der
Auftauchen des
Goethes innere
Das stark besetzte Haus dankte zuletzt mit großem,
Hans Thyriot.
anhaltendem Neisall.
lwordenen klassischen Versform, und fällt vor Um die entscheidende Wandlung in Goethes Be- ihungen zu Frau von Stein, der endgültige Beriet auf eine früher erhoffte Verbindung...
Szene der letzten Begegnung Tassos mit Prinzessin (V,4):
„Unwiderstehlich ziehst du mich zu dir, und unaufhaltsam dringt mein Herz dir zu. Du hast mich ganz auf ewig dir gewonnen,
so nimm denn auch mein ganzes Wesen hin!" Aber die Prinzessin stößt ihn von sich: „Hinweg!" — und hier wie dort sieht Tasso, der Verzweiflung anheimgegeben, die unüberbrückbare Kluft sich auftun. die zwei Welten voneinander scheidet: Traum und Wirklichkeit, Phantasie und Leben. Die Welt des Dichters, die Welt des Hofes, des Staatsmannes, der Frauen, sie bewegen sich in getrennten Kreisen, die einander flüchtig berühren und überschneiden, aber nie die fraglose Harmonie einer gemeinsamen Mitte finden können. Goethe selbst ist einer der begnadeten Künstlermenschen gewesen^ die ihr inneres und äußeres Leben kraft eines wahrhaft universalen Geistes in den harmonisch beruhigten Einklang zwangen und die Lösung eines Konfliktes fanden, an dem der jugendlichere Tasso scheitern mußte. —
„Ich ging mit offnen Armen auf ihn los und fühlte Schloß und Riegel, keine Brust..." Diese wiederum mit den Versen aus der großen
i Die Zeit ^anes und michlossenen Entwicklung
Die Aufführung, am Todestage Goethes und inmitten der festlicher: Woche, war vom Intendanten Schultze-Griesheim in Szene gesetzt, und es darf wohl gesagt werden, daß sie erfreulich Zeugnis davon ablegtc, was unser Schauspiel herzugeben vermag; es konnte sich kaum deutlicher erweisen als eben an diesem Schausviel, das sich nicht mit äußeren, üblichen theatralischen Mitteln erschließen läßt: hier war, wie jeder Empfindende gespürt haben wird, eine Dichtung von zeitloser Größe aufs neue zu erwecksn — nicht ein Drama im vielfach geläufig gewordenen Sinne: nur einmal, im zweiten Akt, entlädt es sich in eine sinnlich-heftig bewegte und gesteigerte Szene, sonst sind alle Bewegung und Entwicklung, Dramatik und Konflikt ins Innere verlegt und nach innen getrieben.
Es spricht für die Qualität der Aufführung, daß an einem bühnenmäßig so spröden Gegenstände eine Spannung sich entzündete, die man meist als unmittelbarsten Wirkungsreiz dramatischer Handlung begreift. Der szenische Rahmen, den Herr Löffler, begabt und feinfühlig, um den Schauplatz gezogen hatte, bot, zumal im ersten und letzten Akt, in der durchbrochenen Gartenfassade von Belriguardo, ein gutes und stilvoll angemessenes Bild. Doch ging, wie nicht anders zu erwarten war, der bestimmende Eindruck von der klanglichen Wiedergabe aus; trotz Heinen Unebenheiten und dialektischen Schwankungen wurde im ganzen das schöne und edle Ebenmaß reiner Klassizität bewahrt. Es wurde zugleich mit dieser sprachlichen Durchdringung der Szenenarchitektur etwas von der geistigen Atmosphäre vermittelt, in welcher das Tasso- Drama sich abspielt, von Kultur und Lebenshaltung am kleinen Hose eines mücenatischen Fürsten dec
„Ich habe gleich, am ,Tasso< schreibend, dich angebetet. Meine ganze Seele ist bei dir..So hieß cs noch in einem Brief an Charlotte aus dem Frühjahr 1781. Wenn man die Entwicklung in diesen Jahren überschaut, begreift man, was es mit der Feststellung auf sich hat, die Geschichte von Goethes Liebe zu Frau von Stein sei von der Entstehungsgeschichte des „Tasso" nicht zu trennen- versteht man auch die Bemerkung: „Der ,Tasso' ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch", und die an Eckermann gerichteten Worte Goethes, der „Tasso" sei ein „gesteigerter Werther", den er geschrieben habe, „um sich zu befreien".
