Ausgabe 
19.7.1939
 
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Jugoslawisch-bulgarische Kreundschast.

Von unserem v. M-Korrespondenten.

Belgrad, im Juli 1939.

Die Belgrader ZeitungPolitika", die in der letzten Zeit Sprachrohr des jugoslawischen Außen- amtes geworden ist, behauptet, die Begegnung des bulgarischen Ministerpräsidenten K \ o f s e iro a nass mit dem jugoslawischen Außenminister Zinzar- Markowitsch in dem schönen jugoslawischen Alpenkurort Bled werde eine starke Wirkung auf die Entwicklung der jugoslawisch-bulgarischen Freundschaft und die Festigung des Friedens aus dem Balkan haben. In allen maßgebenden Krisen Jugoslawiens ist man derselben Ansich^ und auch m Bulgarien scheint man sie zu teilen. Nach der Be­gegnung von Bled beginnen sich die Umrisse einer neuen Mächtegruppierung am Bal­ta n zu zeigen, die bisher noch niemals so deut­lich zum Ausdruck gelangt war. Der amtliche Be­richt der nach den Besprechungen von Bled aus- gegeben wurde, spricht klar von Dotier Ue ber­eit! ft i m m u n g der beiden Staaten zu den inter­nationalen Fragen. Denn die beiden Minister stell­ten fest, daß ihre bisherige Politik am b eften den Interessen Bulgariens und Jugoslawiens und somit denen des Balkans entspräche, daß außerdem beide Regierungen ihre bisherige Politik guter und freundschaftlicher Beziehungen zu allen Nachbarn weiterführen wurden. Daß sie sich darüber hinaus noch bemühen wollen, ihre gegenseitigen Beziehungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete zu vertiefen, muß selbst­verständlich auch ihre Zusammenarbeit auf außen­politischem Gebiet noch verstärken.

Die Gedanken, die in dieser amtlichen Verlaut­barung zum Ausdruck gelangten, sind nicht neu. Neu ist lediglich die Form, in der sie zum Aus­druck gebracht wurden. Seit 1935 bereits verfolgt Jugoslawien die außenpolitische Linie von Bled: Freundschaft und Zusammenarbeit mit allen Nach­barn vor allem den großen Nachbarn Deutsch­

land und Italien, und Nichteinmischung in die Auseinandersetzungen der Großmächte. Diese Einstellung zu den internationalen prägen führte logisch w9 einer Politik der Neutralität, die auch tatsächlich seit vier Jahren ohne Schwankungen von Jugoslawien eingehalten wird. Dem Beispiel Jugoslawiens folgten im großen und ganzen auch die anderen Staaten des Balkans. Der Grundsatz der Neutralität wurde die Richtschnur der Politik des Balkanbundes und Bulgariens. Zwar ist in den letzten Monaten eine gewisse Schwankung in der Politik einiger Balkanstaaten eingetreten. Jugo­slawien und Bulgarien aber folgten diesem Bei­spiel nicht. Es ist deshalb natürlich, daß diese zwei Balkanstaaten sich in der Verfolgung ihrer Außen­politik noch enger z u s a m m e n s ch l i e ß e n mußten. Das sichtbare Zeichen dieser Annäherung ist die Begegnung von Bled.

Es ist in der Form neu, weil hier zum ersten Mal von einer gemeinsamen außenpolitischen Linie des jugoslawischen und bulgarischen Staates gesprochen wird. Was bisher de facto bestanden hatte, wurde nunmehr in Bled formell bestätigt. Daß die neue enge bulgarisch-jugoslawische Zusammenarbeit keine vorübergehende Erscheinung, sondern auf lange Sicht berechnet ist, beweist eine Erklärung des bul­garischen Ministerpräsidenten Kjosseiwanoff "in der BelgraderPolitika" nach der Begegnung in Bled. Kjosseiwanoff sagte dort u. a.:Die Ent­wicklung der internationalen Ereignisse, die ihre Auswirkungen auch in unseren beiden Ländern zei­gen könnte, wird vielleicht noch stärker die große geschichtliche Bedeutung des Vertrages ewi- ge r Freundschaft zwischen Bulgarien und Jugoslawien zum Ausdruck bringen. Dieser Vertrag ewiger Freundschaft wird den beiden Brudervölkern die'Möglichkeit geben, volle Ruhe in diesen Weltereignissen zu wahren und gemeinsam ihre ge­meinsamen Interessen zu beschützen."

der Reichswettkämpfe am Start fein. Sie werden eine umfassende Leistungsschau der gesamten wehr­haften Mannschaft unseres Volkes bieten. Auf zah - reichen Kampfplätzen werden die Besten ermittelt werden, die dann, wenige Wochen spater, die Sturmabteilungen des Führers auf dem Reichs­parteitag vertreten.

