Aus der Stadt Gießen.
Schutz öen Zrühlingsviumen'
LPD. Von den Sonntagsausflügen werden jetzt oft ganZe Büsche von Frühlingsblumen mitgebracht, die oft rasch verwelken und dann im Eisenbahnabteil liegen gelassen werden. Diese finnlose Massen- vernichtung von Blumen und Blüten ist unverantwortlich. Die angeblichen „Naturfreunde" sollten bedenken. daß alle Blumen, die gepflückt werden, sich nicht mehr durch tarnen vermehren können, und daß das allmähliche Aussterben vieler Pflanzenarten in den Kulturländern hauptsächlich auf solchen Pflücker-Massenwahn zurückzuführen ist.
Die davon Besessenen sollen aber auch wissen, daß sie sich st r a f b a r machen, wenn auch die Blumen nicht namentlich in den Naturschutzverord- nunaen aufgeführt sind, weil alle Pflanzen gegen mißbräuchliche Nutzung geschützt sind. Endlich aber widerspricht ein solches Verhalten in höchstem Maße dem Geist des Nationalsozialismus. Denn diese schönsten Gaben unserer Natur sollen der Volksgemeinschaft dienen und allen Freude bringen. Jeder, der in so sinnloser Weise Massenmord an den Blumen begeht, um sie in seinen vier Wänden nur allzu rasch welken, zu sehen, raubt allen anderen einen Naturgenuß. Deshalb kann gegen solch Gedankenlosigkeit und Raffgier gar nicht scharf genug vorgegangen werden. Jeder, der sich nod) die Freude an Frühlingspflanzen dort, wo sie hingehören, nämlich in Wald und Wiese, bewahrt hat, sollte diese Gedankengänge weiterverbreiten und damit einer ersten und selbstverständlichen Forderung des Naturschutzes, soweit es an ihm liegt. Genüge leisten.
Dornotizen.
Tageskalender für TNonlag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Menschen vom Variete". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gefährliche Mitwisser". — 19.30 Uhr im Cafe Leib: Gas-Backabend. — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr, Ausstellung hiesiger Künstler im Turmhaus am Brand.
Zührertagung des Sturmbannes 1/83. ^-Standarte. Am Samstag und Sonntag fand in Wetzlar in der Gaststätte Heger eine Führer- und Sachbearbeiter-Tagung des Sturmbannes 1/83. ^-Standarte Gießen statt, an der die Stürme Gießen, Wetzlar, Hungen und Friedberg beteiligt waren.
Am Samstagabend wurde die Tagung durch den Führer der 83. ^-Standarte Gießen, ^-Obersturmbannführer Frosch, eröffnet, der in seinen Ausführungen insbesondere die Ausgestaltung der Arbeit in den Einheiten aufzeigte. Diese müsse vor allem auf das Gemeinschaftserlebnis ausgerichtet fein, welches über den allgemeinen Dienstbetrieb hinaus auch auf den Alltag übertragen werden muß. Dazu gehört als wesentliche Voraussetzung die Pflege der Sippengemeinschaft untereinander. Aus diesen ge- meinschqftlichen Erlebnissen wird dann die Haltung erwachsen, die jeden U-Mann überall im Leben den rechten Platz einnehmen läßt. Anschließend an den Standartenführer sprachen die verschiedenen Sachbearbeiter über ihre Arbeitsgebiete. Ein kameradschaftliches Beisammensein schloß den anregenden Arbeitsabend.
Am Sonntagmorgen führte der 2. Sturm (Wetzlar) als Mustersturm sowohl Ausbildungsdienst, als auch Schulungsdienst vor. In der vom Führer des I. Sturmbannes, ff - Obersturmführer Stastny - Hain, durchgeführten anschließenden Besprechung wurden die Beobachtungen für die weitere Arbeit in den Stürmen ausgewertet.
Nach dem gemeinsamen Eintopf besichtigten die Tagungsteilnehmer die Buderus-Werke in Wetzlar, die entgegenkommender Weife eine Besichtigung ermöglicht hatten. Die Teilnehmer gewannen so einen wertvollen Einblick in das Schaffen der bedeutsamen Schwerindustrie.
