Ausgabe 
20.1.1939
 
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daß mir vorwärts gekommen sind und das hohe Ziel des Vterjahresplanes beftimmt erreichen werden.

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Wirtfchaftslenkung ist heut nicht mehr eine Frage, die nur in den totalitären Staaten Bedeutung hat, auch in den demokratischen Staaten steigt vas Interesse dafür mehr und mehr. Tatsächlich zeigen sich bereits in der englischen, französi­schen und amerikanischen Wirtschaft deutliche Ansätze für staatliche Einflußnahmen auf die Produktion und zum Teil auch auf den Handel. In den weniger großen Wirtschaftsstaaten scheut man sich dagegen bedeutend weniger, das Kind beim Namen zu nennen, und da, wo eine staatliche Len­kung der Wirtschaft vorhanden ist, auch von einer gelenkten Wirtschaft zu reden. Ungarn, das uns durch den Besuch seines Außenministers auch wirt­schaftlich wieder besonders nahegebracht worden ist, geht mit seinem Fünfjahresplan konsequent auf eine Wirtschaftslenkung aus. Den im Februar 1938 von dem damaligen ungarischen Ministerpräsi­denten von Daranyi verkündeten Fünfjahresplan war in der Praxis bereits, soweit die L a n d w iri­sch a f t in Frage kam, ein ausgebildetes System von Wirtschaftslenkung voraufgegangen. Eine staatliche Steuerung bestand in Ungarn großenteils bezüglich der Anbauflächen, bezüglich der Festsetzung von Erntemengen und Uebernahmeprei- s e n (Tomaten und Zuckerrüben) und schließlich bei der Regelung der Anbaugebiete für einige Quali- tätserzeugnisse, die überwiegend zum Export be­stimmt sind. Wie es beispielsweise der Fall bei Ge­würz, Paprika und Zwiebeln ist. Der Staat behält sich dabei weiterhin eine Qualitätskontrolle vor. Die Innehaltung der vom Staat aus nationalwirtschaft­lichen Gründen festgesetzten Preisvorschriften wird durch staatliche Organe genau kontrolliert. Der Wert der landwirtschaftlichen Erzeugung wird auf 1,5 Milliarden Pengö angegeben, wovon rd. für 400 Mil­lionen Pengö ausgeführt werden. Rund 65 v. H. die­ser Ausfuhrmenge unterliegen der staatlichen Kon­trolle in bezug auf Preise usw. Die Industrie ist in zahlreichen Kartellen zusammengeschlossen, aber im Lause des Jahres 1938 hat das Außenhandels­amt praktisch die Außenhandelslizenzen in seiner Hand vereinigt. Die industrielle Erzeugung ist von 130 Millionen Pengö 1937 auf 138 im dritten Quar­tal 1938 gestiegen. Der Realwert der agrarischen Kaufkraft im gleichen Zeitraum von 63 auf 83, der Nominalwert der Lohnsummen von 270,3 auf 441,8 Millionen Pengö. Auch im Äußenhandel bewährt sich die staatliche Organisation, und zwar war Groß- veutschland der beste Kunde der agrarischen Erzeu­gung Ungarns sowie der Hauptlieferant für indu­strielle Fertigwaren.

