Ausgabe 
22.3.1939
 
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Schatzkanzler Sir John Simon sich noch am ver­gangenen Mittwoch gegen kollektive Sicherheit ausgesprochen habe und ebenso Lord Arnold am Montag im Unterhaus. Der Premierminister, der früher der Führer der Versöhnungspartei gewesen sei, werde jetzt der Führer der Partei der kollektiven Sicherheit Demgegen­über habe Lord Arnold eine mutige Rede gehalten und sich nicht gefürchtet, eine unpopuläre Haltung einzunehmen. Dem Standpunkte Lord Arnolds sollte Gehör geschenkt werden.

Daily Mail erklärt zur Memelfrage, daß ein etwaiger Anschluß dieses historischen deutschen Gebietes, das Litauen im Jahre 1923 an sich ge­rissen habe, sich ruhig vollziehen werde. Auch Daily Telegraph schreibt, daß keine ernsten diplomatischen Folgen zu erwarten seien. Daily Expreß stellt fest, daß der Anschluß Memels von der britischen Regierung nicht als ein Grund für eine Aktion angesehen werde.

Der Führer

des Memeldeutschtums.

Der Führer des Memeldeutschtums, Dr. Ernst Neumann, der am heutigen Tage seinen zähen Kampf um die Rückkehr des Memellandes zum Reich von herrlichstem Erfolg gekrönt sieht, stammt aus Masuren. Nach dem Zusammenbruch und der Los­trennung des Memelgebietes vom Reich ließ sich Neumann als Tierarzt in Heydekrug nieder, wo er später Kreistierarzt wurde. Durch seinen Beruf kam Neumann mit allen Kreisen des Memellandes, vor allem mit der bäuerlichen Bevölkerung, zusammen und wirkte hier für die Erhaltung des Deutsch­bewußtseins in aller Stille. Erst als die Not der Deutschen im Memelland durch die litauische Unterdrückungsmethode unerträglich wurde, nahm Neumann offen den Kampf gegen die großlitauischen Chauvinisten auf. Im Mai 1933 gründete er die Sozialistische Volksgemeinschaft", die schnell zum Sammelbecken der deutschbewußten Bevölkerung des Memelgebietes wurde.

Gegen sie ging die litauische Regierung mit den schärfsten Maßnahmen vor. Im Februar 1934 wurde Neumann und viele seiner Mitarbeiter ver­haftet. Anfang des Jahres 1935 fand dann vor dem litauischen Kriegsgericht in Kowno d-er Prozeß gegen 126 Memeldeutsche statt. Obgleich Neumanns Parteigründung und die Bekanntgabe seines Programms in aller Oeffentlichkeit vor sich gegangen war und selbst von den maßgebenden litauischen Stellen des Memelgebietes als gesetz­mäßig anerkannt worden war, verurteilte das litau­ische 'Kriegsgericht auf Grund des neuen Staats­schutzgesetzes Dr. Neumann zum T o d e. Er wurde dann zu zwölf Jahren Zuchchaus begnadigt. Erst das Wort des Führers vor dem Reichstag, daß die Deutschen jenseits der Grenzen des Reiches nicht mehr schutzlos wären, veranlaßte die litauische Re­gierung, Dr. Neumann im Februar 1938 a u f freien Fuß zu setzen. Neumann schmiedete nun einen kampfbereiten Block aller Deutschen im Memelland und führte ihn am 11. Dezember 1938 zur Wahlurne. Das memelländische Volk bekannte sich dabei in beispielloser Treue zu seinem Deutsch­tum.

Göring dankt der Luftwaffe.

