Ausgabe 
21.1.1939
 
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unsere Nerven zweierlei auf einmal und beides voll« kommen zu leisten. Es gibt tatsächlich vielbeschäftigte Männer, die imstande sind, zwei Sekretärinnen gleichzeitig zu diktieren und dabei noch ihre Korre­spondenz durchzusehen, ohne etwas durcheinander zu bringen. Diese Männer erfüllen aber auch die anderen Voraussetzungen, die wir noch nennen müs­sen, wenn wir von erhöhter Leistungsfähigkeit spre­chen wollen.

Sie lassen sich beispielsweise niemals auf ufer­loses Gerede ein, sondern beherzigen das alte Bibelwort:Eure Rede sei ja, ja, nein, nein, und was darüber ist, das ist vom liebel!" Das erspart Zeit und Kraft. Durch Rgden, d. h. durch hin« und herspringendes Geplauder und ständigem The­menwechsel ist niemals eine Arbeit wirklich geför­dert worden. Vor allem aber üben diese Menschen Mäßigkeit in den sog. Genüssen des Lebens, ohne deshalb Asketen oder Duckmäuser zu fein. Sie wis­sen genau, wieviel Schlaf sie brauchen, um am anderen Tage frisch zur Arbeit zu gehen und sump­fen nicht sinnlos halbe Nächte herum. Wenn sie sich etwas gönnen, dann tun sie es mit Maßen, weil

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Teerabkömmling zu kombinieren, vielleicht sogar

mächtiger Quaderstein den Grundlagen des chemi- mit dem Stoff, der mit dem Äzetanilid verwandt schen Zeitalters ein gefügt und die Industrie gegen ist und als Abfall der Farbenfabrikation auf dem

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auch der

Arbeiten Sie konzentriert?

Allerlei Nachdenkliches über die Voraussetzungen dazu.

Wort gehandelt. Zwei Tage danach legte er ein Bekenntnis zu Großdeutschland ab mit ausdrücklicher Wendung gegen die Erklärung des französischen Außenministers Pichon, Frankreich werde den An­schluß Oesterreichs keinesfalls dulden. (Am 30. Ja­nuar nahm der österreichische Staatsrat einstimmig einen Gesetzentwurf an, der Deutsch-Oesterreich als Glied des Deutschen Reiches erklärte!)

Mit dem 5. Januar begann die S p a r t a k i ft en­tzerr f ch a f t in Berlin. Alle möglichen Revolu- tions- und sonstigen Ausschüsse setzten sich abwech­selnd gegenseitig ab. Es waren die großen Tage politisch arrivierter Juden von Landsberg bis Hilfer- bing und Eisner. Erft am 12. beginnen die Straßen- kärnpfe in Berlin abzuflauen. Unterdessen getzt die Provinz Posen verloren, in erster Linie durch den Verrat eines Hella von Gerlach, der dann noch ein Jahrzehnt lang in feinem Berliner HetzorganDie Welt am Montag" ungestraft Hoch- und Landesver­rat treiben durfte. Streiks, Unruhen und die Bil­dung vonRäterepubliken" vollenden das Bild, das Deutschland feinen in Paris versammelten Gegnern bietet.

Der 19. Februar 1888 war ein äußerst wichtiger Tag in der Geschichte der Menschheit. Durch die damals gefaßten Beschlüsse wurde zahllosen Men­schen das Leben gerettet, Krankheiten und Seuchen unterdrückt, niedergeschlagen und geheilt, weil ein

brachte es unter dem NamenAntifibri n" auf den Markt.

Als Duisberg von diesem Spiel des Zufalls in der Zeitung Ins, war es noch nicht sehr weit her mit der Aufklärung der Teerabkömmlinge, ihrer Verbindungen und ihrer Heilbedeutungen. Erfin­derische Ahnung und Mut zur schöpferischen Kom­bination mutzten die Planmäßigkeit der Forschung ersetzen. Melleicht, so meinte Duisberg, wäre es auch möglich, den Eisessig mit einem anderen

die Höchster Farbwerke. Inzwischen war Chemiker Dr. L. Knorr im Flusse rein

XIII.

Industrie gegen Tod und Teufel.

