Ausgabe 
20.5.1939
 
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Nr. Nb Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

20./2I.MaiMY

Das schönste Wort.

Don Marianne Weidenbach.

Helga sitzt in der Schule auf der hintersten Bank. Sie ist ein stilles, nachdenkliches kleines Mädchen, das die Lehrerin, die genug zu tun hat, um die achtundzwanzig Kinder zu betreuen, nur wenig bemerkt. Wenn der Unterricht anfängt, sitzt Helga schon artig da, während die anderen nach unruhig Herumrücken und miteinander schwatzen. Immer sitzt Helga regungslos da und sieht mit dunklen Augen gespannt auf die Lehrerin. Wird sie jedoch aufge­rufen, schrickt sie zusammen, als wenn sie in einem Traum gestört worden sei. Soll sie dann über dies und jenes erzählen, ein Gedicht aufsagen oder wie­dergeben, was soeben durchgenommen worden ist, so bringt sie kein Wort heraus, sondern bleibt stumm, mit verlegenem Lächeln, hinter ihrem Platz stehen.

Die Lehrerin, die es sich angelegen sein läßt, sich auch wirklich um die ihr anoertrauten Kinder Zu kümmern, weiß nicht, was sie von ihr denken soll Endlich glaubt sie, es sei das Richtigste, wenn sie einmal mit Helgas Eltern sprechen würde. Sie gibt also dem Kind einen Brief mit, und andern­tags steht die Mutter vor ihr. Sie berichtet wahr­heitsgemäß, wie sie es daheim mit dem Kinde hält, was sie über die Schule denkt und manches andere. So nebenbei bemerkt sie noch, daß sie Helgas Stiefmutter ist ihre richtige Mutter sei vor einem Jahr gestorben. Die Lehrerin ist erstaunt und denkt, daß das Kind Glück gehabt hat, denn nicht immer nimmt sich die zweite Mutter der Kin­der aus erster Ehe so liebevoll an, wie es hier der Fall zu sein schien.

Und dann vergeht wieder einige Zeit, und Helga bleibt nach wie vor still und in sich gekehrt. Die Kinder lernen schreiben und" eines Tages sind sie bei dem großen M angelangt. Verständnisvoll ver­sucht die Lehrerin, ihnen die Entwicklung dieses Buchstabens zu erklären: er wird erst mit dem Fin­ger in die Luft, dann mit dem Griffel auf die Schiefertafel geschrieben. Zuletzt sollen Worte mit dem Anfangsbuchstaben M gebildet werden, damit die Kinder sehen, wie sich der neue Buchstabe in Verbindung mit anderen ausnimmt. Auf der Tafel werden Beispiele vorgeschrieben: Milch, Mund, Maler und so fort. Die Kinder schreiben eifrig auf der Schiefertafel nach.

Auch Helga ist aufmerksam bei der Arbeit: sie sieht nicht nach rechts und nicht nach links, sondern umfaßt krampfhaft den Griffel und malt die Buch­staben, einen nach dem anderen. Drei Zeilen haben die Kinder nach dem Tafel-Vorbild geschrieben und sollen nun noch selbständig vier Worte finden. Die Lehrerin will bann durch die Reihen gehen und sich das Ergebnis anfchauen.

