Ausgabe 
21.3.1939
 
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Nr. 68 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger IGeneral-Anzeiger für Vberheffen)

Dienstag, 21. März 1939

Grundbesitzwechsel in der Franksmier Straße.

Aus der Stadt Gießen.

Frühling - im Schaufenster.

Es ist ein Glück, daß es Schaufenster gibt. Schau­fenster geben nicht nur Kenntnis von der Fülle der zum Verkauf stehenden Gegenstände, sie vermitteln auch geradezu Gemütswerte. Ja, sie zaubern uns manchmal eine Welt vor, die noch gar nicht ist, die aber möglicherweise eines Tages so sein wird.

Gestern stand ich vor einem solchen Schaufenster. Der Wind pfiff gerade recht forsch um die Straßen­ecke, und ich zog meinen Schal etwas fester um den Hals. Männer bezeugen im allgemeinen den Schau­fenstern für Damenmoden kein sonderliches Interesse, aber hier lockte mich doch etwas. Es war das Bild des Frühlings, das dieses Schaufenster in geschmack­voller Weise zeigte. Ein stilisierter Blütenbaum be­ifand sich inmitten der duftigen Verkaufsgegenstände mnd schien die Aufgabe zu haben, alles, was in die Mähe des Schaufensters geriet, von den farbigen Reizen und süßen Ueberraschungen des Frühlings zu überzeugen. Zweifellos ein verdienstvolles Be­imühen angesichts der wenig lenzlichen Witterung, «die eher den Wunsch nach einem heißen Grog als mach sommerlichen Kleidungsstücken wachwerden ließ.

Neben mir stand eine junge Frau mit ihrem vier­jährigen Sohn. Die Frau schien stark beeindruckt ivon den duftigen Kleidungsstücken und musterte ggenau Farbe und Preise, während der Herr Sohn mit großen Augen den Blütenbaum hinter den Scheiben anstarrte.Mutti", sagte er dann plötzlich, was für ein Baum ist das?" Die Mutter hörte zunächst nicht hin, erst auf die abermalige Frage wandte sie sich zu dem Kleinen.Der Baum? Hm, das ist ein Frühlingsbaum." Der Kleine schien Die Antwort zu überlegen.Ein Frühlingsbaum?" erwiderte er dann gedehnt,wächst der nur im Schaufenster oder wächst der auch bei uns im Gar­en?" Die Augen der Mutter musterten die Klei- vungsstücke weiter, während sie sagte:Das ist gar Pein richtiger Baum, Liebling, aber der richtige Frühlingsbaum wächst natürlich in unserem Garten, wenn es erst endlich Frühling sein wird." Nach- »enklich schaute der Vierjährige auf den bunten Baum, derkein richtiger Baum" sein sollte. Mit ünem Male stieß er seine Mutter an:Mutti, wann Pommt denn der Frühling?" Etwas ungehalten nahm ihn die Mutter an die Hand und zog weiter. ,Frag nicht so viel. Junge ..."

Der Kleine bekam also keine Antwort, denn der Mutter fiel es vermutlich schwer, eine zutreffende Antwort zu geben. Aber ist damit das Problem gelöst? Haben wir eigentlich nicht alle ein Recht, *o zu fragen, wie es der nachdenkliche Vierjährige xtt? In den Straßen ist es zumeist so ungemütlich, wie es nur sein kann, und in der Wohnung geht nichts über einen ordentlichen bullernden Ofen. In en Schaufenstern aber triumphieren die Bilder des Frühlings. Es ist ein Glück, daß es wenigstens Schaufenster gibt. H. W. Sch.

Dornostzen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis gegen 23 UhrDer fliegende Holländer". Gloria-Palast, Seltersweg:Prin- isffin Sissy". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ^Fortsetzung folgt". Volksbund für das Deutsch- Lim im Ausland (VDA.): 20.30 Uhr in der Aula !ses Gymnasiums Vortrag Willi BalikKampf und Rot des Auslandsdeutschtums". Cafe Amend: P bis 20 Uhr Modenschau. Frühjahrsmarkt ^chaumefse) auf Oswaldsgarten.

Festkonzert im Stadttheater.

