Samstag, IL/Sonntag, 18.3um.l959
Nr. 159 Erstes Blatt
189. Jahrgang
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Die Presse-Amazonen von Paris
L.-Korrespondenten
rungen abgeben zu lassen. Molotow soll jedoch
missar verschiedene Fragen stellte und Erläuterun-
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bedingungslos auf eine klare und eindeutigegen- forderte. Der stellvertretende Außenkomissar schriftliche Skizzierung der britischen Bei-1 Potemkin diente als Dolmetscher.
Auch Frankreich von einer Ll-Voolskalastrophe betroffen
Wahrscheinlich 63 Menschen umgekommen
Ll-Boot „phenix" in Indochina gesunken
Paris, 17. Juni. (Europapreß.) lieber Dreier-Besprechungen vom Freitag zwischen Vertretern Englands, Frankreichs und dem
die den sow-
Paris, 17. Juni (Europapreß). Das französische Unterseeboot „Phenix" ist am Freitag- morgen an der indochinesischen Küste in der Nähe von Saigon gesunken. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht bekannt. An Bord befanden sich 63 Mann. Das U-Boot gilt als verloren. Es liegt nach den bisher bekannt gewordenen Nachrichten in einer so großen Wassertiefe, daß die an Bord befindlichen Rettungsapparate nicht verwendet werden können. Diese Apparate sichern zwar die Atmung der Austauchenden, schützen diese jedoch nicht vor dem riesigen Wasserdruck. Die Trauerbotschaft oon der Katastrophe des U-Bootes „Phenix" Hal in der französischen Presse vom Samstag allgemeine Bestürzung hervorgerufen. Obwohl das Kriegsmarineministerium immer noch mit einer endgültigen Verlautbarung über die Tragweite des Unglücks zügerl, hegen die Blätter keine Hoffnung mehr, daß die über 60 Mann Hatte Besatzung der „Phenix" noch am Leben ist. Man würde es in Paris als ein Wunder empfinden, wenn noch eine Nachricht über die Bettung aller ober einiger Insassen des U-Bootes eintreffen sollte.
Die französische Oeffentlichkeit, die in den Abendstunden des Freitags von dem Unglück unterrichtet wurde, fiebert weiteren Nachrichten aus Jndochina entgegen. Großes Bedauern herrscht darüber, daß die Taucherglocken, die bei der Rettung der Mannschaft des amerikanischen U-Bootes „oqualus" zum Teil erfolgreich verwendet werden konnten, noch nicht bei der französischen Marine eingesetzt werden können. Diese Taucherglocken, vorläufig vier Stück, sind zwar bestellt, aber noch nicht geliefert
jetrusfifchen Außenkommissar Molotow in Moskau lag in den Nachtstunden zum Samstag nur eine spärliche aus der Umgebung des Quai d'Orsay stammende Mitteilung vor. Danach hat der sowjetrussi- sche Außenkommissar „die Hoffnung liusgedrückt, dem englischen und französischen Vertreter i n Bälde eine Antwort geben zu können". Die Besprechung war, wie weiter verlautet, damit ausgefüllt, daß die französischen und englischen Vertreter ihre Gegenvorschläge hinsichtlich der etwaigen Hilfeleistung an die baltischen Staa - t e n vortrugen und' der sowjetrussische Außenkom-
L o nd on, 16. Juni (DNB.) Das Deutsche Nachrichtenbüro erhält über die hintergünde der Schwierigkeiten in den englischsowjel- russischen Verhandlungen von einer höheren Stelle aus maßgeblichen Kreisen in London folgende interessante Aufklärung, die sich mit den Meldungen, die von anderer Seite in London sowie aus Moskau vorliegen, deckt:
Die Frage der Garantie der baltischen Staaten besitzt nur untergeordnete Bedeutung. England ist bereit, wenn notwendig, die baltischen Staaten nicht nur gegen ihren Willen zu garantieren, sondern sogar unter gewissen sowjet- russischen Zusicherungen ganzaufzugeben.
