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189. Jahrgang
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Diese Aussprache dürfte in dieser Hinsicht endgültigen Charakter tragen. Berard werde am Samstagmorgen in Paris zurückerwartet.
Der Pariser Korrespondent der „Times" schreibt, es sei klar, daß es Berard bisher nicht gelungen sei, von der Franco-Regierung irgendwelche „I u - s i ch e r u n g e n" zu erlangen. Das Aeußerste, das erreichbar scheine, sei eine Wiederholung von Francos früheren Erklärungen, ein starkes und unabhängiges Spanien zu schaffen. Unter diesen Umständen werde die französische Regierung, wenn Berard mit seinem endgültigen Bericht zurückkehre, sich entscheiden müssen, ob sie Franco, wie er es fordere, bedingungslos anerkennen wolle. Berard hat dem Havas-Vertreter in St. Jean de Luz erklärt, er möchte die Oeffentlichkeit vor einer „falschen Auslegung" seiner Mission in Burgos warnen. Es könne sich gar nicht darum handeln, die Anerkennung Nationalspaniens auszuhandeln, und Frankreich habe auch gar nicht die Absicht, irgendwelche Bedingungen zu stellens!) Die Wiederversöhnung werfe jedoch eine Fülle von Problemen auf, die einer Lösung bedürften. Meinungsverschiedenheiten beständen, die man untersuchen und zerstreuen müsse. Das sei die Hauptaufgabe seiner Mission.
sichten sind auf dem Papier sehr groß, aber seine Wahl ist alles andere als sicher.
Nach diesen vier Persönlichkeiten folgen eine Reihe Parlamentarier, deren Kandidatur und Wahl mehr oder weniger möglich ist. Eine Zeitlang war die Rede von einer Kandidatur des Senators L 6 on Berard, der gegenwärtig der Unterhändler Frankreichs in Burgos ist. Leon Berard ist sicherlich eine der kultiviertesten Persönlichkeiten des französischen Parlaments: Advokat, Schriftsteller von Ruf, Hellenist. Kunstsammler, bedeutender Redner. Er gehört politisch der gemäßigten Rechten an. Genannt wird auch der Vorsitzende der^ außenpolitischen Senatskommission, Henri B ä r e n - g e r, bedeutender Diplomat. Möglich ist auch eine Kandidatur des früheren Kammerpräsidenten Fernand B o u i s s o n , der bei allen Parteien viele Freunde hat, früher Sozialist war, aber heute keiner Partei mehr angehört.
Der Abgeordnete der Mitte und mehrfache Finanz- und Kriegsminister Francois Pietri bereitet in aller Stille seine Kandidatur vor. Er ist Korse, einer der wenigen aktiven Sportler im Parlament — er ist mehrfacher französischer Meister im Fechten sowie ein guter Tennis- und Polo- spielcr —, ein Anhänger einer ehrenhaften deutschfranzösischen Verständigung. In politischen Kreisen werden noch verschiedene andere möglichen Kandidaturen genannt, diejenigen des Innenministers Sarraut, des Vorsitzenden der Finanzkommission des Senats, Joseph C a i l l a u x, des früheren Ackerbauministers Q u e u i l l e, des Senators Henri Roy; aber man kann zur Stunde nicht ernstlich an die Wahl einer dieser letzgenannten Persönlichkeiten glauben. Dagegen wird in vielen Kreisen — natürlich unter dem Siegel der sttengsten Verschwiegenheit eine Persönlichkeit genannt, die van den „Kennern" als der Außenseiter in dem Rennen zum Elyseepalast betrachtet wird: Pierre Laval. Er lebt von der Polittk vollkommen zurückgezogen, seitdem er wegen seiner italienfreundlichen Politik im Januar 1936 gestürzt wurde. Es heißt, daß er einen triumphalen Wiedereintritt ins politische Leben vorbereitet. Vielleicht anläßlich der Präsidentenwahl?
