Aus der Welt des Films.
Filmpapa in Sedrängnis.
Der beste Titel mutz es sein!
Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.
Shakespeare, „Romeo und Julia".
„Wie soll unser Kind heißen?" Welche Eltern wissen nicht um das vielfache Hin und Her dieser Frage? Welche Bedrängnis gor oft, bis ein paffender Name für das neugeborene Kind gefunden ist! In derselben Lage befindet sich der „Filmpapa", der für seinen Film einen Titel sucht. Denn auch das Kind der Filmproduktion muß einen passenden — und--zugkräftigen Namen haben. Und so sitzen
die für die Titelgebung verantwortlichen Männer ebenfalls oft in arger Bedrängnis beisammen. Wohl weiß dieser oder jener von ihnen einen guten Titel. Aber das nützt nichts: es muß der b e st e Tj t e l gefunden werden. Nur zu oft hängt das Schicksal eines Filmes von dem Titel ab!
Ist es wirklich so wichtig, wie ein Film heißt? Kommt es nicht vielmehr auf die Güte des Films an? Sagt nicht auch Goeche: „Name ist Schall und Rauch"? Und duftet nicht die Rose lieblich, gleichviel welchen Namen sie trägt? Warum also Bedrängnis um einen Filmtitel? Wohlan! Numerieren wir fortab alle Filme. Die Ankündigung würde alsdann lauten: „Morgen Uraufführung 76 438". Hand aufs Herz! Würde es Sie locken, sich den Film Nr. 76 438 anzusehen? Nein! Em Titel muß sein. Und er muß zudem einprägsam und schlagkräftig sein. Er muß etwas von dem Inhalt erraten und ahnen lassen. Und es muß auch in dem Titel bereits etwas von der Stimmung mitschwingen, die die Eigenart des Films ausmacht.
Wenn wir zum Beispiel von dem Film „Sensationsprozeß Casilla" hören, dann sind wir schon gespannt. Wer möchte nicht einem Sensations- pro.zeß zusehen? Wir brauchen also gar nicht einmal zu wissen, daß es sich hier um eine Kindesentführung handelt. Auch der „Schuß im Rampenlicht" macht uns neugierig. Ein Schuß und dazu noch auf den Brettern, die die Welt bedeuten? Das muß doch allerhand sein! Oder man liest von dem Film „Umwege zum Glück". Hören wir nicht alle gern vom Glück? Wenn wir nun noch sehen, daß das Glück einige Umwege macht, dann freuen wir uns darüber doppelt. Nicht etwa über die Umwege, sondern daß es trotz der Umwege hin zum Glück geht. In diesen Titel sind also in drei knappen Worten Spannung und happy end zugleich einbeschlossen. r . .
Sind diese drei Filmtitel bereits ansprechend, so gibt es Filmtitel, die tatsächlich ,xmsprechen". Eine gewisse Janine ist es, die angesprochen wird in dem Titel des Films „Hallo, Janine....!" Das sind zwar nur zwei Worte, aber sie sind von einem vielsagenden Ausrufungszeichen und vier geheimnisvollen Punkten begleitet. Was man nicht alles durch Interpunktion ausdrücken kann, nicht wahr?
Im Gegensatz zu diesem Filmtitel aus Zwei Worten gibt es auch Filmtitel, die aus einem ganzen Satz bestehen. Unter den neuen Ufa-Filmen befindet sich einer, dessen Titel ein Satz ist. Und was für ein Satz ist das! Es ist ein Satz, in dem bereits eine Stimmung mitschwinqt, deren Zauber wir uns nicht entziehen können. Es ist der Titel des Ufa- Films „Es war eine rauschende Ballnacht". Auch hier brauchen wir wiederum gar nicht zu wissen, um schon von vornherein auf das äußerste gefesselt zu sein, daß in dieser Ballnacht die unvergängliche Musik des großen Tonschöpfers Tschaikowsky aufrauscht und Zarah Leander vom Rausch leidenschaftlicher Liebe überwältigt wird.
