Ausgabe 
17.6.1939
 
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lir. 159 Drittes Blatt

Aus Der Stadl Gießen.

Dom unverzagten Kampfgeist.

Von Hans Hartmann.

Sonniagsbctradjtungen sind der Stille und der inneren Vertiefung gewidmet. Seltener ist vom tnriTi der Schlachten und des Kampfes darin die febe. Aber durch das Heldentum derLegion Conbor" veranlaßt, bas in diesen Wochen dem knutschen Volke und aller Welt sichtbar geworben ist, 1 lpben wir uns den morgigen Sonntag einmal cjuaucr betrachtet. Dabei finden wir, daß drei schlachten von geschichtlichem Ausmaß gerade an dsiem Tage geschlagen wurden.

2lm 18. Juni 1675 hat der Große Kurfürst über a Schweden bei Fehrbellin gesiegt. Am 18. Juni 157 haben die Oesterreicher Friedrich dem Großen b> Kolin eine schwere Niederlage beigebracht. Am ll Juni 1815 haben Blücher und Wellington gegen dkR korsischen Löwen Napoleon I. die endgültige, vrnichtende Schlacht bei Waterloo gewonnen.

Wir gehören nicht zu denen, die ihr Weltbild nur ors Beschauliche und Beruhigende ausrichten. Wir rv |'en, wie die Geschichte der Völker von großen Eügnissen, von Entscheidungen, von unerbittlichen S^gen und Niederlagen erfüllt ist. Sie gehören zivi Bild des Lebens und damit zum Gesamtbild vti. Daseins ebenso wie die Versenkung der Men­sen in Gott, die Versenkung großer Geister in

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di Mysterien der Wahrheit und Erkenntnis, wie di Bewältigung der Natur durch Wissenschaft und Tthnik. Sie haben das Antlitz der Erde gestaltet, fi, haben den Völkern die Lebensmöglichkeit ae- fic$rt oder zuweilen erst gegeben. Und wer an die S 'lacht bei Wien denkt, die kurz nach der Schlacht bk Fehrbellin geschlagen wurde und Europo von dk Türken und damit vom Islam befreite, 6er wkd sich seine besonderen Gedanken machen. Er wid fühlen, wie gewaltig eine solche Entscheidung w",. in der es hckrt auf hart ging, und in der die ifirten Werte abendländisch-christlicher Kultur vor ben Ansturm einer unvorstellbaren und wesens- ni rigen Ueberfremduna gerettet wurden.

Der diese Dinge in sein Weltbild und damit in dc Bereich seiner höheren Betrachtungen ein- be eht, der fühlt, daß solche Entscheidungen nur ge offen werden können bei höchstem Einsatz und be der Bereitschaft, alles, auch das Letzte, hin- zu^ben, wenn es notwendig ist. Die Männer, die in'jenen drei Schlachten ihren Führern und damit MN Völkern die Treue hielten, haben uns damit dos Leben gesichert und sollten immer aufs neue unsren Dank erfahren. Wir können ihn diesen QHmnern selbst nicht abstatten, aber wir können bereit sein, uns in allem und jedem ihrer würdig zllLrweisen. Der Verfasser dieser Betrachtungen hat ?irmal auf dem Schlachtfeld bei Fehrbellin ge- 'lai*ben, mit einer Gruppe wehrpolitisch eingestellter Runer, denen von berufener Seite die Schlacht erhärt wurde. Es zeigte sich, daß die Truppen- nd)t auf beiden Seiten nicht groß war, daß Kom- ien noch Entscheidungen herbeiführen konnten. Übiir gerade darum bewunderten wir die Zähigkeit »r- kleinsten Unterführers und des geringsten Man­in durch die eine für Preußens Aufttieg ent- chlbende Schlacht gewonnen wurde.

heben dem Wert des persönlichen Heldentums »rengt sich aber noch ein zweiter Gedanke auf, »em wir die drei am 18. Juni geschlagenen Schlach- cn in weltgeschichtlicher Beleuchtung ansehen. Die io ersten wurden zwischen rassisch und völkisch ni Verwandten geschlagen, die bei Kolin entsprang >tr unseligsten Bruderzwist der deutschen Geschichte, »esi jetzt zum Segen der deutschen Volksgemeinschaft ei, Ende gefunden hat. Die dritte aber galt bereits orr-deutschen Einheit und Größe, die alles Fremde ^scheidet, um der eigensten Aufgabe zu leben.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

17./I8.3uni 1959

Das Studentenwerk als wichtiger Aufbaufaktor.

