Ausgabe 
21.12.1939
 
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!tr 209 Smeites Blatt

Donnerstag, 21. Dezember 1939

siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Erlebniffe unserer oberhessischen Goldaten

geschastsk!

(Nachdruck verboten.)

4. Fortsetzung.

Kriegs-WHW.berettetWeihnachtsfreude

3m Kreis Wetterau Ausgabe der Wettgutscheine bis Ende dieser Woche.

ergehen lassen müssen, wenn gespenstische Gestalten in stichdunkler Nacht oder im Mondschein von der anderen Seite herüberkamen. Aber alle französischen Spähtrupps, die sich meist nur in größerer Stärke über die Grenze wagten, haben unsere Höhen nicht überschreiten dürfen, denn auf deutschem Gebiet wies sie Gewehr- und MG.-Feuer sofort über die Grenzen zurück. Daß manchmal ein Stück Wild

Wie bisher in jedem Jahre, so wird auch diesmal wieder das Kriegs-Winterhilfswerk vielen hilfsbe­dürftigen Familien auch in unserem Kreis Wetterau zu den bevorstehenden Weihnachtsfeiertagen eine be­sondere Freude bereiten. Zwar sieht das WHW. dies­mal von den sonst alsVolksweihnachtsfeiern" durch­geführten Gemeinschaftsveranstaltungen ab, aber des­wegen wird das Ausmaß der Freude nicht geringer sein. Als Mittler zwischen dem spendenden Kriegs- WHW. und den erwartungsfrohen Kindern dient diesmal die Familie selbst, der in allen Fällen für die Kinder Spielsachen snancherlei Art direkt zugestellt werden wird.

Die in der Betreuung des Kriegs-WHW. stehen­den hilfsbedürftigen Familien werden bis zum kom­menden Sonntag in Stadt und Land Wert gut­scheine des W Sj SB. erhalten, denen noch eine besondere Gutscheinzulaae für die Weih­nachtsfeiertage hinzugefügt wird. Jeder die­ser Gutscheine lautet auf einen bestimmten Geld­betrag. Mit den Wertgutscheinen können sich die betreuten Familien Lebensmittel, Kleidung und an­dere Gebrauchsgegenstände im Rahmen oer allge­meinen Versorgungsvorschriften beschaffen, sodaß sie sich damit ihre Feiertage verschönern können. Die

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oder eine Kuh der gespannten Phantasie des ein­samen . Vorpostens einen bösen Feind vorspiegelte, ließ sich nicht vermeiden, denn zum Walleinsatz un­serer Soldaten gehörten ja nicht nur militärische Dinge, sie mußten auch für die Bergung deutschen Volksoermögens in der geräumten Zone einsatzbe­reit sein.

(Fortsetzung folgt.)

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Vornottzen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Maria Ilona". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Waldrausch". Oberhessischer Kunstverein: 15 bis 16 Uhr Ausstel« lung im Turmhaus am Brand.

Vorfeldkämpfe zwischen Rhein und Mosel."

Bericht für denGießener Anzeiger"

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CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 35

zu fühlen. Nanu, nanu, ist das so gemeint? Das edle Tier spürt die Nervosität der Herrin. Koni fliegt mit solcher Wildheit dahin, daß Anne sich kaum im Sattel halten kann. Gut ist das, es ist richtig so, alle Aufmerksamkeit muß sie an diesen Ritt wenden, sie kann an nichts anderes mehr denken. Koni setzt wie heute morgen über Gräben und Hecken, aber sie macht das nicht mit stolzer und königlicher Ruhe, es ist Hysterie in ihrem Schnauben und in ihren Bewegungen. Pferd und Mädchen atmen schnell und schwer, bis sie sich aus- aetobt haben und bis sie beide nach der tollen Jagd starke Ermattung überfällt.

