Dienstag, 17. Zanuar 1939
@ic&mr Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 14 Zweites Blatt
Hochfchulnachnchten.
Mit diesem Blindflug im geschlossenen Raum wird einmal T r e i b st o f f g e s p a r t, zum andern kann der Lehrer mehrere Flugschüler hintereinander in kürzerer Zeit abfertigen. Das Arbeiten m diesem Üebungsflugzeug entspricht dem natürlichen Blindflug, weil auch das Schaukeln der Maschine bei starkem Wind, weil Gegenwinde und Seitenwinde durch entsprechende Bewegungen vorgetauscht werden können. Der zweite Teil des praktischen Unterrichts besteht im Flug selbst. Die Schule in Brandis besitzt alle bei der Luftwaffe gebräuchlichen Typen vom leichtesten bis zum schwersten Apparat. Die Flüge erstrecken sich meist über viele Stunden, gehen also fast immer in die Grenzgebiete, da das Reich angesichts der hohen Geschwindigkeiten der Maschinen viel zu klein ist, man also nach kurzer Zeit schon dort steht, wo man, um nicht auf Nachbargebiet zu geraten, Kehrt machen muß. Jedem Flug geht aber noch die eingehende W e t t e r'b e r a t u n g voraus, die durch eine Wetterwarte vorgenommen wird. Dieser Unterricht ist für den Flugzeugführer ebenfalls von erheblicher
Madame Hancenaar, eine damals bekannte Pariser Modistin, überreichte Anfang 1880 dem Gatten der schönen Gräfin Potocki eine Rechnung über Lieferungen an die Gräfin in der Zeit von Juli 1878 bis Januar 1880. In diesen eineinhalb Jahren hatte die gefeierte Schönheit nicht weniger als 110 541,80 Goldfranken für ihre Klei- l dung aus gegeben.
Die Geschworenen des Gerichtes in Hannover im Staate Virginia haben nunmehr Anklage gegen den früheren amerikanischen Botschafter in Berlin, Dodd, wegen Fahrerflucht und Verweigerung der Hilfeleistung erhoben. Podd hatte mit seinem Kraftwagen ein vierjähriges Negermädchen überfahren und war auf und davongefahren, ohne sich um das schwer verletzte Kind zu kümmern. Als Verhandlungstermin wurde der 2. März anberaumt, nachdem Dodds Anwalt unter Hinweis auf den angeblich ungünstigen Gesundheitszustand des früheren Botschafters vergeblich versucht hatte, den Prozeß noch weiter hinauszuschieben.
Ein schottischer Fischdampfer gesunken.
Der in Aberdeen beheimatete Fischdampfer „Chri- stabel Stephen" lief in der Cruden-Bucht auf die gefürchteten Klippen. Ein zweiter Fischdampfer, die „East Cost", nahm das gestrandete Schiff ins Schlepptau. Unterwegs traf eine mächtige Welle die „Eriftabel Stephen" seitlich und brachte sie zum Kentern. Das Schiff sank mit der gesamten Besatzung von neun Mann inne?halb von drei Minuten. Von der „East Cost" sprangen mehrere Seeleute in das eiskalte Wasser, mußten jedoch wieder an Bord genommen werden. Das Beiboot der „East Cost" konnte nur einen toten Matrosen der „Cristabel Stephen" bergen.
Zahlreiche Opfer der Hitze und der Waldbrände in Australien.
Nach den letzten Meldungen sind in Australien 110 Personen einOpferderHitzewelle geworden. Weiter wird mitgeteilt, daß den riesigen Wald- b r ä n d e n bisher 74 Menschen zum Opfer gefallen sind. Das Feuer, das auf einer Fläche von 70 000 Quadratmeilen wütet und viele Ortschaften restlos vernichtete, hat bis jetzt 2,5 Millionen Pfund Schaden verursacht. Die Blätter bezeichnen die Folgen der Hitze und des Waldbrandes als ein nationales Unglück.