Aus dem Frynierleben entstanden. Im Dienste der jungen studentischen Generation.

Eine Unierredung des Gießener Anzeigers beim Studentenwerk in Gießen.

Das Studentenhaus am Leihgesterner Weg ist in Stadt und Land weithin bekamtt. Dort hat das Studentenwerk in Gießen feinen Sitz. Heber die Entstehung und die Aufgaben dieser Einrichtung des studenttschen Lebens haben wir uns mit dem Leiter des Studentenwerks Gießen (Dienststelle des Reichsstudentenwerks),Dipl.-Volkswirt Grebe, unterhalten, nach dessen Darlegungen folgen­des zu berichten ist.

Die Einrichtung des Studentenwerks ist aus dem großen Erleben der Frontaeneration entstanden. Als Selbfthilfeeiprichtung des Studen- tentums geschaffen, hatte die damals alsGieße­ner S t u d e n t e n h i l f e" örtlich aufgebaute Or- gamfation in den Jahren nach dem großen Kriege stark fürsorgeartigen Charakter, weil es in jenen Jahren eine der wichtigsten Aufgaben war, der un­mittelbaren Not in der Studentenschaft entgegenzu­wirken. An der Spitze dieses Hilfswerks wirkte viele Jahre lang Professor Dr. Eger, der wegen seiner außerordentlich umfangreichen und allezeit selbst­losen, von bestem Erfolg gekrönten Arbeit zur Be­kämpfung der Not in der Studentenschaft sich des uneingeschränkten Vertrauens der Studenten und aller mithelfenden Stellen erfreuen konnte, als äußeres Merkmal des Dankes von den Studenten auch den EhrentitelGießener Studentenvater" er­hielt.

Nach einer Reihe von Jahren segensreicher, rein lokal aufgebauter Fürsorgearbeit wurde die Gieße­ner Studentenhilfe in die Dachorganisation des Deutschen Studentenwerks in Dresden" einbezogen, die aber nur eine rein vermittelnde und organisie­rende Aufgabe hatte, vor allem zur Beschaffung von Beihilfen aus Reichsmitteln für die Erfüllung der örtlich verwalteten Aufgaben der Studenten­hilfen. In jenen Notjahren entstanden auch in Gie­ßen im Zusammenhang mit der Studentenhilfe mancherlei handwerkliche Einrichtungen als Neben­betriebe zur Erfüllung der fürsorgerischen Ausgaben. Mittlerweile sind diese Ergänzungseinrichtungen schon lange wieder abgebaut worden. In jenen Jahren ergab sich auch in Gießen die Notwendig­keit, die verschiedenen Selbsthilfeeinrichtungen der Gießener Studentenhilfe zusammenzufassen und zur zweckmäßigen Verwaltung in einem Haus zu ver­einigen. Aus diesen Erwägungen heraus wurde das Studentenhaus am Leihgesterner Weg gebaut, das ini Jahre 1930 in Benutzung- genom­men wurde. Im Verlaufe jener Jahre trat schon eine Umwandlung in den Aufgaben ein, da sich immer mehr die Notwendigkeit der Einzelfür- so r ge für Studenten und in Verbindung damit die Verpflichtung zur Auslese der zum Studium kommenden jungen Männer mit dem Ziele, nur d i e Begabtesten und Besten durch die Förderung 3um Studium zu bringen, ergab.

