Ausgabe 
21.1.1939
 
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als Mittelpunkt des Menschen- und Kriegsmaterial- schmuggels nach Sowjetspanien wieder in aller Munde, wurde damals an Frankreich abgetreten. Im spanischen Erbfolgekrieg zwischen Bourbonen und Habsburgern, der Spanien Gibraltar gekostet hat, standen die Katalanen auf Seiten Karls, des habsburgischen Thronanwärters. Ein französisches Heer erstürmte und zerstörte 1714 Barcelona und nach Friedensschluß hoben die Bourbonen die alte Verfassung Kataloniens auf, auch die meisten Son­derrechte gingen im Laufe der Zeit verloren. Aber Katalonien blieb ein Herd des Separatismus, der sich nach dem Sturz der Diktatur Primo de Riveras 1930 mit den Madrider Marxisten gegen das König­tum verband. Oberst Macia wurde Vorkämpfer für eine katalanische Autonomie, ihm blieb jedoch auch in der Republik der Erfolg versagt.

Diesen nur aus der geschichtlichen Entwicklung verständlichen Gegensätzen, zu denen noch die Be­tonung der dem Provenzalischen ähnliche katalani­schen Sprache und das Herausstellen der landschaft­lich eigentümlichen katalanischen Kunst und Literatur kommen, entsprechen auch Gegensätze der wirtschaft­lichen Struktur. Katalonien ist mit Kantabrien und den baskischen Provinzen das industriereichste Ge­biet Spaniens. Seine Textil- und Eisenfabriken versorgten das ganze Land. Barcelona, mit 1,2 Mil­lionen Einwohnern die volkreichste Stadt Spaniens, war auch zweifellos seine weitaus bedeutendste Handels- und Industriestadt, die mit ihrem pulsie­renden Leben in den breiten Palmen- und Platanen­alleen am Hafen, in dem Straßengewirr der Alt­stadt und in den parkartig aufgelockerten Vororten, die sich mit ihren vielen Bauten in dem phantasti­schen neukatalonischen Stil bis zum aussichtsreichen Tibidabo und anderen Höhen hinaufziehen, vor dem Bürgerkrieg dem Besucher das Bild außerordent­licher Betriebsamkeit bot, wie sie keine andere Stadt Spaniens aufzuweisen hatte. Die Schattenseite die­ser wirtschaftlichen Blüte war die Zusammenballung großer Arbeitermassen, wie sie in diesem Ausmaß ebenfalls keine andere Stadt Spaniens kannte. So wurde Barcelona schon vor vielen Jahrzehnten Sitz des spanischen Marxismus in feinen radikalsten und gefährlichsten, den romanischen Ländern eigentüm­lichen Formen des Syndikalismus und Anarchis­mus, Spielarten, die ja auch während des augen­blicklichen Bürgerkrieges immer wieder um die Macht im marxistischen Lager gekämpft haben. Mos­kau fand also hier leicht das Sprungbrett für die bolschewistische Revolution, die man mit Hilfe der Volksfront in Madrid und der Syndikalisten in Barcelona in Gang setzte. Von Barcelona, dem Sitz der roten Regierungsausschüsse aus, wurde bis heute der Kampf gegen Franco geleitet. Deshalb wird der Enderfolg der Franco-Offensive in Katalonien, der wohl kaum noch ernstlich in Frage steht, mag auch das Kriegsglück höchst wandelbar fein, dem Bol­schewismus in Spanien einen Schlag versetzen, von dem es keine Erholung geben dürfte.