Wie die Chemotherapie in die Welt kam.

festzestellen, ob es gelänge. Zahllose Analysen und I Synthesen, zahllose Versuche setzten ein und schließ­lich war das Phenazetin in die Welt ge­kommen. Die Methode, Essiggruppen mit Teerbe­standteilen zu kombinieren, erwies sich als sehr schöpferisch. Auf diesem Wege kam man zum Aspirin. Es ist das in der ganzen Welt be­kannteste chemische Arzneimittel, dem wohl viele von uns ihre erste heilsame Bekanntschaft mit den Kindern der synthetischen Heilmittelindustrie ver­danken.

Viele Chemiker iener Jahre suchten nach einem künstlichen Austauschstoff für Chinin. Das taten

Das Problem der ßeiftungsfteiaerung steht in Deutschland mit vorne an. Unser Berliner Mitarbeiter spricht hier von einigen Voraus­setzungen für erhöhte Leistung des einzelnen

Erscheinungen unserer Tage gehören: die einen sind b i e geborenen Organisatoren, sie be­wältigen täglich ein gerüttelt Maß von Arbeit und sind doch immer bereit, neu hinzu zu übernehmen, nie wird ihnen etwas zuviel. Dabei machen sie durchaus keinen überarbeiteten Eindruck, im Gegen­teil, man trifft sie immer bei guter Laune, bereit, Vorschläge anzunehmen oder Ratschläge auszuteilen. Siehaben die Ruhe weg", wie der Volks­mund so schön sagt. Der andere Typ verkörpert d i e ewig Eiligen, die Menschen, die angeblich nie­mals Zeit haben, auch nicht zum Essen und Schla­fen, wenn man ihren Reden Glauben schenken soll. Sie leisten gewiß nicht wenig, aber sie würden viel mehr leisten können, wenn sie nicht unaufhörlich von ihrer Arbeit gehetzt würden.

Sehen wir diesen beiden Typen und den unend­lichen Abwandlungen nach der einen ober anderen Seite einmal etwas hinter die Kulissen, bann stellt sich heraus, daß die Leistungsfähigkeit eines Men-

schen Zeitalters emgefugt und bl. .v..... o.v

Tob und Teufel gesichert wurde. I Hof des Elberfelder Werkes herumlag. Ganz nutz-

Acht Herren des Allssichtsrates der Elber-!'«? und störend. Man mußte eben probieren, um

durch planmäßige, bewußte Konzentration.

gibt zwei Arten von Arbeitsmenschen, wir kennen sie alle, weil sie beide zu den markantesten

Chemie erschließt die Welt.

Bon den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.

selber Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co. waren im Tiergarten-Hotel zu Ber­lin versammelt. Ihnen hatte der verantwortliche Direktor des Werkes höchst interessante und fol-

Das besetzte Gebiet wivd durch sie wirtschaftlich von Deutschland abgeschnürt. Die Blockade wird acht Wochen nach Beginn des Waffenstillstandes! mit eiskalter Brutalität von England aufrechterhal­ten, rund 850 000 Menschen in Deutschland ver­hungern. Als Vorgeschmack auf die kommenden Sach- und Geldtribute muß Deutschland Riesenmengen seiner landwirtschaftlichen Maschinen abliefern, weil es nicht soviel Lokomotiven und Waggons auftreiben konnte, wie die Entente verlangte. Am 17. Januar werden Graf Brockdorff-Rantzau und eine der ver­hängnisvollsten Figuren der Kriegs- und Nachkriegs­geschichte, 'der Zentrumsabgeordnete Erzberger, zu Führern der deutschen Friedensdelegation er­nannt. Was haben sie hinter sich? Ein Volk, eine Nation? Einen Staat? Kann man ermessen, mit welcher Geringschätzung die in Paris versammelten Sieger" auf die Delegation eines Landes herab- fahen, dessen Bewohner zum großen Teil in der Stunde höchster Gefahr nichts Besseres zu tun wuß­ten, als sich unter jüdisch-marxistischer Anleitung gegenseitig an die Gurgel zu fahren?

(UßiaJ 9nj(pS))

sie wissen, daß sie sonst doppelt dafür büßen müssen: mit schlechtem Befinden, unlustiger Stimmung und verminderter Leistungsfähigkeit. Diese drei Feinde konzentrierter Arbeit kennen sie zu gut, als daß sie sich ihnen überließen.

