Ausgabe 
17.4.1939
 
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Montag. U.AprttMY

Ur. 89 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

an

Deutscher Chirurgen-Kongreß in Berlin

Erfolgen? Wenn von 60 v. H. Dauer- erzeuge, sprochen wird, so muß dabei berücksich-1

Heilungen gcs

kann ein

Der dritte Tag des Deutschen Chirurgen- Kongresses in Berlin befaßte sich mit den Magen- und Darmgeschwüren, über die Professor Fromme -Dresden ein Bortrag hielt. Durch den Umstand, daß das Magen- und Darm­geschwür die Neigung zeige, nach einiger Zeit ab­zuheilen, dürfe man sich nicht' täuschen lassen. Denn es bilde sich neben der Narbe des verheilten Ge­schwüres ein neues Geschwür und der ganze Krank- heitsprkKsß beginne von vorne. Auch bilden die Narben den Ausgangspunkt für Krebs. Die ope­rative Behandlung der Geschwüre gehe entweder auf die radikale Entfernung des Geschwürs und der Narben, bei gleichzeitiger starker Verkleinerung Les Magens von dem manchmal 4/s entfernt werden aus, oder stelle einen neuen Weg für den Speisedrei her.

Daß Tuberkulose, Lucs und Krebs die drei großen Geißeln der Menschheit find, ist allge­mein bekannt. Professor König (Würzburg) zeigte in seinem VortragChirurgie und Krebsbekämp­fung" mit einopi geschichtlichen Rückblick, daß seit 1859, als die Meinung vertreten wurde, das Mes­ser gebe nur eine vorübergehende Hilfe, bis 1889 in systematischer Arbeit von der Chirurgie durch ver­besserte Methoden ein ansehnlicher Erfolg erzielt worden ist. Noch ganz anders heute! Als die ersten

Operationen wegen Magenkrebs vorgenommen wur­den, da waren es 10 v. 5). der Kranken, an denen dieser Versuch zur Rettung unternommen wurde, jetzt sind es 40 bis 50 v.H. Bei Mastdarmkrebs werden 50 v. Sy der Erkrankten operiert, und von dem gefürchteten Bruftcarcinom der Frauen werden heute 90 v. 5). als operabel angesehen. Wie steht es mit den Erfolgen? Wenn von 60 v. H. Dauer-

Um nun auch die eigenen Erfahrungen aufzube­wahren und Rezepte erfahrener Berater etwa hausfraulicher Zeitschriften und tüchtiger Freundin­nen stets rechtzeitig zur Hand zu haben, emp­fiehlt sich die Anlegung einerK o ch k a r t e i", einer kleinen Kartothek mit Kochanweisungen für den eigenen Haushalt. Und diese Kartei wird um so wertvoller sein, je mehr sie das berücksichtigt, was auch die modernen Kochbücher in den Mittelpunkt ihrer Vorschläge und Rezepte stellen: die Ermitte­lungen der Ernährungswissenschaft und der Volks­wirtschaft! Denn sie helfen der umsichtigen und ein­sichtigen Hausfrau dabei, schmackhafte Speisen mit höchstem Nährwert bei billigsten Gestehungskosten

fieren und konservieren. Bei der Ernährung von Kindern, Kranken und Greisen spielt in China, in Japan und im ganzen Fernen Osten Sojamilch eine bedeutende Nolle.

Ja, sogar die Viehzucht wird mit Hilfe der Milch, deren Gestehungspreis sehr niedrig ist, weit wirtschaftlicher gestaltet. Hierbei kommt noch als besonderer Vorteil in Betracht, daß durch Ernäh­rung der Kälber mit Sojamilch in 90 v. H. der Fälle die Rindertuberkulose verhindert wird. In China wird niemals Kuhmilch oder die Milch anderer Tiere, sondern ausschließlich Sojamilch getrunken.

Die Sojapflanze ist äußerst fruchtbar. Man erntet biszuZOO Bohnen pro Quadrat fuß und der Ertrag pro Hektar ist demjenigen unserer Boh­nen weit überlegen.