Das oberste Grundgesetz der gesamten N«.- Kampfspiele stellt die M a n n s ch a f t s l e l st u n g bar. Damit wird zielbewußt die Richtung unserer gesamten Leibeserziehung betont, deren größte Aufgabe es ist, nicht irgendwelche Sportkanonen zu züchten, was man früher als die Hauptsache ange­sehen hatte, sondern einen wesentlichen Teil des Volkes so zu stählen, daß er allen Strapazen ge­wachsen ist. So fällt bei den Kämpfen wenn natürlich auch dem einzelnen genug Gelegenheit ge­geben ist, sein Können zu beweisen in erster Linie die Entscheidung zwischen den Mannschaften Ueberaus vielgestaltig ist das P r o g r a m m der Wettkämpfe auf dem Reichssportfeld. An der Spitze der Wettkämpfe in Uniform ist der Wehrmann- schasts kämpf mit 1:36 Teilnehmern zu nen­nen. Nach Erprobung der Schießfähigkett und der Marschfähigkeit' des einzelnen wird zum Schluß noch eine Einsatzübung auf. der Wettkampfbahn mit abschließendem Handgranatenzielwurf und Kleinkaliberschießen auf Kopfscheiden durchgeführt. Es ist unmöglich, im Rahmen dieser Ausführungen auch nur einen annähernden Uederblick über tue einzelnen Wettkampfarten zu geben, die in Berlin zur Durchführung gelangen. Da gibt es den Mann­schafts-Fünfkampf, den 400-Meter-Hindermslam, Handgranaten-Weitwerfen, Modernen Fünfkampf, SA.-Fechtmeisterschasten, Weitsprung, Kugelstoßen, Schleuderball, schwimmsportliche Wettkämpfe, Box­kämpfe, Mannschafts-Gewichcheben, Handball und anderes mehr. .. ,

Ungeschrieben steht über all diesen Kämpfen das Wort des Führers ausMein Kampf":Die kör­perliche Ertüchtigung ist im völkischen Staat nicht eine Sache des einzelnen, auch nicht eine Angelegen­heit, die in erster Linie die Eltern angeht, und die erst in zweiter und dritter Linie die Allgemeinheit interessiert, sondern eine Forderung d e r S e l b st e r h a l t ung des durch den Staat vertrete­nen und geschützten Volkstums." Mit diesem Aus- fpruch hat der Führer der Körpererziehung em Pro- gramm gesetzt, das feine Erfüllung nicht in einer be­grenzten Zeit finden kann, sondern eine ewige Auf­gabe sein wird, wie der Nationalsozialismus selbst. Wer an die Geschichte der SA. zurückdenkt, der weiß, baß in ben harten Jahren des Ringens um die Macht nur wenig Zeit blieb, um eine systematische Körper- crtüchtigung zu treiben. Dennoch wurden im Laufe der Zeit die Grundformen eines Kampfsportes ge­funden, die in Stil und Ziel von einer wehrhaften Prägung find, und die in ihrer Entwicklung hin­geführt Haden zu den NS.-Kampfspielen, die jetzt aus der körperlichen Ertüchtigung unseres Volkes nicht mehr wegzudenken sind. . Ey.

Nie Altersversorgung des Handwerks.

Berlin, 18. Juli. (DNB.) Zu dem Gesetz über die Altersversorgung für das deutsche Handwerk ist die Durchführungsverorbnung erschienen. Für die Berechnung der Beiträge zur Ange- stelltenversicherung ist der im letzten Ein­kommensteuerbescheid nachgewiesene Gesamtbe­trag der Einkünfte vor Abzug der Sonder­ausgaben maßgebend. Will ein Handwerker durch eine Nachzahlung Lücken in seinem früheren Versicherunasverhältnis schließen und dadurch zu­gleich höhere Leistungen aus der Ange-, stelltenoersicherung erhalten, so ist für ihn wichtig, daß für Die Nachzahlung einheitlich die Klasse C (8 Mark monatlich) und für Halbversicherte die Klasse B (4 Mark monatlich) vorgesehen ist: die Versicherung in einer höheren Klasse ist natürlich zulässig.