Eine grundlegende Wandlung im gesamten Auf­gabengebiet brachte das Jahr 1933. Von diesem Zeitpunkt ab wurde die Betreuung der Studieren­den durch die Studentenhilfe zugleich eine poli­tische Aufgabe, gestützt auf Punkt 20 des Parteiprogramms, nach dem jeder volksdeutschen Begabung ohne Rücksicht auf Herkommen und wirt­schaftliche Kraft der Weg zur Hochschule zu bahnen ist. Im Rahmen dieser Verpflichtung bestehen jetzt für die Förderung durch das Studentenwerk st)l- gende wichtige Voraussetzungen: der Ge­förderte muß überdurchschnittlich begckbt sein, aus wirtschaftlich engen Verhältnissen kommen, seine körperliche und politische Einsatzbereitschaft unter Beweis gestellt haben und sich weltanschaulich als zuverlässig erweisen. Also eine ausgesprochene Lei- ftungsförberung.

Im Jahre 1934 wurde das Deutsche Studenten­werk zum Reichsstudentenwerk erhoben, womit es eine Anstalt des öffentlichen Rechts wurde, während die örtlichen Studentenwerke immer noch in der Form von Vereinen bestehen blieben. Da­mals wurde dieStudentenhilfe e. D. Gießen" um- gewandelt in denVerein Studentenwerk c. V.". Die Organisation und die Bindungen an das Rei chsstubentenwerk hinsichtlich der Beschaffung von Geldmitteln wurden weiter ausgebaut. Auf dieser Grundlage vollzog sich die weitere Arbeit, die den Charakter der studentischen Selbsthilfeeinrichtungen, aus der sie heroorgegangen war, beibehielt. Die enge und lebendige Verbindung zur Studentenschaft kam dadurch zum Ausdruck, daß der Stube ntenfüh- rer und studentische Amtsleiter in den Verwaltungs­rat und den Vorstand der örtlichen Studentenwerke berufen wurden, während die Verbindung zur Uni­versität derart gestaltet wurde, daß der jeweilige Rektor Vorsitzender des Verwaltungsrats war und der Vorsitzende des Studentenwerks ein Dozent der Universität blieb. In Gießen wurde dieses Amt von Professor Dr. Eger seit 1921 versehen.

Die wachsende Bedeutung der Aufgaben des Studentenwerks führte dazu,' daß im Juli 1938 das Reichsstudentenwerk in Berlin Mit Ein­schluß aller örttichen Studentenwerke zur öffent­

lich-rechtlichen Anstalt erhoben wurde. Durch diese Neuordnung wurde die Bedeutung der Studentenwerksarbeit in eindrucksvoller Weise vom Reich anerkannt und die Aufgabe der gesundheit- lichen und wirtschaftlichen Betreuung des deutschen Nachwuchses an unseren Hoch- und Fachschulen zu einem alleinigen und ausschließlichen politischen und staatlichen Auftrag an das Reichsstudentenwerk ge­macht. Damit hörten, auch in Gießen, die ©tu« dentenwerk-Vereine als solche auf, und die gesamte örtliche Organisatton und Einrichtung wurde eine Dien ft ft eile des Reichs st ubenten- werks, die von einem Dienststellenleiter, in Gießen Dipl.-Volkswirt Grebe, verwaltet wird, der allein dem Reichsstudentenwerk verantwortlich

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

ist. Ihm steht ein Beirat zur Seite, in dem der Rektor, der Studentenführer, sowie Männer aus dem politischen und wirtschaftlichen Leben beratend Mitarbeiten.

Vier große Aufgabengebiete.