B e r l i n, 21. März. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring hat folgenden Tagesbefehl an die Luftwaffe erlassen:

Kameraden! Durch Euere gewissenhafte Ausbildung und schlagfertige Einsatz­bereitschaft habt Ihr dazu beigetragen, daß der Führer am 16. März zur Ueberraschung der ganzen Welt auf der Prager Burg erscheinen und am nächsten Morgen unter dem Jubel der deutschen Bevölkerung in Brünn einziehen konnte. Nach der Ostmark und dem Sudetenland sind nun auch d i e einstigen deutschen Länder Böhmen und Mähren Teile des Großdeutschen Reiches geworden. Unser Volk hat einen Zeit­abschnitt gewaltigsten geschichtlichen Ausmaßes er­lebt. Der Kampf wurde gewonnen, als der Führer seine und des Volkes Macht für die Lebensinter­essen des Reiches einsetzte. Wir danken dem Schick­sal, daß dieses Ziel auf friedlichem Wege erreicht werden konnte. Garant für die Erhaltung des Friedens in den schweren Tagen der vorigen Woche war die starke deutsche Wehrmacht.

Als Oberbefehlshaber der Luftwaffe sage ich meiner Fliegertruppe, Flakartillerie und Luftnachrichtentruppe Dank für die in den letzten Monaten geleistete Arbeit zur Siche­rung unseres Reiches und spreche meine besondere Anerkennung für Eueren tatkräftigen Ein - satz und Euere vorbildliche Haltung beim Einmarsck in das Protektorat Böhmen und Mähren aus. Dieser Dank und diese Anerkennung gilt aber auch denen, die in treuer Pflichterfüllung von der Heimat aus ihren Teil zur Hebung der Einsatzbereitschaft der Luftwaffe und zur Sicherung des deutschen Lebensraumes beigetragen haben. Seid froh und stolz, daß Ihr diese geschichtlichen Tage miterleben durftet. Unter schwierig st en Verhältnissen habt Ihr Euch des Vertrauens, das der Führer in Euch gesetzt hat, würdig gezeigt. Wetter und Wege haben d a s Aeußerste von Euch verlangt. Der Führer hat mir seine An­erkennung hierfür ausgesprochen. >

Unsere deutschen Brüder in Böhmen und Mähren und das ganze tschechische Volk haben die impo­nierende Stärke unserer stolzen Luftwaffe in den letzten Tage gesehen. Sie sollen durch die Kraft unserer Waffe beschirmt sein. In steter Einsatzbereit­schaft werden wir wie bisher zum Schutz von Volk und Vaterland unsere Pflicht erfüllen. Unser Führer und Oberster Befehlshaber Adolf Hitler Sieg-Heil!

Gez. Hermann Göring.

Semesterschlußkundgebung der Prager Deutschen Studentenschaft

Prag, 21. März. (DNB.) Zum ersten Male auf dem Boden des Deutschen Reiches und zum ersten Male unter offizieller Anwesenheit der Ver­treter des Staates, der Armee und der Partei ver­anstaltete die Deutsche Studentenschaft in Prag am Montag eine Kundgebung, mit der sie die Arbeiten in diesem ereignisreichen Semester beendete. Stand­ortführer Zuber legte die politischen Aufgaben der deutschen Studenten in Prag dar Jetzt beginne ein neues Zeitalter für die Prager Studenten. Sie ständen auf dem Boden des Reiches wfe zur Zeit der Gründer der deutschen Universität in Prag. Gaustudentenführer ^-Sturmbannführer Dr. M e k - kel führte aus, er habe das große Glück gehabt, den Dank des Führers für die Leistung und den Einsatz der Prager Studenten zu emp­fangen.

Oie große Volkskundgebung in Memel.

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Unter gewaltiger Teilnahme der memeldeutschen Bevölkerung fand in Memel die Ein­weihung des wiederaufgerichteten Denkmals Kaiser Wilhelms I. statt, das vor 16 Jahren von litauischen Frevlerhänden gestürzt wurde. Im Anschluß an die Feier nahm der Führer der Memeldeutschen, Dr. Neumann, den Vorbeimarsch der Kriegerkameradschaft und der übrigen Verbände ab. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Das Prager Parlament aufgelöst.

Bildung einer tschechischen Einheitsfront.