Der Tasso, dessen Bild sich im Schauspiel zwiefach entwickelt, aus ihm selber nämlich tote aus der Spiegelung in den vier andern Gestalten, wurde von Herrn Weiland gegeben. Er bot das Bild eines noch sehr jugendlichen, sehr edeln und sehr leidenschaftlichen Menschen, der völlig in seine Welt versponnen und toic durch gläserne Wände von der andern, der Uni-Welt getrennt lebt — so ausschließlich auf sein Gefühl angewiesen, daß er auf jede Gleichgewichts-- störung, jeijcn (auch vermeintlichen) Einbruch in seine Sphäre auf das Empfindlichste reagiert und in Maßlosigkeit verfällt — während rings um ihn her int schönen goctheschcn Sinne ruhiges Gleichmaß toaltct. Die Leidenschaft seiner Ausbrüche, die Heftigkeit seines Hasses, seiner Liebe, seines Mißtrauens und seiner Verzweiflung führte bis an die Grenze krankhafter Ucbersteigcrung (an der das geschichtliche Urbild zugrunde ging) und gab der Gestalt, besonders iin vierten Akt, Züge, die an den Hamlet denken ließen.
Die von Goethe selbst gewiesene Parallele zum Wetzlarer Jugendroman bestätigt seinen schmerzlichsten und allerpersönlichsten Anteil an diesem Schauspiel und nimmt es auf in die lange Reihe seiner dichterischen Konfessionen. Erst von hier aus wird man die Brücke zum überpersönlichen Inhalt und zur Allgemeingültigkeit des Themas schlagen: zu Karoline Herder, die sich unter den Zuhörern bei jener ersten Vorlesung (im Mai des Revolutionsjahres 1789) befand, sagte Goethe, der eigentliche Sinn seines Schauspiels sei die „Disproportion des Talentes mit dem Leben". Das heißt also, daß der „Tasso" nicht nur ein auf das eigenste, innerste Erlebnis seines Schöpfers bezogenes Bekenntnis ist, sondern, darüber hinaus und grundsätzlich betrachtet, ein Künstler-Drama, das den Dichter im Konflikt mit der Welt darstellt. Das Motiv ist immer wieder aufgegriffen worden und kehrt in unzähligen Fassungen und Abwandlungen wieder — bei Hebbel, bei Hauptmann, bei Scholz und Molo, um nur einige der bekanntesten Namen aus älterer und neuer Zeit zu nennen. Wir können, so reizvoll es wäre, der Entwicklung hier nicht folgen, sondern nur eben darauf Hinweisen.
*
So gewiß der einsichtige Leser oder Hörer im Theater — mit gebotener Zurückhaltung und allen notwendigen Einschränkungen — die Verhältnisse am Weimarer Hofe auf die Entwicklung der Dinge in Ferrara und Belriguardo übertragen und in der Gegenüberstellung Tassos und der Prinzessin Beziehungen Goethes zu Charlotte gespiegelt ssshen darf, — so gewiß ist Tasso auch, unabhängig von allen persönlichen Anspielungen, der Prototyp des empfindsamen und reizbaren Künstlers schlechthin. Seine „Disproportion" mit dem Leben erweist sich beispielhaft auf zwei verschiedenen Ebenen seines Gefühls: in feiner Feindschaft gegen Antonio wie in feiner Liebe zur Prinzessin. Jene wird gekennzeichnet mit den Worten der Leonore von San- vitale (111,2):
„Zwei Männer sinds, ich hab' es lang' gefühlt, die darum Feinde find, weil die Natur
nicht einen Mann aus ihnen beiden formte.." Und mit Tassos eigenen Worten im Monolog (IV, 1):
Giescla Vollert gab die Leonore von Este: schon in der äußeren Erscheinung das schöne, harmonisch und sparsam bewegte Bild einer jungen Nenaissance-- Fürstin, als eine Dame von Welt, von Geist und repräsentativer Haltung so anmutig wie beherrscht in jeder Geste; inan spürte bei allem Abstande, den sie, nicht nur zuletzt, zu wahren weiß, ein zartes, von leiser Schwermut beschattetes Gefühl; ihre Verse des Abschieds (III, 2), melodisch und beseelt gesprochen, waren wohl die schönsten, die man an diesem Abend zu hören bekam.
