Ausgabe 
20.12.1939
 
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llr.298 Erstes Statt

189. Jahrgang

Mittwoch, 20. Dezember 1939

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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öie deutsche Lustwaffe erneut über -er Nordsee und der englischen Ostküste.

L o n d o n, 19. Dez. (Europapreß.) Auch am Diens- deutscher Flieger an der eng­lischen Ostkuste werter an. Wie das Luftfahrtmini- sterium bekanntgibt, wurde der Fischdampfer Ac­tio e" durch Fliegerbomben versenkt. Die Mann­schaft wurde bis auf einen gerettet. Der Fischdampfer A st u r r a wurde ebenfalls angegriffen und durch Bomben erheblich beschädigt. Drei Mitglieder der Besatzung wurden getötet, doch gelang es dem Schiff, den Hafen zu erreichen. Bei den S h e t l a n d- Inseln wurde am Dienstag ein deutsches Auf­klärungsflugzeug gesichtet. Vier Mann der Besatzung emes englischen Flugzeugs, das in der Luftschlacht am Montag abgeschossen wurde, wurden von einem Fischdampfer in ihrem Gummiboot trei­bend aufgefunden und gerettet. Das Vorposten­schiffC a r a b i n e e r" ist bombardiert worden und gesunken. Ein Besatzungsmitglied wird vermißt. Das SchiffSutherland" berichtet, es sei mit sieben Bomben beworfen worden. Vier Stunden lang trie­ben die Ueberlebenden auf dem Meere, bevor sie von einem anderen Schiff ausgenommen wurden.

Todesfahrten nach England.

gewehrfeuer der Kämpfenden und das ununter­brochene Knattern der Flak auf Sylt wurde auf Rom deutlich vernommen. Zwischen 13 und 14 Uor, so schildertPolitiken" weiter, tauchten Ma­schinen deutscher Herkunft auf und griffen sofort in ew.Gegen 15 Uhr herrschte daraufhin Stille , schreibt das Blatt und bestätigt damit die Riederlage des Angreifers. An der dänischen Westküste macht man sich darauf gefaßt, daß in der nächsten Zeit Wrackteile abgeschossener englischer Flugzeuge antreiben werden.

Alliierter Kriegsrat in Paris.

.^oris 19. Dez. (Europapreß.) Im Kriegsmini- ftenum trat der Oberste Alliierte Rat zusammen. An­wesend waren der englische Ministerpräsident

C h a m b e r l a i n, der französische Ministerpräsident D al ad i er, der französische Generalissimus Ga- melin und der Chef des französischen Admiral­stabes Sarian. Chamberlain hatte im Quai d'Orsay an einem zu seinen Ehren von Daladier gegebenen Essen teilgenommen, nachdem er vorher Teile der Maginot-Linie besichtigt hatte. Eine Reihe von Mor- gcnblättern beschäftigen sich am Dienstagvormittag mit der Frage einer militärischen Hilfeleistung für Finnland und der Rolle, die die skandinavischen Staaten dabei zu spielen haben würden.

Nach den Informationen desIntransigeant" haben die Beratungen folgenden Punkten gegolten: der Ingangsetzung der französisch-englischen Wirt­schaftsabkommen, die vor einigen Wochen zwischen den Finanzministern der beiden Länder ab­geschlossen worden sind; einer Verstärkung der Blockade und einer neuen Ueberprüfung der Rußland gegenüber zu befolgenden Politik nach den Beschlüssen von Genf. Schließlich wurde die Möglichkeit einer eventuellen Hilfe für Finn­land geprüft.

./Wirtschaftlicher Selbstmord Englands."

Oie katastrophale Entwicklung des britischen Exports als Kehrseite der Blockade.

Der Wehrmachtsbericht vom Dienstag.

ihr

Amsterdam, 20. Dez. (DNB. Funkspruch.) 18 Besatzungsmitglieder des britischen 4373-Tonnen- DampfersCity o f Kobe" aus Liverpool, der in der Nordsee versenkt worden ist, sind in einem Hafen der englischen Ostküste an Land gebracht worden. Wie die Ueberlebenden berichten, wurde das Schiff bereits zwei Tage vor seiner Ver­senkung durch deutsche Flieger mit Bomben und Maschinengewehren angegriffen. Die dänische . Dampfschiffahrtsgesellschaft Baltic teilt mit, daß ihr TrawlerB o g ö" vor der schottischen Küste a u f eine Mine lief und sank. Von den 17 Mann

der Besatzung konnten nur wenige gerettet werden. Der in Kopenhagen beheimatete 1950 Tonnen große Dampfer war am 15. Dezember von einem schwe- tkischen Hafen nach England ausgelaufen, um dort Kohlen für Dänemark zu laden. Die Ueber- ^lebenden des dänischen 1877-Tonnen-Dampfers

Jytte" wurden von einem anderen dänischen Dampfer in einem Hafen der englischen Nordost- füste an Land gesetzt. Man nimmt an, daß Schiff in der Nordsee untergegangen ist.