Italien scheint die Bedeutung der Sojabohne er­kannt zu haben, denn seit einer Reihe von Jahren werden in den Kliniken von Turin, Bologna, Genua, Padua und Florenz Versuche mit der Er­nährung von Kleinkindern durch Sojamilch gemacht. Was die Erforschung des Nutzwertes der Soja be­trifft, steht jedoch Deutschland an erster Stelle.

Man kann aus der Sojabohne ein ganzes Mittagessen zusammen stellen. Ein Versuch die­ser Art, der vor einigen Jahren in Frankreich un­ternommen wurde, ist vollkommen erfolgreich ver­laufen. Die Speisenfolge sah so aus: Sojamilch- suppe, Soja-Schinken-Omelett, Gebackene Soja­fleischschnitten, Geschmorte Sojakeime, Sojakuchen, Sojabiskuits, Sojakonfitüre, Sojakaffee. Das Ganze hat mehreren hundert geladenen Gästen, darunter Aerzten, Botanikern und Journalisten, vorzüglich geschmeckt. LL

schen Reich (ohne das Protektoratsgebiet) müßten normalerweise 23,3 Millionen Menschen im Ar­beitsprozeß stehen. Tatsächlich seien aber 24,7 Mil­lionen in Arbeit, also anderthalb Millionen mehr, als eigentlich im Berufsleben stehen sollten. Däs bedeute, daß jede Reserve an Arbeits­kräften, die vorhanden gewesen sei, ins Berufs­leben gebracht worden fei'. Zur Erfüllung der gro­ßen Aufgaben, die der Führer gestellt habe, würden aber darüber hinaus noch weitere einein­halb Millionen Arbeitskräfte benötigt, eine Lücke, die nur durch Le i st u n g s st e i g e r u n g geschlossen werden könne. Hiernach sei eine sorg­fältige Berufserziehung und Schulung notwendig. Schätzungsweise eine Million der noch fehlenden Arbeitskräfte könnten bereits ersetzt sein, wenn das Millionenheer der ungelernten Arbeiter eine ausreichende Ausbildung genossen hätte und damit eine höhere fachliche Leistung ermöglichte. Es müsse dafür gesorgt werden, daß es in Deutsch­land in einigen Jahren keine ungelernten Arbeiter mehr gebe und jeder deutsche Arbeiter im Bewußt­sein der Welt ganz selbstverständlich ein Fach­arbeiter sei. Das einzige Rüstzeug, das eine solche grundlegende Fachausbildung und dadurch Leistungssteigerung ermögliche, sei das Fachbuch. Wichtigstes Erfordernis sei, daß das Fachbuch m o - ö e r n sei und die neuesten Erkenntnisse enthalte. Ein ganz neuer Weg werde mit der Schaffung einesF a ch t a s ch e n b u ch e s" beschritten, das ein ständiger Begleiter sein solle.

Hochschulnachrichten.

Die Entpflichtung des o. Professors an^der Uni­versität Frankfurt Dr. med. Viktor Schmie­den ist um ein Jahr, bis 31. März 1940, hinaus­geschoben worden. Der nb. ao. Professor Studien­rat Dr. Wilhelm Grebe tritt mit Wirkung vom Sommersemester 1939 an von der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt zur Uni­versität Tübingen über. Der Dozent Dr. Hermann Eichler in Heidelberg wurde mit der Vertretung der neuerrichteten Professur für Zivilrecht im Sommersemester 1939 an der Univer­sität Frankfurt beauftragt.

Diplom-Chemiker.

Neuordnung des chemischen Studiums an den Hochschulen.