Anne ist müde und schlapp, und auch das Pferd scheint sich nach dem Stall zu sehnen. Es strebt der Landstraße zu. Es möchte heim. Sie sind nicht mehr weit vom Birkenhof, gottlob, gleich hinter dieser Föhrenschonung fangen die Birkenwäldchen und die Allee an. Ein kleines Stück Wegs, ein Katzensprung sozusagen bis nach Hause, trotzdem geschieht auf diesem Wege Unvorhergesehenes. Konifere scheut, sie scheut vor einem Auto, das mit großem Spektakel und lautem Hupen hinter ihnen dreinkommt. Sie bricht in die Föhrenschonung aus, und Gott weiß, was geschehen, wäre Anne nicht aus ihren Gedanken erwacht. Rasch gewinnt sie wieder Macht über das Pferd, Koni steht mit zitternden Flanken, mit Schaum vor dem Maul. Anne springt aus dem Sattel und braucht viel Ueberredungskunst, um das Tier halbwegs zur Ruhe zu bringen. Trotzdem ist es nicht leicht, Koni aus dem dichten Gewirr der Jungföhren herauszutriegen, sie gebährdet sich wi- derspensttg wie eine Wilde. Und von der Straße her kommen Stimmen, aufgeregte Knaben- und Frauenstimmen. Auch ein Mann redet dazwischen, und eine Frau schreit langgezogen:Anne, Anne!"

Anne ist zu müde, um neugierig zu sein. Koni lahmt, und sie selbst fühlt einen stechenden Schmerz im linken Unterschenkel. Ihre Beinkleider sind zer­rissen, die Bluse ist aus dem Gurt gerutscht. Anne seufzt. Ich sehe schön aus, denkt sie, und scheinbar ist ihr Anblick wirklich zum Erschrecken. Denn kaum hat sie das gedacht, kommt eine Frau, deren Helles, graues Kostüm sie schon vorher zwischen den Bäumen gesehen hat, mit gellendem Aufschrei auf sie zu: Anne, wie siehst du aus? Kind, ist was passiert? Ich mache mir ja ewige Vorwürfe, hat der Chauffeur zu laut gehupt, wie konnte das nur kommen, bist du verletzt? Hast du Schmerzen?"

Anne fühlt sich von zwei Armen umfaßt, spürt den Duft eines sehr guten Parfüms und denkt: Es ist manchmal ein Glück, wenn man den Kopf an eine Schulter legen kann.

Die da vor ihr steht, ist chre Schwester Kläre aus Berlin. Halb bewußtlos denkt Anne noch: Wollte

Feldpostpäckchen haben Vorrang vor den zivilen

BesondereLazarette" für schlecht verpackte Sendungen.

Zahl der gespendeten Wertgutscheine richtet sich nach der Kopfstärke der Familien, selbstverständlich wird aber auch in ausreichendem Maße an hilfs­bedürftige alleinstehende Personen gedacht werden, sodaß alle Erwachsenen und Kinder in der Obhut des WHW. dieses schöne Weihnachtsgeschenk erhal­ten. Die Wertgutscheine haben bis einschließlich 31. Dezember Gültigkeit, sodaß sie also auch noch zwischen den Jahren" zum Einkauf benutzt werden können. Diese Weihnachtsgeschenkaktion des Kriegs- WHW. wird wiederum in gewöhnt großzügiger Weise zur Durchführung kommen und damit in viele Familien Freude und frohen Mut bringen.

Die bisher für das Kriegs-WHW. durchaeführts Sammlung von nichtbenötigten Brot­kartenmarken hat sich in sehr zufriedenstellen­der Weise entwickelt und ermöglicht es, den für diese Sammlung als Abnehmer in Betracht kommenden Volksgenossen (ü. a. Lang- und Nachtarbeiter, kin­derreiche Familien usw.) zu ihrer eigenen Brot­ration noch eine wertvolle Beihilfe zu geben. Bei dieser Brotmarkenspende spielt die Frage der Hilfs» bedürfttgkeit keine Rolle. Auch in diefer Hinsicht kann unser Kriegs-WHW. mancher Familie noch eine besondere Weihnachtsfreude bringen.