Prag, 21. März. (Europapreß.) Das Abgeord­netenhaus und der Senat der Nationalver­sammlung wurden am Dienstag a u f g e l ö st. Präsident Hacha hat diesen Beschluß in einem Schrei­ben dem Vorsitzenden der Regierung zur Kenntnis gebracht. Die Auflösung war schon seit Tagen er­wartet worden. Das Parlament war im Jahre 19 35 gewählt worden und zählte zuletzt nur noch einen Teil der verfassungsmäßigen 300 Ab­geordneten und 150 Senatoren.

Die Beratungen zur Bildung einer neuen tschechischen Einheitspartei wurden am Dienstag insofern beendet, als Dr. Hacha einen Ausschuß der nationalen Volks­gemeinschaft" ins Leben gerufen hat, dem u. a. Dr. Lobkowitz, Dr. Matschet und der tschechische Volkswirtschaftler Dr. Schwarzenberg angehören. Der Präsident hat diesem Ausschuß den Auftrag er­teilt, in kurzer Zeit alle tschechischen poli­tischen Schichten sowie alle Einzelpersönlich­keiten in einer Einheitsbewegung zusammenzu­fassen.

Zur Auflösung des Prager Parlaments schreibt der Pressechef der Nationalen Einheitspartei, Ru­dolf Halik, u. a.:Wir hatten ein zweifaches Erbe übernommen: ein staatliches und ein nationales. Dos erste haben wir verloren, das zweite bleibt uns un­versehrt. In vielem müssen wir uns ändern und umerziehen." Im Hinblick auf die wüste Pressehetze der einstigen Beyesch-Freunde im Westen erklärt Halik mit besonderem Nachdruck:Wir haben in folgender Weise zu entscheiden: volles Vertrauen in uns selbst und Mißtrauen gegen alle anderen, die im vergangenen Herbst ihr wahres Antlitz gezeigt haben. Diesen Ausländern waren wir nur dazu gut, uns zu opfern. Sie sprachen von unserer

Souveränität und Freiheit, diktierten uns aber das, was ihnen gerade in den Kram paßte. Sie führten uns zu der unsinnigen Auffassung, daß wir f ü r den Kampf mit'dem Nachbarn voraus- be stimmt seien. Sie waren bereit, uns'zu opfern, damit ihr Opfer kleiner und ihr Gewinn größer werde. Nach ihrem Diktat haben wir Mil­liarden, die von den Händen der Arbeiter und Bauern schwer verdient wurden, zur Unter- stützung ihrer Großmachtgelüste ge­opfert. Für uns hatten sie nur Versprechen, die sie in einer Weise brachen, die ihre wahren Pläne enthüllte. Wirtschaftlich haben sie uns ver­nichtet, kulturell auf Abwege geführt und politisch zu Träumereien verleitet, die das Leben korrigiert hat. Vergessen wir doch nicht die Tage nach Mün­chen und unsere Ansichten über jene, die uns auf Irrwege geführt haben. Weist darum unauf­richtiges Mitleid zurück, das absichtlich zu uns eingeschmuggelt werden könnte. Die alte politische Orientierung ist to t."

In dem gleichen Augenblick, wo französische und englische Blätter über' die Lage und die Zukunft Böhmens und Mährens das Blaue vom Himmel herunterlügen, stellt die tschechische Presse sachlich fest, daß dem tschechischen Volke aus der Eingliede- rung nur wirtschaftliche Vorteile er­wachsen können. So schreibt , A-Zet", die indu­strielle und landwirtschaftliche Produktion er­weitere ihr inneres Absatzgebiet um das 15 fache. Dies bedeute praktisch, daß viele Zweige der Industrie und auch der Landwirtschaft wieder voll arbeiten werden. Das Blatt spricht weiter die Hoffnung aus, daß durch die Angliederung an das Reich neue Grund­lagen für d i e Sozialpolitik in Böhmen und Mähren geschaffen werden.

Zusammenbruch einer Hetze.

