Ur. 196 Zweites Blatt
Ms der Stadt Gießen.
Hochsommergang.
letzt zwischen Gärten durch den hellen Mittag MN.
| ; n den Rädern der Sonnenblumen summen sacht dir Bienen. Der Dahlien Geleucht brennt hinter den feinen. Körbe knarren: sie sind voll von Zwischen, Mrabellen, Pfirsichen, die aussehen wie betaut. So Ifdtnig waren die Gärten noch nie.
>ie friedliche Sommerwelt: Menschen stehen auf Lebern, es ist, als könnten sie nie fertig werden mit Brechen aller dieser Herrlichkeiten. Manch einer jjtganfl eingerahmt von Früchten. In flache Kästen les man die samtwangigen Pfirsiche. Brombeer- slcuden stehen über und über behängt. Männer gehen
n abends mit hellen Emailleimern durch die Ersen der Gärten, die schwarzen Früchte quellen übr den Rand.
! Hs Kraut der Bohnen gilbt schon. Birnen hängen priM im Spalier. Der Mund wässert dir ... Welch ei'gesegnetes Jahr!
stan kümmert sich nicht um das bißchen Staub bei weißen Feldwege. Du kannst ihn nachher von bei Schuhen blasen. Wichtig ist es, durch die gute, lciizentbehrte Hitze gehen. Wichtig ist es, die farbigen Lcvhblumen im fetten Gras zu sehen-, die Lichter übr den Weiden; die Kringel, die durch die Büsche mt Obst auf die gute Erde fallen.
iohe Tage der Schmetterlinge. Vom armen, ge- vij-nlichen Kohlweißling bis zum herrlichen Admiral un! leuchtenden Pfauenauge schweben sie dahin, vom (errfen Wind getragen. Ihr Leben ist kurz. Aber es ist «uchtend, farbig und süß. Edelsteine aus hauch- bünnem Stoff, die durch den August schweben.
! ur an den Abenden ist schon die erste Ahnung bei Herbstes. Frösteln in jäh aufsteigender Kühle. ($)nng in den Gärten, Laut einer Laute, Zirpen bei Mandolinen bricht früher ab als vor Wochen. Jir die Liebenden spüren die Kühle nicht.
is sind so wenig gute, heiße Tage. Halte sie fest, ge!" in jeder freien Stunde zwischen Gärten hin. Eiden sind gut. r. k.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Die barmherzige Süjje". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die tziiebte".
Lockerung
"er Mitgliedersperre der 71SOAP.
!SG. Der Reichsfchahmelster Hal ange- orhict, daß die Mitgliedersperre in der NSDAP, in sofortiger Wirkung bis auf wei- !ei«s aufgehoben wird. Volksgenossen, die idjafiio für die Idee des Nationalsozialismus ein- kh, wollen, haben damit Gelegenheit, ihre A u f - i a m e in d i e p a r t e i zu beantragen. Die Ortsgruppen der NSDAP, nehmen An- Itige zum Parteieintritt entgegen. Näheres über sie Aufnahmebedingungen ist dort zu erfahren.
Heute wieder Konzert in Steins Garten.
’im heutigen Mittwoch, von 17 bis 18 Uhr, gibt li Musikkorps der Fliegerhorst-Kommandantur Gen unter Leitung von Musikmeister Pfarre vLer ein Platzkonzert in „Steins Garten" (Bürger- mffterei in der Bergstraße). Musikfolge:
.. ,Flandernflieger", Marsch von Husadel. „Marinarella", Ouvertüre von Fucik.
Li. „Liebesgruß" von Elgar.
IL „Kleinigkeiten", Suite in 3 Sätzen — a) Pizzi- fato, b) Canzonetta, c) Marcia burleska — von Fischer.
„Liebeslieder", Walzer von Joh. Strauß.
■.». „Operettenreise", Potpourri von Robrecht.
.. „Frühlingsständchen" von Lacombe.
„Ernst-August-Marsch" von Blankenburg.