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Aus den bisherigen Erfahrungen der Praxis wird in derDeutschen Postzeitung" darüber be­richtet, was jeder vom Feldpostpäckchen wissen muß. Feldpostpäckchen werden mit allen Beförderungs­gelegenheiten für den zivilen Päckchendienst beför­dert, wenn nicht überhaupt besondere Beförde­rungsmittel dafür eingesetzt sind. Sie haben den Vorrang vor der zivilen Päckchenpost, aber nicht vor der zivilen Briefpost. Trotz aller inzwischen bereits veröffentlichten Ermahnungen läßt die Ver­packung der Feldpostpäckchen und päckchenartigen Feldpostbriefe, namentlich der aus Landorten her­rührenden, noch oft zu wünschen übrig und macht den Dienststellen der Post viel Verdruß. Die Ver­packung zählreicher Sendungen hat bereits auf dem kurzen Wege bis zur Feldpoftpäckchenstelle mitunter schon so gelitten, daß sie in besonderenLazaret­ten" ausgebessert oder ganz erneuert werden muß. Manchmal lohnt sich diese Arbeit gar nicht, weil der Inhalt zerbrochen oder verdorben ist und sich in einem Zustand befindet, der die Weiterleitung ins Feld ausschließt. Die Verpackung muß d5n Druck, Stoß, Wurf aushalten können, dem alle Feldpostfendungen bei der Beförderung in Säcken ausgesetzt sind. Sie muß also besonders haltbar und dauerhaft sein. Ist ein Behätter nicht voll ausge­füllt, so muß er durch Füllstoffe, wie Stroh, Heu oder Knüllpapier, ergänzt werden, damit er nicht während der Beförderung eingedrückt wird. Von Schuhschachteln darf man keine ausreichende Wider-

Bäld kauern sie vor dem Spirituskocher, kauern da auf den Knien, bis die Kartoffeln kochen. Rühr­eier werden irr die Pfanne geschlagen, während über der zweiten Flamme des Kochers die Erbs­wurst brodelt. Anne breitet ein Mundtuch aus und stellt den grasgrünen Pudding darauf. De Ge­schirrfrage ist schon schwieriger zu beantworten, denn Horst hat nur für sich allein Teller und Be­steck mitgenommen. Aber schließlich einigen sie suh und löffeln abwechselnd die Erbssuppe aus dem Topf. Auch die Bratkartoffeln und Rühreier werden aus der Pfanne gegessen, lieber den Pudding wird "Milch gegossen, dann wird er verzehrt, und Anne weiß sich nicht zu entsinnen, daß sie je in ihrem Leben so viel gegessen hat. Koni nimmt nut der warmen Schnauze kleine Stückchen Brot aus Annes Fingern, die Tafelrunde ist lustig und zufrieden.

Hernach wird weggeräumt. Das Geschirr packt Horst in einen alten henkellosen Korb, stellt es m den See und behauptet, daß dieses die einfachste und sparsamste Abwäsche ist. Der, Korb wird daraus in die Sonne zum Trocknen gestellt und alles i|t fertig; wirklich nicht schlimm, gute Hausfrau zu !ein, nur Zimperliesen würden sich über diese Methoden entsetzen, Horst findet sie ausgezeichnet. $r holt eine große Decke aus dem unergründlichen Innern seines Wagens, breitet sie über den Rasen, und Anne legt sich darauf. Sie muß sich lang m bie Sonne legen, und er schiebt ihr seine Trarnmgs- jacke zusammengerollt als Kissen unter den Kops. Lr ist geschäftig wie eine Hausmutter und als er Zwischen dem Grün der Sträucher, hinter denen lie lagern, ein paar reife Himbeeren entfredt, pflückt fT sie in die hohle Hand, kniet neben Anne nieder md steckt ihr eine der roten Früchte nach der an­dern in den Mund.

Anne liegt lang in der Sonne. Sie fühlt das Aelöstsein ihrer Glieder und nimmt die Fruchte mit Wn Lippen aus seinen Fingern, ohne sie zu l>eruy- ien. Der große Junge macht ihr Spaß, sie suhlt sch in seiner Nähe sehr erwachsen und ernfthast. Mit fast geschlossenen Lidern blinzelt sie m die leidige Luft. Wie goldgelbe Faden schimmem die Sonnenstrahlen durch das Geäst der Baume. Bienen lummen, ein gelber Zitronenfalter schaukelt vorüber.