Aus Anlaß der Gießener Goethe-Festwoche findet atn Donnerstag, 23. März, um 20 Uhr, ein Fest- ivnzert im Stadttheater statt. Ausführende sind das i-tädtische Orchester unter Leitung von Professor E Stefan Temesvary; als Solist wurde Erich Neyer-Stephan verpflichtet. Das Programm ,Lht vor: Haydn, Symphonie in D-dur (mit dem fiomfignal), Goethe-Lieder mit Orchester von Beet- boen, Achte Symphonie in F-dur, Werk 93. Das

In der oberen Frankfurter Straße, zwischen der Friedrichstraße und der Klinikstraße, sind in jüngster Zeit mehrere Hausgrundstücke aus privatem Besitz in das Eigentum des hessischen Staates übergegan­gen. Es handelt sich bei diesem Besitzwechsel um Grundstücke, die für den Staat zu geplanten Er­weiterungen bzw. Neubauten für Klinikszwecke dringend notwendig sind. Die Neubaupläne der Re­gierung auf diesem Gebiete sind der Oeffentlichkeit durch die im vorigen Jahre auf der Deutschen Bau- und Siedlungs-Ausstellung in Frankfurt a. M. aus­gestellten Modelle nad) Entwürfen des Hessischen Hochbauamts bereits bekannt geworden

Darüber macht nun auch der Sachbearbeiter, Regierungsbaurat G e r l a ch vom Hessischen Hoch­bauamt Gießen, in dem neuenGießener Univer- sitätsführer 1939" der Oeffentlichkeit nähere Mit­teilungen. Danach handelt es sich u. a. um einen Umbau der Kinderklinik, die jetzt eingeengt hinter der Ecke Frankfurter Straße / Friedrichstraße liegt, und um die Einrichtung eines Schwesternhauses. Ferner sind u. a. Neubauten eines Verwaltungs­gebäudes der Medizinischen Kliniken, eines Rassen-

Die Leiter der Versicherungsämter der größeren Städte Hessens und des Regierungsbezirks Wies­baden, die in der Arbeitsgemeinschaft der Ver­sicherungsämter Hessen und des Regierungsbezirks Wiesbaden^zusammengefchlossen sind, hielten gestern im ,F)otel Schütz" zu Gießen eine Arbeitstagung ab.

Der Vorschende der Arbeitsgemeinschaft, Stadt­amtmann Strauch (Darmstadt), entbot ihnen den Willkommengruß, dankte der Stadt Gießen für die durch die Entsendung eines Vertreters bekundete Würdigung der von den Versicherungsämtern ge­leisteten Arbeit, ferner dankte er Verwaltungsamt­mann K e i tz e r vom Städtischen Sozialamt für die ausgezeichnete Vorarbeit für die Tagung. Bei­geordneter Nicolaus entbot den Gästen den Gruß des Oberbürgermeisters und wünschte den Beratungen einen guten Erfolg.

Zur Beratung stand eine Reihe versicherungs­rechtlicher Fragen. U. a. wurde über das Gesetz über die Altersversicherung des deutschen Handwerks ge­sprochen. Es empfiehlt sich für jeden Handwerker, bei den zuständigen Derficherungsämtern sofort Auf­klärung einzuholen. Es wurde die Bereitwilligkeit der Versicherungsämter zum Ausdruck gebracht, die Handwerksmeister bei dieser entscheidenden Frage eingehend zu beraten.

Weiterhin wurde das 5. Gesetz in der Unfallver­sicherung besprochen, das mit einer Reihe von Not­verordnungs-Bestimmungen aufgeräumt hat und Neuerungen hinsichtlich der Ausdehnung des Per­sonenkreises für den Unfallschutz und Verbesserungen der Leistungen gebracht.

Die für die Gewerbebetriebe wichtige Frage, ob der neben den Leistungen der Krankenkasse dem Ar­beiter oder Angestellten gezahlte Krankenlohn auch für die Beiträge zur Invalidenversicherung in An-

Konzert findet gleichzeitig als 7. Platzmiete-Konzert des Gießener Konzertvereins statt.

Sladklhealer Gießen.

Heute abend findet eine Wiederholung der roman­tischen OperDer fliegende Holländer" von Richard Wagner statt. Musikalische Leitung Parl Walter, Spielleitung Gert Buchheim. Leitung und Einstudie­rung der Chöre Heinz Markwardt: Die Vorstellung findet gleichzeitig als 24. Vorstellung der Dienstag- Miete statt. Ende gegen 23 Uhr.