Bukarest, 21. März. (DNB.) Das Blatt des Außenministers GafencuTimpul" befaßt sich mit den bekannten von England aus verbreiteten Ge­rüchten über ein angebliches deutsches Ultimatum an Rumänien. Die Zeitung schreibt u. a.:Wir müssen mit striktester Entschlossenheit die fortwährend in Umlauf gesetzten Gerüchte z u - rückweisen, die keinerlei Grundlage haben und die ein alarmierendes Element darstellen. Die Lage rechtfertige solche Alarmnachrichten keines­wegs. Das Blatt erinnert dann an die offiziellen Dementis, die von deutscher und rumänischer Seite sofort den Gerüchten über ein Ultimatum folgten. Beide Regierungen zeigen in ihren Erläuterungen, daß es sich in Wirklichkeit nur um normale Verhandlungen zur Organisierung der Han­delsbeziehungen handelt und daß diese Verhandlun­gen, die seit längerer Zeit dauern, weder ihrem Inhalt noch ihrer Form nach die gewohnten Ver­handlungen zwischen Staaten überschreiten. Rumä­nien würde unter keinen Umständen eine Beein­trächtigung seiner Unabhängigkeit, sei es auf po­litischem, sei es auf wirtschaftlichem Gebiete dulden, nm so mehr ist aber unsere Regierung entschlossen, in Ruhe ihre Verständigungspolitik ortzusetzen bei Beachtung der Lebensnotwen- ügteiten aller Staaten." Die rumänische Regierung, o schreibt das Blatt, stehe der außenpolitischen Lage mit voller Ruhe und der festen Absicht zur Wahrung aller Rechte und Interessen des Landes entschlossen gegenüber. Sie halte sich die realen Elemente der internationalen Lage dabei vor Augen. Um so schärfer müßten aber die widersprechenden falschen Gerüchte abgelehnt werden, die in der letzten Zeit immer wieder umgelaufen seien und nur dazu ge­eignet wären, die ohnehin kritische Lage noch mehr auf die Spitze zu treiben.

Wie das Ungarische Telegraphen-Korrespondenz- büro meldet, wendet sich die zuständige ungarische Stelle scharf gegen eine Reutermeldung aus' Buka­rest, die das Märchen von derbaldigen Rückkehr sieb en bürg sicher Städte" und derbaldi­gen Wiedervereiniaung der abgetrennten ungari­schen Minderheit mit dem Mutterlande" auf­getischt hatte. Es wird energisch festgestellt, daß diese englische Meldung eine jener frei erfundenen und verwirrenden Nachrichten ist, die von gewissen Nachrichtenaaenturen und Blättern besonders in den letzten Tagen zu durchsichtigen Zwecken in großer Zahl ausgestreut werden. Jeder Hörer habe im übrigen, so wird weiter von zustän- dlger ungarischer Seite erklärt, ohne Mühe aus den

Sendungen des ungarischen Rundfunks die völ­lige Haltlosigkeit der englischen Behauptun­gen feftstellen können.

Auch Gafencu selbst Dementiert.

Istanbul, 22. März. (DNB. Funkspruch.) Die Istanbuler ZeitungCüenhuryet" veröffentlicht eine Unterredung mit dem rumänischen Außenminister Gafencu, der sein Erstaunen über die Meldung von dem angeblichen Ultimatum an Rumänien äußerte und erklärte, daß es gar kein solches Ultimatum gegeben habe und daß der Lon­doner rumänische Gesandte deswegen zur Bericht­erstattung nach Bukarest gerufen worden sei. Gafencu schilderte den völlig normalen Verlauf der deutsch-rumänischen Wirtschaftsverhandlungen, die keinen Anlaß zu den bekannten Darstellungen in einem Teil der Weltpresse geben könnten. Eine außerordentliche Tagung des Rates der Balkan- Entente sei keine eilige Angelegenheit, weil keinerlei Befürchtungen vorlägen, die sie rechtfertigen würden.

Keine VeistanDsverpslchlung Moskaus.