Das wissen auch alle Kreise des Auslandes, denen an einer Konsolidierung der Verhältnisse in Spanien nicht gelegen ist, sei es aus ideologischen Gründen, weil für sie die Niederlage des Bolschewismus in Spanien gleichbedeutend wäre mit einer verlorenen Schlacht in ihrem Haßfeldzug gegen die autoritären Staaten, sei es aus machtpolitischen Gründen, weil ihnen ein starkes nationales Spanien als selbstän­dige Mittelmeermacht höchst unbequem wäre. So ist die spanische Frage wieder zum Prüfstein ge­worden für die Völker, an dem es sich entscheiden muß, wer in dem neuen Geist des Münchener Ab­kommens entschlossen ist, stetig und zielbewußt mit­zuarbeiten an dem Aufbau einer neuen europäischen Friedensordnung, die auch dann den natürlichen Lebensnotwendigkeiten der europäischen Nationen zu ihrem Recht verhelfen muß, wenn etwa macht­politische Sondevinteresfen dem entgegenzustehen scheinen. Und was könnte im Geist von München selbstverständlicher sein als Spaniens Recht auf Selbstbestimmung seiner nationalen Zukunft? Aber es ist für den ganzen Verlauf des spanischen Bür- gerkrieges bezeichnend, daß die Nichteinmischungs­politik, auf die sich auch die westlichen Demo­kratien in London feierlich verpflichtet haben, immer dann prompt ins Wanken gerät, sobald General Francos Waffen einen Erfolg errungen haben, der die nationale Sache dem Endsieg näherbringt. So­fort setzen in Paris und London Volksfront und Opposition zum Sturm auf die Regierungen ein, um sie zum Eingreifen in Spanien zu veranlassen.

Chamberlain wie Daladler haben bislang diesem Sturm standgehalten, aber mit welchen Mitteln man ihnen zusetzt, zeigt die enge Verknüpfung ideolo­gischer und machtvolitischer Argumente, die die Parteigänger des Bolschewismus gegen die Nicht­einmischungspolitik der Regierungen ins Feld füh­ren. Der Hinweis auf das Schicksal Gibraltars ober die Verbindungslinien des französischen Imperiums bei einem Sieg des nationalen Spaniens führt auch Chauvinisten der äußersten Rechten, wie Keryllis in Paris oder Churchill in London, in das Lager der Bolschewisten freunde, die mindestens die Oeff- rrung der französischen Grenze zur Unterstützung der roten Verteidiger Barcelonas fordern. Musso­lini hat in den römischen Besprechungen mit Cham­berlain keinen Zweifel darüber gelassen, daß er sich nur so lange an die Nichteinmischungspolitik ge­bunden hält, wie sie auch von Frankreich und Eng­land beobachtet wird. Es ist auch ferner fein Zweifel möglich, daß Mussolini den in Paris mit einiger Nervosität erwarteten Eintritt in Verhand­lungen über eine Neugestaltung des französisch-ita- lienischen Verhältnisses von der Bereinigung der spanischen Frage abhängig macht. Vielleicht ist das die heste Bürgschaft dafür, daß in London wie in Paris auch künftighin die nüchterne Ueberlegung und das europäische Deranttvortungsbewußtsein der leitenden Staatsmänner die Oberhand behält gegen­über dem aufgeregten Kriegsgeschrei der Kommu­nisten, Vazifisten und Chauvinisten, die in brüder­lichem Verein sich zum letzten Sturm gegen den Sieg des Ordnungsprinzips in Spanien zusammen« finden. Dr. Fr. W. Lange.

Schützengräben und Befestigungen in Barcelona.

Bilbao, 20. Ion. (DNB.) Aus Barcelona ein­getroffene Nachrichten besagen, daß die Roten in fieberhafter Eile innerhalb des Stadtge­bietes Befestigungen, Schützengrä­ben und Unterstände anlegen. Besonders die Stadteingänge und die hauptsächlichen Zufahrts­straßen werden befestigt. Für diese Arbeiten müssen Frau en und Kinder Frondienste leisten, natürlich unter der Aufsicht schwerbewaffne­ter Sowjetschergen. Die Panikstimmung innerhalb der Bevölkerung ist durch diese Maßnahmen noch mehr gestiegen, da sie Kämpfe im Innern der Stadt befürchten lassen.

Unser Außenhandel im Lahre 1938.

kurzem zu beachtlichen Erfolgen auf dem Gebiete des Außenhandels geführt.

Don unserer Berliner Schristleitung.