BOM.-!lntergau 116 Siesten.

DDM. rverk-Gruppe la/116.

Alle Mädel der Gruppe treten am Dienstag, 21.3., pünktlich um 20 Uhr, an der. Schillerschule

politischen Amtes, ein Erweiterungsbau für die Frauenklinik, Errichtung einer Großheizungsanlage, Erweiterung des Wäschereihauses, der Küche der Chirurgischen Klinik usw. geplant.

Als eine besondere Aufgabe wird die geplante Umgestaltung der jetzigen Klinikstraße, die als all­gemeine Verkehrsstraße das Gartengelände der Kli­niken in zwei Teile trennt, bezeichnet.Nach Ent­fernung der hohen eisernen und hölzernen Einfriedi­gungen" so wird in diesem Zusammenhänge mit­geteiltauf beiden Seiten der Straße und deren Ersatz durch niedrige Ligusterhecken mit Nischen für Figuren und Bänke und nach Säuberung von über­flüssigem Baumbestand sollen weite und übersichtige Rasenflächen entstehen, die die drei großen Kliniken, die Medizinische, die Chirurgische und die Frauen­klinik, auch nach außen hin in Verbindung bringen, wobei auch die Beseitigung des viel zu klein geworde­nen Verwaltungsgebäudes und zweier Wohnbauten, die Errichtung eines Torhauses an der Frankfurter Straße und einer das gesamte Kliniksgelände um­fassenden Einfriedigung vorgesehen ist."

sprach genommen werden kann, wurde verneint. Es wurde die einheitliche Auffassung festgestellt, daß ein solcher Lohn nicht als Entgelt, sondern als Für­sorgemaßnahme gegenüber der Gefolgschaft, wie sie dem Wesen des Gesetzes zum Schutze der nationalen Arbeit entspricht, angusehen ist.

Zu der Frage, ob Kriegsbeschädigte, die wegen ihrer Kriegsdienstleistung die volle Leistung Der Krankenbezüge erhalten haben, für die Dauer einer notwendigen weiteren Dienstleistung keinen Anspruch auf den Versicherungsschutz für andere Erkrankungen erwerben können, wurde festgeftellt, daß die Ar­beitsgemeinschaft beim Deutschen Gemeindetag die Forderung erheben wird, daß Kriegsbeschädigten und Unfallverletzten, die ihre Arbeitskraft der Wieder­aufbauarbeit zur Verfügung stellen, ein Versiche­rungsschutz für den Fall ihrer Erkrankung einge­räumt wird.

Im Anschluß an die Tagung unternahmen die Gäste eine Rundfahrt durch die Stadt, wobei ihnen Stadtbaudirektor Gravert nicht nur die Pläne der Altstadtsanierung, sondern auch die geplanten Erweiterungen der Universitätsinstitute erläuterte und ihnen anschließend auf dem Schiffenberg, wo sie Gäste des Oberbürgermeisters waren, einen Ein­blick in die Geschichte des Deutschen Ritterordens gab, soweit sie sich auf die Komturei Schiffenberg bezieht. Beigeordneter Nicolaus dankte ihnen für ihren Besuch und machte sie auf manche Schön­heit der Landschaft und Eigenarten der Besitzver- hältnisse der demnächst zur Eingemeindung in die Stadt Gießen kommenden Gemarkung Schiftenberg aufmerksam.

Die Gäste schieden mit den besten Eindrücken von der aufbaufreuingen Stadt Gießen.

an. Alle Beurlaubungen sind für den Tag aufge­hoben. Ebenfalls haben alle IM.- und BDM.-Fuh- rerinuen, die der Gruppe angehören, anzutreten. Inge Dietrich vom Obergau wird an dem Abend bei uns fein.

Hitler-Jugend Bann 116.

Thealerring der Hitler-Jugend.

Am Donnerstag, 23. März, um 20 Uhr, findet ein Einführungsabend zu der OperDer fliegende Hol­länder" von Wagner statt. Es wirken mit: Anni Affion, Gustav Bley, Heinrich Durst, Kapellmeister Popelka, Dramaturg Winkel. Eintritt gegen Vor­zeigen des Ausweises kostenlos. Ort der Veranstal­tung wird noch bekanntgegeben.