Hat ein Handwerker vor dem 1. Juli 1939 den Abschluß eines Lebensversicherungsver­trages beantragt, so kann er Versicherungs­freiheit oder Halboersicherung noch mtt Wirkung vom 1. Januar 1939 geltend machen, wenn der

Vertrag noch vor dem 1. Oktober 1939 ab» geschlossen wird. Entspricht ein vor dem 1. Juli 1939 abgeschlossener Vertrag nicht in allen Punkten den Vorschriften, so besteht noch bis zum 1. Oktober 1939 die Möglichkeit einer Abände­rung: der abgeänderte Vertrag gilt bann als rechtzeitig abgeschlossen.

Höchstpreise für Obst und Gemüse.

Berlin, 18. Juli. (DNB.) Der Reichs kam. m i f f a r für die Preisbildung hat sich an­läßlich der diesjährigen Ernleenlwicklung veranlaßt gesehen, die Erzeugerpreise für 0 b ff und Gemüse nach dem Preis st ande vom Jahre 1937 auszurichten und dadurch eine Herabsetzung der Preise gegenüber dem Borjahres- slande und den Preisen der letzten Wochen herbei­zuführen. Außerdem hat er die Verdien st span, nen des Handels erheblich gekürzt, um der Verbraucherschaft tragbare Einkaufspreise zu sichern. Die Festlegung von Höchstpreisen durch die Preisbehörden bedeutet nicht, daß diese Preise vom handel immer genommen werden dürfen. Bei billigerem Einkauf ist der handel zu ent­sprechender Herabsetzung seiner Preise verpflichtet.

*

In einem erheblichen Teile der Obsternte stecken wir mittendrin ober haben sie gar schon hinter uns. Die Süßkirschenernte dürfte mit 15,9 Kilogramm je Baum etwas größer als der Durch­schnitt der Jahre von 1933 bis 1937 gewesen sein und hebt sich jedenfalls sehr erquicklich von dem schlechten Obstjahr 1938 ab. Im Reichsdurchschnitt ist auch eine gute A p f e l e r n t e zu erwarten. Nur zeigt sich auch in diesem Jahre wieder die eigentüm­liche Tatsache, daß immer nur etwa die eine Hälfte Deutschlands eine gute Apfelernte hat. Im Jahre

1937 mußte, wie vielleicht noch in Erinnerung, eine eigene Aktion in Gang gesetzt werden, um den Apfelfegen, besonders Württembergs, wirtschaftlich zu verwerten. In diesem Jahre ist der Fruchtansatz von Aepfeln besonders gut in Norddeutschland von Mecklenburg bis Bremen: dagegen wird ein minde­rer Fruchtbehang in Schlesien, Sachsen und auch teilweise in Süddeutschland gemeldet. Die Birnen­ernte ist nicht ganz so vielversprechend wie die Apfelernte. Hier Dürften besonders gut ebenfalls Norddeutschland und dann die Ostmark abschneiden. Pflaumen und Z wetschen stehen stark im Hintertreffen, haben durch den Abfall junger Früchte im Juni gelitten und dürften nur eine knappe Ernte ergeben.

Das Pflichtjahr der Mädchen.