schwenkbares Flugzeug, in das der Schüler hineinsteigt. Der Deckel klappt zu, er sitzt mit umgeschnall- tem Kopfhörer im Finstern vor dem erleuchteten Jnstrumentenbrett, dessen Teile genau mit allen Instrumenten eines Kampfflugzeuges übereinstimmen. Was sonst durch Funk geschieht, wird hier mit dem Telephon gemacht, das von einem danebenstehenden Kommandotisch ausgeht, an dem der Lehrer sitzt. Er spielt das Personal des Peilhauses, das auf jedem Flugplatz ist, tue unterwegs befindlichen Maschinen genauestens kontrolliert und ihnen in jeder Weise zu Hilfe kommt. Dieser Lehrer hat nun vor sich auf dem Tisch eine große Karte mit dem Flugplatz. Angenommen ist als Beispiel das Hereinfliegen in den Flugplatz beim Fehlen jeglicher Sicht, also im Blindflug. Dem Schüler werden die jeweils erforderlichen Kommandos gegeben, hier fernmündlich also, er bedient sich seiner Instrumente, er orientiert sich, nimmt die erforderlichen Umrechnungen vor und begibt sich nun auf die sogenannte Grundlinie, die ihm normalerweise durch Funkpeilung vorgezeichnet ist und die für ihn die Brücke bildet, über die er zum Flugplatz gelangt. Sein Üebungsflugzeug dreht sich, richtet sich auf oder senkt die Spitze je nach den Bedingungen, die beim Hereinfliegen zu erfüllen sind. Eine kleine Maschine, die über die ausgebreitete Karte läuft, zeichnet alle Bewegungen dieses eingebauten Uebungsflugzeuges auf. Ist der Flugzeugführer „gelandet", dann steigt er aus seinem Kasten heraus, begibt sich zum Kommandotisch und erfahrt nun, ob er' den Kurs richtig innegehalten hat, ob er also auf dem Wege zum exakten Blindflieger ist.
Riesige Wolkenbrüche in Argentinien.
Nach der Tropenglut der letzten Tage gingen über der argentinischen Stadt Cordoba Wolkenbrüche von ungewöhnlichem Ausmaße nieder. Mehr als 100 Häuser wurden durch die Fluten zum E i n st u r z gebracht. Die Bewohner konnten sich vielfach nur noch auf die Dächer retten; man befürchtet, daß zahlreiche Todesopfer zu beklagen sind. Sämtliche Verkehrsverbindungen sind unterbrochen, das Geschäftsleben stockt. Zur Hilfeleistung sind sofort militärische Formationen aufgeboten worden.
Vierlinge in Mexiko.
In Saltillo (Nordmexiko) kamen dieser Tage Vierlinge zur Welt. Mutter und Kinder, drei Jungen und ein Mädchen, befinden sich bei bester Gesundheit. Der Vater ist ein deutscher Motorenschlosser.
Anzahl von anderen Wegkreuzungen Warnlichtanlagen aufgestellt. An einer großen Zahl von Wegübergängen wurde die Sichtbarkeit der Schranken durch Einbau von Breitbehang und Scheinwerferleuchten wesentlich erhöht. An Schnelltnebwagen- strecken wurden die Bemühungen, fernbediente Schranken durch ortsbediente oder Anrufschranken zu ersetzen, mit Erfolg fortgeführt.
Eliskases gewinnt auch die achte Partie.
Die achte Partie des Schachwettkampfes zwischen! Bogoljubow und Eliskases wurde in Augsburg gespielt. Bogoljubow geriet durch Zugumstellung in ein für ihn ungünstiges Abspicl des angenommenen Damengambits. Trotzdem spielte er unbesorgt auf Gewinn und kam durch mehrfachen ungünstigen Abtausch in ein für ihn verlorenes Endspiel. Im 42. Zuge mußte Bogoljubow aufgcben. — Der Wettkampf steht nach der ' achten Begegnung: Eliskases 5 Punkte, Bogoljubow 3 Punkte. — Die neunte Partie wird ebenfalls in Augsburg ausgctragen.
Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin wegen Fahrerflucht angeklagt.