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Vorfeldkämpfe zwischen Rhein und Mosel", so wird es später unter mitgemachten Gefechten auch im Wehrpaß manches hessischen Soldaten zu lesen sein, und mancher Angehörige zu Haufe wird wissen wollen, was darunter zu verftehen ist.

Die Heimat hat ja den planmäßigen Gang un­serer Mobilmachung miterlebt. Mit preußischer Pünktlichkeit zogen in Oberhessen die Soldaten aus ihren Garnisonen an die Front, und in vorbild­licher Genauigkeit erreichten und besetzten sie die Frontabschnitte im Westen, die ihnen zugewiesen wurden.

Der erste Eindruck in den Dörfern in und am Westwall war der einer vorbildlichen Volksgemein­schaft zwischen der Zivilbevölkerung, den Westwall­arbeitern und den Soldaten. In einem kleinen Dorf, in dem schon Hunderte von Arbeitern und eben­soviel Angehörige von ^renzschutztruppen lagen, fanden die ankommenden Soldaten immer noch Quartier und freundliche Aufnahme, fanden sie auch eine vorbildlich zuversichtliche Haltung und keine Spur von Aufregung oder Mißvergnügen über die bevorstehende Räumung. Die Bilder, die wir ge­sehen haben, werden nur dann wieder in unserer Erinnerung auferstehey, wenn wir im Binnenlande einmal Leuten begegnen sollten, deren Einsatzbereit­schaft sich nicht mit der der Grenzbevölkerung ver­gleichen läßt.

Spannungstage waren es schon, die wir alle mit­erlebten, als der Polenfeldzug begann, als England und in dessen Gefolge Frankreich sich als im Kriegs­zustand mit Deutschland befindlich erklärten. Nach deutscher Auffassung von den Pflichten eines Bun­desgenossen, war ja nun ein Großangriff zu erwar­ten, und zu seiner Abwehr mußten alle Vorberei­tungen mit größter Schnelligkeit getroffen werden. Wer den Weltkrieg von 1914/18 mitgemacht hat und das Feftungskampffeld des deutschen Westwalls nun kennenlernte, den konnte allerdings von Anfang an die ungetrübte Zuversicht erfüllen: durch diesen Wall von Stahl und Eisen, den der beste Arbeiter der Welt dem besten Soldaten gebaut hat, kommt keiner durch! Die Spannung erhöhte sich, als die ersten Arttlleriefchüsse von französischer Seite aus fielen und nun stündlich mit dem Großangriff ah oer Westfront gerechnet werden mußte, der dann schließlich doch ausblieb. Offizier und Mann unse­rer hessischen Truppen haben in diesen Tagen, in denen sie wirkliche Kämpfe nur am Rundfunk und nur mit den oft beneideten Kameraden im Polen­feldzug erlebten, schon durch Wachsamkeit, Arbeit und Einsatzbereitschaft ihre Pflicht getan.

Es war ein eigenartiger Krieg, in dem die Geg­ner sich von beiden Seiten aufmarschieren sahen, bei dem aber von deutscher Seite auf denPoilu" nirgends b?£ erste Schuß abgegeben wurde. In blau- grauen Mänteln kamen die französischen Truppen aus allen Geländefalten hervor, suchten sich geeignete Stellungen aus, und in der warmen September­sonne zogen sie dann vor unseren Augen Mäntel und Röcke aus, um sich ihre Schützenlöcher und MG.-Stellungen auszuheben. Etwas unfreundlich erschien es uns wohl, als auf unseren Beobachtungs. ständen dann bald auch die ersten Granaten heran­rollten, und hier hat schon mancher, der am Sche­renfernrohr aushielt, die Pflichterfüllung gezeigt, die der Begriff der Vorfeldkämpfer von jedem einzel­nen verlangt.