Ilm den Mangel an weiblichen Arbeitskräften in der Land-- und Hauswirtschaft zu mindern, wurde im vorigen Jahr, zunächst für bestimmte Berufs- gruppen" das Pflichtjahr für Mädchen eingeführt. Ab 1939 ist bas Pflichtjahr auf alle lebigen weiblichen Arbeitskräfte ausgedehnt worden, die noch nicht als Arbeiterinnen oder An­gestellte beschäftigt waren und eine solche Beschäf­tigung außerhalb der Land- und Haus­wirtschaft aufnehmen wollen. Dc> Reichsarbeits­minister legt soeben eine erste Pflichtjahrbilanz für die Monate März bis Mai, die Haupteinsatzmonate nach der Schulentlassung, vor. Auf Grund von Zu­stimmungen des Arbeitsamtes sind danach in diesen drei Monaten 1 7 4 7 4 5 Pfl.ichtjahrmäd- chen zur Ableistung des Pflichtjahres eingestellt tporben. lieber 70 000 oder 40,4 Prozent kamen in die Landwirtschaft, fast 97 000 oder 55,4 Prozent in d i e Hauswirtschaft. 6649 wurden in hauswirtschaftliche, 613 in landwirtschaft­liche Schulen eingewiesen. Etwa die Hälfte aller Pflichtjahrmädchen nahm nicht die Vermittlung des Arbeitsamts in Anspruch, sondern suchte sich mit

Hilfe der Eltern f e I b ft die Pflichtjahrstellen, die dann vom Arbeitsamt anerkannt mür­ben.

Nicht einbezoge*n in diese Statistik sind die Einstellungen in den Arbeitsdienst, in Land- dienst und Landhilfe, ländliche Hausarbeitslehre, hauswirtschaftliches Jahr und bestimmte Lehrgänge, da diese auf das Pflichtjahr a n g e r e d) n e t wer- den. Ebenso ist nicht einbezogen der Antritt einer dem Pflichtjahr gleichstehenden Tätigkeit als Hilfs- kraft im Gesundheitsdienst der Wohl­fahrtspflege. Der Bericht teilt schließlich noch mit, daß von März bis Mai 14 300 Befrei­ungen vom Pflichtjahr ausgesprochen wurden, davon 8400 befristet. Vom Pflichtjahr sind heute allein di e Mädchen noch ausgenommen, bie nach der Schulentlassung zu Hause bleiben. Aber auch die Haustöchter sollen, wie der Reichs- arbeitsminister ankündigt, bald einbezogen werden, so daß das Pflichtjahr dann für alle deutschen Mädchen gilt.

Oer Adolf-Hitler-Marsch begann in Danzig.

Danzig, 19. Juli. (DNB.) In allen Gauen Großdeutschlands beginnt jetzt der Bekenntnismarsch der deutschen Jugend zum Führer. 34 Marsch, einfjeiten bringen aus allen Gebieten der Hit­lerjugend die Bannfahnen zum Reichspartei­tag nach Nürnberg. Eröffnet wird der Adolf- Hitler-Marsch 1939 vom Gebiet Ostland-Dan. zig. Auf dem Langen Markt in Danzig verabschie­dete Obergebietsführer Stellbrecht von der Reichsjugendführung den Bannerblock. Er wies da­bei auf die tiefe Symbolik dieses Marsches hin. Jedes Jahr strebten die Adler der deutschen Jugend nach der Stadt der Reichsparteitage. So wie die Jugend Ostpreußens und Danzigs marschiere sie nach Nürnberg aus allen anderen Gebieten des Großdeutschen Reiches. Sie alle zusammen seien ein einziger Block de r deutschen I u- genb. Die 112 Hitlerjungen mit 28 Fahnen mar­schieren zunächst zur Albert-Schlageter-Jugendher- berge nach Prangenau. Dann verlassen sie zu Schiff das Danziger Land, um von Pommern aus nach Nürnberg zu marschieren.

Oie Hermann-Göring-Werke in der Ostmark.

Wien. 18. Juli. (DNB.) Im Auftrag des Gene- ralfeldrnarschalls Göring besuchte Staatssekretär Körner als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Hermann-Göring-Werke die Bettiebsstätten dieser Werke in der Ostmark. Nach der Besichtigung der Eisenhütte in Linz, deren Aufbau in den 16 Monaten gewaltige Fortschritte zu verzeichnen hat, weilte er in Begleitung des Generaldirektors P l e i g e r und des Ministerialdirigenten Marotzke in Eisenerz und überzeugte sich vom Stand der Arbeiten am steierischen Erzberg, die mit dem Ziel einer beträchtlichen Leistungssteigerung im vorigen Jahr in Angriff genommen wurden. Er ließ sich auch die neuen vorbildlich ausgebauten sozialen Einrichtungen sowie die groß­zügig angelegten Wohnsiedlungen für die Gefolgschaft zeigen. Seine besondere Aufmerksamkeit wandte er den Unfallversicherungsmaß. nahmen zu, die bei der Art des Betriebes von größter Wichtigkeit find.