Dies aber ist nicht die entscheidende Forderung Sowjetrußlands. Die sowjetrussischen Unterhändler verlangen vielmehr vor allem eine bindende englische Zusicherung für den Fall, daß Sowjetruhland im Zuge der Erfüllung feiner Beistandsverpflichtungen in Konflikt mit Japan geraten sollte, außerdem überhaupt eine bindende englische Erklärung für eine Unterstützung Sowjetruhlands im Falle eines Konfliktes mit Japan. Auch dazu soll die englische Regierung sich i m Prinzip bereit erklärt haben; sie soll jedoch unter keinen Umständen gewillt sein, diese ihre Zusicherungen schriftlich zu fixieren. Daher versuchte sie auch die sowjetrussischen Bedenken durch die Absendung Strangs nach Mos- kau zu zerstreuen, um durch ihn noch einmal mündlich die entsprechenden britischen Versiche-
dem französischen Kriegshafen Toulon eine B e - stätigung dieser Hiobsbotschaft melden. Der Kommandierende Admiral des Mittelmeergeschwaders habe den Kriegsmarineminister oon dem Unglück in Kenntnis gesetzt, der sofort ergänzende Informationen verlangt habe und noch in der Nacht ein längeres Kommunique ausgeben würde. Auf Grund der bisher eingegangenen Informationen fei der anormale Verlauf' des Tauchverfuches, von dem das U-Boot feit über 36 Stunden nicht wieder aufgetaucht fei, auf einen Materialschaden zurückzuführen. Die Marinepräfektur in Toulon bewahre absolutes Stillschweigen über diesen schmerzlichen Zwischenfall, der — nach den Katastrophen des amerikanischen U-Bootes „Squalus" und des englischen U-Bootes „Thetis" — große Besorgnisse ausgelöst habe. Man meldet in Toulon, daß man mit 51 Toten zu rechnen habe. Auch die Rundfunksender haben ihre Darbietungen unterbrochen, um den Hörern die Nachricht durchzusagen. Ein Rundfunksender präzisiert, daß an Bord des verunglückten U-Bootes 47 Mann Besatzung und vier Offiziere waren. In einer Havas-Verlautbarung wird mitgeteilt, daß sich an Bord des verunglückten U-Bootes 71 Mann Besatzung, darunter vier Offiziere, befunden häben. Die „Iustice" stellt fest, daß die französische Marine bereits eine Reihe solcher Unglücksfälle, wie die des „Lutin", des „Tarfadet" und des „Pluviose", zu erleiden gehabt habe. — Die „Agenture Indopazifique" teilt mit, die Meerestiefe in der Gegend, wo man das verschwundene U-Boot vermute, betrage etwa 100 Meter. Obwohl man befürchtet, die Besatzung nicht mehr retten zu können, gingen die Sucharbeiten weiter.
Brandung des politischen Streites steuert und dafür erst kürzlich mit dem Kreuz der Ehrenlegion geehrt wurde. Frankreichs Zeitungskönigin aber ist unbestritten Mme. Helene Dupuy, die Besitzerin des „E x c e l s i o r". Amerikanerin von Abstammung, wurde die reiche Erbin Helen Browne Französin durch Heirat mit dem Verleger Paul Dupuy, nach dessen Tode sie die Leitung seiner Zeitungsbetriebe übernahm. Der „Excelsior" und verschiedene in seinem Verlag erscheinende Unterhaltungsblätter gehören ihr allein und von den Geschäftsanteilen des „Petit P a r i f i e n" befindet sich die Mehrheit in ihrem Besitz, wenn sie auch hier mit den Intrigen des einflußreichen Lyoner Bankhauses Gillet rechnen muß. Mit ihrer Londoner Kollegin Lady A st o r, der Beherrscherin der „Times" hat sie zwei Dinge gemeinsam: ihre amerikanische Abstammung und'die Zugehörigkeit zu der angelsächsischen Sekte „Christian Science", wegen derer sie sich übrigens dauernd im Konflikt befindet mit den katholischen Mitinhabern des „Petit Parisien". Ans ihrem „Er- celsior" hat sie eine frische, moderne, stark bebilderte Tageszeitung gemacht, die von ben breiten Massen gern gelesen wird. Die „Presse-Amazonen" von Paris, Journalistinnen, Chefredakteurinnen und Verlegerinnen, sind ein Faktor, mit dem der Ouai d'Orsay stark zu rechnen hat.
standsverpflichlungen in Ostasien bestehen. Wau fürchtet nun in London, sich durch ein Bekanntwerden einer solchen Verpflichtung schweren Rückschlägen in Ostasien auszusehen bzw. sich durch ein solches Dokument in eine unhaltbare Abhängigkeit Sowjetrußlands gegenüber zu begeben. ,
Wie einleitend bemerkt, ist dem Deutschen Nachrichtenbüro diese Nachricht nunmehr von zwei anderen Seiten, die als genau unterrichtet anzusehen sind, bestätigt worden.