Englische Wirtschaftskreise fetzen neuerdings alles daran, mit Hilfe der Regierung die Ausfuhr zu f ö rd e rn. Man kann gerade­zu angesichts der zahlreichen Subventtonsanträge gewisser englischer Wirtschaftszweige, namentlich der englischen Schiffahrtsindustrie, von einer Ausfuhr­offensive sprechen. Nach den Ankündigungen,daß 'in der englischen Geschichte bisher ohne Vorbild stehende Methoden benutzt werden, um den briti­schen Ausfuhrhandel gegen neue Methoden aus­ländischen Wettbewerbs zu schützen", darf man auf die Weiterentwicklung des Außenhandels von 1939 recht gespannt sein. Allerdings kann man sich der Tatsache nicht verschließen, daß der Verlauf des englischen Außenhandels in 1938 gewisse Beunruhigungsanzeichen enthält. Sowohl die Ein- führ wie die Ausfuhr haben sich um 10 v. H. gegen­über dem Vorfahr vermindert. Das heißt, Ein- und Ausfuhr haben fast dieselbe Einbuße er­litten, die der Welthandel im letzten Jahr schätzungs­weise durchgemacht hat. Ein erheblicher Teil des Rückgangs der Außenhandelsumsätze ist auf die Rückläufigkeit der Großhandelspreise zurückzufüh- ren, die im Durchschnitt um rund 7 v. H. unter dem Stand des Vorjahres lagen. Die niedrigen Preise wirken sich besonders bei der Getreideeinfuhr und da wieder besonders bei Weiten, Gerste, Hafer iuni) Mais aus. Auf der Ausfuhrseite zeigen sich die stärksten Rückgänge bei Textilien. Die Ausfuhr von Vaumwollerzeugnissen ist ebenso wie die Aus­fuhr von Wollerzeugnissen um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Ebenso konnten bei Kohlen, Eisen und Stahl die Ausfuhrmengen nicht gehalten werden. Recht aufschlußreich ist auch die Tatsache, daß in England, das in seiner Presse über die deutsche Maschinenausfuhr nicht immer sonderlich verständnisvolle Ausführungen bringt, die Maschinenindustrie heute zur bedeut- f am st en Ausfuhr indu st rie geworden ist, leine Position, die bisher die englische Baumwoll­industrie innehatte. Eine Entwicklung, die ohne Frage mit der fortschrettenden Industrialisierung im bisher überwiegend agrarisch eingestellten Ländern xusammenhängt.

Die Kaffee-Ernte der Welt im letzten Jahr kann jetzt insgesamt geschätzt werden. DieDer- eeniging vor den Koffeehandel" in Amsterdam gibt die brasilianische Ernte für 1938 auf 18 Millionen Sack gegen 26 Mill. Sack 1937 an, die Ernte in Ko­lumbien auf 4,3 gegen 4,4 Millionen Sack, in Venezuela auf 600 000 gegen 770 000, in Guatemala auf 800 000 gegen 730000, in Gab vador auf 1 Million gegen 750 000, in Mexiko auf 600 000 gegen 600 000, in Haiti und San Domingo auf 450 000 gegen 500 000, in Kuba auf 500 000 gegen 550 000, in Costarica auf 360 000 gegen 440 000, in Jamaica, Equador und Honduras auf 300000 gegen 280 000, in Nicaragua auf 250 000 gegen 250 000. Die Ernte Niederlandisch-Ostindiens wird auf 1,9 Millionen gegen 2,205 Millionen Sack und die Ernte Britisch-Jndiens auf 150 000 gegen 250 000 Sack geschätzt. Für Afrika wird eine gleichbleibende Ernte von 2 Millionen Sack ange­nommen. Insgesamt soll sich die Weltkaifee-Ernte auf 31,240 Millionen Sack gegen 40,158 Millionen Sack im Jahre 1937 betragen. Das wäre ein Ernteausfall von 22 v. H. Der Weltver­brauch an Kaffee wird mit rund 25 Millionen Sack geschätzt.

Tagung des Reichsfachamtes Nahrung und Genuß".

Innsbruck, 18.Jan. (DNB.) Am Mittwoch wurden die Verträge der Reichsfachwalter über die Gebiete der einzelnen Arbeitsgemeinschaften fort­gesetzt. lieber die ArbeitsgemeinschaftVerbrau­chergenossenschaften" referierte Reichsfach­gruppenwaller Joseph. Die Arbeitsgemeinschaft Fischindustrie, Ob st- und Gemüsekon- serven-Jndustrie" wurde von Reichssachgrup- penroalter Stenzel behandelt. Reichsfachgruppen' walter Matthias berichtete über dieBrot- und Backwarenindustrie" und gab interessante Aufschlüsse über die Berufsausbildung in diesem Wirtschaftszweig, die jetzt eine wesentliche Verbesse­

rung erfahren wird, lieber die FachgruppeT a - b a r, die mit rund 200 000 Beschäftigten die größte des ReichsfachgruppenamtesNahrung und Genuß" ist, berichtete Pg. Allvater. 86 v. H. der Beschäftigten in der Tabakindustrie sind Frauen. Der Vortragende behandelte eingehend die sozialen Maßnahmen der DAF. für diese Fachgruppe, die sich auss beste bewährt haben. Zu Ostern d. I. wird in der Zigarrenindustrie ein neuer Lehrlingsvertrag nach den Richtlinien des Jugendschutzgesetzes ge­schaffen werden.