Diese Beispiele mögen genügen. Leicht scheint es zu sein, solche Titel zu finden. Und doch: wieviel Nachdenken ist erforderlich gewesen, um sie zu „entdecken". Uebrigens kann es geschehen, daß ein Titel noch im letzten Augenblick umgestoßen wird, nicht weil er nicht gut wäre, sondern weil ein noch besserer Titel gefunden wurde. So trug ein Ufa- Film bislang den Titel „Schmidt und Schmidtchen", worunter man sich schon allerlei vorstellen kann. Jetzt aber heißt er: „Die gute Schwiegermutter". In der Tat: dieser neue Titel ist doch noch besser,
denn eine gute Schwiegermutter... aber hier sollte ja nur von Filmtiteln die Rede sein und von der Bedrängnis, in die jeder Filmpapa gerät, wenn cs gilt, seinem Kinde den Weg ins Leben zui erleichtern. yih
Gegen die Tücke des Objetts!
Aus der Arbeit des Requisiteurs.
Wir wollen heute wieder einmal einen Blick hinter die Filmkulissen werfen und die Filmschaffenden, die man nicht in Großaufnahmen aus der Leinwand zu sehen bekommt, bei ihrer Arbeit im Atelier besuchen. Es ist nicht leicht, bis zu ihnen vorzudringen. Kabel und Versatzstücke und ein unbeschreibliches Chaos scheinbar unnütz herumlieaen- der Dekorationsstücke stellen sich dem eiligen Fuß des Berichterstatters entgegen. Endlich stehen wir in einer Seitenkulisse mit dem Blick in Die Ausnahme. Gleich wird die Kurbel drehen. Aber sehen wir uns einmal um in der Dekoration. Eine ur- gemütliche Bierstube mit dickbäuchigem Kachelofen und gescheuerten Tischen. Da fehlt auch nichts. Echt die Möbel, echt die Personen, echt das ganze Milieu. Sogar der Bierhahn gibt richtiges Helles, schäumendes Bier. An sich eine Selbstverständlichkeit. Aber wer zaubert hier heute die Bierstube und morgen beispielsweise einen Frisierladen hm? Der Requisiteur! Der Beherrscher aller Requisiten, der die Länge und Dicke angerauchter Zigarren genau so notiert wie die Stellung des Aschenbechers auf dem Tisch. , ,,
Es ist schwer, den Requisiteur zu fassen. Er ist überall und nirgends. Schließlich treffen wir ihn in einer kurzen Drehpause. Wie er erzählt, sind in
jedem Atelier zwei Fachleute am Werk, der eine hat den Jnnenpoften, während der andere die „besorgende Tätigkeit" ausübt. Sie stehen .beide in dauernder Verbindung und ergänzen sich im besten Sinne. Dieser Zusammenschluß ist meist von Dauer, denn die Requisiteure gehören zum festen Stamm des Ateliers ,m , . .
Der Aufgabenkreis ist unerschöpflich. Verlangt der Reqisseur eine flämische Bauernstube, so kann er sich darauf verlassen, daß sie originalgetreu dasteht. Gibt es jedoch keine Möglichkeit, sie zu beschaffen, so fertigt die Tischlerei schnellstens die Möbel an.
Besorgen Sie mal im April nachts um 2 Uhr plötzlich einen brennenden Weihnachtsbaum!" sagt der Requisiteur lachend. „Bielleicht ist es noch schwieriger, von einer alten Lotterie ein Los zu besorgen, wenn nur noch ein Exemplar vorhanden ist, das der Besitzer nicht hergibt. Da heißt es, im Eiltempo eine kunstvolle Imitation anfertigen. Man darf nur nicht auf den Kopf gefallen sein!" — Nein, das find die Requisiteure beim Film nun wirklich nicht. „
tzjnmal mußte ein Darsteller in voller Kleidung ins Wasser springen. Ihm machte es nichts aus. Aber seine Krawatte war hinüber. Nirgends konnte man ein auch nur -ähnliches Muster auftreiben. Eine schlimme Situation, die der Requisiteur rettete, der ganz einfach das Muster nachpinselte.
Wenn ein alter Requisiteur, der den Filmbetrieb von der Pike auf kennt, aus seiner dreißigjährigen Erfahrung berichtet, so gibt er gleichsam Einblick in seinen dreißigjährigen Krieg gegen die Tücke des Objekts. Aber es hat noch immer geklappt — denn, wie gesagt: Man darf nur nicht auf den Kopf gefallen sein ... Heinz Helmuth Gieske.
Der Film als Spiegel der Völker
Anmerkungen zur 7. Biennale in Venedig.
