Ausgabe 
22.12.1939
 
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®an$ falsch ist es aber erst, den Feiertag dazu zu

Ladenschluß am nächsten Sonntag.

Die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung Handel und Abteilung Handwerk, die Kre ^Handwerkerschaft und die Wirtschastsaruppe Einzelhandel, Kreisgruppe Gießen, geben heute gemeinsam bekannt, daß die G e s ch ä fte am kommenden Sonntag, 24. Dezember 1939, nicht geöffnet sind. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Gefolgschaftsmiiglieder, die Weihnachten bei ihren zum Teil weit entfern« ten Angehörigen verleben wollen, wird diese Rege­lung allgemeine Zustimmung erfahren. Die Friseur- und Blumengeschäfte sind dagegen für gewisse Stun­den geöffnet.

dem sowieso mehr gegessen wird als sonst, auch viel bekömnu.cher ist

So hat jeder von uns es in der Hand, von sich aus beizutragen zu einer vernünftigen und er­holungsreichen Gestaltung des Feiertags, damit er gestärkt und innerlich froher den hohen Anforderun­gen des Alltags wieder entgegentreten kann. H. K.

Aornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Maria Ilona". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Waldrausch". Oberhessischer Kunstverein: 15 bis 16 Uhr Aus­stellung im Turmhaus am Brand.

langen Beinen da, mit dem kurzen Kleid, Sommer­sprossen über der Nase überhaupt, wie kann man so ausfehenk

Wenn Anne Wegner je einen Schimmer von Selbstbewußtsein hatte, so ist der nun vergangen, ist ganz und gar verschwunden, und Klarissa, die still und in sich gekehrt auf ihrem Stuhl sitzt, denkt Aehnliches, denn plötzlich sagt sie:Ich möchte unter Kläres Bekannten, die wohl alle so fein und groß­artig aussehen, wie sie, eine wissen, die es mit dir im Reiten aufnimmt, Anne. Und keine von ihnen hat solch ein Pferd wie die Konifere, das kannst du mir glauben."

Und nun sind die beiden Kinder Klarissa und Anns da, wo sie von Gott und der Welt aus hingehören, auf dem geliebten Birkenhof, bei ihren Tieren und bei allem, was sie gern haben. Mit einem Wuppdich reißt Anne sich das enge und verachtete Kleid über den Kopf, das Unterkleid muß mit daran glauben, und beide fliegen auf irgendeinen Stuhl. So, das ist erledigt. Sie selbst aber kauert im weißen Schlupf­höschen vor Klarissa, legt beide Arme auf ihren Schoß und sieht zu ihr auf.Du, Klarissa, weißt du, was ich möchte? Ich möchte nicht mehr so kind- lick herumbummeln, möchte eine richtige und fest» Arbeit haben. Laß mich vom ersten Oktober an Lehrling auf dem Birkenhof werden, so ganz richtig arbeiten, bei Franz Pegel und bei dir. Ich möchte alles lernen, von der Pike auf, darf ich?"

Kind, denkt die alte Klarissa, liebes Kind, und fie sieht, daß in Annes Auaen goldene Pünktchen wie Sonnenstaub spielen, sie sieht den zarten, bräunlichen Nacken und das Gekräusel gelber Löckchen über ihm unb denkt wieder voll mütterlichen Stolzes: ich Habs gar nicht gewußt, daß das Kind so schön ist.

Sie sagt:Gutslehrling, Anne, das wollte ich nicht. Du sollst nicht wie ein Mann arbeiten, nicht so, wie ich es getan habe. Bei mir war es anders damals. Ich mußte mein Studium abbrechen, da dein Vater sein Leben nicht ändern und den Hof übernehmen wollte. Das war für unsere Eltern ein schwerer Schlag, du kannst es dir denken, denn immer schon haben Wegners auf diesem Hof gesessen, große Bauern sind sie gewesen, und ihr Denken und ihre Arbeit hat diesem Land gehört. Du hattest keinen Bruder, Kläre liebt den Hof nicht, und so bist du nun die letzte, und ich dachte, du sollst eine neue Reihe anfangen. Gesunde Kinder müssen hierher, Söhne, Töchter, wie es früher war. Aber du, Sinne, du mußt ietzt hinaus, du bist jung, und Kläre macht mir den Vorwurf, daß ich dich hier festhalte: das will ich nicht. Sie hat wohl recht, wenn sie sagt, du mußt auch anderes lernen. Ich war ja auch draußen und bin wiedergekommen, als man mich rief, und Gott ist mein Zeuge, daß ich dem Birkenhof alles gegeben habe, Kraft und G-danken und alles.

