Ausgabe 
21.3.1939
 
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Oer Verkehrsunfall iund das happy end. Äon Peter Bamm.

*

tu Morgens nun verwirrte ein dunkles Ge-

(£

<***«).

j'H -.d!ie Heirat, weil sie keine Möglichkeit weder ^"-K^zür - A.i tzung des Hauses noch zur Abdeckung der |t6fen bot.

. i[: klar, daß nach dem Verkauf der Madonna der -SLat nichts mehr im Wege stünde.

Sdki mun auch immer in der Wirklichkeit ge­scheht 86in möge, so brauchen wir uns nicht mehr daruür u kümmern. Denn es ist das schöne Recht des i§hiiftstellers, daß er geschehen lasse kann, was

Plihiagt. Wir können jetzt den Vater einen Geiz-

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. i(| 'ywgttjmgi. xdil luiinen jegi uen :ouier einen vseiy ubälsw x;:ben lassen, der zu seiner nunmehr reichen iiJw Tochst: erst recht einen reichen Schwiegersohn iW11 . habÄinlill. Wir können einen jungen Kunsthistoriker ,jin Giirünung treten lassen, der durch geistige Reize ilb; aus^rit,' was ihm an Fahrgeschicklichkeit abgeht. V In i würde sich die Tochter verlieben, und der

ifern ein Lastkraftwagen in ein Haus hinein- h>p ind eine Ecke des Hauses zum Einsturz bringt, jilolbe man meinen daß das, was da geschehen ,|f|< Unglück sei. Aber der Zusammenstoß zweier lM-ri Gegenstände macht allein noch kein Unglück >!!, s lbst wenn dabei einiges zu Bruch geht.

Fahrer des Lastkraftwagens in unserem i war ein hoffnungsvoller junger Mann mit schein III b. Die Hoffnung, deren er voll war, eine Jungfrau zu ehelichen, die in dem deier^HMsj Wohnte, dessen Ecke schon erwähnt wurde.

Es-kr Weitsichtige Leser glaubt nun vielleicht, das k)1 end schon vor sich zu sehen: aber der Chro- or^^tnift;; 3 ernt ihn, allzu schnell Schlußfolgerungen zu An, s^Zlctz!jei.IDie Sache liegt verwickelter.

richeudeA gIti 7)aus war sehr alt und gebaut zu einer Zeit, ib als.tm i von Lastkraftwagen noch nichts wußte. Lei- ie" e |rtfiber tue- es im Laufe des Regens, der über es da- vM'hingislHen war, etwas baufällig geworden, und dies in beklagenswerte Zustand wurde nur wenig ge° ' ^rniiliiidiburd) die Last der Hypotheken, die auf sei- W'^ne.. , itsen Dache ruhten. Der Besitzer natürlich ist M-Ader r Icrer der Jungfrau und als solcher war er

......... ...........

«'«' ? Feindschaft gegen das alte Haus die Hand

#bes i Ilio = Senfers. Der Lastkraftwagen krachte in rfelN das itotis hinein und die Hausecke stürzte ein.

Däe wurde ein alter Hausaltar freigelegt mit lllll^>/t'ine'ir'ertbaren alten Madonna aus dem vierzehnten -^^JahM^dert, deren Diadem mit Rubinen und deren imit Smaragden geschmückt war.

Ur. 68 Zweites Blatt

Gietzener^nzeigerlGeneral-Anzetger für Oberhessen)

Sie

setzung dieser Kommission ist typisch: in ihr sitzen die Männer der W i r t s ch a f t, und nur sie. Rach außen sind sie unverantwortlich, ihr Einfluß ist aber größer als der manches Ministers. Wer sind diese sechsheimlichen Herren Englands"? Da ist Sir George Beharre!, der Kautschuk-König, Vertreter des Dunlop-Trustes und der Luftverkehrs- Gesellschaften, auf deren eine, dieJmperial-Air- ways", er den entscheidenden Einfluß hat. Nummer 2 ist M. I. A. Addison, der Herr der Kunstseide in England, der Leiter des führenden englischen Konzerns dieser Branche, der Firma Courtaulds. Addison gehört sonebenbei" noch zu den wich­tigsten Londoner Derbindungs- und Vertrauens­leuten der Morgans. Dann rft zu nennen der Präsi­dent des großen englischen Chemie-Trusts^ des Imperial Chemical Industries", P. F. B. Ben - n e t: er ist zugleich der Vorsitzende des Britischen Arbeitgeber-Verbandes, außerdem ein intimer per­sönlicher Freund Chamberlains. Als Repräsentant der schottischen Wirtschaftsinteressen sitzt I. D. M. Elark in dieser Kommission, er ist Präsident des schottischen Textil-KonzernsI. & P. Coats". Zu seinem Aerger wird er durch die Namensähnlichkeit häufig verwechselt mit dem fünften Kommissions- nntglied, Sir Geoffrey Clarke. Dieser ist der