Die Fachvorträge wurden am Donnerstag mit einem Bericht der ArbeitsgemeinschaftMolke­reien, Oe le, Fette, Margarine-Indu­

strie" urtb Referaten über die Zucker- und Süßwaren-Jndustrie sowie über die Auf­gaben der sozialen Selbstverwaltung fortgesetzt. Das ReichsfachamtNahrung und Genuß" steht im Leistungskampf der 'Betriebe prozentual an erster Stelle. Don 84 000 tellnehmenden Betrieben waren 5249 im ReichsfachamtNahrung und Genuß"; 19 hiervon erhielten unter insgesamt 103 Betrieben die höchste Auszeichnung. Das Fachamt hat bisher 56 männliche und 16 weibliche Reichssieger und etwa 500 Gausieger gestellt. In den letzten beiden Jahren wurden 16 neue Lehr- und Anlernwerk- ftätten geschaffen. 589 Werkschartrupps gibt es im FachamtNahrung und Genuß".

Aden, Englands jüngste Kolonie, 100 Jahre all.

Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

abs. London, Januar 1939.

Englands jüngste Kolonie, Aden am Roten Meer, die erst 21 Monate alt ist, wird am 19. Januar d. I. ihre 100jährige Zugehörigkeit zum englischenWeltreich feiern. So widerspruchs­voll dies klingt, entspricht es doch genau den Tat­sachen. Aden wurde am 19. Januar 1839 von Eng­land als Teil von Britisch-Indien annektiert, nachdem das berühmte Felsennest jahrhundertelang ein Schlupfwinkel für Piraten ge­wesen war, die das Rote Meer und den Persischen Meerbusen heimsuchten. Es vergingen dann aber noch 98 Jahre, bis Aden am 1. April 1937 eine selb­ständige, der englischen Krone unmittelbar unter­stellte englische Kolonie wurde. Bei dieser Gelegenheit erinnert man sich der wechselvollen Ge­schichte dieses heute für das englische Weltreich so bedeutenden Stützpunktes am Wege nach Indien.

England war klug genug, sich den Besitz der Insel von Aden schon lange vor dem Bau des Suez-Kanals zu sichern, als noch nie­mand deren Bedeutung erkannte, uttd die anderen Mächte dieser Besitzergreifung kaum Beachtung schenkten. Sie ist auf einem erloschenen Vulkan ge­legen und wurde wahrscheinlich um das Jahr 24 vor der Zeitrechnung bereits von den Röme r n entdeckt. Später befand sie sich dann im Besitz der Portugiesen, dann der Türken und des Sultans von Sana. Als im Jahre 1839 ein englisches Schiff an den Felsen von Aden strandete und von den arabischen Stämmen Beni Boo Alis geplündert wurde, rüstete England eine Strafexpe­

ditton aus und besetzte das alte Piratennest, das die indische Regierung schon früher einmal vergeb­lich zu zerstören versucht hatte. Damit begann die englische Herrschaft. 1902 wurde das Protek­torat Wen erklärt, 1920 wurde es dem eng­lischen Foreign Office und 1921 dem Colonial Office unterstellt, bis es 1937 zur selbständigen Kolonie erklärt wurde.