Helga hat schon Mut, Meer und Mütze hinge­malt, aber bann stockt sie vor bem letzten Wort. Sie sieht es förmlich vor sich, sie hat es im Kopf, aber als sie den Griffel ansetzt, um bas WortMutter" zu schreiben, kann sie sich nicht beherrschen. Sie weiß selbst nicht, wie es kommt, aber sie kann un­möglich dieses Wort schreiben. Sie muß dabei an ihre kleine, zarte Mutter denken und sieht in der Erinnerung einen langen, schwarzen Zug von Men­schen, der hinter einem Sarg hergeht. Sie weiß das alles längst: es sind Gedanken, die sie täglich be­gleiten, zu Hause, auf der Straße, in der Schule und selbst beim Spielen. Am meisten jedoch in der Schule, wenn die Lehrerin erzählt und sie vor sich binträumcn kann. Roch nie aber sind diese Ge­danken so lebendig gewesen wie in diesem Augen­blick, als sieMutter" schreiben will. Ein wehes Gefühl, ein Würgen im Hals überfällt sie und der Tod der Mutter erschüttert sie von neuem mit einer Gewalt, daß sie den Schmerz bis in die Finger­spitzen hinein zu fühlen glaubt. Rein, dieses letzte Wort mit dem großen M ist furchtbar schwer. Das M steht zwar schon da, sie starrt es an und weiß nicht, wie sie den Weg zu den übrigen Buchstaben finden soll. Langsam fällt ihr der Griffel aus, der Hand, der Kops sinkt vornüber und sie fängt an zu schluchzen

Alle Kinder werfen bei diesem Geräusch wie auf Kommando die Köpfe herum nach der hintersten Bank. Die Lehrerin wird aufmerksam, geht mit raschen Schritten zu Helga und setzt sich neben sie. Aber Kind", fragt siewas ist denn los?"

Helga fährt sich mit der Hand über die nassen Augen. Das Schluchzen schüttelt ihren kleinen Kor-

per, sie möchte etwas sagen, kann es aber nicht. Da nimmt die Lehrerin das verweinte Gesicht zwi­schen ihre beiden Hände und schaut dem Mädel in die Augen.Run sieh mich mal an", bittet sie, warum weinst du denn, Helga?"

Ich kann das Wort nicht---"

kommt es stückweise heraus. Die Lehrerin wirft einen Blick auf Helgas Tafel und sieht das einsame M dort stehen. Ein Gedanke durchzuckt sie. Sie kann nicht sagen, warum sie plötzlich ganz genau um Helgas Kummer weiß, warum ihr auch miteins

ich habe auch einmal eine Mutter gehabt. Aber dann ist sie eines Tages gestorben. Ich muß oft an sie denken. Gelt, du denkst auch oft an deine Mutter? Du darfst sie auch nicht vergessen. Aber du hast es viel besser als ich, denn siehst du, ich habe damals keine so liebe, zweite Mutter bekom­men, sondern bin ganz allein geblieben. Da kannst du wirklich sehr froh sein!"

Die Lehrerin hat das Wort fertig geschrieben und legt den Griffel beiseite. Dabei sagt sie ganz leise: Ra also, da steht es nun. Nicht wahr, das war

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(Aufnahme: Elisabeth Hase, Frankfurt am Main.)

klar wird, was mit dem kleinen Menschenkind los ist und warum Helga immer so still und verträumt während des Unterrichts dasitzt.

Na, komm, wir wollen es mal zusammen ver­suchen", beruhigt sie Helga, schiebt die Tafel zu sich heran und nimmt den Griffel.Du hast ja schon so schön angefangen, aber nun wollen wir auch noch das letzte Wort fertig schreiben." Einmal, zwei­mal streicht sie begütigend über Helgas blondes WuschelhaarEs wäre' nämlich sehr schade, wenn wir dieses letzte Wort nicht schreiben würden. Ich denke, daß es das schönste Wort ist, das es gibt, nicht wahr, Helga?"

Und dann schreibt die Lehrerin, indem sie immer weiter spricht, um dem Kind über seinen Kummer hinwegzuhelfen, das WortMutter" hin.Ja, Kind,

doch gar nicht so schwer? Und ich finde, daß ich es sehr schön geschrieben habe, oder glaubst du nicht?"

Helga, die sich inzwischen wieder beruhigt hat, nickt und lächelt. Das Hindernis ist überwunden und sie fühlt sich befreit. Dankbar sieht sie die Leh­rerin an, die jetzt das Wort mit dem Finger wie­der auslöscht.So, ich glaube, du brauchst mich jetzt nicht mehr", meint sie.Nun wirst du allein das schönste Wort schreiben und alle Kinder schreiben es mit." Damit wendet sie sich wieder der Klasse zu, die diesem Zwischenfall in seltener Ruhe ge­folgt war.