Führer der HI., die in enger Zusammenarbeit mit der ff stehen, nahmen als Gäste unter Führung des Bannführers Rohrbach teil.
Erster Appell der Freiwilligen Feuerwehren Groß-Gießen.
Am Samstagabend traten die jetzt zum Stadtkreis Gießen zusammengeschlossenen Freiwilligen Feuerwehren Gießen, Wieseck, Klein-Linden an der Feuerwache an, um gemeinsam, vorweg die Spielmannszüge Gießen und Klein-Linden, zum Appell auf den Schiffenberg zu marschieren. Der Marsch führte vom Oswaldsaarten, Seltersweg, Ludwigs- platz, Schiffenberger Weg, von wo die Geräte zur Feuerwache zurückgebracht wurden, während die Feuerwehrmänner zum Schiffenberg marschierten.
Auf dem Schiffenberg fand dann der erste Appell der Feuerwehren von Groß- Gießen statt. Hauptbrandmeister Koch meldete dem Führer der Gießener Wehren, Brandingenieur Lenz, die angetretenen Feuerwehren Gießen, Wieseck, Klein-Linden.
Brandingenieur Lenz begrüßte die Kameraden und hieß alle im Verband des Stadtkreises Gießen willkommen. In seiner Ansprache führte er u. a. aus: Durch die Eingemeindung Wiesecks und Klein- Lindens in die Stadt Gießen hat sich der Zusammenschluß dieser Freiwilligen Feuerwehren ergeben. Wir alle als Angehörige dieser Wehren werden zusammengeführt zur gemeinschaftlichen Arbeit für Volk und Vaterland. Diese Arbeit muß fruchtlos bleiben, wenn sie nicht aufgebaut ist auf selbstlosem Einsatz in treuer, aufrichtiger Kameradschaft. Kameraden, wo der Einsatz auch des allerletzten Volksgenossen gebraucht wird, in den Tagen der wuchtigsten Auferstehung eines vormals bis zum Tode geknechteten Volkes, wird von uns ebenfalls der Einsatz mit aller Kraftanstrengung verlangt. Persönliche Interessen stehen hier zurück. Ihr müßt das Volksgut vor Feuer und Wasser schützen. Ihr helft überall, Gut und Besitz erhalten. Dies war schon immer für euch eine selbstverständliche Pflicht nach dem Grundsatz: „Einer für alle, alle für einen." Es ist für uns ein erhebendes Gefühl, daß Eigen
tum der anderen zu schützen. Kameraden, dieses Vertrauen ist für uns Verpflichtung. In treuer Kameradschaft, gepaart mit stahlharter Pflichterfüllung, wollen wir zusammenstehen, gefestigt zu einer Einheit, die allezeit bereit ist, zum letzten Einsatz für Führer, Volk und Vaterland.
Hierauf nahm Brandingenieur Lenz die Beförderungen in den Wehren vor. Es wurden befördert in der Freiwilligen Feuerwehr Gießen: zum Löschmeister der Oberfeuerwehrmann Wilh. Melchior, zu Oderfeuerwehrmännern die Feuerwehrmänner Franz Adam, Otto Christner, Heinz Dölle, Alfred Gottwald, Adolf Hauffmann, Karl Heimes, Karl Kraft, Ludwig Kreuter, Hans Leuning, Mathias Mandler, Martin Marx, Willi Ockel und Adolf Thielrnann; in der Freiwilligen Feuerwehr Wiefeck: zu Oberfeuerwehrmännern die Feuerwehrmänner Wilhelm Bernhardt, Heinrich Deibel, Wilhelm Kramer, Christian Kreiling und Otto Schomber; in der Freiwilligen Feuerwehr Klein-Linden: zum Löfchmeister der Oberfeuerwehrmann Paul Müller, zu Oberfeuerwehrmännern die Feuerwehrmänner Erich Drolsbach, Ernst Pfaff und Karl Jung VI.
Mit dem Gruß an den Führer und den Nationalliedern fand der Appell fein Ende.