Jetzt galt es auch auf unserer Seite sich einzu- graben, Maulwurf zu spielen, wie es der Franzose anscheinend vorher gut geübt hatte. Die Nächte wurden kalt, und es lagen nur dünne Schleier von Sicherungen vor dem eigentlichen Westwall, und in der stündlichen Erwartung des Angriffes hat man­cher junge Soldat die erste Nervenprobe über sich

und irgendwo müssen Jelängerjelieber blühen, Anne spürt den starken und süßen Dust.

Horst reicht dem Mädchen die letzte Himbeere, und wieder sieht er beim Schlucken, wie die zarte Kehle zittert. Es scheint ihm, als wäre sie von der Sonne durchglüht. Er kehrt sich schnell jur Seite und wirft sich dicht neben der Hecke ins Gras. Sie liegen nahe beieinander, blinzeln in den Himmel, sehen den ziehenden weißen Wolken nach, und zwi­schen ihnen liegt die Wärme des sommerlichen Tages. Als Anne Horst Nielsens Finger über ihren Arm tasten spürt, möchte sie schreien, aber sie kann es nicht, denn das Herz schlägt schwer und wie ein Hammer. Er ist ein dummer Junge, welch ein alberner Junge ist er, denkt sie. Als sie aber seine Lippen in der Beuge ihres Ellbogens fühlt, springt sie wild und wütend hoch.Was fällt Ihnen ein", schreit sie und erschrickt über die eigene Stimme, lassen Sie das!"

Horst Nielsen schweigt. Er kauert mit gesenktem Kopf auf der ausgebreiteten Decke. Still kauert er da, ernsthaft und ein klein bißchen dummjungenhaft. Um ihn ist leuchtende Sonne. Koni kommt ungeru- fen, sie ist satt, und das Ausruhen ist ihr bereits langweilig, außerdem plagen sie die Insekten. Ohne zu mucken, läßt sie sich das Zaumzeug und den Sattel anlegen. Annes Hände zittern so stark, daß ihr die altgewohnte Arbeit unsägliche Mühe macht. Abermals fommt sie sich albern vor. Solch ein Er­lebnis nehmen viele Mädel von der luftigen Sette o ja, sie weiß es von Frieda Jörs. Warum zit­tert sie? Warum fühlt sie sich gedemütigt? Sie denkt: Meine Einfalt ist größer als meine Lebens­neugier. Ist dieses Gefühl nun Liebe, dieses schreck­liche Gefühl, zusammengesetzt aus Furcht, Wider­willen und Neugier? Dann möchte ich lieber nie lieben! . : ,

Endlich ist Koni gesattett, mit einem Schwung ist Anne oben und reitet davon, ohne sich umzu­sehen Doch als sie im Wald ist, etwa da, wo der Knirps stand, kehrt sie sich im Sattel und sieht zu­rück Da steht Horst Nielsen in der Lichtung und packt die Sachen in den kleinen Wagen. Es ist em friedliches und unwahrscheinlich gleichgulttges Bild Er packt seine Sachen ein und fährt davon und denkt vielleicht: schade, daß die Sache schief ge- aanaen ist. Anne lacht wütend, ihr Blut ist in wil­dem Auftuhr, doch sagt sie sich: Das kann mit Liebe nichts zu tun haben. Liebe muß anders fein, reiner und voll Dankbarkeit. Ich möchte lieben, denkt Anne ffieaner und allen anderen Gedanken zum Trotz fühlt sie' ihre Einsamkeit so stark, daß sie die Zahne aufeinanderbeißen muß, um nicht loszuweinen wie ^Zimi^ersten Male bekommt Koni die Reitgerte