(Fortsetzung folgt.)

Gebiet, daß der Aufenthalt stärkerer Abteilun-geTi kaum möglich war, weil sie immer eingesehen wur­den. Spähtrupps waren aber immer abgewiesen worden, und so setzte der Franzose eines Tages auf das Dorf S. einen Angriff an, an dem nach der Soldatensprachealles oran" war. Da schoß die französische Artillerie auf das Dorf, bald stand ein Gehöft in Flammen, da hämmerten mit langsamem tack-tack französische Maschinengewehre und da ant­worteten mit höherer Feuergeschwindigkeit nur we­nige deutsche. Links und rechts vom Dorf kroch?« Panzerwagen vor, und hinter ihnen bewegten sich ' dann geschickt jede Deckung ausnutzend lockere Jnfanteriegruppen in blaugrauen Mänteln vor­wärts. Das ging so lange gut, als unsere Artillerie den Gegner unbehelligt ließ. Sie eröffnete aber das Feuer, als die Panzer auf die Höhe des diesseitigen Dorfrandes gekommen waren, und zwar gleich mit dem Erfolg, daß von fünfen dreie liegen blieben, so daß der Angriff ins Stocken kam und daß wir beim Gegner an einzeln zurückgehenden und an getrage- nen Verwundeten erhebliche Verluste feststellten.

Uebethaupt schien uns die Wirkung der eigenen! Artillerie auf den Franzosen doch eine erheblich

schwinden. Nicht mehr zu sehen sind sie, Anne Weg­ner hat keine Lippen, sie streckt die Zunge raus und hat auch keine Zunge mehr, hahaha. Das Kind Anne zieht die Nase kraus und nickt sich selbst zur Aufmunterung zu, man soll solch eine Kleidersache wie einen Scherz nehmen, es ist das beste.

Hinter ihr wird die Tür geöffnet. Klarissa tritt ins Zimmer,-und ihr Gesicht sieht nahe Annes Ge­sicht im Spiegel. Sie lachen sich zu, sie nicken, Kla­rissa pustet und stapft durchs Zimmer, daß die Dielen schüttern, dabei sind es gute, alte Eichen­dielen. Aber sie marschiert wie ein Mann, mit den Hacken ihrer schweren Schuhe tritt sie zuerst auf, und der Stuhl, aus den sie sich setzt, muß schon ziemlich fest und sicher sein.

Klarissa sitzt und fängt zu stöhnen an, schlägt die Hände zusammen und sagt:Was bist du aus dem Kleid gewachsen, Allmächtiger, so kannst du gar nicht gehen. Tja, daran hätten trirr denken müssen, nun ist es zu spät."

Anne sieht wieder recht unglücklich drein.Ich kann mich auch wirklich kaum bewegen, Tante Kla­rissa, ob ich nicht lieber Rock und Bluse anziehe?"

Klarissa stöhnt abermals.Kläre hat ein Kleid aus gelben gelackten Spitzen an, auf was diese Großstädter nur kommen! Nächste Woche fahren wir nach Hamburg, Anne, du sollst anständig aus­sehen, Kind, ich will mir nicht sagen lassen, daß du hier verkommst."

Ja, also, nächste Woche. Alles schön und gut, aber was machen sie heute? Sie sind beide ziemlich ver­stört und wollen es doch voreinander geheimhalten, da^ sie im Grunde genommen über das alte Kleid entsetzt sind. Anne streicht mit spitzen Fingern an sich runter.Eigentlich geht es wirklich noch, Tante Klarissa, ich glaube, es ist gute Seide, und die zieht sich wohl mit der Zeit nach dem Körper. Ich darf mich nur nicht gleich so sehr bewegen, weißt du, damit die Nähte nicht platzen. Allmählich gewohnt sich das Kleid schon wieder an mich."