In den Räumen des Schiffenbergs hatten sich mittlerweile die Angehörigen der Feuerwehrmänner eingefunden, die von Brandingenieur Lenz begrüßt wurden. Dem seitherigen Dezernenten für das Feuerlöschwesen, Bürgermeister Prof. Dr. H a m m , wurde zu feinem Abschied als Anerkennung für feine der Feuerwehr stets erwiesene Hilfsbereitschaft ein Gruß- und Danktelegramm geschickt, das von den Versammelten freudig ausgenommen wurde. Den Abschluß des Abends bildete ein kameradschaftliches Beisammensein, bei dem auch Gesang und Tanz zu ihrem Rechte gekommen waren.
Gaukulturwoche Kreis Wetterau
„Feierstunde deutscher Meister" in Annerod.
Innerhalb der Gaukulturwoche des Kreises Wetterau findet am 12. Mai, 20 Uhr, in Annerod eine „Feierstunde deutscher M e ist e r" statt, die dem Gedenken Ulrich von Huttens gewidmet ist. Sie wird, gestaltet durch die örtliche Hitler- Jugend, die SA. und eine Werkscharkapelle. F. A. Schmidt liest aus den Werken Ulrich von Huttens. Die Würdigung der Dichterpersönlichkeit Huttens erfolgt in Form von Wechselreden zwischen. einem Einzelsprecher und einem Chor. Dann liest F. A. Schmidt ein Kapitel aus dem Buche Will Vespers „Die Wanderung des Herrn Ulrich von Hutten". Huttens Kampfgedicht in deutscher Sprache „Ich hab's gewagt mit Sinnen" wird in der Vertonung von Hans Knab dann von einem Chor vor getragen. Anschließend spricht Pg. Rüsfer. Mit der Beschwörung des Dichters aus dem mittelalterlichen Raum in unsere heutige Gegenwart endet dann die Feierstunde, die in Verbindung mit der NS.-Ge- meinschast „Kraft durch Freude", Deutsches Dolks- bildungswerk, durchgeführt wird.
NGOAp. Ortsgruppe Gießen-Ost.
Am Montag, 17. April, findet im Singsaal des Realgymnasium-s (Langemarckfchule), Ludwigstr. 11, ein Schulungsabend für alle Führer und Führerinnen, Walter und Warte der Partei, ihrer Gliederungen Und angefchlossenen Verbände der Ortsgruppe Gießen-Ost statt. Beginn 20.30 Uhr. Erscheinen ist Pflicht!
Frühjahrsgeländelauf des BdM.
In der ersten Hälfte des Monats April fand in unserem Untergau der Frühjahrsgeländelauf statt. Allen Gruppen, die sich mit mindestens 70 v. H. daran beteiligt haben, wird eine Urkunde verliehen. Dieser Waldlauf gilt als Auftakt für die sportliche Tätigkeit im Sommerhalbjahr, die, wie alljährlich,
neben Fahrt und Lager wieder im Vordergrund steht.
Der BOM. zeichnet die
400 Kreissiegerinnen desNBWK. aus
NSG. In den vergangenen Wochen ging an die 400 heffen-naffauischen Kreissiegerinnen aller Berufssparten und Fachklaffen im Reichsberufswettkampf ein Schreiben der Obergauführerin Elfe Riefe, das neben der Belobigung für den Einsatz im Reichsberufswettkampf als Anerkennung die kostenlose Teilnahme an der Hessen-Nassau-Fahrt des Obergaues enthielt. Die 50 Gaustegerinnen werden als schönsten Lohn für Mühe und Anstrengung in diesem Sommer an einer Großfahrt teilnehmen.
Wenn sich der BDM. in dieser großzügigen. Weise an der Siegerförderung der RBWK.-Besten beteiligt, so will er damit zunächst den Mädel aus feinen Reihen den Stolz zeigen, mit dem er ihre guten und sehr guten Leistungen würdigt. Gleichzeitig aber bietet er damit tüchtigen, jungen Menschen, die ihr Können und den Willen zu besonderen Leistungen — nicht nur im Rahmen des Reichsberufswettkampfes, sondern im tägliches Einsatz an der Arbeitsstelle — beweisen konnten, die Möglichkeit 3U Erholung und Ausspannung. In froher Gemeinschaft von Kameradinnen werden die Kreis- fiegerinnen zehn sorgenfreie Tage in deck landschaftlich schönsten Teilen unseres Gaues verbringen. Dankbar werden unsere Mädel bereit sein, sich in weiterem Einsatz die Auszeichnung der Obergauführerin zu verdienen.