Abschied vom 3Reifef öfter.
Von Nikolas Knobel.
Selbst für den schönsten schweinsledernen Koffer ist»es keine Schande, nach getaner Sommerarbeit uüber unterm Dach auf dem Boden Quartier zu tecehen. Erstens ist der Boden entrümpelt. Und wiitens findet der Koffer bei der alten Wiege, kni Christbaumkreuz und einigen Kollegen einige i kixhaus würdige Gemeinschaft.
immerhin, betrachten wir ihn no.ch einmal liebe- i diesen Genossen unserer angenehmen Ferien- rchhen! Daß er eine Persönlichkeit ist, zumal im ^gerückten Aller, wird niemand leugnen können, taie Koffer gleichen unangerauchten Tabakspfei- "r Wie sagenhafte Weltreisende heimkehren, ver- s sirert von den Sonnen aller Zonen, gegerbt von 3<r Stürmen aller Meere, gelassen nach den Un- rüchmlichkeiten in allen Sprachen der Erde, so phiunggebietend und welterfahren wirken auch diese lluLkoffer, selbst wenn sie ihre Jähre nur zwischen dhwarzwald und Ostsee, zwischen Weser und Achsel verbrachten.
ksese rüstigen alten Krieger tragen die ehrenvollen Mnoen aus den Kämpfen der Gepäckbeförderung. Ui sie tragen wie Orden die bunten Schilder ihrer R^idjen Ankünfte in den Hotels. Erinnerungs- kÄi? Schrammen sind ihnen eingeritzt wie die Ge- iül>ollen Herzen mit verschlungenen Buchstaben in ' p Bäumen.
k, träumen wir vor dem melancholischen Ab- I^ei nehmen noch ein wenig bei ihrem Anblick. JLd halten sie, schmerzlich zum Erinnern verlok- "d den Duft der letzten Reise fest — und wenn ’s Mch nur der unserer gut geölten Bergstiefel ' vr. Oder Seesand verkrümelte sich in den Ritzen ’ »'!> widersteht nun der Säuberung. Träumen wir 1 i’f) ihren getreuen Diensten nach!
D: ist zum Beispiel dies ein großartig bewegen- Gedanke: lieber die ganze Welt hin ist die Ibizcmsation kräftiger, freundlicher Männer vorge- |pj„ lediglich den Koffern zu Ehren. Kein Bahn- i k, ietn Hafen ohne die feierliche Zurüstung des (kifianges — eine Gilde, nicht gerade von j jugAauen, aber von Chrenathleten schickt ihre Ao- iptnjmgen an jede bessere Zug- und Schiffsankunft. 2IL1) auf jeden Reisenden kann auf jedem Bahn- 1 teg । eine Geliebte, eine Tante oder ein Geschäfts- jkAW erwarten. Aus jeden Koffer aber wartet an iHi Stelle ein 2lbgesandter jener vortrefflichen, löjtneiten Bruderschaft der Gepäckträger.
■ )l;2t laßt uns der wirklich merkwürdigen Rolle inihiinnen, die der Koffer als eine späte Ersin-
Mittwoch, 23. August 1939
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Oer Sitzungssaal im Stadthaus in neuer Gestalt.
Links: Der Sitzungssaal in seiner bisherigen Gestalt. Rechts: Die neue Ausgestaltung. (Aufnahmen: Stadtbauamt slj, Neuner, Gieß. Anz. sls.)
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Auf Anordnung des Oberbürgermeisters ist im Verlaufe der letzten Monate der Sitzungssaal im Stadthaus Bergstraße, der den Beratungen der Ratsherren und gelegentlich auch anderen Veranstaltungen repräsentativer Art dient, nach den Vorschlägen und unter der Aufsicht des Stadtbauamtes neu gestaltet worden.
