Rohstoffen in die Liste der Konterbande Einspruch erhoben. Die Auswirkungen des Krieges machen sich in Argentinien bereits in einem starken Rückgang seines Außenhandels bemerkbar. Import und Export wiesen im September die niedrigsten Zahlen seit einem halben Jahr auf.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer hat auf Vorschlag des Präsidenten der Deutschen Reichsbank, Reichswirtschaftsminister Funk, den 1. Vorstandsbeamten der Reichsbankhauptstelle Wien, Reichsbankdirektor Paul Emde, zum Mitglied des Reichsbankdirektoriums ernannt.
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Rudolf Heß überreichte den verdienten Führern der deutschen Volksgruppe in Polen Weiß (Jarotfchin), U l i tz (Kattowitz), Ludwig Wolff (Lodz), Wiesner (Bilitz) und H a s b a ch das ihnen vom Führer verliehene Goldene Ehrenzeichen. Dem im Elisabeth- Krankenhaus in Halle befindlichen volksdeutschen Führer Dr. Kohnert brachte ^-Obergruppenführer Lorenz das Ehrenzeichen.
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Die Reichswerke Hermann Göring haben heute in Salzgitter zwei Hochöfen in Betrieb genommen. Es sind die beiden ersten der gewaltigen Anlage. Das Anblasen erfolgte in einer Feierstunde zu der als Vertreter des Generalfeldmarschalls Göring Staatssekretär Körner erschienen war.
Deutsche Künstler
grüßen deutsche Soldaten.
Berlin, 20. Oft. (DNB.) Der deutsche R u n d - fu n k hat sich für seine Hörer zum Wochenende eine besondere Ueberraschung aus-gedacht. Er bringt a m Samstag in der Zeit von 19 bis 22 Uhr — unterbrochen durch die Politische Zeitungs- und Rundfunkschau und die Nachrichten — aus Berlin einen heiteren Abend „Deutsche Künstler grüßen deutsche Soldaten". Es haben sich dafür zahlreiche deutsche Künstler zur Verfügung gestellt, die s e l b st am Mikrophon auftreten und mit dazu beitragen werden, den deutschen Hörern und insbesondere unseren Soldaten im Felde einen schönen Abend zu bereiten. Im ersten Teil wirken mit Olga Tschechowa, Georg Alexander, Lotte Werckmeister, Charlotte Susa, Ludwig-Manfred Lommel, das Kleine Orchester des Reichssenders Berlin unter Willi Steiner und die Dietrich-Schrammeln. Im zweiten Teil werden mit dem Großen Orchester des Deutschlandsenders unter Heinrich Steiner mitwir- wirken: Rudolf Bockelmann, Tiana Lemnitz, Walther Ludwig, Margarete Klose, Karl Schmitt- Walter, Maria Cebotari und Ludwig Kandl. Die Ansage macht Willy Birgel. Der dritte Teil bringt wieder heitere Weisen. Hier werden zu hören sein: Heinz Rühmann, Hans Brausewetter, Paul Hörbiger, Grete Weiser, Kurt Engel, Rolf Sieber, Rosel Seegers, Inge Vesten und das Kleine Orchester des Reichssenders Berlin unter Willi Steiner und die Dietrich-Schrammeln.
Warum und wofür kämpfen wir?