Amsterdam, 20. Dez. (DNB. Funkspruch.) Unter der ÜberschriftWirtschaftlicher Selbstmord emes Imperiums" schreibtHet Nationale Dag- blad , daß das von Adolf Hitler geprägte Wort ?.? r * *e r e n oder sterben" nicht zuletzt auch für Großbritannien und Frankreich gelte. Das werde um so klarer, wenn man bedenke, daß die Handelsbilanz Großbritanniens bereits in einem normalen Jahre wie 1938 ein Defizit von 388 Mil­lionen Pfund aufgewiesen habe. In den ersten Kriegsmonaten aber sei die britische Aus- fuhr völlig zusammengebrochen. Unter vcrgleichsweiser Hinzuziehung der britischen Han­delsziffern von 1938 rechnet das Blatt dann aus, daß mit Ausbruch des Krieges und des Wegfalles des teilweisen oder ganzen britischen Ausfuhrhandels nach Deutschland, Polen, Finnland, Schweden, Dänemark und der früheren Tschecho-Slowakei der britische Ausfuhrhandel von vornherein einen Schadenvon rund70 Millionen Pfund erlitten habe. Der Erport Großbritanniens nach Dänemark und den anderen skandinavischen Län­dern würde durch die deutsche Blockade immer weiter st i l l g e l e g t. Diese Länder orientierten sich immer mehr nach Deutschland. Außerdem

seien in die Berechnungen die britischen Handelsver­luste in den britischen Staaten und mit Rußland nicht einbezogen.

Es spreche von selbst, so fährt das Blatt fort, daß Großbritannien, dessen gesamtes Leben auf den Welthandel aufgebaut fei, die Gefahren sei­ner eigenen Blockade völlig unter­schätzt habe. England habe mehr denn irgendein anderes Land mit einer kurzen Dauer d e s Krieges gerechnet. Das Umschwenken Ruß­lands in den letzten beiden Wochen vor Ausbruch des Krieges und die Beschränkung des Krieges auf Westeuropa hatte einen großen Strich durch die britischen Berechnungen gemacht. Der wirtschaftliche Aufbau eines vollkommen neuen Sy­stems in Mitteleuropa habe Großbritannien total überrascht. Wenn es Deutschland gelinge, die ver­kehrstechnischen Fragen im Laufe einiger Jahre zu lösen, so würde in Zentraleuropa ein Wirtschafts­raum geschaffen sein, dessen Zustandekommen Groß­britannien mit allen Mitteln zu verhindern versucht habe. So seien die ruhelosen Versuche Englands zu verstehen, den Krieg auch auf diese Staaten auszu­breiten.

Luftkrieg über See.

Bisher ist keine englische Fliegerbombe auf deut­schen Boden gefallen. Schon wenige Tage nach Aus­bruch des Krieges, am 4. September, starteten die Engländer ihren ersten Luftangriff auf die deutsche Küste. Das Ergebnis war niederschmetternd. Den Engländern gelang es nicht nur nicht, irgendwelchen Schaden anzurichten, sondern sie verloren auch mehr als die Hälfte der angreifenden Flugzeuge. Seit diesem mißlichen Auftakt hat die britische Luftwaffe noch zu wiederholten Malen versucht, das nasse Dreieck zu überwinden. Das Resultat war immer gleich negativ. Nur den britischen Konfettifliegern gelang es bei nächtlichen Besuchen, ihre lächerlichen Flugzettel aus großer Höhe über deutschem Gebiet abzuwerfen. Freilich bedeutete auch dieserPapier­krieg" nur eine nutzlose Verschwendung für das an Zellulosestoffen arme England.