Helga glaubt das auch. Schon langt sie nach 'dem Griffel.Mutter" schreibt sie. Und sie schreibt das Wort ohne aufzublicken, in einem einzigen Zug.

Muttertag.

Wieder einmal Muttertag! Wieder einmal der Tag der Frau, aus deren Schoß das Leben nicht nur ihres Kindes, nein des ganzen Volkes quillt, deren Schaffen und Wirken das Haus ge­staltet und über das Haus und die Gegenwart hinaus die Zukunft aller kommenden Geschlechter formt und baut. Mutter! Wort, das nie ver­sagender Zauber umspinnt, dessen heimlichen Rau­nen sich keiner zu entziehen vermag. Mutter! 2)as- ist Kindheit, das ist erstes Spielen, erstes Beten, ist Licht, Luft, Liebe, nie versagende Güte, Hilfe allem Weh der Welt. Ach, wie lange und wie oft hat man diese Hilfe und Güte um sich gespürt. War sie nicht noch um das Mädel, das heranwuchs, um den Jun­gen, der die ersten Schritte in das Leben hinaus tat? Hat sie überhaupt jemals aufgehört? Ist sie nicht heute noch lebendig auch unter weißem Haar, in welken abgearbeiteten Händen?

Als der Muttertag zum ersten Mal gefeiert wer­den sollte^hat mancher still heimlich gelächelt: Wozu ? Man liebt seine Mutter auch ohne das. Muß man es ihr noch an einem besonderen Tage zeigen? Der Muttertag hat sich trotzdem eingereiht in den Jah­resreigen, ein froher Danktag für alle, die wissen, was Mutter für sie bedeutet hat und noch bedeutet, ein leises und zartes Erinnern für die, die es im Trubel des Lebens mitunter vergessen.

Alle Ehrerbietung und Achtung gehört im neuen Reich der Mutter. Den kinderreichen Müttern wird in diesem Jahr als besondere Anerkennung für das, was sie dem Volke in ihren Kindern gaben, das Ehrenkreuz verliehen, und doch ist es auch heute noch mitunter eine Tragödie Mutter zu fein und ist es nicht nur für die Mutter selbst, ist es auch für die Kinder. Alles gab die Mutter hin für sie. Für sie hat sie sich geopfert, gearbeitet, ent­behrt und hat es mit Freude und Liebe getan. Nun ist sie alt, der Mann ist vielleicht tot, die Kinder gehen ins Leben hinaus, heiraten, suchen eine Stel­lung in fremder Stadt. Was wird jetzt aus der alternden Frau? Nicht jede hat eine Pension oder Rente. Wo sie da ist, ist sie vielleicht auch nur so klein, daß Jie gerade zum Notwendigsten reicht. Alles, was darüber hinausgeht, muß man sich ver­sagen. Es ist nicht immer nur Lieblosigkeit, was die Kinder abhält, vorzusorgen, sie haben meist genug mit sich selbst zu tun. Vielleicht hat der Sohn schon eigene Familie; die Tochter bezieht ein Gehalt, das gerade für ihr persönliches Auskommen reicht. Hin und wieder kann der eine ober andere etwas ab­stoßen, viel wird es selten sein.

An diesem Tag der Mutter gedenken ihrer treuen Arbeit nicht nur die Kinder, es dankt ihr a u ch d e r Mann, der noch an ihrer Seite geht. Wieviel Ruhe und Sicherheit könnte er über ihr Geben brei­ten, wenn er ihr am Muttertag eine Lebensversiche­rungs-Police ober ein Sparbuch auf den Gabentisch legte! Von unfern jungen Müttern, die jetzt noch glücklich strahlend im Kreise ihrer Kinder schaffen, denkt so manche doch mitunter im stillen: Wie wird es einmal mit dir im Alter sein? Solch sorgenvolles Fragen auszulöschen, soll eigentlich erste Pflicht jedes Hausvaters sein.