Berlin, 15. April. (DNB.) Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat zur Verkürzung der Gesamtausbildungszeit der aka­demischen Berufe auch das chemische Studium vom 1. April 1939 ab reichseinheitlich neu geordnet. Während bisher die Studierenden der Chemie an den Universitäten ihr Studium mit der Do Vorprüfung abschließen mußten, hatten die Chemiestudenten an den technischen Hochschulen die Möglichkeit, ihr Studium mit der Diplom - Jngenieurprüfung abzu­schließen. Diese Regelung entsprach weder dem Sinn einer einheitlichen Studienplanung noch dem Wert des deutschen Doktorgrades. Durch die Neuregelung ist die Möglichkeit gegeben, das Chemiestudium ohne Rücksicht darauf, an welcher Hochschule es abgeleistet wird, durch die chemische Diplomprüfung ab­zuschließen, mit deren Bestehen der akademische Grad eines Diplom-Chemikers erworben wird.

Die Neuregelung läßt der Gestaltung der Che­mikerausbildung weiteste Freiheit. Studien- und Prüfungsordnungen verzichten bewußt darauf, in­nerhalb von sieben Studienhalbjahren eine bestimmte Anzahl von Studiensemestern oder garSemesterpensen" oorzuschreiben. Entscheidend ist vielmehr allein der Ausbildungsgang, der je nach Begabung und Fleiß des einzelnen früher ober später erreicht werden kann.

Die Trauerfeier in Regis-Breitingen.

In Regis-Breitingen verabschiedete der Jndustrie- Ireis Barna 16 Arbeitskameraden des Schwelwerkes der Deutschen Petrvleum-AG., die dem schweren Betriebsunglück zum Opfer gefallen, zu ihrer letzten Fahrt. Der Betriebsführer gab den gefalle­nen Helden der Arbeit den letzten Gruß des Werkes mit. Gauleiter Mutschrnann übermittelte im Namen der NSDAP, des Gaues Sachsen und der sächsischen Regierung sowie des Stabschefs Lutze den Hinterbliebenen die herzlichste Anteilnahme. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley überbrachte die Grüße des Führers und der Partei und versicherte, daß das neue Deutschland die gefallenen Helden der Arbeit und ihre Angehörigen nicht vergessen werde. Das deutsche Volk werde feine Freiheit nur erhal­ten, wenn es Männer und Frauen besitze, die im­mer wieder bereit seien, ihr Leben einzusetzen. Die Männer des Betriebes forderte der Reichsorgani­sationsleiter auf, die Betriebsgemeinschaft noch enger zu schließen.

den seltsamen Titel herauszugeben:Science de la gueule zu gut deutsch:Wissenschaft vom Maule". Sehr viel zierlicher ist der Titel eines Kochbuches von 1702:

Der aus Parnafse ehemals entlaufenen vor- tresflichen Köchin Gemerkzettel, woraus zu er­lernen, wie man 1928 verschiedene Speisen wohl­schmeckend zubereiten soll."

Wiederum weiblicher Autorschaft rühmen darf sich das vielgeleseneLeipziger Kochbuch", das Susanne E g e r i n 1745 bebildert erscheinen ließ. I. K ö n i g s Geist der Kochkunst" gab 1823 der Kunstgelehrte Karl Friedrich von Rumahr neu heraus und schaffte dem klassischen deutschen Werke der Gastro­nomie ein weiteres Leserpublikum. Gastrosophisch ist das Standardwerk aller Verehrer der Kochkunst in weiter Welt:Die Physiologie des Geschmackes" das der Franzose Brill a t - Savarin 1825 zu Druck gab. Daß es unserer modernen Ernäh­rungswissenschaft bereits nahekommt, auch kosmetisch weitblickend ist, möge diese Textstelle zeigen:

Bei den Frauen hat die Neigung zur Fein­schmeckerei etwas Instinktives; denn sie ist der Schönheit günstig. Untersuchungen haben er­wiesen, daß stärkende, zarte und sorgsame Ernäh­rung die äußeren Zeichen des Alters auf lange Zeit hinausschiebt."

Und das ist ja auch bas Ziel jedes Kochens und damit jedes Kochbuches: dem Körper die rechte Er­nährung zu geben, die ihn ausdauernd, leistungs­fähig und jung erhalten soll. W. L.