Sie sehen sich an und lachen. Bei Anne ist das Lachen eine ganze Skala des Vergnügens, rauf und wieder runter, und Klarissa kollert wie ein Truthahn dazwischen Sie haben sich lieb, sie sind die beiden Frauen vom Birkenhof und haben sich lieb. Ihre Kleider sind nicht hochmodern und wunderbar, und bei Anne sind sie eng geworden, denn sie ist jung und war bisher ein hageres Mädel, und auch die Augenzähne fehlten noch. Ietzt sind die Zähne ge­wachsen, weiß, gerade und kräftig, Prachteremplare von Eckzähnen sind es geworden, und die Schultern der jungen Dame runden sich und sprengen die Nähte ihrer Kinderkleider. Die beiden finden das lustig und nichts dabei, sie denken, daß es wirklich ein Grund zum Lachen und zur Freude ist, und kollern und jubeln: hahaha!"

stärkere zu sein, als die der seinen auf uns. Nach­dem dje dauernden Feuerüberfälle von drüben die Antwort unserer Artillerie auch auf das französische Gebiet notwendig gemacht hatten, sahen wir einmal einen kleinen eigenen Feuerüberfall auf eine fran­zösische Feldstellung, der zur Folge hatte, daß etwa 50 Soldaten nach hinten wegliefen, ein ander Mal einen Volltreffer in eine Gruppe von acht Mann> von der fünf liegen blieben. Dieses Artilleriefeuer und die immer schärfere Gegenaktion unserer ande­ren Waffen haben ja dem Franzosen bald die Lust zu weiteren Angriffen gründlich verleidet. Er stei­gerte wohl Zahl und Häufigkeit seiner Feuerüber­fälle vom hart um kämpften Abschnitt Saar­brücken her hörten wir es wenigstens in manchen Nächten bis zu dem donnernden Rollen, das den alten Soldaten des Weltkrieges von der da­maligen Westfront her noch in den Ohren liegt.

Aber auch auf unserer Seite antworteten danni die Batterien so, daß die glücklichen Hausbewohner der Dörfer in der Nähe der Batteriestellungen manchmal nachts beinahe vom Schall der Abschüsse aus dem Bett geschossen wurden. Das hat dem Franzosen offenbar die Freude an den Kämpfen im Vorfeld allmählich so verleidet, daß er vor un­serem Abschnitt wenigstens eines Tages ganz ver­schwunden war.

(Schluß folgt.)

Oftmals fühlen sich die anderen Familienmitglieder dazu verpflichtet, der Hausfrau zu helfen; manch- mat wird es sogar dringend notwendig, daß sie es lun. Im Grunde aber würden sie viel lieber ein Mahl essen, wenn dafür die Küchenhetzerei fortfiele. Bei einiger geschickter Einteilung wird die Hausfrau aber auch Mittel und Wege finden, dieses und jenes vorzubereiten, so daß keine wesentliche Mehrarbeit entsteht. Beispielsweise ist es nicht nötig, einen komplizierten Nachtisch zu reichen, der unnötig Diel von den Abschnitten der Nährmittelkarte erfor- 255.7 ein Glas des vorsorglich eingemachten Dostes nicht nur denselben Zweck erfüllt und genau 1° gut schmeckt, sondern gerade am Feiertag, an

Wilh.Reusch

Juwelier Tafelgeräte ?4md

Seltersweg 65 GIESSEN Fernruf 2284

Als unsere Gastgeber aus den Dörfern der roten x^one mit 60 Pfund Gepäck abzogen, da ließen sie ihren ganzen Besitz, vor allem das lebende Vieh 2?^. ^^^igen Zivilpersonen und im übrigen uns Tomaten zurück. So mancher Grenzwachtmann und jo mancher Soldat aus dem Hessenland hat da zu einer Postentätigkeit, zu seiner Arbeit im Stel­lungsbau auch noch Viehzüchter werden müssen, es galt ja hier nicht mehr, für einzelne unbekannte Be- den Viehbestand zu erhalten, es mußte deut­sches Volksvermögen gesichert und geborgen werden. Sa sind Soldaten Diehtreiber geworden.

