Ausgabe 
21.6.1939
 
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Nr. 142 Erstes Matt

189. Jahrgang

Mittwoch, 21. Juni 1939

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i seil Anfang Mai ein toter Platz. Die Lan­der Japaner bezweckt eine weitere Bet-

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Bukarest, 20. Juni. (Europapreß.) Am Diens­tagnachmittag wurde in den neuerbauten Ausstel­lungshallen am See von Herestrcm die Internatio­nale Arbeite- und Freizeit-AusstellungArbeit und Freude" feierlich eröffnet. Der Feier wohn­ten in Anwesenheit des Königs und der rumänischen Regierung zahlreiche Mitglieder des Diplomatischen Korps und Abordnungen Deutschlands, Italiens, Frankreichs, Englands, Polens, Belgiens, Schwe­dens, Portugals, Jugoslawiens, Bulgariens und der Türkei bei. Reichsleiter Dr. Ley war gleichzeitig als Präsident desInternationalen Zentralbüros Freude und Arbeit" anwesend, mit ihm der Vize­präsident Hauptamtsleiter S e l z n e r und General- ekretär Dr. Manthey. König Carol betonte,

Die Moskauer Verhandlungen sind bekanntlich seit Freitag voriger Woche immer noch nichts wieder ausgenommen worden, weil, wie bereits mehrfach berichtet, die Frage der schrift­lichen Fixierung der britischen Ver­pflichtungen im Fernen Osten irrt Falle eines sowjetrussisch-japanischen Konfliktes den briti­schen Unterhändlern so unangenehm ist, daß sie bis­her sich noch nicht dazu entschließen konnten, diese sowjetrussische Forderung anzunehmen. Als ebenso unangenehm aber empfindet man es in London, daß dieses peinliche Dilemma der britischen Außen­politik von der deutschen und der italienischen Presse schonungslos a u f g e d e ck t worden ist. Daher hat man auch die Wirkung des eigenen mehr als zweifelhaftenDementis" gar nicht erst abgewartet und die sowjetrussische AgenturTaß" nunmehr ebenfalls zu einem ähnlichenDementi" veran­laßt, in dem aber nach altbekannter Methode wiederum etwas dementiert wird, was nie zu­vor behauptet war, um dadurch die wahren Tatbestände vergessen zu lassen. Denn niemals hat eine deutsche Zeitung von der Garantie der sowjet- russischen Fernostgre'nzen gesprochen, wohl aber den Tatsachen entsprechend von der schriftlichen Fest­legung der britischen Hilfeleistung für Sowjetrußland im Falle eines Konfliktes mit Japan, was mit einer

Schanghai, 21. Juni. (DRV. Funkspruch.) Das japanische Hauptquartier gibt bekannt, daß japanische Truppen unter dem Schuh von Kriegs­schiffen am rNittwochmorgen bei Hellwerden in der Nähe von Swatow in der füdchine- sifchen Provinz Kwangtung gelandet sind. Die Japaner stießen auf keinen nennenswerten wider­stand und rückten schnell in Richtung Swatow vor. Die Landung war an mehreren Stellen bei anfangs stark bewegter See vorgenommen worden. Die Hafenstadt Swatow, über die noch anfangs dieses Jahres ein bedeutender Export nach Hong­kong ging, war infolge zahlreicher Luflbombarde-

sämtlichen anderen sozialen Leistungen auf diesem Gebiete, die schon bisher hohe Anerkennung des Auslandes aefunden haben.

Dr. Ley hielt auf einem Empfang beim rumäni­schen Arbeitsminister Ralea im Anschluß an die Eröffnung der Ausstellung eine Rede, in der er sagte: Wir treiben keine Politik für oder gegen Nationen. Wir hoben allein die Freude auf unser Bonner geschrieben und wissen, daß die Freude bei allen Völkern Eingang hat. Ein portu­giesischer Minister sagte:Nachdem ich sehe, daß Sie wirklich die Freude auf Ihren schönen Kraft- durch-Freude-Schiffen hergebracht hoben, habe ich die Ueberzeugung gewonnen, doß auch Sie den Frieden wollen, denn wer Freude bringt, muß auch den Frieden lieben." So wollen wir alle auch den Frieden lieben und fördern. Aber mit der Freude allein ist das Leben nicht getan. Eine Vor­aussetzung der Freude ist die Arbeit. Die Ver­bindung von Freude und Arbeit ist der wirkliche Sinn des Lebens. Wer die Arbeit und die Freude