Schlechtes Befinden ist ein besonderes Kapitel für sich. Wer auf Höchstleistung bedacht ist, weiß, daß er schlechtes Befinden, überhaupt alles, was feine Gesundheit beeinträchtigt, nach Kräften fernhalten muh. Wo aber liegen meistens die Ursachen zu schlechter Gesundheit? In einer ungesunden Le­bensführung. Arbeiten in schlechtgelüftetem Raum, zu wenig Bewegung, zu schweres Essen, Trinken und Rauchen in Uebermaß, das alles sind Ursachen zu Gesundheitsstörungen. Wer Tag für Tag so spät aufsteht, daß er mit Mühe und Not noch gerade rechtzeitig im Büro anlangt, der versagt seinem Kör­per den natürlichen Ausgleich durch einen gesunden Morgenspaziergang zum Arbeitsplatz. Wer seinen Lebensgeistern statt durch gesunden Schlaf oder kräf­tigenden Ausgleichssport oder geistige Ablenkung nur durch übermäßigen Genuß von Tabak und Al­kohol aufzuhelfen vermag, kann sich nicht wundern, daß seine Nerven früher oder später, bestimmt aber bei außergewöhnlichen Beanspruchungen versagen. Asket ist noch keiner geworden, weil er mit Verstand und innerer Überlegenheit Maß zu halten wußte.

Auch 4ine Handvoll Humor gehört zum Rüstzeug des Schaffenden. Ueberlegenheit über den Kleinkram des Lebens verhilft zu gesteigerter Lei­stungsfähigkeit. Wir sind heute noch nicht im Schei­telpunkt der Beanspruchung der menschlichen Ar­beitskraft in Deutschland angekommen. Es genügt auch keineswegs zur Erfüllung aller Aufgaben, die uns heute und in Zukunft erwachsen, daß wir die letzte Hand, die schaffen kann, mobilisieren. Mit der Auskämmung der Betriebe, der Büros, der Berufe ist es nicht getan. Die äußerste Steigerung der Lei­stungskraft des einzelnen muß hinzukommen, um die Riesenaufgabe zu bewältigen, die einst als die Schöp­fung Großdeutschlands vor der Geschichte Bestand haben soll. Wir sind jeder zu unserem Teil berufen, daran mitzuarbeiten. Wir können uns alle ein Stück- chen Unsterblichkeit sichern. Allerdings müssen mir verstehen, die Kräfte, die in uns sind, bis zmn letzten zu nutzen. Und das gelingt uns nur, wenn wir in einem höheren und würdigen Sinne vernünf­tig find. Dr. Buresch.

scheu von ganz bestimmten Voraussetzungen ab­hängig ist. Eine der wichtigsten, die es zu erfüllen gilt, wenn man zu den Jmmer-Frischen gehören will, ist, sich ganz scharf auf eine Tätigkeit konzentrieren zu können. Ganz und aus­schließlich das zu tun, was man im Augenblick zu tun hat, fällt den meisten Menschen schwer. Durch die geringsten äußeren Störungen lassen sie sich ab- lenken. Ein Geräusch auf der Straße, eine Klingel­zeichen, ein Wort im Nebenzimmer kann viele Men­schen aus dem Konzept bringen. Sie schieben das dann immer cmf den Anlaß, anstatt den Fehler bei sich selbst zu suchen.

Vollkommene Versenkung in die Arbeit ist bei ent­wickelter Selbstzucht gleichbedeutend mit weitgehen­der Abschaltung. «Man hört gar nicht mehr hin ... sofort reagieren auch die Nerven nicht mehr darauf. Es klingt unwahrscheinlich, aber man kann es darin sehr bald bis zp einem Punkt bringen, wo man w i e unter einem Glassturz arbeitet. Um so weit zu kommen, muß man allerdings stets darauf bedacht fein, immer nur eine Arbeit aufeinmalzu leisten. Niemand kann ohne Scha­den für seine Konzentrationsfähigkeit dauernd xmei- oder dreierlei auf einmal tun. Erft auf einer höhe- ren Stufe der Konzentrationsfähigkeit sozusagen als Fortgeschrittene, vermögen wir ohne Schaden für