Das erste Aufgabengebiet der Dienststellen des Reichsstudentenwerks umfaßt die Auslese und Förderung des Hochschulnachwuchses. Hier handelt es sich darum, allen begabten jungen deutschen Männern den Weg zur Hochschule zu ebnen. Die Partei und ihre Gliederungen, Schulen, Arbeitsdienst und Wehrmacht haben hierzu ein Vor­schlagsrecht für solche junge Männer, die über­durchschnittlich begabt sind, aus eigener Kraft ein Studium nicht durch führen können, politisch und körperlich stets einsatzbereit find, sich ferner welt­anschaulich als zuverlässig erwiesen haben. Die Förderung solcher jungen deutschen Männer auf der Hochschule besteht in einer planmäßigen und eiher außerplanmäßigen. Im Rahmen der planmäßi­gen Förderung erhält dieser Studierende vom Studentenwerk jeweils den Unterschiedsbetrag zwi­schen den Gesamtkosten feines Studiums und den Mitteln, die er selbst leisten kann, bzw. die andere Personen für ihn aufbringen. Dabei sind auch alle Aufwendungen für seinen Lebensunterhalt in der Zeit des Studiums eingeschlossen. Ferner wird ihm vollständiger Erlaß der Gebühren gewährt. Der Zugang zu der planmäßigen Förderung kann durch den Abiturienten selbst nicht erreicht werden, son­dern steht nur auf dem erwähnten Wege des Vor­schlagsrechts und nach erfolgreichem Durchlaufen eines Ausleselagers offen. Die außerplan­mäßige Förderung umfaßt die Gewährung von Freitischen, teilweisen Gebührenerlaß, Sttpen- dien und einige andere Vergünstigungen.

Zweites Aufgabengebiet ist der Gesund­heitsdienst. Von ihm ist der Gesmidheitszu- stand der gesamten Studentenschaft laufend zu über­wachen. Für die Studierenden im ersten und fünf­ten Semester besteht die Einrichtung der Pflicht­untersuchungen, die durch den Vertrauens­arzt des Studentenwerks vorgenommen werden. Ferner ist im Rahmen dieser Ausgabe die st u d e n - tische Krankenversorgung für ambulante und stationäre Kranke durchzuführen. Die hierfür entstehenden Kosten werden zu 70 v. H. von der Krankenversorgung getragen, 30 v. H. muß der Kranke selbst übernehmen; wenn er wirtschaftlich

dazu aber nicht imstande ist, werden auch diese Kosten von der Gesundheitsförderung getragen. Ferner besteht die st u d e n t i s ch e U n f a l (Ver­sicherung auf dem Wege eines Verttagsverhält- nisies zwischen dem Reichsstudentenwerk und einer Versicherung. Schließlich handelt es sich noch um die laufende Gesundheitsförderung auf dem Wege vorbeugender Maßnahmen und beson­ders bei-schweren Krankheitsformen.

Die dritte Aufgabe umfaßt den Beratungs­dienst. Dieser besteht erst seit einem halben Jahre. Er hat die Aufgabe, diejenigen Abiturienten zu be­raten, die sich zum Studium entschlossen haben. Der Beratungsdienst führt seine Arbeit in Einzelbera- tungen und Schulberatungen durch, letztere werden gemeinsam mit der Berufsberatung der Arbeits­ämter vorgenommen. Der Beratungsdienst des Reichsstudentenwerks unterhält Bezirksstellen am Sitz der Landesarbeitsämter, die örtlichen Dienst­stellen unterhalten eine Abteilung Beratungsdienst, die für alle Auskünfte und Fragen des Studiums (Dauer, Kosten ufro.) zuständig ist.

Beim vierten Aufgabengebiet handelt es sich um den Wirtschaftsdienst. Hier kommt die Schaf­fung und Unterhaltung aller Einrichtungen in Be- tracht, die der Verbilligung der studentischen Lebens­haltung dienen. 11. a. sind hier die Speisungen, die Unterhaltung von Studentenhäusern mit Zimmern für Wohn-, Arbeits-, und Gemeinschaftszwecke ufro. zu nennen. In Gießen ist daS Studentenhaus im Laufe der Jahre zum Mittelpunkt des ganzen stu­denttschen Lebens und auch der Universität gewor­den, die hier mancherlei Veranstaltungen, wie Ta­gungen, Sitzungen ufro., durchführt. In diesem Hause wird aber auch eine politische Aufgabe er­füllt, da hier der Erziehungsgedanke im national­sozialistischen Geist eine große Rolle spielt. Daher gebührt denn auch dieser Einrichtung allseitige Unterstützung. Die Geschäftsräume der Studenten­führung, des NSDStB. und des Studentenwerks befinden sich sinngemäß im Studentenhaus.

