Ausgabe 
17.7.1939
 
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GROSSGARAGE

ßltez U/elten

Roman von Harald Baumgarten

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

An den anderen Tischen tuschelte man:Das ist doch Vallendar! Wer ist denn das Mädchen? Seine neue Partnerin?"

Die beiden merkten es nicht. Musik war in ihnen, und in ihrem Blut kreiste der schwere, süße Wein.

Charly!" flüsterte sein Mund dicht an ihrem Ohr.Charly!"

Für Sekunden schloß sie die Augen wünschte, daß der Tanz nie zu Ende ginge. Dann aber horchte sie in sich hinein und hatte Angst vor sich selbst. Wir wollen aufhören!" flüsterte sie.

Er legte ihren Arm in den seinen und führte sie zurück.

Auf dem Tisch stand eine blumengeschmückte Flasche, und der Kellner verbeugte sich.Don Signor Ruffo überreicht!" Der Asti spumante schäumte in die breiten Schalen.

Wie spät mag es sein? dachte Charly flüchtig. Aber sie vergaß es wieder. Sie sprachen nicht mehr viel; sie ließen die Melodien ihrer Herzen auf­klingen; ihre Blicke versanken ineinander.

Die Weinstube hatte sich geleert. Aber als Vallen­dar einmal aufblickte, sah er einen neuen Gast, der in der Mitte des Raumes Platz genommen hatte. Jetzt erhob er sich und grüßte freundlich.

Das war ja Schmitz! Der angebliche Kriminal­schriftsteller Schmitz, der neu in die Garaae gekom­men war ... Oh, die arbeiten aber schnell! durch- fuhr es Vallendar. Sie haben Angst um Charly. Aber ich bin doch wohl Schutz genug? Und er sah den Herrn Schmitz nicht eben sehr freundlich an.

Kurze Zeit darauf rief der Schriftsteller den Kellner und zahlte. Dann ging er fort.

Langsam erloschen die Lampen in den Nischen. Kellner, ihren Mantel über dem Frack, verließen den Raum; ihr Dienst war zu Ende.

Vallendar und Charly gewahrten nicht, wie die Zeit verging. Sie saßen sich gegenüber, und manch­mal nippten sie an ihren Gläsern, in denen der Asti spumante quirlte.

Manchmal öffnete Vallendar leicht den Mund, als wolle er sprechen, etwas ganz Bestimmtes, aber dann preßte er die Lippen fest zusammen, als müsse er die Worte gewaltsam zurückhalten. Seine Blicke umfaßten ihr Gesicht und verloren sich darin. Charly!"

Ich liebe ihn ja! wußte Charly, und es war, als schlage eine brennende Flamme in ihre Seele.

Ich liebe ihn ja! Es ist Wahnsinn ... Sie zuckte zu­sammen und riß den Kopf herum.

Der Raum war leer. Auf einzelnen Tischen stan­den Stühle. Nur der Kellner, der sie beide bediente, war noch da.

Denjamino Ruffo aber lehnte über der Anrichte, an der die Speisen ausgegeben wurden. Er hatte eine lange Virginia im Mundwinkel und den Kopf in beide Hände gestützt. Er mußte schon seit gerau­mer Zeit zu ihnen herübergesehen haben, ohne daß sie es ahnten. Oh, dieses junge Glück! Oh, diese verliebten jungen Menschen!

Verwirrt stand Charly auf.Wir müssen jetzt gehen!"

... Die Straße, in der Preetz' Wohnung lag, stand voll parkender Autos. Die waren in der Nähe einer Laterne zusammengedrängt, als suchten sie Schutz unter ihrem Licht.

Längst war die Haustür hinter Charly zuge­fallen, da ging Vallendar immer noch auf der Straße hin und her. Die Fahrt war kurz gewesen. Er hatte gesteuert, und Charly hatte wortlos neben ihm gesessen. Der Abschied von ihr kam ihm jetzt kalt und viel zu flüchtig vor. Am liebsten wäre er die Treppen hinaufgelaufen und hätte an der Tür geklingelt, damit er sie noch einmal sehen könnte.

