Kür -en Büchertisch.
Ewiges Deutschland.
— Ewiges Deutschland. Ein deutsches Hausbuch. Herausgegeben vom Winterhilfswerk, des deutschen Volkes. 352 Seiten. Mit vielen Holzfchntt- ten. In Leinen RM. 3,—. Verlag Georg Westermann, Braunschweig, Berlin, Leipzig, Hamburg, 1939. — (17.) — Dieses Hausbuch, -gu dem Dr. Goebbels das Vorwort schrieb, ist ein schöner und eindringlicher Beweis dafür, daß das neue Reich nicht nur leiblich für die Seinen zu sorgen gewillt ist, sondern auch geistig: das Winterhilfswerk hat mit diesem Buche dem deutschen Volke neben Nahrung und Kleidung ein Geschenk auf den Gabentisch gelegt, das sich an Herz und Gemüt wendet. Es schöpft aus dem ewigen Vorrat der deutschen Dichtung; hier ist — von Walter von der Vogel- wcide bis zu den namenlosen, mit dem Nationalpreise ausgezeichneten Sängern der „Lieder der Getreuen" — eine Menge wertvollen, bleibenden Lesegutes in Erzählungen, Gedichten und Sprüchen gesammelt; August Friedrich Velmede hat den Stoff, der sich über Jahrhunderte verteilt, gesichtet und geordnet, die einzelnen Stücke zueinander in Beziehung gesetzt und sinnvoll in den Jahresablauf eingeordnet. Es ist in der Kürze nicht möglich, die Fülle des Inhaltes mit einer Aufzählung in etwa erschöpfen zu wollen, doch sei immerhin, um einen Begriff von Anlage und Aufbau des Werkes zu geben, einiges herausgegriffen als Beispiel: neben den kurzen, höchst einprägsamen Abschnitten aus Adolf Hitlers „Mein Kampf", die wie eherne Leitsätze über das ganze Buch verteilt sind, liest man Briefe Friedrichs des Großen, Grillparzers Rede dm Grabe Beethovens, Anekdoten von Hebel und Kleist, Erzählungen von Keller und Storm, Gedichte von Goethe und Mörike, Fontane und Lilieneron. Auch die gegenwärtige deutsche Dichtung kommt in einer guten Auswahl zu Worte; man findet da neben manchen andern, in Vers und Prosa, Miegel und Münchhausen, Seidel und Schäfer, Binding und Carossa, Waggerl und Blunck, Stehr und Kolben- heyer. Das Werk ist mit Holzschnitten und Zeichnungen (u. a. von Dombrowski, Krain, Mahr, Sluy- terman von Langeweyde) gut und volkstümlich bebildert, rote überhaupt bei der Auswahl des gesamten Stoffes darauf Bedacht genommen worden ist, ein wirkliches Volksbuch zu schaffen, das heißt ein Lesebuch, das sich in Form und Inhalt an jedermann im Volke wendet, von jedermann verstanden, empfunden und ausgenommen werden kann. Der in Anbetracht der gediegenen Ausstattung sehr wohlfeile Preis sollte zu einer weiten Verbreitung des Werkes beitragen.
Hans Thyriot.
Eine neue Herder-Ausgabe.
