machimg sind Rechtsgeschäfte, die die Nutzung land- wirtschaftlicher Grundstücke zum Gegenstand haben, durch die zuständigen Landratsämter genehmigungspflichtig. Zu den landwirtschaftlichen Grundstücken rechnen auch Sonderkulturen, wie Teichwirtschaft und Fischerei. Die Teichwirtschaft umfaßt alle Arten von Fischzucht, wie Karpfen-, Forellenzucht und Fischbrutanstalten. Die Fischerei betrifft die Ausübung des Fischfangs in natürlichen Gewässern. Don der Genehmigungspflicht sind Rechtsgeschäfte ausgenommen, an denen das Reich, ein Land oder eine Gemeinde beteiligt ist. Da alle von den Landratsämtern nicht genehmigten Verträge dieser Art schwebend unwirksam sind und die Nichteinholung der Genehmigung mindestens binnen drei Monaten nach Dertragsschluß mit Geldstrafe oder Gefängnis geahndet wird, ist allen Vertragschließenden, Privaten, juristischen Personen oder sonstigen Stellen zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten dringend die alsbaldige Vorlage der getroffenen Verein
barungen der den zuständigen Landratsämtern zu empfehlen.
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** Eine Vierundsiebzigjährige. Am heutigen Mittwoch. 16. August, kann Fräulein Elisabeth Schulz, Wilhelmstraße 311, in aller geistigen und körperlichen Frische ihren 74. Geburtstag feiern. Die Hochbetagte nimmt an den Ereignissen unserer Zeit noch stets regsten Anteil. Seit langer Zeit gehört sie zum treuen Bezieherkreis des Gießener Anzeigers. Wir beglückwünschen herzlich zum Geburtstag!
^ Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 4. bis 10. August ein gegen Kraftfahr- zeugfuhrer mit 7 Anzeigen und 4 gebührenpflich- tigen Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 5 Anzeigen und 3 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Radfahrer mit 3 Anzeigen und einer gebührenpflichtigen Verwarnung; gegen Fußgänger mit einer Anzeige.
Vor der 3. Landestierschau in Gießen.
Umfangreiche Vorbereitungen an der Rhein-Main-Dersteigerungshalle.
Nachdem zu der Landes-Eberschau auch die der Bullen und Ziegenböcke hinzugekommen ist, wird die in den Tagen vom 14. und 15. September in der Rhein-Main-Versteiaerungshalle zu Gießen stattfindende 3. Landestierfchau zu einer Großveranstaltung für die hessen-nasscmlsche Zucht werden. In einer Vorbesprechung, die am gestrigen Dienstag im „Hotel Prinz Carl" unter der Leitung von Tierzuchtdirektor Landwirtschaftsrat Dr. W a g n e r stattfand und an der Kreisleiter Backhaus, Oberbürgermeister Ritter, Beigeordneter Nicolaus, Regierungs - Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d , Stadtbaudirektor G r a v e r t, der Gebietsreferent des LFV. für „Oberhessen" S ch u st e r, Oberinspektor Müller vom Derkehrsverein sowie Kreisfach- schaftsleiter L. Herr vom Gaststättengewerbe teilnahmen, wurde nach dem Stand der Dinge die zu erwartende Besucherzahl mit etwa 15 000 angegeben. Die Eröffnung der Landesschau soll durch den Gauleiter erfolgen. Bei dieser Gelegenheit wird auch der Landesbauernführer sprechen. Zum Auftrieb gelangt das beste Zuchtvieh der Landesbauern- fchaft, und zwar: 85 Bullen (Rot- und Fleckvieh), 55 Eber (25 Alt- und 30 Versteigerungseber), 55 Kühe, 90 Zuchtsauen, 10 Ziegenböcke und 50 Ziegen, insgesamt 345 Tiere.