Oas Wahrzeichen Königshüttes von Polen zerstört.

Königshütte, 18. Juli. (DNB.) In der Nacht zum Dienstag wurde von polnischen Horden das weit über Oberschlesien hinaus be­kannte Denkmal des Grafen Reden auf dem Redenberg, ein sechs Meter hohes Bronzestandbild, vom Sockel gestürzt und schwer zugerichtet. Im Auftrage des Königshütter Magistrats wurde das Zerstörungswerk am Dienstagvormittag voll« endet. Städtifche Arbeiter brachen den Marmor­sockel und die Umfriedung ab und schafften sie fort. Das Denkmal war 1853 zum Gedenken an den Begründer bes schlesischen Bergbaus, den Grafen von Reden, von Gruben- und Hütten-

Das Glück kommt unverhofft.

Don Heinrich Zerkauten.

Peter Gundel hat sich einen wunderschönen Brief­kasten an den Gartenzaun gebaut, hoch und vier­eckig, mit breitem Schlitz, daß ordentlich viel hinein» geht: Aufträge Aufträge Aufträge.

Er ist Architekt und versteht etwas vorn Bauen. Da es ihm gut ging, haben er und feine Frau Barbara gespart, Scheinchen um Scheinchen. Die Freunde machten derweilen schöne Reisen und freu­ten sich des Lebens. Die beiden haben nur geträumt davon und gespart.

Und nun taten beide etwas, das allgemeines Kopfschütteln hervorrief. Peter Gundel überzählte die gesparten Scheinchen, und bann hielt er mit Frau Barbara großen Rat. Für bieses Bündel Scheine könnte man vielleicht zehn Jahre lang leben, wenn es gutging. Ober man konnte sich ein Haus bauen. Also siedelte man sich am Rande der Stabt an und baute mitten in einen Garten hinein fein kleines Haus. Mit diesem hohen und vier­eckigen Briefkasten am Gartenzaun, mit einem breiten Schlitz, daß ordentlich was hineingeht: Aufträge Aufträge Aufträge!

Run geht Pekkr Gundel über den Streifen Erde, der fein Eigentum ist. Gras wächst darauf, und vier alte Linden wölben sich zu einem Dach. Eine junge Birke hat ihm ein guter Freund gestiftet. Aber an die zwanzig Jahre wird es wohl dauern, ehe man von einer wirklichen Birke sprechen kann.

Zwanzig Jahre eine Kleinigkeit. Peter Gundel lacht. Zuerst erklärte er Frau Barbara, er werde hier achtzig Jahre alt. Dann erhöhte er die Jahre freiwillig auf fünfundachtzig. Jetzt hat er -die Altersgrenze ganz aufgehoben und will Überhaupt nicht mehr sterben.

Jedenfalls stehen die Dinge nun so, daß bie täglichen Erkenntnisse sich geradezu überstürzen. Daß Peter Gundel die Welt und bie gelebten Jahre von einer ganz anderen Ecke aus betrachtet. Daß er mitunter darüber erschrickt, was ihm alles ein­fällt, mehr nämlich, als einem Architekten dienlich zu fein braucht.

Sein Haus erscheint ihm als Zauberschloß, der Tag ein Kreislauf durch alle zwölf Monate des Jahres. Er denkt und redet: baut, Kinder! Baut euch solch einen kleinen Kotten! Nicht, weil ich Architekt bin, nur, weil ich plötzlich so jung ge­worden, weil ich plötzlich Herr über einen Streifen Erbe bin. Weil der Himmel über mir mein Himmel ift, weil der Sturm, der durch meine v er Linden braust, mir gehört. Weil ich die Luken schließe, wenn her Regen auf mein Dach trommelt, und weil

ich mir bei all dem vorstelle, ich fahre durch Gottes | Güte. Legt doch mit Hand an, Freunde, siedelt!