— Der Verlag von Rütten und Loening in Potsdam läßt eine auf sieben Bände berechnete neue Ausgabe der Gesammelten Werke Johann Gottfried Herders erscheinen, die der Frankfurter Literarhistoriker Professor Dr. Franz Schultz besorgt, und von der bis jetzt Band 1 und 3 Vorlagen. — (11.) — Verlag und Herausgeber begründen das Unternehmen einer neuen Herder-Ausgabe (die ältere kritische von Bernhard Suphan und Reinhold Steig, 33 Bände, dient in erster Linie rein wissenschaftlichen Zwecken) mit dem Hinweis auf den Umstand, daß Geist und Wort dieses Klassikers noch immer nicht die ihnen gebührende Aufnahme und Wirkung im deutschen Volke gefunden haben; daß Herder, wenn auch meist nur befn Namen nach, allenfalls als Bearbeiter des spanischen Nationalepos „Der Cid", als Uebersetzer fremder Lyrik und als Verkünder der „Stimmen der Völker in Liedern" bekannt fei; in etwa und sehr allgemein auch noch, wie man vielleicht hinzufügen darf, als Anreger des jungen Goethe und als Geschichtsphilosoph. Die neue Ausgabe beabsichtigt, in sechs Bänden, deren jeder einer Seite seines Wesens und Wirkens gewidmet ist, das vorzulegen, wgs von Herder heute noch, aus aller Zeitgebundenheit gelöst, lebendig ist, vielleicht sogar eine gewisse Aktualität beanspruchen darf, während im siebenten und letzten Bande der Herausgeber — dem u. a. Arbeiten über Görres, über den Verfasser der „Nachtwachen", über Klopstock, und kritische Ausgaben von Murner, Görres, Goethe und Eichendorff zu verdanken sind — die Einheit von Herders Persönlichkeit und Werk darzustellen unternimmt. — Der erste Band ist überschrieben „Gott, Seele, Jenseits" und enthält die Gespräche über Gott und über die Seelenwanderung, die beiden Versuche „Vom Erkennen und Empfinden der menschlichen .Seele",, endlich die große, zweiteilige Abhandlung über den Ursprung der Sprache. Der dritte Band, „Deutsches Wesen, deutsche Sprache, deutsche Männer", läßt am deutlichsten erkennen, was von den Wirkungsmöglichkeiten des Herderschen Denkens auf die Gegenwart zu erwarten ist. Hier findet man Auszüge aus den „Fragmenten über die neuere deutsche Literatur", aus den „Kritischen Wäldern", die Abhandlungen über Luther, Hutten, Lessing und Winckelmann, die als Kernstück des Bandes gelten dürfen, und endlich, unter dem Titel „Reden an Jünglinge", die lebendigsten und grundsätzlich lesenswerten der Königsberger, Rigaer und Weimarer Schulreden. Der Herausgeber hat jedem der beiden Bände eine sorgsam abwägende, alles zum Verständnis Wesentliche zusammenfassende Einführung und zum Schluß eine Reihe von Anmerkungen mitgegeben, die dem heutigen Leser unentbehrlich sein werden. — Der erste Band umfaßt 383, der zweite 455 Seiten. Die verlegerische Ausstattung (Professor Walter Tiemann) entspricht der des „Gesammelten Werkes" von Binding und wirkt ebenso gediegen wie geschmackvoll. Der Preis für alle sieben Bände in Leinen beträgt RM. 42,—, in der Sub kription RM. 35,- hth.
Zwei französische Romane.
— Jean d e la Varende: Unter Her Maske. Roman eines normannischen Edelmanns. Deutsche Uebersetzung: Paul Fohr. 363 Seiten. Leinen NM. 7,50. Erschienen im Karl-Rauch-Derlag, Leipzig-Markkleeberg, 1939. — (51) — Jean de la Varende; selbst einem alten normannischen Adelsgeschlecht entstammend, erhielt für dieses Buch 1938 den Großen Romanpreis der Französischen Akademie. Für uns in Deutschland ist es schon wegen der sich ergebenden Vergleichsmöglichkeiten von hohem Interesse, ein so nachdrücklich ausgezeichnetes Werk der gegenwärtigen französischen 'Romanliteratur kennen zu lernen. De la Varende erzählt hier die in vieler Hinsicht merkwürdige Geschichte eines aristokratischen Landsmannes aus napoleonischer Zeit, des jungen normannischen Grafen Roger de Tainchebraye, der in einem Gefecht in Bonapartes
Armee so schwer verwundet wird, daß man ihn zunächst verloren gibt; wider Erwarten erwacht er zum Leben, aber seine Verwundungen sind so furchtbar, daß er fortan nur noch im Schutze einer Maste, die fein entstelltes Gesicht verbirgt, sich unter Menschen zeigen kann. Das Merkwürdige und im romanhaften Sinne Besondere ist dies, daß Roger trotzdem (ja, vielleicht eben deswegen) ein Held der Frauen wird, der die galantesten Abenteuer besteht, bis ihn die Begegnung mit einem zarten und vornehmen Mädchen innerlich verwandelt. Den ganzen, auch stimmungsmäßigen und landschaftlichen Reiz des Romans wird vielleicht nur ein Franzose ausschöpfen können; das starke Lebensgefühl des Helden als innerster Antrieb einer farbig bewegten Handlung wird sich auch dem deutschen Leser mitteilen, der in dem geschickt übersetzten Roman mit Staunen etwas von Geist und Stimmung der alten, feudalen, romantischen Troubadour-Geschichten wiederfinden wird. — Die äußere Ausstattung des Buches ist untadelig.