95 e consfield zugleich ein anerkannter Roman- s. hr steller.

angr. Slum* Silber:

-Ernst Neuner, für ben

WhiiehalSs wirkliches Gesicht.

Englische Hegierungspraxis zwischen Drehbuch und Dividende.

Interpress Copyright»23ericf)t von Steven Godfrey.

N!t fQ9es.

Vorsitzende der Handelskammern von England und stammt aus einer Industrie, die für das Weltreich von großer Bedeutung ist, nämlich dcr Telegraphen- Kabel. Er ist der Leiter derTelegraph Construc- tion and Maintenance Company".

Sechstes Mitglied und vielleicht das wichtigste der Kommission ist Francis d'Arcy-Cooper, Herr derPhenix"- Versicherungen und des inter­nationalen Fett-Seifen - und Margarine - Konzerns derUnilever Brothers". Auch er ist ein intimer Freund Chamberlains, dem er gerade bei kompli­zierten außenpolitischen Fragen seine Hilfe lieh, wie z. B. bei dem Verkauf des französischen Aktien­paketes der tschechischen Munitionsfabrik Skoda- I Werke, eine schwierige Transaktion im Gefolge des Münchner Abkommens. Die Verbindungen d'Arcy- Coopers, der übrigens als Freund Deutschlands be­kannt ist, zu derAnglo-Czecho-Slovatian-Bank" in Prag haben sich bei dieser Transaktion sicher außer­ordentlich bewährt.

Nicht vertreten sind in dieser 6 - Männer - Kommission Chamberlains auffallenderweise so wich­tige Zweige des englischen Wirtschaftslebens wie der Kohlenbergbau, die Schiffahrt, die eigentliche Schwerindustrie, der Maschinenbau. Aber daß auch sie im Stadium der Aufrüstung Englands auf dem Wege über die sechsheimlichen Herren Englands" ein entscheidendes Wort bei den Beschlüssen des Kabinetts mitzusprechen haben, steht außer Frage. Diese 6 - Männer - Kommission ist das nüchterne Schwergewicht, mit dem Chamberlain die Phantasie derPosten von Whitehall" ausbalancieren will ...

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Böhmen und Mähren im Spiegel der Geschichte

Alte deutsche Kultur im neuen Reichsprotektorat.

London, im März 1939.

Tatsache, daß die Mehrzahl der führenden Süatsmänner und Politiker Englands der alten üinh Menfchicht des Landes entstammt, gilt sogar für )ie äußerste Linke, wo z. B. der viel genannte ,1 @tQh 5°: alistenführer Sir Stafford Cripps, norqen, >e-i die Labour-Party kürzlich wegen seines allzu n beuif tpr,en Liebäugelns mit den Kommunisten aus ihren m M en ausschloß, eines Tages Lord Parmoor . $q, . -sis^n und als solcher nach dem Tode seines Vaters mm. i 5Hn'erblichen Sitz der Familie in der Pairskammer «mishmem wird. Es versteht sich ebenso, daß diese «xhcht in Oxford oder Cambridge erzogen wurde, i«s Eton-Colledge besuchte, kurz die typische eng- i ssi Gentleman-Erziehung genossen hat. Ader diese liirnt alljährlich Tausenden zugute welche sind j un eigentlich, die im allgemeinen in die ver- i iik örtlichen Regierungsämter einrücken?