Der Saal wurde zunächst von allen alten Einrichtungsgegenständen befreit und dann in feiner Wand- und Deckenbemalung neu hergerichtet. Sodann erhielt er neue Möbel, bei deren Beschaffung und Aufstellung neue Gesichtspunkte der raummäßigen Verwendung des Saales Geltung erlangten. Während früher die Plätze des Oberbürgermeisters und der Beigeordneten sich auf einem Podest gegenüber der Saaltür befanden und die Plätze der Ratsherren in der von früher her überkommenen Form von Sitzen und Tischen nach der Art von'Schulzimmereinrichtungen beiderseits der Saaltür gegenüber dem Podest angeordnet waren, ist jetzt der Platz des Oberbürgermeisters und seiner Beigeordneten an einem langen Quertisch auf der der Fensterfront des Hauses gegenüberliegenden Seite auf gleicher Höhe mit den Plätzen der Ratsherren geschaffen worden. An beiden Seiten dieses Quertisches, in Richtung nach der Fensterfront zu, befinden sich die Plätze der Ratsherren.
An der Wandfläche hinter dem Quertisch sind große Bilder des Führers, rechts von ihm des Reichsinnenministers Dr. Frick (als Minister für die Gemeinden), links vom Führer das Bild unseres Gauleiters Sprenger angebracht worden, so daß schon durch diesen würdigen und repräsentativen Schmuck die große Wandfläche ein eindrucksvolles Bild bietet. Für festliche Sitzungen können zu beiden Seiten der Bilder und zwischen ihnen Flaggen angebracht werden, so daß die Bilder bei solchen Anlässen festlich umrahmt erscheinen.
An Stelle der früheren dunklen und unbequemen Möbel haben jetzt helle Kirschbaummöbel Verwendung gefunden, deren Sessel und Tische bequeme Sitz- und Schreibmöglichkeit bieten. Für die Ausstattung des Sitzungssaales wurden 37 Sessel, 12 Stühle und 9 Tische von einer Firma an der Bergstraße beschafft. Die Tischplatteneinlage besteht aus Marmorplatten in Deutsch Gelb. Im Hinblick darauf, daß der Sitzungssaal nicht nur für die Beratung der Ratsherren, sondern auch zu anderen Tagungen Verwendung findet, sind mehr Sessel und Tische angeschafft worden, als an sich für die Zwecke der Ratsherrensitzungen erforderlich gewesen wären. Bei
düng zivilisierten Nomadenlebens spielt. Er zeigt uns, mit welch kleiner Unterkunft für seine Ausrüstung selbst der Besitzer einer Fünf-Zimmer- und Acht-Schrcinke-Wohnung auskommen kann. Diogenes, der sich mit einer leeren Tonne behalf, hätte freilich keinen Koffer, höchstens eine Hutschachtel für feine Laterne benötigt. Aber er wurde auch nur deshalb berühmt, weil er so ungehörig übertrieb. Wir finden es lehrreich, duß wir wochenlang aus- fommen können, ohne unsere Kommoden nebst Inhalt um uns zu haben, ohne die Akten der Schreibtische und sonstige Gerätschaften unserer Arbells- ^"'Hausfrauen suchen es den Kindern und Man- nern einzureden, daß gewisse Dinge sich nicht miteinander vertrügen — und daß, wenn man nicht diesen oder jenen Gegenstand sorgsam von einander getrennt hielte, sie sich wohl mordend auf einander stürzten und ein Weltuntergang im kleinen drohe Stiefel neben den Taschentüchern, Schlipse zwischen den Büchern, das Medizinfläschchen in die Badehose gerollt — em grollendes Chaos? Nein seht doch, wie friedlich sich alles neben-, über- und untereinander in dem Koffer bettet Me versöhnlich geht auf einmal der unverträgliche Kram, wohl. tuenZ verhindert, mit einander um. Wir Horen
,OH,^Uausendrnal" lieber würden wir Kleider in Falten zerdrückt nochmals auf Reisen gehen als ordentlich im Schrank zu hangen.