Das Unterhaus genehmigt die britische iiüfiungsanleihe. Chamberlain über die Möglichkeiten einer internationalen Rüstungsbegrenzung.
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Das Rennen um die präsidentschast in Frankreich.
Von unserem ß. Z.-Korrespondenten.
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sönliche Freiheit nickt verzichten zu wollen, erklärt Jeanneney, daß sein hohes Alter und sein Gesundheitszustand ihm nicht erlauben, das Amt des Staatspräsidenten zu übernehmen. Herriots poli- tische Neigungen kennt man. Seine Freunde würden von ihm vor allem eine Aufwertung des Sowjetpattes und eine Kampfpolitik gegen die autoritären Staaten erwarten. Wenn er seine Weigerung, Kandidat zu sein, bis zum Schlüsse aufrechterhält, was durchaus noch nicht sicher ist, so wohl aus der Erkenntnis heraus, daß ihm das Instrument, nämlich die Regierung, zur Durchführung einer solchen Politik fehlen dürfte.
In den letzten Tagen hat man auch viel von Edouard Daladier als möglichem Kandidaten gesprochen. Daladiers Ansehen ist im Lande sehr groß, und er ist gegenwärtig unzweifelhaft der populärste Franzose. Aber damit wird man noch nicht Staatsches. Im Gegenteil, die populärsten französischen Persönlichkeiten- sind bei der Präsidentenwahl durchgefallen: Jules Ferry, der Begründer der Volksschule, fiel im Jahre 1887 durch, Elemente au, der „Pere-la-Victoire", verzichtete bei der Präsidentenwahl im Jahre 1920 im letzten Augenblick daraus, seine Kandidatur aufzustellen, weil sein Durchfall sicher war. Aristide Briand, der „Friedenspilger", wurde im Jahre 1931 von Paul Doumer geschlagen. Tatsache ist, daß die Parlamentarier zu populäre Persönlichkeiten an der Spitze des Staates nicht gerne sehen. Zu Anfang war es aus Furcht vor einem Staatsstreich, dann wurde es Gewohnheit, und heute würde es, was die Persönlichkeit Daladiers anbelangt, vielleicht wieder die Furcht sein, daß der neue Staatschef mit der Verfassung sich immer größere Freiheiten erlaubt. Bereits jetzt erscheint den Hütern der Verfassung, als die sich besonders Jeanneney und Herriot fühlen, die Regie- rungsart Daladiers zu autoritär. Daladiers Aus-
P aris, 22. Febr. (DNB.) Man erwartet, daß Senator Berard in Begleitung der beiden Sac^ verständigen des Quai d'Orsay am Mittwoch nach Burgos zurückkehre. Wal)rfcheinlich werde er jedoch erst am Donnerstag mit Außenminister I o r d a n a Zusammentreffen. In unterrichteten Kreisen weist man darauf hin, daß bis zum Augenblick die Verhandlungen zum größten Teil z w i - schenSachverständiaen stattgefunden hatten. Sie hätten sich in erster Linie auf die Wiede r - Heimbeförderung der Flüchtlinge und der nationalspanischen Ge fange nenen, das Problem der französischen wirtschaftlichen Interessen in Spanien, die spanischen Guthaben und das Gold der Bank von Spanien in Frankreich erstreckt. Die Besprechungen hätten zu z u f r i e - denstellendenErgebnissen geführt.
Die Frage der v e-j u r e - A n e r k e n n u n g der Burgos-Regierung durch Frankreich sei zwischen General Jordana und Senator Berard u n m i t t e l- barbehandelt worden. Frankreich habe keine Bedingung gesteltt. Die Unterredung habe daher nicht den Charakter einer Verhandlung gehabt, sondern lediglich den eines Meinungsaustausches. Die ftrage werde erneut am Donnerstagnachmittag zwischen Berard und General Jordana erörtert werden.
Ist Frankreich zur bedingungslosen Anerkennung Francos bereit?
Am Donnerstag endgültige Aussprache zwischen Jordana und Berard.