Noch immer versucht die englische Diplomatie, vor allem die Kriegshetzer, Deutschland als Schuldigen am Ausbruch der kriegerischen Handlungen hinzu- stellen. Das Weißbuch des Auswärtigen Amtes hat, nun von offizieller deutscher Seite aus eine klare Antwort auf die englischen Lügen erteilt. Nun unternimmt im Rahmen des soeben erschienenen „Au fklärungsdienstes zur Reichsver- t e i d i g u n g", in einer wehrpolitischen Schriftenreihe, die für die Schaffenden in den Betrieben bestimmt ist, Professor Dr. von Seers in einer knappen, aber beweiskräftigen Form die Verhältnisse im ehemaligen Polen, die entscheidenden Tage vor dem Ausbruch des Konflikts und die Kriegsschuld Englands und gleichzeitig der Juden darzustellen. Jedem Volksgenossen wird beim Lesen dieser einfachen Tatsachen seine Aufgabe klar, nämlich dazu beizutragen, daß Front und Heimat einen festen Block bilden. Jeder gewinnt die Ueberzeu- gung, daß unsere Überlegenheit in diesem Kampf in unserer eigenen Kraft besteht, die uns zum endgültigen Siege über die Kriegshetzer und Juden
Fürsorge für die zivilen Opfer des Einsatzes
Das nationalsozialistische Reich hat es als seine vornehme und selbstverständliche Pflicht angesehen, schon zu Beginn des uns aufgezwungenen Kampfes auf der Rechtsgrundlage der Perfonenschä- denverordnung die Fürsorge für die Opfer des Einsatzes in die Hand zu nehmen und durch die Sachschädenfeststellungsverord- n u n g die spätere Entschädigung auch der Sachschäden vorzubereiten. Regierungsrat Dr. Fließbach, zur Zeit im Oberkommando ber Wehrmacht bemerkt in der Zeitschrift „Deutsches Recht", daß alle Schäden an Leib oder Leben nach der Personenschäden- oerordnung mit Fürsorge oder Versorgung abgegolten werden, die unmittelbar verursacht sind: 1. durch Unternehmungen deutscher, verbündeter oder gegnerischer Streitkräfte, 2. durch Maßnahmen, die von deutschen Behörden infolge des Angriffs auf das Reichsgebiet oder des besonderen Einsatzes der bewaffneten Macht ergriffen oder angeordnet werden, 3. durch Maßnahmen gegnerischer Behörden, Organisationen oder Einzelpersonen, 4. durch die Flucht vor Maßnahmen des Gegners, wenn sie wegen dringender Gefahr für Leib oder Leben unvermeidbar gewesen ist.
Als Maßnahmen deutscher Behörden kommen dabei u. a. die Verdunkelungsanordnungen in Betracht. Uebrigens erhalten auch Luftschutzdienstpflichtige bei Luftschutzdienstschäden grundsätzlich Fürsorge und Versorgung nach der Personen- scbädenverordnung. Dasselbe gilt für Notdienstbe- fchädigungen. Abgegolten werden auch solche Schäden, die Zivilpersonen bei behördlich angeordneten Arbeiten für unmittelbare Zwecke der Kriegführung erleiden. Als Maßnahmen gegnerischer Behörden kommen z. B. Internierungen deutscher Staatsangehöriger im feindlichen Ausland in Frage. Bei den Maßnahmen gegnerischer
Organisationen und Einzelpersonen ist an Gewalttaten von organisierten und Nichtorganisierten Freischärlern zu denken.
Die Fürsorge und Versorgung der Beschädigten umfaßt für sie selbst Heilfürsorge, Versehrtengeld, berufliche Betreuung, Uebergangsunterstützung, Rente für Arbeitsverwendungsunfähi-ge und Pflege- und Blindenzulage. Versehrtheit besteht, wenn der Verletzte durch die Beschädigung oder ihre Folgen dauernd oder auf nicht absehbare Zeit körperlich erheblich beeinträchtigt ist. Je nach dem Grad der Versehrtheit beträgt das Versehrtengeld 15 oder 30 ober 50 RM. monatlich. Arbeitsverwendungsfähige Beschädigte, die Versehrtengeld empfangen, werden beruflich besonders betreut, um ihnen einen geeigneten Arbeitsplatz zu sichern. Während einer Umschulung bekommen sie Uebergangsunterstützung. Der Arbeitsverwendrlngsunfähige erhält eine Arbeitsverwendungsunfähigen - Rente. Ihre Höhe ist nach den Ortsklassen des Reichsbesoldungsrechts und unter Berücksichtigung des Familienstandes festgelegt. Auch Jugendliche, die von Kriegsschäden betroffen werden, können eine solche Rente erhalten. Zur Rente wird eine Berufszulage von 10 bzw. 50 RM. gewährt. Sie berücksichtigt in gewissem Umfang die Leistungen der Beschädigten in ihrem Beruf. In Betracht kommen ferner Pflegezulagen bis zu 125 RM. für hilflose Beschädigte und Blindenzulagen von 100 bzw. 125 RM. Stirbt ein Beschädigter infolge der Beschädigung oder stirbt ein Rentenempfänger nach dieser Verordnung, so sind Witwen-, Waisen- und auch Elternrente möglich. Anträge auf Fürsorge und Versorgung müssen binnen 2 Jahren nach dem schädigenden Ereignis, auf Witwen-, Waisen- und Elternrente binnen einem Jahr nach dem Todesfall gestellt werden.