Bolotow stellt baldige Antwort
Bestürzung in Paris
worden. Die Angehörigen der Besatzungsmitglieder der „Phenix" sind in den Abendstunden des Freitags von dem Unglück verständigt worden. Durch ein am Freitagabend vom französischen Marineministerium ausgegebenes (Kommunique wird der Untergang des Unterseeboots bestätigt.
Die bisherigen Meldungen über den Verlust des Bootes werden noch dahin ergänzt, daß die „Phenix" bereits am 15. Juni in der Bucht von Cam- ranh untergegangen ist. Das Boot führte an diesem Tage eine Tauchübung durch, ohne wiederaufzutauchen. Die in Indochina stationierten französischen Seestreitkräfte und Wasserflugzeuge wurden sofort zur Suche eingesetzt, und die Rettungsarbei- t e n wurden nach Auffindung des Bootes unverzüglich aufgenommen. Sie scheinen jedoch keinen Erfolg gehabt zu haben. Denn die Verlautbarung des Marineministeriums, die aus nur wenigen Zeilen besteht, schließt mit der vielsageichen Bemerkung, die Angehörigen der Besatzung der „Phenix" seien von dem Untergang des Unterseebootes unterrichtet worden. — Das gesunkene Unterseeboot gehörte zu einer Klasse von vier gleichen Booten, die in den Jahren 1930/31 von Stapel gelassen wurden. Es hatte eine Wasserverdrängung von 1379 bzw 2060 Tonnen und eine Geschwindigkeit von 20 Knoten über und 10 Knoten unter Wasser.
Die Hiobsbotschaft hat sich in den Abendstunden in Paris, nachdem schon in den Zeitungsvierteln und den Redaktionsstuben das Gerücht umgelaufen war, wie ein Lauffeuer verbreitet. Einige Blätter, darunter der „Paris Soir", warfen gegen 21 Uhr Sonderausgaben auf die großen Boulevards mit den Schlagzeilen Das französische U-Boot „Phenix" ist untergegangen und ruht 30 Meter tief in Höhe Saigon. — 51 Tote." „Paris Soir" läßt sich aus
obern.
Denn Mme. T a b o u i s ist keineswegs die einzige, wenn sie auch in ihrem engeren Fachgebiete, als „Chronisqueuse" internationaler diplomatischer Ereignisse nur männliche Konkurrenz hat. Daß sie sich die bedeutende Position, die sie beim radikal sozialistischen „D euere" innehat, überhaupt erobern konnte, dankt sie allerdings ebenso sehr ihren „com- binaisons“, ihren gesellschaftlichen Beziehungen wie ihrer skrupellosen Verlogenheit. Als Nichte des berühmten französischen Botschafters C a m b o n und Gattin des großen Elektrizitätsmagnaten Robert T a b o u i s verfügt sie über ein Netz weitgespannter Verbindungen, die ihr nicht nur unaufhörlich „Informationen" zufließen lassen, sondern sie auch decken, wenn sie gelegentlich mit ihrer Redaktion und den Lesern des „Oeuvre" wegen allzu phantastischer Be- bfluvtungen und wegen der oft unerträglich sensa- tionell-feuilletonistischen Form ihrer Artikel in Konflikt kommt.
Neben ihr und fast als ihr Gegenstück arbeitet am „Oeuvre" Madeleine Jacob. Da sie keine gesellschaftliche Attraktion zu bieten hat, hat sie es bedeutend schwerer. Aeußerlich unscheinbar, aber voll Klugheit und fraulicher Güte ist sie Frankreichs beste Gerichtssaal- und Sozialreporterin, ihre Kampagnen gegen die Kinderzuchthäuser und manche andere üble Mißstände haben chrem Namen einen guten Klang verschafft. Das Publikum verschlingt ihre Artikel und, was noch schöner für sie ist: dank ihrem mutigen Auftreten ist manches Unrecht wieder gutgemacht worden. Als ebenso scharfsinnige wie witzige Beobachterin des politischen Lebens Frankreichs hat sich Odette Pannetier einen Namen gemacht, ihre literarischen Porträts führender französischer Politiker, die sie in dem Wochenblatt „Candid e" veröffentlicht, gehören mit zum Besten dieses Genres. Nicht geringer ist die Kunst der großen Reportage von Ti t a y n a, der ersten Reporterin des „Pari s- S o i r" Ob sie über Reisen in wenig erschlossene Länder berichtet, als Schlachtenbummlerin an den neuralgischen Punkten des Weltgeschehens weilt ober die großen Männer unserer Zelt interveniert, immer ist es reizvoll, ihre Eindrücke zu lesen. Kein Wunder, daß manche kleine, tapfere Anfängerin die sich bei einem Blatte zweiter Klasse die erstell Sporen er- kämpft, vom Ruhme der Titayna träumt ...