Ehrungen bei der Reichsbank.
Dem Reichsbanksekretär Wilhelm Haas und dem Reichsbankobßrzählmeister Wilhelm Becker wurden vom Führer das Silberne Treudienst-Chren- zeichen für 25jährige Dienstzeit verliehen. Die lieber« reichung fand in würdiger Form durch den Behördenleiter statt.
Muttertag immer am dritten Sonntag im Mai.
Da in der Öffentlichkeit noch verschiedentlich Mißverständnisse über den Termin des Muttertages bestehen, wird von zuständiger Stelle nochmals darauf hingewiefen, daß der Muttertag künftig einheitlich jeweils auf den dritten Sonntag im Mai, in diesem Jahre also auf den 21. Mai, fällt.
Kreisfeuerwehrverband Gießen.
Im „Burghof" fand am Samstagmittag eine Sitzung des Führerrates des Kreisfeuerwehroer- bandes statt. Kreisfeuerwehrführer Bouffier gab zunächst verschiedene eingegangene Anweisungen und Bestimmungen bekannt. Hierauf erstattete Kamerad Rohrbach (Lollar) den Kassenbericht und den Dermögensnachweis. Weiter legte er den Voranschlag für das neue Rechnungsjahr vor. Der von den Kameraden Schwabe (Lollar) und Erb (Lich) geprüfte Kassenbericht wurde vom Führerrat genehmigt. Sodann sprach Kreisfeuerwehrführer Bouffier über die Vorbereitungen für den Landesfeuerwehrtag am 17. und 18. Juni in Neu- Jfenburg. Da in diesem Jahre der Kreisfeuerwehr- taa ausfällt, find alle Wehren des Kreises verpflichtet, auf dem Landesfeuerwehrtag in Neu-Isenburg mindestens mit der Hälfte aller aktiven Feuer- wehrmäner anzutreten. Nachdem noch weitere ge- schäflliche Angelegenheiten erledigt waren, konnte der Kreisfeuerwehrführer die Sitzung in üblicher Weise schließen.
Kameradschaft ehem. Leibgardisten.
Ingenieur i. R. Heinrich Stein, Bergstraße 5, und Telegrapheninspektor Karl Strack, Löber- straße 13, erhielten in Würdigung ihrer der Kameradschaft ehemaliger Leibgardisten in Gießen geleisteten Dienste von dem Reichskriegerführer das Ehrenzeichen 2. Klasse des NSRKB. verliehen, lieber« reicht wurde es ihnen bei der Monatsoersammlung der Kameradschaft ehemaliger Leibgardisten durch den Kameradschaftsführer, der ihnen hierbei die Glückwünsche des Reichs- und Kreiskriegerführers übermittelte, ihnen anerkennende Worte widmete und sie aufforderte, in alter Treue ihre Kräfte weiter zur Verfügung zu stellen und so, dem Willen des Führers entsprechend, auch in dieser Art am Auf- und Ausbau unseres Vaterlandes mitzuhelfen.
Kameradschaftsappell ehem. 416er.
Am Samstag hielt die Kameradschaft ehem. 116er im „Auerhahn" ihren Monatsappell ab, bei dem Kameradschaftsführer Hans Bill auch Vertreter des aktiven Regiments begrüßen konnte. Wie der Kameradschaftsführer mitteilte, stellt die Kameradschaft anläßlich der militärischen Feier des Standorts Gießen zum Geburtstag des Führers eine Ehrenabordnung, die zugleich zum ersten Male die neue Fahne des NS.-Reichskriegerbundes mitführen wird. Die 116er marschieren vom „Schützenhaus" aus mit. Auch am NS.-Reichskriegertag vom 2. bis 5. Juni in Kassel nimmt eine Abordnung der Kameradschaft teil. Es ist beabsichtigt, mit den in Kassel wohnenden Angehörigen der Kameradschaft zusammenzutreffen. •
lieber die Tagung der Schießwarte des Kreises, bei der die neuen Richtlinien für die Beteiligung am Schießsport ausgegeben worden waren, berichtete Schießwart Heinrich Kern. Kamerad Kern hat bei dem anschließend an die Tagung abgehaltenen Preisschießen den ersten Preis errungen. Am Schienen haben sich alle Kameraden zu beteiligen, weil Schießdienst Pflicht ist.