Ein Houserenzvorschlag von England abgelehnt.

Moskau, 21. März. (DNB.) Die Telegraphen­agentur der Sowjetunion teilt mit:Die Auslands­presse verbreitet das Gerücht, daß die Regierung der Sowjetrepubliken kürzlich Polen und Rumä- nien das Angebot seines Beistandes gemacht habe für den Fall, daß diese Länder das Opfer einer Aggression werden würden.TASS" ist zu der Erklärung autorisiert, daß diese Nachrich­ten nicht der Wahrheit entsprechen. We­der Polen noch Rumänien haben um die Hilfe der Sowjetregierung nachgesucht, und haben diese Re­gierung auch von keiner Gefahr unterrichtet, die sie bedroht. Wahr ist, daß die britische Regie­rung am 18. März der Sowjetregierung mitteilte, es bestände ernstlicher Anlaß, einen Gewaltakt gegen Rumänien b e f ürch ten zu müssen, und anfragte, welchen Standpunkt die Sowjetregie- rung in diesem Falle einnehmen werde. In Erwide­rung auf diese Frage schlug die Sowjetregierung die Einberufung einer Konferenz der am meisten interessierten Staaten vor, besonders Groß­britannien, Frankreich, Polen, Rumänien, der Tür­

kei und Sowjetrußland. Eine solche Konferenz würde nach Ansicht der Sowjetregierung die beste Möglich, feit zur Aufklärung der Lage ergeben und den Standpunkt aller Teilnehmer feststellen. Jedoch fand die britische Regierung, daß dieser Vorschlag ver­früht sei."

Keine Neigung zu einer Kriegsallianz.

Amsterdam, 22. März. (Europapreß.) Der Nieuwe Rotterdamsche Courant" beschäftigt sich mit der englischen Suche nach Bundesgenossen und schreibt u. a., zweifellos handele es sich bei den eng­lischen Bemühungen um nichts anderes als eine mögliche Kriegsallianz, wobei in allen Ecken Europas nach Bundesgenossen g es u ch t werde. Das Blatt kennzeichnet dann die Aussichtslosigkeit der englischen Bemühungen bei den kleinen Staaten, die sich in Genf vom Artikel 16 losgesagt und für die Neutralität ent­schieden hätten. Anscheinend fei man in London auch schon davon überzeugt, daß man sich in dieser Richtung bei den kleinen Staaten keine Miche zu geben brauche, denn ihre Weigerung zur Teilnahme an einer solchen Allianz dürfte von vornherein festftehen. Auch dasAlgemeen Handelsblad" lehnt die englischen Bestrebungen ab und schreibt, die poli­tische Aktion, die England jetzt einleite, sei bestimmt nicht die eleganteste. Kein einziger westeuropäischer Demokrat verhehle sich, daß aus einem Bündnis mit Sowjetrußland Folgerungen entstehen könnten, die noch nicht abzusehen seien.

Zurückhaltung in Washington.

Washington, 21. März. (DNB.) In der Er­wartung, neuenStofs" für die Hetze gegen Deutsch­land zu erhalten, versammelten sich Dienstag mittag Pressephotographen, Wochenschau-Fllmleute, Rund­funkansager und etwa 50 Journalisten im Sit­zungssaal des Staate Departements, um eine Erklärung der amerikanischen Regierung über die tschechische Frage zu hören. Zu ihrer Ent­täuschung tarnen sie jedoch nicht auf ihre Kosten. Unterstaatssekretär Welles erklärte erneut mit größter Bestimmtheit, daß sich Amerika weder an einer Konferenz über tschechische Fragen be­teiligen werde, noch mit irgendeiner an­deren Regierung Meinungsaustausch darüber gepflogen habe. Wenn der englische Bot­schafter bei ihm vorgesprochen habe, so lediglich, um Erkundigungen einzuziehen, nicht aber um Ansichten auszutauschen oder Beratungen zu führen.

Bekräftigung der Achse.

Eine Entschließung des Großen Rats des Faschismus.