I.st möchte man sagen, jene, die durch Tempe- isn nt Und Neigung, Vorleben und private Jnter- . Life am meisten von derNüchternheit" entfernt 1-11-39: fni die man immer begrifflich mit der englischen ^lik verbindet. Die Kette diesermusischen Meßen. vittitsmänner" Englands geht von der Renaissance ,5 St 1 is:iuf unsere Tage, von dem kühnen Sozialphilo- meU j ipl n Thomas Morus, dem Autor der V'1 ' *|.t:Pia", bis zu Sir George V a n s i t t a r d, dem 5 Sreis-. lülnenautor im Foreign Office. Das 18. Jahr- 19- h^lNLrt brachte den Moliöre Großbritanniens, den 1 usPieldichter Sheridan, auf den Stuhl des ^sri^eminrsters, im 19. Jahrhundert war Lord

Gespenster-

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!r muhende Pol im Wechsel der Staatssekretäre

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I unseren Tagen ist es nicht anders. Der viel- gsnmnte Anthony Eden hat sich als Poet und IJiefrfefcer des französischen Lyrikers Rimbeaud be- k"mngemacht, fein Gesinnungsgenosse Duff Coo- P',161 ein Mann aus herzoglichem Geblüt, , ist Histo-

is-allein ein Weltreich kaum regieren. Und so he neben und zwischen den Rittern vom Geist e 1R e d) n e r der Wirtschaft. Die Cham- nains und Rucimans waren Ge -

- \t langjährigegraue Eminenz" des Foreign rijfi,, wo er als der permanente Generalsekretär

mmr bis ein Konflikt mit Chamberlain während d!.r Brüsseler China-Konferenz eine gewisse Kalt- st Mn g herbeiführte, ist Bühnen- und Filmautor. Sieir jüngster Film ist zwar eine sehr offi,stelle, p utr >tische Angelegenheit, er behandelt die Lauf- btchr:Lord Kitcheners, aber doch immerhin ein Film. Phti lich, nicht alle sind so, aber eines steht fest: Ebssi nd verlangt von seinen führenden Staats- nnüniaern, daß sie Phantasie besitzen. Die englischen Äcsmänner sind gana zu Unrecht als nüchtern vstL nocken klischiert wokden.

91m läßt sich allerdings mit Romantik und Phan-

r::fe Lord Halifax schreibt

K. slipii tsleute und sind es geblieben, von ihren L anßs politischen Gegnern ist es der konservative y MAirdnete Boothby fo gut wie die zu Lloyd 0i; ©ifiarta? neigende liberale Industrie-Kapitänin und .' Uiiilnjiausabgeorbnete Ethel Rathbone. Jeder k \ betk Staatsmänner mit Phantasie ist von einem [Ai 3|zbbiDon Sekretären, Beratern und Mitarbeitern nnttgtien, die eben dafür zu sorgen haben, daß die |7 PlisonLsie ihres Herrn nicht über die wirtschaftlicken f Tc^ksoHen hinwegspringt. Das ist der Inbegriff der 1 eiMUyen Regierungspraxis: an der Spitze des AMic ein Mann mit weiten Ideen und kühnen

güsljrhten (er ist begeisterter Spiritist), und der si je genannte Sir George Vansi11ard endlich, o ...... ~ ~ *

Die Zusammen-

raiflff

undorl EMsLIen, um ihn herum eine Schar ergebener Mit- einf3 ariefelr, die die nüchterne Grundlage bilden.

5 der interessantesten Beispiele für diese eng- e. UsiHe Uegierungsmethode erleben wir gerade jetzt lEhM'erlam hat ganz zwangs- und formlos eine ikt Ä dl itim i Hi o n von sechs Wirtschafks - fjili gxs r n geschaffen, die die Regierung bei allen ihGn Schritten zu beraten hat. Die Zusammen-

Don Hans Walther.

Im frühen Mittelalter hieß das Böhmer Land, das zu den ältesten deutschen Gebieten ge­hört, Böheim oder Böheimb; diesen Namen leitet man von dem keltischen Volksstamm der Bojer ab, der in vorchristlicher Zeit sich dort angesiedelt hatte. Um das Jahr 10 vor der Zeitrechnung wurden die Markomannen, ein alter deutscher Volks- ftamm, von ihrem Führer Marbod aus ihren Wohnsitzen am Main nach Böhmen geführt, um die von Den Bojern zum Teil verlassenen Gebiete in Besitz zu nehmen. Sie breiteten sich nach und nach bis an die Donau aus und gerieten mehrmals mit den Römern in Streitigkeiten, bis Aurelian sic im Jahre 270 zum endgültigen Frieden zwang. Im 4. Jahrhundert verschwinden sie aus der Geschichte.