lieber die sozialen Einrichtungen berichtete Käme» rad A l b o l d , der auf die Möglichkeiten zur Unterstützung bedürftiger Kameraden aus dem Fonds der alten ,„Hassia" und zur Inanspruchnahme der Erholungsheime des NSRKB. hinwies. Wie er mit« teilen konnte, hat sich die Kameradschaft für einige bedürftige Kameraden erfolgreich einsetzen können.
Nachdem noch einige organisatorische Fragen besprochen worden waren, gab Kameradschaftsführer Hans B i l l Eindrücke aus der Schlacht von Anloy, in der die 116er die größten Verluste erlitten hatten. Die Schilderung feiner Erlebnisse wurde verschiedent- lich ergänzt. Aus der Kameradschaft kam die An-
Eine Fwu mit Herz I
Roman von Hedda Lindner
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin
4 Fortsetzung. (Nachdruck verboten )
Als sie auf der Straße standen, wußte Herr Furrer offensichtlich nicht recht, was er mit dieser neuen „Um-sieben-Ecken-Verwandtschaft" anfangen sollte. „Ich habe mich mit meiner Frau und meinem Bruder verabredet, die natürlich gern wissen wollen, was los ist", sagte er etwas verlegen. „Ich weiß nicht, ob Sie —"
„Ö nein, gewiß nicht", unterbrach Dina hastig. „Das heißt, jetzt nicht, später natürlich gern", verbesserte sie sich höflich. „Jetzt möchte ich am liebsten irgendwo ganz allein sein", setzte sie aufrichtig hinzu.
„Das kann ich verstehen", Herr Furrer überlegte. „Kennen Sie das Löwendenkmal?"
Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin 3um ersten Male in Luzern."
"So. Na, dann würde ich ihnen raten, es sich anzusehen. Es lohnt sich wirklich. Das heißt, wenn man allein ist. Wenn die Fremden mit ihren Kameras herumstehen und sich jeder zweite mit dem sterbenden Löwen im Hintergrund der Nachwelt überliefert, dann ist es schlimm. Aber jetzt im September und zu Mittag, da können Sie Glück haben. Da wäre es vielleicht gerade das, was Sie brauchen. Dort, gleich links die Straße entlang — gar nicht zu verfehlen."
„Vielen Dank."
„Und alsdann — wenn Sie mal nach Zürich kommen —"
„Werde ich mich gerne melden."
Sie schüttelten sich freundschaftlich die Hände, und dann ging Dina den ihr bezeichneten Weg. Sie hatte tatsächlich Glück: der Fremdenstrom, der sonst durch lärmende Bettiebsamkeit den Eindruck der Stätte stört, fehlte. Nur der Aufseher stand wie immer am Eingang.
Dina ließ sich aufatmend auf die Bank sinken die dem Denkmal gegenüber stand. Sie nahm den Hut ab und legte ihn neben sich; erst jetzt fühlte sie, wie heiß und erschöpft sie war.
Dann hing ihr Blick an Thorwaldsens Meisterwerk. In ergreifender Majestät hob die Gestalt des sterbenden Löwen sich ans der Felswand. Der kleine Teich im Vordergrund bildete in seiner friedvollen Stille einen wirkungsvollen Gegensatz zu
dem düsteren Ernst des Denkmals. Wasserrosen trieben mit geöffneten Kelchen auf der tiefgrünen Fläche, flirrende Libellen schossen eilig auf und nieder, leise zwitscherten die Vögel, in den kleinen Kiosken des Hintergrundes rührte sich nichts, und der Aufseher am Eingang lehnte so regungslos an der Mauer, als sei er ein Teil von ihr geworden.