Um es gerade heraus zu sagen: Peter Gundel hat sich aufs Predigen verlegt. Frau Barbara hält sich die Ohren zu. Er sollte lieber Bauangebote hin­aus schicken, rennen, stürzen, laufen. Doch da poltert er los. Ganz recht so hieß bis jetzt bie berühmte Losung vom Geld auf der Straße. Nein um­gekehrt fort von der Straße und ihrem Drecks­gelb. Zurück auf den Streifen Erde, zurück unter die vier alten Linden. Mitsingen im Hymnus der Vögel, mitftürmen im Sturm der Wolken!

Bringt dir die Schwärmerei etwas ein? Kann man davon leben? Kann man das Haus essen?" höhnt die Barbara.

Da klingelt ein Mann draußen. Noch einmal laut und nachdrücklich. Peter Gundel und die Bar­bara sehen durch die (Sardine, daß es der Brief­träger ist. Peter Gundel schreit hinaus, warum er seine Post nicht in den Briefkasten werfe, der Schlitz sei doch groß genug. Und überhaupt Post es käme ja doch nichts Gescheites. Von Aufträgen keine Spur.

Aber der Briefträger lacht. Er winkt wie ein Junge, steckt seine Nase in ben Schlitz des Brief­kastens, winkt noch einmal.

Da kommen sie beide, Peter Gundel und die Barbara. Alle drei umstehen den Kasten, lieber Nacht ift Laub und Moos und Federzeug hinein­geschleppt worden, es liegen zwei kleine, runde Eier darin, das Vogelnest im Briefkasten.

JDtan dürfe es um Himmels Willen nicht aus­räumen, meint der Briefträger. Die Nachbarsfrau kommt gelaufen und stimmt ein. Fußgänger gesellen sich hinzu. Schließlich hält ein ganzer Menschen­haufen vor dem Briefkasten. Alle haben sie auf ein­mal Zeit. Nichts erscheint ihnen im Augenblick so wichtig wie das Vogelnest im Briefkasten. Das Idyll triumphiert über das Tempo. Es ift, als horche jeder in sich hinein. Bis endlich der Brief­träger mit tiefem Ernst meint, es bedeute ein un­erhörtes Glück!

Glück?

Peter Gundel schielt fein Häuschen an, den Strei­fen Erde, bie vier Linden, die junge Birke, die Barbara. Noch mehr Glück? Ist das alles die Kinder eingerechnet nicht Glück genug? Gut, er hat Kunden geworden und auf Anzeigen geschrieben. Er hat sich beteiligt an dem Preisausschreiben für eine Stadtrandsiedlung, er hat sich umgetan, an Fleiß hat es ihm nicht gefehlt.

Glück?

Die Menschen verlaufen sich wieder. Der Brief­träger verabschiedet sich. Jeder mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Peter Gundel erwacht au? feiner Träumerei, Er will dem Briefträger eine dumme

Antwort nachrufen: er glaube nicht an derlei Mätz­chen, wie Geld auf der Straße und Glück im Vogel­nest. Er nicht.

Da sieht er den Brief auf dem Kasten liegen, den der Postbote nicht in ben Schlitz werfen wollte, weil--

Peter Gundel reißt ben Umschlag gedankenlos auf, lieft und muß plötzlich laut lachen. Er ver­steht nichts von dem, was in dem Brief geschrieben steht, er fühlt einen leisen Schwindel.

Frau Barbara sieht ihrem Manne ratlos nach. Wie ein Pfeil schießt er ins Haus, um gleich dar­auf mit einem Farbtopf in der Hand zurückzukom­men. Er pfeift wie eine Kohlm^je.

Was hast du denn auf einmal f " fragt bie Barbara.

Den ersten Preis für die Stadtrandsiedlung", schreit Peter Gundel und malt mit ungelenken Buchstaben, weil er vor Freude und Ueberraschung zittert, über ben breiten Schlitz feines Briefkastens:

Achtung Vogelnest!/

Aächte in Neapel.-

Dem neuen Film, der im Gloria-Palast gezeigt wird, läßt sich ernste Aufmerksamkeit nicht versagen. Zwar beschränkt sich die Handlung ausschließlich auf bas für ben Film immer dankbare Thema Liebe, jedoch so, wie der Ton die Musik, so macht die Art der Behandlung des Themas den Film.

