Ausgabe 
17.5.1939
 
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Nr.N4 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Mittwoch, I?. Mai 1939

IN

Oie Neuordnung des italienisches Heeres

Oer Führer prüft die Arbeiten am Westwall

neuen

Aufgabe

Typs der Division geführt, besser ihrer gerecht zu werden, geradewegs auf ihr

praktisch völlig gelähmt. Diejenigen Radikal- Sozialen, die gegen die neue Außenpolitik Da- ladiers eingestellt sind, sind angesichts des moralischen Niederbruchs an ihrer linken Flanke zum Stillhalten verurteilt. Auf den Volksfrontrausch von 1936 ist drei Jahre später auf der französischen Linken ein Katzen­jammer von noch nie dagewesenem Ausmaß ge­folgt. Es war eben zu viel russischer Fusel in dem Trank. Die Volksfront ist an ihrer inneren Verlogen­heit Zugrundegegangen. Bis sich eine neue Linke for­miert haben wird, dürfte noch viel Wasser die Seine herunterfließen und bis dahin hat das Kabi­nett Daladier die Hände frei

Unsere Ausnahme zeigt den Führer bei der Besichtigung. Hinter ihm der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Reiteli rechts vom Führer General der Infanterie von Mjtzltzb^m (Presje^llustxationM'ZoÜwgM'W^

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bildung begriffen. Die Erfahrungen in Ostafrika, in den sizilianischen Manövern des vergangenen Jahres und in Spanien hätten zur Bildung eines

Morizet. Immerhin der pazifistische Flügel ist stark genug, um eine Uebersteigerung des pro-russi­schen Kurses zu vermeiden.

In eingeweihten Kreisen rechnet man damit, daß auch der Pfingstkongreß der Partei keine endgültige Entscheidung bringen wird, und daß der Streit in den eigenen Reihen weitergeht. Da die Kommunisten

gänzlich isoliert sind und die Sozialisten sich in inneren Kämpfen vermehren, ist die französische Linke

Oer Kurswechsel in Ankara.

Don unserer berliner Schriftleitung.

Kr. Berlin, 17. Mai.

Das türkisch-englische Abkommen, das praktisch einen Verzicht der Türkei auf feine bisherige neutrale Haltung gegenüber den Groß­mächten und den sich zwischen ihnen bildenden Blocks darstellt, dient in erster Linie den Interessen Englands. Ob die Türkei bei dieser Haltung ihre eigenen Interessen gut aufgehoben sehen wird, kann erst die Zukunft lehren, doch schon heute finden sich bei den Nachbarn der Türkei Stimmen, die der türkischen Haltung nicht gerade Geschmack abge- * winnen. Der Kaufpreis, den die Engländer für die­sen Vertrag gezahlt haben, ist zunächst der Sand­schak Alexandrette, den Syrien an die Türkei abtreten soll. Es ist also ein echt englisches Geschäft, bei dem London wieder einmal mit frem­dem Eigentum zahlt, eine Methode, die sich in sei­ner vielhundertjährigen Geschichte immer wieder be­währt hat. Wieweit die kleinasiatischen Jn- fein Griechenlands, die für die Türkei aus strategischen Gründen von Bedeutung sind, dabei ebenfalls eine Rolle spielen, ist noch nicht recht zu erkennen, möglich, daß sie noch als Köder für künf­tige Fälle zürückgehalten werden. Die Türken geben vor, daß der Ausbau der italienischen Flottenbasis auf dem Dodekanes sie veranlaßt hätte, eine aktive Zusammenarbeit mit der stärksten Seemacht der Welt im östlichen Mittel­meerbecken aufzunehmen. Aber auch diese Frage be­trifft eigentlich nur rein englisches Interesse, wie überhaupt die türkisch-englische Annäherung, die seit der Konferenz von Nyon im September 1937 zusehends enger geworden ist, bisher den allein sichtbaren Zweck hatte, Englands Einfluß zur See im östlichen Mittelmeer zu stärken.