Hans Thyriot
— Roger Vercel: Capitaine Conan. Roman. Aus dem Französischen übersetzt von Walter Hörstel. 300 Seiten. Gustav Weise, Verlag, Berlin. — (60)— Dieser Roman wurde 1934 mit dem prix Goncourt, einem der vornehmsten französischen Literaturpreise, ausgezeichnet. Das ist bemerkenswert, denn es wird hier zwar ein Problem behandelt, das der Darstellung wert ist und übrigens nicht nur ein französisches, sondern ein internationales Problem genannt werden darf; außerdem ist das Buch gut geschrieben und auch anständig und angemessen übertragen, — aber die französische Armee, das muß man schon sagen, kommt dabei nicht sehr gut weg. Es mag ja aller
dings sein, daß gerade die herbe Kritik, die hier geübt wird, und die schonungslose Offenheit, mit der das Problem behandelt wird, dem Roman eine so weithin sichtbare Anerkennung eingetragen haben. Das Problem: das Schicksal des ewigen Frontsoldaten, das heißt eines Mannes, den der Krieg für die Rückkehr ins bürgerliche Leben unbrauchbar gemacht hat. Vereel schreibt hier die Geschichte eines Kameraden, des Capitaine Conan, der als Stoßtruppführer »in der französischen Saloniki-Armee auf dem Balkan gekämpft Hai; als der Krieg zu Ende ist und die Fronttruppe sich in eine Besatzungsarmee verwandelt hat, stellt sich heraus, daß Conan diesem Uebergang innerlich nicht gewachsen ist: er bleibt der hervorragende Soldat, zu dem der Krieg ihn gebildet hat, aber der Krieg hat ihn sozusagen bei lebendigem Leibe mit Haut und Haaren verschlungen und ihn, mit anderen Worten, untauglich gemacht, ein neues Leben zu beginnen oder fein altes wieder aufzunehmen. Die mancherlei Konflikte, die sich in dem merkwürdigen, lange anhaltenden Uebergangszustande zwischen Krieg und Frieden für die Armee des Siegers im fremden Lande ergeben, sind mit großer Anschaulichkeit und ganz unoerschleiert geschildert. Conan, der am Ende seelisch und körperlich in einer Kleinstadt der französischen Provinz verkommt, bleibt immer als Zentralfigur im Blickpunkt des Lesers, aber um ihn herum gruppieren sich Gestalten und Szenen, die das Bild verschärfen und vertiefen. Für den deutschen Leser wird es nicht durchaus anziehend, aber sicher interessant und lehrreich fein, den Krieg und das Kriegsende einmal auf so ungewohnte Weise von der Gegenseite aus zu erleben.
Hans Thyriot.
Die Chronik des Kapitäns Kane.