Stärkste Anspannung des Arbeitseinsatzes.

Berlin, 15. April. (DNB.) Heber die Entwick­lung des Arbeitseinsatzes im März 1939 teilt das Reichsarbeitsministerium mit: Die Zahl der beschäf­tigten Arbeiter und Angestellten (einschl. Kranke) hat sich im Monat März 1939 im Altreich um 73 000 auf 20 610 000 erhöht. Der Arbeitseinsatz war im Berichtsmonat allerorts und in fast allen Wirt­schaftszweigen ä u ß e r st angespannt. Das Mißverhältnis zwischen dem zu bewältigenden Ar- beitsvolumen und den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften wurde immer größer. Während im Vorjahr noch Arbeitslose für den Einsatz zur Ver­fügung standen, ist diese Reserve heute ausgeschöpft. Bei den noch gezählten Arbeitslosen handelt es sich z.T. um sogenannte Fluktuationsarbeitslose, d. h. Personen, die am Stichtag gerade in einem Ar­beitswechsel begriffen sind, z.T. um nichtvermitt- lungsfähige Personen. Eine Wiedergabe der Zahl dieser Arbeitslosen würde daher nur eine Reserve vortäuschen, die praktisch nicht mehr vorhanden ist. Aus diesem Grunde wird künftig von einer Ver­öffentlichung der Arbeitslosenziffern in der Presse abgesehen. Auch sonstige Personengruppen, die als Arbeitsreserven in Betracht kommen, wie z. B. Frauen, die noch nicht ober nicht mehr als Ar­beiterinnen tätig waren, Selbständige aus Handwerk und Handel, Heimarbeiter, Rentner, mtt- bclfenbc Familienangehörige sind schon bisher weit- gehendst al s Arbeiter unb Angestellte eingesetzt worden. Die Steigerung des Beschäf- tigimqsftanbcs um rund 1,2 Millionen in der Zeit von Ende März 1938 bis Ende März 1939 war zu einem erheblichen Teil nur durch Heranziehung solcher Kräfte möglich. Die Zahl der beschäftigten Männer hat sich in dieser Zeit um' 4,9 v. H., die Zahl der beschäftigten Frauen dagegen um 8,6 v. H. vermehrt.

Keine ungelernten Arbeiter mehr d Das Fachbuch gehört in die Hand der schaffenden Jugend.

tigt werden, daß diese Ziffer eher zu niedrig gegrif­fen ist, weil alle, die in der Zwischenzeit an ande­ren Krankheiten gestorbenen ehemals wegen Krebs Operierten nicht gezählt werden konnten. Von größ­ter Wichtigkeit ist frühzeitiges Erkennen des Krebses und Zuführung zum Chirurgen. Hier ist dringend notwendig, daß eine alle Volksteile um­fassende Aufklärungsarbeit geleistet wird, über deren Aussichten Professor L'äwen (Königsberg) sprach. Neben der Operation steht die Strahlenbe­handlung, über die Jüngling (Flensburg) referierte.

Am letzten Kongreßtage kam die Orthopädie zu Wort. Professor Brinkmann (Hamburg) sprach über Entstehung und Behandlung der Fuß-In­suffizienz im Kindes- und Erwachsenenalter. Das Grundleiben sei eine Stützgewebsschwäche des Organismus, die sich bereits sehr früh im zartesten Kindesalter bemerkbar mache. Bei der Frage: Stie­fel ober Schuh, fei bem ersteren der Vorzug zu geben, weil er bem Fußgelenk eine zusätzliche Stütze verleihe. Dor allem sei Allgemeinbehandlung not­wendig, unb bei bem engen Zusammenhang ber Stützgewebsschwäche mit ber Englischen Krankheit sei ber Weg hierzu vorgezeichnet: Lebertran, Vigantol, Aufenthalt im Gebirge ober an ber Norbsee. Prof. Nitschke (Halle a. d. S.) sprach über Rachitis, die er als eine ausgespro­chene Saison-Krankheit bezeichnete. Das hängt zu­sammen mit ber Abnahme gewisser Strahlungen aus ber Atmosphäre währenb des Herbstes unb Winters. Die ultravioletten Strahlen mobilisieren gewisse Vitamine in ber Haut, unter benen bas v-Vitamin voranstehe, besten Mangel bie Rachitis

auf ben Tisch zu bringen.