Dm Gegensatz zu den britischen Luftaktionen waren die Unternehmungen der deutschen Luft­waffe immer von vollem Erfolg begleitet. Von den Shelland-Jnfeln hoch im Norden bis zu den Kriegs- Häfen der englischen Südküste haben unsere Auf­klärungsflugzeuge den englischen Raum unter dau­ernder Kontrolle. Wichtige englische Versorgungs­plätze, Verteidigungsanlagen und Schiffsbewegun­gen werden von unseren fliegenden Kundschaftern im Luftbild festgehalten. Englische Kriegsschiffe aller Art sind durch unsere Bombenschützen vernichtet oder schwer beschädigt worden, und neuerdings müs­sen auch die englischen Wacht- und Vorpostenschiffe sich stärkste Verluste durch unsere im Tiefflug an­greifenden Aufklärer gefallen lassen. Im Verlaufe eines Vierteljahres hat also die deutsche Luftwaffe auf dem Nordsee-Kriegsschauplatz eine eindeutige Ueberlegenheit über den Gegner errungen.

Wohl um den sehr schlechten Eindruck zu ver­wischen, den die britischen Mißerfolge im Luftkrieg überall hervorgerufen haben, wurde in London nunmehr eine neue Serie gewaltsamer Vorstöße befohlen. Ja, man rühmte sich sogar, durch sogenanntesSperrefliegen" vor der deut­schen Küste unsere Flugzeuge am Ausstieg verhin­dern zu können. Aber schon der erste, am 14. De­zember unternommene Versuch scheiterte kläglich. Von einem aus zwanzig Maschinen bestehenden Verband britischer Kampfflugzeuge kehrten höch­stens zehn zurück, während die englischen Einzel­flieger nirgends ihr Ziel erreichten. Wütend über diesen Mißerfolg, ließen die Engländer dann am 18. Dezember ih re n Großangriff mit 52 Maschinen folgen, der sich zu einer der größ­ten Luftschlachten der Kriegsgeschichte, aber auch zu einer vernichtenden Niederlage für die britische Militärluftfahrt gestaltete. Unsere Jäger

52 englische Flugzeuge griffen Wilhelms­haven erfolglos an. 34 wurden ab­geschossen.

Oer deutsche Lustsieg in der Deutschen Bucht.

Berlin. 19. Dez. (DRV.) Das Oberkommando ier Wehrmacht gibt bekannt:

Au der W e st f r o n t geringe örtliche Spähtrupp- mb Artttlerietätigkeit.

Die Luftwaffe klärte gegen Seeziele ostwärts Schottlands auf. Hierbei griffen deutsche Fernauf- llärer vier englische Vorposlenboote an. Sie wurden eerfenkt.

3n den frühen Rachmittagsstunden versuchten 52 englische Kampfflugzeuge Wilhelmshaven an- Mgreifen. Der deutsche Flugmeldedienst erkannte stühzeilig die Angreifer. Bereits nördlich Helgoland wurden sie von Jagd -und Zerstörerftug- zeugen gestellt. 3 4 britische Flugzeuge Kurden hierbei nach hartem Kampf a b g e s ch o s - len. Wir verloren zwei Flugzeuge.

Einzelne feindliche Flugzeuge, denen es gelang, sich den angreifenden deutschen Jägern zu entziehen, gerieten in das konzentrierte Abwehrfeuer der Flak­artillerie auf den Inseln und an der Küste. Sie Küßten umkehren, ohne zum Bombenabwurf zu kommen.

Dänische Augenzeugen bestätigen deut chen Lußsieg. Kopenhagen, 19. Dez. (Europapreß.) Den ^richten über die deutschen Erfolge bei dem Luft- kompf über der Helgoländer Bucht räumen die dönischen Zeitungen weitaus größeren Platz ein, englischen Falschmeldungen. Dänische Berichte ms Tondern bestätigen übereinstimmend, daß die englischen Angreifer in dem Augenblick geschlagen Dirben, in dem Deutschland Luftftreitkräfte ein- fe^te. Diese Beobachtung wurde von Augenzeugen °ff der dänischen Insel Röm gemacht. Em er h r englischer Angriffsversuch wurde M Sonntag um Mitternacht gegen di e Ins e I Sylt unternommen. Er dauerte zweieinhalb Stun- krt. Das Ergebnis war scharfes deutsches Abwem- iw er und Einsatz einiger Jagdflieger. Der englische krolg war negativ. Kurz nach 10 Uhr am Rrnttagmorgen hörte man auf der Süd spitze von Kem wieder das Motorenbrummen ftchfliegender Flugzeuge. Ihre Nattona- Itii konnte zunächst nicht erkannt werden, obwohl ft ftostklarer Tag war. Als die Maschinen jedoch ihr» große Höhe beibehielten, wurde klar, daß es M um Engländer handelte, die aus Slcher- Wsgründen einen Tiefflug nicht wog­st n. Eine Staffel deutscher Jagdflieger, so heißt übereinstimmend inPolitiken" und ^lahonah Abende" nahm den Kampf auf. Das Maschmen-

Oberstleutnant Schuhmacher über den Verlauf der bisher größten Luftschlacht des Krieges.