Für den erkrankten Herrn Geißler war Intendant Schultze-Griesheim als Antonio eingesprungen, und er bewältigte die große, schwierige und nicht immer dankbare Rolle ausgezeichnet, mit geistiger wie dialektischer Uebersicht und Entwicklung; er gab die Gestalt, in Sprachklang und Haltung äußerstes Gegen- bild des Tasso, nicht ohne Schroffheit, aber auch nicht ganz ohne Wärme — im inneren Gleichmaß ihres Charakters, ihres Alters, ihrer amusischen Welt.
Herr von Gsch meid ler war ein sehr milder, überlegener Herzog, ausgeglichen in jedem Wort, in Güte, Urteilskraft und Menschenkenntnis gereift. Frau S tirl spielte die Leonore Sanvitale leicht und beweglich, sprachlich klar und abgemessen, als gelassen heitere Freundin und fast mütterlich Liebende. —
italienischen Renaissance. Das äußere Bild — auch dies darf noch bemerkt werden — war fast bewegter, als man es nach dem Lesen und angesichts der Fünf-- zahl handelnder Personen erwartet. (Die Lektüre zuvor wird übrigens jedem, dem das Werk nicht mehr geläufig ist, den Genuß und die innere Teilnahme an der Aufführung sehr erhöhen.)
zwischen dem ersten w»
der ersten Vorlesung des nahezu ab-
Gießener Goethe-Festwoche.
„Torquato Tasso" im Stadttheater.
Die Gießener Goethe-Festwoche, zum 25jährigen Westehen des Goethe-Bundes veranstaltet, gibt auch Dem Stadttheater willkommene Gelegenheit, den Dramatiker Goethe, der in den Spielplänen der setzten Jahre ein wenig zu kurz gekommen ist, Mieder nach Gebühr zu uns sprechen zu lassen: meben den beiden heiteren und lockeren Einaktern, !»ie in den Morgenfeiern zu Beginn und zum Abschluß der Festwoche erscheinen, leistet das Gießener Schauspiel mit dem „Torquato Tasso" einen ge- Wichtigen Beitrag zu den Darbietungen der Jubi- iäumstage, der um so bedeutsamer erscheint, als dieses Werk, soweit wir sehen können, seit langen wahren in Gießen nicht mehr gehört worden ist: nies der reinstem Zeugnisse unseres großen klas- jischen Jahrhunderts, an äußerer dramatischer Belegung zwar gering, reich aber an innerer Entwicklung, gültig auch als „Bruchstück einer großen Lonfeffion", im strömenden Wohlklang seiner Verse mit einer Fülle edeln Gedankengutes befrachtet, wovon vieles dem Hörer sogleich mit der Sprachen ft der geprägten Sentenz, des geflügelt gewor- tenen Wortes ins Ohr bringt.
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Schon unterm 30. März 1780 lesen wir in Goe- ities Tagebücl>ern: „Halt' ich den erfindenden Tag. Anfangs trüblich, ich lenkte mich zu Geschäften, bald ward's lebendiger... Zu Mittag nach Tiefurt gu Fuß. Gute Erfindung Tasso." Am 14. Oktober dseses Jahres heißt es dann: „Tasso angefangen zu fogreiben", und ein paar Wochen danach ist die erste Erzene „so ziemlich fertig" zu Papier gebracht Was awer so freundlich und hoffnungsvoll, im Schwung euer großen Schöpferfreude, begonnen wurde, ge- net später sehr ins Stocken, blieb lange liegen, mürbe zögernb roieber ausgenommen, unb erst nahe- ii ein volles Jahrzehnt später ist das Werk ''vsll- t'ubet: Juli 1789; 1790 folgte die Veröffentlichung, 1007 endlich die Uraufführung des „Tasso" in Weimar.
