten richtete, wird von einer Lockerung der bisherigen strengen Bestimmungen auf einem Sondergebiet gesprochen, nämlich auf dem der Zulassung der Privatwirtschaft zum Kapitalmarkt. Eine Reihe von wirt­schaftlichen Hnternehmungen war trotz redlicher Be­mühung nicht in der Lage, aus laufenden (Erträgen so viel zu erübrigen, daß der lausende Kavitalbedarf gedeckt werden konnte. Auch die Reichsbahn hat in ihrem vorläufigen Bericht über das Jahr 1938 keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie ohne In­anspruchnahme des Kavitalmarktes nicht auskommen werde. Die einzige öffentliche Anleihe der Reichs­bahn im nationalsozialistischen Deutschland ist vor vier Jahren, im Januar 1935, begeben worden. Na­türlich bedeutet die Lockerung der Bestimmungen über die Inanspruchnahme des Kapitalmarktes durch die Privatwirtschaft keine völlige Emis­sionsfreiheit. Vielmehr wird auch in Zukunft eine oberste Lenkung in der Kapitalverteilung auf- cechterhalten bleiben müffen.

Wie auf diesem <5onb er gebiet, so wird auch auf anderen Teilgebieten dafür gesorgt werden müssen, daß der wirtschaftliche Gesamteffekt erhöht wird. Wenn auch bei voller Marktfreihett manche Fehlleitung von Roh- und Hilfsstoffen ein­tritt, so ist doch im allgemeinen gewährleistet, daß die zur Erreichung eines bestimmten wirtschaftlichen Zwecks erforderlichen Materiallen, Verkehrs- und Arbeitsleistungen beschafft werden können. In einer behördlich geleiteten Wirtschaft besteht die Gefahr, daß einem Unternehmen, das zu 95 v. H. alles Er­forderliche beschafft hat, die Beibringung der letzten 5 v. H. nur mit großer Mühe und mit beträchtlichem Zeitverlust gelingt, und daß während dieser Zeit die 95 v. H. nutzlos daliegen. Ohnehin leidet Deutschland auf feinem wirtschaftlichen Vormarsch unter der Knappheit wichtiger personeller und materieller Produkttonsbedingungen. Es muß alles geschehen, um den wirtschaftlichen Ablauf nicht noch zähflüssi­ger zu machen, als er es infolge dieser Knappheit ohnehin ist. Es besteht kein Grund zur Annahme, daß die Leitung des Wirtschaftsministeriums und