führen wird. In ihrer ansprechenden Ausstattung wird die Schriftenreihe, die von der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften (Präsident: General der Flieger von Cochenhausen) herausgegeben wird und mit Heften über den Westwall, über die Ernährung usw. fortgesetzt wird, geeignet fein, eine kleine wehrpolitische Bibliothek für jeden schaffenden Volksgenossen zu bilden.
Kriegsbeute
m Berliner Zeughaus.
23on unserer Berliner Schristleiiung.
Schon immer waren die Berliner fleißige Besucher des Zeughauses, dessen stolzer Barockbau sich an der Nordfront der Straße „Unter den Linden" unweit des Lustgartens erhebt. Wenn sich jetzt der Besuch dieses größten und bedeutendsten Heeres- mufeums der Welt noch verstärkt hat, so hat das seinen besonderen Grund: seit kurzem nämlich ist in dem schönen Lichthof des Zeughauses ein Teil ber polnischen Kriegsbeute ausgestellt, bie einen willkommenen Ueberblick über bie Kampfmittel unb über bie Kampfesweise unseres so schnell geschlagenen Gegners gewährt. Fahnen, Stanbar- ten, Uniformen, Handfeuerwaffen, Maschinengewehre, Granatwerfer, Ausrüstungsgegenstände aller Art, aber auch bie Morbwaffen feiger Heckenschützen, zum Beispiel eine Holzstange mit einer langen messerartigen Eisenspitze —, alles dies steht in bunter Reihe nebeneinanber. Auch an den prahlerischen Dokumenten unb Karten, bie von einer „Schlacht bei Berlin" faseln, fehlt es nicht. Sehr viel Kopffchütteln erregen auch die Gewehre, beren Verschiebenheit recht auffällig ist. So sieht man französische, englische, kanadische, mexikanische unb auch — deutsche Gewehre! Diese mußten seinerzeit an bie Feindmächte ab geliefert werben, bie sie nun wieber gegen teures Geld an die Polen verschacherten.
Am dichtesten drängen sich aber die Besucher der Ausstellung um ein „polnisches" Geschütz, das sich bei näherem Zusehen als französisches Geschütz entpuppte und ebenfalls ein „Erinnerungsstück" an den Weltkrieg darstellt. Wenn sich der
Berliner beim Betrachten dieses französischen Geschützes eine gewisse Schadenfreude bemächtigt, fo ist das nur zu gut zu verstehen. Damals, nach dem unseligen Ende des Weltkrieges, verbot uns bas Friebensbiktat von Versailles, französische Beutestücke im Zeughaus auszustellen. Diese Lücke im beutschen Heeresmuseum ist nunmehr ausgefüllt! Auf dem Umwege über Polen kam b o ch ein erbeutetes französisches Geschütz in bas Zeughaus. Und man kann begreifen, baß ein verständnisvolles Schmunzeln über bie Gesichter der Umstehenden ging, als ein älterer Berliner — wahrscheinlich ein Weltkriegsteilnehmer — die französisch-polnische Kanone sanft streichelte und sich äußerte: „Siehste Freundchen, nu haben wir dir doch bekommen!"
Vertragstreue muß gewahrt werden.