Anne Wegner ftetyt vor ihrem Wäscheschrank und flötet siegessicher durch die Zähne. Sie ist wieder gesund, und vergnügt ist sie auch. Warum sollte Anne, nicht vergnügt sein? Heute wird ein Som­merfest auf dem Dirkenhof gefeiert, tatütata! Anne flötet und sucht nach einem Unterkleid. Sie hat doch ein weißes Unterkleid gehabt, wo in aller Welt steckt das blöde Ding? Bei den Frauen des Birkenhofes sind zarte Unterkleider im allgemeinen unwichtig. Viel wichtiger sind zum Beispiel Rett­hosen, und die hängen auch in Annes Kleider­schrank zur Auswahl, grau, kariert und bräunlich, die letzte sogar mit eingesetzten Ledertetten. Diese Hose war im vergangenen Jahr Annes ganzer Stolz, und auch jetzt vergißt sie für Minuten das Unterkleid, denn ihr fällt ein, daß die Hose unbe­dingt nach Balke zum Schneider muß. Sie ist tu kurz geworden, schade, solch eine großartige Hose. Nur gut, daß ein tüchtiger Rest vom Stoff ge­blieben ist, Klarissa hat mal wieder vorgesorgt. Der Schneider soll einen breiteren Sattel machen, dann geht sie noch jahrelang. (Fortsetzung folgt)

Aus der Stadt Gießen.

Wintersonnenwende.

Wem, heuer aud) keine Sonnwenbfmr in deut­schen Landen leuchten, fo feiern wir diese- altaer- man'l-h-. F-st doch ,m Herzen. Wie unsere Vor- sahren emt die Sonne als ihr- Lebens,penderin ansahen wie sie zu ihr ausschauten und d7nn b-. freu aufatmeten, wenn der Tag der Sonnwende kam, fo wollen auch wir mit heißem Herzen hoA mmg-uoll auNchauen: die Wintersonnenwende t em Fest des Glaubens, em Aufblick zum Lickt

Wir sahen. die Sonne sinken. Nebeldunkle Tage kamem Herbstliche Sturme durchbrausten die Lande Die Menschen wurden still. Ihre Gedanken weilen draußen bei den tapferen Männern, die unsere Heimat beschützen, d,« auch in der Lust und aus dem Wasser den Feinden zeigen, was deutscher Wagemut und deutscher Angrifssgeist vollbringen

Nun ist der Tag der Sonnenwende gekommen Nun steigt die Sonne wieder und kündet ein« neue 3«t an. Leise blüht in unseren Herzen die Host, nung auf, ahnungsvoll lauschen wir der inneren Stimme, die uns über Tod und Gräber über Ruhe und Stille hinweg zuruft: Glaube m den Smn des Lebens, glaube an einen Aufstieg zum Licht!

Wenn mir heute den Tag der Sonnenwende be­gehen, dann führt uns kein Aberglauben, sondern wir fühlen die enge Verbundenheit mtt unfern Vor­fahren. Wie es für sie Stunden der Andacht waren, fo soll es auch bei uns sein: Stunden der Einkehr' der ernsten und stillen Versenkung in Vergangen­heit und Gegenwart.

Die Sonnenwende soll uns auch an unsere Ver° pflichttrngen dem deutschen Volke gegenüber mah­nen. Die Liebe zu Volk und Heimat muß immer wieder aufs neue entfacht werden. Von neuem müssen mir geloben, auch in ernsten Zeiten auszu­harren, immer und überall unserm Volke zu die­nen und zu helfen. Dor allem aber gedenken mir der Brüder, die mit Einsatz ihres Lebens unser Vaterland schützen und verteidigen. Sie sind uns täglich Mahner und erinnern uns an unsere Pflich­ten.

Aber unsere Gedanken sollen auch in Zukunft gehen. Wie auf stürmische, dunkle Tage einst mie= der Sonnenschein kommen wird, so wird auch un­serm Vaterlande dereinst eine schönere Zukunft er­blühen. In diesem Glauben begehen mir Winter­sonnenwende. __h.

Attersnachweis beim Einkauf von Betiwaren.

Da Bettmar en für Kleinkinder bis zum vollende­ten ersten Lebensjahr punkt- bzrn. bezugscheinfrei sind, muß der Kaufmann das Alter des Kindes prü­fen, für das diese Waren gekauft werden. Es zeigt sich nun, daß die Kunden häufig beim Einkauf den Geburtsschein des Kindes nicht mit sich führen, fo daß sie in diesen Fällen einen nutzlosen Weg ge­macht haben. Das ist besonders unangenehm, menn längere Anfahrten zu den Einzelhandelsgeschäften nötig sind, mie etroa aus einem Vorort in das Stadtzentrum, oder vom Dorf in die Kreisstadt. Der Kunde sollte deshalb stets beim Einkauf von Bett­waren für Kleinkinder einen Altersnachmeis bei sich führen.

