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Donnerstag, ZO.ZuINYZy

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)

Nr. 167 Zweites Blatt

Aus der Stad« Gießen. Justus von Liebigs Wirken in Gießen

Vortrag und Führung im Liebig-Museum.

Kunst

v. M.

ufführung

Jun- Der-

i.D hellwach sei.

Vorsichtig spähte ich nun nach der gespenstisch hiditenben Erscheinung aus, und tatsächlich schwebte !- schon wieder, diesmal etwas höher, am Fuße des r.ettes dahin. Sämtliche Spukgeschichten fielen mir <«, die ich je gelesen hatte. Gleichzeitig hielt ich mir <ner meine aufgeklärte Vernunft vor. Es gibt keinen (g?uk, tausendmal ist diese Tatsache wissenschaftlich '-«nwandfrei bewiesen worden. Der geheimnisvoll stimmende Punkt aber schien sich an akademisch c.akte Forschungsergebnisse leider nicht zu halten. i(r war ganz zweifellos immer noch da und lief «Liter frei durch die Luft, ein zauberhaft grünliches Interneren, das eine unsichtbare Hand durch mein infames nächtliches Zimmer schwenkte.

Mit einem Ruck setzte ich mich auf. Wenn es wirk- Ift) ein kleines Gespenst war, das mir hier mitten Ii- der Stadt und dreißig Meter von der nächsten (traßenbahnhaltestelle entfernt einen Besuch ab- fnttete, so wollte ich es wenigstens genau betrachten. 5a da kam das glimmende Auge schon wieder inrbei! Mit klopfendem Herzen schlich ich zum Licht- kalter und drehte die Ampel an. Blendende Hellig- lit flutete in den Raum, und blitzschnell ließ ich eine Augen umherwandern. Aber da war nichts, inr nichts! Alle Möbel standen wie sonst, und dort, ao das bleiche Feuer zuletzt erloschen war, blinkte :_Lir klar und nüchtern der Spiegel.

Aergerlich drehte ich das Licht wieder ab. Ich litt ! ^scheinend an Halluzinationen. Doch als ich zum ;ett zurücktappte, glomm der grünliche Schein ge- nbe über meinem Kopfkissen von neuem aus und i ntte sich langsam herab. Ich riß das nächste Hand­lich vom Haken und schleuderte es nach der Spuk- rfdjeinung, fest entschlossen, dieser unheimlichen , i ifuatian' ein Ende zu bereiten. Zum zweitenmal jmmmtc das Licht auf, und abermals erwies sich das iimmer ah unberührt. Völlig verwirrt hob ich das Handtuch vom Bett auf und da lag auf der ! ccke ein kleines, unscheinbares Insekt und zappelte mit den Beinchen. Ein Glühwürmchen!

zu kurz.

Der Dienst wird durch das Mittagesfen angenehm unterbrochen. Dies ist insofern die heiligste Hand­lung des Tages, als die Iunggenossen nicht irgend eine dünne Suppe vorgesetzt bekommen, sondern ein vitaminreiches Essen wie Kartoffeln, Haschee und Salat. Die Frauen der Küche tun ihr Mög­lichstes, um den Aufenthalt recht angenehm zu ge­stalten. Bei so gutem und reichlichem Essen fehlt am Sonntag zur Feier des Tages ein Pudding als Nachtisch nicht.

Aber auch an sonstigen Annehmlichkeiten fehlt es im Laaer nicht. So hält eine Lautsprecheranlage auf politischem Gebiet immer auf dem Laufenden. Auch Musik erklingt. Ein Heim- oder Singabend beschließt die Tagesarbeit. So ist also das Lager nicht nur Dienst, sondern auch Erholung!

schnurgeraden Bahndämme im Festlande! Ihre Schienen scheinen hinter der Erdkugelwölbung her- vorzutauchen und wieder in der am Horizont sich senkenden Erdkugel zu verschwinden. Der Anblick solcher immer mehr sich verjüngenden, doch nie sich vereinigenden Schienen hat etwas ins Unendliche Entrückendes, das fast unheimlich wirkt. Schaut man die Schienen entlang in die endlose Weite, so verrinnt der Blick fast mit ihnen, und man glaubt buchstäblich sich an eine ungeahnte traumhafte Ferne zu verlieren ...