Zur Unterbringung dieser Tiere zur reibungslosen Durchführung des Preisrichtens sind umfangreiche Um- und Erneuerungsbauten an der Rhein- Main-Versteigerungshalle erforderlich. Stadtbau- direktor G r a v e r t erläuterte die Einzelheiten, die u. a. eine Erweiterung der Halle auf 40 Meter Länae, die Schaffung eines dreiteiligen Ringes (der durch die Beseitigung der Einteilungen in einen «roßen Ring verwandelt werden kann), die Schaffung ausreichender Parkplätze, die Erstellung eines großen Wirtschaftszeltes und die Anlage eines' Treppenaufganges im Zuge der Kliniksbrücke bedingen. Für die Zwecke der Schau wird der ganze Raum des ehemaligen Viehmarktes in Anspruch genommen werden. Oberbürgermeister Ritter, der
dieser VeranstaUung seine Unterstützung zugesagt und auch bereits einen Ehrenpreis gestiftet hat, billigte diese Pläne.
Das Programm sieht für Donnerstag, 14. September den Auftrieb vor, der bis 11,30 Uhr beendet jein soll. Um 11 Uhr erfolgt die Begrüßung der Ehrengäste durch den Oberbürgermeister. Die Eröffnung der Landestierschau erfolgt um 14 Uhr durch den Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger. Anschließend beginnt die Arbeit der Preisrichter. Um 20 Uhr findet im „Club" ein Züchterabend statt. Nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeister und voraussichtlich nach einer Ansprache des Landesbauernführers findet die Erstattung der Geschäftsberichte der einzelnes Züchteroereinigungen statt. Für die Ausgestaltung dieses Abends ist auch Georg Heß gewonnen worden. Am Donnerstag findet die Vorführung der prämiierten Tiere statt. Daran schließt sich die Versteigerung der Elite- Bullen und Elite-Eber an. Die Preisverteilung durch den Landesbauernführer erfolgt im Rahmen einer Kundgebung. Am Nachmittag wird den Züchtern Gelegenheit geboten werden, die Veterinär- Kliniken und die Einrichtungen des Oberen Hardt- hofes zu besichtigen.
Für die Preisverteilung werden neben dem Preis des Oberbürgermeisters auch Preise des Gauleiters und des Landesbauernführers zur Verfügung stehen. Außerdem haben die Regierungen in Darmstadt und Wiesbaden, die Landräte und Wirtschaftsoereinigungen Preise in Aussicht gestellt.
Wie der Verlauf der Vorbesprechungen zu erkennen gab, handelt es sich um eine Veranstaltung, die im ganzen Gau Hessen-Nassau großes Interesse finden wird, sodaß mit zahlreichem Besuch zu rechnen ist. Für die Züchter Hessen-Nassaus bedeutet die auf einem geräumigen Platz untergebrachte Tierschau eine günstige Gelegenheit, einen Ueber- blick über den Hochstand der Tierzucht in Hessen- Nassau zu erhalten und viele Anregungen mit nach Haus zu nehmen.
Aus den Gießener Gerichtssälen.
Große Gtrasiammer Gießen.
Der H. R. in Gießen hatte sich in den Jahren 1927 bis 1936 fortgesetzt der Steuerhinterziehung schuldig gemacht, so daß die Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Vermögenssteuer um rund 6000 RM. verkürzt wurde. Durch Strafbescheid des Finanzamts, gegen den der Angeklagte Einspruch einlegte, hatte er ein-e Geldstrafe von 12 200 RM. erhalten. Die Angaben des Angeklagten, nach denen er steuerehrlich werden wollte, waren nicht so, daß die einzelnen Steuern einwandfrei festgesetzt werden konnten. Der Angeklagte wurde wegen Hinterziehung der Einkommensteuer in Tateinheit mit Hinterziehung der Gewerbesteuer und Hinterziehung der Bürgersteuer, sowie wegen Hinterziehung der Vermögenssteuer zu Geldstrafen von 4000 und 1600 RM., zusammen 5600 RM. verurteilt. Der hinterzogene Steuerbetrag wurde auf 5600 RM. festgesetzt. Insoweit das Amnestiegesetz Anwendung zu finden hatte, wurde das Verfahren eingestellt. Strafmildernd
wurde die betätigte Reue durch Selbstanzeige berücksichtigt.