— Frederick Wight: Die Chronik des Kapitäns Kane, Roman aus dem Englischen übersetzt von Ruth Gerull, Preis in Leinen geb. RM. 8,50. Verlag Rütten und Loening in Potsdam. — (567.) — Es ist überraschend, daß von den vielen amerikanischen Romanen, die uns in den letzten Jahren in Uebersetzungen zugänglich gemacht wurden, die meisten geschichtliche Stoffe des 19. Jahrhunderts behandeln oder wenigstens als Hintergrund zeigen. Der amerikanische Bürgerkrieg, den unsere Großeltern noch mit großer persönlicher Anteilnahme erlebt haben, wird unserer ©enerotion in seiner Problematik und Tragik erst durch den modernen amerikanischen Roman ganz deutlich. So trägt eine vielleicht zufällige literarische Mode-1 erscheinung sicherlich dazu bei, die Kenntnis des geschichtlichen Werdens des amerikanischen Volkes und seiner dadurch bedingten Eigenart zu fördern, die wie has moralische. Ueberlegenheitzgefühl oder der Gegensatz zwischen Nord und Süd oder die Zusammenhänge zwischen Religion und Politik heute wie je die Haltung der Vereinigten Staaten zu den Problemen der Welt beeinflussen. Der Roman von Frederick Wight, der uns in einer für die Schwierigkeit des Stoffes überraschend guten Uebersetzung vorliegt, erzählt die Entwicklungsjahre eines jungen Seemannes aus den nördlichen Neu-England-Staa- ten, den fast mehr der Ehrgeiz seiner Mutter als das eigene Wollen aus der Enge seiner ländlichen Heimat auf das Westmeer hinaustreibt. Die beschränkten und vielfach unerquicklichen Verhältnisse der Familie Kane, die neben der Landwirtschaft auch den Bootsbau betreibt in der althergebrachten Form, die kein wirtschaftliches Vorwärtsstreben, keine Sehnsucht nach persönlicher oder gesellschaftlicher Weiterentwicklung kennt, machen dem jungen Aaron, der von seiner unruhigen, temperamentvollen Mutter zu etwas anderem erzogen wurde, die Trennung von Familie und Vaterhaus leicht. Nach kurzer Lehrzeit in Boston wird er Schiffsjunge. Das Meer wird sein Schicksal. Er zwingt es mit der ungeheuren Disziplin seines Willens. Es ist noch die
Zeit der Segelschiffahrt. Aber ihre Romantik, die allzu ausschließlich unsere Jugendbücher verklärt, zeigt auf ihrer Kehrseite eine kaum faßbare Härte, die sich nur erklären läßt aus den damaligen See- mannsbräuchen der Mannschaftswerbung und dem Zwang, unter einer aus allen Nationen und Raffen sich rekrutierenden Besatzung während der vielen Monate der Fahrt zwischen zwei Häfen mit drakonischsten Mitteln Disziplin zu halten. Trotzdem ist das Seemannsleben dieser Zeit der großen Segler bunt
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und anziehend und wie eine düstere Ankündigung seines Vergehens ist das Zusammentreffen mit dem ersten Dampfschiff, dem berühmten Kaperkreuzer der Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg, der „Alabama", die ihre Erfolge zum guten Teil ihrer Unabhängigkeit von Wind und Wetter verdankt. Kapitän Kanes „Silver Racer" auf der Flucht vor der „Alabama", die in dieser Zeit vor der Erbauung der großen meeroerbindenden Kanäle um den halben Erdball führt, ist unzweifelhaft der Höhepunkt des ungemein spannungsreichen Romans. Jedoch wäre es falsch, sein Hauptgewicht in der glänzenden Schilderung dieses Seefahrerlebens auf bem vielfarbigen Hintergrund einer Fülle großartig gesehener landschaftlicher Impressionen erblicken zu wollen. Aaron Kanes inneres Werden, sein Heranreifen zu einer starken Persönlichkeit, die nicht der in Notwehr an dem verlumpten Bruder verübte Totschlag, nicht der Tod des geliebten Sohnes im Fieber von Jamaica, nicht die Trennung seither Ehe zu zerbrechen vermag, das ist vom Dichter mit feinem psychologischen und künstlerischen Gefühl fesselnd gestaltet worden.
Fr. W. Lange.
Hans von Seelkt: Ans meinem Leben.
— Hans von Seeckt: Aus meinem Le - ben 1866 — 191 7. Unter Verwendung des schriftlichen Nachlasses im Auftrage von Dorothee von Seeckt herausgegeben von Generalleutnant Dr. 'n. c. Friedrich o. Reichenau, Chef der Heeresarchioe, Mit 24 Bildern, 9 Karten und 5 Faksimiles. Preis in Seinen gebunden 12,50 Mark. Verlag v. Hase & Koehler in Leipzig. — (553).