Im Vorjahre ist der Welthandel weiter rückläufig gewesen. Die Ausfuhr Deutsch­lands, zu der noch ab 1. Oktober die des heim­gekehrten Sudetenlandes kam, ist infolgedessen ebenfalls um 9 d. 5). gefunden, öie hat gegenüber 1937 um 531 Millionen Mark abgenom­men, und zwar volumenmäßig, nicht wert­mäßig, da für unsere Ausfuhr durchweg etwas höhere Preise als 1937 bezahlt wurden. Dagegen war die deutsche Einfuhr insofern billiger, als die Einkaufspreise im Ausland durchweg um 8 o. H. niedriger lagen als im Jahre 1937. Mengenmäßig wurden die Sätze des Vorjahres hier überall über­schritten. Unser gesamter Einfuhrüberschuß beläuft sich 1938 auf 432 Millionen Mark, während wir 1937, natürlich noch ohne Ostmark und Sudeten­deutschland, einen Aktivsaldo von 413 Millionen Mark aufzuweisen hatten.

Das Jahr 1938 war für unseren Außenhandel insofern anormal, als die Krisenmonate das Auf­nahmevermögen der Welt für deutsche Waren sehr verringerten, während Deutschland andererseits ge­zwungen wurde, nicht nur durch die Ländergewinne, sondern auch für andere Zwecke größere Plengen Auslandsware hineinzunehmen, Momente, die aber sich im gleichen Ausmaß nicht wiederholen dürften. Interessant ist nun, daß dabei weniger ein erhöhter Bezug an Rohstoffen den Ausschlag gibt, denn mengenmäßig nahm die Rohstoffeinfuhr nur um 4 v. H. zu, wodurch sich die verstärkte Pro­duktion neuer Werkstoffe in Deutschland bemerk­bar machte, sondern daß Halb- und Fertig- waren und planzliche Nahrungsmittel in erster Linie in Betracht kommen, nämlich mit einer Steigerung von 22,17 und 14 v. H.

I Entgegen allen pessimistischen und sehr oft bös- ! willigen Behauptungen vorwiegend englischer ' Stellen ist Deutschland also kein schlechterer, son­dern ein besserer Kunde der Weltwirt­schaft geworden, und gerade jetzt hat der süd­afrikanische Verteidigungsminister P i r o w fest« gestellt, daß durch die deutschen W o l l k ä u f e, die nach dem deutsch-südafrikanischen Handelsab­kommen getätigt wurden, die Wollfarmer Süd­afrikas direkt vor dem Zusammenbruch gerettet wurden. Es ist nur natürlich, daß wir nur dort kaufen, wo man unsere Waren nicht diskriminiert, und daß mir die weltwirtschaftlichen Beziehungen nur auf der Basis der Gleichberechti­gung pflegen können. In dieser Hinsicht hat i Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Walther Funk ganz offen in b^r Sonderausgabe der ZeitschriftDer Vierjahresplan" gesagt, daß die Diskriminierung der deutschen Waren in ben USA. und die Hetze gegen die deutsche Politik uns veranlassen würden, andere Länder als Bezieherstaaten statt USA. zu suchen. Wir wer­den, so führt der Minister fort,Ersatz für die Be­stellungen in den Vereinigten Staaten sinden, und zwar bei den Balkanländern und der Türkei, die die naturgegebenen Aus-

I tauschwirtschaften für Deutschland sind, weil sie durch die Steigerung ihrer Produktion durch erhöhte Bezüge Deutschlands und vermehrte Einfuhr deutscher Jnduftrieprodukte einer wirt»

1 schaftlichen Erstarkung und einer Verbesserung der Kaufkraft ihrer Bevölkerung und ihres Lebens-

standards kommen." E. S.

Die Aufgaben

-es neuen Reichsbankpräsidenten.

Oer Führer an Funk und Schacht.

Berlin, 20. Ian. (DNB.) Der Führer hat an Reichsminister Funk folgendes Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Minister!

