„Zungenbrecherische ' Namen.
Die polnischen Ortsnamen, von denen jetzt, bei dem raschen Vormarsch unseres Heeres, täglich neue an unser Ohr klingen, werden von dem Rundfunk« ansager gewissenhaft buchstabiert, um uns Las Auf« finden auf der Karte zu erleichtern. Wie diese Namen mit ihrer Häufung von Konsonanten eigentlich ausgesprochen werden, können wir uns nu« schwer vorstellen, und wir haben das Gefühl, es gehörte eine besonders geartete slawische Zunge dazu, um das überhaupt fertigzubringen. Tatsächlich ist die Aussprache aber gar nicht so schwer wie sie aussieht, und die Sache vereinfacht sich schon sehr, wenn man erfährt, daß viele der polnischen Doppelkonsonanten in Wirklichkeit nur einen einzigen Konsonanten darstellen. So ist sz gleich un« serem deutschen sch und das in Polen so beliebte cz wird wie ein einziger Konsonant tsch ausgesprochen. Es bleiben allerdings immer noch genug Schwierigkeiten übrig, wenn bei einem Namen vier oder womöglich noch mehr Konsonanten aufeinanderfolgen wie zum Beispiel bei dem Ort Szczuczyn, der im Kriege 1914 mehrfach erwähnt wurde und der nach dieser Regel also Schtschutschin gesprochen wird. Das empfinden wir zwar im ersten Augenblick immer noch als zungenbrecherische Zumutung, wenn wir es aber langsam versuchen, ist es keineswegs so übermäßig schwer, ja, wir können sogar Gegenbeispiele im Deutschen finden, die mindestens so schwer aussehen, ohne daß uns irgendeine besondere Schwierigkeit zum Bewußtsein kommt. Man denke zum Beispiel an das deutsche Wort „Vorwärtsschreiten". Hier stehen nicht weniger als sieben Konsonanten nebeneinander; in Wirklichkeit sind es allerdings nur fünf Konsonanten, da ja die drei Zeichen s, c und h einen einzigen Laut, das sch, bilden. Aber auch fünf Konsonanten nebeneinander sind schon eine ganz hübsche Anzahl!
Im übrigen ist es selbstverständlich nicht nötig, die polnischen Ortsnamen „korrekt" auszusprechem Auch unsere auf polnischem Gebiet lebenden deutschen Brüder denken gar nicht daran, sondern haben sich die Sache von jeher damit vereinfacht, daß sie überall, wo der Pole tsch sagt, nur sch sprechen. Den einganas erwähnten Ort Szczuczyn also sprechen sie einfach Schuschin aus. Der Ton liegt im Polnischen ausnahmslos auf der vorletzten Silbe, sogar der Name Berlin wird von den Polen auf der vorletzten, in diesem Fall also auf der ersten Silbe betont. Ebenso wie die Franzosen und überhaupt fast alle anderen Völker außer uns Deutschen gehen die Polen höchst selbstherrlich mit den aus einer anderen Sprache stammenden Namen um. Wir haben daher erst recht keine Veranlassung, darauf zu achten, daß einem volnischen Namen auch , die richtige polnische Aussprache zuteil wird, C. K*
Die
Wo kämpften unsere Truppen?
Führer eine Division, deren Kommandeur an der dert wurden, ins rechte Licht zu rücken, auch wenn
Front am Vortage verwundet wurde, sich aber weigerte, seinen Platz zu verlassen und ins Lazarett zu gchen. Der Führer spricht dem tapferen Kommandeur für die Haltung seiner Division seine besondere Anerkennung aus. Eingehend läßt sich der Führer über das tapfere Verhalten der einzelnen Soldaten sowohl als auch der verschiedenen Trup- pentMe berichten. Eindrucksvoll ist ein Bericht, der von dem Heldenstück eines deutschen Panzerabwehrschützen Kunde gibt. Dieser tapfere deutsche Soldat brachte es fertig, drei anrolle n ü e polnische P a n z e r bis auf fünf Meter an sich heran kommen zu lassen, um sie dann erst durch drei Volltreffer nacheinander zu erledigen, dafür bekam er das erste Eiserne Kreuz
Volksdeutschen können es gar nicht fassen, daß der Führer, auf den sie seit so vielen Jahren vertrauten, nun wirklich unter ihnen weilt, — wurde doch Lodz
erst am Wochenende von deutschen Truppen genommen. Desto größer ist nun der Jubel, mit dem sie dem Führer für ihre Befreiung danken. Hell gehen die Heilrufe in den Straßen, die der Führer durchfährt. Die Gesichter der Deutschen von Lodz leuchten vor Freude und Ergriffenheit, die Arme steigen zum Gruß empor, — vergessen sind in diesem Augenblick die unermeßlichen Qualen zweier Jahrzehnte.