Vezirksschöffengericht Gießen.
Der in Untersuchungshaft befindliche O. P. aus Gießen, hatte sich wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu verantworten. Er hat drei Briefe an das Wohlfahrtsamt geschrieben und diese mit dem Namen seiner Schwägerin M. H. unterzeichnet. Damit bat er erreicht, daß er die seiner Schwägerin zugedachte Unterstützung, und zwar zwei Beträge von 15,— und 9,50 RM., ausgezahlt erhielt. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte war in vollem Umfang geständig. Große Notlage gab er als Grund zur Tat an.
Der Anklagevertreter hält den Angeklagten für einen arbeitsscheuen Menschen, der sich Gelder, die für wirklich Unterstützungsbedürftige bestimmt seien, erschwindelt habe, und beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten.
Der Angeklagte wurde der schweren Urkundenfälschung und des Betrugs schuldig erkannt und
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Lopgright by Verlag Oskar Meister, wer-du t. Sa.
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten 1)
7.
Bekanntschaften in einem feinen Lokal.
Die „Greenhorn-Bar" ist ein Lokal im Osten ißonbons m dem man sich schon eine Nacht um die Uhren schlagen kann... wenn's dabei auf die Kosten micht ankommt. Außerdem kann man — wenn man Verbindungen bat — hier auch allerlei Geschäfte mbschließen.
Geschäfte der verschiedensten Art, für die sich rscotland-Nard außerordentlich interessieren würde, wenn sie dort bekannt wären.
Doch das ist eine Sache, von der natürlich nicht geredet wird.
Im Gegenteil, der Wirt achtet streng darauf, daß nichts mit seinem Wissen geschieht, was gegen die fflute Sitte verstößt.
Und es geschieht auch nichts. Wenigstens... er weiß davon nichts. Er hat auch keine Ahnung da- :8on, daß da im Hinterzimmer eine gewisse Gruppe •on Männern und Frauen sich mit Karten auf eine Weise abgibt, die mit den Gesetzen in allerlei Wider- Prüche geraten müßte... vorausgesetzt, daß das Äuge des Gesetzes diesen Spielen feine besondere Aufmerksamkeit schenken könnte. Aber gerade das weiß der Wirt mit vorbildlicher Umsicht zu ver- Sinbern.
„Meine Kunden sind Künstler, Gelehrte, Leute aus Handel und Industrie... Sie werden nie eine 'öamc in meinen Räumen antreffen, deren ßeu= nunb schlechter ist als der von hunderttausend unbescholtenen Frauen! Ich wüßte nicht, daß in meinem Lokal etwas Ungesetzliches geschieht."
Gewiß, davon ist kein Wort gelogen. Aber, was ar nicht weiß, macht die Polizei nicht heiß. Und die
Prozente, die einige seiner tüchtigsten Damen erhalten, ergeben am Monatsende das Gehalt eines gutbezahlten Beamten.
Zu seinen prominentesten Kunden gehört der gefeierte Tenor Asbjörn Holgerson. Er kommt und geht hier regelmäßiger aus und ein als in seiner Wohnung im Westen. Jeder kennt ihn, nicht nur von der Bühne — die meisten Stammgäste hat Asbjörn Holgerson schon Nächte hindurch frei- gehalten.
Verrückt! denkt der Wirt im stillen und mit ihm viele, die hier Stammgast sind. Aber wer kann einen Menschen hindern, das zu tun, was ihm Spaß macht?
Mit „Hallo!" wird der Sänger auch heute abend empfangen. Der Pianist der kleinen Kapelle, ein schwarzhaariger fixer Junge, der weiß, wie man seine Leute anpacken muß, hat ihn als erster in der Tür gesehen und beginnt geistesgegenwärtig:
„Wie ich dich liebe, braune Madonna ... !" zu intonieren, ein Schlager, den Asbjörn Holgerson hier gratis und franko singt, wenn es ihm so paßt, während er auf der Bühne dafür täglich einige zwanzig Pfund einzustreichen gewohnt ist.