Der Film hat etwas zuwege gebracht, was seit dem Bestehen der Welt noch niemals gelungen ist: Im Verlauf einer kurzen Zeitspanne die unterschiedlichen Wesensarten der Nationen widerzuspiegeln. Den Beweis hierfür erbringt von neuem die „Internationale F i l m k u n st a u s st e l - lung" in Venedig. Zwar soll dieser Wettbewerb auf der tönenden Leinwand nach dem Willen seiner Veranstalter und Teilnehmer eine internationale Leistungsschau der Filmkunst sein und ist es selbstverständlich auch. Dennoch wird fich auf dieser Filmleistungsschau die Abwandlung eines bekannten Wortes des jüngeren Plinius abermals bewahrheiten: „Zeige mir deine Filme, und ich sage «dir, wer du bist!"
Man mag einwenden, daß doch auch Weltausstellungen und insbesondere internationale Kunstausstellungen den Wesensunterschied der beteiligten Völker aufzeigen. Bis zu einem gewissen Grade ist das sicherlich der Fall. Da aber Weltausstellungen und Kunstausstellungen stets nur einen statischen Charakter haben, während der Film dyn^inischer Natur ist, so ist eine Filmkunstausstellung in der Aufdeckung nationaler Eigenheiten allen anderen Ausstellungsarten weit überlegen, ganz davon abgesehen, daß die Verschickung der wenig Platz beanspruchenden Filmrollen selbst fernen und kleineren Nationen die Teilnahme an einer internationalen Leistungsschau erleichtert und es weniger zeitraubend (und bequemer) ist, in einem Sessel vor der Leinwand sitzend, Einblick in das Wesen von zwölf Völkern zu gewinnen, als weite Märsche durch ein riesengroßes Ausstellungsgelände zurück- zulegen.
Für uns Deutsche stehen im Vordergrund der diesjährigen Filmparade am Lido begreiflicherweise wiederum die deutschen Filme und ihre Auswirkungen auf die internationale Besucherschaft. Von hiesen deutschen Filmen wecken die Kulturfilme ein erhöhtes Interesse, weil sie besonders getreue Spiegelbilder des deutschen Wesens und des heutigen deutschen Lebenswillens sind. Dies mag
im folgenden an einigen Ufa- und Terra-Kulturfilmen kurz erläutert sein.
Da sind zunächst jene Kulturfilme zu nennen, die gewissermaßen „Film-Monographien" dar- ftellen: „Räuber unter Wasser", „Können Tiere denken?" und „Tragödien im Jnsektenreich"^ Ferner der Film „Münster, Westfalens schöne Hauptstadt", der Bildstreifen vom Kärntnerland und der farbige Landschaftsfilm von Thüringen. In allen diesen Filmen spiegelt sich das deutsche „Volk der Dichter und Denker" wider. Sie sind lebendige Zeugnisse für die Forscherfreude, den Natursinn und die seelische Verbundenheit der Deutschen mit ihrer Landschaft und ihrer Geschichte.
Dann blendet eine andere Seite deutscher Wesensart auf, und zwar in dem Film „Wissenschaft weist neue Wege". In diesem Kulturfilm kommt der deutsche Lebenswille zum Ausdruck, sich von den wirtschaftlichen Maßnahmen unserer Gegner durch immer neue Erfindungen und Entdeckungen auf dem Gebiet her Kunststoffe frei zu machen. Noch weiter stößt her Film „Das steinerne Wort" in das neue Deutschland vor, gibt er doch einen bewundernswerten Querschnitt durch die Architektur des Dritten Reichs, der das Wort des Führers in die Erinnerung ruft: „Wer ein Volk zum Stolz erziehen will muß ihm auch sichtbaren Anlaß zum Stolz geben." Und endlich jene Reihe her Kulturfilme, hie auf her Biennale von deutscher Wehr- Hoheit unh heutscher Wehrhaftigkeit berichten werden. Hier seien der Heeresfilm „Unsere Artillerie" unh der Marinefilm „Minen in Sperrlücke X" genannt.
Was aber für Deutschland und seine Filme gilt, gilt auch für die Filme aller Nationen, die sich an der Biennale beteiligen. Wir erkennen das Wesen der Völker an dem, was sie in den Mittelpunkt ihrer Filme rücken und wie sie dieses filmisch gestalten. So ist also die internationale Leistungsschau in Venedig weit mehr als nur ein film- künstlerisches Ereignis, nämlich zugleich ein völker- psychologisches Erlebnis eindringlichster Prägung.
Tonfilm-Msik.
Gespräch mit dem Kornponisten
Hans Otto Borgmann.