Manuskriptes ist für von höchst einschneidender Bedeutung prvesen: in diese Jahre fällt die italienische Reise K'A dem reinigenden und zeitlebens nachhallenden slfenthalte in Rom, fallt auch der' llebergang von !<:: ursprünglichen Fassung des „Tasso" in „poe- ü'cher Prosa" zu der uns heute längst geläufig
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Nr. 7V Zweites Blatt
। Aus der Stadt Gießen.
Abschied von der Schule.
Nun wirS's Frühling werden. Wenn auch noch Schnee bic Fluren bedeckt und verspäteter Frost an den Wmter erinnert. Die kleinen Schneeglöckchen blühen, und Amseln und Lerchen singen ihre Früh- Imgslleder. ' u
Die Arbeit des Landmanncs beginnt. Er geht hin- aus auf seine Felder und vertrant beul dunklen Schoß ber Erde die neue Saat an. Sie iuinb sprossen und treiben, Blatt um Blatt wird hervorschießen, und bald werden die Achren ans den Halmen schauen. Die heiße Sommersonne reift sic, und schließlich sinken die goldenen Halme unter den Händen der Schnitter zu Boden.
Kommen uns die Gedanken von Saat und Ernte nicht unwillkürlich, toemt wir an einem wichtigen Lebensabschnitt stehen, wenn wir für kurze Augenblicke zurückschaucn, um dann weitcrzuwandern? Ist doch auch unser kleines Menschenleben eingcspannt in das große Naturgcschehcu vom Werden und Vergehen.
In der Hut der Eltern wuchsen die Kinder heran, dann nahm die Schule sic auf. Acht Jahre lang gingen sie dort ein und aus. War das nicht Säarbeit von Eltern und Lehrer'? Die Kinder glichen dem Acker, dem der Saknen anvertraut wurde. Und nun soll es keimen und sprossen bei ihnen, und wir alle hoffen, I daß dereinst auch die Früchte heranreifcn.
Die Kinder in ihrer Freude sind der Meinung, daß nun die Säarbcit. aufhört, daß sie nichts mehr aufzunehmen brauchen. Die Zeit, in der siö Ackerfeld waren, ist vorbei. Rein äußerlich gesehen, stimmt das s chon bis zu einem gewissen Grade. Ein rechter Mensch aber hört nie auf, Ackerfeld zu sein. Er sehnt sich immer nach neuer Saat, um dann endlich einmal selber Sämann zu werden.
Auch unsere Jungen und Mädchen sollen das ein- i mal werden, sei es als Handwerker oder Bauer, als Arbeiter ober Beamter, als Soldat oder Kaufmann. Sie sollen später — am Ende ihres Lebens — sagen können: „Ich habe richtig gesät. Das Feld hat gute Frucht getragen." Wohl ihnen, wenn sie es sagen können.
Jetzt aber sitzen sie zum letztenmal in dem Saal, der ihnen jahrelang eine zweite Heimat war. Sie fühlten wohl nicht ganz, was eigentlich Schulentlassung bedeutet. Der Schritt ins Leben erscheint ihnen leicht und voll Sonnenschein. Und das ist gut so.
Manchem Lehrer lvird bei diesem Abschied das Herz schwer, wenn er daran denkt, wie oft die harte Wirklichkeit die Träume und Hoffnungen der jungen Menschenkinder zerstören wird. Roch merken die Kinder ja nicht, daß eigentlich die schönste Zeit ihres Lebens vorüber ist. Erst in viel späteren Jahren kommt ihnen zum Bewußtsein, daß die Schulzeit die sorgloseste und auch die freieste für sie war.