Aus einem Dorfe unseres Abschnittes haben wir allein über 800 Stück Rindvieh geborgen. Das ging mit dem Jungvieh verhältnismäßig leicht, die großen Schwierigkeiten aber ergaben sich erst, als die Dörfer des Vorfeldes schon unter Artilleriefeuer jagen, bei der Bergung nichtmarschfähiger Kühe, Bullen und Schweine. Lastkraftwagen fuhren bis in die vordere Linie und holten das Vieh. Daneben hatte aber bald jede Kompanie ihren besonders be­treuten Viehbestand. Die Kühe, die nicht gleich ab­transportiert werden konnten, haben natürlich gegen entsprechende Milchleistung bei den Sol­daten gute Betreuer gefunden. Die alten Krieger unferer leichten Infanterie-Kolonne brachten in vor­bildlichem Pflichteifer und auf immer schlechteren Wegen Fuhre um Fuhre nach hinten und führten sie der NSV. oder amtlichen Stellen zur weiteren Verwertung zu.

III.

Was hat nun eigentlich ein Vorfeldkämpfer zu tun? Wachen, Schippen, Frieren, dauernd in Spannung fein und in feindlichem Feuer aushalten, oft, ohne sich wehren zu dürfen. Das find wohl die Hauptaufgaben, die vom Mann im Vorfeld ver­langt werden.

Es war ja nicht mit der wachsamen Sicherung allein getan, zu der erst nur wenige Soldaten an der Grenze lagen. Zwar hätte es dem einzelnen sicher genügt, wenn er in den zweistündigen Ad- )ungen, die Tag und Nacht meist nur möglich waren, hätte schlafen können. Zum Schlafen aber gehört ein Bett und gehört die Geborgenheit eines Raumes, in den Granatsplitter nicht einschlagen können. So mußten dann zunächst Schützenlöcher gegraben werden, ein wenig Stroh hinein für die Rächt, eine Zeltbahn baruntet und eine darüber, das war Bett und Feuerschutz zugleich. Der Leichtsinn der sich nach der ersten Uederraschung auch dem Artilleriefeuer gegenüber leicht einstellt, hat man­chen vorgeschobenen Beobachter oft veranlaßt, auf mehr Sicherung zu verzichten. Da galt es für die erfahrenen Vorgesetzten, ihre Männerin die Erde zu treten", denn es dauerte tatsächlich nicht lange, da kämmte der Franzose in planmäßigen Feuer- üdersällen ganzer Batterien einzelne Vorfeldab­schnitte in größerer Tiefe durch. Schachbrettartig konnte, man auf den Hängen die Einschläge der Brisanzgranaten aufspringen sehen, und wenn be-

Auch die Hausfrau sollte sich in ihrer liebevollen Besorgnis darum, ihren Lieben zu Weihnachten etwas ganz besonders Gutes vorzusetzen, nicht dazu verleiten lassen, nun unentwegt in der Küche zu |j*uften und sich gar keine Freizeit zu gönnen. Einer- IBr sie ja, noch dazu jetzt, wo auch sie cmge- 'iMnnter ist als sonst, dasselbe Recht auf Freizeit, wie alle anderen, berufstätigen Mitglieder der Fa­milie. Anderseits aber belastet sie nur ihre Ange­hörigen damit und nimmt ihnen ihre seelische Ruhe.

Aus der Stad« Gießen.

Äom Sinn des Feiertags

Wichtig für die Erhaltung der Arbeit-;^?. , x für die Leistungssteigerung ip die ricktiae i>er Arbeitspause. Gerabe in besonders ®Än? ten Zeiten wie augenblicklich ist eine befonS^ Hn wirtschaftliche Einteilung der kurzen Un&

unschätzbarem Wert. Nicht nu7^n,kr- tzo°ntoo7 sondern auch das beoorstehende Weit nachtfsest wkr- d-n wir darum alle nrehr als bisber non- * unseren persönlichen Geschmack einrichten.8 3 $