Seeckt hat wie wenig andere Gestalten des deutschen Offizierkorps der letzten Jahrzehnte im Brennpunkt des allgemeinen Interesses gestanden. Aber seine wortkarge, unnahbar kühle Beherrschtheit hatte dafür gesorgt, daß nur wenige mit ihkn Fühlung bekamen und er für die große Masse die geheimnisvolle Sphinx blieb, der man zwar alles zutraute, von der man aber nichts wußte. Seine größte Tat ist der Aufbau der Reichswehr, mit der er die Brücke schlug von der großen Tradition der alten preußisch- deutschen Armee über die Jahre des Niederbruchs hinweg zum neuen Volksheer des iwttonalsozialistü schen Reiches. Davon ist in diesem Buch nicht mehr die Rede. Es schließt mitten im Weltkrieg mit der Ernennung Seeckts zum Chef des Generalstabs der türkischen Armee, und wir können nur hoffen, daß spätere Bände uns in gleich vorbildlich würdiger und erschöpfender Weise Einblick tun lassen in seine Friedensarbeit, wie es hier für die erfte Epoche seines Lebens geschieht. Der Herausgeber stellt uns immer wieder den Menschen Seeckt vor Augen, der sich nur in den Briefen an seine Frau, seinen besten Lebenskameraden, ganz so gibt, wie er wirklich ist, und da treten neben die beherrschte Kraft des großen Soldaten, neben das Herbe und Spröde seiner einsamen Herrennatur ein großes, gütiges Herz, eine tiefe Religiosität, Liebe zur Kunst, Liebe zum Schönen, Liebe zur Natur, alles vereint zu einer wundervoll harmonischen Lebenshaltung und einer Abgeklärtheit, die ihm half, später häufige Spannungen zur Umwelt und zu andern Menschen, an denen er vielleicht schwer trug, ohne es immer zu zeigen, durchzukämpfen. Seeckt hat sich, wie sein Biograph sagt, immer als ein Werdender betrachtet, blieb dabei aber immer er selbst und sich selbst treu bis zur Starrheit, die man oft an ihm unbequem empfunden hat.
General von Reichenau deutet als charakteristisch an, daß bis in die ersten Kriegsmonate hinein nichts Ungewöhnliches in feiner Laufbahn Seeckt besonders heraushebt aus der Zahl der begabten und strebsamen jüngeren Generalstäbler. Persönliche Bescheidenheit und Anpassungsfähigkeit zeichnen den hingen Abiturienten aus, der 1885 in das stolze Alexander-Garde-Grenadier-Regiment eintritt, in dem schon fein Vater, der spätere Kommandierende
General in Posen, den 70er Krieg mitgemacht hat. Er hat neben dem strammen Dienst bei der Garde auch das gesellige Leben der Reichshauptstadt mitgenommen, aber bald, besonders nach seiner Ehe mit seiner Base Dorothee Fabian, jede Gelegenheit zur Vertiefung seiner Bildung ergriffen, vor allem auf vielen Auslandsreisen, die ihn und seine Frau bis nach Indien führten, lieber Düsseldorf, Bromberg, Stettin und Karlsruhe geht seine Laufbahn 1913 nach Berlin zurück, von wo er als Chef des Stabes des III. A.-K. ins Feld rückte.
Das Gefecht bei Soissons im Januar 1915 lenkt zum ersten mal den Blick auf seine hervorragenden Fähigkeiten. Bald danach wird er Chef des Stabes der 11. Armee, kommt jedoch damit nach dem Osten, der ihn nun für die ganze Kriegsdauer nicht wieder loslassen soll. Als Stabschef Mackensens wird Gor- lice Höhepunkt feiner äußeren Erfolge. Nach dem Feldzug in Serbien lernt er dann als Stabschef Erzherzog Karls, des späteren Kaisers, und des Erzherzogs Joseph die Schwierigkeiten eines Koalitionskrieges an heikelster Stelle kennen. Ein großer Teil des Buches schildert an Hand der fast täglichen Briefe Seeckts an seine Frau in klarer zusammenfassender Darstellung die außerordentlichen Schwierigkeiten des militärischen Zusammenwirkens der Bundesgenossen an der Bukowina-Front und in Rumänien. Sie waren vorwiegend psychologischer Art, und Seeckt war daher der rechte Mann auf diesem dornenvollen Posten. Daß sein feines Taktgefühl, sein nobler Charakter, fein politisches Verständnis und feine diplomatischen Fähigkeiten wesentlich dazu beigetragen haben, dies im ganzen gesehen höchst unerquickliche, wenn auch militärisch notwendige Zusammenwirken erträglich zu gestalten, geht aus den zahlreichen Aeußerungen seiner beiden Oberbefehlshaber Dritten gegenüber hervor.