Er fand keinen Vergleich für diese Liebe nichts, was feinem inneren Aufruhr ähnlich schien. Manch­mal hob er den Kopf und starrte zum Himmel, tonnte sich nicht vorstellen, daß er jemals glücklicher sein würde. Wußte nicht, was er mit den Stunden an- fangen sollte, da sie nicht bei ihm war. Uebermorgen, übermorgen am Sonntag fahre ich »mit ihr aus! Aber heute war nicht übermorgen ...

Er setzte sich in seinen Wagen und sah wie ver­zaubert nach dem dritten Stock hinauf. Das Fenster van Charlys Zimmer leuchtete. Ich könnte die ganze Nacht hier sitzen und träumen ... Was für eine Geschichte! Ich, Vallendar, schwärme wie ein Pri­maner ich, Vallendar, dessen Name an allen Litfaßsäulen Berlins und über vielen Lichtspiel­häusern prangt ...Es ist stärker als ich!" sagte er laut zu sich selbst. Langsam fuhr er an.

Während Charly und Vallendar unter den bunten Lampen in Ruffvs Weinstube gesessen hatten, waren zwei Männer durch den Norden Berlins gegangen. Sie hatten beide Wintermäntel an und waren sich in der Breite ihrer Gestalten ähnlich. Nur, daß der eine bedeutend jünger war und es aussah, als hemme der gemächliche Schritt seines Begleiters seinen Wunsch nach Eile.

Langsam, Krügel!" Der Aeltere griff in die Tasche, um sich eine Pfeife zu stopfen, wobei er stehenblieb.So früh finden wir den Vogel doch nicht im Nest. Sie müssen sich vor allem ein wenig Ruhe angewöhnen!"

Ungeduldig blieb Krügel stehen.Ich hab' es sofort gewußt« als ich die Zeichnung auf dec.Speisenkarte

Aus der Giadl Gießen.

Oberreallehrer Haggenmüller t-

Am Samstag verschied im Alter von 75 Jahren der Oberreallehrer i. R. August Haggenmüller nach einem gesegneten, arbeitsreichen Leben. In Gießen geboren, besuchte er das hiesige Gymnasium, an das er nach seiner Ausbildung als Gymnasial­lehrer berufen ward. An dieser Anstalt, die samt dem ihr angeschlossenen pädagogischen Seminar unter dem damaligen Leiter Direktor Schiller einen großen Ruf, selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus, genoß und viel von auswärtigen Schul­männern besucht wurde, wirkte A. Haggenmüller fast 40 Jahre. Ganzen Generationen von Schülern ist seine seltene Lehrbefähigung zugute gekommen, un­zählige Schüler hat er durch seine ausgezeichneten menschlichen und erzieherischen Eigenschaften gefor­dert, viele Jahrgänge von Referendaren und Asses­soren hat er zuerst in den Beruf eingeführt und manch einer, der sein hervorragendes pädagogisches Talent bewunderte, nahm sich ihn zum Vorbild.

Auch sonst war er eine bekannte Persönlichkeit unserer Stadt, immer bereit, feine große Arbeits­kraft in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Besonders rege Beziehungen pflegte er immer zur Handwerkerschaft. So war er jahrzehntelang eifrig tätig im Vorstand des Gewerbevereins, er leitete während des Weltkrieges ehrenamtlich die Gewerbe- und Maschinenbauschule und war lange Jahre Mit­glied der Gesellen« und Meisterprüfungskommission, wodurch er in ganz Oberhessen bekannt und beliebt wurde.

Sein einziger Sohn, der letzte Träger des Namens, der aktiver Offizier im hiesigen Regiment war, fiel im großen Kriege fürs Vaterland. Viele Freunde und Schüler werden um den Dahingeschiedenen trauern und ihm für alle Zeiten ein ehrendes An­denken bewahren.

HZ., Bann und Zungbann 116.

Befr.: den Stamm 1/116 Gießern

Am Dienstag, 18. Juli, treten die Angehörigen sämtlicher Gießener Einheiten einschließlich der Son­derformationen um 20 Uhr in der Georg-Philipp- Gail-Straße an. Der Spielmannszug der Marine- Gef. 1/116 erscheint mit Instrumenten.