Kriegsberichterstatter bringen schon seit einigen Tagen Nachrichten über den Abtransport der nationalspanischen Truppen aus dem nun endgültig befreiten Katalonien. Franco befindet sich also mitten in der Umgruppierung seiner Streitkräfte, deren Beendigung nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Der letzte Sieg hat operative Reserven von erheblicher Stärke und Schlagkraft freigemacht, die ein gleichzeitiges Operieren an mehreren Fronten ermöglichen. Es ist dies ein Novum in der Führung des Spanienkrieges, das Franco die Durchführung des-letzten, den Krieg beendenden Schlages, außerordentlich erleichtert. Die Ueberraschuug des Gegners, als eines der wichtigsten Momente in der Kriegführung, ist durch das Vorhandensein dieser mindestens sechs Armeekorps betragenden Reserve nunmehr ermöglicht.
Der Feind wird von den sich widersprechendsten Agentennachrichten überhäuft werden und nicht wissen, wo er die ihm noch verbleibende Hauptmasse seiner Abwehrkräfte bcreitstellen soll. Die nationalspanischen Möglichkeiten sind zu zahlreich, als daß Rot sich der Ueberraschuug entziehen könnte. Stößt Franco von Castellon aus, die Küste entlang, nach Süden über Valencia bis Alicante vor? Führt er seinen Schlag von der BasisCordoba — Granada aus in nordöstlicher Richtung auf Linares? Bricht er aus dem Raum südwestlich von Toledo, Madrid links liegenlassend, nach Südosten vor mit Angriffsziel Albacete? Oder trägt er diese drei Angriffe etwa gleichzeitig hinein in das rote Restgebilde? Koyzen triert er sich zunächst nur auf die Einnahme Madrids oder auf die Abriegelung des Binnenlandes von der Küste? Diese und manch' andere Frage wird 'mc Köpfe der roten Führung jetzt Tag und Nacht beschäftigen. Eine Antwort darauf werden die Herren in Madrid und Valencia wohl kaum geben können. t Inzwischen aber rollen die Transportzüge der Nationalspanier aus dem katalanischen Raum nach Westen und nach Süden, endlose Lastkraftwagenkolonnen bringen kampfbegeisterte Truppenverbände in die neuen Ausstellungsräume, während besondere Formationen die Säuberung des katalanischen Bodens von versprengten Banden in den Hochtälern der Pyrenäen durchführen und Grenzkommandos mit Truppen, deren Stärke die Garantie für die Erfüllung ihres Auftrages ist, die Grenze gegen Frankreich sichern. Diese Maßnahme Francos ist bedingt durch die Tatsache, daß der südliche Teil Frankreichs, durch die Ueberschwemmung mit Spanienbolschewisten und deren Beziehungen zur französischen Volksfront, geradezu zu einer Zweigstelle Rotspaniens geworden ist, deren Machenschaften mit der lückenlosen Besetzung der Grenze ein vorsorglicher Riegel vorgeschoben wird. Abgesehen von diesem praktischen Zweck, liegt darin aber auch noch eine moralische Geste. Sie zeigt aller Welt klar und deutlich, daß es zwischen Nationalspanien und dem Volksfrontfrankreich keine Gemeinsamkeiten gibt und geben kann, solange das letztere nicht eindeutig und bedingungslos seine Bindung zu Rotspanien löst und damit seine Einmischung in innerspanische Dinge zweifelsfrei aufgibt. .