Die Uebcrlicferung von Kochrezepten reicht be­reits bis in die Antike zurück. Meist aber sind es Einzelnotizen von Schriftstellern, Volkskundlern, Geschichtsschreibern. Kochrezepthefte kann man erst für das frühe Mittelalter feststellen. Damals waren es die schriftgewandten unb genußfreudigen Mönche, die für ihr Kloster handschriftliche Koch­bücher zusammenstellten. Allgemeinem Nutzen aber diente bereits im 14. Jahrhundert das abschriftlich in weltlichervKreisen verbreiteteBuch v o n g u t e r Spei s". Unb schließlich kam die Erfindung Gtenbergs allmählich auch ber kulinarischen Wes- senschaft, der Kochkunst ober Gastronomie, zugute.

Hier ist zu nennen bas 1565 erschienene Werk der Frau Anna Wecker:New köstliches und niitz- lichs Kochbuch". DieWeckerin" war Ehegattin eines Arztes, der in Basel und Colmar wirkte; ihr Buch widmete sich ber Fürstin von Dranien. Daß esnew Kochbuch" genannt würbe, läßt bie Folgerung zu, daß gedruckte Kochbücher damals nicht unbekannt waren. Auch der Hofkoch des Kurfürsten von Mainz, Marx R u m p o l t, gab 1576 zu Frankfurt a.M verlegt eine solche Druckschrift unter bem Titel New Kochbuch" heraus; 1565 hatte sogar der Phi-

Das goldene Buch der Hausfrau

Aus der Vorgeschichte des Kochbuches.

Streichquartetts Neues, Unverbrauchtes, Erfrischen­des erscheinen. Dazu wird bas Tänzerische feiner heimatlichen Volksmusik zu einem wichtigen Faktor seiner Ausdrucksskala. So gibt er als zweiten Satz seines Es-dur-Quartetts eineDurnka" (dieser Nome bezeichnet balladenhaste, slawische Volkslieder). Das Finale bedeutet in feiner rhythmischen Pomtterung ein idealisierendes Gestaltgewinnen des slawischen Tanzes.

Beide Werke wurden durch das Gießener Streich­quartett: Ewald Lassen, Karl Jost, Georg Scheuermann, Ernst Schneider in ge­radezu prächtiger Weise musiziert. Was sich früher schon als beachtlicher Ansatz gezeigt hatte, ist setzt gereift. Der Gesamtklang des Quartetts ist schon gerundet und getragen von verständnisvollem Ein­gehen der Stimmen aufeinander in gegenseitigem thematischen Anteil. Das Piano schwebt und ver­hallt hauchend, ebenso vermag das Ganze sich zu vollem, schwingendem Forte aufzusteigern. Von be­sonderem Reiz, mit seiner Artikulation der Einzel­stimmen, waren die llebergnnge in Nachgiebigkeit und Hingebung an ben Pulsschlag bes IßcrEes. Ohne Ueberspitzung, mit gesundem musikalischen Empfinden wurden bie Werke an ben Hörer beran- getragen.

In Verträumtheit, mit einer innerlichen Schwere erblühte so ber erste Schubertsatz. Empfmbsame In­nigkeit durchzog das Andante mit klanglicher Far­bigkeit im Wechsel der Wiederkehr des Leitgedan­kens Aus der Verhaltenheit der Moll-«phare schwang sich im Menuett bas Trio zu Anmut auf. Das Finale mit seinem graziös gefaßten Eingangs, thema, seinen febernben Rhythmen ber Moll-Eplso- den, war von beschwingtem Impuls getragen.