Es ist ein bestürzender Wandel, von heute auf morgen. Ein Mann, vor 2^ Stunden noch Ober­haupt einer blühenden Familie nun ist er allem, ein entlaubter Stamm, darf man wohl sagen, ein Strohwitwer. Einsam und verlassen blieb er zurück, ein Mann, den die Pflichten nicht fortkießen, ein Eremit in der Dier-Zimmer-Flucht. Nur die Blumen und die Wellensittiche sind als atmende Wesen um ihn, wenn er feierabends durch die stille Wohnung streift, seinen Zettel in der Hand.

Ja jeder Eremit, ich meine: jeder Strohwitwer hat seinen Zettel, ein längliches Papier, von lieben­der Hand beschrieben. Die Hausfrau hat schriftlich darauf niedergelegt, was an dringenden hauswirt­schaftlichen Verrichtungen zu erledigen ist. So em Zettel ist nahezu ein kurz gefaßtes Haushalts­brevier, ein Leitfaden der Kunst, die Wohnung zu verwalten und zu behüten. Wieviel Wasser die Palmen und wieviel die Clivia zu ihrem Wohl­befinden brauchen, wo die Wäsche und wo die Strümpfe zu finden sind, wieviel Körner den Sit­tichen je Fütterung zustehen und daß die Fenster bei Regen sofort zu schließen sind dies kann man auf dem Zettel lesen. Auch manches streng be­wahrte Geheimnis kommt nun zutage, aus der RubrikWas mancher nicht weiß". Daß beispiel­halber der Zucker in der Büchse ist, auf derSago steht, und der Kaffee ist in der Reisdose, es ist ganz einfach, man muß es nur wissen.

Das Brevier in der Hand, geht der Eremit durch die Zimmer und tut feine Pflicht, alles, was auf dem Papier steht. Zuweilen unterbricht er sich und geht nebenbei Öen Motten nach, die so leichtsinnig sind, ihm vor Augen zu kommen, und bann ertappt er sich dabei, wie er sich geraume Zeit mit den

F reife

Gießen

Museum kennenzulernen.

Sodann hielt Prof. B e h a g h e l einen Vortrag, in dem er in gedrängter Form das Wesentlichste aus dem Leben und Wirken Liebigs innerhalb unserer Stadt vor das geistige Auge seiner Zuhörer brachte.

Er schilderte zunächst die Bemühungen um die Erhaltung der Wirkungsstätte Liebigs, die erstmalig vor etwa 40 Jahren aufgenommen worden waren. Das Liebig-Mufeum fei, so führte der Redner aus, ein Denkmal besonderer Art. Liebig sei der Begrün­der der Schule der praktischen Chemie gewesen und gerade das Laboratorium sei zu seiner Zeit, wie sich ein Wissenschaftler einmal ausgedrückt habe, das Mekka" der Chemiker der ganzen Welt gewesen. In weiteren Darlegungen schilderte Prof. Dr. Be­haghel die zähen und von unendlicher Liebe zur Sache erfüllten Bemühungen von Prof. Sommer, der in der Wiederherstellung der Arbeitsstätte Ju­stus von Liebigs eine Lebensaufgabe gesehen habe. Es sei, so sagte der Redner, fast unfaßbar, wie es Prof. Sommer gelingen konnte, das Museum in dieser Vollständigkeit zu schaffen und so einzurich­ten, daß es genau der ursprünglichen Form ent­spricht, wie sie sich aus Schriften und Bildern aus der Zeit Liebigs nachweisen läßt. Dankbar gedachte der Redner auch der tatkräftigen Unterstützung des

Die Ortsgruppe Gießen - Süd der NSDAP, vereinigte gestern die Mitglieder der Zellen 1 und 9 zu einem Zellenabend nicht alltäglicher Art. Der Abend war ganz der Erinnerung an Justus v. Liebig gewidmet. Man fand sich zu diesem Zweck in dem ehrwürdigen Hörsaal ein, in dem Liebig selbst lehrte und der in seiner Form so erhalten ist, wie er sich zur Zeit Liebigs darbot. Für die Besucher dieses Zellenabends waren die zwei Stunden im Liebig- Museum ein schönes Erlebnis.