Ein interessanter Zwischenfall ereignete sich im Jahre 1857, als der Suez-Kanal gebaut wurde. Eines Tages ging im Hafen von Wen ein fran­zösisches Kriegsschiff unerwartet vor Anker, dessen Absichten nicht ohne weiteres klar waren. Der englische Gouverneur lud jedoch den Kapitän des Schiffes zum Essen ein, obwohl er sich wunderte, daß die Ankunft des Schiffes nicht vorher gemeldet worden war, wie dies sonst üblich ist. Durch Er­zählungen des redseligen französischen Kapitäns wurde sehr bald sein Auftrag offenbar: er sollte die 100 Kilometer entfernt liegende Insel Perim in französischen Besitz nehmen. Noch während der Franzose beim Weine saß, sandte der englische Gouverneur ein im Käsen liegendes englisches Kano­nenboot zur Perirnmsel, um den Franzosen zuvor- zukommen. Als am nächsten Tage das französische Schiff sich der Insel näherte, mußte der Kapitän zu seiner Enttäuschung erkennen, daß bereits der Union Jack vom höchsten Punkt der Insel flatterte, er konnte seiner Regierung nur noch melden, daß er z u spät gekommen sei. So hatten sich die. Englän­der durch eine schnelle Tat einen unbequemen Nach­bar für alle Zeiten vom Halse geschafft.

Gras Cianos Besuch in Zugoslavien.

Aufbau Oonau-EuropaS als Zone der Sicherheit und Klarheit".

Belgrad, 19. Jan. (Europapreß.) An den im Rahmen einer Jagd ab gehaltenen politischen Be­sprechungen in B e lj e nahmen außer Minister- präsioent Stojadinowitsch und dem italieni­schen Außenminister G r a f C i a n o die italienischen Minister B u 11 i und Diteti, der italienische Ge­sandte in Belgrad, Jndelli, unb der Kabinetts­chef des jugoslawischen Ministerpräsidenten, Pro - titsch, teil, lieber die streng vertraulichen Bespre­chungen wurden bisher keinerlei Mitteilungen aus­gegeben. Graf Ciano wird Samstagabend die Fahrt nach Belgrad antreten, wird aber in Ruma den Zug verlassen und einige Stunden Gast des Prinzregenten auf dessen in der Nähe ge­legenen Jagdschloß sein. Am Sonntagvormittag trifft der Minister in Belgrad ein, wo er die ita­lienische Buchausstellung eröffnen wird. Nach einem Diner im Königsschloß tritt Graf Ciano am späten Abend die Heimreise an.

Der in Belgrad weilende Herausgeber des halb­amtlichenG i o r n a l e d' Italia", Gayda, stellt in einemAufbau Donau-Curovas" über­schriebenen Artikel fest, daß zwischen Italien und Jugoslawien keine politischen Angele­genheiten mehr zu regeln seien und daher auch keine neuen Abkommen oder Protokolle er­wartet zu werden brauchten. Jugoslawien fei vor allem als Adria-Macht an dem Mittelmeer- Problem interessiert. Gegenüber dem

Kommunismus habe Jugoslawien ohne un­mittelbaren Anschluß an den Antikominternpakt feine Haltung in entschlossener Unnachgiebigkeit Verweigerung der Anerkennung der Sowjetregie­rung festgelegt.

Die nationalen Interessen Jugoslawiens seien rein geographisch von der Tatsache bestimmt, daß Italien und Deutschland gemeinsame Grenzen mit Jugosla­wien besitzen, ferner durch die Möglichkeit nützlicher wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Italien und Deutschland strebten ferner die Anlehnung des Einvernehmens. mit Jugoslawien auf die übrigen mit ihnen befreundeten Nachbarländern ab. Zwischen Jugoslawien und Ungarn werde man schnell zu einem Freundschaftspakt nach den Grundsätzen des italienisch-jugoslawischen Abkommens gelangen. Schwieriger werde die Klärung des Verhältnisses zwischen Ungarn und Rumänien fein, aber un­löslich sei auch dieses Problem nicht. Auch aus P o - l e n erstrecke sich die klärende Polittk Italiens und Jugoslawiens. Im ganzen weiten Gebiet Europas, von der sowjetrussischen Grenze bis zum Rhein, von der Nordsee bis zur Adria, zum Schwarzen und zum Aegäischen Meer seien also Derständigungs- versuche in'Gang gebracht worden, die darauf ab­zielten, diesen Raum zu einer Zone der Sicher­heit und Klarheit zu machen im Gegensatz zu dem Nebel, der sich über Westeuropa verdichte.

Das Schicksal des Segelschulschiffes Admiral Karpfanger".