Die Arbeit des Reichsstudentenwerks und seiner Dienststellen wird durch Zuschüss e 'des Reiches, der Länder, der Kreise und der Städte sowie son-

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Kleine Balkonfreuden.

23on Christian Bock

IZeber Balkone und Balkonblumen wollte ich pichen, aber laßt mit eben erst von einem Mäd- ftr etwas erzählen, ihr werdet nachher sehen: es zh:rt durchaus hierher.

Eie sicht aus Baden. Und nett sicht sie außerdem. Httann nicht dafür, sie spricht so, und ich muß es f ^schreiben.Das sicht arg gut" sagt sie und ,8:2 heischt denn du mit'm Vorname?

Wieso das nun mit Balkonbotanik etwas zu tun Iji, ist eine ganz ander Sache. Ich hatte einen Kann eingeladen, meinen Balkon anzusehen, einen, t>x:Don Gärtnerei und Landwirtschaft etwas ver- ijj. und ich wollte von ihm hören, was man da »tiinpflanzen kann: die Blumenkästen stehen noch äjk uni) leer im Gestänge, und in der Blumenerde jk letzten Jahr blüht noch nichts als hier und da iliie kalte Zigarette, die irgendein nachdenklicher jßif unter dem gbendlichen Frühjahrshimmel in l sii - Blumenkasten pflanzte.

5ir Mann also, den ich mir eingeladen hatte, M es wären nun für so einen Balkon wie imhen zweierlei gut: Wicken zuerst und dann eine 18-e.mdin, die sie rechtzeittg abschneidet, denn Wicken I Mirrn' so schnell die Wände herauf, daß man bei- iichi mit der Schere daneben stehen muß.

Ergreift ihr nun, wie's zusammenhängt: das lAichen ist da, und es bleibt mir nun nichts mehr, 1 ll; sorglos die Wicken zu säen. Vor allem also, 1 ones eilig hat und das Wachsen nicht abroarten jloir soll Wicken säen und er kann dazu Winden l luß Feuerbohnen säen. Das wächst alles, daß mans 1 irrt Äem Zollstock nachmessen kann.

tann gibt es Pelargonien und Geranien, unter Ibn «Geranien noch eine besondere Art: Hänge- Serien, die man da hinpflanzt, wo sie lang nach intei wachsen können. Und bei dieser Gelegenheit 1 iniigab mir mein Gast eine notwendige Ermäh­ne , die ich hier linker Hand weitergebe: Bepflanzt Balkone nicht nur für Augen und Nasen der iteii.?, die auf der Straße vorübergehen, bepflanzt Illi ror allem auch für euch selbst. Manchmal sehen \ öilione von außen wunderbar aus und: Haben die t ü tut! denkt man unten, aber so ein Balkon ist Hfi oft von innen her ein kahles Quadrat, in dem r m\ nur die Rücksette der Natur sieht, die Blumen s jif ^Fasfade. Laßt also Hängegeranien nicht nach ti'tei hängen, sondern noch innen, oder wenigstens 11.1)1 nad) innen.

Aber wir sind noch lange nicht am Ende, es gibt eine Menge mehr. Wer kräftige Farbkleckse liebt, kann in den Ecken oder an einer Seite Sonnen­blumen wachsen lassen. Man stellt sie, daß sie der Wind nicht bricht, auf den Boden hin, sie wachsen dann gerade so hoch, daß sie dir mit der großen maisgelben Blüte an die Nase reichen, und wenn du nicht gerade mitwächst, mußt bald auch du die Nase ein Stück heben, wenn du in die Blüten deiner Sonnenblumen hineinschauen willst. In die Ecken kann man noch Flieder und Jasmin stellen jenen Flieder, der für die Schlagerdichter gleich un­entbehrlich ist. Er hat diesen wunderbaren Duft, der einen lyrisch taumelig macht und er reimt sich auf so vieles. Und alles, Sonnenblumen, Flieder und Jasmin kann man dann mit etwas wildem Wein zusammenwachsen lassen.