Den Abend eröffnete Pg. Schuster mit herz­lichen Worten der Begrüßung. Er dankte insbeson­dere dem Kreisleiter für feine Anwesenheit und die Bekundung seines Interesses. Er erinnerte sodann an die Bestrebungen der Stadt Gießen, die Stadt als Wirkungsstätte Liebigs in weiten Kreisen be­kannt zu machen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß auch im Laufe der nächsten Zeit viele andere Parteigenossen der verschiedenen Ortsgrup­pen der Stadt Gelegenheit finden sollen, das Liebig-

Heimische Künstler bei der Kunstausstellung in München vertreten

Aus Anlaß des Tages der Deutschen Kunst in München traten auch einige Künstler unserer enge­ren bzw. weiteren Heimat mit ihren Werken in Er­scheinung. Der Gießener Bildhauer Ludwig Gän­ge r i ch ist im Hause der Deutschen Kunst mit der Ludwig-Erck-Plakette vertreten. Der Maler Karl Lenz aus Erdhaufen zeigt in der Ausstellung ein Gemälde unter dem TitelWinter in Erd­haufen".

Ferner ist der Künstler Oskar Martin (Amor­bach), der die Kapelle des Standortlazaretts Gießen künstlerisch gestaltete, mit einem großen Wandge­mälde unter dem TitelAbend" in der Kunstaus-

Wer trägt die Kosten

für das Selbstschuhgerät?

NSG. Diese Frage, die in vielen Luftschutzgemein- schäften schon praktisch gelöst worden ist, indem teils die Mieter, teils der Vermieter, meist jedoch beide gemeinsam das erforderliche Luftschutzgerät für das Haus befchafften, ist jetzt endgültig geregelt worden. Verantwortlich für die Bereitstellung des Luftschutz- gerätes ist der Hausbesitzer bzw. der Hausverwalter. Der Vermieter ist dadurch zusammen mit dem Luft­schutzwart die treibende Kraft bei der Heranschaffung des Gerätes.

Es ist bekannt, daß viele der erforderlichen Gerät­schaften entscheidend für die Notwendigkeit ihres Vorhandenseins im Hause ist der Luftschutzwart bereits in den Haushalten vorhanden find. Man denke nur an Wassereimer, Wannen und andere Wasserbehälter, Kisten zur Ausnahme von Sand,

Werkes durch Geheimrat Merck in Darmstadt, der der Sache des Liebig-Museums ebenfalls alle Auf­merksamkeit geschenkt habe. Der Träger der Erin­nerungsstätte sei die Gesellschaft Liebigmuseum.

In weiteren Ausführungen wandte sich der Vor­tragende der Person des berühmten Chemikers un­mittelbar zu. Er sprach von den großen Schwierig­keiten, denen Justus von Liebig anfänglich in Gie­ßen begegnete, da er Erlanger Doktor war, er be­richtete aber auch davon, daß es dank der Ver­wendung von Humboldt und dank des Verständ­nisses der Hessischen Regierung gelang, Liebig der Universität Gießen zu erhalten. Mit 21 Jahren sei er bereits Professor an unserer Universität gewesen. Liebig habe mit aller Kraft aufzubauen begonnen, habe, als er zu Anfang noch kein Labo­ratorium zur Verfügung hatte, in seiner Wo h- nung Vorlesungen gehalten, im übrigen aber nicht geruht, Laboratorien zu schaffen und schließlich auch durchzudrücken, daß ein Hörsaal ge­baut wurde. Um die Schaffung der Einrichtungen, die Liebig für notwendig hielt, habe er einen harten Kampf geführt, den er mit einer erstaunlichen Fähigkeit verfochten habe, obwohl er viel krank gewesen sei und die eigentliche Arbeit sich unter den beschränkten Verhältnissen für Lehrer und Studie­rende als sehr ungesund erwies.

