Nr. 268 Erstes Blaff
189. Jahrgang»
Mittwoch, 15. November 1939
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England plani eine Blockade der Neutralen.
Ltnierbindung der deutschen Einfuhr in neutrale Staaten bedeutet willkürlicher Zugriff auf legales Eigentum der Neutralen
Berlin, 14. November. (DNB.) Der „Deutsche Dienst" schreibt:
Das Londoner Wirtschaftsblatt „Financial News" hat in den letzten Tagen wieder mehrfach die Forderung erhoben, die.englische Blockade auch auf die deutschen Ausfuhren auf neutralen Schiffen auszudehnen. Die Zeitung kann aber ihr unsicheres Rechtsgefühl bei diesem Verlangen doch nicht ganz verbergen und schreibt daher selbst, daß sich eine derartige Blockadeerweiterung nur schwer bewert st eiligen lasse, wenn sie nicht als legal gerechtfertigt werden könnte. Diejenigen, die diese Ansicht nicht teilten, verträten die Auffassung, daß auf Grund der allgemein anerkannten Grundsätze des internationalen Rechtes nur die deutsche Einfuhr blockiert werden könnte.
Gegen diese sehr zutreffende Auffassung der Rechtslage wendet der Lombard-Trade-Korrespon- dent des Blattes ein, daß das Recht einer Repressalie einen integrierenden Teil des internationalen Rechtes bilde und alle anderen Erwägungen ausschalte. Solange Deutschland in seiner U - Boot-Kriegführung nicht zwischen aus- oder heimfahrenden britischen oder neutralen Schiffen unterscheide, habe England das Recht, dagegen -in Form einer Repressalie vorzugehen und keinen Unterschied zwischen aus- und einfahrenden deutschen Schiffsladungen zu machen.
Zu dieser Darstellung der „Financial News" ist vor allem zu bemerken, daß die aus Deutschlanü in neutrale Länder zur Ausfuhr gelangenden Güter mit dem Verlassen des deutschen Reichsgebietes bereits in das Eigentum des neutralen Käufers übergegangen sind und von diesem aus neutralen Ländern und auf neutralen Schiffen nach dem neutralen Bestimmungsort zum Versand gebracht werden. Eine Verwirklichung der in der „Financial Neids" erhobenen Forderung trifft also säst ausschließlich und in erster Linie 6 i e neutralen Staaten, denen England offenbar mit dieser weiteren Erschwerung ihres Handelsverkehrs ihre eigene Ein - und Ausfuhr vollends unterbinden will. Man wird deshalb in London bei den Beratungen über diese Pläne auch in Rechnung stellen müssen, ob 'ich die neutralen Länder, die für ihre Volkswirt- chaft und die Aufrechterhaltung ihrer wirtschaftlichen Existenz deutsche Waren benötigen, damit ab- -inbenwerden, daß legalesEigentum ihrer Bürger willkürlichen brittschen Zugriffen ausgesetzt wird.
Man sollte sich in England auch weiterhin überlegen, daß es sich bei einer derartigen Ausfuhr aus Deutschland in keinerlei Hinsicht um Konterbande handelt, da die in neutrales Eigentum übergegangenen Waren weder direkt noch ndirekt zu einer militärischen Stärkung Deutsch- ands beitragen könnten. Und wenn schon be- 'ckimmte englische Kreise nach Angabe der „Finan- rial News" der Ansicht sind, daß nur bie beut- s ch e Einfuhr rechtmäßig blockiert werben Könnte, bann muß dies dahin berichtigt werden, daß Nach den internationalen Rechtsnormen sogar nur ge ro ijf e Teile der deutschen Einfuhr blockiert »erben könnten, nämlich hinunter ben Begriff ber : einen Kriegs-Konterbanbe fallende Warenelnfuhr. Obwohl die Begriffe des unbebing- i«en unb bedingten Banngutes im internationalen Necht feststehen und von einer weit überwiegenden Mehrheit der Staaten anerkannt sind, wie etwa Zon den ganzen amerikanischen Ländern auf ber Konferenz auf Panama, hält sich bekanntlich Eng- ianb hoch nicht an biese Normen, sonbern veracht die ganze deutsche Einfuhr, auch die von Lebensmitteln und Kleidung für bie Zivilbevölkerung, zu unterbinden.