In bin in Gartendingen und in der einschlägigen Balkonbotanik nicht gerade weit bewandert, ich. will mich auch auf meine Badenerin nicht so ohne wei­teres verlassen, denn wir müssen uns überhaupt erst ausführlicher miteinander besprechen über man« cherlei Dinge, und bis wir da zur Botanik kommen, ist noch ein weiter Weg also ich fragte aus Vor­sicht lieber schon meinen botanischen Gast, obwohl ich mich meiner hanebüchenen Unwissenheit etwas schämte, ich fragte:Sagen Sie, was von alledem f ä t man nun, und was pflanzt man?" Die Antwort war für mich nicht wenig überraschend.Wicken, Winden und Feuerbohnen", sagte er,sät man, die anderen Blumen kauft man fertig. Man kann sie sich auch heranziehen, aber es lohnt nicht." Also, man kann Naturfertig kaufen", ich habe solchen Ausdruck noch nie gehört Daß die kaufmännisch« Sprache so wett in die Botanik hineinreicht!

Also, gut, kaufen wir uns das fertig: Flieder, Jasmin und Rasen, wir kaufen uns außerdem fertig dazu ein paar alte Margarinetonnen und fangen die Balkongärtnerei an. Wir können noch an einer Wand, wenn der Balkon nicht allzu schlank ist, ein schmales Stück Rasen anlegen, wir schichten Erde auf, etwa 10 Zentimeter dick, den Rand schlie­ßen mir mit etwas Schlacke ab (das sieht netter und gefälliger aus als Ziegelsteine). Damit der Rasen, der vorerst nur so heißt, auch ein Rasen wird, streuen wir natürlich Grassamen aus, ordentlich reichlich, daß er dicht wird und dann können wir da noch mancherlei hübsches anstellen. Wir können Nelken und Himmelsschlüssel säen, wir können da sogar Mais säen. Wir werden keine Maisernte ernten können, aber es sieht hübsch aus, und wenn der Balkon dafür Platz hat, kann man in dem über­mannshohen Gras beinahe mit den Enkeln Ver­steck spielen. Sofern man Enkel hat.

Zimmerblumen soll man nicht so früh auf den Balkon bringen, die sind im Zimmer verwöhnt und vornehm empfindlich geworden erst, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, kann man sie Herausstellen.

Für Balkone, die sichon mehr Dachgärten sind, gibt es etwas, das auch in einem flachen Rasenstück wächst: Kürbisse. Diese dicken runden Kürbisköpfe sehen dekorativ aus und die Ranken dieser Ge­wächse schlängeln sich in wunderlichen Kringeln wie Telefonschnüre über den Rasen hin. Die Kürbis­köpfe liegen auf dem Boden, als täten sie da weiter nichts, aber sie wachsen, ohne daß mans merkt, sie werden runder, als wollten ihnen die Backen platzen vor grüner Gesundheit, es wird von Tag zu Tag bedenklicher, ob man sie noch durch die Tür ins Haus bekommt und wer den mindesten Sinn fürs Groteske hat, der freut sich über diese dicken Kürbisleiber und ist nicht einmal böse, wenn sie am Ende nicht reif und eßbar werden.

Also, sät und pflanzt (und vergeßt abends das Begießen nicht), wir haben den ganzen herrlichen Sommer vor uns und wir wollen manchen Tag und manchen Abend auf unserem Balkon zubringen mit guten Geschrächen, und manchmal steht vielleicht dabei etwas gutes zu trinken auf dem Tisch, daß wir vor Wohlbehagen in den Korbsesseln knarren.

Und was meine ganz eigene Person angeht, so hoffe ich, die Badenerin sitzt in diesem Sommer manches Mal auf dem Balkon und sagt:Das ischt aber arg nett bei dir."

Romeo und Julia im Walde.