Lichtspielhaus:
Menschen, Tiere, Sensationen/'
Kuriositätenkabinett.
Die Strominsel des Hudsonflusses, auf der das ursprüngliche Neuyork erbaut wurde, verkauften im Jähre 1668 die Indianer an die Holländer für 10 Hemden, 30 Paar Strümpfe, 10 Gewehre, 30 Kugeln, 30 Pfund Pulver, 30 Beile, 30 Kessel und eine kupferne Bratpfanne. Beide Teile glaubten dabei ein gutes Geschäft gemacht zu haben.
Ein sonderbares Kopfkissen besaß Prinz Ludwig, der spätere König von Bayern. Es war etit lauter Grenadierschnurrbärten gepolstert. Als er 1786 in Straßburg geboren wurde, wo sein Vater, Herzog Max Joseph von Zweibrücken, französischer General war, hatten sich nämlich die alten Grenadiere die Schnurrbärte abschneiden lassen, ein Kopfkissen damit gefüllt und es dem Neugeborenen geschenkt.
gen, der ihnen bereits bei ihrer Staffel einigermaßen beigebracht worden ist, und zwar in der Weise, daß der Führerstand im Flugzeug mit schwarzen Gardinen verhängt wird, der Führer also lediglich nach seinen Instrumenten fliegen muß. Aus Gründen der Sicherheit besitzt, der Lehrer neben ihm freien Ausblick, um einzugreifen, wenn sich Fehler in der Navigation ergeben sollten.
Auf der Blindflugschule wird in der gleichen Weise exerziert, nur wird hier das Blindfliegen mit allen seinen Feinheiten dem Flugzeugführer bei- gebracht. Er lernt die Instrumente genau kennen, deren Arbeitsweise und deren Bedeutung, er lernt in den Unterrichtsräumen an Hand von Karten bestimmte Blindflugaufgaben unter Zuhilfenahme aller Peilmöglichkeiten kennen, muß also fortlaufend ihm gestellte Aufgaben lösen (etwa ein Fernflug ohne" jede Sicht für den Flugzeugführer, weder nach unten, nach vorn, noch nach der Seite, von Brandis nach Helgoland, dort Wenden nach Kassel und zurück nach Brandis). Hinzu kommt das Hereinlotsen des Blindfliegers mit dem Funkpeiler in den Flughafen einschließlich Niedergehen und Landen. Dazu gehören selbstverständlich gewisse Berechnungen, die im ersten Augenblick verwirrend erscheinen, tatsächlich aber gar'nicht so schwer sind und kinderleicht werden, sobald sich erst der Schüler in der Durchführung derartiger Aufgaben auf der Karte mit ihnen vertraut gemacht hat. Das Verfahren ist übrigens so daß'jeder den Blindflug erlernen kann. Man muß doch schließlich bedenken, daß unsere Flugzeugführer der Luftwaffe nicht von technischen Hochschulen kommen. Jeder Soldat, der m die Luftwaffe eintritt und tauglich befunden wird, ein Flugzeug zu führen, wird auch Flue/uqführer. Da ist es gleichgültig, ob er als Gärtner oder Bäcker oder ■ Lohnbuchhalter gelernt hat.
Der praktische Unterricht im Blindflug wird m Brandis in zwei Teile zerlegt. Da steht zunächst in ' einem Unterrichtsraum ein kleines dreh- und
Aus aller Welt.
Vis 1940 keine ungesicherten Bahnübergänge mehr.