genreiche Mitteilungen zu machen. Der Chemiker Karl Duisberg, der als Sohn eines Band­wirkers im Elberfelder Werk eine schnelle Karriere gemacht hatte, war in Verbindung mit seinem Mitarbeiter Ginsberg zur Entt>eckung eines neuen Fieber- und Schmerzlinderungsmittels ge­kommen. Erstaunliches wurde von diesem Heilmit­tel, dem man den chemischen KunstnamenP h e n« a 3 e ti n" gab, berichtet. Es sei zu erwarten so schloß der Vortragende daß in kurzer Zeit weitere neue Heilmittel der Synthes« dem Arznei- schatz der Menschheit eingefügt werden könnten. So stünde der Abschluß der klinischen Erprobun­gen des SchlafmittelsS u l f o n a l" und des NarkotikumsM ethylenchlorid" unmittelbar bevor. Um die kommende Entwicklung auf diesem Gebiet zu sichern, sei es notwendig, den Farben­fabriken eine entsprechende Heilmittelproduktion anzugliedern und dazu sollten eben die acht Her­ren die Mittel bewilligen. Sie taten das.

Dos Phenazetin war das erste Heilmittel, das den Namen ,.B a y e r" in alle Welt trug. Es hat noch heute seine Bedeutung. Die Geschichte seiner Geburt aber ist ein interessanter Beitrag für die Zusammenhänge zwischen Farben- und Heilrnittel- synthese. Auch für die Psychologie des Erfindens überhaupt. Duisberg hatte Zeitung gelesen und war auf ein merkwürdiges Ereignis gestoßen. In einer Straßburger Klinik hatten zwei junge Assistenzärzte in der Apotheke Naphthalin be­stellt. Der Apothekergehilfe irrte sich und lieferte Äzetanilid. Als sie nun bei ihren Patienten die Wirkung des Naphthalin abwarteten, entdeckten sie, daß das eingenommene Mittel das Fieber des Kranken stark heruntertrieb. Von dieser Seite kannte man die Wirkung des Naphthalin noch gar nicht. Die jungen Mediziner wunderten sich und gingen der Sache auf den Grund. Sie erfuhren von dem Irrtum des Apothekers und machten die glückliche Erfahrung, daß das Äzetanilid, ein Er­zeugnis, welches man durch Zusammenkochen von Anilin und Eisessig gewinnt, das Fieber mindere. Die Teerfabrik Kalle & Co. in Biebrich nahm bald die Fabrikation des neuen Fiebermittels auf und

forscherischer Arbeiten just in dem Jahre, tn dem Duisberg in die Elberfelder Farbwerke eintrat, auf einen S jff gekommen, der das gesuchte künstliche Chinin bedeuten konnte. Es war nicht ganz so. Aber die Höchster Farbwerke gewannen Knorr zur Mitarbeit. Im weiteren Verfolg der Arbeiten kam man zum Antipyrin, das sich als Fieber­mittel und im Kampf gegen den Schmerz be­währte. Als im Jahre 1889 eine schwere Grippe­epidemie Europa heimsuchte, war es gut, daß man in Elberfeld das Phenazetin und in Höchst das Antipyrin hergestellt hatte. Beide Heilmittel be? standen ihre Feuerprobe und erbrachten im großen Stil den Wahrheitsbeweis für die Güte der fyn- chetischen Heilmittel.

Immer stärker und inniger wurde die Verbin­dung der Fabriken mit der freien Forschung. Ihre Laboratorien entwickelten sich zu großartigen wis­senschaftlichen Forschungsstätten. So konnte man in Höchst die Arbeiten des großen Emil Beh­ring auf breiter Basis unterstützen und in ge­meinsamer Arbeit von Forscher und Jndustrte- laboratorium das Behringsehe Diphterieheil- serum so vervollkommnen, daß es 1894 den Aerzten der Welt zum Segen der Menschheit übergeben werden konnte. Und in engster Ver­bindung mit der Forschung haben dann die Labo­ratorien der Farbwerke jene besondere und exakte Wissenschaft der Chemotherapie entwickelt, der wir so wertvolle Heilmittel wie das S a l v a r s a n und das Germanin verdanken.