Nun sind sie zum letztenmal mit allen ihren Kameraden vereint. Nie im Leben kommen sie wieder so froh und glücklich zusammen...
Wenn aber zu der Säarbeit der Lehrer ein hoffnungsfrohes Wollen und ein guter Wille treten, dann ist uns nicht bange um die Kinder, die jetzt ins Leben treten. Nach der Lernzeit beginnt nun die Lehrzeit. Sie stehen auch jetzt nicht allein. Die Kameradschaft wird auch über die Schule hinaus gepflegt werden.
-In der HI., bei der SA. und in der Wehrmacht finden idie jungen Männer immer wieder Kameraden und
! ^Freunde, und auch die Mädchen sind nicht einsam. !Jm BDM., in der Frauenschast finden sie frohe Ge-
I Helligkeit, Freundinnen und Kameradinnen.
Und wenn alle in ihrem Leben und Wirken nach | äbem Spruche handeln: ,
Arbeitstage voll rostiger Plage sind die besten von allen Festen,
lööerbcii sie auch im Leben Freude und Glück finden.
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhefsen)
Donnerstag, 25. März 1959
Handelsschule, Höhere Handelsschule, Wirtschastsoberschule
Von Handels-Studiendirektor Or. Kruse.
Wirksam
herrlich erfrischend, verhindert den' Ansatz des gefürchteten Zahnsteins. Srofie Tube 40 Ti., kleine Tube 15 Ti,
Einrichtungen ber Neuzeit versehen ist. Im Fahrplan bieser Verkehrsverbinbung wirb gegenüber dem jetzigen Plan nichts geänbert.
Günstigere Fahrplane auf ber Lumbalalbahn.
Auf ber Strecke Lollar — Lonborf — Grünberg bringt ber Sommerfahrplan für sonn- unb feiertags einen neuen Personenzug, ber um 8 U h r in Gießen abfährt, auf allen Stationen hält und
um 9.01 Uhr in Grünberg ankommt. Da bis jetzt an Sonn- und Feiertagen bie erste Zugverbindung nach dem Lnmbatal erst um 10.31 Uhr besteht, bebautet bie künftige Frühverbindung eine sehr wesentliche Verbesserung, bie namentlich für ben Ausslug- unb Wanbererverkehr von Gießen nach dem Lnmba- tal bankbar begrüßt werben wirb. Der Gegenzug, als neue Verbindung an Sonn- und Feiertagen, fährt ab Grünberg 11.35 Uhr und kommt in Gießen um 12.3 6 Uhr an; auch dieser Zug hält auf allen Stationen.
Bisher war an Sonntagnachmittagen von 15.17 Uhr bis.21.22 Uhr keine Zugverbinbung von Gießen nach bem Lnmbatal vorhanben. Künftig wirb, vom Sommerfahrplan ab, als neuer Zug a b Gießen um 18.55 Uhr an Sonn- unb Feiertagen ein Zug auf ber Lumbatalstrecke gefahren werben, ber auf allen Stationen hält unb um 20.01 Uhr in Grünberg ankommt.
Der jetzt ab Gießen 21.22 Uhr an Sonntagen fahrende Zug wird im Sommerfahrplan ausfallen.
„Die Reichsbahndirektion hat jetzt ihre Entwürfe für ben Sommerfahrplan, der am 15. M a i in Kraft tritt und bis zum 7. Oktober gilt, heraus- gegeben. Der neue Fahrplan bringt auch für unsere engere Heimat eine Reihe beachtenswerter Verbesserungen im Zugverkehr, besonders auf ben oberhessischen Strecken.
Neue O-Züge nach unb von Berlin.
Das vor einigen Wochen abgesetzte V-Zugpaar, bas am frühen Vormittag eine gute Verbinbung nach Berlin und am späten Abend die Ankunft von Berlin bzw. die Fahrt in Richtung Frankfurt ermöglichte, wird im Sommerfahrplan wieder eingeführt. Dieser v-Zug kommt von Frankfurt her um 8.18 Uhr in Gießen an unb fährt um 8.20 Uhr nach Berlin (Potsdamer Bahnhof) weiter. Der Zug trifft um 15.17 Uhr in Berlin ein. (Dieser Zug kam früher um 7.51 Uhr auf bem hiesigen Bahnhof an unb fuhr um 7.54 Uhr weiter.)