Da zu einem Biwak marschiert wird, sind Fahr­räder nicht mitzubringen. Die Einheitsführer sorgen nochmals für Bekanntgabe dieses Befehls. Sämt­liche Sozialwarte der Gießener Einheiten haben mit- anzutreten.

Sippentag Jmmel.

Ihren diesjährigen Tag hielt die Sippe Imme! vom Rhein am 9. Juli zu Westhofen (Rheinhessen) ab. Zur Erörterung stand die Bedeutung des Fami­liennamens an Hand der recht frühen und alten Formen amella (1203 Worms), amelle ebb. und zahlreicher Orts- und Flurnamen. In den Vorder­grund der Betrachtung gerückt wurde die Verpflan­zung der Familie von Dexheim nach Westhofen (1754), ihre Verzweigung und die in langen Zeit­läuften mehrfachen Blutsbande der Familien Jmmel, Weißheimer, Lott-Orb zu Westhofen und Leiselheim und die sich ergebenden Folgerungen. An weiteren Sippenforschungsergebnissen wurden zur Einsicht vorgelegt: Lott - Orb (Leiselheim), die wiederholte Versippung Jmmel-Lott-Derges (Leisel­heim, Dexheim) und die Sippentafel Loos (Gunters­blum) für die Jahre 16501733 sowie die weiter ausgebaute, umfangreiche Ahnentafel der Kinder des Sippenwartes Hans Jmmel (Gießen) mit Angaben über ältere Ahnen: Holzamer, Siegler, Rosenkranz, aus noch blühenden Geschlechtern zu Heusenstamm bei Offenbach. Dinen schönen Abschluß fand die Tagung nach einem von allen Westhofer Linien gestifteten Kaffee mit Kuchen mit einer Weinprobe im Keller des verstorbenen Vetters Jakob Jmmel V. Als Ort des nächsten Sippen­tages wurde Mainz bestimmt.

Gießener pimpfe am Mein.

Kreuz und quer durch

Die große Hessen-Nassau-Fahrt der Pimpfe brachte in den letzten Tagen weitere schöne Erlebnisse. Am Samstag vollzog sich der Wechsel der beiden großen Fahrtengruppen. Während 400 Mann, die sich bis­her unterwegs befanden, ihren Einzug in das Lager Bad Schmalbach hielten, zog die bis­herige Lagerbesatzung aus, um nunmehr sechs Tage kreuz und quer durch die schöne Taunuslandschaft zu ziehen.

Der Jung stamm 3 (Hungen) machte sich in Richtung Rhein auf den Weg und bestieg in Eltville den Dampfer, um von dort aus nach Rüdesheirn zu fahren, das Niederwalddenkmal anzusehen und schließlich mit dem Dampfer nach Eltville zurück­zukehren. Die Pimpfe waren begeistert von den großen Erlebnissen der Landschaft, die ihnen auf dieser Fahrt beschieden waren.

Der Jung stamm 4 (Buseckertal) blieb im Taunus und bestieg dieHohe Wurzel", 614 Meter hoch, um vom Aussichtsturm aus in der Ferne den Rhein zu sehen. Die^ Spielschar und das Fähn­lein 5 fuhren mit fünf Wagen des Reichsarbeits­dienstes in schöner, langsamer Fahrt durch das herrliche Wispertal nach Lorch. Die Leitung der Fahrt hatte Bannführer Taesler. Von Lorch aus fuhren die Pimpfe den Rhein entlang bis nach St. Goarshausen, sie lernten dabei den schönsten Teil des Rheines kennen, sahen die Pfalz bei Kaub, den Loreleyfelsen, um schließlich den Rhein wieder zu