In dem Bestreben, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, hat die Deutsche Reichsbahn bis letzt etwa 400 Weg Übergänge durch Bau von lieber» oder Unterführungen oder durch Bau von Längswegen und dergleichen beseitigt. Für etwa 110 Kreuzungen zwischen Reichsbahnstrecken und Reichsstraßen, die bisher nicht mit Kreuzungsschutz ausgerüstet waren, ist die Aufstellung von Warnlichtanlagen angeordnet worden. Es ist zu Hbffen, daß bis zum Jähre 1940 sämtliche Kreuzungen zwischen Reichsbahnstrecken und Reichsstraßen mit Warnlichtanlagen oder Schranken gesichert sein werden. Außerdem wurden an einer
Wichtigkeit. r
Blindflugschulen sind Hochschulen unserer Luftwaffe, dazu bestimmt, die fortlaufenden technischen Verbesserungen dieser Waffe durch Steigerung der Leistungsfähigkeit des einzelnen Flugzeugführers zu ergänzen, damit die höchstmögliche Leistungssumme herausspringt. Denn nur eine Waffe, die in jeder Beziehung auf der Höhe ist, kann ihre Aufgaben im Ernstfall im Sinne der Nation lösen. In dieser Beziehung wird bei uns nichts unterlassen, was den Wert der'Luftwaffe zu heben vermag. v. 8.
Um 20 Millionen Franken.
ßitt spannender ErbschastSprozeß mit diplomatischen Verwicklungen. Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
Grimm-Feier.
Professor Götze über Märchcnforschung.
Die Philosophische Fakultät (I. Abteilung) der Ludooiciana hatte die Freunde der Universität zu einer Grimm-Feier eingeladen. Professor Dr. Rauch als Dekan hieß zu Beginn die Gaste herzlich willkommen; die heutige Feierstunde (es sollen später ähnliche folgen) gelte dem Andenken der Brüder Grimm, der Begründer der deutschen Altertumswissenschaft. Am 16. Januar vor hundert Jahren habe Jakob Grimm die bedeutsame Abhandlung Meine Entlassung" vollendet. Nachdem Professor Rauch auf die Aktualität des Werkes der beiden Brüder und auf die Bedeutung der Muttersprache ols des einigenden Bandes in der Zeit völkischer Zerrissenheit'hingewiesen hatte, ergriff der Vertreter der deutschen Philologie, Professor«Dr. G c.tz e das Wort zu einem Vortrage über Marchenforschung, dem wir u. a. Folgendes entnehmen»
Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm haben als große hessische Gelehrte und als Begründer der Wissenschaft vom Deutsches auch> in der Marchenforschung neue Wege gewiesen. Ihr Werk erwuchs auf dem Boden der hessischen Heimat. Weihnachten 1812 erschien die schmale erste Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen; sie sind von den Grimms nicht geschaffen, aber entdeckt und gesammelt worden. Ihrer Tätigkeit war die Romantik als Entdeckerin der deutschen Vergangenheit die große ^eegerm.
Die Andacht zum Kleinen, die Sammel-Lust, lyre wissenschaftlichen Gaben waren den Brudern die
Jeder Verkehrsflieger muß im Blindflug $ perfekt sein. Das heißt: er muß im dicksten Nebel, i also ohne jede Sicht, und nur nach den Instrumenten sein 'Flugzeug dem Bestimmungsort sicher ent- qeq'enführen und mit Hilfe des Peiloerfahrens unter । den gleichen Bedingungen zu Boden bringen und । richtig aufsetzen. Das Blindfliegen erhöht die Sicherheit im Verkehrsflug. '
Aber auch die Luftwaffe kann auf den Blindflug nicht verzichten. Angenommen: für Bombenflieger würden sich im Ernstfall beim Gegner die denkbar besten Objekte ergeben, der heimische Fliegerhorst wäre aber so mit Nebel und tiefhängenden Regenwolken eingedeckt, daß man keine fünf Schritte weit sehen könnte, dann hätte man unter den früheren Fluqbedingungen auf den Start verzichtet. Man tonnte auch die Geschwader des hier in Frage kommenden Fliegerhorstes zur UnterstütMing der kämpfenden Truppe nicht einsetzen, man könnte keine Flugzeuge zur Abwehr feindlicher Flieger, die von ihrem Horst unter günstigeren Verhältnissen abge- floqen sind und gutes Flugwetter bis weit m deut- ches Gebiet hinein vorfanden, losschicken. Die deutsche Luftwaffe ist aber kein Schönwetterkampfmittel, sondern eine Waffe, die unter allen Umständen ihre Aufgaben zu erfüllen hat, also auch bei schlechte st e r Witterung. Um sie hierzu zu befähigen, lernt heute jeder Flugzeugführer das Blindflügen, also das Fliegen in Wolken, im Nebel und bei stock- f-.nfterer Nacht ohne Mond- und Sternenschein.