Der Leiter der Reichswirtschaftskammer hat einen Aufruf an die Wirtschaft erlassen, der auch in Kriegszeiten die unbedingte Wahrung des Grundsatzes der Vertragstreue als Voraussetzung für einen geordneten Ablauf des wirtschaftlichen Geschehens fordert. Geschlossene Verträge jeder Art seien mit peinlichster Genauigkeit zu erfüllen. Niemand dürfe versuchen, sich unter Berufung auf die Veränderung der Verhältnisse und die für ihn eingetretenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Erfüllung feiner Verpflichtungen zu entziehen. Die Verbundenheit zwischen Lieferant unb Abnehmer zu einer Ver- trags gern einfcb oft müsse sich daburch bewähren, daß ber Lieferant jegliche Verschlechterung der Zahlungs- und Lieferungsbedingungen, die schon nach ber Preisstoppverorbnung unzulässig sei, vermeidet und den Umstellungsschwierigkeiten seiner Kunden Rechnung trägt, daß aber andererseits der Abnehmer nicht versuche, die kriegswirtschaftlichen Verhältnisse als Vorwand für bie Nichterfüllung von Verpflichtungen zu benutzen. Die beutsche Wirtschaft habe gerade jetzt den Nachweis zu erbringen, daß sie auch unter ungewöhnlichen Umständen ihr Leistungsvermögen und ihre Einsatzfähigkeit erhält.
Aus aller Wett.
Bibliotheken zum Geschenk gemacht wer^
Ausdehnung des Hochwassers in ANlkelenglan-.
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INernling-Gemälde
kehren aus Belgien nach Deutschland zurüik.
Nachdem die große Ausstellung der Bildwerk» des deutsch - flätnischen Malers Memling Brügge ihre Pforten geschloffen hat, werden nun! die von Deutschland zur Verfügung gestellten Ü der nach dem Reiche zurückgesandt. Sie sind in An>! Wesenheit von zwei deutschen Vertretern in einen- besonderen Eisenbahnwagen verladen worben. Unter den beutschen Leihgaben befanden sich einige fori schönsten Werken Memlings, darunter der be. rühmte Lübecker Altar.
Eigenartiges Unglück in der Slowakei.
In einer Ledergerberei in Palucze in ber Noch, flowakei hatte eine Gruppe von zwölf Arbeit!n> den Auftrag erhalten, eine Grube, in der Leder gereinigt wird, aufzuräumen. Als die Arbeiter ins bie Grube stiegen, um das vorhandene W aff er an zuschöpfen, wurden sie ohnmächtig stürzten in den Schlamm. Die Rettungsgesellsch mußte eingreifen unb die vergifteten zwölf beiter ins Krankenhaus schaffen. Drei 2Irbeif starben an den Folgen der Vergiftung. Die beren dürften mit dem Leben davonkommen, glaubt, daß sich in der Grube giftige Gasee gesammelt haben.
Ein schwarzer Tag für die amerikanische Luftwaffe.
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3600 deutsche Bücher für italienische Bibliothek^
Botschafter von Mackensen hat dem Minister su, Volksbildung A l f t e r i und dem Erziehungsm^ fter Bottöi je eine in blauem Leder gebunbej Pergamenturtunde Überreicht, mit ber aus i)et' Bestäuben ber GroßenDeutschen Buch! ausstellung in Rom vom Mai bieses fairer ben beiben italienischen Ministern 2000 bzw. M Bücher zur Verwertung in italienische,i
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Das Hochwasser in Mittelenglgnb hat sich j< von Buckinghamshire auch auf Bedforbshir» ausgedehnt. Drei Dörfer find von der Um, weit vollkommen abgeschnitten. In Stadt Bedford steht bie Brücke brei Fuß unter Wasser. Die Straße nach Bedforb ist völlig über« schwemmt und unpassierbar. Zahlreiches Vieh js, in ben Fluten umgekommen.
gestürzt. Die Besatzungsmitglieder kamen dabei uw Leben. Ein weiteres Bombenflugzeug ist fünfzehn! Meilen nordöstlich von San Diego gegen eiiur Berg gestoßen und zerschellt. Die vierköpfige Ä« j satzung wurde getötet.
Freihändig in den Tod gefahren.
Der Unfug des freihändigen 9t ab f a rens forderte in Kirnsulzbach an der N erneut ein Menschenleben. Ein 15jähriger Junge aite Bärenbach fuhr steihändig mit seinem Rad auf Straße nach Kim; dabei wurde er von ein Au t o überholt. Als ber Wagen in gleich Höhe war, bog der Radfahrer plötzlich zur Straßsn- mitte, flog gegen das Auto und wurde auf £tr Stelle getötet. Der Autofahrer wollte, als er toas Unglück kommen sah, zur Seite ausbiegen. Mei überschlug sich der Wagen zweimal unb stürzte 2« Straßenböschung hinunter. Die Insassen tarnen nnt leichten Verletzungen davon.