Zur Stummfilmzeit kannte der Kapellmeister, der die Musikbegleitung zu einem Film zusammenzustellen hatte, ein Hilfsmittel, das uns heute wie ein Kinderbilderbuch zum farbigen Nachzeichnen von Bildvorlagen vorkommt: die „Kinothek". Das waren Komposittonen, hie jeweils für solche Silber ober Situationen geschrieben waren, hie im Film häufig vorkamen und einer musikalischen Untermalung bedürftig erschienen. Zum Beispiel „Gewitter", „Sturm", „Sonnenaufgang", „Kampfgetummel", „Flucht" usw. Diese und ähnliche musikalische Stirn- mungsskizzen wurden in eine Musikfolge eingebaut, die sich im übrigen als ein Potpourri aus allen Gebieten der Musik barstellte. Im Stile dieses Kaleidoskops ist jahrelang der Film musikalisch ausgestaltet worden. In Einzelfällen gab es dann freilich auch durchkomponierte Filmmusiken, deren Wert auch heute nicht zu verkennen ist, da sie die ersten Ansätze zu einer motivisch durchgeführten Film- musik, freilich noch stark von der Bühne her beeinflußt, enthielten. Hier hat bann der Tonsilm die Ansätze alsbald weiterentwickelt und dem Komponisten völlig neue — auch formal neue Aufgaben gestellt.
Musik zu einem Tonfilm schreiben bedeutet- mit den Cigengesetzlichkeiten dieser Kunstform völlig verttaut zu sein. Sie durchbrechen durchaus die for- malen Grundgesetze, nach denen etwa eine Sinfonie ober Sonate geschrieben wirb. Eine nur hem äufeet ren Bildverlauf folgende Musik erfüllt ihre Ausgabe heute nicht mehr. Freilich hat auch bte „Illustration" in bestimmten Fällen ihren Wert und ihre innere Berechtigung. Sobalb aber her Film seelische Konflikte entwickelt, motivisch verwendet und dramatisch zur Lösung bringt muß auch her Komponist seine Musik vom Seelischen her bestimmen. Demi dramaturgischen Hauptthema entspricht ein musi* kalisches, das möglichst im Kern so entwicklungs* fähig ist, daß es zur Keimzelle der ganzen Musik geeignet erscheint.
„Nun kann", so erklärt Hans Otto Borgmann, „nachdem ein so geeignetes Motiv gefunden ist, bis kompositorische Arbeit beginnen. In her Entwicklung he5 Themas von innen heraus gilt es, ben Gang her Handlung auszudeuten, den dramatischen Verflechtungen nachzugehen, unh — frei von formalen Bindungen — hie Aufgabe zu lösen." Borgmann bezeichnet es geradezu als sittliche Pflicht des Komponisten, zu einer einheitlichen thematischen Gestaltung zu kommen in freiwilliger Anpassung an die Arbeitsgesetze des Films. So gewinnt hie Musik zu einem Film den Charakter und den Wert eines einheitlichen Kunstwerks, geschöpft aus einem künstlerischen Willen, der den Film als Ganzes erfaßt und die Musik dem Ganzen einorbn-et.
„Richard Wagner", so meint Borgmann, „wärä heute der ideale Komponist für solche Aufgaben. Die innerliche Kraft, die „Trächtigkeit" feiner Mo- tioe, löst für bas musikalische Bühnenkunstwerk bis Probleme, mit denen wir Filmkomponisten uns mühen. Dabei müssen wir den Willen haben, bas Einfache für alle verständlich — aber auch befriedigend auszusprechen. Denn wir wollen, daß sowohl der einfach empfindende Zuschauer genau so wider erfahrene .anspruchsvolle' Besucher als über« zeugte Freunde des Tonfilms unsere Theater verlassen."
Hans Otto Borgmann, her erfolgreiche Komponist zahlreicher großer Filme wie „Verwehte Spuren" und „Jugend", arbeitet zur Zeit an der Musik zum Tobissilm „Die Reise nach Tilsit". Auch hier ent- wickelt sich die Dramatik des Spiels aus einem seelischen Konflikt, aus der inneren Wandlung im Leben eines Mannes. Dieser dramatische Konflikt ergibt den Ausgangspunkt für eine Musik, die dem Komponisten Anlaß ist, seine überzeugende Grundhaltung zur Frage der Tonfilmmusik erneut zu er« proben. DnP.
„Die barmherzige Lüge."
Gloria-Palast.