Die Aufgabe war gestellt, solche chemischen Heil- Hoffe aufzubauen, die in einer spezifischen Weise oer Krankheit zu Leibe rückten, die sie verursachen­den Mikroben attackierten, ohne dabei den mensch­lichen Organismus zu schädigen. Sehr komplizierte Farbenstudien haben den Weg gebahnt. Man hatte beobachtet, daß gewisse Farbstoffe, die man dem Körper einspritzte, eine starke Verwandtschaft zu ganz bestimmten Zellen des Organismus zeigten und' von diesen stark ausgenommen wurden. Es stellte sich so heraus, daß man gleichsam mit den Farbstoffenzielen" und »treffen" konnte. So stellte sich der Gedanke ein, es müsse wohl auch möglich sein, bestimmte Heilstoffe zu schaffen, mit denen man wie mitZauberkugeln" die Mikroben treffen und vernichten könne. Es waren zabllose Untersuchungen notwendig, es mußten viele Kom­binationen in der Retorte getroffen werden, um allmählich aber planmäßig zum Erfolg zu kommen. Ein erster Erfolg war das Salvarsan. Der zweite große Erfolg war die Erfindung desGermanin", das alsBayer 205" siegreich den Kampf gegen die Ausrottung der entsetzlichen Schlafkrankheit be- aann. Von ihm aber hat Professor Hurley von der Universität Oxford nach dem Weltkrieg gesagt: Die Entdeckung *öes deutschen Germanin ist für die Alliierten wahrscheinlich viel wertvoller als sämtliche von ihnen ursprünglich geforderten Re- parationen." H. Sch-r.

Kaviar und Kindlaufe.

Max Reger wurde einst von einer befreunde­ten, sehr wohlhabenden Familie zur Kindtause eingeladen.

Der Künstler entwickelte einen sehr gesunden Appetit, besonders der Kaviar hatte es ihm an­getan. Die junge Frau scherzte über die Eßlust des berühmten Gastes und versprach ihm, daß er beim nächsten Kind ein ganzes Fäßchen Kaviar erhalten sollte.

Nach zwei Jahren erinnerte sich Reger wieder des großzügigen Versprechens, ging zum Postamt und schickte dem Ehepaar folgendes Telegramm:

Faule Bande, wo bleibt mein Kaviar?"

Geschichten ans aller Welt.

Verhängnisvoller Diebstahl.

C. K. R i o de Janeiro.

Wie aus Sao Paulo in Brasilien berichtet wird, drang in ein Krankenhaus von Riberao Preto ein Dieb ein und stahl sämtliche Hühner, Meerschwein­chen und Kaninchen, die er dort vorfand. Die Hüh­ner waren für die Ernährung der Genesenden be­stimmt, aber die Meerschweinchen und Kaninchen hatten für Laboratoriumsversuche gedient, und viele von ihnen waren mit Bazillen gefährlicher Krank­heiten geimpft, besonders von Tuberkulose und einem Pilz, der äußerst schmerzhafte und ansteckende Blasen hervorruft. Sobald die Leitung des Kranken­hauses von dem Diebstahl erfuhr, ließ sie die ganze Bevölkerung mit Hilfe der lokalen Rundfunkstation von dem Vorfall in Kenntnis fetzen und sie warnen. In der Bevölkerung verbreitete sich eine Panik, aber die Warnung hatte doch schon eine erste praktische Wirkung, da von der Straße aus in den Hof des Krankenhauses drei von den 20 gestohlenen Tieren geworfen wurden. Augenscheinlich hatte diese der unbekannte Dieb noch nicht verkauft. Zum Kran­kenhause kamen aber zahlreiche Personen, die in den letzten Tagen Meerschweinchen und Kaninchen ge­kauft haben. Die Polizei sucht eifrig nach dem Diebe, der in den Zeitungen aufgefordert wird, sich im Vertrauen auf die Milde der Richter zu melden, um anzugeben, an welche Personen er die gefahr- bringenden gestohlenen Tiere verkauft hat.

Das Märchen vom Däumling.