Unsere Luftwaffe besitzt mehrere Blindflugschulen, die sich mit nichts anderem als nut per Vertiefung der Blindflugtechnik des Flugzeugführers beschäftigen. Eine dieser Schulen liegt in Brandis bei Leipzig. Ihre Besichtigung gewährte einen kleinen Einblick in den Arbeitsbereich dieses Institutes Hier wird sowohl der theoretische wie der praktische Unterricht erteilt. Alle Flugzeugführer, die hier zu sechswöchigen Hebungen zusammenkommen, haben natürlich schon eine Ahnung vom Blmdftie-
Niederzwehren bei Kassel die bekannteste ist; ferner den Anteil beider am Ganzen, die wissenschaftliche Strenge Jakobs, die künstlerische Formung des Stoffes durch Wilhelm, und die Prinzipien des Märchenstils: Einfachheit des Satzbaus, einprag- ame Wiederholungen und Anschaulichkeit der Schilderung. (Auch Wilhelm Grimm hatte wie Luther, den Leuten „aufs Maul gesehen".) Obwohl spätere Auflagen nicht immer Verbesserungen brachten, ist doch die Sammlung eines der gelesen- sten Bücher in unserer Sprache geworden und das deutsche Volk den Brüdern Grimm allezeit zu Dank verpflichtet.
Die moderne Forschung hat die wissenschaftliche Arbeit der beiden in den Grundzügen bestätigt. Die Märchen find nicht, nach romantischer Vorstellung, „vom Volke selbst" geschaffen, sondern im Geiste des Volkes, von einem einzelnen. Wir wurden heute in der Scheidung her Gattungsbegriffe (Schwank, Satire, Groteske) strenger fein Das Märchen als Sammelbecken und Fundstelle verschollener Götter- und Heldensagen zu betrachten, ist verfehlt. Die Herkunfts- und Ursprungstheorien wurden untersucht und gegeneinander abgewogen; als Erklärung für die weltweite Verbreitung des Märchenschatzes ist gemeinsamer, uralter Besitz Der Stoffe anzunehmen, der für die ewige Zusammen, gehörigk-eit der Kulturmenschheit zeugt. —
Professor Rauch gab dem Dank an den Vortragenden Ausdruck und schloß die Feierstunde mit dem Gruß an den Führer.
besten Helfer. ...» , „
(fine Gegenüberstellung ihrer Marchensammtung - mit dem ^olksliederbuche „Des Knaben Wunderhorn" von Brentano und Arnim ergab eine klarende Abgrenzung grundsätzlich verschiedener Auffassungen und Arbeitsweisen, auch der Wesensunterschiede zwischen Jakob und Wilhelm Grimm, die sich in ihrer Tätigkeit ausprägen. Die Schicksale der Grimmschen Märchensammlung wurden geschildert, der ungerechte Tadel, dem sie begegnete, das amtliche Verbot des Buches in Oesterreich wo man eine Förderung des Aberglaubens befürchtete, die Aus- nähme bei den Kindern wie sie einem Berichte von Görres anmutig geschildert wird. 1814 erschien der zweite Band; die Sammlung wuchs allmählich auf 200 Märchen und zehn Legenden Em dritter Band mit den Anmerkungen bildet noch immer em Grundwert aller Märchenforschung.