Zu Tode gestürzt.
Auf dem Oberlahnsteiner Bahnhofsgelände mir eine-Frau dem Personenzug entstiegen. Als sie am Packwagen noch Gepäck abholen wollte, geriet sie in der Dunkelheit über bas Bahnsteiggelänbe hina us und stürzte an einer nahegelegenen Straßenüb-r- führung etwa 4,50 Meter ab. Die Frau erlitt W schwere Verletzungen, bie ben sofortigen Tob herb-i- führten.
Ueber dem Marray-See an der Küste Kaliforniens bei San Diego sind zwei Bombenflug' zeuge des Flugzeugträgers „Lexington" in b-r Luft zusammengestoßen und brennend -ab-
Die Urkunde für Minister Alfieri ist von Rcitzj propagandaminifter Dr. Goebbels, die für Ministq Bottai ist von Reichsaußenminister von Ribben«! trop unterzeichnet.
Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte
Von Ernst von Riebelschüh.
Wir haben unseren ständigen Mitarbeiter Ernst von Niebelschütz gebeten, seine „Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte" auch in der Kriegszeit weiterzufchreiben. Diese liebenswürdigen Plaudereien haben unseren Lesern immer viel Freude bereitet unb wir hoffen, baß bies auch weiterhin ber Fall sein wirb. Wenn auch ber Krieg Gebauten unb Kräfte eines jeden auf die schicksalhafte Aufgabe lenkt, bie unserem Volke von ber Geschichte gestellt wirb, so bebürfen wir boch ber Ruhe- punkte, um neue Kraft zu schöpfen, unb in biefen Augenblicken wollen bie „Ranbglossen zur kleinen Zeitgeschichte" gelesen werben.
In einer Zeitung würbe bie Frage aufgeworfen, ob bie zunehm-enbe Verhunzung unserer Schriftsprache nicht auf ben Umftanb zurückzuführen sei, baß wir in ber Lebensschule diejenige Klasse, in welcher noch unsere Großeltern sich ben ungesucht guten Stil bei ber Abfassung ihrer Lie - beskorresponbenz mühelos aneigneten, zu überspringen pflegen. Die Liebe ber Geschlechter ist heute auf weniger zeitraubende Kommunikationsmittel angewiesen unb sicher ist, daß ein Telephongespräch den nächstliegenden Zweck ebenso gut, wo nicht besser, erfüllt als sechsseitige Liebesbriefe mit den Versicherungen ewiger Treue unb Ergebenheit. Man ist auch in ben Beziehungen bes Herzens sachlicher geworben, man schreibt nicht mehr als unbebingt erforberlich ist, unb wir hätten keine Ursache, diese Enthaltsamkeit zu bedauern, müßten wir nicht befürchten, daß unsere Literatur innerlich umso ärmer wird, je mehr der Liebesbrief alten Stils, will sagen der echte, aus den natürlichsten menschlichen Empfindungen ungekünstelt hervor- sprudelnde Liebesbrief, in Abgang kommt. Er war, ohne es zu wollen, ein Erzieher zum guten Stil, insofern man darunter eine Ausdrucksweise versteht, deren Wert in der subjektiven Wahrheit unb Aufrichtigkeit bes Mitgeteilten liegt, worauf bei jeber Schriftstellerei am Enbe boch alles ankommt. Es gibt Liebesbriefe ber Vergangenheit, die wir mit Recht zu den Juwelen deutschen Schrifttums zählen: Bismarcks Briefe an feine Gattin, Moltkes Briefe an die Braut, Mörikes Briefe an Luise von Rau, von Goethe gar nicht zu
reden — alles Dokumente, die — von Mensch an Mensch gerichtet und für kein drittes Augenpaar bestimmt — einer Zeit angehören, in welcher auch das Briefschreiben eine Kunst war. Könnte es nicht wieder eine werden? Die Entscheidung steht bei denen, die sich das Beste zu sagen wissen, was es in ber Welt gibt.