C. K. London.

Scotland Pard wurde an einem der letzten Abende alarmiert, weil aus einem großen Zirkus der kleinste Mensch der Welt, der zweiunddreißigjährigePrinz Däumling" verschwunden, wahrscheinlich von Gang­stern geraubt sein sollte. Sofort wurde eine Streife auf den Weg gebracht, das ganze Personal des Zirkus und die Berichterstatter der Zeitungen, die auch benachrichtigt worden waren, machten sich auf den Weg nach dem Verschwundenen. Der Zwerg ist eine Weltberühmtheit, nur 47 Zentimeter hoch, und sein Auftreten macht immer besonderen Ein­druck, weil ihn ein finnischer Riese, der 2,45 Meter

hoch ist, auf seinem Arm hereinträgt; beider Augen sind dann gerade in gleicher Höhe. Als der Zwerg aufgetreten war, hatte fein Manager ihn einen Augenblick allein gelassen, und als dieser zurückkam, war das Zimmer leer. Ein Mann wollte gesehen haben, daß ein anderer Mann den Zwerg auf seinem Arm davongetragen hatte, aber der Manager erklärte, das sei unmöglich, da der Zwerg sich nur von ihm tragen lasse.

Sechs Stunden dauerte die Jagd nach dem klei­nen Mann, ohne daß ein Erfolg erzielt wurde. Um 5 Uhr morgens wurde die Klingel des Zirkus in Bewegung gesetzt, und als der Nachtwächter öff­nete, sah er gerade noch, wie eine elegante kleine Dame, deren Gesicht hinter einem dichten Schleier verborgen war,Prinz Däumling" auf den Boden niedersetzte und schnell ihren wartenden Wagen be­stieg, um fortzufahren. Der Zwerg erzählte darauf sehr ruhig, er habe einen Spaziergang unternom­men, und auf diesem fei er von zwei Damen in ihr schönes Haus eingeladen worden; dort hätten sie ihm Tee angeboten, Süßigkeiten gereicht ' und ein schönes Bilderbuch vorgelegt, und dabei fei ihm die Zeit wie im Fluge vergangen ...

DasGcspcusterschiff".

B. B e l f a st.

Alle Leuchttürme, Küstentelegraphen und Wach­schiffe der Irischen See gaben in einer der letzten Rächte Warnungssignale an die Schiffe aus, die in diesen Gewässern so zahlreich sind. Es wurde ge­meldet, daß ein Schiff ohne Mannschaft und ohne Licht seit dem Tage vorher auf dem sturmbewegten Meer umhertriebe. Es handelte sich um das Senk- Netz-FischerbootJdris" aus dem Hafen Bangol, das der Sturm von feinen Halteseilen losgerissen hatte. Die Seeleute im Hafen bemerkten die Ab­wesenheit des Schiffes erst, als es bereits im Nebel verschwunden war. Einige Stunden später wurde das Schiff, das wie ein wahres Gespensterschiff auf öen Wellen trieb, auf der Höhe von Abergele be­merkt, es wurde auch auf diese Meldung hin von allen Rundfunksendern der englischen Admiralität Alarm gegeben, ein Küstenwachschisf wurde zur Ver- folgung ausgesandt, aber es gelang nicht, das trei­bende Schiff zu erreichen. Auch als'dieSöris" zum

zweitenmal am Abend auf der Höhe von Llan­dudno gesichtet wurde, war sie gleich harauf wieder verschwunden. Man fürchtet, daß das Fahrzeug in ein Gebiet verschlagen wird, durch das die großen Dampferlinien führen.

Der Mann mit der blauen Maske.