Es geht um eine leidenschaftliche Frau unbekann­ter Herkunft, bie als blinder Passagier von Kali­fornien nach Neapel kommt und durch Zufall und Laune in einen kleinen Kreis von Menschen gerät, denen es ernst umeinander ist. Trotzdem gelingt es dieser Frau, zwei Freunde zu entzweien, den einen, den jungen Sänger Marion, an sich zu fesseln und so weit zu bringen, daß er anstatt zu der vorgesehenen eigenen Hochzeit zu fahren, mit ihr das Weite sucht und ein kurzes leidenschaftliches Glück genießt, bis er erfährt, daß von ihr keine Beständigkeit er­wartet werden kann. Er stößt sie, die mit anderen Männern hemmungslos flirtet, von sich und kehrt zurück zum Freund und zu der Braut, die ihm ihre Liebe bewahrt hat.

Der Film übrigens französischen Ursprungs läßt es an Szenen einer Glaubhaftigkeit nicht fehlen, obwohl er dabei an unsere innersten Bezirke nicht zu rühren vermag. In manchen Szenen wird etwas stark aufgetragen. Die Darstellung folgte der Linie der Regie. Vivianne R o m a n c e als Lolita, die abenteuernde Frau, gibt sich ungewöhnlich leiden­schaftlich und ihrer Siege über Männer sehr sicher. Tino Rossi, der Sänger Marion, steht ihr zurück­haltend gegenüber und gibt im übrigen Anlaß feine .'Stimme in schönen Liedern zu bewundern. Wichel

Simon zeigt als der etwas grobschlächtige, gründ» ehrliche Freund die schauspielerisch stärkste Leistung. Miraille Balin als Marions bescheidene und treue Braut ist die sympathischste Figur des Films. Es fällt nicht schwer, den Film mit Aufmerksamkeit zu verfolgen, schon weil es interessant ist, zu sehen, auf welchem Niveau er dem deutschen Film ähnlicher Thematik gegenübersteht.

Im Beiprogramm sieht man einen Film, der einen Einblick in das fröhliche und unbeschwerte Leben gewinnen läßt, das in der Frauensegelschule am Chiemsee herrscht. Dabei gibt es herrliche Land­schaftsbilder zu bewundern. In der Ufa-Tonwoche imponiert besonders eine Angriffsübung deutscher schwerster Tanks. Heinrich Ludwig Neuner.

Wunderbare Rettung.

Der seinerzeit berühmteste Dichter von Schauer­romanen, der Schriftsteller Ponson du Terail, kam eines Abends ins Cafä und traf dort den Bildhauer Millet, der ihn sofort ansprach:

Höre, Ponson, wollen wir eine vergnügte Bade­reise nach Boulogne zusammen machen?"

Selbstverständlich!" rief der stets in Geldnot be­findliche Schriftsteller.Gewiß hast du das große Los gewonnen?"

Das nicht. Aber hör mich an. Mein Onkel verfolgt mit gespannter Aufmerksamkeit deinen neuen Ro­wan. Du ließest diesen Morgen in der letzten Fort- fe^ung die Baronin in einer äußerst gefährlichen ßage zurück. Sie ist in einen Hinterhalt geraten. Man legt Hand an sie. Wird sie sterben?"

Ja!" erwiderte der Verfasser des Unheils mit düsterer Stimme und Miene.Sie ist sogar schon tot. Von fünf Dolchsttchen durchbohrt!"

Also keine Rettung mehr...?"

Keine!"

Nun, bann ist es allerdings nichts mit unserem Ausflug, denn mein Onkel hat das gegen meine eigene Ueberzeugung auch befürchtet und mit mir gewettet, daß die Baronin unter den Händen der Räuber stirbt. Ich wettete dagegen, daß sie heil da­vonkäme."

Eine hohe Wette?"

Zwanzig Louisdor!"

Donnerwetter!" rief Ponson du Terail aufgeregt und sah auf seine Uhr.Jetzt ist es zehn Uhr ich habe gerade noch Zeit, die Baronin zu retten. Ich springe in einen Fiaker und rase in die Druckerei. Auf Wiedersehen morgen fahren wir nach Bor- logne!"

In der nächsten Fortsetzung gelang es her Kunst von vier Aerzten, die von fünf Dolchstichen durch­bohrte Baronin zu retten.

Ferdinand Sjlb^reis^