Nach den Wirren der Völkerwanderung wird Böhmen um 550 von dem slawischen Volke der Cze- chen (Tschechen) besetzt. Diese siedelten sich nur in den fruchtbaren Flußniederungen an; den eisernen Pflug lernten sie erst durch die suebischen Volks­stämme (Markomannen, Quaden u. a.) kennen und gebrauchen. Land urbar zu machen oder gar Wäl­der zu roden, haben sie nicht verstanden; alle in den letzten 1200 Jahren gegründeten Dorfschaften sind nachweislich deutsche Gründungen.

Seit der Mitte des 8. Jahrhunderts wurden vom Bistum Regensburg aus im Böhmischen Klöster, Kirchen und Schulen errichtet; deutsche Fürsten hei-- raten böhmische Fürstentöchter, und hundert Jahre später werden deutsche Prinzessinnen Königinnen im Böhmer Land oder mährische Markgräfinnen. Selbst das Stammhaus der Böhmenkönige, die Premysliden, ist zur Zeit Ottokars II durch Versippung mit Staufen, Thüringern und Schwa­ben kaum noch als tschechisch zu bezeichnen. Und sie wie auch der altansässige Hochadel riefen Bauern, Handwerker, Bergleute, Lehrer und Kaufleute in ihr Land; diese wurde die Träger der deutschen Ar­beit und brachten dem Lande und den beiden Macht­faktoren den oft zwischen ihnen gegeneinander aus­gespielten Reichtum.

Herrschergeschlechter wechselten, die sehr ergiebigen Silberfunde aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert steigerten den Reichtum des Landes, der dem geisti- gen Leben und den schönen Künsten zugute kam.

Dann tobten sich die H u s s i t e n k ä m p f e aus, der D r e i ß i g j ä h r l g e Krieg begann auf böh­mischem Boden, wieder folgten Zeiten des Aufstiegs und des Wohlstands, aber Böhmen war nicht ir­gendein Grenzgebiet fern dem Herzschlag des Rei­ches, es war und blieb ein Kernland deut­scher Prägung: die Landgewinnung und Ro­dung der Bauern, die Erzeugnisse deutscher Hand­werker, Stadtrecht und Bergrecht-und in ganz be­sonderem Maße die Meisterwerke feiner Künstler aus edelstem nationalen Bewußtsein.

Das gleiche gilt von den herrlichen Arbeiten böh­mischer Volkskunst: geschickte Hände bauen dunkeltönende Geigen, schleifen begehrte Kristall­gläser, klöppeln wertvolle Spitzen; Holzfäller und Waldarbeiter schnitzen aus den verschiedensten Höl­zern formschöne und praktische Geräte, handliches Geschirr; und derMusikant aus dem Böhmer Wald", der weltberühmt wurde, ist nicht tschechischer, sondern deutschböhmischer Herkunft, Gerade diese im Volkstum ungebrochen lebendigen Kräfte zeigen, daß die Bevölkerung des alten Königreichs Böhmen nicht nur den Stämmen nach, sondern auch in ihrer Wirtschaftsstruktur und Tätigkeit eine Einheit' bil­det mit den Grenzgebieten des bayerischen Waldes, Sachsens und Schlesiens.

Ursprünglich war das mährische Gebiet eine Markgrafschaft, die im 9. Jahrhundert Großmähren genannt wurde, da sie unter dem damaligen Für­sten Zwentbold ihre größte Ausdehnung besaß und sogar noch Nord-Ungarn umfaßte. Als Zwentbold 894 von dem mayarischen Heerführer Arpad besiegt worden mar, zerfiel Großmähren bald und erholte sich erst wieder, als es 1029 mit Böhmen in Lehnsverbindung trat und dadurch mittelbar zum Deutschen Reiche kam. Im Jahre 1182 erhob Kaiser Friedrich I. Großmähren erneut zur selb­ständigen Markgrafschaft, im 14. Jahrhundert kam es unter die Herrschaft der Luxemburger und wurde daraufhin wieder mit dem Königreich Böhmen ver­einigt. Im Jahre 1526 fiel es an Oesterreich. Im allgemeinen ging Mähren einen ähnlichen, wenn auch etwas geruhigeren Schicksalsweg wie das be- nachbarte Böhmer Land. Von den Greueln des