Das innere Drängen ber Klanglichkeit des ersten Satzes bcs Dvarak-Quartetts fanb in molto tran- quillo seine Verklärung. In ber Dumka war ber Zwiegesang zwischen Bratsche und Violine ebenso bestimmend wie die raunenden Uebergange und bie bildhaft gestalteten Rezitationen und das sprühende Vivace. Klanattch sublimierte Kantabilitat durchzog die Romanze" mit lichter Klarheit der stimmlichen Verwebung. Das Finale schäumte in Temperament mit pointierten Akzenten und Ausprägung des the­matischen Anteils der Einzelstimmen.

Solchen Darbietungen wäre ein weit stärker de- seßtes Haus angemessen gewesen. Freudiger, reicher Beifall dankte ben verdienten Vortragenden.

Dr. Hermann Hering.

Oie Sojabohne, ein Nahrungswunder. Von unserem berliner Mitarbeiter.

Die Sojabohne kann nicht den Gemüsen zu­gezählt werden, denn sie hat keinen ausgesproche­nen, bestimmbaren Geschmack, sie istneutral". Aber die Völker des Fernen Ostens haben sie zur Hauptgrundlage ihrer Ernährung gemacht. Sie be­reiten sie auf viele oerschiebenartige Weifen zu, deren Zweck es ist, ihr jeweils einen ganz bestimm­ten Geschmack zu geben. Die Sojabohne kann ge­röstet ober zu Zwieback, Milch, Käse und Gewürz­tunke verarbeitet werden. Sojamehl ist äußerst stick- stofs- und fetthaltig; es enthält viermal soviel Stick­stoff und zwanzig mal soviel Fettstoffe wie Getreibemehl. Der Mineralgehalt der Soja­bohne übertrifft um bas Vierfache, ihr Phosphor­gehalt um das Zweifache denjenigen bes Fleisches. Noch größer ist die Heberlegenheit dieser wunder­baren Frucht dem Dörrgemüse gegenüber; sie über­trifft es weitaus an stickstoffhaltigen Substanzen und besitzt den zehnfachen Fettgehalt.

Durch Entfernung aller ungenießbaren Bestand­teile und Hinzufügen von Zucker kann man aus ber Sojabohne eine Konfitüre bereiten, die dem Aussehen wie dem Geschmack nach an Kastanien- frem erinnert, aber weit nahrhafter sie enthält die achtfache Eiweiß- unb bie zehnfache Fettmenge und verdaulicher ist. Durch Beimischung von etwas Kakao unb Zucker kann aus der Sojabohne eine sehr preiswerte Schokolabe von hohem Nähr­wert hergcstellt werden. Von chinesischen Sojaspei­sen sei nur der Sojakäse erwähnt, der sich in China größter Beliebtheit erfreut.

Besondere Erwähnung verdient bie Soja- Pflanzenmilch. Zu ihrer Zubereitung genügt bas Zerstoßen ber Sojabohnen, nachdem sie vier- undzwanzig Stunben lang in Wasser geweicht wor­den sind. Der so gewonnene weißliche Brei wird filtriert, und bie Flüssigkeit, die man aus ihm er­hält, ist bie Sojamilch. Auf ben ersten Blick scheint zwischen ihr unb tierischer Milch kein Unterschied zu bestehen; ihre Eigenschaften gleichen denen ber Tiermilch in jeber Hinsicht, unb auch an Nährge­halt ist sie jener vergleichbar. Man kann sie zur Herstellung von Joghurt benutzen, sie burch Lab ge­rinnen machen, sie kondensieren, trocknen, pulveri-

Gießener Stavttheater.