(Siebener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 21. Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, 14 kg 7 bis 10, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 9 bis 12, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 18 bis 20, Rosen­kohl 20 bis 35, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 40 bis 60, Feldsalat, V« 10 bis 12, Kartoffeln, kg 4% Rpf., 5 kg 42 Rpf., 50 kg 3,35 bis 3,55 RM., Aepfel, Vi kg 15 bis 25 Rpf., Birnen 12 bis 20, Endivien, das Stück 5 bis 12, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40 Rpf.

standsfähigkett erwarten. Ein gewöhnlicher Brief­umschlag eignet sich schlecht als Hülle für eine kan­tige Zigarettens chachtel. Diele Verstöße beruhen daraus, daß zur Verpackung einzig und allein ein­faches Papier verwendet wird. Zerbrechliche oder zerdrückbare Dinge sind in einfacher Papierunchül- lung unmöglich. Das gilt für Flaschen mtt Flüssig­keiten aller Art, für Keks, Kuchen, Honig, Marme­lade, Lebkuchen, Eier, Pralinen, Zigaretten usw. Flüssigkeiten jeder Art müssen so verwahrt werden, daß keine Beschädigungen durch Druck oder Stoß zu fürchten sind. Möglichst Behälter aus Blechs Kunststoff usw. wählen. Wer glaubt, leicht verderb­liche Sachen unbedingt verschicken zu müssen, ver­merkt am besten gleich, daß die Sendung der Trupps zur Verfügung gestellt wird, wenn sie unanbring- lich ist. Daß selbstverständlich Streichhölzer, Feuer- werksartikel oder Flüssigkeiten, die leicht entflam­men, wie Hoffmann Strapsen und Benzin, Nicht ver­sandt werden dürfen, sei mit einer Warnung vor drohender Strafe nochmals erwähnt.

Kläre denn kommen? Das muß ich vergessen haben, dann fühlt sie, daß jemand Kvnis Zügel, die sie um den Arm geschlungen hat, löst. Als sie im Wagen sitzt, ist ihr, als drehe sich das ganze Land wie ein Ka­russell. Eine tiefe Glocke läutet, sie greift mit den Händen in die Luft, die Sinne schwinden ihr.

Als Anne Wegner wieder zu sich kommt, liegt sie in ihrem Schlafzimmer im Bett. Ganz erstaunt sieht sie sich um. Aber ja, es ist so. Da sind die hellen, freundlichen Tapeten, die Fenster mit den Mull­gardinen, ihre altbekannten Bilder an den Wänden und alle die Dinge, die sie liebt. Klarissa geht fo leise, mie es ihr möglich ist, im Zimmer hin und her. Trotzdem klirren die Kristallflakons auf dem Toilet­tentisch, es hört sich mie heimliches Lachen und Ge- raune an.

Klarissa geht zu dem großen Marmormaschbecken, läßt Wasser einlaufen, steckt ein Tuch hinein und wringt es aus. Dann kommt sie wieder liebevoll her­beigewuchtet.

Anne reckt und streckt sich unter der leichten Decke. Sie lächelt und denkt: Wie gut, wie gut ist es im Bett. Sie schließt die Augen und schläft von neuem ein. Sie schläft den tiefen Schlaf einer seelisch und körperlich Ermatteten. In schrägen Strahlen fällt der Schein der Abendsonne ins Fenster. Er kriecht über den gelben Schopf des Mädels, hängt Goldglanz über ihn und trifft zur selben Zeit auf ein Bild an der Wand, das Konis schmalen Kopf roiebergibt. Und fo steht das letzte Sonnenlicht des Tages wie ein Helles, fröhliches Band zwischen dem Mädchen Anne und ihre Stute Konifere.