Der Gegenzug von Berlin (Potsbamer Bahnhof) trifft um 2 2.24 Uhr in Gießen ein unb ährt um 22.26 Uhr nach Frankfurt weiter, wo er um 23.29 ankommt.
Mittags-Eilzug nach Frankfurt eine Stunde früher.
Der Eilzug Hannover—Kassel—Gießen—Frank- ürt a. M., ber jetzt um 13.13 Uhr aus Richtung Kassel in Gießen ankommt unb um 13.16 Uhr nach Frankfurt a. M. weiterfährt, wirb im Sommerfahrplan bereits um 12.05 Uhr in Gießen eintreffen unb um 12.12 Uhr weiterfahren, um in Frankfurt a. M. um 13.15 Uhr anzukommen. Durch diese Früherlegung des Zuges haben die Reisenden aus Gießen die Möglichkeit, eine ganze Stunde früher als bisher in Frankfurt a. M. an kommen zu können, ferner find sie nicht mehr auf %en Mittags- O-Zug als schnelle Fahrtmöglichkeit nach Frankfurt angewiesen.
Der Gegenzug dieses Eilzuges bleibt im Fahrplan auch für ben Sommer unverändert.
Verbesserungen
im Personenzugverkehr Gießen—Marburg—Kassel.
Der Personenzug Marburg—Gießen ab Marburg 7.00 Uhr, an Gießen 7.41 Uhr, der bisher nur werktags verkehrte, wird im Sommerfahrplan täglich gefahren. Dadurch ist auch an den Sonn- unö Feiertagen eine gute Frühverbinbung mit Personenzug von Marburg gegeben.
Als Gegenzug wird sonntags ein Personenzug ab Gießen 10.40 Uhr fahren, ber um 11.20 Uhr in Marburg eintrifft.
Auf ber Strecke Kassel — Gießen wirb ber Personenzug ab Kassel 20.39 Uhr, an Gießen 0.24 Uhr, ber jetzt nur in ber Nacht vom Samstag zum Sonntag bzw. Sonntag zum Montag verkehrt, vom 15. Mai ab ebenfalls täglich zwischen Kassel unb Gießen gefahren werben. Der Gegenzug ab Gießen 1.40 Uhr fährt nur bis Marburg unb kommt dort um 2.17 Uhr an; auch dieser Zug wird künftighin täglich verkehren.
Neue Personenzüge
auf der Strecke Gießen—Gelnhausen.
Im Sommerfahrplan sind für den Werktagsverkehr neue Personenzüge ab Gießen 7.08 Uhr, an Gelnhausen 8.47 Uhr, ab Gelnhausen 6.32 Uhr, an Gießen 8.12 Uhr, vorgesehen.
An Sonn- und Feiertagen wird auf ber Strecke Nidda—Gießen ein neuer Zug gefahren werden, ab Nidda 22.20 Uhr, an Gießen 23.07 Uhr. Dieser Zug nimmt ist Nidda den Anschluß von dem ebenfalls neu eingestellten Personenzug ab Schotten 21.38 Uhr, an Nidda 22.17 Uhr, auf; auch dieser Zug verkehrt nur sonn- unb feiertags.
Triebwagen-Eilzug auf der Strecke Gießen—Fulda.
Im Plane des jetzt schon verkehrenden Eilzug- paares auf der Strecke Frankfurt—Gießen—Alsfeld—Fulda wird vom Sommerfahrplan ab der jetzige Dampfzug durch einen modernen Trieb- wagen-Eilzug ersetzt werden, ber mit allen
Sport ergänzen bie Ausbilbung wie in ben übrigen Abteilungen.