Oie Verhandlung vor dem Seeamt Hamburg. - Keine sichere Feststellung der Ursachen des Verlustes möglich.

Hamburg, 19. Ian. (DNB.) Das Seeamt Hamburg trat zusammen, um über den Verlust des SegelschulschiffesAdmiral Karpfanger" der Hamburg-Amerika-Linie und das Schicksal der 60 Mann Besatzung zu verhandeln. Am 20. Septem­ber 1937 tratAdmiral Karpfanqer" unter Führung von Kapitän Walker seine Ausreise nach A u ft r a l i e n an. Im australischen Hafen Port Germain wurde das Schiff mit Weizensäcken bela­den. Es hat dann am 8. Februar 1938 abends die Heimreise angetreten. Am 1. März 1938 fünfte Admiral Karpfanger" feine letzte Standort- Meldung. Einige Tage später wurden von dem Schulschiff noch Nachrichten über Norddeich gegeben. Seitdem liegen keinerlei Nachrichten mehr vor. Im September 1938 sind in der Umgebung von Kap Horn Schiffstrümmer gefunden worden, von denen angenommen werden muß, daß sie teil­weise von dem verschollenen Segelschulschiff stam­men.

Der Direktor der Personalabteilung der Ham- burg-Amerika-Linie. Kapitän M a s ch k e , der das Schiff mit einem Vertreter des Germanischen Lloyd in Liverpool am 19. Juli 1937 gekauft hat, war, wie er aussagte, überrascht über den guten Zu stand des Fahrzeuges. Die Umbauten sind in sehr großzügiger Weise durchgeführt worden. Don der Besatzung waren 13 Mann erfahrene Leute vom SchulschiffDeutschland". Von den Jungen sind 13 ein Vierteljahr lang in Finkenwärder zur Ausbildung gewesen.

Der Vertreter der Seeberufsgenossen­schaft macht dann Mitteilungen über das Be- sicyttgungsergebnis des verschollenen Schulschiffes. Da Der Segler als Schulschiff in sehr gutem Zustand erhalten worden war und auch von der Hapag viel für die Ausgestaltung getan wor­den fei, so seien Beanstandungen nicht zu machen gewesen. Kapitän Walker werde das Zeugnis eines ruhigen und besonnenen Seeman­nes ausgestellt, dem das Wohl der ihm anver­trauten Mannschaft sehr am Herzen gelegen habe. Die Ausrüstung des Schiffes fei eine ganz aus­gezeichnete gewesen, Auch die Hilfsmittel zur

Navigation hätten in jeder Hinsicht allen Anfor­derungen genügt Die Unterbringung der Fun k- st a t i o n im Kartenhaus sei nicht zu beanstanden, da dies wohl auch der für das Schiff paffende Ort gewesen fei. Die Besatzung sei vollkommen aus- reicheick) gewesen. Es sei auf anderen Segelschiffen : auch nicht üblich, mehr erfahrene Besatzungsmit- 1 glieder an Bord zu haben. Die Bedienung der Funkstation habe in guten Händen gelegen.

Reichskommissar Vizeadmiral a. D. Werth stellte in seinem Gutachten fest, daß man nach eingehender Prüfung aller Aussagen zu dem Schluß gekommen sei, daß das Schiff genügend bemannt, gut eingerichtet und ausgerüstet wurde. Er bedauert nur, daß zur Wartungder Motoren nicht ganz geeignete Leute an Bord gewesen seien. Trotzdem haben die Motoren doch noch bis zum 12. März den Betrieb des Kurzwellensenders und -empfängers gestattet Der Reichskommissar erkennt die erfolgreiche Suchaktion nach Wrackteilen an, die von dem chilenischen Forschungsschiff G a l v a r i n o" unternommen worden sind. Es hat im Oktober vorigen Jahres bei der Navarine-Jnfel von dortigen Einwohnern am Strand gefundene Holzteile ausgenommen, an denen sich Armaturen befanden, so u. a. ein Türschild mit der Aufschrift Kapitän und Offiziere". Das Schild ist aus einem neuerdings in Deutschland verwandten Leichtmetall hergestellt und wurde von einer Hamburger Firma einwandfrei als zu einer Lieferung für denAdmiral Karpfanger" gehörig erkannt.