Mit diesem Kurswechsel der Türken hat der Balkanbund sein Gesicht vollkommen geändert. Früher war es gerade die Türkei gewesen, die am energischsten den Standpunkt vertreten hatte, sich von den Großmächten unabhängig zu halten, um auf diese Weise allen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen. Die anderen Balkanstaaten hatten sich dieser Ansicht angeschlossen und glaubten ihre Neutralität und damit ihre Integrität wohl aufge­hoben zu sehen. Es entsteht nun die Frage, was jetzt aus dem Balkankund werden soll, da bei wei­tem nicht alle seine Mitglieder gesonnen sind, dem Beispiel der Türken zu folgen. Die Balkanstaaten müssen also neue Standpunkte beziehen, und man kann nicht behaupten, daß der Frieden in diesem Teil Europas damit eine Stärkung erfahren hätte. Daß die Regierung von Ankara die Absicht haben könnte, sich vom Balkan und damit aus Europa überhaupt zurückzuziehen, darf nicht ange­nommen werden. Wenn auch nach dem Abkommen von Montreux die Türkei sich eine wesentliche Ein­schränkung seiner Souveränität über die Meer­engen gefallen ließ, so ist doch nicht anzunehmen, daß sie die Absicht hat, Positionen zu räumen, die sie immerhin noch zu einem wertvollen Partner bei zwischenstaatlichen Kombinationen macht.

In der Türkei scheint man zunächst angenom­men zu haben, daß die Achsenmächte das türkische Vorgehen stillschweigend hinnehmen wür­den. Weil nun aber die Kritik in der deutschen und italienischen Presse nicht ausgeblieben ist, gibt man sich in türkischen Blättern neuerdings Muhe, den vollzogenen Kurswechsel auch moralisch zu begrün­den. Merkwürdigerweise geschieht das durch laute und grobe Ausfälle gegenüberDeutschland, von dem die Türkei wohl am allerwenigsten zu be­fürchten hat, wie sie auch in der Vergangenheit niemals Anlaß hatte, eine deutsche Gegnerschaft gegenüber dem türkischen Volke anzunehmen. Wie­derholt sind in der Geschichte die Dardanellen, von

Krisis -es Marxismus in Frankreich

Don unserem pH. Bl..-Korrespondenten.

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des Herrn Paul Faure eine Mehrheit findet. In den Zentralinstanzen der Partei ist er in der letzten Zeit stets knapp unterlegen. Mit 16 gegen 14 Stim­men beschloß die Parteiexekutive, am Bündnis mit den Kommunisten festzuhalten, mit 15 gegen 13 wurde Paul Faure die Erstattung des Jahresbe­richts auf dem Parteitag verwehrt. Praktisch ist Faure auf die Bundesgenossenschaft der Pazifisten des rechten Parteiflügels angewiesen, darunter auf die früheren Minister F e d r i e r und Spi- nasse und sieht sich einer Koalition gegenüber, gegen die er nicht aufkommen kann. Die alten S o - zial-Jmperialisten der Weltkriegszeit, die Leon Blum und Jean Lebas, die Dormoy uvd Auriol stehen heute wie damals gegen Faure, und zu ihnen gesellt sich die kommuni st en- freundliche Parteilinke um Zyronski und

Ziel vorzustoßen. Ihre wendigen Formationen ver­leiht ihr eine große Anpassungsfähigkeit an das Ge­lände; ihre mächtigen Feuermittel sicherten ihre Bemühungen. Da diese Division ihre volle Deckung dem Armeekorps Überlasse, könne sie mit jener Ent­schlossenheit vorgehen, die die Voraussetzung für das Gelingen jeder Operation sei. Infolge dieser Neuordnung umfasse das italienische Heer drei­zehn Spezial-Divisionen, nämlich fünf Alpen-Divisionen, drei schnelle Divisionen, drei mo­torisierte Divisionen und zwei Panzer-Divisionen sowie 51 Infanterie-Divisionen. Hinzu kämen die Grenztruppen, die Bersaglieri jihö Ka­vallerie-Regimenter, die nicht den Divisionen zu­geteilt seien. Man könne sie auf insgesamt wei­tere zwölf Divisionen schätzen. Schließlich sei noch die faschistische Freiwilligen-Miliz zu erwähnen, die als Unterstützungstruppen der Armee-Korps kämpfe, aber auch selbst ganze Divi­sionen aufstellen könne.

Mussolini besichtigt die Grenz­befestigung in den Westalpen.

Turin, 16. Mai. (DNB.) Am Dienstag unter­nahm Mussolini von Turin aus eine Fahrt in die Gebirgstäler der W e st a l p e n bis an den Be­festigungsgürtel an der italienisch-französischen Grenze. Zunächst begab sich Mussolini mit einem Eisenbahnbetriebswaben in das Susa-Tal nach Susa, der alten Römerstadt, wo ihm die Gebirgs­bauern eine überaus herzliche Kundgebung bereite­ten. Mussolini weihte hier eine Augustusstatue ein und besichtigte auch die Ausgrabungszone mit den vollkommen erhaltenen römischen Triumphbögen. Auf seiner Weiterfahrt nahm der Duce Gelegenheit, die gewaltigen B e f e st i g u n g e n der Gegend zu inspizieren. Im Tal der Dora fuhr er an dem alten Fort Esille und an dem massiven Gebirgsstock des Monte Chaberton vorbei, dessen Gipfel die h ö ch st- gelegene Befestigungsanlage Euro­pas trägt. Das Tal wird von immer höher auf­strebenden schneebedeckten Gebirgsketten eingerahmt, die den Grenzkamm gegen Frankreich bilden. In Bardonechia, dem am weitesten nach der fran­zösischen Grenze vorgeschobenen Punkt seiner Reise, jubelten Schwarzhemden, Bauern, Bergleute und Fabrikarbeiter Mussolini zu.

Metzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

Druck und Verlag: vrühlsche Universttättdruckerei «.Lange in Sichen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7

G.R. Rom, 16. Mai.

In der Kammer der Faschi und Korporationen hielt bei der Beratung des Haushalts für das Kriegsministerium Unterstaatssekretär General P a - r i a n i eine Rede, in der er auf die Neuord­nung des italienischen Heeres hinwies. Sie beziehe sich vor allem auf die Artillerie. Die Motorisierung der Luftabwehr brintze zugleich einen Ausbau der Kriegsindustrien mit sich, so daß es in verhältnismäßig kurzer Zeit möglich sein werde, die monatliche Produktion auf^as Vierfache der gegenwärtigen Erzeugung zu steigern. Hand in Hand damit gingen die Bemühungen, dieser In­dustrie die notwendigen Rohstoffe vor allem durch Autarkie-Verfahren zu verschaffen. Beson­ders eifrig werde die Herstellung der neuen Maschinengewehre, der Mörser und der Panzerabwehr-Geschütze betrieben. Außer­dem würden neue Luftabwehr-Geschütze hergestellt werden. Schritt damit halte die sich stei­gernde Erzeugung der Munivion. Ferner würden Panzerwagen beschafft, von denen Italien in Kürze neue Typen herausbringen werde. Auf dem Gebiet der Motorisierung sei das in Angriff genom­mene Programm durchgeführt worden, der Infan­terie wurden mehrere tausend leichte Lastkraftwagen, der Artillerie schwere Lastkraftwagen, leichte und schwere Schlepper zugewiesen.

Die Kampfweise der schnellen Ent­scheidung mache gewaltige Machtmittel erfor­derlich und zur Durchbrechung der feindlichen Front noch mehr wendige Einheiten, die von jedem Zurückweichen des Gegner profitieren könn­ten, sowie ferner schnelle Einheiten, die imstande wären, mit großer Geschwindigkeit in die Tiefe vorzudringen. Diese schnellen Einheiten moto­risierte Divisionen seien bereits seit längerer Zeit gebildet und würden nur noch hin und wieder unter Beobachtung der neuen Erfahrungen gewissen Aenderungen unterzogen. Die unlängst gebildeten beiden Panzerdivisionen befänden sich noch in einem Versuchsstadium, da sie erst demnächst ihre neue Ausrüstung erhalten könnten. Gegenwärtig aber sei die große grundlegende Einheit, die In­fanterie-Division, in zunehmender Urn-

Jnterpreß Copyright.

Paris, im Mai.

Nach langer Pause gibt es in Frankreich wieder so etwas wie Innenpolitik. Die kurze Frülyahrs- iagung des Parlamentes hat begonnen, die Zere­monien des bedeutungslosen Septennatswechsels in der Präsidentschaft der Republik sind vorbei. Und die großen Intrigen um die Regierung sind wie­der da. Allerdings zeigen sie heute ein ganz an­deres Gesicht, in der Opposition gegen Daladier steht heute selbst die Linke nicht mehr geschlossen da. Das war sie allerdings auch im Herbst und über­haupt nicht, seit die ganze französische Innenpolitik im wesentlichen zu einem erbitterten Streit um den außenpolitischen Kurs der Regierung geworden ist. Aber seitdem hat Daladier diesen Kurs sichtlich ge­ändert, und damit haben sich auch bei der Oppo­sition neue Fronten gebildet.

Als Daladier dem Rate Bonnets folgend im September die Politik der Münchener Ak­korde praktizierte, stand, von einigen eingeschwo­renen Russenfreunden und Deutschlandfeinden der Rechten abgesehen, nicht nur das ganze Bürgertum geschlossen hinter ihm, sondern auch der rechte, re­formistische Flützel der Gewerkschaften, die große Masse der Pazifisten unter den Gruppen der äußer­sten bürgerlichen Linken und unter den Sozialisten, und grotesker Weise auch die ultra-linken Gruppen der Trotzkisten, Anarchisten und sonstiger kommunistischer Splittergruppen, während das Gros der zur Moskauer Linie stehenden Kommunisten, gefolgt von einer Minderheit der Sozialisten und einigen Außenseitern von Daladiers eigener Partei, den Nadikalsozialisten, den Kampf gegen ihn auf­nahmen.