Wärme. Früher wurde er auf Flaschen gefüllt. Das rentiert'sich jedoch nicht. Er war auch nicht sehr beliebt, denn er konnte nicht fürSchorle" ver­wendet werden, weil sein starker Eisengehalt den Wein verfärbte. An Wochentagen wird die Kohlensäure, die der Sprudel in seinen Eruptionen frei macht, für industrielle Zwecke abgeführt. Don Samstagnachmittag bis Montagfrüh ruht die Ar­beit, und dem Sprudel wird der Wtg freigegeben. Das Schauspiel lockt stets viele Besucher auf die

ebenso verzweifelten wie stümperhaften Dementier­oersuche der Londoner Presseregie können jedoch in keiner Weise über den toten Punkt in den Moskauer Verhandlungen hinwegtäuschen, der sich

schärfung der Blockade an der süd- chinesischen Küste. Das japanische Außen- amt veröffentlicht eine Erklärung, nach der die Landung nur militärischen Charakter trage und die Rechte und Interessen dritter Staa­ten unberührt blieben. Japan hoffe ernstlich, daß dritte Staaten die wirklichen Absichten Japans erkennen und alles vermeiden, was unoorher- gefehene Zwischenfälle Hervorrufen könnte. Das japanische Hauptquartier erklärt, daß jetzt die Blockade der Küste Südchinas durch-, geführt werden könnte, nachdem neben der Sperrung von Kanton, Amoy und des Jangtse der wichtigste Versorgungshafen für Tschiangkaischek ftiHgelegt worden fei.

Freude und Arbeit.

Oie Freizeit-Ausstellung in Bukarest eröffnet.

liebt, muß die Eigenart der Völker achten. Wir sind überzeugt, je nationaler ein Volk, desto sozialistischer ist seine Haltung. Nationalismus und I Sozialismus gehören zusammen, denn allein >dieser Kombination kommt der Erfola.

Der tote punkt in -en Moskauer Verhandlungen

London inszeniert noch einDementi".

daß die Ausstellung ein Zeichen der neuen Zeit sei. Das neue Regime werde sich der Arbei­terschaft auf allen Lebensgebieten mit aller Energie annehmen. Er vertraue auf die rumänische Arbei­terschaft, auf ihre Arbeitskraft und Vaterlandsliebe, auf der sich die Zukunft Rumäniens aufbaue.

Im Deutschen Pavillon wurde der König von Dr. Ley geführt, der die notwendigen Erläuterungen gab. Deutschland, bietet einen vollständigen lieber= blick überKraft durch Freude",Schönheit der , - -

Arbeit", die sozialen Einrichtungen der DAF. und'dieser Kombination kommt der Erfolg.

Japanische Landung in Swatow

Vollständige Blockade der südchinesischen Küste.

Superlative aus Andernach

Von unserem A. M.-Miiardeiier.

Andernach, im Juni 1939. '

Da liegt in glühend heißer Sonne die kleine - Stadt Andernach am Rheine, allen Rheinländern 1 und Rheinlandfahrern bekannt durch den alten \ Krahnen", der bis zum Weltkrieg noch seinen 1 Dienst getan hat, jetzt aber dasGnadenbrot" be- kommt. Im Rucken der Stadt ragt der K r a h n e n- b e r g empor, der dem Krahnen seinen Namen ver­dankt und so steil ist, daß die meisten Menschen ihn gutwillig zu Fuß nicht besteigen. Aber die Bahn, die hinauf fährt, wird eifrig benutzt. Sie ist die erste Überraschung in Andernach, denn sie ist die einzige hydrauliche Bergbahn Großdeutschlands. Zwei Wagen ziehen sich gegen­seitig: Das Gewicht des mit Personen beladenen Gegenwagens wird ausgeglichen durch Wasser­behälter und ihren Inhalt im Gegenwagen, der sich in seinem Gewicht tiad) der Zahl der heraufzu­ziehenden Personen richtet. Die Bahn wurde 1895 . gebaut. Die Strecke ist 825 Meter lang und über- , windet 83 Meter Höhe mit einer größten Steigung . von 1:4. Herrlich ist der Blick von der Höhe auf den ewigen Strom, auf die (Eifelberge, auf die kleinen Nester, die sich in schmalen Quertälern des Rheins hinziehen.