Der nationalsozialistische Staat hat sich die größ­ten Verdienste um die deutsche Familie durch die Konsequenz seiner Bevölkerungspolitik erworben. Ehestandsdarlehen, Kinderbeihilfen, Ausbildungs- beihilfen sollen die Familie des minderbemittelten Volksgenossen stützen, ohne daß der Einzelne bas Gefühl haben darf, ein Almosen zu beziehen. Spa­ter wird der große Lastenausgleich für die Familie eine weitere Sicherstellung der kinderreichen Fami­lien bringen. So wird die Freude zur Familie wachsen und ein ewiger Jungbrunnen unseres Vol­kes sein. Wir werden uns aber immer klar sein müssen, daß die Allgemeinheit uns nicht alle Sor­gen und Probleme abnehmen kann, sondern daß wir selbst in-der Fürsorge und in der Vorsorge für das Kind und für die Mutter in der er ft en Reihe zu stehen haben. Erfüllt der Muttertag diesen Zweck, so ist er mehr als eine schöne Gele­genheit, Lebende zu beschenken und die Gräber der Verstorbenen zu schmücken, bann ist er eine große Mahnung für unser Volk, seine Zukunft sicher zu gestalten. Diese Zukunft beruht allein in einem starken Staate, besten Funbament bie gesunde und gesicherte Dollfamilie ist.

Mutter ^Regina.

Von Karl Heinrich Waggerl.

Ja, die Mutter! Sie ist ein wenig redselig ge­worden mit den Jahren, sie liebt es, Geräusch zu machen und einen kleinen Seufzer an alles zu han- gen, was sie tut. Ihr Reich, das ist die Küche uni> der Keller, das qanze Haus, Garten und Stall. Es sehlt ihr an nichts; sie hat Walle und Flachs, Schmalz und Mehl, Käse und Milch das gallze Jahr Aber sie ist dicht wie der. Vater. Wenn sie nein sagt, jo heißt es nicht immer nem. Regina ist tüchtig und klug, daran fehlt nichts, allein sie jam­mert gern ein wenig, es ist ihr nicht unlieb, wenn der Mann den Berg Wäsche sehen kann, der morgen gewaschen werden soll.

Wenn ich mir nur etwas ausdenken konnte , sagt sie, ,choß ich das Wasser für den Kessel gleich hier in der Küche hätte ein Faß vielleicht, em größeres Schafs auf Rädern..." . r

Da muß Peter lachen. Jawohl, er und der Vater sehen sich an und schmunzeln ein bißchen. Am näch­sten Tilge nagelt Peter eine Rinne zusammen, nun fließt tatsächlich Wasser durch das Inster in Öen Kessel. Was aber das Schönste ist, Regina braucht nur an einer Schnur zu Ziehen, dann kommt viel oder wenig Wasser aus dieser Rinne, wie sie es ^^Wülls^du^ etwa auch heißes Wasser haben?

' SI b^n^efönnte20ich vielleicht ein Feuer unter bi- sie werkt, daß er sie nur zum Narren halt nut 'XmiftS^mU ÄtÄnn tut ihr manches zullebe, auch der Mann zieht geduldig >-m°i Schuhe vor der Türe aus, wenn der Boden Wue Aber zuweilen hat man doch auch seinen Sp B Erfährt sie in das Dorf. Sie fährt allein Roh und Wagen, denn die Stute ist ,o srieo cy geworden, daß sie nichts mehr aus der Fassung bringen Fann. Der Mann und Peter blechen daheurn sie stehen auf dem Anger, wahrend Mutter über die Halde hinunterrasselt.Gib nur acht, r f P

ter nach,wenn du den Fuchs wieder einspannst, der Kopf muß vorne sein!"