Im roten Lager Spaniens wächst unterdessen bei den Einsichtigen die Ueberzeugung, daß jeder weitere Widerstand gegen die nationalspanischen Kräfte sinnlos geworden ist. Eine Tendenz zur Hissung der weißen Flagge ist unverkennbar vorhanden. Daß sic sich noch nicht durchsetzen kann, liegt an den ausländischen Hetzern, die Moskaus Befehl zum Widerstand bis zum äußersten auf jeden Fall zur Durchführung bringen wollen. Sie tun dies — während ihre Privatflugzeuge zur Flucht, für den Augenblick der Gefahr, startbereit stehen, gestützt auf die Restbestände der „Internationalen" und auf jene rotspanischen Verbände, bic sich aus ausgesprochenen Verbrechern und Fanatikern zusammensetzen, deren Leben — so oder so — verwirkt ist. Unter ihrer rücksichtslosen Diktatur wird jede Stimme, die sich gegen weiteres Blutvergießen erhebt, niedergeknüppelt. Mit brutaler Gewalt wird die Masse bei der Stange gehalten, Kinder und Greise beider Geschlechter pressen jene Bestten zu Schanzarbeiten, während sie gleichzeitig wieder ihre „Säuberungsaktionen" in der Bevölkerung durchführen. Die verruchten Tschekas sind wieder losgelassen worden auf alles, was sich nicht durch „die Tat" einwandfrei als zu ihnen gehörig legitimiert. Ein Terror, der nur mit den Höhepunkten der bolschewistischen Revolution in Rußland verglichen werden kann, wütet in den unglücklichen Städten des restlichen Rotspaniens. Zehntausende bedauernswerter Spanier und Spanierinnen werden kurz vor der sehnlichst erhofften Befreiung durch Franco noch zum Opfer bolschewistischer und jüdischer Mordgier.
Wenn man sich diese „Einstellung" der wahren Machthaber in Madrid und Valencia vor Augen hält, für die Leute wie Negrin oder Alvarez del Vayo ausgesprochene Puppen sind, die nicht den mindesten Einfluß auf sie haben, dann wird man wohl zu dem Schluß kommen, daß eine kampflose Ueber- gabe des roten Restgebietes an die nationalspanischen Truppen kaum erwartet werden kann. Ohne zentrale Leitung, ohne Führung werden fanatisierte Haufen von Verbrechern ihr nacktes Leben bis zum äußersten verteidigen und vor ihrer -unvermeidlichen Nieder- kämpfung ihren ganzen Haß und chre ohnmächtige Wut austoben an allem, was ihnen unter die Finger kommt. Mordend, brennend und sprengend werden sie untergehen, wenn die rotgoldroten Fahnen, der Truppen Francos den heiligen Boden Spaniens
London, 22. Febr. (Europapreß.) Das Unterhaus beendete am späten Abend des Dienstag die Aussprache über die Erhöhung der Anleiheermächtigung für Rüstungszwecke. Ein Abänderungsantrag der Opposition, den Anleihebetrag von 800 auf 799 Millionen Pfund herabzusetzen, wurde mit 310 gegen 127 Stimmen ab- gelehnt. Ministerpräsident Chamberlain gab einleitend mit großer Befridigung zu verstehen, daß diese Rüstungsdebatte sowohl auf den Regierungs- als auch auf den Oppositionsbänken mit größerer Ruhe gegenüber der internationalen Lage durchgeführt werde als frühere Aussprachen ähnlicher Art. Weiter hob Chamberlain hervor, daß die Reden der Opposition nicht ein einziges Mal den Gedanken der Genfer Liga oder der kollektiven Sicherheit geftreift hätten. Die Opposition unterbrach diese für sie peinliche Feststellung mit dem Zwischenruf: „Herr Ministerpräsident, Sie haben diese Begriffe zerstört!" — Chamberlain erwiderte, dieser Vorwurf gehöre zu dem alten Bestände der politischen Mottenkiste der Opposition. Die Geschichte werde später einmal zeigen, daß kein Land mehr die Genfer Grundsätze zu wahren und zu fördern versucht habe, als England. „Wenn die Völkerbundspolitik versagte", fügte Chamberlain hinzu, „so liegt die tatsächliche Erklärung darin, daß versucht worden war, dem Völkerbund Auf-
Paris, Februar 1939.