Ja lieber Koffer, nun schwenken wir dich trostlos leicht und leer am Griff, hohl und ode, wie du nun wieder warten mußt. Ein.leerer Koffer gleich dem unbefriedigenden Anblick eines Rahmens ohne Bild. Wie bereuen wir jetzt, daß wir vor wenigen Tagen noch wegen feiner Fülle turnten. Die Kos- kr haben ja ganz offenbar die rätselhafte Eigenschaft, binnen weniger Wochen kleiner zu werden. Als wir in die Ferien fuhren, ging der Deckel ver- hältnismäßig glatt zu; es genügte, daß Lieschen sich mithelfend darauf setzte. Als wir aber zur Heimfahrt packten — leichter um o^es Aufgegessene und Verlorene — da auf einmal wollte der Platz nicht mehr ausreichen. Man wird das nie oer- ,kUnh bubet hatten wir zu Beginn der Reise nach all die Träume und Phantasien der Erwartung mit hineingepackt. Was packen wir letzt aus? Em Quentchen Weisheit. Denn den Traumbildern, den Erwartungen romantischer Reiseschicksale sind wir nun begegnet und können Bild an Bild abmessen und uns dazwischen und wie mir sie bestanden ^Wie gut oder schlecht auch immer — der Koffer,
dem Ankauf der Möbel ist aber auch darauf Rücksicht genommen worden, daß sie für Sitzungszwecke im künftigen neuen Rach aus Verwendung finden können.
Als Beleuchtung dienen vier große vielarmige Deckenleuchten mit zahlreichen Kerzen, sodaß der
Sitzungssaal bei abendlichen Beratungen reich beleuchtet ist.
Der Sitzungssaal in seiner neuen Gestaltung ist ein besonderes Schmuckstück im Stadthaus geworden und macht nach jeder Richtung hin einen ausgezeichneten Eindruck.
Schweineberta mit dem großen Kopf fehlt nicht. Die blonden ostpreußischen Jungens sitzen schon in langen Reihen oben auf dem Heuschober, lieber den Köpfen der spielenden Soldaten baumeln ihre „barsten" Füße. Die Hunde wollen natürlich auch in so einem feierlichen Augenblick nicht fehlen, sie benehmen sich je nach ihrem Temperament. Der alte dicke Langhaarteckel Michel heult in schmerzlicher Begeisterung zu der Musik, seine schöne junge Ge- mahlin mit dem Seidenfell umschwänzelt die Leutnants und läßt sich, wie sie es gewohnt ist, streicheln und bewundern. Der kleine Mufti aber,.dieses kindliche Wollknäuel, kugelt sich selig im Staub.
Und dann ertönen die Klänge eines altmodischen Walzers. Nun kann es die Gutsherrin trotz aller Würde nicht mehr aushalten, diesen Walzer hat man in ihrer Jugend gespielt, ihr schmaler Fuß bewegt sich im Takt, nun muß sie tanzen. Sie faßt die Frau Kutscher um, die auch im Laufe der Jahre ein wenig vollschlank geworden ist, und dreht sich mitten auf dem Hof — wie die Beiden das verstehen, das sieht großartig aus, und sogleich werden sie von einem Soldaten geknipst. Aber nun müssen natürlich die Lene, das Roschen, die Martha, wie sie da alle heißen, bis zur alten Schweinebertha mittun, und in der nächsten Minute dreht und wirbelt ein bunter Kreis auf dem Hof unter dem blauen Augusthimmel, durch den die Schwalben flitzen. v
Im Hintergrund ist die Hochfahrtscheune, und die letzten Erntewagen rollen zu den Klängen der Musik hinauf, stehen als Silhouette gegen den Himmel, Pferde, Kutscher und Wagen mit seiner kostbaren Last. Märsche und Walzer verklingen, die Musikkapelle packt ein und zieht weiter, aber in der Luft bleibt ein Summen und Singen, und eine frohe Zuversichtlichkeit geht mit in die Arbeit des Tages herein. In dem alten Gutshaus jubeln trepvauf treppab fröhliche junge Stimmen, tragen die Melodie in den Garten hinaus. Das Küchenmädchen aus Masuren setzt die Füße im Walzertakt, und das Mamsellchen hantiert am Herd mit Topfdeckeln im Marschtempo!