Wie lange Dina so gesessen hatte, wußte sie nicht. Sie war Herrn Furrer dankbar, daß er sie hierher gewiesen. Nach den Aufregungen der letzten Tage empfand sie die wohltuende Ruhe der Umgebung als seelische und körperliche Erholung. Sie beugte sich etwas vor und versuchte die Inschriften zu entziffern. So — ler — ti — ami — co — rum buchstabierte sie langsam. Amicorum — das hatte sicher etwas mit ami = Freund zu tun, überlegte sie und damit sprangen ihre Gedanken wieder ab. Freund, Freundschaft — hatte sie eigentlich jemals Freunde gehabt, wirkliche Freunde, nicht nur, was man gesprächsweise so nennt. Sie schüttelte unwillkürlich den Kopf. Bekannte, ja, Bekannte hatte sie, mehr als genug, besonders während der kurzen Zeit ihrer Ehe. Joe hatte immer eine Unmasse Menschen, die er seine Freunde genannt, herangeschleppt; aber nadj kurzer Zeit waren sie alle wieder in der Versenkung verschwunden, um neuen Fremden Platz 3U machen. Dina hatte vor diesen Leuten eigentlich immer etwas Angst gehabt: Sie waren so sicher und so laut gewesen, hatten ununterbrochen geredet. Aber Joe hatten sie gefallen. Joe, ihrem Manne, der eigentlich auch ihr Freund hätte sein müssen und sie doch verraten hatte, als eine andere ihm besser gefallen hatte. Eine von der Art dieser Daisy Davis war es gewesen. Sie hatte ihn freigegeben, Claudine Wegner hätte einen Mann, dem eine andere mehr bedeutete, niemals gehalten. Nur das Herz, das war nicht so stolz, das hielt im geheimen immer noch an dem Manne fest, der ihre erste und einzige große Liebe war, obwohl er es wahrlich mcht verdiente; denn als die Scheidung ausgesprochen war, stellte es sich heraus, daß auch Dinas kleines Vermögen vertan, verspielt war.
Nein, ein Freund war er nicht gewesen, aber heute hatte sie erfahren, was Freundschaft ist. Es war die Freundschaft einer Toten. Aus den ein« lachen Worten des Testamentes hatte ein Verstehen gesprochen, wie nur gemeinsames Schicksal es geben kann. Daß diese unbekannte Verwandte mit ihrem Gelde zugleich dieses Verstehen gab, bas war das schönste und das Größte daran.
*
Es war tatsächlich ein Zufall, daß der erste Flug- leiter von Biringen in dem Augenblick die kleine Vorhalle kreuzte, in dem Dina nach erfolgter Zoll
abfertigung durch eben diese Halle ins Restaurant gehen wollte. Er erkannte sie sofort — sie trug außerdem dasselbe Kostüm — und grüßte höflich. Sie dankte mit dem gleichen Lächeln, das ihm schon vor drei Tagen so gut an ihr gefallen hatte, und dieses Lächeln war schuld, daß er bei ihr stehenblieb. „So bald schon wieder zurück, gnädige Frau?"
„Ja. Ich habe wenig Zeit und außerdem alles erledigt — vorläufig wenigstens."
„Hoffentlich hat sich der Zwischenfall hier nicht als böse Vorbedeutung erwiesen."
„Im Gegenteil", sagte Dina lebhaft, „mein Leben hat sich durch diese Reise ebenso überraschend wie erfreulich geändert."
Er sah sie prüfend an. Ihr Gesicht- hatte einen frohen Schein, es fehlte der resignierte Zug, der neulich da war. Aber das war schließlich unter den Umständen kein Wunder gewesen. Dennoch — sie war unstreitig verändert. Ob sie sich verlobt hat, dachte er und war sich selbst nicht klar über das leise Unbehagen, das er bei diesem Gedanken empfand, denn eigentlich ging die Frau ihn doch nicht das geringste an.
„Darf man zu dieser Veränderung gratulieren?" fragte er etwas steif.
„Und ob Sie das dürfen. Ich habe eine Erbschaft gemacht", fügte sie strahlend hinzu.
Also das war es! „Oh, da gratuliere ich aber wirklich", sagte er ^aufrichtig, „doch sicher eine Erbschaft, mit der Sie nicht gerechnet hatten?"