Ich nehme den Anlaß Ihrer Berufung zum Präsidenten der Deutschen Reichsbank wahr, um Ihnen zur Aebernahme Ihres neuen

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Amtes meine aufrichtigsten Wünsche auszu- fprechen. Ls wird Ihre Aufgabe fein, 1. in Ihrer nunmehr die beiden wichtigen

Refforts vereinigenden Stellung so wie bis­her die unbedingte Stabilität der Löhne und der Preise sicherzu­stellen und damit der Mark ihren Wert auch weiterhin zu bewahren;

2. für den privaten Geldbedarf den Kapitalmarkt in erhöhlerem Umfange zu erschließen und zur Verfügung zu stellen;

3. die mit dem Gesetz vom 10. Februar 1937 eingeleitete Umgestaltung der durch den Dawes - Pakt der uneingeschränkten Hoheit des Deutschen Reiches entzogenen

Dienste meinen aufrichtigsten und wärmsten Dank auszusprechen. Ihr Rame wird vor allem für immer mit der ersten Epoche der nationalen Wieder- aufrichlung verbunden sein. Ich freue mich, Sie in Ihrer Eigenschaft als Reichs­minister nunmehr zur Losung neuer Aufgaben einsehen zu können.

Mit deutschem Gruß Ihr Adolf Hitler.

Zu dem Wechsel m der Reichsbankleitung schreibt derVölkische Beobachter", daß durch die Ernen­nung des Reichswirtschastsministers Funk auch zum Reichsbankpräsidenten die Produktion und die Finanzierung eine weitere Stabilität erfah­ren. Die Berufung bringt in erster Linie eine weitere Kräftezusammenfassung für die in der nächsten Zeit gestellten Aufgaben. Mit der Vereinigung der beiden Aemter sind wesentliche Voraussetzungen für eine gesteigerte Kräfteentfal­tung geschaffen. Reichsminister Dr. Schacht hat sich in seiner Eigenschaft als Reichsbankpräsident große Verdienste um den nationalsozialistischen Wie­deraufbau erworben. Der Führer hebt in seinem Schreiben insbesondere hervor, daß sein Name für immer mit der ersten Epoche der nationalen Wieber- ausrichtung verbunden sein wird und daß er ihn in seiner Eigenschaft als Reichsminister immer zur Lösung neuer Aufgaben einsetzen kann.

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Der Berliner Lokalanzeiger schreibt: Mit Schacht verläßt ein Mann die Reichsbank, dessen Verdienste unbestritten sind. An der F i n a n - zierung der Ausrüstung hat er hohen Anteil. Schacht wird jedenfalls in der Liste der Reichsbankpräsidenten als eine der Hervorragendsten Persönlichkeiten verzeichnet bleiben. Daß der Führer den Reichsminister Dr. Schacht zur Lösung neuer Aufgaben einsetzen wird, wird die Wirtschaft im Hinblick auf die lebhafte Aktivität Dr. Schachts sicherlich begrüßen. Der neue Reichsbankpräsident Funk ist ein Mann der Theorie und der Praxis zugleich. Sein Herz verbindet ihn feit langer Zeit mit dem Nationalsozialismus, und sein praktischer Verstand hat chn erst vor

Die Berliner Börsenzeitung stellt in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen über Funk dessen Rede vom 1. Juli 1938 in Stettin und hebt folgende Sätze besonders hervor:Deutschland hält an der stabilen Währung fest, die durch eine sichere Produktionsgrundlage und f e st e Preise untermauert wurde und unerschüt- tert dasteht. Wir bieten der Welt die große Chance, auf der Basis dieser festen Grundlage mit uns neu aufzubauen. Auch die Berliner Börsenzeitung zeigt in ihrer Würdigung der Derdienste Dr. Schachts sich sehr erfreut, baß dieser das Feld der großen Arbeit nicht verlassen werbe. Mit seinem Namen sei einmal die erfolgreiche Politik der stabilen Reichsmark von 1 9 2 3 bis 19 3 3 mit einer kurzjährigen Unterbrechung verbunden. Mit seinem Namen sei auch bas vom Auslanbe fälschlich sogenannte b e u tsch eFi­nanzwunder" seit 19 3 3 verknüpft. Schacht sei nach dem Weltkriege ein Pionier der deutschen Kolonialforderungen gewe­sen und zugleich ein unsentimentaler Prediger für eine gesunde Finanzwirtschaft der öffentlichen Hand. Im Frühjahr 1938 sei ihm vielleicht sein größter Erfolg gelungen, die öffentliche Finanzierung auf den Weg eines wohl­bedachten Scbleusensystems zu bringen, das durch die jetzige Personalunion zwischen RWM. und Reichsbank unter Walther Funk nur gefördert werden könne.