Kann ein Mensch an die Stelle eines anderen treten und nach dessen Tode bas zu früh beendete Leben weiterleben? Die Frage, in her Literatur auf verschobene Weise beantwortet, bilbet bas Kernproblem bieses Films, dessen Schauplatz vom Fernen Osten in eine beutsche Hansestabt hinüberspielt. Der Forschungsreisende Dr. Clausen trifft auf der Fahrt zu einer Expedition in die Mongolei eine junge Landsmännin, Anja Hoster, wieder, die lange auf seine Rückkehr gewartet hat, um ihrem Kinde ben rechtmäßigen Vater zu geben. Clausen aber, der von der Geburt dieses Kindes während seiner Abwesenheit in Europa nichts ahnt, hat dort inzwischen geheiratet, und als Anja die fremde Frau an der Seite des früheren Geliebten sieht, kann sie ihm nicht die Wahrheit saaen. Die Expedition ist nach ein paar Monaken verschollen. Frau Clausen wird sterbend aufgefunden, und Anja gibt sich, auf ihren Wunsch, um des Kindes willen, und da sie Thomas ebenfalls für tot hält, dessen Eltern gegenüber als seine Frau aus. Erst als der Totgeglaubte nach langer Zeit gerettet wird und zurückkehrt, kommt die „barmherzige Lüge" ans Licht; Thomas hat nicht nur seinen Sohn, sondern auch eine zweite Frau gefunden, die ihn liebt und die so etwas wie ein Vermächtnis der sterbenden ersten erfüllt hat. Die Beantwortung der bis zuletzt schwebenden Fragen nach ben Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten eines solchen Falles wirb teils durch die romanhafte, mit allerlei abenteuerlichen und theatermäßigen Effekten arbeitende Regie von Werner Klingler, teils auch durch den Umstand erschwert, daß Anjas Haltung Thomas' Eltern gegenüber sowohl durch die Liebeserklärungen eines ihrer neuen „Verwandten" als auch durch die Drohungen eines Erpressers belastet wird, der Anja von früher her kennt und sein Schweigen teuer bezahlt haben möchte. Die Handlung spitzt sich gegen Ende immer mehr auf einen reinen Kriminalfall zu, mit dessen Klärung dann das eigentliche Problem ins Reine gebrach: wird. Hilde Krah 1 in her Rolle der Anja ist sehr um die psychologische Glaubwürdigkeit her Figur und eine positive Beantwortung der erwähnten Kardinalfragen bemüht. Den Dr. Clausen gibt in guter Haltung Ernst von K l i p st e i n. Am Rande des Zentralproblems erscheinen als die schauspielerisch interessantesten Gestalten Elisabeth Flicken-
childt, Paul Dahlke, Otto Gebühr und Heinrich Schroth. In einer kleinen Szene wird man auch Franz Arzdorf bemerken. Das Drehbuch haben Curt I. Braun, Werner Klingler und Günther K u l e m e y e r gemeinsam verfaßt. — (Tobis.)
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Im Beiprogramm sieht man hie Wochenschau und einen Kulturfilm vom Schiffsbau, dessen technische Details manchen Besuchern wahrscheinlich verständlicher würden, wenn die Begleitmusik durch einen knappen und sachlichen Text ersetzt würbe.
Hans Thyriot.
Fila Venkhoff.
Ein kleines poriräi von Christian Bock.
Fita B e n k h o f f, bekannt aus vielen Filmen, würbe kürzlich burch ben Titel totaats= schauspielerin ausgezeichnet.
Formulierungen sinb gefährlich. Sie versuchen es, einen Ausbruck für etwas Ganzes zu finben — unb heben gerabe ein einzelnes Merkmal hervor.
Ist es möglich, mit einem Satz, mit ein paar Worten etwas zu sagen, bas hie Schauspielerin Fita Benkhoff, wie wir sie von so viel verschieben- artigen Filmen her kennen, trifft — unb so trifft, baß bie Leser solcher Formulierungen mit ben Köpfen nicken unb einoerftanben finb: Das ist wahr, so ist sie. —?
Es soll hier versucht werben — mit so wenig Sätzen wie möglich — unb ohne jebe Gewähr für Vollstänbigkeit auch.
Haben Sie einmal in irgenbeinem Film gehört, wie Fita Benkhoff zu einer Freunbin „Liebste Freundin!" sagte? So, baß in bieser Anrede allein, im Tonfall, mit dem sie so etwas sagen kann, alles, alles gesagt war, was man über das Thema Freundinnen überhaupt sagen kann? Heber bie Bosheit unter Freundinnen, meine ich.