Der Tenor nickt dem grinsenden Musikanten freundlich zu und steuert durch das noch schwach besuchte Lokal geradeswegs auf die Hintertür zu. Der Betrieb beginnt vorn immer erst gegen Mitternacht, während ihn im Hinterzimmer bereits lautes Stimmengewirr empfängt.
„Hallo... Holgerson? Das verlorene Schaf wieder da!" brüllt O'Brien, ein großer, feister Ire mit einer riesigen Glatze und dem Gesicht eines Karpfens. „Haben Sie Ihren reichen Schwiegervater endlich unter die Erde gebracht? Gratuliere! Gratuliere!"
„Zuerst muß ich mal was zu trinken haben?" stöhnt Holgerson und läßt sich an einem der Tische nieder. „Und dann..." er macht eine weite, alles umspannende Geste, „... bitte ich die hochansehnliche Versammlung, sich für diese Nacht als meine Gäste zu betrachten!"
„Habt ihr's gehört? Er will in feinem Schmerz nicht allein fein! Also ... ,Black und White* heran! Holgerson zahlt'.!"
„Bestimmt?"
Der kleine schwarzhaarige Mann mit dem fatalen
unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, unter Anrechnung von 10 Togen Untersuchungshaft, verurteilt.
Der ebenfalls in Untersuchungshaft befindliche W. P. aus Rudolstadt, z. Zt. ohne festen Wohnsitz, hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Er hat einen Abmeldeschein gefälscht, sich aufgrund des falschen Abmeldescheines in Vacha eine Quittungskarte Nr. 1 der Invalidenversicherung ausstellen lassen und dann der Zahl „1" die Zahl „3" hinzugefügt, sodaß der Eindruck erweckt wurde, als handle es sich um die Jnvalidenquit- tungskarte Nr. „13". Diese Karte hat er in Lauterbach mit dem Abmeldeschein zusammen oorgelegt und auf die Fragen des Beamten die darin und in dem Abmeldeschein vermerkten unrichtigen Angaben wiederholt. Der ganz erheblich und besonders einschlägig vorbestrafte Angeklagte war geständig.
Der Anklagevertreter beantragte eine Haftstrafe von einem Monat und eine Gefängnisstrafe von acht Monaten.
Der Angeklagte wurde wegen Fälschung von Legitimationspapieren zu einer Haft strafe von sechs Wochen, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt, und wegen Fälschung der Jnvalidenguittungskarte zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt.
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H. M. in Usenborn war der Beleidigung und üblen Nachrede beschuldigt. Er bat, nachdem er wegen falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden war, in einem an das
bett. Amtsgericht gerichteten Schreiben ohne Unterschrift schwere Beleidigungen zum Ausdruck gebracht und dem Gericht allerlei Böses gewünscht.
Der Angeklagte bestritt, der Schreiber des Briefes zu sein. Nach dem schriftlichen Sachverständigengutachten ist der Angeklagte der Schreiber.
Auf Antrag des Anklagevertreters wurde die Verhandlung auf den 29. d. Mts. vertagt und die Ladung des Sachverständigen angeordnet.
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Der Jude Karl Israel Salomon, zuletzt in Frankfurt a. M., jetzt im Ausland, hat m der Zeit vom 20. Juni 1936 bis zum 30. Mai 1938 eine weibliche Staatsangehörige deutschen Blutes unter 45 Jahre in feinem Haushalt in Alsfeld als Warte, frau beschäftigt. (Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. Sept, und 14. Nov. 1935). Die Angestellte war vorher ebenfalls in einem jüdischen Haushalt tätig. Es war dem Angeklagten gestattet worden, die Angeklagte vorläufig wetter zu beschäftigen. Ein Gesuch, die Angestellte weiter beschäftigen zu dürfen, wurde aber abschlägig beschieden. Trotzdem beschästtgte er die Angestellte weiter.
Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnis, strafe von zwei Monaten.
Der jüdische Vertreter des Angeklagten bat, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen und auf eine Geldstrafe zu erkennen.
Der Angeklagte wurde zu einer Geldstra fe von 200,— R M„ ersatzweise 20 Tage Gefängnis verurteilt. Strafmildernd kam in Betracht, daß bei dem flüchtigen Angeklagten eine Wiederholung des Vergehens nicht zu befürchten und der Angeklagte unbestraft sei, er sich auch bemüht habe, eine endgültige Genehmigung zu erhalten.
Aus der engeren Heimat.
Dr. Alfred Martin, Bad-Aauheim f.
<£ Bad-Nauheim, 16. Aug. Dr. med. Alfred Martin, einer der bekanntesten Bad-Nauheimer Badeärzte, ist nach kurzem Krankenlager im 66. Lebensjahre unerwartet g e ft o r b e n. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der durch seine wissenschaftliche Tätigkeit auch in nahe Beziehungen zur Universitätsstadt Gießen getreten ist. Aus dem Gebiete der Geschichte der Medizin und des Gesundheitswesens gehörte Dr. Martin zu den angesehensten deutschen Forschern und Schriftstellern. Sein 1906 erschienenes große Werk „Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen" ist heute noch grundlegend für die Geschichte der Bäderkunde. Ungezählt sind die größeren Beiträge, die Dr. Martin für führende in- und ausländische medizinische, naturwissenschaftliche und volkskundliche Zeitschriften beigesteuert hat. Es sei hier nur an die volksmedizinischen Abhandlungen erinnert, die in den „Hessischen Blättern für Volkskunde"' erschienen sind. Die Bad-Nauheimer Heimatforschung verdankt Dr. Martin sehr viel. Er begründete den Heimatverein und das „Bad-Nauheimer Jahrbuch", eines der gediegensten hessischen Jahrbücher der Heimatforschung. Insbesondere die Geschichte der Bad-Nauheimer Saline fand durch Dr. Martin ihre erste wissenschaftliche Darstellung. Zum Oberhessischen Geschichtsverein und zur Hessischen Bereinigung für Volkskunde unterhielt der Verstorbene besonders freundschaftliche Beziehungen. Auch der Beilage „Heimat im Bild" des Gießener Anzeigers war Dr. Alfred Martin ein geschätzter Mitarbeiter.
Oer Haushaltsplan derStadtBuhbach
# Butzbach, 15. Aug. In einer Ratsherrensitzung gab Bürgermeister Dr. Mörschel zunächst einen Rückblick auf die Jahre 1937 und 1938, wobei er ein sehr günstiges Gesamtergebnis in der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der Stadt feststellen konnte. Im Jahre 1937 konnte für notwendige Verbesserung in der Wasserversorgung eine Rücklage von 90 000 RM. gemacht und zum Ankauf von neuem Baugelände 30 000 RM. und zwecks Schuldentilgung 70 000 RM. aufgewendet werden. Ebenfalls für die Wasserversorgung benötigte das Jahr 1938 zur Fertigstellung des Filteranlage im Pumpwerk Griedel 20 000 RM. Weitere Bohrungen nach neuen Quellen laufen jetzt schon einige Jahre und erforderten wieder einen Kostenaufwand von 30 000 RM. Der Wasserbedarf unserer Stadt ist nunmehr durch den Zulauf des. Wassers der bereits angeschlossenen Quellen sichergestellt. Das Pumpwerk Griedel verbleibt als Zuschußstation im Notfall. Im Jahre 1938 wurden viele Straßenverbesse
rungen vorgenommen. Die Ausgaben hierfür betrugen 15 000 RM. Ein der Stadt gehöriges, durch Kauf erworbenes Haus in der Schulstraße wurde mit einem Kostenaufwand von 16 000 RM. umgebaut und dient als vorläufige Jugendherberge. Im vergangenen Rechnungsjahr 1938 konnte die Tilgung der städtischen Schulden um weitere 108 000 RM. erfolgen und Rücklagen von 70 000 RM. ge* macht werden.