Aber die Aktivität der Frauen Frankreichs im Zeitungsleben beschränkt sich keineswegs auf die Rolle der Journalistin aller Grade. Mehr als eine sieht als Herausgeberin oder Chefredakteurin einer Zeitung vor. Zwei Pariser Tageszeitungen und zwei Wochenblätter stehen absolut unter weiblichem Kommando, eine dritte Tageszeitung wird maßgeblich von einer Frau beeinflußt, die gleichzeitig über einen ganzen Konzern von llnterbaHungsbfattern, Fachblättern usw. regiert. Und — der männliche Berichterstatter muß es zugeben — es sind wirklich nicht die schlechtesten Zeitungen, die von Frauen geleitet werden Da ist das temperamentvolle Wochenblatt der Rechten „C h o c", dessen Direktorin Mme. Guillaume, die Gattin des Obersten Guillaume, es verstanden hat, sich mit ihrer Zeitung trotz schärfster Konkurrenz durchzufetzen, und deren außenpolitischen Kommentaren auch beim Quai d'Orsay oft Beachtung geschenkt wird. Mit Tardieu eng verbunden hat der „Choc" der Mme. Guillaume, deren Gatte in der Zeitung die nicht immer beneidenswerte Stellung eines Prinzgemahls und „Sitzredak- tcurs" innehat, durch feine allwöchentlich erscheinende Auswshl der 100 besten inner- und außenpolitischen Informationen", von denen allerdings die Hälfte besser als Indiskretionen bezeichnet werden können, das Massenpublikum der Neugierigen schnell er- °b£ine ganz andere Aufgabe hat sich Madeleine Le Verrier, die Leiterin der Wochenschrift „E u r o p e Nouvelle" gestellt. Sie ist heute vielleicht die liebenswürdigste und scharmanteste der französischen Zeitungsleiterinnen, und wahrscheinlich braucht sie auch ihren ganzen Scharm dem ihre intellektuelle schwarze Hornbrille am Arbeitstisch keinerlei Einbuße tut, um ihre bunte Mitarbeiter- Equipe gut zusammenzuhalten. Denn „Europe Nou- velle", diese hauptsächlich außenpolitischen Fragen gewidmete und sich an eine geistige Leser-Elite
Don unserem PH.
Die „Lommandeusen" von Frankreichs öffentlicher Meinung Jntcrpreß Copyright Bericht.
Paris, im Juni 1939.
(Sorge um Ostasien.
Hintergründe der Schwierigkeiten in den Moskauer Verhandlungen Snaiands.
Die berechtigten deutschen Beschwerden gegen die französische Journalistin Genevieve T a b o u i s , deren Wirksamkeit übrigens auch in ihrem Heimatland sehr geteilter Beurteilung unterliegt, und die wenige Monate vorher auch non dem schweizerischen Buckdesrat Motta in öffentlicher Parlamentsrede sehr scharf kritisiert wurde, hat das Interesse auf die Tätigkeit gelenkt, die heute eine Anzahl von Frauen in der französischen Presse entfalten. Wir denken dabei weniger an die übliche eifrige Frauen- Iournalistik, die in den Redaktionen der eigentlichen Frauen-Zeitungen und der Modejournale geleistet wird, obwohl sie für viele weibliche Journalisten das Sprungbrett zur großen Reportage abgibt und für andere das sichere Brot der stets gebrauchten Alltagsarbeit darftellt, die im übrigen angesichts der Bedeutung der Pariser Modeindustrie auch für das gesamte Wirtschaftsleben des Landes äußerst wichtig ist. Wir wollen von jenen Frauen sprechen, denen es gelungen ist, sich in den Spalten der Zeitung, die im allgemeinen von ihren männlichen Kollegen beherrscht werden, führende Plätze zu er?
Tientsin.