Kuban-Kosaken musizieren und singen.

Die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" hatte mit der Verpflichtung der Kuban-Kosaken zu einem Gastspiel in Gießen vielen Volksgenossen eine große Freude gemacht. Der gestrige Abend wurde zu einem vollen Erfolg. Der große Raym des Gloria-Palastes war bis auf den letzten Platz besetzt.

Der Abend brachte eine Fülle der anregendsten musikalischen und gefanglidjen Darbietungen, dis durch ihre Eigenart der Melodienführung, durch dis reiche Abwechslung des Einsatzes Der stimmlichen und musikalischen Mittel und durch die ungemein sichere Art der Wiedergabe Durd) Die Kuban-Kosaken zu einem schönen Erlebnis rourDen. Dieses Erlebnis beruhte nicht leDiglich auf Der FremDartigkeit, Die Den gesanglichen und musikalischen Vorträgen not- wenDig zu eigen sein muß, sondern zu einem we­sentlichen Teil auf der beDeutenDen künstlerischen Leistung, zu der sich Die Kuban-Kosaken im Laufe Der Jahre emporgeschwungen haben. Die oft gehörte Frage, ob Die Kuban- oDer Die Don-Kosaken ^besser" seien, ist gegenstanDslos geworben. Für uns Deut­sche bleibt nichts anDeres, als Diesen russischen Volks­gesang und die^russische Musik einfach hinzunehmen, ohne in Den Fehler zu verfallen, sie mit Art und Gemütswerten Des deutschen VolkslieDes und Der Deutschen Volksmusik zu vergleichen. Daß Die Dar­bietungen der Kuban-Kosaken nicht an Die innersten Bezirke einer deutschen Seele zu rühren vermögen, liegt nicht an den Liedern und an der Musik und auch nicht an den Kuban-Kosaken, sondern allein an Den völkischen VerschieDenheiten, Die hier zwischen Künst­lern und Zuhörern aufeinanDertreffen. Dem steten Wechsel vom AusDruck Der Schwermut mit Dem Der dunklen und unergründlichen Leidenschaft gewachsen zu fein, fällt nicht immer leicht.

Gestern abend warteten die Kuban-Kosaken< nächst mit Balaleika-Musik auf, in Der sie eine für sie (aus Der Routine heraus) wohl selbstverstanDliche! Meisterschaft bewiesen. Bald aber mischte sich in Die Musik Die menschliche Einzelstimme, Dann Der Chor, bis schließlich Musik und Chor, insbesonDere irrt WolgalieD (Stenka Rasin"), zu einer unlöslichen Einheit rourDen. So hörte man im ersten Teil Des Programms zunächst ein Potpourri, Kaukasische MeloDien, Das erwähnte WolgalieD unD russische Dorfmusik.

Der zweite Teil der Vortragssolge war ausschließ* lich Dem Gesang gewidmet. Es gab Dabei viel Ge-, legenheit, Die Solisten zu bewundern, Deren Stim­men (vom hellsten Tenor bis zum vollen roeidieui Baß) sich plastisch "bor Der Gemeinsamkeit Der Stimmen des Chores abhoben. VolkslieDer, ein Steppenlied und eine alte KlosterlegenDe, ließen etwas von Der Wesensart Des russischen Volkes ahnen.

Die Kuban-Kosaken sangen mit fühlbarer Hin« gebung und ernteten Stürme Dankbaren Beifalls^ Sie mußten sich zu einigen Zugaben entschließen.

Schließlich nahmen sie im letzten Teil ihrer Vor» tragsfolge wieder die Instrumente zur Hand, ließen Stimmen unD Saiten erklingen, steigerten sich int VolkslieDAbendglocken" zur schönsten Darbietung Des Abends, erfreuten mit der Wiedergabe des be­kannten Liedes aus demZarewitsch" (in deutscher Sprache gesungen) und beschlossen Dann den Abend mit einem Potpourri deutscher Jagd- und Volks­weisen. Angeregt verließen Die Zuhörer Das Haus<

Heinrich Ludwig Neuner.

Um das schönste Schaufenster.