Professor Götze schilderte die Sammeltätigkeit der Grimms im einzelnen, ihre Quellen und Gewährsleute, unter denen die Frau Diehmann aus
D. Paris, Januar.
Ganz Paris fiebert dieser Tage dem vor dem Seinegericht zum Austrag gelangenden Rechtsstreit um das Testament des vor einem Jahrzehnt in Paris gestorbenen steinreichen Argentiniers R i - cardo Garcia entgegen. Diese Spannung der Oeffentlichkeit ist nur zu verständlich, wenn man weiß, daß der nun schon seit Ende 1931 währende Kamps um das Erbe des reichen Argentiniers in seinen einzelnen Etappen eher einem Kriminalroman als dem Leben entnommen scheint. Garcias Testament, in dem dieser die beiden Nichten seiner ersten, mit dem früheren Staatspräsidenten der argentinischen Republik verwandten Frau, der zum französischen Hochadel zählenden M a r g u i ] c d o n Beaurepaire und deren Schwester, Fräulein von Guippeville, mit rund 20 Millionen Franken bedachte, wurde seinerzeit von zwei anderen französischen Verwandten Garcias, dem Schwesternpaar A u b e r t - A r n a u d . für ge alscht erklärt In dem am 22. Januar 1931 erstellten Testament seien vielmehr sie, die Damen Aubert-Amaud, als einzige Erben Garcias eingesetzt.
Ganz Argentinien verfolgt feitbcm nut leiden- schaftlicher Anteilnahme diesen mit Zwischenfällen gewürzten Rechtsstreit, der im letzten Sommer durch die Verhaftung des mit der Verwahrung des
Am Wrerfland Wer schwarzen Gardinen
Wie unsere Kampfflieger den Blindflug lernen. Oie deutsche Luftwaffe kennt keinen „Schönwetterkrieg".
Dies ist ein Harry-P iel - Film der Ariel und er hält in der Tat, was der Titel verspricht, vor allem mit Sensationen wird nicht gespart, Piel Je Iber erweist sich, wie schon bei früheren Gelegenheiten, als ein Artist von vielen Graden, als Tierbändiger, Reiter, Kunstschütze und sogar als „fliegen per Mensch" Ein ganzes Zirkusprogramm rollt so gleichsam im Dorübergehen ab, und es versteht sich, patz auch Liebe und Eifersucht in der bunten Welt des fahrenden Volkes im Film ihre gebührende Rolle spielen. Ein alter Artistengrundsatz heitzt: auf Schlamperei steht Todesstrafe, und wenn ein Artist nicht mit klarem Kopf und ganzem Herzen bei der Sache ist, wenn er etwa durch Gedanken an eine Frau abgelenkt wird, bann kann man leicht erleben, daß etwas schief geht. So hier, wo in der Tat Verschiedenes daneben gerät. Die hübschesten Szenen im
________1 ------------- fen; das sind drollige, menschenähnliche Kerle, denen man stundenlang zuschauen könnte. Aber auf einmal ist der jüngste von ihnen entwischt, macht sich elbständig, öffnet den Tigerkäfig, und eine Gruppe prachtvoller Raubtiere begibt sich — während draußen die Vorstellung im besten Gange ist — auf Entdeckungsreisen durch das Zirkusgebaude. Piels Glanzstück: den größten und gefährlichsten Tiger allein und ohne Waffe, nur durch gütliches Zureden, wieder hinter Gitter zu bringen. Ueberhaupt hat er eine ruhige, sympathische Art, mit Menschen und Tieren zu verkehren und fertig zu werden. Elisabeth Wendt hat, leider von früheren Filmen her auf einen bestimmten Frauentyp festgelegt, die wenig dankbare Aufgabe, eine von Eifersucht verehrte Hysterikerin zu spielen. Vom übrigen Ensemble seien Ruth E w e I e r , Edith O ß , Eugen R e x und Gerhard D a m m a n n genannt. Harry Piel schießt natürlich den Voael ab. Und dann die kleinen Schimpansen: schon ihretwegen lohnt es sich, diesen Film anzusehen.