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Der Dieb des kleinen Watteau-Ge- mälbes, bas unter bem Namen „L' Inbiff - r e n t" Weltruhm genießt, hat sich, wie mitgeteilt, bem Pariser Untersuchungsrichter selbst gestellt und dabei seinen Raub großherzigerweise wieder abgeliefert. Somit wäre denn alles in schönster Ordnung bis auf den springenden Punkt, der darin zu erblicken ist, daß die monatelangen Nachforschungen ber französischen Justiz nicht imstanbe gewesen sinb, ben Dieb, ber fünf Minuten vom Tatort entfernt in einer Dachkammer hauste unb mitsamt bem gestohlenen Bilde völlig unbehelligt geblieben ist, ausfindig zu machen. Stoff für eine Krimmal- fomöbie, beren pikanter Inhalt noch burch ben Um- ftanb vermehrt wirb, baß ber Dieb bas Gemälde nur deshalb entwendet haben will, um der Welt Zu zeigen, mit welcher Leichtfertigkeit bie Restauratoren bes Louvre-Museums bei ber Wieberher- stellung alter Bilber angeblich zu Werke gehen. Er,^ Serge Boguslawsky, verfüge über weit zuverlässigere unb wissenschaftlich einwanbfreie Rei.ri- gungsmethoden, unb so habe er bann während ber beiben Monate, in denen halb Europa nach dem verschwundenen „Indifferent" erfolglos durchsucht worben fei, in aller Seelen ruhe bas Bilb auf feinen Originalzustanb gebracht, wofür ihm die Louvre-Direktion — benn bas ist bie Schlußfolgerung — boch nur bankbar fein könne. Ist sie auch, ba sie beim Empfang bes Raubes halb wibermiüig, aber mit gutem Humor eingestehen mußte, Boguslawsky habe seine Sache gar nicht schlecht gemacht. Aber ist es wirklich bas' echte Bilb? Wäre es nicht durchaus vorstellbar, daß der Dieb, der sich als einen besonders geschickten Restaurator ausgibt, den Watteau zum Verwechseln ähnlich kopiert, bas Original aber längst in Sicherheit gebracht hat? Ist er bloß ein harmloser Sonber- ling, ber von sich reben machen unb um seiner fixen Idee willen gern zwei Jahre ins Gefängnis wandert, ober ist er ein in allen Oelfarben der alten Meister gründlich gewaschener Betrüger? Fragen über Fragen, über die sich die Gemälde- sachverständigen weiter den Kopf zerbrechen mögen, während mir uns mit ber viel einfacheren Aufgabe begnügen dürfen, mit leichtem Schmunzeln einen Fall zu registrieren, der in der langen unb an
Ueberraschungen reichen Geschichte der Museums- diebstähle unbedistgt zu denen gehört, die zu originell sind, um alle Tage passieren zu können.
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Eine Gemeinde in Sachsen hat ein Mittel erfunden, um den Wichtigtuern, die es nicht lassen können, alten Burgen oder Aussichtstürmen durch E i n r i tz e n ihres werten Namens eine erhöhte Bedeutung zu verleihen, wirkungsvoll zu Leibe zu gehen. Es ist dies eine Unsitte, die durch ihr ehrwürdiges Alter bisher noch nicht zur Sitte geworden ist und auch keine Aussicht hat, es zu werden, da sie allein bem Geltungsbedürfnis derer entspringt, die sich auf keine andere Weise der Mit- und Nachwelt in empfehlende Erinnerung zu bringen wissen. Am harmlosesten sind noch' die Liebespaare, die Grund haben, sich mit den Anfangsbuchstabens ihres Namens zu bescheiden und dem Burggespenst in Gestalt eines Herzens ihr süßes Geheimnis anzuvertrauen. Freilich sind sie eben darum auch weniger leicht zu identifizieren als die anderen, die es, anspruchsvoll, wie sie einmal sind, unter dem vollen Namen nebst Herkunftsbezeichnung nicht zu tun pflegen. Gegen diese richtete sich nun die Fahndungsaktion ber erwähnten Ortsgemeinbe. Sie ließ eine große Anzahl solcher eingeschriebener Namen sammeln, und in vielen Fällen, wo bie Nachforschungen erfolgreich waren, würben bie betreffenben amtlich aufgeforbert, sich am Tatort einzusinben und ihre Namensmschrift eigenhändig wieder zu entfernen. Da im Weigerungsfälle Strafanzeige angedroht war, konnte sich niemand entziehen. Eine Kur, von der man annehmen darf; daß schon ein einmaliger Gebrauch vor Rückfällen schützen wirb.