ift schwer, hierfür allgemeine Richtlinien auf. zustellen: denn jeder einzelne sucht aus seine Well, den Ausgleich zum Alltag. Sb wird z.B derj^ der den ganzen Tag über, manchmal bis spat in di- Nacht hinein, am Schreibtisch sitz-n mutz sich schon darauf freuen, am ersten Feiertag früh auf zustehen und hinauszu ahren oder -zugehen um in der freien Natur mit sich selbst einmal älle17 u ein. Er malt sich schon aus, wie schon es ist, ohne Lärm weit ab oom Telephon, die klare Äinter- lltst tief einzuatmen, in der ganzen besinnlichen hiueiuzulauschen, -ine weih- nächtliche Bilanz zu halten und seinen eingerosteten Körper bei einem stundenlangen Spazieraana Io durchzuarbeiten, daß er zum Mittagessen richtkg n Heißhunger heimbringt, wie er ihn schon lanae nickt mehr hatte. Einem Briefträger dangen, V jedem anderen, der durch feinen täglichen Beruf zum vielen Laufen gezwungen ist, wird so eine Festtaaswande- rung roemaer erstrebenswert fein. Er wird es viel schöner finden, sich richtig auszuschlafen und nur SU faulenzen, vielleicht das Haus überhaupt nicht au verlassen. Jeder von den beiden hat recht jeder von seinem Standpunkt aus. Es ist auch richtig so; denn jeder soll sich ja erholen, und das kann er nur tun, wenn er macht, was ihm behagt.

Es ist auch vollkommen falsch, sich zu Weihnachten mit vermeintlichen Verpflichtungen zu überlasten So glauben vielleicht Müllers, sie müßten unbedingt Meiers am ersten Feiertag zum Kaffee einlaben. Herr Muller ist gar nicht begeistert, er möchte viel lieber feine Ruhe haben und in dem neuen Weih­nachtsbuch lesen. Auch Frau Müller empfindet es als lästig, diese Einladung ergehen zu lassen; weiß sie doch jetzt schon, daß sie dann den ganzen Tag in der Küche herumpusseln muß. Außerdem muß sie sichauf jeden Fall zum Abendbrot einrichten", weil man ja nicht wissen kann, ob Meiers zur Zeit gehen, oder ob sie sich festsetzen, und sie ihnen als gute Hausfrau noch etwas anbieten muß. Meiers sind zwar genau fo wenig erfreut von der Einladung, wollen aber Müllers durch eine Ablehnungnicht vor den Kopf stoßen" und nehmen mißgestimmt an, obgleich auch sie am Feiertag lieber allein wären. Deshalb sollte man diese konventionellen Hemmun­gen ablegen und nur dann zusammenkommen, wenn auf beiden Seiten das Bedürfnis danach besteht.

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CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 35

5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Jttber richtig, heute ist die Hose Nebensache, wenn Ire nur wüßte, wo der Unterrock steckt? Mit einem Knall schlägt Anne die Tür des Kleiberschrunkes }u und kehrt sich um. Dg auf dem Bett liegt das bewußte Festkleid. Sie starrt es mit hochgezogenen Brauen, kritisch und mißtrauisch an. Es ist weiß und hat »schon einen verflixt gelblichen Schimmer, veU es oft gewaschen ist und kein Mensch behaup­ten kann, daß es ein seines Kleid wäre, Gott be= wahre, man könnte es getrost ein Kinderkleid nen- , ten. Als Anne es im letzten Sommer trug, war ' sie eigentlich noch ein Kind mit langen Hängezöpfen, änzwischen ist aus den Zöpfen ein gelber Nacken- fnoten geworden und aus Anne Wegner eine junge 2>ame, doch das Festkleid ist nicht mitgewachsen, eine dumme Sache. Sie seufzt und fährt mutlos mit ten langen Fingern über das Kleid. Da fehlt wirk­lich nur noch, daß es in den Nähten platzt, wenn jie es überzieht, lieber Himmel, sie fürchtet sich bei­nahe davor. Nur gut, daß Marie es fein gewaschen

hat, nicht einer der vielen Flecke ist geblieben.

Anne nimmt das Kleid hoch, um es sich vor dem ' Spiegel anzuhalten, dabei sieht sie, daß der Unter« wch orunter liegt, auch gewaschen, welch ein Gluck, fie wirb nachher zur Küche laufen und Marie einen § geben, einen feinen Kuß bem feinen Kerl, der Marie. Natürlich ist das Kleid zu eng, wie ein Durstdarm sieht es aus. Tanzen? Unmöglich, sie hrni sich kaum rühren. Und weil ihr Spiegelbild sich jammervoll genug aus macht, wird sie au, Klare b5se, warum muß Kläre aus Berkin kommen und auf dem Birkenhof ein Sommerfest veranstalten? lind dann in solcher Eile und gerade an Klanssas Aartensonnabend, so was Blödes, denkt sie und meint, man könnte doch einfach einen blauen Rock airziehen und eine der Hemdblusen, ^^^Iieß^I^^ i)t em ' Sommerfest auf dem Birkenhof kein Diplomaten» tall. Oder doch?