Wie sie wieder heirnkornrnt, da hat Peter eine Ueberraschung für sie bereit. Er schenkt ihr einen Topf mit einer merkwürdigen Pflanze. Sie sieht nach nichts Besonderem aus, ein paar gekräuselte grüne Blättchen. Aber Regina ist neugierig und gießt den Tops jeden Tag mit den übrigen,, bis sie endlich dcchinterkommt, daß es ein Rettich ist, ein ganz gewöhnlicher Rettich. Sie kränkt sich zuerst ein wenig, aber bann lacht sie selbst. Das ist so hübsch an ihr, sie nimmt nichts übel. Peter macht es auch «lieber gut, bie Mutter kann feine geschickten Finger wohl brauchen. Nun bekommt sie eine Garnhaspel dafür, daß sie den Rettich so schön begossen hat,

Regina besitzt auch einige unvergängliche Kennt­nisse aus ber Geschichte und ber Geographie. Sie weiß unb erzählt oft, daß Napoleon in einer ge­wissen Schlacht fein ganzes Königreich für ein Pferd angeboten hat, unb daß es in ber Sahara nur sieben Oasen gibt, sonst lauter Löwen unb Kamele. Peter merkt sich bas mit ber Zeit, es ist vielleicht wohl ohnehin bas Aeußerste, was ein Mensch an Kennt­nissen in sich aufhäuien kann, jebenfalls ist es genug für ihn, ber Weizen wächst deswegen nicht besser.

Mutters Brot ist schwarz, aber es nährt, nahr­haft unb kräftig ist auch sonst alles, was bie Frau auf ben Tisch bringt. Keine Leckerbissen, keine Ku­chen unb Pasteten,' auch Fleisch gibt es nur an Feiertagen. Regina bäckt einmal Krapfen im tiefen Schmalz, ein anbercs Mal ist es Mus, zuweilen auch nur eine Käsesuppe, unb ber Mann schreibet selbst noch kleine Brotschnitten hinein, ehe alle brei aus der einen Schüssel essen

Nein, große Künste finb nicht erfarberhd). Peter kommt herein und zieht bie Luft burch die Rase Milchnocken! Es waren auch gestern Milchnocken, aber gerabe barum ist es wie ein Wunder, wie eine besondere Fügung. Er hat den ganzen Vormittag daran gedacht,'ob die Mutter wohl diese Eingebung haben 'könnte, ein zweites Mal Milchnocken zu kochen. Peter ist ungeheuer gefräßig, manchmal kaut er Haber während der Arbeit, und der Vater ichaut ihn verwundert an, weil es so merkwürdig in \ex= nen Eingeweiden knurrt. Zur Heiligen Zeit wumcht sich Peter einen Brotlaib, den er ganz allein auf-- eilen darf, vom ersten bis zum letzten Stuck. Ja, so leben diese drei Menschen und sie leben zufrieden.

Langweilig ist das Leben nicht, Peter unterhält alle mit seiner luftigen trockenen Art.Was bekommen wir heute eigentlich?" sagt er, wenn er die Schüssel rein ausgeleert hat. So ist Peter, ein närrischer Kerl.

Aber unter Tags, da ist es recht still im Haus. Peter, ja, ja. Er ist beim Vater,' er arbeitet ir­gendwo im Wald, auf dem Acker, es sind wohl drei Menschen da, und doch ist die Mutter allein.

Die doppelte Aufgabe der deutschen Mutter.