Schließlich umriß Professor Dr. Behaghel m großen Zügen die überragenden wissenschaftlichen Erkenntnisse Justus von Liebigs auf dem Gebiete der Elementar-Analyse, der Begründung einer ratio­nellen Bodenkultur, er erwähnte seine bedeutenden schriftlichen Werke und schilderte seine Art und fein Ringen um die formvollendete Fixierung feiner Ergebnisse. Die Zuhörer folgten dem Vortrag mit gespannter Aufmerksamkeit.

Im Anschluß an den Vortrag fand unter der Leitung von Professor Behaghel eine Führung durch das Museum statt, die die Teilnehmer dieses Abends ganz unmittelbar in den Bannkreis des bedeutenden Mannes rückte und sie einen tiefen Einblick gewinnen ließ in ein reiches, von großer [Arbeit erfülltes Leben.

Mit Worten des herzlichen Dankes an den Vor­tragenden beschloß Pg. Schuster den anregenden Abend.

'Träumerei am Bahndamm.

Don Alfred Hein.

Du wanderst einsam durch den frühlingsfrohen Wald. Das junge Grün der Birken flimmert wmb- nemiegt, Finken und Amseln pfeifen um die Wette. Da plötzlich schrillt in die Vogellieder hinein der iahe Pfiff einer Lokomotive. Du schreitest auf ihn l,u wie auf das aus dem Traum mied er erwachte Leben selbst! Wenige Sekunden später öffnet sich :ier Wald: ein hoher Bahndamm ragt empor. In üiefer Minute donnert, von zwei Riesenlokomotiven gezogen, ein Schnellzug vorbei, der weit entfernte Städte in wenigen Stunden miteinander verbindet. Niemals wird dir dasZusammengerücktfein" des modernen Lebens auf derkleingewordenen" Erde iiewußter als in solchem Augenblicke. Die Verkehrs­ader des Bahndamms trägt den temporegen Puls­achlag unserer Zeit in die abgelegenste Einsamkeit. Bor hundert Jahren lag der Wald, den jetzt der Zug durcheilt, wirklich einsam und weltverloren. Die Postkutsche durchfuhr ihn gemächlich, und oft mußte man umsteigen, um endlich ans Ziel zu gelangen. Jetzt ist in solchem Augenblick, da der D-Zug vorübersaust, diese entrückte Einsamkeit ein Stück der großen Welt geworden.

Aber wenn der Zug vorbeigedonnert ist und

Oer Eremit in der Wohnung.

Von Hans 3- Toll.

Gießener Motor-HI. im Zeltlager

Bericht aus dem Motorsportlager llrberach bei Darmstadt.

die in unermüdlicher Arbeit darangehen, den gen fahren zu lernen, den Motor zu etwas trautem zu machen, ihnen aber auch die Straßen­verkehrsordnung und die Verkehrszeichen beizu­bringen. Lehrreiche Vorträge hört man außerdem über die Gewinnung und Herstellung des Brenn­stoffes. Natürlich d.arf die körperliche Ertüchtigung nicht in den Hintergrund treten. Es wird Sport ge­trieben, der allgemeine HI.-Dienst kommt also nicht

M- verlockend sind doch di- schier endlosen,

Tatü lata! Hell erklingt der Weckruf des Hor­nisten. Verschlafene Stimmen lassen sich in den Zelten hören. Manche die Frühaufsteher stehen schon im Sportzeug mit dem ersten Ton des Weckrufes vor dem. Zelt, während verschiedene sich nochmals auf die andere Seite drehen. Doch auch die besten Schläfer holt der Lagerleiter mit seinen durchdringenden Kommandos aus dem Zelt.Raus- treten zum Frühsport! Lager stillgestanden!- Rechts um! Im Geichschritt marsch! Im Lauf­schritt marsch marsch!" Die letzten Spuren der Nacht werden durch den Laus durch taufeuchte Wiesen, über sumpfige Gräben und durch Kieferwälder beseit,gt.

Nach dem Waschen werden die Zelte gereinigt und nach einer halben Stunde steht das Lager zum Zelt- und Uniformappell. Jede Kameradschaft ist darauf bedacht, ihr Zelt so straff wie möglich zu spannen und den Lagerplatz möglichst gut zu rei­nigen, um daslagerbeste Zelt" zu sein.