„Nein, weiß Gott nicht. Es ist mir manchmal noch, als ob ich träume, und dann habe ich Angst, wieder aufzuwachen."
Sie ist so natürlich, dachte Holk weiter, das ist es auch, was ihr Lächeln so anziehend macht. Sie gefällt mir wirklich gut. Eigentlich wäre es meine Pflicht, den schlechten Eindruck von Biringen etwas zu verwischen. (Das war zwar Unsinn, aber darauf kommt es in einem solchen Fall schließlich nicht an.) „Wenn Sie nach Berlin wollen, haben Sie eine sehr ungünstige Verbindung genommen", sagte er, "Zwei Stunden Aufenthalt. Das durchgehende Flugzeug fliegt morgen."
"Ich weiß", nickte bi na. „Aber ich konnte nicht eher; ich hatte heute vormittag noch in Zürich zu tun, und wenn ich um 7 Uhr in Berlin bin, ist es früf) genug. Die zwei Stunden jetzt werben auch vorübergehen. Ich sehe mir ganz gern bas Leben auf dem Flugplatz an, nur schade, daß ich so wenig davon verstehe." .
„Wenn es Sie interessiert, will ich mich auf eine halbe Stunde frei machen und Ihnen den Betrieb etwas erklären", hakte er prompt auf das Stichwort
„Das wäre wirklich nett von Ihnen", sagte Dina erfreut. Sie fand diesen Mann ebenfalls sympathisch und hatte außerdem nicht vergessen, daß sein Eingreifen ihr die peinliche Körperuntersuchung erspart hatte.
„Vielleicht suchen Sie inzwischen einen Platz, ich komme in spätestens einer Viertelstunde und leiste Ihnen Gesellschaft."
„Also, auf nachher."
Er fand Dina an einem Tisch im Freien. „Ist es Ihnen nicht zu kühl?"
„Gar nicht, es ist herrlich in der Sonne. Man sollte heute den Schneesturm von neulich nicht für möglich halten."
„Es war wohl ziemlich ungemütlich", meinte er lächelnd.
„Danke, es reichte. Wenn ich auch Gott sei Dank nicht luftkrank werde — es ist kein Vergnügen, das Leiden der anderen zu sehen — ober zu hören."
„Das kann ich verstehen. Fliegen Sie oft?"
„Früher bin ich ein paarmal geflogen, aber in den letzten Jahren konnte ich es mir nicht leisten. Was ist das für ein Flugzeug?" fragte sie neugierig, und zeigte auf eine Maschine, die gerade zum Start rollte. „Ich dachte, Stoffbespannung gibt es heute überhaupt nicht mehr?"
„Doch, die ,Dragon 68' hat sie noch. Die Engländer sind eben konservativ. Dort kommt das Genfer Flugzeug", er wies auf eine Maschine, die im Landen begriffen war. „Das ist eine ,Douglas'."
„Fabelhaft interessant. Ich könnte den ganzen Tag hier sitzen."
Er lächelte über ihre Begeisterung. „Ich freue mich, daß Biringen nicht allzu schwarz in Ihrer Erinnerung bleiben wird."
„Ach so. Aber wenn dieser Zwischenfall nicht gewesen wäre. säße ich jetzt hier einsam und allein und hätte niemand, der mir alles erklärt."
Er machte eine Verbeugung. „Wenn Sie es fo auffassen — vielen Dank."
Beide lachten. „Hat man eigentlich noch was entdeckt?" erkundigte sie sich.
Er zuckte die Achseln. „Die Züricher Fahndung war leider erfolglos, aber man scheint mit der Frau doch ein wichtiges Mitglied der Bande gefaßt zu haben."
Dinas Augen wurden groß. „Eine ganze Bande?"
„Und was für eine! Kommissar Böninger t)at mir allerhand darüber erzählt. Stellen Sie sich vor, daß ein Mann den Juwelendiebstahl aufzieht wie. ein anderer ein Gefchäftsunternehmen. So mit Filialen und allem, was dazu gehört."
„Sie machen Spaß", lächelte fie ungläubig.
(Fortsetzung folgt)