Im Beiprogramm gibt es nebst der Tobis- Wochenschau einen Kulturfilm „Kamele, Wüsten, Pyramiden", der interessant ist und ohne die überflüssige Musikbegleitung noch besser märe
Hans Thynot.
umstrittenen Testaments beauftragten Notars und der beiden Erbinnen, der Marquise und ihrer Schwester in Buenos Aires, eine ebenso unerwartete wie dramatische Wendung nahm. Der damals ebenfalls in Buenos Aires weilende Marquis von Beaurepaire, der Gatte der einen Erbin, konnte sich rechtzeitig dem Zugriff des argentinischen Untersuchungsrichters entziehen und kehrte vor kurzem erst nach abenteuerlicher Flucht über die Cor- dilleren, die er zu Fuß, nur von einem eingeborenen Führer begleitet, überschritt, aus der peruanischen Hauptstadt Lima nach Frankreich zurück.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die jetzt in Paris sich abwickelnde Phase des Kampfes um das Erbe Garcias zu einem diplomatischen Protest- schritt des Quai d'Orsay bei der argentinischen Regierung führen wird. Die Anwälte der Marquise und ihrer Schwester, die wegen angeblicher Urkundenfälschung nun schon seit Monaten im Frauengefängnis von Buenos Aires mit gewöhnlichen Strafgefangenen die Zelle teilen, haben nämlich noch vor Prozeßbeginn bei Außenminister Bonnet gegen die ihrer Meinung nach durch nichts begründete Festnahme ihrer Klientinnen und die ihnen zuteil werdende schlechte Behandlung im Gefängnis scharfen Einspruch erhoben.
Im Jahre 1779 wurde im englischen Parlament bas folgende Gesetz eingebracht: „Alle Weibsleute, ohne Unterschied des Alters, Ranges ober Standes, gleichviel ob Jungfrauen ober Witwen, welche vor ober nach Erlaß dieser Akte irgendeinen her männlichen Untertanen Seiner Majestät in verräterischer ober betrügerischer Weise burch Schminken, Salben, Schönheitswasser, künstliche Zähne, falsche Haare, Spanische Wolle, Korsetts, Reifröcke, Hackenschuhe und gepolsterte Hüften zur Eingehung einer Heirat verlocken, machen sich der Strafe fchuldig, die das Gesetz über Vergehen und Zauberei verhängt habe, und soll eine solche Heirat nach Ueberführung des betreffenden Frauenzimmers für null und nichtig erklärt werden."
In einer alten Tübinger Chronik steht zu lefent „Anno 1674, als die Bayern in der Festung gelegen, wurde von den Franzosen der Wall unterminiert und gesprengt, worin über achtzehn Personen bayrischer Besatzung umkamen, ist neben anderen auch ein Soldatenweib in die Luft gejagt worden, einige Ackerlängen weit ohne einigen Schaden zu Boden gefallen, wieder aufgestan» den und unversehrt baoongegangen, — hat aber arg geschimpft unb ist schlimmer Laun gewest.'
Professor Dr. Johannes Meyer, der frühere Ordinarius für Praktische Theologie an der Universität Göttingen, begeht am 30. Januar seinen 7 0. Geburtstag. Nachdem er als Hilfs- prebiger in Deutschland und Italien gewirkt hatte, war er seit 1897 Pfarrer in verschiedenen Orten m Hannover unb folgte 1911 einem Ruf als Ordma- rius her Praktischen Theologie nach Göttingen, wo er 1912 zum Ehrendoktor ernannt wurde. Wegen Erreichung der Altersgrenze ist der Gelehrte 1935 in den Ruhestand getreten. Er hat sich besonders mit Katechismusgeschichts unb mit der Kirchengeschichte Niedersachsens beschäftigt. .
Dem Dozenten Dr. med. Peter Holtz tn Greifswald wurde unter Ernennung zum ao Professor an der Universität R o st o ck der Lehrstuhl für Physiologische Chemie übertragen.
Dem Dozenten Dr. Georg W e i p p e r t tn Königsberg wurde unter Ernennung zum ao. Professor an der Universität Königsberg der Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre übertragen.
Der o. Professor für Chemie an der Technischen Hochschule Braunschweig, Dr. Walther Roth,! wurde wegen Erreichung der Altersgrenze von den gan7°7gilm L°ri>7 Ä Schimpf । amtlichen ^rpfliWn entbunden. I