Erfindungsarme Völker.
In einer Abhandlung über den „Erftnd-ungsre'ich- tum der arischen Urzeit" in ber Zeitschrift „D e u t s ch l a n b s Erneuerung" stellt Universitäts-Professor Dr. Ernst Schultze fest, daß es auch ausgesprochen erfindungsarme Völker gibt, zu denen vor allem die Semiten gehören. Sie haben sich stets darauf beschränkt, die Elemente ihrer technischen Zivilisatton von anderen Völkern zu übernehmen. „Daraus erklärt sich auch der Befund der Ausgrabungen in Palästina. Der irische Gelehrte Macalister, ber an leite über Stelle daran beteiligt war, bekundet es: wenn man dort die übereinander gelagerten Schichten einer alten Stadt aufbede, so bemerke man in einer Grabungs
schicht, wie ein fremder Einfluß die gesamte KuDk des dadurch gekennzeichneten § ei träume s machünrll hebe; aber in ben dann folgenden Geschlechte li nehme dieser Einfluß schrittweise ab, bis er gämy lich verschwinde. Später mag sich dasselbe wiebet holen: von außen her wird die Kultur mit eine® Nuck gehoben — indessen schon nach wenigen Oe* schlechtern versandet sie abermals. Niemals hat es in Palästina — so urteilt Macalister — einen ein geborenen Töpfer gegeben, der auch nur bas t»1 scheidenste neue Muster für feine Wasserkrüge erfunden, niemals hat dort ein Waffenschmied geleit der das Modell eines neuen Schwertes oder eiraet neuen Pfeilspitze entworfen hätte. Die heutig Bauern in Palästina leben in Häusern, die m Stil unb Bau so gut wie völlig denen gleichen die dort um 2000 v. Ehr. den Bauern dienten/ i
Umstellung des Films.
Die heutige Zeit erfordert auch eine UnistellMS bes Filmschaffens. Sie besteht nicht barin, baß füll'« tig weniger probuziert wirb. Umstellung heißt hie-rh Einstellung auf die Wirklichkeit des deutschen bens. Dr. Gressiker schreibt darüber in der Zeitschrri „Der deutsche Film": „Der Film hat bem deutschen Volk Sehenswerte zu vermitteln, — Werk:, die das Lebensgefühl, die Kraft, das Empfinden un) bas Denken bes Volkes bereichern. Das ist feine Aufgabe, nichts anderes. Damit ist schon gesagt, bati bas Volk nun nicht etwa in sturer, mißverständlicher Strenge mit einer Masse lederner Problem« filme bearbeitet werden soll. Die Vielfalt, die FüOr und die Elastizität bes Filmschaffens ist nicht flü verengen, sondern zu erweitern. Und unter bei Lebenswerten, beren das Volk bedarf, ist einer wichtigsten ber Humor. Der Humor — das heißt aber nicht: öbe Humorifttk, ranzige Spaßmachere, bas heißt nicht: traniger Trall, nicht Klamauk um) Klamotte. Das alles sind Abfälle, find Schlacken te? Witzes. Das alles bringt bem Volke nicht das, nxn3 es braucht. Der Humor kann sich in Schwank um) Poffenkomik ausdrücken wie auf der gehobene4! Ebene des Lustspiels und der Komödie: humorvm ist nicht identisch mit dem zimperlichen Begriff komisch". Der Humor, als eine gesunde, bejahend und befreiende Haltung zur Problematik des Dc« seins, kann sich naiv unb geistig, grob unb W äußern. Aber alles, was er erzeugt, wird, und Ist es auch in grotesker Form, den Stempel ber 2s« benswirklichkeit, bas Siegel wahrhaftiger MenjH lichkeit tragen."
kiihne