Es war nicht zu verwundern, daß das Heimat­fest am gestrigen Sonntag auf dem Schiffen­berg wieder, wie alle Jahre, zu einem wahren Volksfest wurde. Aus den umliegenden Orten nah­men viele Hunderte von Besuchern an dem Fest teil. Zunächst fand

oie Hauptv-rsammluna

statt. Oberforstmeister i. R., Beigeordneter Nico­laus, der die Heimatoereinigung seit ihrer Grün­dung als Vereinsführer leitet, richtete herzliche Worte der Begrüßung an die Versammlung und entbot dem Vertreter des Gleibergoereins, Direktor Menten (Kinzenbach) besonderen Gruß. Hierauf erstattete das Ehrenmitglied Rektor i. R. Valentin Müller (Hausen) in Verhinderung des erkrankten Schriftführers den Tätigkeitsbericht für bas ver­flossene Dereinsjahr. Dem Bericht sei entnommen, daß sich die Vereinstätigkeit im letzten Jahr infolge der wichtigeren hohen vaterländisa;en Gegenwans- aufgaben, an der alle Volksgenossen mitarbeiteten, in ruhigen Bahnen abwickelte. Im Vorstand hat es einige Aenderungen gegeben. Bürgermeister Dr. Hamm (Gießen), der der Heimatvereinigung als Vorstandsmitglied angehört hatte, ist infolge Weg­zugs von Gießen aus dem Vorstand ausgeschieden. Neu in den Vorstand wurden Lehrer Stumpf für die Ortsgruppe Garbenteich und Zimmermeister Weller für die Ortsgruppe Leihgestern berufen. Der ehemalige, sehr eifrig tätige Schriftführer Rek­tor i. R. Muller war von seinem Posten zurück- getreten und zum Ehrenmitglied ernannt worden. An seine Stelle wurde Kanzlist Geilfuß (Gießen) als Schriftführer berufen.

Aus Anlaß des 10jährigen Bestehens gab Rek­tor i. R. Müller noch einen kurzen Rückblick über die Arbeit der Vereinigung im ersten Jahr­zehnt ihres Bestehens. Die Heimntvereinigung hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dabei mitzuwirken, daß die Domäne Schiffenberg mit ihrer schönen Umgebung als Erholungsort erhalten bleibt, bei unserer Bevölkerung der Sinn für die landschaft­lichen Schönheiten unserer Gegend, für die Erhal­tung und Pflege dieser Schönheiten, sowie für die Vergangenheit unserer Heimat immer mehr geweckt

den Llntertaunuskreis.

verlassen und von Nastätten aus die Fußwande­rung wieder aufzunehmen.

DerIungstamm 5 (Lumdatal) stattete der Burgruine Hohenstein im Ahrtal einen Besuch ab.

Die Gießener Fähnlein bewegen sich jetzt in großem Zuge und in einem Marsch über meh­rere Tage von Bad Schmalbach aus nach dem Rhein zu. Die meisten Gießener Pimpfe werden den Strom im Laufe des heutigen Tages er­reichen. Die einzelnen Ziele sind Rüdesheirn, Kaub, Lorsch, Lorschhausen usw. Auch das Wispertal wird von einigen Fahrtgruppen durchwandert werden.

Für die am Samstag in das Lager Bad Schwal- bach eingerückten Pimpfe fand am Samstagabend eine Kundgebung statt, bei der Reichsredner Bang sprach. Der gestrige Sonntag brachte ein besonderes Erlebnis insofern, als aus Gießen und Umgebung zahlreiche Eltern nach Bad Schmalbach gefahren waren und dem Lager einen Besuch abstatteten. Die Freude darüber war auf beiden Seiten groß. Die Eltern besich­tigten eingehend das Zeltlager und gewannen dabei den Eindruck, daß die Pimpfe ausgezeichnet unter­gebracht sind. Nachmittags gab es dann für die PimpfeStadturlaub". Stolz gingen sie mit ihren Eltern in die Stadt, um sie schließlich zu abendlicher Stunde an den Bahnhof zu begleiten, während sie selbst wieder in das Lager zurückkehrten.

und vertieft und das Zusammengehörigkeitsgefühl bei allen Volksgenossen in Stadt und Land immer mehr verbreitet wird. Der Vereinigung hat diese Ziele, wie der Redner betonte, stets zu erreichen gesucht. Er erinnerte an die Arbeiten, bei denen die Heimatoereinigung mitwirkte, so u. a. bei der Kenn­zeichnung von Wegen, Herrichtung von Ruheplätzen, Erbauung der vielbesuchtenTheodorsruhe", Errich­tung der Schutzhütte amLimes" usw.