PinFieseler Storch" für Marssball Balbo.

Berlin, 20. Jan. (DNB.) Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, hat dem italie­nischen Luftmarschall B a I b o als ein freundschaft­liches Gegengeschenk ein FlugzeugFieseler Storck" überbringen lassen. Major v. Cramon, der Leiter der Attachegruppe Luft, hat es auf einem schwierigen Winterflug über Alpen und Apennin nach Rom geflogen. Auch bei die­sem Winterflug hat derFieseler Storch" feine guten Eigenschaften wieder bewiesen. Selbst Lan­dungen bei über 70 Zentimeter Neuschnee bereiteten keine Schwierigkeiten. Gleichzeitig mit dem Flug- zeug wurde ein Handschreiben des Generalfeld» marschalls an Marschall Balbo im Beisein des Luftattaches bei der deutschen Botschaft in Rom, Generalmajor Freiherr von Bülow, übergeben. Be­sonders herzliche Ausnahme fand der deutsche Flie­ger bei den italienischen Kameraden in Bozen, Trient, Verona, Bologna und Iesi.

Londons Flugplatz Hendon unter Polizeischuh.

London, 20. Jan. (Europapreß.) Die Flugzeug­schuppen des Flugplatzes Hendon bei London sind am Freitagmorgen geräumt worden, da man Bombenanschläge befürchtet. In der Nacht zum Freitag hatte ein unbekannter Mann von einem Münzfernsprecher aus die Flugplatzleitung und Scotland Pard benachrichtigt, daß ein Akten- t a t größeren Ausmaßes auf den Flugplatz benot« stehe. Der Flugplatz und feine Umgebung wurden aus diesem Grunde seit Freitagmorgen durch st arte Polizeiaufgebote bewacht. Gleich­zeitig sind sämtliche Gebäude des Flugplatzes ein­gehend untersucht worden, da man befürchtet, daß sich an irgendeiner Stelle eine Bombe mit Zeitzündung befindet. Bisher ist jedoch nichts Verdächtiges gefunden worden. Die Vorsichtsmaß­nahmen, die den Flugverkehr stark behindern, wer­den einige Tage andauern. Inzwischen hofft die Kriminalpolizei, das Rätsel lösen zu können.

Polizeiliche Durchsuchung japanischer Hotels in Singapur.

Singapur, 20. Jan. (Europapreß.) In Sin­gapur, dem britischen Kriegshafen an der Straße von Malakka, haben polizeiliche Durchsuchungen in japanischen Hotels und Büroräumen stattgefunden. Gegen Mittag sperrte Polizei plötzlich die Straßen um einige japanische Hotels und um das japanische Jndustriebüro sowie die japanische Handelskammer ab. Die Gebäude wurden von Polizeibeamten nach Schriftstücken durchsucht. Dabei soll eine Reihe von Schriftstücken beschlagnahmt worden sein, über deren Inhalt die Polizei jedoch jede Aus­kunft verweigert. Insbesondere sollen der Beschlag­nahme Schriftstücke verfallen sein, die sich im Be°

damaligen Reichsbank zu einer der Souveränität des Staates be­dingungslos unterstellten deut­schen Rotenbank zu jenem Abschluß

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zu bringen, der den nationalsozialistischen Prinzipien entspricht.

Mit deutschem Gruß Ihr Adolf Hitler.

Der Führer hat an Reichsminister Dr. Schacht das folgende Schreiben gerichtet:

Berlin, 19. Januar 1939.

Sehr geehrter Herr Minister!