NSG. Bet den Anmeldungen zum Diesjähriges Schaufensterwettbewerb sind mehrfach Zweifel ge­äußert worden, ob auch ein Lehrling oder ein junger

esse

Seifer der Versichermigsämier tagen in Gießen.

Nos Möchen fflntit.

Roman von Walther kloepffer.

Topvright byCTotl Tuncker Verlag,VerlinV^Z5

25 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

.Zehn Minuten später schob Tinser vorsichtig den öiiiegel zurück, schlick; auf den Korridor, schloß Die |£ür unD sicherte wie ein mißtrauisches Tier nach eien Seiten. Mochte Gieseke beim Erwachen Den- km, er habe vergessen, Den Riegel vorzuschieben; sulche Unterlassungen unterliefen jedem einmal.

! Tinser tastete sich Den Korridor entlang.

»Es roch nach alter Tapete, nach Küche, nach Aus­guß. Nun stand er dicht vor der Wohnungstür und llilder Triumph füllte fein Herz. Das Geschick war ihm noch einmal gnädig gewesen. Er würde Gaidl bffriedigen und dann lag Der Weg zu einem neuen ßlben frei. Nie, nie mehr, das hatte er sich bereits gi schworen, würde er jemals wieder vom Pfade 6i» Rechts und der Ordnung abroeichen. Man irußte viel zu teuer bezahlen. Diese Tür noch und bctin war die Aufgabe gelöst. Er strich mit Den Fingerspitzen über Das lackierte Holz. Verwünscht ii:5D zugenähl! Eine Sicherheitskette, ein breiter Hsegel, ein Kunstschloß, zwei gewöhnliche Schlösser --es lief Tinser kalt über Den Rücken: Soviel Li rsicht! Waren sie Denn verrückt hier? Es fehlten nur noch Stacheldraht und Legbüchsen. Er überlegte. Üinn konnte von außen unmöglich Kette und Riegel ii Ort und Stelle zurückbringen, während Die vplösser keine HinDernisse bereiteten. Wenn man (rteres aber unterließ, rourDe Die Geschichte zu auf- iiLig. Gieseke schöpfte Dann VerDacht, setzte Hege- n:m'n in Kenntnis, Dieser brachte Das Manuskript n ein Bankschließfach, kurz, es gab allerhanD Ver- ptflungen unD Gefahren, Die GaiDls Plan Durch- »?Mzten. Dieser Kerl aber glich einer Zecke, Die erst libiiel, wenn sie sich vollgesogen hatte. Nein, es pißte ein anderer Rückzugsweg aefunDen werden U Der durch die verrammelte Wohnungstür.

Tinser hatte von unten aus Der anDeren Seite p Hausmeisterwohnung noch ein offenes Fenster pshen, neben Dem eine Dachrinne in Die Tiefe inte. Dachrinne war immer noch besser als Fas- itentletterei. Dieses Fenster lag, wie er wußte, Luen Der Küche. Er tappte geräuschlos durch Den lang zurück, eine Spielerei für einen alten Jäger, fc: sich hunDerte Male auf Das Wild angeschlichen jeette. Tinser gewann Die Küche, Der AusgußDuft n-rDe heftiger unD ein unverDrosfener kleiner Wecker :^te ihm in Die Ohren. Frau Gieseke, Paula und

das MannDerl schliefen schräg gegenüber in Der großen Stube; Diese Kenntnis hatte er von Dem redseligen Gieseke. Der Raum neben Der Küche, Der mit Dem offenen Fenster, war eine Art Aepfelkam- mer unD Aufbewahrungsort für Speisen.

Tinser öffnete miüimeterroeife Die Tür zu Dieser Kammer; zum Glück knarrte sie nicht. Ein starker Geruch nach Aepfeln kam ihm entgegen. Nun war er Drinnen unD schob Die Tür langsam zu. Auch Das gelang. Aber unverschämt Düster war es hier unD Tinser wollte seine Taschenlampe nicht benutzen. Er versuchte seine Augen an Diese ägyptische Finsternis zu gewöhnen, bevor er Den nächsten Schritt unter­nahm. Plötzlich stieß sein Knie an etwas Hartes, Das einen scheppernDen Laut von sich gab: ein gro­ßes Kuchenblech, Das neben Der Tür an Der WanD lehnte.