Berlin, 19. Dezember. (DNB.) lieber die für die deutsche Flugwaffe siegreiche Luftschlacht in der inneren Deutschen Bucht sprach der Führer des siegreichen deutschen Jagdgeschwaders, Oberstteut- nant Schuhmacher, vor der deutschen Presse und den in Berlin ansässigen Vertretern der Aus­landspresse. Reichspressechef Dr. Dietrich begrüßte den Geschwaderchef und seine mit ihm erschienenen tapferen Männer: Hauptmann Falk, Oberleut­nant Stein, Oberleutnant P o i n t n c r, Leut­nant Lent, Oberfeldwebel Fleischmann, Un­teroffizier Niemeyer. Nicht Neugierde und Sen­sationslust wolle die Presse heute befriedigen, sie sei nach Berlin gekommen auf Befehl des General­feldmarschalls Göring, um f ü r d i e Wahrheit zu zeugen. Die englische Behauptung, daß nur sie­den englische Flugzeuge auf der Strecke geblieben seien gegenüber zwölf deutschen, sei eine der ge­meinsten Lügen der letzten Zeit. Die anwesenden Flieger seien die lebendigen Zeugen dafür, daß die Angaben des deutschen Wehrmachtsberichtes genau zutreffen.

Oberstleutnant Schuhmacher sagt dann: Die deutsche Luftwaffe unterschätze ihren Gegner nicht und wisse ganz genau, daß er was könne, daß er mutig und schneidig sei. Das habe der Gegner auch am 14. Dezember bewiesen, als er bei einem Wet­ter anflog, bei dem man normalerweise nicht fliege. Was den Engländer veranlaßt habe, am 18. De­zember in so großer Zahl anzugreifen, wisse man nicht. Es sei ein wunderbares Flugwetter gewesen Der Gegner flog in großer Höhe an, auf einem anderen Kurs, als er gewöhnlich zu kommen pflege. Die ganze Lage war für ihn von vornherein so, daß sie sich zu einer Katastrophe aus - wirken mußte. Die deutsche Luftwaffe war hun- dertprozentig vorbereitet, der Engländer konnte auf der ganzen Linie gefaßt werden. Es wur­den deutsche Jäger und Zerstörer vom Typ Me 109 und Me 110 eingesetzt. Oberstleutnant Schuhmacher schilderte kurz, wie er selbst eine feindliche Maschine abschoß, im gleichen Augenblick aber von den Rotten­kameraden des Engländers Maschinengewehrfeuer bekam und mit Treffern in der Maschine u. a. im Tank und im Leitwerk doch den Flugplatz erreichte. Er berichtete, wie nacheinander die im Luftkampf siegreichen Maschinen seines Geschwaders zurück­kehrten, die bis in die Dämmerung hinein den Feind weit über die Nordsee verfolgt hatten und wie sich aus den Meldungen der Staffelkapitäne und Grup- penkommandeure das Resultat der Luftschlacht er­gab: Ueber30 der englischen Maschmen waren abaeschossen.

Wie kam dieses Resultat zustande? Die

Vickers-Wellington-Maschin e", so führte Oberstleutnant Schuhmacher aus,ist bestimmt eine gute Maschine. Aber sie ist doch eben nicht so gut wie unsere. Unsere Me 109 und 110 kann eben besser kämpfen, und dagegen ist auch eine Vickers-Wellington nicht gefeit. Die Vickers-Wel- lington-Maschine hat ganz hinten am Leitwerk einen Heckschützen, der nach jeder Seite, soweit es nach hinten ist, unbehindertes Schußfeld hat; also einen MG.-Stand, wie man ihn selten in einem Kampf­flugzeug findet. Wir haben natürlich Interesse daran, uns. möglichst wenig in die MG -Garbe die­ses Schützen zu begeben. Aber die Messerschmitt- Maschinen sind ja so schnell, daß es ganz in un­serer Hand liegt, welche Angriffsposition wir ein- nehmen. So kam es, daß wir bei dem wunder­baren Wetter ungehindert uns immer d i e A n - grifsspositionen aussuchen konnten, die wir wollten.