Den bereits geprüften Kassenbericht erstattete in Verhinderung des Rechners der Dereinsführer. Die Einnahmen beliefen sich auf 269,86 Mark, die Aus­gaben auf 177,45 Mark, so daß ein Ueberschuß von 92,41 Mark zu verzeichnen war. Die Rechnung wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung er­teilt. Der Voranschlag für das Jahr 1939/40 ver-

Am gestrigen Sonntag hielt die Oberhessische Viehversicherungsanstast imBurghof" in Gießen ihre diesjährige Jahresversammlung ab. Der Vor­sitzende des Aufsichtsrats, Wilhelm Müller (Salz­böden), begrüßte die Versammlung, insbesondere die Gäste, Direktor Otto Heß (Leihgestern) von der Viehverwertungsgenossenschaft Gießen und den Vertreter der Volksbank Gießen, Vorstandsmitglied Sommer. In herzlichen Worten gedachte er dann des verstorbenen langjährigen Ausschußmitgliedes Altbürgermeister Johannes Schlund (Oberwalgern). Zum Schriftführer wurde Notar Schneider (Gießen) bestimmt.

Direktor Dr. van Bentheim (Gießen) er­stattete den Geschäftsbericht für das 94. Geschäfts­jahr. Der Geschäftsbetrieb erstreckte sich im abge­laufenen Geschäftsjahr auf die Tier-Lebens- (Mit­glieder-) Versicherung von Pferden und Rindern, ferner auf die Versicherungsarten gegen feste Prä­mie (Nichtmitglieder-Versicherung), und zwar Weide­versicherung, Versicherung gegen Diebstahl, Blitz­gefahr, Versicherung von trächtigen Stuten, von Schlachtvieh-, Transport- und Operationsversiche- runq. Das Geschäftsgebiet umfaßt den früheren

läuft in ähnlichen Dahnen wie der des verflösse, nen Jahres.

Am Schluß der Hauptversammlung überbrachte Direktor M enken die Glückwünsche des Gleiberg- Vereins zum 10jährigen Bestehen derHeimatoer- einigung Schiffenberg". Dberforftmeifter i. R. N i» colaus dankte für die guten Wünsche und schloß nach herzlichen Dankesworten an alle Mitarbeiter die Hauptversammlung in üblicher Weise.

Zubiläumskonzert unö Volksfest.

Inzwischen hatte sich der geräumige Hof des Schiffenbergs mit den Gästen aus nah und fern gefüllt, die dem Jubiläumskonzert des Musikkorps des Fliegerhorstes Gießen und den sonstigen Dar­bietungen beiwohnen wollten.

Der Vereinsführer hieß die Besucher herz- lich willkommen an der Stätte, an der sich vor tausend und mehr Jahren unsere Vorfahren zum Thing zusammensanden. Er sprach von den bluts- mäßigen Bindungen, die seit alters zwischen dem Schiffenberg und seinen Anwohnern bestanden hät­ten. Er schilderte dann die Entstehungsgeschichte der Heimatvereinigung und deren Ziele und for­derte auf, sich ganz in den Dienst der Heimat und darüber hinaus in den Dienst des Vaterlandes zu stellen, um so geschlossen hinter dem Mann ,zu stehen, der in heißer Liebe und unerschütterlichem Vertrauen unser Vaterland neu aufbaue. Im Sieg- Heil auf den Führer und den gemeinsam gesunge­nen Liedern klang die Ansprache aus.

Das Musikkorps des Fliegerhorstes unter Lei­tung von Musikmeister Pfarre bot dann mit fei­nen Musikstücken beste Perlen der deutschen M'li- tärmufit Die Darbietungen wurden mit starkem Beifall belohnt, und ungezählte Male mußte sich das Musikkorps zu Zugaben entschließen. Besonde­ren Anklang fanden die Musikstücke mit Fanfaren und Kesselpauken,Barbarossas Erwachen" von Reckling undFlieger-Fanfare" von Husadel. Auch das Schiffenberglied von Steiner, für Militärmusik von Feldwebel Einbrodt gesetzt, fehlte nicht auf dem Programm.