Allein aus diesem Grunde ist es schon völlig abwegig, daß ausgerechnet England das Recht zu Repressalien in Anspruch nehmen will. Ein solches liecht zur brutalen Willkür gibt es nur in ber i ritifchen Rechtspraxis seit Jahrhunberten, picht aber im allgemein anerkannten Völkerrecht. Es ist auch absolut unsinnig, der deutschen U-Boot- Lriegführung vorzuwerfen, daß sie keinen Unterschied zwischen einfahrenden »unb ausfahrenden bri- ! schen Schiffen mache, denn man hat bis jetzt noch r iemals gehört, daß die britische Kriegsmarine für leutfche Schiffe einen derartigen Unterschied macht. England weiß doch selbst ganz genau, baß alle Transport- unb Verkehrsmittel zum tnbebingten Banngut gehören und daß ts für bie prisenrechtliche Einziehung eines feindlichen Hanbelsschiffes belanglos ist, ob es Banngut cit Bord hat ober nicht. Die Behauptung, daß die lsutschen U-Boote auch bei ben neutralen Schiffen feinen Unterschied machten, ist eine britische Propa- coanbalüge. Die von England nach neutralen 1 ändern fahrenden neutralen Schiffe sind lis jetzt von den deutschen Seestreitkräften unbe- l e l l i g t geblieben. Dies schließt allerdings nicht Ide Möglichkeit aus, daß Deutschland seinerseits die lritische Ausfuhr auf neutralen Schiffen, z B. die Kohlentransporte nach Skandinavien, rnterbindet, falls England ohne Rücksicht auf tas Völkerrecht seine Absichten in bezug auf eine Verhinderung ber beutschen Ausfuhr auf neutralen Schiffen verwirklichen sollte.
Man müßte in ben interessierten britischen Krei- s'.n mehr bie Ansichten bes früheren Finanzschrift- 1; iters des „Evening Stanbard" A. S. Wade beach
ten, ber in einer Zuschrift auf bie zuvor behanbelten Ausführungen ber „Financial News" betonte, daß eine derartige britische Maßnahme einer „Blockade der Neutralen" gleichkomme.
Neue englische Neutrulitaisverletzung.
Drei britische Flugzeuge landen in Belgien.
B r ü f f e l, 15. Nov. (DNB.) Drei englische Flug, zeuge haben am Dienstagnachmittag belgisches Gebiet in der Nahe der belgisch-franzö- fischen Küste überflogen. Liner der drei Apparate ist in Loxyde auf belgischen Boden niedergegangen, ein zweiter in La Panne, ebenfalls auf belgischem Boden, und der dritte in unmittelbarer Nähe der französischen Grenze, aber auch noch in Belgien. Die Pilo
ten erklärten, sie hätten geglaubt, sich über Frankreich zu befinden.
Britischer Handelsdampfer auf eine Mine gelaufen.
Amsterdam, 15. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Der 8000 Tonnen große britische Handelsdampfer „M a t r a" ist nach einer Meldung aus London auf eine Mine gelaufen unb schwer b e - schäbigt worben. Bei ber Explosioon würben zwei Mann getötet unb zwei verwundet. Die „Matra" war in Liverpool beheimatet. Der Kapitän, ber Lotse, 10 Offiziere unb 40 Laskaren (indische Matrosen) würben von einem Rettungsboot gerettet, bas dreimal zu bem Frachtdampfer fuhr. Andere Mitglieder der Besatzung, die das Rettungsboot des Dampfers benutzt hatten, wurden von einem Fangdampfer aufgenommen.
„Deutsche Mooileule keine herzlosen Meder."
Besatzung eines versenkten britischen Dampfers auf deutschem Ll-Boot.
London, 15.Nov. (Luropapreß). Der englische Dampfer „Lr eh well" ist in der Nähe von Schottland von einem Unterseeboot versenkt worden. Don der aus zwölf IHann bestehenden Besatzung werden sechs vermihl. Die Be- sahungsmilglieder wurden von dem U-Boot ausgenommen, das sie sieben Stunden lang an Bord behielt, und dann einem Dampfer übergab, von dem sie am Nachmittag in Fleetwood an Land gesetzt wurden.
Als der Kapitän des Schiffes das U-Boot verlieh, sagte ihm der deutsche Kommandant: „Sagen Sie den Herrn Churchill, deutsche U-Bootleute sind keine herzlosen Mörder." Ein anderer Mann der Besatzung erzählte: „Die U-Bootmänner
laten alles, um es uns bequem zu machen. Sie gaben uns Kleidung, warme Decken und Branntwein. Während wir an Bord des 21- Bootes waren, sahen wir, wie der ,Lrehwelst versank."
Britischer Dampfer im Geleitzug erfolgreich torpediert.
Boston, 15. Nov. <VNB. Funkspruch). De- satzungsmitglieder des hier eingelroffenen britischen Dampfers „Nova S c o l i a" berichteten, dah e i n deutsches U-Boot im Mittelatla ntik aus einem britischen von Zerstörern geschützten Geleitzug ein Schiff erfolgreich torpediert habe.