Dienstag, 21. Hlär$ 1939

Dreißigjährigen Krieges blieben beide Länder bis zu einem gewissen Grade verschont, weil der Gene­ralissimus W a l l e n st e i n im Böhmischen seine ge­waltigen Montierungs- und Rüstkammern eingerich­tet hatte. Die Religionsstreitigkeiten wüteten aber auch im Mährischen, jedoch nicht so heftig wie bei den Nachbarn. In den stillen Tälern Mährens bildete sich aus den Resten der strengen Hussiten die Sekte der Mährischen Brüder, die jedoch nach der Schlacht am Weißen Berge gänzlich unter­drückt werden konnte.

Wie in Böhmen, so schufen auch in Mähren deut­sche Künstler berühmte Werke, die Jahrhunderte überdauerten; vor allem die Hauptstadt, das alte Brünn, besitzt in der um 1318 erbauten S t. I a - kobskirche ein gotisches Meisterwerk. Die Brün-

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ner Bergfeste Spielberg, später ein berühmt gewordenes Staatsgefängnis, wurde im Mittelalter als markgräfliches Schloß von einem ostdeutschen Baumeister errichtet. Die altertümliche Kreisstadt Olmütz weist ebenfalls eine Reihe schöner 'alter Bauten deutscher Herkunft auf; hier bestand auch bis zum Jahre 1855 eine von deutschen Gelehrten gegründete Universität.

Das mährische Volk hat sich seine Eigenart am besten bewahrt in seinen Sitten, Bräuchen und Trachten, in der Sprache und vor allem in feinen frohen oder wehmütigen Volksweisen, die überall er­klingen, bei der Arbeit und beim Tanz, beim Spinn­rad und bei der Erntearbeit. Im weiten Gebiet des mährischen Landes herrscht das bäuerliche Element vor; die wenigen Kreisstädte liegen wie lärmende Inseln dazwischen; aus ihrer Umgebung kommen die Bewohner zur Arbeit in die industriellen Betriebe. Wo im Lande der Boden karge Nahrung bietet, er­nähren sich die Bauern durch Heimarbeit ähn­lich wie im Böhmischen; auch hier entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte echte Volkskunst. Köst­liche Webereien, die wunderlichsten Kleinarbeiten aus Holz, schöne geflochtene Körbe und viele andere Dinge entstehen hier unter den kundigen und fleißi­gen Händen einfacher Landleute. Die gläubige, menschliche Gesinnung der Mähren spricht aus dem einfach-schönen Gerät, etwa aus den festen Holz­tellern, die sie gern mit kernigen Sprüchen versehen; sl> findet man die verschiedensten Worte großer Deutscher in zierlicher Schrift oder in kantigen Buch­staben aufgezeichnet. Auf einen Spruch Schillers stößt man immer wieder:

Was auch draus werde, steh' zu deinem Volk, Es ist dein angeborner Platz!

Wenn vor rund zwanzig Jahren der Name Böhmen" verfemt wurde, die böhmischen und mäh­rischen Bauern haben ihn für sich beibehalten als ein Althergebrachtes, ein Heiliges, das ihnen die Jahrhunderte überlieferten.

Oie Narrenkappe.

Arihchen.

Der siebenjährige Fritz hat von seiner Mutter ein paar gehörige Ohrfeigen bekommen, weil er bei den zu schließenden Weckgläsern gesessen hatte und daraus Stachelbeeren naschte.

Mit Tränen in den Augen und hochroten Ge­sichtes entflieht Fritzchen der ungasttichen Stätte und läuft in den Garten. Dort steht der Vater und sieht seinen Jungen kommen.

Nanu, was ist denn los, Bub?"

Och, nichts", erwidert der Kleine.Ich hatte bloß Krach mit mit deiner Frau!"