Den Dienst eines jeden Tages leitet die Flaggen- hissung ein und der Morgenspruch ist Richtschnur für die Tagesarbeit. Nach dem Frühstück werden die vier Züge zu ihrem Dienst eingeteilt. Im Mit­telpunkt steht die fahr- und motortech- nifche Ausbildung sowie der Perkehrs- erziehungsöienst durch die Kameraden des NSKK.,

Oas Gespensterlakernchen.

Ob es das Rauschen der Bäume vor dem Fenster Wir, oder der Motorenlärm eines startenden Autos, Its mich wachwerden ließ, kann ich nicht mit Be-1 sinmtheit sagen. Lange konnte ich jedenfalls noch cht geschlafen haben, denn gerade schlug die Uhr vim fernen Kirchturm elf zitternd schwingende Schläge. Ich lag ganz still und lauschte den Klängen Mch, die gelassen im Schweigen der Nacht ver- jenten. Irn Rahmen der offenen Fensterflügel hing frT Himmel wie tiefblaues, samtenes Tuch, mit sil- birnen Sternen bestickt.

Plötzlich ereignete sich etwas sehr Seltsames. In (yi rechten Ecke des Zimmers, wo im schwarzen Schotten der breite Kleiderschrank hockt, glomm ein liogisch grünes Leuchten auf. Dieses Leuchten schien fi?i in Aopshöhe zu schweben und begann plötzlich gier durch den Raum zu wandern. Ganz lautlos b megte es sich stetig fort, kam aus der dunklen Ecke h^aus, zog langsam am Fenster vorbei und tauchte ii dem Schatten der linken Zimmerecke unter.

Mein erster Gedanke war natürlich: du bist gar picht wach, du träumst noch! Und wie es immer in Wchern geschrieben steht, so führte ich langsam die Land zum Kopf und kniff mich ins Ohrläppchen. 2mn das sott den erwünschten Beweis von Traum Per Wirklichkeit liefern. Der kräftige Schmerz, den ii® empfand, ließ keinen anderen Schluß zu, als daß

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Gerührt und beschämt hob ich das graue Tierchen ruf und trug es zum Fensterbrett. Dort faß es ein Veilchen und regte sich nicht, aber dann steckte es ''in zartes grünes Laternchen an und schwirrte küfe hinaus zu den funkelnden Sternen. v. M.

stellung zu München Vertretern Der Künstler Oskar Martin wurde, wie wir vor einigen Tagen be­reits berichteten, aus Anlaß des Tages der deutschen vom Führer zum Professor ernannt.

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Besonders in gebirgigen Gegenden schmiegen sich die Bahndämme'oft mit so edlen Schwingen in die Natur, daß sie das Landschaftsbild anmutig be­reichern. Oft scheint es dann aus der Ferne, als ob der Zug zur Stadt im Tale schienenlos und ohne jede Schwere durch die blühende Landschaft her­niederschwebt, so weich und unmerklich gleiten die Bahndämme talob dem Häusermeer zu. Die ver- chwebende Perspektive der immer enger werdenden Schienenstränge gibt solchen Dämmen em geradezu musizierendes Element. Wenn sich dazu noch das Auf und Nieder der Telegraphendrähte gesellt, deren hohe Stangen ja oft die Bahndämme begleiten, er­fährt die Landschaft dadurch zweifellos eine Berei­cherung ihres rhythmischen Gefüges. Auch die Bahn­wärterhäuschen sind heute nicht mehr nüchterne Buden sondern träumen als schmucke Häuschen jdnllisch aus einem sauber umzäunten Gärtchen hervor, in dem zur Frühlingszeit oft blütenuberfate Obstbäume den Vorbeifahrenden grüßen.