26000 Tonnen in den letzten Tagen durch ein deutsches Lt-Boot versenkt.
Der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch.
Berlin, 15.Nov. <VNB. Funkspruch». Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Westen außer geringer Artillerie-Tätigkeit keine besonderen Ereignisse.
Die englische Admiralität gibt den B e r l u st eines Zerstörers bekannt, der auf eine deutsche Mine gelaufen sei. Der englische Frachl- dampser „Matra" (8600 Tonnen) wurde durch eine Explosion vernichtet. Eines unserer 21- Boote hat in den letzten Tagen 26000 Tonnen versenkt und eine Prise eingebracht.
Deutscher Fliegerangriff aus die Shetlands-Fns el n
Zwei britische Flugboote zerstört.
Berlin, 14. Nov. (DNB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Bei nur geringer Spähtrupp- und Artillerietätig- keit vertief der gestrige Tag an der ganzen Front ruhig.
Trotz ungünstiger Wetterlage unternahm am 13. November ein deutscherkamp ff liege r- verband einen Angriffsflug gegen die S h e t - lands-3nfetn. hierbei wurden zwei Flugboote zerstört. Lin vermutlicher Treffer gegen einen englischen Kreuzer konnte mit Sicherheit nicht beobachtet werden. Die eigenen Flugzeuge kehrten sämtlich wohlbehalten wieder zurück.
TrohNebel undWinterffürme.
Der Erste Lord ber britischen Abmiralität, Winston Churchill, hat in seiner letzten Gauklervorstellung vor ben Hörern bes britischen Rundfunks so getan, als ob ber deutsche Abler es nunmehr vor bem brittschen Löwen mit ber Angst gekriegt hätte. Insbesondere, so meinte er, seien Rebel unb Winter st ürme — neben ber brittschen Luftabwehr natürlich — zu fast unüber- windlichen Hindernissen für die deutsche Luftwaffe geworden. Aber Churchill muß sich wieder einmal eine Berichtigung gefallen lassen, nicht nur, was bie Fähigkeiten unserer Flieger, sondern auch ihre Einschätzung in der englischen Öffentlichkeit betrifft. Da wird nämlich von der amtlichen Agentur Reuter berichtet, daß am Montag zum ersten Mal in Kalkutta Fliegeralarm gegegeben worben
sei, baß sich aber später herausgestellt habe, bah ber fremde Eindringling „kein feinblicher Flieger" war. In Kalkutta? In Qnbien? Zum Teufel noch mal, man scheint ben deutschen Piloten in London doch allerhand zuzutrauen. Was man ihnen aber wirklich zutrauen kann, das hat Herr Churchill unb seine Rundfunkgemeinde noch am gleichen Tage erfahren müssen. Denn trotz „Nebel und Winterstürmen" unb trotz ber
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respektablen Entfernung bes Angriffsziels hat ein beutscher Kampffliegerverb and boch ben Weg z u ben Shetland-Inseln gefunden, dort seinen Auftrag erledigt unb den Heimflug ohne jeden Verlust angetreten. Was unsere Kampfmaschinen dort gewollt und was sie angerichtet haben — na, Herr Curchill wird es schon wissen. Zwar möchte Churchill auch diesmal keine Schäden zugeben, zwar läßt er statt des „toten Hundes" vom Firth of Forth diesmal ein paar zersprungene Fensterscheiben erscheinen. Aber daß die deutschen Flugzeuge unbehelligt wieder von bannen flogen, bas wagte jetzt sogar die englische Lügenpresse nicht zu
Die orientalische Frage.
In ber letzten Zeit haben England und Frankreich alle Agenten ihrer Geheimdienste im Orient aufgeboten, um eine Einheitsfront der Mo -- bamebaner für ben Eintritt in Englanbs Krieg herzustellen. Diese polittsche Tenbenz ist in Rom stark aufgefallen und hat zu zwei bemerkenswerten Auslassungen in ber italienischen Presse geführt, deren Gedankengängen zu folgen sehr interessant ist. Die britischen Blätter fabeln, so schreibt die „Stomp a", von einer in Bildung begriffenen Einheitsfront vom Nil bis zum Indus. Aber nicht nur die Palästinafrage steht diesem Plan entgegen. Der Pakt ber Westmächte mit ber Türkei hat zu einer ernsten Warnung Molotows an bie Abresse Ankaras geführt, sich allzusehr ins Schlepptau des brittschen Imperialismus nehmen zu lassen, eine Warnung, bie sehr wohl verstauben wurde. Iran, bas unter Schah Palewi seinen Kampf gegen bie britischen Interessen in Sübpersien mit Erfolg durchführte, will neutral bleiben, und zwar schon deshalb, weil die Briten ihm im Kriegsfälle keine Hilfe zu bieten haben. Denn es ist unmöglich, von Süden her, von Beludfchistan oder Mesopotamien also, den Russen zuvorzukommen, die langst Teheran unb ganz Nordiran besetzt haben würden, wenn bie mohamedanische Welt sich anschicken würde. Kanonenfutter für England zu liefern. Zudem ist Sowjetrußlanb der Pate der iranischen Selbständigkeit und nicht England. Moskau überließ bem neuen Iran bie Bahn Täbris—Aserbeidschan unb bie Anlagen am Südrand des Kaspischen Meeres. Afghanistan ist in der gleichen Lage wie Iran.