Hier fand Seeckt Interesse für die Politik, immer mehr drängen sich nun politische Gedanken in seine Briefe, das Polen-Problem, die Beendigung des Feldzuges mit Rußland, die künftige innerpolitische Gestaltung. Mackensen, das Verhältnis zu Falken- hayn in seinen verschiedenen Phasen, schließlich Ludendorff nehmen in dem Gestaltenreichtum dieses Lebensabschnitts eine besondere Rolle ein. Die operativen Gedanken Seeckts werden vor allem in den häufigen Auseinandersetzungen mit Falkenhayn bei aller Ausführlichkeit prägnant dargestellt, wie überhaupt bemerkt werden muß, daß General von Reichenau über die bescheidene Rolle des Herausgebers weit hinausgewachsen ist zum feinsinnigen Interpreten Hans von Seeckts, des ebenso bedeutenden Menschen wie großen Soldaten.
Dr. Fr. W, Lange.
Machiavelli.
— D. Erskine Muir: Machiavelli, ein Mann und seine Zeit. Mit 16 Bildtafeln. Preis in Seinen gebunden RM. 5,80. Verlag Streckel und Schröder in Stuttgart. —(418)— Machiavelli gehört zu den Männern, deren Name zwar in aller Munde ist, deren Leben und Wirken jedoch jenseits des kleinen Kreises zünftiger Wissenschaftler so gut wie unbekannt ist. Deshalb verdient dieses Buch unseren besonderen Dank, weil es ganz voraus- setzungslos ein Bild des Florentiner Staatsmannes der Renaissance gibt und sein Wirken im Dienst seiner Vaterstadt und seine literarischen Werke, die ihm zu so ungeahntem Nachruhm verhalfen haben, aus seiner Zeit erwachsen und verstehen lehrt. Es ist die Zeit, da die Republik Florenz ihren letzten Kampf um ihre Freiheit führt gegen das aus ihrer Mitte heraus übermächtig gewordene Haus der Medici, gegen Cesare Borgia, den päpstlichen Nepo- ten, gegen die Franzosen, die die Medici zu Hilfe gerufen hatten und schließlich gegen den Papst und die Spanier, die die Herrschaft der Medici neu begründeten. Machiavellis staatsmännisches Wirken steht in seinen Anfängen im Schatten Savonarolas, des wortgewaltigen Dominicaners, der nach der Vertreibung der Medici die weltliche Macht in der Republik Florenz an sich zog, aber bald der vereinten Gegnerschaft des Papstes, der Franzosen und der inneren Feinde feiner Staatsreform erlag. Machiavelli hat in der bann folgenden Zeit, in der 1 Florenz sich in dem großen politischen Spiel der Mächte zu behaupten versuchte, als Diplomat seiner Vaterstadt große Dienste geleistet. Aber er hat auch versucht, Florenz von innen heraus widerstandsfähiger zu machen, die Gründung der Nationalmiliz war sein Werk, die Einnahme von Pisa der größte Tkiumph seines Lebens Den kommenden Stürmen im Kamps zwischen Papsttum und Frankreich war Florenz nicht mehr gewachsen. Mit der Rückkehr der Medici war es auch mit Machiavellis Laufbahn zu Ende. Den Rest seines Lebens widmete I er den literarischen Arbeiten, die ihn berühmter machen sollten als sein praktisches Wirken als Staatsmann. So folgt in dem Buch des englischen Historikers der vielfarbigen, spannungsreichen Schilderung des ersten Lebensabschnitts eine klare Darstellung der Schriften Machiavellis. die wir erst dann vollauf begreifen lernen, wenn uns die Erfahrungen bekannt sind, die ihr Verfasser in der politischen Praxis hat machen müssen, und wenn uns die vielen in ihrer Art bedeutenden Menschen nahe- gebracht worden sind, die dieser Zeit eines hemmungslosen politischen Ehrgeizes den Stempel ihrer Persönlichkeit aufgedrückt haben. Machiavelli und sein Werk aus seiner Epoche verstehen zu lernen ist das Verdienst biefes übrigens mit vielen zeitgenössischen Porträts geschmückten Buches.
i i Fr. W. Lange.