Für das Jahr 1939 sind vorgesehen: Die zwingend notwendig gewordene Erweiterung des Friedhofes soll im laufenden Jahre in Angriff genommen und damit die alte Leichenhalle beseitigt werden. Eine neue Leichenhalle wird gebaut und zugleich das schon vielfach geplante Gefallenen-Ehrenmal errichtet. Die Kosten hierfür werden zum Teil aus bereits vorhandenen Rücklagen gedeckt werden können. Für Geländeerwerb sind 26 000 RM., für die Leichenhalle 14 000 RM. und für das Ehrenmal 17 000 RM. vorgesehen.
Die im Bau befindliche Schweinemästerei des Ernährungshilfswerkes der NSV. geht allmählich ihrer Fertigstellung entgegen. Dis Kosten belaufen sich auf 16 000 RM. Da sich die Stadt durch Neubauten ftetig erweitert, ist neues Baugelände für Siedlungszwecke im Werte von 28 000 RM. erworben worden. Dabei sind gleichzeitig die Dersorgungsan« lagen mit Wasser, Licht, Kanal usw. mit zu schaffen. Für das geplante HJ.-Heim wird ein weiterer Betrag von 15 000 RM. und für die Wald pumpen ein Schlußbetrag von 28 000 RM. eingesetzt.
Nach der Vermögenslage der Stadt ist der Wert des bebauten Grundbesitzes mit 612 000 RM., der Wert des unbebauten mit 14 000 RM. zu verzeichnen. Das Kapitalvermögen betrug Ende 1937 insgesamt 782 000 RM., Ende 1938 dagegen 827 000 RM.; die Kapitalschulden 747 000 RM.
Durch die günstige Vermögenslage war es u. a. auch möglich, den Haushaltsvoranschlag für 1939 auszugleichen. Die Steuereinnahmen werden sich um rund 60 000 RM. erhöhen, wobei eine Erhöhung der Steuersätze nicht eingetreten ist. Der Haushalt für 1939 schließt insgesamt in Einnahmen und Ausgaben mit 1368 520 RM. ab, gegen 1209 907 RM. im Vorjahre.
Mit einem Schuß in der Brust schwerverletzt aufgefunden.
* Birklar (Kreis Gießen), 15. Aug. Heute gegen 5 Uhr fand man in einem hiesigen Hause, wo er sich für einige Tage zu Besuch aufhielt, einen 14 Jahre alten Jungen im Bette liegend mit einer Schußwunde unmittelbar unter dem Herzen schwerverletzt
Lächeln um die bleichen Lippen zupft Holgerson verstohlen am Aermel. Aergerlich fährt der herum.
„Wer wagt es denn... ach, Sie sind's, Blumberg! Zum Teufel, wie kommen Sie denn hierher?"
Deutlich malen sich Ueberraschung, Aerger und auch Bestürzung im Gesicht des Sängers. Auf keinen Fall scheint er darauf gefaßt gewesen zu sein, diesem Mann hier zu begegnen.
„Können Sie mich denn nicht in meiner Privatwohnung aufsuchen, wenn Sie etwas Wichtiges mit mir zu besprechen haben?"
„Kann schon", lächelt Blumberg verlegen und sieht auf seine Stiefelspitzen nieder, oft geputzte, gar nicht sehr elegante Stiefelspitzen. „Aber haben Sie es nicht streng verboten? Wegen der Frau Ge- mablh:9 Und sonst, liebster, bester Holgerson, sind Sie doch nie zu sprechen für einen so armseligen Burschen wie Blumberg.