Eine zweite Schwierigkeit finden die Westpluto- kratten im arabischen Reich Ibn Sauds. Dieser Herrscher Arabiens und Herr der heiligen Stätten Mekka und Medina spielt im kleineren arabischen Dreieck Saudi-Arabien, fernen und Irak die erste Geige unb wahrt bis jetzt strengste Neutralität. Die Vereinbarungen zwischen diesen drei Staaten erstreben eine Politik nach rein arabischen Interessen. Der Herr von Mekka und Medina ist bemüht, das verbündete Irak neutral zu erhalten und es vom englischen Leitseil zu lösen, während anderseits die Franzosen wieder versuchen, durch ben gegenwärtig in Paris weilenden Ministerpräsidenten des P e men einen Schlag im Auftrage Eng-
beftreiten. Sollte daran vielleicht gerade der verdammte Nebel schuld sein, den Herr Churchill noch zwei Tage vorher zur Hilfe rief? H. Ev.
Große Beachtung in Dänemark.
Kopenhagen, 14. Nov. (Europapreß.) Die dänische Presse weist alle englischen Versuche zurück, die darauf hinzielen, die deutschen Fliegerangriffe auf das englische Festland und insbesondere den auf die Shetlandinseln zu bagatellisieren. „Ber- lingske Tidende" schreibt: „Es kann kaum noch ein Zweifel darüber herrschen, daß der gestrige Angriff auf die englische Küste einen neuen Ab schnitt des Krieges eingeleitet hat. Die neue deutsche Militärinittattve ist gestern erstmalig entfaltet worden; mit einer so großen Sicherheit, wie sie überhaupt in militärischen Dingen möglich ist, kann gesagt werden, daß der Angriff den Beginneines neuen Kapitels in diesem Kriege darstellt, und daß die Fortsetzung nicht länger aus sich warten lassen wird.
Wie bekannt, sind Wochen vergangen, seitdem die deutschen Flieger Bomben auf Schottlands Küste abwarfen. In der Zwischenzeit haben Auf- klärungsmaschinen fleißig diese Gegend abgeflogen, und nun sind aufs neue Bomber eingesetzt worden. Don besonders gut unterrichteter deutscher Seite wird mit Bestimmtheit gesagt, daß die deutschen Flugzeuge gestern zwei Maschinen vernichteten, die auf dem Wasser lagen. Man fragt sich hier in Zusammenhang mit der englischen Mitteilung, derzusolge nur verlassene Bauernhöfe und leere Häuser getroffen worden seien, ob in diesem Falle also die Flugzeuge als Bauernhöfe getarnt waren.
Das Echo in Italien.
Eine eindeutige Lektion für Churchill.
Rom, 15. Nov. (DNB Funkspruch.) Der deutsche Luftangriff auf die Shetlandsinseln findet in der römischen Presse um so größere Beachtung und aufrichtige Bewunderung, als er zeitlich mit den großsprecherischen Behauptungen des Lüaenmmisters Churchill zusammenfällt, daß England gerade in dieser Jahreszeit wegen der feuchten Witterungs- Verhältnisse vor derartigen gefährlichen Angriffen sicher sei. Die deutschen Flieger hätten Churchill eine eindeutige Lektion erteilt und erneut bewiesen, daß die Worte des Führers „e s gibt keine Inseln meh r", sich immer mehr bewahrheiten.
Militärische Schulung in den sowjetrussischen Mittelschulen.
Moskau, 15. Nov. (Europapreß.) In den sowjetrussischen Mittelschulen wird in Zukunft eine besondere militärische Schulung für alle Schüler ein- geführt. Der Leiter der im Unterrichtskommissariat neu errichteten Abteilung für diese militärische Schulung in den Mittelschulen, S o s i n , erklärte, daß in drei Wochenstunden praktische militärische Hebungen vorgenommen und theoretischer Unterricht erteilt würde. In jeder Schule wird ein besonderer Leiter für diesen Unterricht eingesetzt, der die Bezeichnung „Wojenruk" erhält.