Das größte innenpolitische Ereignis des Jahres ist in Frankreich d i e Wahl des Staatspräsidenten am 6. Aprll. Sieben Wochen vor diesem Ereignis ist der Wahlkampf in vollem Gange, aber das Charakteristische einer Präsidentenwahl ist, daß der Wahlkampf nicht in der Oeffentlichkeit geführt wird und das Land erst drei bis vier Tage vor der Wahl den oder die Kandidaten erfährt, die in aller Oeffentlichkeit ihre Kandidatur ausgestellt haben. Es gibt eine Technik für das Rennen zum Elyseepalast, genau wie es eine Technik des Pferderennens gibt. Das Rennen zum Elyseepalast ist am besten mit einem Ausgleichsrennen zu vergleichen, wo der Sieg meistens in den letzten fünfzig Metern errungen wird. Immer in guter Position liegen, seine vermeintliche oder wirkliche Ueberlegen- heit nicht zu früh zeigen, aber in den letzten Metern alles aus sich herausgeben, das ist das ABC. dieses klassischsten Rennens in Frankreichs Innenpolitik, das von Versailles nach dem Elyseepalast führt.
Der Präsident der Republik wird im Sitzungssaal des Schlosses von Versailles in der „Ratio- nalversammlun g", bestehend aus den Senatoren und Abgeordneten, im ganzen rund 900 Parlamentariern mit absoluter Mehrheit in einem oder mehreren Wahlgängen gewählte Präsident der Republik kann jeder wahlberechtige Franzosen werden, d. h. er muß 21 Jahre alt und im Besitze seiner bürgerlichen und politischen Rechte sein. Eine Aus*- nahme besteht für die Angehörigen der früheren französischen Herrscherhäuser; sie können nicht Staatschef werden. Ein Präsident der Republik kann auch wiedergewählt werden; aber bisher ist nur ein Staatschef, nämlich Jules Grevy, nach siebenjähriaer Amtszeit wiederaewählt worden. Es war im Jahre 1886. Ein Jahr später mußte er wegen eines Skan- dales in seiner Familie seine Demission geben.
Die Macht des französischen Staatspräsidenten ist ziemlich beschränkt. Aus eigener Initiative kann er nichts unternehmen. Ohne feine Unterschrift ist zwar kein Gesetz gültig, aber fein Gesetz kann in Kraft gesetzt werden, wenn es nicht von bem Ministerpräsidenten gegengezeichnet ist. Er führt den Vorsitz im Ministerrat, aber sein Einfluß ist lediglich eine Frage seines, persönlichen Ansehens. Er hat ein Vetorecht gegen Parlamentsentscheidungen; aber seit 1875 hat kein Präsident davon Gebrauck gemacht. Er kann auch die Kammer unter Voraussetzung der Zustimmung des Senats auflösen, aber nur einmal hat dies ein Staatschef, nämlich Mac-Mahon, gewagt, und er mußte daraufhin zurücktreten. Dem französischen Staatschef bleibt nur ein Recht, von dem er ganz nach seiner persönlichen Meinung Gebrauch machen kann, nämlich das Recht, einen zum Tode Verurteilten zu begnadigen. Gewiß wählt er die Persönlichkeit, die er mit der Regierungsbildung beauftragt; aber bei dieser Wahl muß er sich nach den politischen Umständen richten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann man nur von möglichen Kandidaten für die Präsidentenwahl im AprU sprechen. Denn man ist nicht Kandidat, sondern man läßt sich von seinen Freunden als Kandidat aufstellen, und alle Parlamentarier, die infolge ihrer Stellung auf den höchsten Posten der französischen Republik gewähll werden konnten, versichern gegenwärtig hoch und heilig, daß sie nicht die geringste Absicht haben, Staatspräsckent zu werden, selbst wenn sie oder gerade weil sie bereits ihren Schlachtplan für die kommende Wahl in allen Einzelheiten festgelegt haben. Wir nennen im nachfolgenden eine Reihe Persönlichkeiten, unter denen der Name, des nächsten Staatspräsidenten sich höchstwahrscheinlich befindet, und deren Namen m den nächsten Wochen immer wieder genannt werden