Denn bas ist Fita Benkhoff ganz, mit hem eigenen ober dem anderen Geschlecht zusammen: der ewig weibliche Explosivstoff.
Und gibt es eine einzige weibliche List (Männern ober Frauen gegenüber), bie irgenbeinmal in ben Jahrtausenben entdeckt wurde, unh bie sie nicht zu hanbhaben wüßte? Immer mit dem Ziel, bie liebe Umwelt platzen zu sehen. Vor Reib ober vor Kummer, vor Wut, vor Eifersucht.
Unb platzt sie selbst einmal mitten über dem Pul
ver, bas sie mit eigener Hanb legte, dann weiß sie meist noch wenigstens einen guten Abgang. Sie hat bas letzte Wort, unb noch ihr letztes Wort glitzert vor liebensroürbig unb höflich brapierter Bosheit.
Unb noch wenn sie völlig geschlagen ist, geht sie stolz unb aufrecht aus dem Sa^ unb sagt trium- phierenb: „Komm, Oskar, wir gehen!
Fita Benkhoff. — (Zeichnung: Sten/Terra.)
Wer kann so talmivornehm mit den Nasenflügeln beben wie sie, so halb gebildet auf Gebilbete unb llngebilbete herabsehen, so wiegenben Schritts gehen, wie sie selbst bann gegangen wäre, wenn sie es gewesen wäre, bie aus bem Parabies vertrieben würbe.
Unb so wenig liebenswert manchmal bie sinb, bie sie im Film barstellt, so sehr lieben wir ihre Kunst, sie barzustellen. Etwas menschlich Liebenswertes pflegt bie Schauspielerin selbst noch her boshaftesten Rolle mitzugeben. Darum, weil sie nie bloße Charakterrollen, sondern Menschen fpielt,
Heinz Rühmann als Koch.
„Falscher Hase" und echte Junggesellen.
Diesmal suchen wir uns im großen Atelier irt Babelsberg ben Weg zu her Dekoration, in bid wir wollen, mit her Nase. Wirb hier der erste Duftfilm gebreht? Nun, soweit ist es noch nichts Wir gelangen in eine Küche.
Was wirb hier gebraten?
„Falscher Hase", unb hie Köche her Szene sind Heinz Rühmann, Hans Brausewetter und Josef Sieber, bie brei Hauptdarsteller bes neuen Heinz-Rühmann-Films her Terra „Parabies ber Junggesellen". Der Oberkoch bes Films ist ein neuer Mann, Kurt Hoffmann, einschlägig vorgebilbet als Söhn bes Kameramannes Karl Hoffmann. Das Kochbuch, Verzeihung Drehbuch schrieben Karl Peter Gillmgnn unb Günter Neumann nach einem Roman von Boldt.
„Zwiebel, Petersilie, Schweinefleisch, Rindfleisch — alles da", stellt Rühmann fest. „Der falsche Hase kann geboren werben!"
„Das in kleine Stückchen geschnittene Fleisch, bid eingeweichten Brötchen unb bie Zwiebeln durch bis Fleischmaschine drehen", liest Brausewetter aus bem Kochbuch, (biesmal wirklich bem Kochbuch) vor. „Unb bann ’ne Prise Salz. Balbuin, wo ist bas Salz?"
Balduin, alias Sieber, antwortet: „Im Schrank. Brausewetter öffnet ben Küchenschrank, in dem eine Reihe von Töpfen mit Aufschriften wie „Essigsäure Tonerde", „Natron, doppelkohlensaures" stehen.
„Wo essigsaure Tonerde steht, ist es drin", sagt Sieber. „Aber koste lieber erst!"
„Scheint mir eher Seifenpulver zu sein!" meint Brausewetter, nicht eben freundlich und sich schüt« te'Inb. . *
„Dann kann bas Salz nur im Karboltopf sein, ruft Sieber. Brausewetter sieht nach, unb diesmal stimmt es sogar.
Doch nun fehlen bie Streichhölzer, um bas Gas zu entzünden. Unb keiner hat natürlich Streichs Hölzer bei sich. Aber Rühmann hat eine Idee: feine Zigarre glimmt hoch noch; er hält sie an bas Gas, unb siehe da, bie Flamme brennt!
Schöne Junggesellenwirtschaft, hört man ha bie Leser unb namentlich bie Leserinnen rufen. Womit sie auch nicht unrecht haben. Unser Einbruck im Atelier war bas auch.