Auf der Bühne, nach dem Theater, bei den Proben, auf Reisen, in Gesellschaft... immer sind Sie von den Menschen umgeben, die Ihnen Schmus sagen, weil sie sich von Ihnen etwas versprechen. Wo der kleine Blumberg wohnt, das wissen Sie immer nur, wenn... ja, wenn es eben fein muß. Sie sind ja wohl im Bilde."
„Na, und was haben Sie jetzt?"
„Nichts Unerwartetes. Nur die Abrechnung. Es ist ein bißchen viel geworden in den letzten Monaten. Miß Essie verursacht viele Spesen. Alle Damen, die beim Variete sind, verursachen zu hohe Spesen, Mister Holgerson."
„Sparen Sie sich gefälligst Ihre Ratschläge. Miß Essie geht sie einen Dreck an! Kommen Sie, hier im Nebenzimmer sind wir ungestört."
Er stößt den ungebetenen Gast in das Nebenzimmer. Holgerson weiß ja Bescheid hier. Ohne zu zögern, findet er den Schalter für das Licht, und als der rotverhangene Leuchter aufflammt, bleibt Blumberg einen Augenblick vor Ueberraschung der Mund offen, so daß er außerordentlich töricht aussieht.
Der Raum ist mit verschwenderischer Pracht aus- gestattet, gleicht auf ein Haar dem Schmollwinkel einer verwöhnten Frau. Getäfelte Wände, viele Kissen, niedrige Tische, gedämpftes Licht...
Ein Grinsen geht über Blumbergs Gesicht.
„Verstehe ...", nickt er lächelnd. „Hier finden ... die Privatkonferenzen statt. Ich hab nie geahnt.
was die ,Greenhorn-Bar* für niedliche lieber- raschungen birgt!"
Holgerson aber ist nicht geneigt, dem Besucher die Zwecke dieser lauschigen Räume klarzumachen, fon- dem ist erbost, daß ihn Blumberg hier aufgestöbert hat.
„Schießen Sie los! Sie wollen Gekd, nicht wahr?"
Besorgt schüttelt der den Kopf.
„Wenn es nur das wäre! Ich bin doch kein Angsthase, Mister Holgerson, und einen Mann, dessen Frau drauf und dran ist, einige Millionen zu erben, drängt nur ein Narr. Nein, das ist es nicht! Aber... ich möchte mit Ihnen zu einer Art ... Generalabrechnung kommen. Sehen Sie, ich verlasse vielleicht in den nächsten Wochen England und reife nach Amerika. Mein Bruder hat drüben ein Geschäft, das mich braucht.
Was meinen Sie von meinem Geld? Ich kriege es bis dahin doch nicht von Ihnen. Da habe ich eben kurzerhand meine Forderungen an eine Bank abgetreten... Die wird sie für mich verwalten und gut und sicher anlegen in schönen Papieren, bis ich zurückkomme. Können Sie das verstehen?"
„Was geht mich das an? Ich bin an Ihren Familienangelegenheiten nicht im mindesten interessiert."
„Schön. Sie sind nicht interessiert an meinen Sachen. Aber ich. Und was soll geschehen mit den Aktien, in die ich für Sie beinahe zehntausend Pfund gesteckt habe?"
„Die lassen Sie gefälligst auf meine Kosten liegen!"
„Ausgeschlossen. Die Bank übernimmt sie nur zum tatsächlichen Kurs. Sie wissen doch ganz genau, daß sie nicht viel wert sind. Ucbermorgen vielleicht überhaupt nichts mehr."
„Warum haben Sie bloß nicht verkauft, als noch Zeit war? Seit acht Tagen liegt mir der Gedanke an diesen Reinfall im Magen."
„Wie konnte ich ohne Ihren Aufttaa verkaufen? Ja, und nun werden Sie sich die Stube tapezieren lassen können mit Ihren Aktien! Habe ich nicht immer von den verdammten Kupferminen ab geraten, von denen keiner weiß, wo sie eigentlich liegen und was sie bringen?! Stimmt bas, Mister Holgerson?"
(Fortsetzung folgt)