Wir beginnen mit dem bisherigen Staatspräsidenten Albert Lebrun, der im großen und ganzen zur allgemeinen Zufriedenheit regiert, aber be» täte energifd) erklärt hat. daß er aus persönlichen Gründen nicht ein zweitesmal Staatspräsident sein will. Trotzdem hat eine Gruppe rechtsstehender Parlamentarier sich darauf geeinigt, bei Lebrun vorstellig zu werden, um ihn zu einer ^weiten sieb en - lährigen Amtsdauer zu veranlassen Diese Parlamentarier haben zwar der Presse erklärt, ihre Wahl erfolge aus dem - Grunde, um Frankreich in der gegenwärtigen kritischen Zeit einen Wahlkampf za ersparen, da Albert Lebrun ihrer Ansicht nach sozusagen einstimmig wiedergewählt werden wurde; aber man darf annehmen, daß die Kandidatur Lebruns aufgestellt wird, um die Kandidaturen gewisser anderer Persönlichkeiten zu verhindern
Wer sind diese Persönlichkeiten? Wir wollen hier nur zwei nennen; jedermann kennt sie übrigens. Die eine ist der Senatspräsident Jeanneney. Jean- nenen gilt als der Mentor der Republlk. Ueberzeug- ter Republikaner und seit Jahrzehnten eine der einflußreichsten Persönlichkeiten der Dritten Republik, war er während des Krieges Mitarbeiter Clemen- ceaus, aber nie Minister sondern nur: einnja un er Clemenceau Unterstaatssekretar. Er hatte seit langem schon Staatspräsident werden können. Er ist em Gegner der Münchener Politik. Die zweite Persönlichkeit ist der Kammerpräsident Edouard Her- riot. Herriot hatte vor einigen Monaten iwch ernste Absichten auf den Posten des Staatschess. Sein Plan war, als Dolksfrontkandidat gewahtt zu werden und die Dolksfroittpolitik im Innern und nach außen weitestgehend zu unterslutzen. Der Z. fall der Volksfront machte einen Strich durch ferne Rechnung. Herriot hat erklärt, daß er nicht Kandck t ist. Das gleiche sagt übrigens auch der Senatsprasi dcnt. Wahrend Herriot aber vorgibt, auf seine pcr-
Erschemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bteßener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monatr-vezugrpreir:
Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr „ —.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt üernsprechanschlüffe
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Srontfurt am Blain 11686
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gaben aufzubürden, die seine Fähigkeiten über stiege n."
Nach dem Hinweis, daß die englische Aufrüstung einzig und allein der Verteidigung diene, beschäftigte sich der Ministerpräsident abschließend mit erkennbarem Nachdruck mit der Frage einer Rüstungs - bearenzung. „In meinen Augen", sagte er, „wurde es ein Verbrechen sein, wenn man die augenblickliche (Rüstungs-) Lage sich weiter entwickeln ließe, wie man es bisher getan hat, ohne einen entschiedenen Versuch zu unternehmen, ihr ein Ende zu machen.". Auf einen Zwischenruf des unabhängigen liberalen Abgeordneten Maxton, „daß diejenigen, die zur Münchener Konferenz gingen, dies mit der Absicht taten, die Konferenz zu einem Erfolg werden zu lassen", sagte Chamberlain: „Wenn ich glauben könnte, daß eine A b - rüstungskonferenz zu dem gleichen zufriedenstellenden Schluß kommen würde, so würde ich mich als Erster dafür einsetzen. Aber wir müssen erst etwas mehr Vertrauen haben, bevor die Zeit für eine solche Konferenz angebrochen ist. Chamberlain schloß mit dem Hinweis, daß Vedächtigungen anderer Staaten und Mißttauen beseitigt werden müßten. Die englische Regierung sei darauf bedacht, andere Regierungen zum gegebenen Augenblick von der Sinnlosigkeit der augenblicklichen Aufrüstungslage zu überzeugen.
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