Das Such des Lachens
— Das Buch des Lachens. Schnurren, Schwänke und Anekdoten. Gesammelt und herausgegeben von W i l h e l m v o n Scholz. 341 Seiten. Mit 18 Textzeichnungen von O. S ch m a l h a u - s e n. Brosch. 3,60 Mark, Ganzleinen 4,80 Mark. Im Deutschen Verlag, Berlin. — (577) — Unsere Leser werden sich gewiß mit Vergnügen der Schau spielerund' Musiker-Anekdoten erinnern, die Wilhelm von Scholz vor einiger Zeit in der Unterhattungsbe.^c erzählt hat: man findet sie in diesem reizend aus- gestatteten Buche wieder, und viele andere kurze Geschichten, Anekdoten, Schwänke, Schnurren und richtige Witze. Hier ist gesammelt, „was ohne erkennbaren Ursprung in der Unterhaltung umläuft", uni) zwar „in der besten bekanntgewordenen Fassung". Das Buch ist nicht so sehr auf das historisch Charak- teristerende der Kunst-Anekdote gerichtet als auf den volkstümlichen Zweck heiterer Unterhaltung und Wiedererzählung. Man findet viele gute alte Bekannte, viele auch, die man in anderer Form, etwa in mundartlicher Einkleidung, kennt. Der sehr reichhaltige Stoff ist nach Ständen gegliedert: Herrscher und Gelehrte, Aerzte und Juristen, Schauspieler und Musiker passieren Revue; an der Spitze des bunten Reigens steht „der klassische Wiedererzähler", der mit tödlicher Sicherheit die Pointe verkorkst. Außerdem hat Wilhelm von Scholz der heiteren Sammlung eine Vorrede mit auf den Weg gegeben, die eine Menge grundsätzlicher und kluger Bemerkungen über Wesen und Wirkung der Anekdote er* hält. Hans Thyriot
Geschützte Tiere.
— Univ.-Prof. Dr. .Walter Schoenichen: Taschenbuch der in Deutschland geschützten Tiere. Herausgegeben von der Reichsstelle für Naturschutz. 244 Seiten mit 80 Textabbildungen, 36 farbigen Tafeln nach Zeichnungen von Kunstmaler Erich Schröder und 49 Abbildungen nach Naturaufnahmen auf Kunstdrucktafeln. Seinen« band 7,50 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde. — (22) — Die in unserer Heimat wildlebenden Tierarten genießen fast alle einen gewissen Schutz. Abgesehen von dem Reichstierschutzgesetz, das schlechthin jedes Tier vor Quälerei und ähnlichen Gefahren schützt, bieten vor allem das Reichsjagj>- gefetz und die Naturschutzoerordnung vorn 18. März 1936 die rechtlichen Grundlagen. Es genügt ober nicht, wenn man die Gesetzesbestimmungen kennt und richtig auseinander zu halten weiß, man muß auch von den Besonderheiten der Tiere, ihren Le- bensgewohnheiten und Lebensäußerungen etwas wissen. Zumal bei den kleineren Tierarten, die leicht verwechselt werden, ist eine genaue Kenntnis der Unterscheidungsmerkmale unentbehrlich. Damit diese Kenntnis in weitere Volkskreise bringen kann, wurde dieses in Bild und Wort vielseitig' und reichhaltig ausgestattete „Taschenbuch der in Deutschland geschützten Tiere" von der Reichsstelle für Naturschutz herausgegeben. Es gibt im ersten Teil eine ausführliche Darstellung der jagdbaren Tiere, der Scham zetten und des Schutzes, den das Reichsjagdgcsetz ihnen bietet. Der zweite Teil behandelt ebenso cm- gehend die nach der Naturschutzoerordnung geschah' ten Tiere. Da das Taschenbuch mit Ausnahme der Vögel alle in Deutschland freilebenden Tierarten, soweit sie einen bestimmten Schutz genießen, berua* sichtigt, ist dieses Buch praktisch ein anschauliche Handbuch der heimatlichen Tierwelt und wird, mentlich durch die Fülle von naturgetreuen Aou.i- düngen, jedem Tierfreund, Naturschützer, Polize beamten und Lehrer ein zuverlässiges und wertvolle Hilfsmittel fein. Die Abbildungen der nach der 1t - turschutzoerordnung geschützten, nichtjagdbaren Tie sind auch in Form von zwei Wandtafeln erhältlich*
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