Nur 14 000 Einwohner hat Andernach, aber es kann auf eine ganze Reihe von Superlativen An­spruch erheben. Vor allem hat es eine, sehr beacht­liche Industrie. Trotzdem sieht man vonIn­dustrieanlagen" nicht viel mehr als ein paar spaßig bef)ütete" Schornsteine von Mälzereien, wo Malz hergestellt wird für Brauereien, Malzkaffee und viele andere Zwecke. Immerhin, Mälzereien gibt es auch anderswo und nicht nur am Rande Andernachs sind weite Felder mit Gerste, dem Grundstoff für Malz, bebaut. Aber die Malzindu­strie ist hier in ihrer Entstehunggeologisch" bedingt: die ausgedehnten Basaltstein­brüche, die teilweise im Untertagebau abgebaut werden, schufen günstige Lagerungsmöglichkeiten für Natureis, ehe man die Herstellung künstlichen Eises für Jndustriezwecke kannte. Von den mehr als 20 Mälzereien der Vorkriegszeit sind noch drei übrig geblieben.

Man sieht es der kleinen Stadt nicht an, daß sie uie größte Schlafzimmerindustrie Groß deutschlands besitzt. 1 500 Schlafzimmereinrichtungen werden monatlich hier hergestellt, und daß sie gut sind, geht schon daraus hervor, daß eine gesamte Monatsproduktion auf der Leipziger Messe verkauft worden ist. Für die Herstellung der Schlafzimmer braucht man Holz, und so haben hier auch riesige Sperrholzfabriken und Sägewerke ihren Platz. Die gesamten Türen für das Olympische Dorf hat Andernach geliefert. In der Industrie sind hier 800 Menschen beschäftigt, die zum Teil aus der Umgebung kommen. Außer der Mälzerei gibt es noch andere geologisch bedingte Industrien. Sahin gehören vor allem die Steinindustrien, die den Eifel­bims, Basalt u. a. verarbeiten.

Der Fremde sicht meist nur die entzückenden An­lagen am Rhein. Wenige nur schenken dem alten Gemäuer einen Blick, und doch ist die wuchtige Stadtmauer wert, betrachtet zu werden. 800 Meter sind noch erhalten. Es ist die ursprüngliche Mauer des römischen Castells, dem Andernach seine Entstehung verdankt. Die Stadt hat die an­liegenden Häusex angekauft, sie werden Zug um Zug, so wie neue Siedlungswohnungen entstehen, abgerissen, die Mauer wird freigelegt und mit einem Grüngürtel umgeben, der eine weitere schöne Stätte im Stadtbild abgeben wird. Neben dem alten Krah­nen ist derR u n d e Turm" ein Wahrzeichen des alten, wehrhaften Andernach. Er stamint aus dem Jahre 1448 und ist Zeuge der Raubkrieg ae- wesen, mit denen Frankreich das linke Rheinufer immer wieder überzogen hat. In einer Aprilnacht des Jahres 1689 versuchten die Franzosen vergeblich, ihn zu sprengen. Die Narben, die er davontrug, sind noch heute sichtbar.

Zu den beliebtesten Ausflugsorten gehört ein weiterer Superlativ: der größte kalte Gey­sir Europas: der Namedysprudel! Mancher Rheinfahrer wird sich noch des wüsten Treibens erinnern, das der kommunistischeFalken­orden" auf der Insel entfaltete, als sie in jüdischem Privatbesitz war. /Riesige Steuerschulden veranlaßten den Staat nach dem Umbruch, die Insel zu beschlag­nahmen. Der Staat übergab sie der Stadt Andernach in Verwaltung, die nun bestrebt ist, hier eine ,Hnsel der Seligen" zu schaffen. Sie ist unter Naturschutz gestellt, und das verdankt sie vor allem dem Namedys prüde l. Man weiß noch nicht mit Sicherheit, ob der Ausbruch des Sprudels darauf zurückzuführen ist, daß sich vorhandene Kohlensäure sammelt, bis der Druck so stark ist, daß eine Explosion erfolgt, oder ob sich die Kohlen­säure ständig chemisch neu bildet. Allerlei Beob- achtunaen stützen die erste Theorie: Kohlensäure ist ja in der ganzen Rheingegend vorhanden, em Zei­chen der vulkanischen Entstehungsgeschichte. Das be­nachbarte Brohltal hat sich kürzlich auch Bohrungen gefallen lassen müssen, dort sprang ein Sprudel ein Mal und dann war es aus. Aber man wird ihn nicht in Ruhe lassen.

Die mächtige Wassersäule des Namedy-Sprudels springt, wenn die Verhältnisse besonders günstig sind, bis zu 90 Metern, durchschnittlich be­gnügt sich der Sprudel mit einem Sprung von 60 bis 70 Meter. Immerhin hat er aber auch einen gewaltigenAnlauf", denn er kommt aus einer Tiefe von 364 Meter! Man sollte eigentlich an- nehmen, daß er, wie die benachbarten Sprudel bei Niederbreisig und Hönningen, auch warm sei, aber er hat nur eine Temperatur von 14 bis 16 Grad

natürlich angesichts der wachsenden britisch-japa­nischen Spannung in der Tientsin-Frage für die britische Außenpolitik von Tag zu Tag unangeneh­mer auswirkt.