Die Wirtschaftsoberschule soll auch für bie Praxis ausbilden, beruht aber auf einer breite» ren Grundlage. Zu den obengenannten Fächern der Höheren Handelsschule treten zwei Fremdsprachen mit sechs Wochenstunden. Ferner wird das kaufmännische Rechnen durch Finanzmathematik unterbaut, und die Warenkunde erfährt eine chemisch-physikalische Grundlegung. Auch die Absolventen der Wirtschaftsoberschule sollen in die Praxis gehen. Anderseits sollen sie aber auch die Möglichkeit haben, ein vollgültiges Abitur zu erwerben, das ihnen den Weg zu einem Studium der Wirtschaftswissenschaften und verschiedene Laufbahnen offen hält.
Selbstverständlich wird in allen Mädchenk 1 as- s e n dieser Abteilung ber Hauswirtschaftsunterriclst, das Hanbarbeiten, bas Kochen unb die Säuglingspflege betrieben.
Die Zeiten find vorbei, in denen man glaubte, eine ziellose Allgemeinbildung — das heißt eine Zufällig bestimmte Anhäufung von Wissensteilen — solle Zweck der Schulbildung sein. Wir verstehen heute unter Bildung neben ber charakterlichen
Haltung bie zweckhaste Ausrichtung unb verständnisvolle Beherrschung jener Wissensgebiete, die ber einzelne notwendig hat, um ein nützliches Glied im Rahmen ber Volksgemeinschaft zu sein. Viele Mädchen, die früher jahrelang tatenlos in ihrer Jugend ZU Hause saßen, sind heute zur Arbeit aufgerufen. Die Aneignung von etwas Kurzschrift in Abendkursen und die Fertigkeit zu tippen sind keine geeigneten Unterlagen für eine gute und befriedigende Arbeit. Wenn auch solche Kräfte in Zeiten großen- Mangels an Arbeitskräften mit herangezogen werden, [o scheiden sie doch auf die Dauer aus. Stümperhafte und nur bruchftücksweise ausgebildete weibliche Arbeitskräfte bilden in ber Regel schon nach wenigen Jahren eine Last für jeberi Bürobetrieb, von ber sich jeber zu befreien sucht. Unbedingt notwendig ist eine harmonisch abgestimmte Berufsausbildung, die ben Blick in ber notwendigen Weise weitet und die Sinnzusammenhänge des beruflichen und des betrieblichen Lebens umfaßt. Nur vollwertig ausgebildete Arbeitskräfte können auf die Dauer gute Leistungen erzielen, sich im Berufsleben behaupten und in ihrer Tätigkeit Befriedigung finden.
Aahrplanverbesierungen aus den oberhessischen Bahnstrecken
Neue Personenzüge im Nahverkehr. - Neue V-Züge im Fernverkehrsdienst.
(fs ist jetzt eine allgemein anerkannte Erfahrungstatsache, daß der beste und der kürzeste Weg der Ausbildung für weibliche Bürokräfte aller Art über die Handels- und Höheren Handelsschulen geht.
Handels- unb Höhere Hanbelsschulen gibt es reichseinheitlich in allen größeren unb mittleren Städten des Reiches, so auch in Gießen die Oeffentliche Handelslehranstalt mit ihren ■ verschiedenen Abteilungen.
Während die Handelsschule grundsätzlich auf dem erfolgreichen achtjährigen Besuch der Volksschule aufbaut, liegt der Unterbau für die Höhere Handelsschule und die Wirtschaftsoberschule in den Oberschulen.
Für den Besuch der Höheren Handelsschule und Wirtschaftsoberschule ist die Versetzung nach ber 6. bzw. 7. Klasse einer Ober- uhule Voraussetzung. Die einjährige Höhere Handels- schule soll in erster Linie unter starker Betonung ber schreibtechnischen Fächer berufsfertig machen. Fremdsprachen treten in ihrer Ausbildung zurück. Dagegen erstreckt sich der Lehrstoff sehr eingehend auf Betriebswirtschaft, Buchführung, Kaufmännisches Rechnen und Warenkunde. Geschichte, Deutsch Undl