Es ist Befehl von oberster Stelle, daß e i n Erfolg oder ein Abschuß nur gemeldet wird, wenn dafür ein Zeuge vorhanden ist. Unter den diesmal gemeldeten 34 Abschüssen ist keiner, der nicht wenig st ens von zwei oderdreiZeugenbewiesen wird. Wenn ein Flugzeugführer oder eine Besatzung nur für sich einen Abschuß meldet, so wird er überhaupt nicht anerkannt. Ich kann Ihnen heute sagen, daß nicht 34, sondern 39 feindliche Maschi­nen abgeschossen worden sind, aber fünf davon habe ich nicht gemeldet, weil eben die zweite Bestätigung fehlt, der Zeuge nicht vorhanden ist."

Die vorn englischen Rundfunk verbreitete Be­hauptung, zwölf deutsche Messerschmitt-Maschinen seien abgeschossen worben, sei die plumpste Lüge. Es seien zwei Me 109, also Einsitzer ab* geschossen worden. Außerdem seien drei Besatzungs­mitglieder verwundet, jedoch nicht lebensgefährlich. Sie würden in wenigen Wochen wieder kampfbe­reit an der Front sein. Es sind Maschinen zurück­gekommen, die nicht weniger als 35 Treffer erhal­ten hatten, andere mit 30, wieder andere mit 25, andere mit 15; und alle diese Maschinen sind sicher nach Hause gezogen.

Dr. Dietrich wandte sich hier an den Komman­deur des siegreichen Geschwaders:Sie haben von der Ueberlegenheit unserer deutschen Maschinen und unseres Materials gesprochen, und Sie haben in Ihrer Bescheidenheit die Ueberlegenheit der deutschen Soldaten vergessen. Ich glaube, ich bin es unseren tapferen Fliegern schuldig, daß

ich das, was Herr Oberstleutnant Schuhmacher hier nicht zum Ausdruck gebracht hat, hinzufüge. Denn dies Resultat 34 gegen 2 ist wohl das beste Zeugnis, das die Tapferkeit und Ueber­legenheit des deutschen Fliegers über den Engländer beweisen kann.

Hauptmann Falk, dessen Staffel acht Gegner vernichtete, erzählte, er habe sich weit draußen auf der See befunden, da er einen bestimmten Auftrag hatte. Auf dem Rückwege bekam er vom Jadebusen die Nachricht, daß starke englische Kampfverbände gesichtet seien. Er nahm sofort Kurs nach dem Jade- bufen und sah zunächst die starken Wolken der deut­schen Flak, die dort die Engländer bekämpfte. Bald hatte Hauptmann Falk zwei Staffeln Wellingtons und dahinter zwei einzelne Maschinen vor sich, die schon von unseren kleineren, einsitzigen Jagdmaschi­nen Me 109 angegriffen wurden. Falk griff sofort die geschlossen fliegende Staffel an, die aber zunächst in keiner Weise reagierte. Auch beim zweiten An­griff stürzte der Gegner noch nicht ab. Plötzlich schrie der hinter Hauptmann Falk sitzende Bordfun­ker, eine englische Maschine brach mit einer Stich­flamme auseinander und stürzte in mehreren Teilen ab. Hauptmann Falk erzählte weiter, wie der schnei­dige Heckschütze eines anderen englischen Flugzeuges immer noch auf ihn schoß, obwohl die Maschine schwer getroffen war, was daran zu erkennen war, daß aus beiden Motoren eine kleine weiße Benzin­sahne herauskam. Auch die Maschine von Haupt­mann Falk war getroffen, der linke Motor war zer­schossen und der Propeller stand. Hauvtmann Falk betonte, daß es sich bei den acht Abschüssen, die seine Staffel erzielte, nur um einwandfreie Abschüsse handelte.

Dann schilderte Oberleutnant Steinhoff, daß von den Flugzeugen, die er mit seiner Staffel an- grifs, nachweislich nicht eines mehr nach England gekommen ist. Oberleutnant Stein- boff und sein Kamerad Oberleutnant Pointner haben sich gegenseitig durch Funk die beobachteten Ab- schüsse bestätigt und sind dann sie befanden sich etwa 220 bis 250 Kilometer vom Lande entfernt zusammen nach Hause geflogen. Noch unterwegs haben sie die Rauchsäulen von abgestürzten Ma­schinen und Oelflecke im Wasser gesehen. Zerstörer haben dann die fliehenden Gegner verfolgt.

Reichspressechef Dr. Dietrich dankte für die leben­digen Ausführungen und betonte, daß sie den lücken­losen und einwandfreien Beweis dafür erbracht hätten, daß das, was die Engländer über diesen Kampf berichtet haben, die infamste Lüge ist, die sie jemals über eine ihrer.Waffenhandlungen verbreitet haben.