13. Morgcnveranstaltung: Kammermusik.

Es war ein glücklicher Griff, ber Schuberts . a-mo^l Quartett unb Antonrn Dvoraks Streichquartett in Es-dur gegenüber stellte, beim innerlich sind bie beiden W^e ^ahe verwandt. Schubert mutzte unter dem Schatten letz­ter aeistiqer Straffheit und Abstraktion von Beet. hnn^iV Qimrtettcn sich als Ausweitungsbasis s. ^nstrumentalklanqliche im Lichte einer neu durch^eblld^ttn" Melodik und Thematik erwählen. Der Extensiven Formung der Streichquartette von Joh. Brahms gegenüber erfüllt Antern Dvorak^sei Wdrk mit ben Zugen der Volksmusik semer qaje chischen Heimat.

rtrnn* Schuberts a-moll-Quarlctt zählt wohl als X in hMbc feiner Streichquartette, obwohl - ihm eine ansehnliche Zahl von Berarhgej! Werken

: Wf, b n) al^Musiklehrer verbringt, lafit in der Einkehr und der Raturoerbundenheit des Land-

ÄrtKÄ SSM LE-s fFäWS BBäwäs und Finale.

(c ^ranx Schubert seine Ausdruckswelt

tfiTÄJk MIX Ä tte.7"" die n^i°na,e Durchdringung der Kam- immäSBu sprudelnder Empfindungsgabe, so daß Br ahm ftp stellen muß:Ich möchte vor Neid aus der Haut fahren über bas, was dem Menschcn so ga Z n bei einfällt." Ein angeborener Klang sm n laßt ieiD| bei der ^schränkung auf bie vier Instrumente de

In ber vor 200 Jahren erschienenen Enzyklopädie des alten Z edler heißt es umständlich, gewissen­haft und ein wenig schnurrig:

Koch-Buch wird diejenige Beschreibung genennet, darinnen ein Anleitung gegeben werden soll, wie diese und jene Speise nicht nur am gewöhnlichsten zuzubereiten, das ist, ehe es gesotten, gekocht oder gebraten werde, wie solches zu säubern und zu-ver­langtem Nutzen zuzuputzen, theils aufs beste und geschmackhaftigste durch gute Gewürtze, Soßen, Brü­hen und dergleichen zuzubereiten, theils schlecht und gemein, doch beydes weich, mürbe und fafftig zu­zurichten; wie allerhand Torten und Pasteten zu backen; gantze Aufsätze und aus mancherley Spei­sen bestehende Trachten wohl zu ordiniren. Die mei­sten Bücher, so von der Kochkunst geschrieben wor­den, handeln zwar meist von ber Art unb Weise, wie man nemlich die Speisen wohlschmäckenb unb redlich zuzurichten; weil aber der Geschmack unb Appetit berer Menschen, denen doch burch biese Kunst eine große Gefälligkeit erwiesen werden soll, sehr unterschieben; zubem auch die einmal überhand ge­nommene Wollust täglich darinnen eine Aenderung trifft, wie in der Mode der Kleidung, also hat man wohl keinen vollständigen Unterricht sich von der­gleichen Büchern zu versprechen."

Die letzte Bemerkung Zedlers darf nicht zu pes­simistisch gebeutet weiden; denn ber alte Autor selbst versäumt es nicht, bei jedem Tiere, bas er in seinem hochgelehrten und doch volkstümlich ge­haltenen Lexikon beschreibt, anzugeben ob es eßbar ober nicht eßbar fei. In ersterem Falle pflegen dann die Kochrezepte weiteren Platz emzuneh- tnen als bie zoologischen Erlauterunaen Aber be­rechtigt ist die Mahnung doch, bas Kochbuch nicht zu überschätzen und gar als ein Zauberbuch zu be-

t»1sw'S

Das Jugendamt der DAF. veranstaltete in Berlin eine Kundgebung unter dem LeitwortSchaffende Jugend unb Fachbuch". Der Leiter ber Reichsschrift­tumsabteilung im Reichsminifterium für Volksauf­klärung unb Propaganda, Ministerialrat Berndt, ging von der Notwendigkeit aus, durch einen her- mun iul uihcl ivu.v. oorragenben Facharbeiter st amm bas in ben gastrosophische Schrift unter letzten Jahren Erreichte zu sichern. Im Großbeut-