Londons Hoffnungen.

London, 21. Juni. (Europapreß.) Zum ersten Male seit Beginn der englisch-sowjetrussischen Ver­handlungen hat Moskau ein propagandistisches Ma­növer seines englischen Partners zur Vertuschung des augenblicklichen Verhandlungsstadiums gedeckt. In London zeigt man sich deshalb sichtlich erfreut über die am Dienstag in Moskau veröffentlichte amtliche Erklörung. Dem englischen Kabinett dürfte bei seiner wöchentlich stattfindenden Mittwochs­sitzung ein Stimmungsbericht des britischen Bot­schafters in Moskau, 'Sir William Seed s, vor­liegen. Der Botschafter hatte am Dienstag eine längere Unterredung mit seinem französischen Kol­legen in Moskau, Naggiar; William Strang war anwesend. Da seit fünf Tagen die englischen, französischen und sowjetrussischen Partner in Mos­kau nicht mehr zufammengekommen sind, hofft man in London, die englisch-französische Fühlungnahme des Dienstags möge die Wiederaufnahme der Gespräche mit Molotow einleiten. Es ist die Rede davon, die nächste Zusammenkunft zwi­schen Sir William Seeds und Molotow werde dem Austausch offizieller Paktausarbeitungen dienen. Dabei spricht derDaily Herald" von der Möglich­keit, daß Molotow einen von ihm persönlich aus«

Insel. Manchmal wird der Sprudel nachts durch Scheinwerfer beleuchtet. Seit 1903 springt er, atfer noch weiß man nicht, wovon die Zwischenräume von 6 bis 8 Stunden abhängig sind, in denen er seine Wassermassen in die Luft schleudert. 40 000 Liter Wasser fördert jeder Ausbruch zu Tage, der jedesmal etwa 7 bis 8 Minuten dauert. Baum- und Buschwerk verdecken fast die Kessel, die die Natur­kraft ausnutzen. Rauschende, hochstrebende Pappeln geben diesem schönen Fleckchen Erde das Gepräge. Die. Stadt Andernach ist bestrebt, hier vorbildliche Kuranlagen zu schaffen. Losgelöst von Hast und Hetze des täglichen Lebens genießt man hier die Schönheiten, die die Natur verschwenderisch spendet.

Moskau, 21. Juni. (DNB.) Die Sowjetrussische Grenzgarantie nicht das mindeste zu tun hat. Diese NachrichtenagenturTaß" veröffentlicht ein nor,ifoifo« mi» fhimnprhnffpn Nementter-

Dementi zu den Meldungen deutscher Zeitungen, daß in den Besprechungen mit England und Frank­reich die Sowjetregierung auf einer fogenanmen Garantie ihrer F e r n o st g r e n z e n " be­stehe und daß diese Garantie das gegenwärtige Hindernis des Abschlusses eines Uebereinkom-

Anschluß verpaßt!

Dementis, die keine sind.

Bon unserer Berliner Schriftleiiung.

Ein großes französisches Blatt in Kanada hat sich vor einigen Tagen die Mühe gemacht, die gehei­men britischen Propaganda Methoden einer genauen Untersuchung zu unterziehen, und da­bei festgestellt, daß die angebliche Freiheit der briti­schen Presse tatsächlich nur eine Legende sei, die einstmals zu dem Zwecke geschaffen wurde, die un­wissenden Völker zu betören und für den Weltherr­schaftsanspruch der Briten empfänglich zu machen. Diese journalistische Entdeckung eines unabhängigen Franco-Kanadiers sagt uns heutigen Deutschen zwar nichts Neues, aber sie gibt uns einen weiteren Be­weis dafür, daß die heuchlerische Propagandataktik der Engländer nicht nur von den erwachten Natio­nen Europas und Oftasiens durchschaut wird, son­dern auch in den übrigen Weltteilen ihre Zugkraft mehr und mehr verliert.