Doch änderten die erbitterten Polemiken zwischen denMunichois" und denAnti-Munichols" solange nichts an den Dingen, bis im Laufe des Winters auf einmal ein Teil der Rechten einen Stellungswechsel vollzog und sich auf eine gegen Deutschland und Italien gerichtete Po­litik umstellte. Wenn man die Ursachen dieses Kurs­wechsels untersucht, der lange vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag erfolgte, wenn er mach außen auch erst dann sichtbar wurde, so zeich­nen sich drei ausschlaggebende Kreise ab: die katholischen Kreise, die mit der Liquidation des spanischen IBürgerErieges ihre in Frankreich traditionelle antideutsche Linie wieder aufnahmen, die jüdische Hochfinanz, die namentlich auf dem Wege über das Haus Rothschild maßbebenden Einfluß auf die französischen Banken besitzt, und die französische S ch w e r i n d u st r i e, die lange Zeit für eine Verständigung mit Deutschland eintrat, aber schließlich ihrer Rüstungskonjunktur nicht die politische Grundlage und damit die wirtschaftliche , Basis ihrer Existenz entziehen wollte. Daladier paßte sich der Umstellung schnell an und geriet in der Folgezeit ganz unter d e n Einfluß des Militärs. So ist die Situation noch heute. In Konsequenz dieses Kurswechsels hat sich nun Dala­dier die Gegnerschaft aller Pazifisten der Linken auf den Hals gezogen. Die Bundes­genossen von München sind heute seine unbarm­herzigsten Widersacher, während umgekehrt der pro- russische Teil der Linken, vor allem der Blum- Flügel der Sozialisten und die Linksradikalen ihre Opposition gegenüber dem Kabinett sichtlich dämp­fen. Solange diese Uneinigkeit in den eigenen Rei­hen der Opposition weiter besteht, hat das Kabinett nicht viel zu fürchten.

Die innere Krise der Sozialisten, dieser größten Partei Frankreichs und eigentlichen Seele seiner Linken, ist in dauerndem Wachsen. Die Partei treibt immer deutlicher einer unvermeid­lichen Spaltung zu. Nachdem bereits im vergange­nen Jahre der äußerste linke Flügel der Partei sich obgesplittert hat, stehen sich jetzt innerhalb der S.F.J.O dieMunichois" undAnti-Mumchois in zwei fast gleich starken Blöcken gegenüber. Die .Munichois", die für die schärfste Opposition gegen die Militär-Politik Daladiers eintreten, für eine friedliche Regelung" der internationalen Konflikte und grundsätzlich gegen den Krieg sind, werden ge­führt von dem permanenten Generalsekretär der jozialistischen Partei, Paul Faure Er knüpft mit dieser Politik wieder an an seine Haltung wah­rend des Weltkrieges, wo er als einer der ersten Sozialisten Frankreichs gegen die Knegspolltlk Poincares und Clemenceaus auftrat und auf Ab­schluß eines Kompromiß-Friedens drängte, genau io wie er sich in den ersten Nachkriegsjahren zum Agitator gegen die französische Rüstungsindustrie Ipezialisierte. Der kleine erregbare Mann aus dem Süden mit seinem olivenbraunen Teint, den großen dunklen Augen und den silbrigweißen Haaren war lange Jahre derschöne Mann" der Partei, der leine Dogmen mit Elan und Leichtigkeit tn die herzen der französischen Frauen hlnemredete und Don Juan genug war, um von der Anbetung, t>ie ihm entgegengebracht wurde, so reichlich zu profitieren, daß es mehr als einmal zu amüsanten Skandalprozessen der von dem amoureufen sozia­listischen Generalsekretär betrogenen Ehemänner

Heute ist Paul Faure das viel umfämpfte Haupt des pazifistischen Flügels seiner Partei. Wenn er auch von den seltsamen Formu- lierungen seiner Gesinnungsgenossen Le Bail uno 3'Heveder:Lieber die Knechtschaft als den Krieg!" zurückscheut, so hat er doch neulich erst in einer Wählerversammlung erklärt:Djibouti i|t nicht die Knochen eines einzigen Weinbauern der Jourgogne wert!" Der bevorstehende Kongreß tar Partei wird zeigen, ob sich für solche Thelen

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