Anne geht näher an den Spiegel und betrachtet si-h. Sie streicht mit den Fingerspitzen über die Bogen der Brauen. Die sehen eigentlich mcht schlecht »ns, aber über die Nase läuft ein Sattel braun - kiyer Tupfen Sommersprossen. Ihre Schwester Kläre hat keine Sommersprossen. Uebethaupt Klare.

Anne seufzt, und die Nähte des Kleides knacken ^ängstigend. Ihr Atem haftet als kreisrunder Mattfleck am Glas, jo, daß die Lippen just ver-

benutzen, um zu Hause Arbeiten zu erledigen, zu denenman sonst nicht kommt". Wenn diese Ar­beiten so lange gelegen haben, dann können sie auch ruhig noch etwas liegen bleiben, ober sie fön» ; nen bei einigem guten Willen in ber nächsten Zeit ' nebenbei getan werben. Denn bas ist ja ber Sinn i des Feiertags, daß er sich heraushebt aus ber gro­ßen 'Zahl der Arbeitstage, und bas in noch stär­kerem Maße, als ein gewöhnlicher Sonntag.

Vorfeldkämpfe zwischen Rhein und Mosel."

Erlebnisse unserer oberhessischen Soldaten. - Bericht für denGießener Anzeiger"

sonders der Führer unserer Einheit nicht immer i wieder auf Eingraben gedrängt hätte, bann wären 1 sicherlich Verluste entstanden, die so erspart wurden, i Es wären wohl auch nicht die beherrschenden Hohen 1 unseres Abschnittes gegen den immer wieder mit Spähtrupps vorfühlenden Gegner gehalten worden, i Denn ein Ausweichen, wie es ja am Anfang für 1 die Vorfeldbesatzung bei stärkerer Feindeinwirkung i durchaus vorgesehen war, hat bei uns nur stunden­

weise zur Aufgabe einzelner Geländepunkte geführt. Mit tatkräftigem Entschluß wurden die wichtigen Punkte von Zugführern und Unterführern sofort wieder besetzt, wenn Jie bei zu starkem Artillerie- feuer, gegen das noch reine Deckung vorhanden war, : oder bei Annäherung starker feindlicher Spähtrupps oder eines Panzerwagens vorübergehend auf ge­geben wurden. Diese Entschlossenheit von Anfang an, daneben das besonders günstige Gelände, hat unserer Truppe jedenfalls die Notwendigkeit spä­terer Angriffe erspart. Der deutsche Boden bis zur Grenze ist von Anfang an in der Hand unserer oberhessischen Soldaten geblieben.

Diegeringe Artillerietätigkeit" des Franzosen braucht durchaus nicht allzugering eingeschätzt zu werden, wenn sich ber Hörer am Radio in täglich gleicher Nachricht daran gewohnt.

Das Heranschaffen von Stollenbrettern, Schanz­zeug und Pioniergerät und vor allem bas Aus­heben ber Erdlöcher, bie wir uns nun in bie Hänge hineinbauten, beschäftigte unsere Soldaten Tag unb Nacht. Der tägliche Feuersegen bes Gegners gab aber gleichzeitig bie gründlichste Belehrung für den Sinn dieser Arbeit und gab der Waffenkamerad- schast seine Weihe, die sich hier wieder zwischen den Männern der Fahrkolonnen, den rückwärtigen Diensten, die alle Materialien heranschaffen muß­ten, den Pionieren und dem letzten Soldaten im Vorfeld ergab. So ein Stollengang von 1,80 mal 1,20 Meter war bann auch halb geschafft unb gab teilweise mit richtigen Drahtbetten eingerichtet den Männern, bie vorher nur auf Stroh in flachen Löchern gelegen hatten, eine verbesserte Ruhemöglichkeit.