Nach den Wettermeldungen der Schiffe, die sich zur Zeit des Unglücks auf dem Wege zwischen Australien und Kap Horn befanden, lassen sich gewisse Rückschlüsse ziehen. Es besteht die Möglichkeit, daßAdmiral Karpfanqer" mit einem Eisberg zusammengesto­ßen ist oder durch plötzlich auftretendes schlechtes Wetter erhebliche Beschädigungen der Takelage stattgefunden haben. Der frühere Be­sitzer des Schiffes hält wegen der starken Masten des Schiffes eine Entmastung durch Schlechtwetter allerdings für unmöglich. Eine dritte Möglichkeit

daß das Schiff unter dem Einfluß von Schlecht-

Sellisch-tschechischesGesprS-

Der Berliner Wochenendbesuch des tschecho-slowa« tischen Außenministers Ch v al ko o sky ist rein zeitlich interessant; er erfolgt nach dem Besuch des ungarischen Außenministers und vor der Warschau- Fahrt des deutschen Außenministers'.

Das tschechische Volk hat eine umgekehrte Him­melfahrt hinter sich. Himmelfahrt im gewöhnlichen Sprachgebrauch bedeutet das Verlassen dieser Erde, um in ein besseres Jenseits einzugehen; das tsche­chische Volk ist aber aus dem Himmel der Illusionen auf die rauhe Wirklichkeit dieser Erde gestürzt. Das war eine harte Sache. Die Gerechtigkeit gebietet die Anerkennung, daß das tschechische Volk in einer so schweren seelischen Krise seinen Kopf nicht ver­loren und ein bemerkenswertes Maß von Selbst­zucht unter Beweis gestellt hat. Diese Leistung im­poniert jedem Deutschen mehr als die Großspreche­reien eines Scheindaseins, das nicht nur in einer Als-ob"-Philosophie, sondern auch in einerAls- ob"-Großmachtspolitik und in einerAls-ob"-Stra- tegie machte.

Inzwischen ist um einen Klichä-Ausdruck zu verwenden eine Normalisierung der deutsch-tschechischen Nachbarschaft eingetreten. Nor­malisierung? Was heißt das? Normalisierung ist nicht viel: Normalisierung ist schließlich als solche nur ein Sich-Einrichten auf einen gegebenen Zu­stand, der zur Gewohnheit des Alltags wird. Aber eine solche Normalisierung hat außerhalb ihres rein sachlichen Bereiches doch einen großen seelischen Vorteil: daß nämlich eine neue Lage, für die eben die äußeren Formen gefunden werden muß­ten, in aller Ruhe erst einmal in bas allgemeine Bewußtsein bringen und in allen ihren Auswir­kungen unb Folgen üb erprüft werben kann.

Von deutscher Seite ist alles geschehen, um diese Normalisierung zu erleichtern: Das völkische Leben ber Tschechen jenseits der beuffchen Volkstumsgren­zen würben respektiert. Nach der ersten Aufregung gab es keine Zwischenfälle mehr an der neuen beutsch-tschechischen Grenze. Das wirtschaftliche Le­ben wurde durch die ungestörte Fortsetzung der na­türlichen Beziehungen zwischen dem Sudetengau unb dem tschechischen Gebiet in Gang gehalten. Deutschland bot den Tschechen den Anschluß an ein großräumiges Wirtschaftsgebiet und schafft gerade damit den Ansatzpunkt für eine fortwirkende Klä­rung ber Problemstellung im tschechischen Volks- bewußtsein selbst.