Vater gäbe seinen Segen dazu. Natürlich können wir auch ruhig die Jungfrau dem Wagenleiter über­lassen. Dafür hätte Der Vater nach Verkauf der Madonna einen Prozeß gegen den Vorbesitzer des Hauses zu führen, den wir ihn gewinnen oder ver­lieren lassen können. Auch wäre es gar keine schlechte Sache, die Tochter mit dem Kunsthistoriker Ziehen zu lassen und einmal statt Liebe Freund­schaft zu stiften, wofür uns folgende Möglichkeiten zur Verfügung stünden:

a) zwischen dem Wagenleiter und dem Vater, b) zwischen dem Vater und seinem Rechtsanwalt, c) zwischen dem Wagenleiter und dem Gefäng­niswärter Acht Tage wegen Ungebühr vor Gericht... Kein Leser wird es uns verübeln, wenn wir, einer Männerfreundschaft wegen, den unachtsamen Wagenlenker durch unsere literarische Machtvollkommenheit zu dieser kleinen Strafe verdonnern.

Nun kommen aber noch die Versicherungsagenten, die Maurer, der Abbe, die neugierigen Nachbarn. Zeder von ihnen ist ein Mensch, der von der gan­zen Schöpfung umgeben ist, und über dessen Glück oder Unglück wir zu berichten haben.

Der Chronist zieht aus dieser Betrachtung eine Reihe von Feststellungen. Erstens läßt sich über den Zusammenstoß zweier harter Gegenstände, hinsicht­lich der Frage, ob es ein Glück oder ein Unglück sei, nichts aussagen, bevor man nicht alle Umstände in Betracht gezogen hat. Die Zahl der Umstände aber ist leider unendlich. Zweitens Ist es dem Chronisten vollständig rätselhaft, wie einer, der einen Roman zu schreiben angefangen hat, es jemals fertig bringt, ihn zu Ende gehen zu lassen. Tatsächlich haben ja auch gerade die großen Romane der Weltliteratur fragmentarischen Charakter, und man kann vermu­ten, daß diejenigen, die ein Ende haben, einer nie­deren Gattung angehören, und die, die unter Be­rücksichtigung aller Umstände unendlich lang wären, geschrieben zu werden nur begonnen worden sind.

Aus diesem Grunde auch kann der Chronist nicht begreifen, warum es so viel Leute gibt, die über die happy ends unserer Filmindustrie so böse sind. Das 4iappy end ist eine Zwischenbilanz. Freilich, wer sich mit Zwischenbilanzen begnügt dem ist nicht zu helfen. Er ermangelt der. Phantasie.

Nichts wahrhaftig ist reizvoller, als sich auf der Treppe, während die anderen sich an der Garderobe drängeln, einige Gedanken zu machen über das Schicksal derer, die sich soeben in die Arme gesun­ken sind.

Bernard Shaw, Der Zenon unserer Tage, gab einmal auf die Frage, ob der Film, den er soeben

gesehen hatte, ein happy end gehabt habe, die Ant­wort:Im Gegenteil! Sie kriegen sich!"

Einmal wird der strahlende Liebhaber eine Grippe bekommen, und Dann wird er nicht mehr so göttergestaltig von uns entfernt fein. Einmal wird das fuße Girl ihren ersten Enkel bekommen. Wie kann man ein mißgünstiges Urteil abgeben über das happy end einer Braut, die den Ihren gekriegt hat, bevor man weiß, wieviel sie ihren Enkeln ver­erben wird.

Der Chronist ist mit nichts befreundet als mit der Zeit, die vergeht, ^ie ist freilich eine schwierige Dame, mit der sich gut zu stehen Geduld erfordert. Dafür weiß sie ihre geduldigen Freunde zu beloh­nen mit dem göttlichen Geschenk der Einsicht und mit dem beruhigenden Gefühl, daß, da fast alles so heiß gegessen wie gekocht wird, die Leute sich so leicht das Maul verbrennen. Die Boulette des Lebens aber soll man lieber kalt genießen.

Tiere vor dem Lautsprecher.