In den Pausen sang der GesangvereinEintracht" (Watzenborn-Steinberg) unter Stabführung von Chorleiter Harnisch vortrefflich dargebotene Hei» mat- und Daterlandslieder und erntete mit allen Chören herzlichen, verdienten Beifall. Besondere Erwähnung verdient der schwere, durch seine Dyna- mit ansprechende ChorArbeitslied" von Trunk, der hervorragend vorgetragen wurde. Zum Schluß sei noch der Schulkinder von Watzenborn-Steinberg gedacht, die mit ihren Volkstänzen allen Besuchern Freude bereiteten.

Freistaat Hessen und 26 angrenzende Kreise. Der Geschäftsgang war zufriedenstellend. Das Versiche­rungskapital erreichte eine Höhe von 4 176 820 RM. aus dem Mitgliedergeschäft und 3136 487,25 RM. aus dem Nichtmitgliedergeschäft. Die Prämienein- nahme stieg in der Vieh-Lebensversicherung auf 177 588,30 RM. und in der' Nichtmitgliederversiche­rung auf 45 513,98 RM. Der Reservefonds erhöhte sich auf 74 960,92 RM. Es sind 204 Diehbesitzer im abgelaufenen Geschäftsjahr neu eingetreten. Im Durchschnitt wurden Pferde mit 539 RM. und die Rinder mit 300 RM. entschädigt, ein Zeichen ,ür die Güte der Anstalt. Bücherrevisor Jäger (Gie­ßen) hat die Bilanz nebst Gewinn- und Verlust­rechnung geprüft und für richtig befunden. Dem Vorstand- und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt.

Die vom Vorsitzenden vorgetragenen, auf Grund des neuen Aktiengesetzes erforderlichen neuen Sat­zungen wurden einstimmig angenommen.

Die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder wurde auf neun festgesetzt. Es sind dies: Bauer Wilhelm Müll e r , Salzböden; Gutspächter Paul Hof­mann, Hof Güll; Genossenschaftsdirektor Heinrich Schneider, Hungen; Bauer Ludwig Hof-

Zehnlahre Heimaivereimgung Schiffenberg.

OberheWche Biehverfichemngsanstall in Gießen.

sah. Der Kriminalrat hat sich gefreut, als ich es ihm berichtete."

Kriminalinspektor Rietzel brummelte vor sich hin. Die Pfeife zog endlich.Na ja, Sie haben den Gold- zahnigen eben vor ein paar Monaten verhört. War wohl Ihr erster Fall, den Sie bearbeitet hatten, wie?"

Ja, Herr Inspektor, gewiß. Als ich dem Kriminal- rat das Bild im Buche zeigte und die Zeichnung danebenlegte, war er auch überzeugt, daß es Otto Schmal sein müsse. Ein windiger Bursche und nicht ungefährlich. -Erpresser und Fälscher' stand unter seinem Bild im Album. Leider konnte ihm damals nichts nachgewiesen werden."

Rietzel schlenderte weiter.Sehen sich mal diese Neubauten an! Großartig, wie? Als ich anfing, da standen hier noch windschiefe Häuser mit drei, vier engen Höfen so richtige Schlupfwinkel für licht­scheues Gesindel. Jetzt wohnen hier kleine, solide Leute. Die ganze Gegend hat einen anderen Rus bekommen ... Ja, geben Sie den Menschen an­ständige Wohnungen und den Kindern Spielplätze, Luft und Licht Sie sollen sehen, wie wenig wir zu tun haben!"

Blumenkästen standen vor den geräumigen Fen­stern. Die Türen waren eingebaut, und rechts und links waren auf Schildern die Namen der Be­wohner verzeichnet.

Das müssen Sie sich mal von innen ansehen, Krügel! Da gibt es keine Hinterhöfe mehr. Da sind Spielplätze für die Kinder ach ja!"

Dem jungen Kriminalassistenten fiel die Gemäch­lichkeit seines älteren Vorgesetzten auf die Nerven. Da steht der Name der Wirtin, bei der Otto Schmal wohnt. Wollen wir klingeln?"

Wird uns nichts anderes übrigbleiben. Oder wollen Sie sich als Fassadenkletterer betätigen?" Rietzel fand Krügels Uebereifer ein bißchen komisch. Solche jungen Menschen waren wie die Wind­hunde sausten ab, ohne zu denken.

Krügel hatte schon auf den Knopf gedrückt. Die Haustür war verschlossen.