Wie hilfslos und plump die englifche Agitation, wie unzuverlässig und rückständig das englische Nachrichtensystem geworden ist, haben gerade die letzten Tage wieder gezeigt. Bekanntlich erfuhr die Welt zuerst aus deutschen Presseberichten die be­merkenswerte Tatsache, daß in den jüngsten eng­lisch-sowjetrussischen Paktverhand­lungen eine neue Krise deshalb eingetreten war, weil Moskau den Tientsin-Konflikt zum willkommenen Anlaß anhm, um von den Englän­dern nicht nur die bereits zugestandene Mit- garantie der baltischen Staaten, sondern auch die Verpflichtung zuin Schutz der sowjetrussischen Ost- arenzen, d. h. zur militärischen Hilfeleistung gegen Japan zu fordern. Erst drei Tage später wagte es die britische Presse, ihrer Leserschaft diesen wahren Grund der Moskauer Derhandlungskrise, die ja auf nichts anderes als auf eine totale Kapitulation des Empire vor dem Sowjetreich hinzielt, ziemlich klein­laut mitzuteilen. Mit anderen Worten: die zu Unrecht viel gerühmte englische Propagandakunst hat in einer entscheidenden Phase der weltpolitischen Auseinandersetzung versagt, sie hat ihr Vernebe­lungsmanöver, das den Kniefall im Kreml vor der neugierigen Oeffentlichkeit verbergen sollte, abbre­chen und die führende Rolle in der Lenkung der Weltmeinung an andere Faktoren obgeben müssen.

Vielleicht noch deutlicher aber offenbarte sich der Niedergang der britischen Zauberkünste in der Art, wie die verantwortlichen Londoner Stellen an

gearbeiteten Paktentwurf vorlegen könne.Daily Mail" will wissen, daß Sir William Seeds und William Strang eine neue Formel vorlegen werden, welche die baltischen Staaten und jeden anderen europäischen Staat erfaßt, dessen Unab­hängigkeit bedroht ist. Die Formel ist eine allge­meine Garantie dafür, daß die drei Mächte gemein­sam handeln, um einem Angriff Widerstand zu Ielften. Sie nennt aber keinen Staat besonders beim Namen. Nichtsdestoweniger wird die Formel alle baltischen Staaten, Holland und die Schweiz er­fassen".

DerDaily Telegraph" läßt durchblicken, Sir William Seeds, der britische Botschafter in Mos­kau, sei ermächtigt worden,den sowjetrussischen Wünschen in mehreren Punkten entgegenzu- komme n". Trotz der am Dienstag von dem eng­lischen Außenamt ausgegebenen und anders lauten­den Meldung betont das Blatt, die Sir William Seeds übermittelte Botschaft sei schon allein durch ihren Ton dazu angetan,jede Ursache eines sowjet- russischen Zweifels zu beseitigen" ...Sir William Seeds kann nunmehr kategorische Erklärungen ad- geben und jeden etwa auftauchenden Punkt mit der absoluten Gewißheit diskutieren, daß er mit der vollen Autorität der englischen Regierung spricht. Bisher bestand die Schwierigkeit, der Sow­jetregierung zu versichern, daß England einen An­griff auf die baltischen Staaten als Bedrohung lebenswichtiger sowjetrussischer Interessen belrachtet, ebenso wie England und Frankreich sich durch einen Angriff auf Holland, Belgien und die Schweiz be­droht fühlen. Seit gestern kann keine Rechtfertigung mehr für weitere sowjetrussische Zweifel in dieser Richtung bestehen."

Wenig Zuversicht in Paris.

Paris, 21. Juni. (DNB. Auntspruch.) Im Zu­sammenhang mit den englisch-französisch-sowjetrussi- schen Verhandlungen ist das Barometer der franzö­sischen Presse über Nacht wieder einmal mächtig ge­fallen. Zahlreiche Blätter melden mit unverkenn­barer Enttäuschung, daß von einem Abschluß der Verhandlungen vor zwei ober drei Wochen frühe­stens überhaupt keine Rede sein könne. Nur der Außenpolitiker desPetit Parisien" zeigt sich im Gegensatz zu allen anderen Pariser Blättern von einem etwas krampfhaften Optimismus. Nach den letzten aus Moskau eingetroffenen Nachrichten könne man vermuten, daß die Verhandlungen in Moskau eine günstige Wendung genommen haben, und daß die größten Schwierigkeiten bereits überwunden seien. Die französische Agentur Fournier meldet da­gegen, .in Moskau sei am Dienstag das Gerücht um­gelaufen, daß Strang, der ewigen ergebnislosen Be­sprechungen mit dem Leiter und den höheren Be­amten des Außenkommissariats müde, um eine unmittelbare Besprechung mit Stalin nachgesucht habe. Von sowjetrussischer Seite sei aber dem Vertreter des Foreign Office entgegnet worden, daß die Voraussetzungen für eine Begeg­nung mit Stalin nach der Unterzeich n u n g des Abkommens, wie es von Moskau gewünscht werde, g ü n ft i g e r sein würden.