Eine interessante Vorführung brachte kürzlich der engllsche Fernsehsender. Man hatte eine Anzahl Tiere in das Aufnahmeatelier iin Londoner Alexandra - Palast gebracht und zeigte nun den Leuten an den Empfangsapparaten, wie sie rea­gierten, wenn ihnen von Schallplatten Laute von ihren Artgenoffen, die natürlich mitübertragen wur­den, zu Gehör gebracht wurden. So konnte man nacheinander einen heiseren Hund, einen Dingo, den australischen Wildhund, einen Fuchs, ein Stachelschwein und ein Krokodil im Fernseher be­obachten. Man sah, wie sie aufmerkten, wenn sie die Stimmen von ihresgleichen hörten, und in einigen Fällen auch Gegenäußerungen machten. Merkwürdigerweise zeigte sich die stärkste Reaktion bei dem Stachelschwein. Als dieses das übliche rasselnde Geräusch eines in Wut geratenen Stam­mesbruders hörte, hoben sich feine Stacheln und der Kamm, und die eigentümlichen Borsten am Ende seines Schwanzes fingen an zu zittern, fo daß sie dasselbe rasselnde Geräusch hervorbrachten. Obwohl die Stachelschweine gelegentlid) auch grun­zende Kehllaute hervorbringen, scheint ihr Haupt­mittel der Verständigung mit der Außenwelt doch das Rasseln mit den Stacheln und den Schwanz­klappern zu sein. Der Zweck dieses Geräusches ist augenscheinlich die Warnung vor drohenden An­greifern, es erinnert also an Die Art, wie Gift­schlangen zur Warnung zischen oDer klappern. Eine bcfonDere Überraschung bei dieser Vorführung bot das Benehmen eines jungen Krokodlls. Als dieses

das Bvüllen von Krokodilen, die sechs- und mehr­mal so lang waren wie es selbst, wurde es in einer ganz auffälligen Art aufmerksam und drehte seinen Kopf nach Der Quelle Des Geräusches hin. Die es auch aufmerksam bettachtete. B.

Sochschulnachrichten.

Geh. Hofrat Professor Dr. ReinholD Müller, Der seit 1928 im RuhestanDe lebenDe DrDinarius für Mathematik an Der Technischen Hochschule Darm ft abt, ist im Atter von 82 Jahren ge­storben. Bis 1884 war er in Dresden im höheren Schuldienst tätig und wurde bann als Ordinarius der darstellenden Geometrie an die Technische Hoch­schule Braunschweig berufen. 1907 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Darmstadt über. 1910 er­folgte seine Ernennung zum Geheimen Hoftat. Die TH. Dresden ernannte ihn 1928 zum Ehrendoktor der technischen Wissenschaften. Sein Hauptfach war die theoretische Kinematik.

Geh. Regierungsrat Professor Dr. Josef G e y - s e r, der em. Ordinarius für Philosophie an der Universität München, vollendete das 70. L e - b e n s j a h r. Geh. Rat Geyser, der früher in Frei­burg und Münster wirkte, Hat sich vorwiegend mit Psychologie und Erkenntnistheorie befaßt. Er gab eine Arbeit über die Grundlagen der empirischen Psychologie heraus, ferner ein Lehrbuch der allge­meinen Psychologie, eine Einführung in die Psycho­logie der Denkvorgänge, eine Untersuchung über Die Seele, ihr Verhältnis zum Bewußtsein unD zum Leibe. Unter Den späteren Arbeiten Des Philosophen tritt Die Phänomenologie in Den VorDergrunD.

Im Alter von 45 Jahren oerftarb Professor Dr. Paul Hilpert, Prorektor Der Universität Halle-Wittenberg und Direktor der Univer- sitäts-Nervenklinik. Sein Hauptarbeitsgebiet war die normale und pathologische Anatomie des Zenttal- nervenfystems und die Klinik Der organischen und funktionellen Nervenkrankheiten. Professor Hilpert war 1893 geboren. Er war früher in Jena und Greifswald tätig gewesen und hatte seit 1937 in Halle gewirkt.

Der ao. Professor Dr. Alfons Schmitt an der Universität I e n a wurde zum ordentlichen Profes­sor für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Jena ernannt

Dem Professor Dr. Leopold Mayer wurde unter Ernennung zum o. Professor an der Hoch­schule für Welthandel in Wien der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre übertragen.