Am Abend geht manches Paar an den Stoppelfeldern entlang. Die Grillen zirpen, und die Sterne fangen an zu leuchten.
Hochschulnachrichten.
Dem ao. Professor Dr. Gerhard B u ch d a wurde unter Ernennung zum Ordinarius an der Universität Halle der Lehrstuhl für deutsche Rechtsgeschichte, deutsches Privatrecht, bürgerliches Recht und Handelsrecht übertragen«
Altstadtsanierung im Geltersweg.
Nach Genehmigung durch den Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — hat der Oberbürgermeister von Gießen am 10. August 1939 eine sofort in Kraft getretene Ortsbausatzung für d i e Neubebauung der Straßenecke Seltersweg-Neu en weg veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um die Rechtsgrundlage zur Durchführung des Abschnitts II der Alt- stadtsanierung, die im Seltersweg vom Haufe Datz ab bis zur Ecke Seltersweg-Neuenweg (Haus Schulze) durchgeführt werden soll. Mit dem Inkrafttreten dieser neuen Ortsbausatzung ist die alte Baufluchtlinie für dieses Stück des Selterswegs in Fortfall gekommen.
Die neue Baufluchtlinie nach der Zielsetzung der Altstadtsanierung an dieser Stelle sieht vor, daß der gegenwärtig über die Hausfront hinaus in den Bürgersteig vorspringende Erker des Hauses der Frau Datz in Wegfall kommt und die Bauflücht- Imie nach der gegenwärtigen Hausfront des Bekleidungshauses Kähler ausgerichtet wird. Don dort ab wird die Baufluchtlinie in gerader Richtung bis zur Ecke Seltersweg-Neuenweg durchgeführt, so daß die jetzt in diesem Straßenteil stehenden Häuser nach Maßgabe der baulichen Neugestaltung in Anspruch genommen und den unabweisbaren Erfordernissen der Derkehrsverhältnisse in diesem Straßenteil untergorbnet werden müssen. Das Sanierungsprojekt läuft also, wie wir früher schon mitteilten, auf eine gerade Linienführung des Selterswegs von der Plackst raße bis zur Ecke Neuenweg, gleichzeitig auch auf eine Verbreiterung des jetzigen unhaltbaren Engpasses an dieser Stelle hinaus. Dadurch wird nicht nur die Uebersichtlichkeit für die Verkehrsverhältnisse erheblich verbessert werden, sondern es wird in Zukunft dort auch em Bürgersteig vorhanden sein, bei dessen Benutzung der Fußgänger nicht mehr, wie jetzt, gewissermaßen das Gefühl einer lebensgefährlichen Bedrohung durch die auf engem Raum zusammengeballten Fahrzeuge bei viel zu schmalem Gehsteig haben wird._________
Nach der Neugestaltung der verbreiterten Straße wird in Zukunft auch die Bebauung nach den Vorschriften der neuen Ortsbausatzung unter neuen Gesichtspunkten erfolgen. Danach sind alle durch Gase, Dämpfe, Gerüche, Rauch, Ruß, Wärme, Staub, Geräusche, Erschütterungen usw. für die Anwohner gefährlichen oder lästigen Gewerbebetriebe grundsätzlich verboten. Alle übrigen Gewerbebetriebe können auf besonderen Antrag genehmigt werden. Abgesehen von Nebenanlagen (Stallgebäuden und Kraftwagenschuppen) dürfen nur Gebäude zu Wohnzwecken errichtet werden, wobei die Erbauung von Seiten- und Hintergebäuden zu Wohnzwecken untersagt ist. Für die Bebauung gilt die geschlossene viergeschossige Bauweise, die Erdgeschoßräume können zu Geschäftsräumen ausgebildet werden. Die Ausnutzung der Grundstücke durch die Bebauung darf nicht mehr als sechs Zehntel und bei Eckgrundstücken nicht mehr als sieben Zehntel betragen. Die Gebäude müssen in ihren Grundrissen und Ansichten allseitig gut durchgebildet und architektonisch einwandfrei sein.