Seit Mittwoch find die britische und die französische Niederlassung in Tientsin, der bedeutendsten Handelsstadt Nordchinas, von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten. Japanische Truppen haben beide Niederlassungen vollständig umzingelt und halten sämtliche Zugänge zu den anderen Stadtteilen Tientsins unter scharfer Kontrolle, wobei Engländer, Franzosen und Chinesen sich beim Betreten oder Verlassen der Niederlassungen sogar ein Kreuzverhör und Leibesvisitation nach verborgenen Waffen gefallen lassen müssen. Da in diesen Niederlassungen die großen Banken, Geschäftshäuser und Speicher der Engländer, Amerikaner, Franzosen und anderen Nationen liegen, bedeutet die Blockade durch die japanischen Truppen das Stocken jeglichen Verkehrs in diesem für den internationalen Handel in Nordchina wichtigsten Platz. Einzelne Handelshäuser haben sich bereits genötigt gesehen, außerhalb der ausländischen Niederlassungen Filialen einzurichten, um ihr Geschäft in Gang zu halten. Aber es ist leicht einzusehen, daß die Dinge einer schnellen Entscheidung zutreiben, wobei festgestellt werden fanru daß Japan insofern am längeren Hebelarm fitzt, als es olyne wesentliche Veränderung seiner Lage abwarten kann, zu welchen Entschlüssen sich England durchringt, wobei man sich in London gewiß darüber klar ist, daß nicht nur ungeheure wirtschaftliche Interessen Englands auf dem Spiele stehen, sondern es sich für das Empire auch darum handelt, „das Gesicht zu wahren", also den Konflikt mit Japan, wenn man ihn nicht mit den äußersten Mitteln bis zum letzten durchpauken will, nicht soweit auf die Spitze zu treiben, daß ein Rückzug ohne einen neuerlichen schweren Prestigeverlust Englands in Ostasien nicht mehr möglich ist. Zudem verdient der Zwischenfall von Tientsin auch im Zusammenhang mit den britisch-sowjetrussischen Paktverhandlungen besondere Beachtung. Der Ausgang der Moskauer Sendung Strangs wird auch der japanischen Regierung nicht gleichgültig sein, zumal England anscheinend bereit ist, sich zu immer neuen Zugeständnissen zu bequemen, um die Sowjetunion in das ^inkreisungsnetz gegen die autoritären Möchte einzuspannen. Jedenfalls hält man in Tokio diesen Augenblick erheblicher diplomatischer Schwierigkeiten Englands für geeignet, die Frage der fremden Niederlassungen in China grundsätzlich zu klären, denn anders ist die Auslassung des japanischen Sprechers in Tientsin nicht zu deuten, der von England enge Zusammenarbeit in «China forderte, und anders ist sie in London auch nicht verstanden worden.
Wie ist es nun zu dem Zwischenfall oon Tientsin gekommen, und was hat es überhaupt mit den internationalen Niederlassungen in China auf sich? Sie sind der wesentlichste Bestandteil der Konzessionen politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Art, die die fremden Nationen in ihrem Handelsverkehr mit China während der letzten hundert Jahre diesem abgezwungen haben. Voraussetzung dafür war der Niedergang der Mandschu-Herrichast zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Die dis dahin von den Mandfchus geübte Abschließung Chinas von fremdem Handel und fremden Einflüssen, begründet in der alten konfuzianischen Kultur Chinas und begünstigt von der geographischen Lage des Landes, die eine autar- kische Wirtschaft durchaus gestattete, konnte nicht mehr aufrechterhalten werden, nachdem England im Opiumkrieg 1840—42 die Abtretung Hongkongs und die Freigabe von fünf sogenannten
wendende Zeitschrift, vereinigt unter ihren Mitarbeitern die prominentesten Außenpolitiker der französischen Tagespresse, deren außenpolitische Ansichten weit auseinandergehen, und die sich in den Spalten ihrer eigenen Zeitung heftig bekämpfen. Der berüchtigte P e r t i n a x der Rechten gehört zu diesem Mitarbeiterstab der „Europe Nouvelle" so gut wie Pierre Dominique oon der russenfeindlichen, radikalen „Republique", die alle Wandlungen Daladiers brav mitmacht, und andererseits der russenfreundliche extreme Sozialist Pierre Brossolette, der außenpolitische Leitartikler des „Populaire". Und obwohl diese drei soiveit auseinander strebenden Männer laufend an der „Europe Nouvelle" Mitarbeiten, erscheint jede Nummer dieser Wochenschrift wie aus einem Guß gefügt. Wie dos möglich ist? Ja, das ist eben das Geheimnis des weiblichen Scharmes der Mme. Madeleine Le Verrier.
Zwei Frauen endlich leiten große Zeitungsverlage. An der Spitze des „Oeuvre" fleht Odette Le- r o y, eine ausgezeichnete Geschäftsfrau, die nut souveräner Sicherheit ihr Zeitungsschiff durch die