In einem BeitragDer Geist des Hauses", den die ZeitschriftF r a u e n k u l t u r" zum Muttertag veröffentlicht, schreibt Waltraut Falkenberg:Die deutschen Mütter stehen alle in einer doppelten Auf­gabe, bie nach außen gerichtet ist und nach innen, zur kleinen Welt der Familie unb zur großen Welt ber Nation. Die Entscheidung, ob sie beides wer­den erfüllen können, kann durch keine noch so glän­zende Organisation herbeigeführt werden, sie liegt ganz allein in den Frauen selbst. Ausgespro­chene Frauenberufsarbeit, wünschten wir uns in weiterer Zukunft zumindest nicht in der Zeit mit der Ehe gekoppelt, in der die Kinder die Mutter am dringlichsten brauchen. Unberührt aber davon bleibt das tiefe Sorgen aller deutschen Frauen um die deutsche Gegenwart und Zukunft. Gerade wenn sie Mutter ist im allertiefsten Sinn, d. h. also, wenn sie sich verschenken und aufopfern will für eine Auf­gabe, bie außer ihr liegt, wirb sie bieses Sorgen nicht lassen können. Unsere Mütter sollen bem deut­schen Volk, rein biologisch gesehen, den W e g i n d i e Zukunft sichern sie sind wach geworden, aber auch dafür, wie dieser Weg ihrer Töchter und Söhne aussehen soll, unb sie sind an getreten, ihn mitzubestimmen. Sie haben es an der Ver­gangenheit gelernt, daß es nicht genügt, bem Kinbe nur bas Leben zu geben, sondern baß es nach seiner A r t gebeihen muß an Geist unb an Seele. Und aus dieser mütterlichen Sorge heraus wird nicht nur auf die Dauer das tiefste und reichste Leben in unser Volk strömen sondern von da gehören auch alle die zu uns, die keinem Kinde das Leben schenken dursten. Auch ihre Hände und Herzen mühen sich um das gleiche Werk, sie

stehen hinter den Müttern und Kindern ihres Vol­kes in geheimer unb unlösbarer Schwesternschaft. Mögen wir die Einheit dieses Frauentums und die gleiche Richtung seiner Kräfte immer stärker emp­finden. Dann wird der Gedanke an bie Mutterliebe unb bie mütterliche Kraft nicht mehr bas Schlag­wort eines Tages, fonbern ein sehr geheimer, aber immerwährender Dank für bas einzige Geschenk, das uns das Leben gibt, ohne dafür zu fordern."

Büchertisch.

Die deutsche Wissenschaft und die Wiener Akademie im Großdeutschen Reich. Rede, gehalten bei der feierlichen Sitzung ber Akademie ber Wissenschaften in Wien am 23. November 1938 von deren Präsidenten Heinrich Ritter von Srbik. 19 Seiten. Preis kartoniert RM. 1,. Verlag F. Bruckmann, München. (41) Die festliche Akabemierede bes hervorragenben Wie­ner Historikers ist gehalten worben unter dem noch frischen Eindruck ber weltgeschichtlichen Wieberver- einigung Oesterreichs mit bem Reiche; sie gibt einen gebrängten Rückblick auf bie Geschichte ber Wiener Akademie ber Wissenschaften, einen Rechenschafts­bericht über ihre Arbeit unb ein Bekenntnis zur unzerstörbaren geistig-politischen Einheit des Ge- .samtreiches.

So lebt bas Dorf. Don Hanns Schop­pe r. (Verlag Paul Zsolnay, Berlin.) 386. Der Autor schickt seiner Erzählung bie Bemerkung voraus:Dieses Buch wurde geschrieben 1935/36 in ber Zelle 240 bes Lanbgerichts II in Wien, in welcher ich 7 Monate wegen Zugehörigkeit zur NSDAP, verbrachte." Unb bann schilbert er in feffelnber Weise sein Erleben. Dabei wird dem Le­ser der tiefe Sinn des bäuerlichen Lebens an einer bunten Reihe lebensvoller Gestalten unb Schicksale in ber Urkraft beutscher Lanbschaft sichtbar gemacht, wird man erfüllt mit starker Sympathie mit den Menschen, bie im Kreise bieses Dorfes den Alltag unb bas Geschehen unserer Zeit erleben. Es sind prächtige Gestalten, die man in bieser Erzählung kennen lernt, unb es ist eine bäuerliche Welt, ber der Autor gut und mit Recht ben Weg zum Herzen ber Leser öffnet. Dankbar wirb man am Schluffe dieses Buch aus der Hand legen.