Wir geben uns keiner Täuschung hin; wir glauben nicht, daß die Tschechen von gestern auf heute Freunde des deutschen Volkes geworben sind. Mehr noch: wir spekulieren gar nicht auf diese Freund­schaft. Aber wir wissen aus dem Schicksal unserer volksdeutschen Landsleute des alten Oesterreich- Ungarn, daß die Verhältnisse dieses Völkerstaates für eine harmonische, geradlinige Entwicklung feiner einzelnen Völker ungünstig gewesen sind. Die Regie­rungsmaxime des Fortfrettens und Fortwurstelns hatte zum natürlichen Gegenstück, daß sich die einzel­nen Völker in einerGeistigkeit" verbiesterten, die um ein Goethe-Wort umzukehren bas Kleine groß unb das Große klein sehen ließ. Die Tschechen sind auf wirtschaftlichem Gebiet ein regsames und tüch­tiges Volk; aber biefes Oesterreichertum ließ sie nicht los, ja, sie selbst übersteigerten es unter dem Be- nesch-Regime zu einer Groteske. Gegen biefe Krank­heit helfen nur Straßen, Kanäle, Eisenbahnen, Häsen!

Offene Grenze für den Krastfahrzeng- verkehr in die Tkchecko-Slowafei.

Berlin, 19. Jan. (DNB.) Das Reichsverkehrs­ministerium gibt ben Vertrag bekannt, den die deut­sche Regierung und die Regierung ber tschecho-slo- wakischen Republik in bem Wunsche abgeschlossen haben, ben Verkehr mit Kraftfahrzeugen unb Fahr­rädern zwischen ihren ßänbern zu erleichtern. Da­nach ist die Einreise von Kraftfahrzeugen bes einen 93ertragsftaates in bas Gebiet bes anderen ohne die durch internationale Abkommen vorgeschriebenen internationalen Fahrtausweise für Fahrzeuge und F a h r z e u g f ü h r e r zuläs­sig. Fahrräder, die zum vorübergehenden Gebrauch in das Gebiet bes anberen Staates eingeführt werben, bleiben von Zöllen und Zollförmlichkeiten befreit. Ferner ent­hält der Vertrag, der sofort in Kraft tritt, Bestim­mungen über einen erleichterten Durchgangsverkehr auf bestimmten Straßen, die noch bekanntgegeben werden.

wetter nach vorheriger starker Beschädigung der Segel und des Ruders durch (Einfdjlagen von Luken leck geworden ist. Tüe vierte Möglichkeit ist ein eventuelles Kentern des Schulschiffes im Zusammenhang mit vorherigem Leckwerben, da eine andere Möglichkeit bes Ken­terns bei der langen Fahrzeit, die das Schiff feit seiner Indienststellung bereits hinter sich batte, wohl ausgeschlossen ist. Eine letzte Möglichkeit ist, daß bas Schiff durch Beschädigung soweit manövrier­unfähig geworden ist, daß es in der Nähe von Kap Hom strandete.

Die Beweisaufnahme hat ergeben, daßAdmiral. Karpfanger" am ober nach bem 12. März 1938 inner­halb eines Seegebietes zwischen bem 50. unb 60. Grab südlicher Breite unb zwischen bem 115. Grad westlicher Länge und Kap Horn untergegan­gen und die Besatzung nicht mehr am Leben ist. Dieser tragische Seeunfall muß auf höhere Gewalt zurückgeführt werden. Auch weiterhin wird alles unternommen werden, um Nachrichten überAdmiral Karpfanger" zu erlan­gen. Der Spruch des Seeamts entsprach dem Gut­achten bes Reichskommissars.

Oie Gesundheitspflege von Juden bereinigt.

Berlin, 19. Ian. (DNB.) Nachdem durch Ver­ordnung zum Reichsbürgergesetz ben jübischen Aerz- ten bie Bestallung am 30. September 1938 entzogen worben ist, bestimmt eine weitere Ver- orbnung das Erlöschen ber Bestallungen bzw. Approbationen auch ber jüdischen Zahn­ärzte, Tierärzte und Apotheker am 31. Januar 1939. Darüber hinaus ist den Juden bie Ausübung ber Heilkunde, Zahnheilkunde und Tier­heilkunde überhaupt verboten. Als Hilfs­kräfte in der Gesundheitspflege sind die Juden auf ihre Rassengenossen beschränkt. Die von der Verord­nung betroffenen Juden können ihre Wohnungen ober Praxisräume für den 28. Februar 1939 kün­digen; die Kündigung muß dem Vermieter bis zum 31. Januar 1939 zugegangen fein.