Die Vielfalt der Bahndämme würde jedem offen­bar werden, der in wenigen Tagen einmal Deutsch­land bereist. Mit welchem Schwung winden sich die Bahndämme im hohen Talkessel von Stuttgart hinab. Ueberall verschwinden sie in den durch- tunnelten Bergwänden, erscheinen dann wieder an neuen Hängen, um schließlich alle auf den im Tal­grund gelegenen Hauptbahnhof einzukreisen. Wie gänzlich verändert sich das Gefüge der Damme, wenn der Zug den Rhein entlang gleitet. Drüben auf dem jenseitigen Uferdamm kommt ein Zug ent­gegen, dazwischen aber bleiben auf dem ^trorn die gemächlich dahinfahrenden Fracht- und Per­sonendampfer immer wieder .zurück und wieder- um wie anders ist die Welt dieser Bahndämme ' gegen jenen, der im Hochgebirge h'nausttrebt tn . maghalfiqen Kehren und Windungen. Welch Gegen- ' sgtz dazu die festen, schweren Damme, die an den i Meeren Inseln und Festland ^rbinden wie z. B.

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ganz allein gelassen hat uns Frauchen, sagt er, und er kommt sich so einsam vor, so schrecklich einsam.

So freundlich spricht der einsame Mann zu sei­nen gefiederten Hausgenossen, die Blumen hingegen betrachtet er mit Mißtrauen, diese stummen Lebe, wesen, die sich nichts merken lassen, ob man ihnen zu viel ober zu wenig zu trinken gibt. Sie nehmen es hin ohne die geringsten Anzeichen der Zustim­mung ober Ablehnung, aber man soll sich nicht rounbern, wenn sie eines Tages verkommen und zu Grunbe gegangen finb, klaglos verdurstet ober ertrunken, je nachbem. Der Eremit denkt nur un­gern daran, daß ihm im letzten Sommer die Kak­teen in lauter Feuchtigkeit verfaulten, die stachligen Geschöpfe, die so unscheinbar aussehen und doch Anlaß zu lauten ehelichen Unterhaltungen über mangelndes häusliches Interesse werden können.

Zu späterer Stunde widmet sich der Strohwitwer der Beschaulichkeit. Er sitzt da herum und weiß Nichts Rechtes mit sich anzufangcn. Er erinnert sich der Bekannten, wie sie ihn vielsagend anblinzeln, wenn sie von seiner Strohwitwerschaft hören, und er lächelt entsagend. Denn es ist eine weitverbreitete Meinung, daß Männer, deren Familien in die Sommerfrische aufgebrochen find, zu Hause sich eines ausgelassenen Lebenswandels befleißigen, den Hut verwegen aufs Ohr und den goldenen Ring in die Westentasche geschoben. Und Jahr für Jahr müssen solche Männer dazu herhalten, die Witz­blätter zu bevölkern. Da stehen sie dann vor einem Haufen schmutzigen Geschirrs und haben keine- saubere Tasse mehr. Oder sie haben vergessen, den Wasserhahn zu schließen, und müssen nun zu Bett schwimmen, und was derlei verleumderische Dinge mehr sind. Solche Strohwitwer sind die leichtfertige Erfindung phantasieloser Operettenlibrettisten und Poenreißer. Aber das Dasein des Strohwitwers ist in Wahrheit keine Operette und keine Posse, es ist Blumenpflege, Tierfütterung und Mottenfang, ein bißchen Langeweile und Einsamkeit und Sehnsucht, viel Sehnsucht. Ganz wie es bei Eremiten zu fein pflegt.

Dies alles bedenkt der verlassene Mann bei sich, und man muß es ihm zugute halten, wenn er darob ergrimmt, über dies Unrecht, das man den Stroh­witwern antut. Ja, er ergrimmt so sehr, daß er etwas dagegen tun muß, sich ein wenig Abwech­slung, Unterhaltung und Ablenkung verschaffen muß. Und so geht er auf und davon, und es steht dahin, wann er wieder heimkommt in die leere, öde Wohnung, vielleicht nicht mehr so aufrecht, aber doch gestärkt und fröhlich, ein Eremit, der mannhaft die Verleumdung der schlechten Welt erträgt.

Das zweite Platzkonzert in Steins Garten.