C. K. Stockholm.

Die schwedische Polizei macht Jagd auf einen verwegenen Banditen, der als Feld seiner verbre­cherischen Tätigkeit die mittleren Provinzen des Landes gewählt hat. Bisher ist es noch nicht ge­lungen, ihm auf die Spur zu kommen, konnte nur feststellen, daß es sich um einen hochgewachsenen, ungewöhnlich mageren Mann handelt, der aber über eine erstaunliche Kraft und Beweglichkeit ver­fügt. Wegen seiner Magerkeit hat man schon daran gedacht, daß es sich um einen Verbrecher handeln könnte, der vor einiger Zeit aus dem Gefängnis von Sundsoal ausbrach, in dem er sich durch eine 18 cm große Maueröffnung zwängte. Der Räuber fiel allen, die ihn gesehen haben, dadurch auf, daß er eine gewählte Kleidung trug und das Gesicht mit einer blauen Maske bedeckt hatte. Er hat schon eine lange Liste von Einbrüchen, Ueberfäüen und Räube­reien auf seinem Konto. Vor einiger Zeit drang er durch ein Fenster in einen Tanzsaal ein. bedrohte die Tänzer und Tänzerinnen mit dem Revolver in der Hand und ließ sich von ihnen alles aushändigen, was sie an Wertsachen hei sich trugen. Ein Boxer, der Miene machte, sich zu widersetzen, wurde von demMann mit der blauen Maske", wie er allge­mein genannt wird, schnell überwunden und ge­zwungen, sich auszuziehen und seinen Anzug aus dem Fenster zu werfen. Ein anders Mal kletterte er mit affenartiger Geschwindigkeit an einem Abfluß­rohr zu einem Balkon empor und drang in das Zimmer eines Pächters ein, der friedlich mit feiner Familie bei Tisch saß. Nachdem er die Frau und die drei Söhne zusammen mit den beiden Dienern, die bei Tisch aufwarteten, in ein Zimmer eingeschlos­sen hatte, zwang er den Mann, ihn in sein Arbeits­zimmer zu begleiten und ihm den Geldschrank zu öffnen, dem er den ganzen darin aufbewahrten Be­trag von 100 000 Kronen in bar und in Schmuck­sachen entnahm. Der Pächl-r war durch den plötz­lichen UebcrfaU so betäubt, daß er der Polizei, die sehr schnell herbeieilte, nirfV i rpl erklären konnte, wie Ser Bandit wieder davoiigekommen wäre, ob er öen Weg von neuem über den Balkon oder durch

die Wohnungstür genommen hätte. Er wußte auch nur, daß der Mann eine blaue Maske hatte, mager wie ein Skelett war und daß seine Augen seltsam leuchteten. Natürlich haben diese Berichte die Phan­tasie sehr erregt, so haß man den geheimnisvollen Mann in den letzten Tagen überall zu sehen glaubte, fein Austauchen wurde von sieben oder acht verschie­denen Orten gemeldet, an denen er wahrscheinlich nie gewesen ist.

Sie will nicht zum Film.

AS. Turin.

Welches hübsche Mädel hätte nicht schon insgeheim den Wunsch gehegt, als Filmstern auf der Leinwand zu erscheinen. Nun wird aus Turin gemeldet, daß dort eine schone Frau die Anwartschaft auf Ruhm und Erfolg, die ihr bereits offenstand, glatt aus- geschlagen hat! Bei einem von einer Filmzeitschrist veranstalteten Wettbewerb, durch den dem Film junge, hoffnungsvolle Talente zugeführt werden sollten, hatte Vanna Borea Doglioli öen ersten Preis und damit die Anwartschaft auf einen An­stellungsvertrag bei einer großen römischen Gesell­schaft errungen. Zur allgemeinen Ueberraschung stellte sich nach einigen Tagen heraus, daßFräu­lein" Vanna Borea Doglioli in Wirklichkeit Frau Vanna Borel, die junge Gattin eine- bekannten italienischen Fußballspielers, ist. Als man ihr die Nachricht von dem Siege bei dem Wettbewerb über­brachte, erklärteFräulein Vanna" kaltlächelnd, daß ihr hiejer Erfolg zwar Vergnügen bereite, daß sie aber nicht daran Senke, ihren Mann im Stich zu lassen, um in den Aufnahmewerkstätten der römi­schenCincecitta" (Filmstadt) ihr Glück zu versuchen. Selbst der auf ein Jahr befristete Probevertrag, der ihr ein Monatsgehalt von zunächst 2000 Lire zu- sicherte, vermochte sie nicht zur Aufgabe ihrer ab- lehnenSen Haltung zu verlocken. DaFraulein Vanna" also durchaus feinStern" werden will, stehen die Preisrichter vor einer schwierigen Fragrr- Sollen sie die zweite Preisträgerin an Stelle der Siegerin nach Rom schicken oder den ganzen Wett­bewerb erneut ausschreiben? Die Blätter berichten, daß sich insbesondere einige junge Damen, die bet dem Rennen um einen Platz am Filmhimmel um Nasenlängen geschlagen wurden, eifrig für die Wiederholung des Wettbewerbs ausgesprochen ha­ben, wohl in der stillen Hoffnung, daß das Schick­sal ihnen dann das große Los bescheren werde, da» ihre glücklichere Konkurrentin verschmäht hat.

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