Im zweiten Stock wurde ein Fenster geöffnet, und eine ältere Frau beugte sich heraus.Wer ist denn da?"

Möchten gern Herrn Schmal sprechen!" rief Rießel, der die Sache jetzt in die Hand nahm.

Herr Schmal ist nicht zu Hause."

.Oeffnen Sie, bitte!' wollte Krügel rufen aber der Kriminalinspektor hatte ihm die Hand auf den Arm gelegt; so schwieg er.

Das ist eine sehr zuverlässige, nette Frau!" flüsterte Riedel ihm zu.Ich kenne sie. Sie hat bestimmt keine Ahnung davon, was mit dem Gold- zahnigen los ist. Warten wir erst mal ab!" Er legte seinen Kopf wieder in den Nacken.Ist hier nicht eine Kneipe, wo Herr Schmal verkehrt? Viel­leicht treffen wir ihn dort?"

Drüben an der Ecke. Da wird er wohl fein." Danke schön!,"

Krügel ging wieder neben seinem Vorgesetzten her.Man hätte doch vielleicht eine Untersuchung der Wohnung--"

Nee davon wollen wir lieber die Finger lassen! Dann wäre der Schmal sofort im Bilde. Ich fürchte sowieso, daß die Frau von unserem späten Besuch erzählen wird. Wissen Sie denn, ob wir ihn finden? Na, jedenfalls gehen wir xuerft mal in die Kneipe. Wir haben keinen Haftbefehl in der Tasche vergessen Sie das nicht, Krügel! Wir sollen uns nur mal erkundigen, was der Goldzahn- Otto im Palasthotel zu suchen hatte." Er schmun­zelte.Im allgemeinen gehört das Hotel nicht zu den Lokalen, in denen Leute wie Schmal ver­kehren."

Sie hatten die Ecke erreicht. Eine freundliche Kneipe lockte mit hellen Fenstern.

Nun mal ganz sachte, Krügel! Nun tun mir ganz unschuldig. Wollen nur mal Herrn Schmal sprechen. Sagen wir, wir seien Buchmacher; Herr Schmal habe einen Gewinn in Frankreich gemacht. Der Goldzahn-Otto ist nämlich ein großer Ti-pser. Ich weiß das von früher her."

Sie traten ein.

Das Lokal war ziemlich leer. An einem Tisch saß ein älterer, anständig angezogener Mann vor einem Glas Bier. In der Ecke hinten ein Liebespärchen. Das Radio spielte. Der Wirt, in Hemdsärmeln, füllte hinter der Anrichte Krüge ein. Offenbar wurde hier viel Bier in die Wohnungen geschickt.

'n Abend!" grüßte Rietzel und ließ sich gemüt­lich an einem Tisch nieder.Zwei Mollen, Herr Wirt!" Er klopfte seine Pfeife aus.Und zwei Zi­garren! Haben Sienen Würfelbecher, daß wir die Sache ausknobeln können?"

Der Wirt brachte das Verlangte.

Na, Krügel, nun los! Dreizehn gewinnt. Wenn es rüber ist, ist es Essig."

Der Wirt sah zu, wie Krügel den Würfelbecher umstülpte.Fünfzehn... Ein bißken viel, mein Herr!"

Rietzel zeigte eine freundliche Lustigkeit.Schön der neue Block hier! Haben wohl ein gutes Geschäft, wie?"

Man kann nicht klagen. Wohnen lauter nette Leute da."

Na ja. Wie wäre es, Krügel, wenn wirnen kleinen Schnaps ausknobelten? Oder haben Sie Manschetten?"

Der junge Kriminalbeamte konnte sich nicht ganz in dem gemütlichen Ton seines Vorgesetzten zurecht­finden.Bitte sehr. Aber jetzt fangen Sie an!"

Acht", überlegte Rietzel.Das lasse ich stehen. Man kann nicht wissen. Nachher kommt 'ne Sechs, und die Kiste liegt schief... llebrigens kennen

* Sie Herrn Schmal, Herr Wirt? Wir haben was für ihn. .Vapero' ist 'rausgekommen. Herr Schmal kostet uns 'nen Haufen Geld."

(Fortsetzung folgt.,.