Gestern nachmittag fand in Steins Garten das zweite Platzkonzert statt, das für die Besucher wieder zu einem schönen Erlebnis wurde. Das Musikkorps des Fliegerhorstes unter Leitung von Musikmeister Pfarre brachte wieder eine Reihe ausgezeichneter Darbietungen. Aufmerksam folgte man Öen Klängen Mit besonderer Freude darf jeft- gestellt werden, daß dieses zweite Platzkonzert einen erheblich stärkeren Besuch erfuhr als das erste Konzert vor acht Tagen. Diese Tatsache dürfte als ein Beweis dafür anzusehen fein, daß es den Kon­zerten in Steins Garten auch in Zukunft am Echo nicht fehlen wird und der Gedanke der Veranstal­tung dieser Konzerte in der Bevölkerung freudigen Widerhall findet. Leider löste ein kurz vor Schluß des Konzertes einsetzender Gewitterregen die Schar der Zuhörer auf. Aber auch ein solches Intermezzo gehört einmal zu einem sommerlichen Nachmittags­konzert!

HI., Bann und Zungbann 116.

Bdr.: Besichtigung der Eger-Fahrtteilnehmer.

Die Besichtigung der Teilnehmer an der (Eger« fahrt findet am 23. Juli für den Kreis Friedberg um 15.30 Uhr in Friedberg (Burg), für den Kreis Gießen (außer Stamm und Jungstamm I siehe Sonderbefehl) um 16.30 Uhr in Gießen am MHI.-Heim, Roonstraße, statt. Zur Besichtigung durch den Gebietsführer oder einen Beauftragten ist mit gepacktem Tornister, tadelloser Uniform und Fahrrad anzutreten. Entschuldigungen gelten nicht!

Stamm und Iungstamm I.

Die Teilnehmer an der Egerfahrt treten am 23. Juli, morgens um 10 Uhr, zur Untersuchung und nachmittags um 17.15 Uhr zur Besichtigung mit der Fahrtausrüstung (wie oben) an. An dieser Untersuchung und Besichtigung haben auch die Teilnehmer des Adolf-Hitler-Marsches zu er- scheinen.

ie in den frühesten Zeiten der Eisenbahn oft als ieblos hochgeschaufelte, kahle Erdaufschüttungen das Landschaftsbild zerschnitten, ist man besonders .n den letzten Jahrzehnten dazu übergegangen, auch auf der abgelegensten Strecke den Bahndamm har­monisch in' die Landschaft einzufügen. Nur selten noch fahrt man heutzutage durch einen kilometer- langen Schlund von Bretterzäunen, Durchsaust der Zug eine Schlucht, so fällt der Blick nicht mehr auf verwahrloste Hänge, für die man nichts Hegen­des tut da sie janur" an Eisenbahnschienen

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Im goldenen Westen".

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lernab verstimmt, liegt der Bahndamm mit feinen Schienensträngen wie ein blitzendes Spielzeug da: Schmetterlinge finden sich zu Hunderten ein. Und ,etzt find die Blumen und Sträucher, die ihn .chmücken, das viel Wichtigere. Aus dem Wald "ehrt der verjagte Morgenfrieden wieder zurück. Die Schienen sind nur noch Sonnenstrahlenfang. Wenn man die Strecke entlang schaut, verstimmen? sie geradenwegs in den blauen Himmel hinein. Man stört die Vögel, das leiseste Wipfelrauschen. Drüben am Bahnwärterhaus geht auch der rotweiße Schlag- chaum wieder hoch...

Es mag ja Menschen geben, die einen Bahndamm nls ein sehr prosaisches Gebilde ansehen, mich jedoch chat die Eisenbahn in der Landschaft noch nie ge­hört. Ja, mir fehlt geradezu ein wichtiges Lebens- selement in einem Bild, wenn nicht da und dort ^Schienenstränge, Bahnwärterhäuschen, rotweiße iStraßenfchranken, kleine Bahnhöfe für abseitig Der- irorgene Dörfer auftauchen. Zum mindesten irgend- ovo in der Feme muß ich um eineEndstation" «wissen, von der aus der Weg auf blanken Schienen Wieder zurück ins Leben der großen Städte führt.

Das Derkehrsgeäder eines großen Landes stellt isich in der Fülle seiner Bahndämme dar. Während

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flewaltige Msenbömm und der Hindenburg- -r^ch^ -

* kicher Freundlichkeit zu ihnen, ja, ja, ihr Kleinen,

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