Rom, 22. März. (DNB.) Der Große Rat des Faschismus hat nach einem eingehenden Bericht Mussolinis über die internationale Lage und einer Aussprache, an der sich Außenminister (Siano, Balbo, de Bono, de Vecchi, Grandi, Farinacci, Bottai und Starace beteiligten, folgende Entschließung amienommen:

Der Große Rat des Faschismus erklärt angesichts der Drohung mit der Bildung einer dem Bolschewis­mus verbündeten Einheitsfront der Demo­kratie gegen bie autoritären Staaten einer Einheitsfront, die nicht Friedens-, sondern K r i e g s b r i n g e r ist, daß die Vorgänge in Mitteleuropa ihren Ursprung im Versail­ler Vertrag haben, und bekräftigt gerade in die­sem Augenblick feine volle 3u ft immun/ zur Politik der Achse Ro mB e r I i n."

Zu Beginn der Sitzung wurde eine Entschließung angenommen, in der der für die Bewegung gelob lenen Mitglieder der alten Garde gedacht und im Hinblick auf die bevorstehende 20. Jahres­tagung der Gründung der Faschistischen Kampfbünde der Leitsatz des FaschismusGlauben, Gehor­chen, Kämpfen!" bekräftigt wird.

Oer französische Staatsbesuch in London.

London, 21. März. (Europapreß.) Der franzö­sische Staatspräsident und Frau Lebrun trafen am Dienstag um 15 Uhr im Sonderzug, von Dover kommend, auf dem Victoria-Bahnhof in London ein. Zur Begrüßung der Gäste waren auf dem Bahnsteig das englische Königspaar, die königliche Familie, die Herzogin von Gloucester, das Herzogspaar von Kent und das gesamte eng* lijche Kabinett unter Führung Chamberlains er­schienen. König Georg schüttelte dem Präsidenten- paar die Hände und hieß es auf englischem Boden willkommen. Nach der Begrüßung schritt das Kö­nigspaar mit seinen Gästen durch die Bahnhofshalle zum Ausgang. Hier intonierte die Musikkapelle eines Garderegiments die Marseillaise. In den goldenen Staatskarossen fuhren dann die Gäste durch die fest­lich geschmückte Straße zum Buckingham-Palast, stürmisch von der Menge umjubelt. In der Beglei­tung des Präsidenten Lebrun befindet sich der fran­zösische Außenminister Bonnet.

Der erste Empfang des Präsidentenpaares auf englischem Boden hatte in Dover stattgefunden, wohin der H e r z o g von G l o u c e ft e r als Ver­treter seines königlichen Bruders den hohen Gästen entgegengefahren war. Präsident Lebrun und Frau wurden am Nachmittag von der Königin- Mutter Mary empfangen. Anschließend weihte Staatspräsident Lebrun das neue franzö­sische 3 n ft i t u t in London ein. Abends gab der König im weiß-goldenen Prachtsaal des Bucking­ham-Palastes zu Ehren der französischen Gäste ein Bankett. 195 Gäste waren geladen worden. Außer der königlichen Familie sah man zahlreiche Mit- glieder der englischen Regierung und viele Ange­hörige des Diplomatischen Korps mit ihren Damen. Außenminister Lord Halifax hatte am Dienstag eine längere Unterredung mit dem franzö­sischen Außenminister Bonnet, in deren Verlauf die politische Lage eingehend erörtert wurde.

Japanische Offensive in der Provinz Tschekiang.

Schanghai, 22. März. (Europapreß.) Die so­eben hierher gemeldete japanische große Offensive in der Provinz Tschekiang südlich des Jangtse wird als das größte japanische Unterneh- men seit dem Vormarsch zur Einnahme von Han - kau angesehen. Die Gesamtstärke der eingesetzten japanischen Truppen wird geheimgehalten, doch will man wissen, daß Verbände aus Nordchin« und eine beträchtliche Flottenmacht zusam - mengezogen worden seien. Am Dienstag per-