Einige Aufklärungsflieger besuchten unsere vor­bersten Beobachter in ber vorderen Linie zu Fuß, um sich das Erdbild für ihre Flüge einzuprägen. Der Kommandierende General ließ sich durch den schlechten Weg, aus dellen Schlamm zehn Mann sein Auto nachher weiter schieben mußten, nicht anchal- ten, bie vordersten Widerstand slimen mehrmals zu besuchen, und sine ganz gr^ße Selbstverständlichkeit war es für die oberhessifchen Soldaten, wenigstens alle paar Tage ihren Oberst ganz vorne zu sehen, obgleich er auch selber bei gelegentlichen Artillerie­grüßen von drüben das schöne KommandoHin­legen" ausführen mußte.

IV. *

Einen französischen Angriff haben unsere Beobach­ter auf 4 bis 6 Kilometer Entfernung im Nach­barabschnitt eines Tages mit ansehen können. Ein deutsches Dorf lag so umschlossen von französischem

Kläre Ziegler dagegen findet das ganz und gar nicht. Sie kommt ins Zimmer:Bist du fertig, Anne?", fragt sie, unb bann legt sie bie Finger­spitzen an bie Schläfen und ruft:Oh, mein Gott, du siehst ja jammervoll aus!"

Dies ist also Kläre Ziegler, Annes älteste Schwe­ster aus Berlin. Sie ist plötzlich unb ohne daß jemand etwas wußte, auf dem Birkenhof eingetroffen. Als fie kam, hat es Klarissa den Atem verschlagen. Die vielen Koffer, die beiden Jungen, das Fräulein, unverständlich, rein unverständlich war das ... Denn wenn Klarissa Wegner reift, dann ist das eine große Sache, über die lange hin unb her geredet wird. Sie reist auch nur, wenn es unbedingt notwendig ist und ist seit Jahren nicht über die Grenzen des Birkenhofes und des kleinen Ortes Balke hinaus­gekommen. An diesem Wenigen sieht man schon, daß es einen Unterschied zwischen Kläre Ziegler und ihrer Tante Klarissa gibt, ja. Sie sind zwar nahe verwandt, Kläres und Annes Vater war Klarissas Bruder, doch Menschen sind verschieden wie ihre Schicksale. Wenigstens hat Klarissa bald gemerkt, daß nichts Besonderes an dieser schnellen Reise der Nichte war. Nein, Kläre ist ihrem Mann nicht etwa ausgerissen oder dergleichen, bewahre! Sie hat nur erzählt, daß Joachim Ziegler an eine auswärtige Botschaft versetzt ist. Er ist ein tüchtiger Diplomat, und Kläre ist stolz auf ihn. Ist alles in bester Ord­nung. Bloß den Sommerfesteinfall hätte Kläre gern für sich behalten dürfen. Was wollte sie mit dem Sommerfest auf bem Birkenhof? Du lieber Gott! 1 Klarissa wehrte sich entschieben gegen bie Neuerung, < doch half es nichts, denn Kläre setzt schließlich alles ! durch, was sie ausheckt, ob es nun vernünftig ist : ober nicht.

In diesem Augenblick nun, als Anne vor dem Spiegel steht und Kläre händeringend hinter ihr, ! denken Klarissa und Anne, daß es wirklich im Leben i nichts Unvernünftigeres geben kann als ein Sommer- ' fest auf dem Birkenhof. Kläre ist ungemein ver- | ärgert.Warum hast du mir nicht gesagt, daß du i nichts anzuziehen hast, Anne, wir hätten dir in i Balke zur Not was besorgen können."

Ich habe nicht daran gedacht, und außerdem finde ! ich das Kleid gar nicht fo schlimm." Anne kaut an \ ihrer Unterüpne, sie ist botfia. \

Na, ich danke, ein Elendskleid ist das!" ruft Kläre, i Doch bann fällt ihr ein, daß sie noch ein Reservekleid ! hat.Du kannst ein Tüllkleid von mir kriegen, es c ist zwar vom vergangenen Jahr, aber besser als 1 dieser verwaschene Lappen ist es auf jeden Fall." i Kläre fliegt wie ein schöner, honiggelber Schmetter- i ling davon und läßt die beiden hilflosen Frauen ( vom Birkenhof zurück. k

Anne sieht in den Spiegel und findet sich schrecklich! i Eben war das Glas noch von Kläres gepflegter I Schönheit ausgefüllt, unb jetzt steht sie mit ihren