Oer Ludwigsplah
erhält einen Springbrunnen.
Gegenwärtig sind inmitten der Gartenfläche auf dem Ludwigsplatz Ausschachtungsarbeiten im Gange, die der Schaffung eines Springbrunnens dienen, wie er vom Oberbürgermeister schon vor längerer Zeit für diesen Platz ins Auge gefaßt wurde. Die Anlage wi.rd derart beschaffen sein, daß aus einem großen Becken, das mit Kunststein eingefaßt ist, ein Wasserstrahl sich erhebt, der als Springbrunnen in Gemeinschaft mit der Gartenanlage zur Verschönerung des Platzes beitragen wird. Es ist damit zu rechnen, daß diese Anlage, die man nur begrüßen kann, in einigen Wochen fertiggestellt sein wird und noch vor dem Herbst seiner Bestimmung übergeben werden kann.
der sich bescheiden nun zur Ruhe begibt, weiß es jo gut wie wir: Sobald es nur möglich ist, werden wir wieder zu den Hemden, Stiefeln und Wanderkarten — mit ungeschmälerter Lust an jeglicher Phantasie — die blauen Reiseträume dazwischen packen. Das haben die Koffer nun mal so an sich. Und wir auch.
Erntemonat in Ostpreußen.
Von Margarete von Olfers.
In diesem goldenen Sommer, in dem nach kurzen Gewittern immer wieder die Sonne hervorkam, ist das Korn früher gereift als sonst. Eine reiche Ernte ist es! Schwer waren die Garben von dem Gewicht ihrer Frucht, die alt und jung, Knaben- und Frauenarme, die sonst nicht an diese Lasten gewohnt waren, zu Hocken aufstellten. Es wurde von früh bis spät geschafft, von der Morgenstunde an, wenn Himmel und Feld rosig schimmerten bis in den Abend hinein, wenn das Korn rotgolden auf= leuchtete und die Welt, diese sehr weite ostpreußische Welt im warmen Glanz der untergehenden Sonne lag. Und wenn auch der Rücken nach ein paar Stunden Erntearbeit schmerzte und die Arme brannten und zerschunden waren von den emporgehobenen Garden, es wurde unermüdlich gearbeitet, vergnügt und mit lustigen Zurufen. Reihum ging der erfrischende Trunk. Der tiefe Deckel der großen Blechkanne, die Kaffee oder Saftwasser enthielt, ging immer wieder gefüllt von Mund zu Mund — man dürstete und trank in vollen Zügen!
Jetzt stehen die Felder fast überall leer, das letzte Getreide wird eingefahren, dann ist alles geborgen. Es würde herbstlich sein und still auf dem Lande, wenn nicht Einquartierungen Bewegungen in das Dorf und in den Gutshof hereinbringen würden. Da ist ein Kommen und Gehen, ein Rufen und Singen, Kommandieren, Hupen von Autos und Motorrädern. Und wenn dann noch die Musikkapelle auf einem großen Auto an einem schönen sonnigen Morgen anlangt und die strammen Märsche spielt, wird alles herbeigelockt, was gerade Zeit hat und für ein halbes Stündchen abkommen kann. Es steht die Kapelle mitten auf dem riesigen Gutshof, der von wundervollen Linden flankiert ist, steht geschützt gegen einen hoch überdachten Heuschober, und der Hof wimmelt von Soldaten. Die Gutsherrschaft fornmt langsam und würdevoll herbei und steht im Schatten der Linden. Aber die jungen und alten Mädchen aus Küche, Haus und Hof eilen hinzu, so schnell es geht, und sei es auch auf Klotzkorken oder Pantoffeln. Selbst bie uralte