Ich nehme den Anlaß Ihrer Abberufung vom Amte des Präsidenten des Reichsbauk- dlrektoriums wahr, um Ihnen für die Deutsch­land und mir persönlich in dieser Stellung in langen und schweren Iahren ekneut geleisteten

Das Programm des ersten national­sozialistischen Memeldirektoriums.

Eine Unterredung mit dem Präsidenten Bertuleit.

Memel, 20. Jan. (DNB.) Der neuernannte Präsident des Memeldirektoriums Willi Bertu - leit hat dem Gouverneur die Mitglieder des neuen Direktoriums benannt, und zwar die Memeldeutschen Sziegaud, Monien und Dr. Böttcher. Die Geschäftsübernahme erfolgt am Montag. DasMemeler Dampfboot" veröffentlicht eine Unterredung mit Präsident Bertuleit, der darin das Programm des künftigen nationalsozialistischen Memeldirektoriums entwickelte.

Bertuleit stellt zunächst fest, daß die seiterzeit gegen den Willen her Landtagsmehrheit eingesetzten litauischen Direktorien sich als Verfechter der Auto­nomie ausgegeben und versprochen hätten, aus dem Memeltzebiet ein Paradies zu machen. Man habe aber dabei an ein Paradies ohne Memel- deutsche gedacht und man habe das Statut im Sinne des jüdischen Kronjuristen Mandelstamm auslegen wollen.Jetzt", so stellte Bertuleit fest, haben die Memel deutschen das Heft in der Hand, und ihre Führung wird das Schick­sal unserer schwergeprüften Heimat so gestalten, wie es den Wünischen der über 90 v. H. betragenden deutschen Mehrheit des Gebietes entspricht."

Auf die Frage nach den hauptsächlichsten Wün­schen der Memeldeutschen erklärte Bertuleit u. a., es fei nicht zu leugnen, daß auf kulturellem Gebiet ein Einlenken der litauischen Regierung zu ver­zeichnen sei, doch befriedige der gegenwärtige Zu­stand noch keineswegs. Das Schulwesen z. B. müsse und werde eine gründliche Neuordnung und eine weltanschauliche Ausrichtung erfahren. Die im Gebiet noch amtierenden aus Groß-Litauen importierten Lehrer, etwa 20 an der Zahl, werden von ihrer unmöglichen Rolle, Erzieher der

memeldeutschen Jugend zu fein, befreit werden müssen. Der litauischen Filmzensur, von der auch nichts im Statut zu finden sei, werde beige­bracht werden müssen, daß die deutsche Wochen­schau und deutsche Kulturfilme nichts mit der Sicherheit des litauischen Staates zu tun haben den den Memeldeutschen ohne weiteres zugänglich sein müssen.

In wirtschaftlicher Beziehung müßten vor allem die Folgen der statutswidrigen litauischen Eingriffe beseitigt werden, mit deren Hilfe man alle Wirtschaftszweige des Memellandes in eine poli­tische und wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen suchte. Z. B. deckten die Preise für landwirt­schaftliche Produkte in den für die litauische Zentralregierung abgeschlossenen Verträgen z. T. nicht einmal die Produktionskosten, so daß die me­melländische Landwirtschaft im erschreckenden Aus­maß verschuldet sei. Bertuleit wandte sich wei­ter gegen die monopolähnlichen Vorrechte der halb­staatlichen litauischen Handelsgesell­schaft e n , bie den einheimischen Handel benach­teiligten. Diese Methode müsse im Sinne des Sta­tuts und im Interesse eines normalen memellän­dischen Handels abgestellt werden.

Zum Schluß erklärte der Präsident des Memel­direktoriums, daß die weitere Entwicklung eine feste Verankerung und Ausbreitung der natio­nalsozialistischen Weltanschauung im Memelgebiet gewährleiste. Bertuleit sicherte zu, daß er sich für die ungefähr 30 Memeldeutschen einsetzen werde, die immer noch i n litauischen Zuchthäusern sitzen, ebenso werde er die Kla­gen der beim litauischen Militär befind­lichen Memeldeutschen prüfen.