Die rornanttsche Geschichte eines Jünglings und eines schönen jungen Mädchens aus dem türkischen Dorf Elaziz erzählen die Zeitungen von Istanbul. Auch hier gehörten die beiden Liebenden zwei Fa- mUien an, die seit langen Jahren um irgendwelcher Interessen willen in erbittertem Streit miteinander lagen, und sie hatten sich leidenschaftlich ineinander verliebt. Als die beiden Familien davon hörten, er­klärten sie, diesmal einmütig, mit der größten Ent­schiedenheit, daß sie sich der Heirat der jungen Leute mit allen Mitteln widersetzen würden. Die Familie des Mädchens wollte noch ein übriges tun und be­schloß, es mit einem vermögenden, aber bejahrten Manne, der ihm schon feit einiger Zeit den Hof machte, zu verheiraten. Die Hochzeit sollte in den nächsten Tagen stattfinden. Als der junge Mann das erfuhr, war er entschlossen, alles zu wagen, um die Geliebte solchem traurigen Schicksal zu ent­ziehen; er überredete sie, mit ihm zu fliehen und in einem Walde Zuflucht zu suchen. Dort blieben sie

zwei Wochen versteckt, ohne daß die Bauern, die die Gegend auf der Suche nach ihnen durchstreiften, sie entdeckt hätten. Der junge Bauer hatte zwar vor- forglid) reichlich Lebensrnittel mitgenommen, aber schließlich gingen diese doch zu Ende, und die beiden fanden im Walde nicht genug, um ihren durch das Leben in frischer Luft noch gesteigerten Hunger zu füllen, so daß ihnen schließlich nichts übrig blieb, als sich wieder in die Nähe ihres Dorfes zu fchlei- chen, in der Hoffnung, hier einen Freund oder einen Verwandten zu finden, der ihnen helfen würde. Statt dessen gerieten sie aber einer Streife von Gen­darmen in die Hände, die sie festnahmen und in ein Gewahrsam überführte.

Das Gericht, das sofort zur Entscheidung über den Fall angerufen wurde, verurteilte den jungen Bauer zu einer leichten Strafe und ordnete an, daß das Mädchen seinen Eltern zurückgegeben wurde. Damit war der Liebesroman aber nicht zu Ende. Das Mädchen erklärte, als es nach Hause zurück- gekehrt war, daß nichts es seiner Liebe untreu machen könnte, daß es niemals den älttichen Freier heira­ten würde und daß es, wenn es den Geliebten, der jetzt allgemein im Dorfe derWaldmensch" hieß, nicht heiraten dürfte, jede Nahrung verweigern und verhungern wollte. Vier Taae lang ließen die (El­tern es darauf ankommen und bestürmten das Mäd­chen unaufhörlich, nachzugeben, dann aber sahen sie ein, daß ihre Tochter ihre Drohung durchführen würde, und sie gaben endlich ihre Einwilligung zur Heirat der beiden, aber unter der Bedingung, daß derWaldmensch" 300 türkische Pfund in einer Bank hinterlegen würde, um zu beweisen, was er bisher behauptet, aber nicht glaubwürdig gezeigt hätte, daß er eine Familie erhalten könnte. Der junge Bauer mußte zugeben, daß er bisher nur einen Teil der verlangten Summe besitzt, aber er kam auf einen Ausweg: er wandte sich an die Oef- fentlichkeit und schrieb eine Subskriptton aus, an der sich alle, die an dem Geschick des Liebespaares An­teil nähmen, beteiligen sollten. Da die Zeituna«n durch ausführliche Schilderungen das allgemeine Interesse an diesem türkischen Romeo und seiner Julia erweckt haben, so ist damit zu rechnen, daß noch mehr als die verlangte Summe eingehen wird und nach der großen Prüfung die Hochzeit der bei­den Liebenden gefeiert werden kann.

Hochschulnachnchten.

Dr. med. habil. Martin Werner wurde zum Dozenten an der Universität Frankfurt für bas Fach der Inneren Medizin und Erbpathologie er­nannt.