Schafskopf, titulierte sich Tinser ärgerlich und lauschte. Da knarrte ein Bett, ein Mensch fuhr scharf in Die Höhe unD eine HanD suchte nach Dem Licht­schalter. Es rourDe schlagartig hell, eine Frau saß aufgerichtet mit angftgeroeiteten Augen im Bett und starrte ihn an--Paula Gieseke. Es war schwer

zu entscheiDen, wen in Dieser SekunDe Das größere Entsetzen erfaßt hatte: Das aus einent Dünnen Schlaf gerissene MäDchen Paula oDer Den auf Ab­wegen ertappten Mann Tinser. Dieser stanD mit hängenDen Armen bei Der Tür, feine Miene war bleich und versteinert, und ein Gefühl zuckte durch ihn hin. Das halb Scham, halb Verzweiflung war. Auf seiner Stirn glänzten winzige Schweißtropfen. Jetzt ist alles aus, konnte er geraDe noch Denken, und Dann setzte Das Denken aus.

Paula starrte Den EinDringling noch immer laut­los an. Sie wollte schreien, aber ihre Stimme streikte. In ihren ersten Schreck mischten sich Un­glaube unD Verwirrung. Ein fremDer Mann stanD mitten in Der Nacht in ihrem Zimmer, trug einen merfroürDige« Anzug unD Dieser Mann war Herr von Tinser. Was sollte man Daraus machen?

Was was tun Sie hier?" kam es mühsam von ihren Lippen.

Tinfer ließ pfeifend Den zurückgestauten Atem entweichen. Es Dünkte ihn wie eine Erlösung, Daß cnDlid) Worte fielen unD Dieses Anstarren unD Schweigen zerbrochen rourDe. Nun arbeitete auch sein Hirn roieDer, Das vorhin ausgesetzt hatte, unD Zwar mit Doppelter Tourenzahl. Lieber Gott, laß mich eine AusreDe finDen, irgenDeine, Die nicht gar zu dämlich klingt, betete er 'inständig. Er schluckte, wischte sich mit der Hand über die feuchte Stirn und stotterte:

Ich verzeihen Sie ich ich bin wegen Ihnen gekommen!"

Wieder Stille und Stummheit. Die Frau im Bett ließ die Hand vom Lichtschalter abgleiten, dachte angestrengt nach unD fragte schließlich ratlos: Wegen mir? Wieso wegen mir?"

Ich will es Ihnen erklären. Sehen Sie, ich, ach, Das ist alles so schwer zu sagen, nicht wahr? Also, ich Hebe Sie Doch, Fräulein Paula ..Er blickte verlegen zu BoDen. Sprich doch, Mensch, maßregelte er sich wütend. Die platzt ja vor Mißtrauen. Da mußt reden, irgendeinen Quaftch, der einleuchtend klingt, sonst schreit sie Das ganze Haus zusammen. Er räusperte sich.In Seesham, nun ja in Seesham, da hätte ich Ihnen das natürlich auch schon sagen können, aber da war es noch nicht so weit. UnD letzt­hin war Der Bub Dabei; da ging es auch nicht. Ja und jetzt sind Sie doch schon Drei volle Tage hier und ick) habe es nicht mehr ausgehalten und ich mußte Sie sehen. Man ist eben halb verrückt, wenn es einen so erwischt hat", lächelte er entschuldigend. UnD im stillen Dachte er beschämt: Das ist ja eine hei Hase Schweinerei, die dir da in Der Eile einge­fallen ist.

Paulaus Augen gaben jetzt Den Mann an Der Tür frei und spazierten Die geblümte Be HD ecke entlang. Sie war jetzt ziemlich wach und ernüchtert. Aber was da rings um sie geschah, sah feinesroeg nach Wirklichkeit aus. Ein junger bildhübscher Mensch, ein Herr von Tinser, kam nächtlicherroeile in ihr Zimmer und machte ihr eine Liebeserklärung. Sie ließ Den Verdacht, Der ihr bis jetzt Das Herz abge- Drückt hatte, fallen. Dieser Verdacht hing innig mit Holls fonDerbarem Bericht zusammen, mit Vaters Mahnung, Die Wohnung gut abzusperren, und mit einem sorgsam gehüteten fremden Schlüssel; dieser Verdacht war im ersten Moment nicht von Der Hand zu weisen gewesen. Nun aber stieß Paula einen erleichterten kleinen Seufzer aus unD fanD es wun­derbar, Daß Tinser kein Einbrecher war, fonDern ein etwas verrückter junger Mann, Der zu harm­loseren Zwecken gekommen war und nun wie ein armer Sünder mit gesenktem Kopf an Der Türe stand. Paula hatte plötzlich Die Vorstellung von Rokoko, von GalanterieDegen unD nächtlichen Strick­leitern unD stellte mit BefrieDigung fest, Dajj Die Liebe schon immer so außergewöhnliche Pfade ge­gangen war. Sie zog ihren ausgewaschenen Schlaf­anzug über Der Brust zusammen, strich Das Haar zurück unD fragte leise:

Wie sinD Sie Denn überhaupt hereingekommen?"

In Die Wohnung? Ach, Das war nicht schwer. Ein bißchen Kletterei an Der Buche draußen unD so. Habe ich Sie erschreckt?" lächelte er flott unD gefaßt. Er spielte mit feiner Baskenmütze, Die er abgenommen halle.

So? Nicht schwer? UnD wenn Ihnen nun etwas zugestoßen wäre? Wir wohnen Doch im Dritten Stock. Hat Sie jemanD gesehen? Gott, was find Sie für ein schrecklicher Mensch", klagte sie unD sah ihn besorgt an. Jetzt enDlich fiel ihr auch ihr guter Ruf ein.

Es ist ja nichts passiert. Na also. Es hat mid) auch keine Menschenseele erblickt. Sie müssen keine Angst haben. Ich bin ein guter Turner, ich bin auch schon oft in Den Bergen gewesen. UnD Unkraut ver» Dirbt nicht." Er war ein bißchen gerührt über ihrs Besorgnis.

Sie haben mit Dem ToD gespielt. Ich mag das nicht", sagte sie unD sah ihn streng an.

Er schwieg.

Ihr Herz pochte sehr stark unD sie meinte, man müßte Dies Pochen bis an Die Tür hin hören. Sie zog Die BettDecke mit einem Ruck bis unters Kinn unD flüsterte:Ja, unD jetzt?"

Jetzt bin ich eben Da unD freue mich", erroiDerte Tmser unD kam langsam näher.Dars ich?" Er setzte sich behutsam auf Die Bettkante unD streichelte ihre HanD. Teufel noch eins, er mußte Diese Rolls zu EnDe spielen, auch wenn sie ihm nicht behagte. Er mußte jetzt ein wenig plaudern unD Dann ver- schwinDen. An Das Später Durfte man nicht Denken. Kommt Ihnen alles ein bissel verrückt vor, nicht? Aber Das Exzentrische liegt bei uns in Der Familie. Ein Vorfahr von mir hat bei Temesvar Die Türken verhauen, ein wahrer Berserker an Wut, zwei Ur- ururtanten waren Aebtissinnen in Stuhlweißenburg, Mama sammelte immerfort Vasen, etruskische, hel­lenische, tibetanische, einen ganzen Speicher voll, unD Papa hat einen Fimmel mit Mikroben. Eins Kusine von mir züchtet Chow-Chows, wissen Sie, Diese seltsamen HunDe. Na, unD ich muß mir eben Bewegung machen, auf die Berge kraxeln, in fremde Häuser steigen unD so. Letzteres natürlich nur, wenn mir eine Frau im Kops herumgeht. Wir sind schon eine geschlagene Familie. Noch böse?" Tinser fand, Daß er sich ziemlich gut benahm in Dieser unmöglichen Lage.

Sie schüttelte langsam Den Kopf. Nein, sie war ihm keine Spur mehr böse, gar nicht. Wie lange hatte sie Das nicht mehr gehabt, Daß ein erwachsener JemanD nett zu ihr war! Seit Wilhelm Jost sie Damals mit Dem KinD hatte sitzen lassen, waren viele Jahre verstrichen, in Denen es nur sehr wenige Männer gegeben hat, und die nicht ernsthaft. Ihr ganzes Leben seither war eine einzige Sorge gewesen: wie bringe ich mich und das MannDerl Durch? UnD jetzt trat mit einem Male dieser flotte junge Mensch in ihr Leben und machte Wirbel und Aufruhr darin. Fortsetzung folgte