Der schönste Augenblick ihres Lebens ist da. Neben den Volksdeutschen stehen die deutschen Sol- d a t e n — und auch sie jubeln dem Führer zu und bereiten ihm eine unvergeßliche Huldigung.
Am Ausgang der Stadt gibt es eine kurze Stockung. Die Straße ist aufgerissen. Offenbar wollten die Polen mitten im Rückzug noch rasch eine letzte Schützengrabenstellung ausheben, aber es war schon zu spät. Die Welle des deutschen Vormarsches ging auch über diesen letzten Versuch hinweg. Jetzt sind Hunderte von Juden, zum Teil noch mit dem Kaftan bekleidet und die schmierigen ostjüdischen Käppchen auf den Köpfen, damit beschäftigt, die Straße zuzuschütten und wieder befahrbar zu machen. Volksdeutsche Hilfspolizei überwacht ihre Arbeit — die erste produktive Arbeit, die diese Ostjuden in ihrem Leben leisten.
man wohl mit Recht annimmt, daß es vorwiegend motorisierte Abteilungen gewesen sind, die am Dienstag bereits Lemberg erreicht haben.
Lemberg, die Hauptstadt Ostgaliziens, verdankt ebenso wie Krakau deutschen Kolonisten seins wirtschaftliche Blüte und kann auch heute noch nicht in seinem Stadtbild den deutschen Einfluß verleugnen. Die Stadt ist eine Gründung der ukrainischen Fürsten von Halicz aus dem 13. Jahrhundert, fiel aber bald an Polen und kam dann bei der ersten Teilung Polens 1772 zu Oesterreich. Im Weltkrieg mußte Lemberg bereits Ende August 1914 geräumt werden, erst im Sommer 1915 konnten die Russen bis an den Styr zurückge« worfen werden und seitdem war die Stadt Hauptetappenort der in Ostgalizien und Wolhynien kämpfenden verbündeten Truppen und ist als solcher auch vielen von und zur Front fahrenden deutschen Soldaten vertraut geworden. Lemberg hat unter seinen mehr als 300 000 Einwohnern neben vielen Juden schon einen stark ukrainischen Einschlag, ist auch Sitz eines uniert-orientalischen Erzbischofs. Universität, Technische- und Tierärztliche Hochschule machen die Stadt zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens Ostgaliziens. In Lemberg haben die Nationalitätenkämpfe zwischen Polen und Ukrainern stets eine große Rolle gespielt, seitdem im Januar 1919 ein Westukrainischer Volksfreistaat ausgerufen worden war, die Polen jedoch im Juli 1919 Ostgalizien erobert hatten. Polen mußte zwar den drei ostgalizischen Wojewodschaften Lemberg, Stanislau und Tarnopol auf Druck der Alliierten Selbstverwaltung gewähren, hat sich aber darüber ebenso wie über seine sonstigen Minderheitenverpflichtungen skrupellos hinweggesetzt, so daß hier zwischen Ukrainern und Polen stets ein außerordentlich gespanntes Derhäftnis bestanden hat. Neben Ukrainern werden die deutschen Truppen auf ihrem Weitermarsch, wie einst die Frontkämpfer des Weltkrieges, hier auf starke deutsche Bauernkolonien stoßen.
Nach weiteren Berichten sind schnelle Truppen auch bereits an die Straße Lublin—Lemberg vor«
Etappe mehr.
Hervorragend ist die Stimmung der Truppe. Auch der gute deutsche Soldatenhumor fehlt nicht inmitten der Front. Die Truppen, die hier den siegreichen Vormarsch in großartigen Marschleistungen von täglich 50 bis 60 Kilometer heran- und vorantrugen, haben von der deutschen Grenze ein Derkehrsschild mitgenommen, das auf gelbem Grund mit schwarzen Buchstaben die Bezeichnung trägt „Nach Polen über Lodz". Dieses Verkehrsschild ist der Truppe zu einem Symbol geworden. Sie wird es weiter tragen bis zum Abschluß der Schlacht — „Nach Polen — über Lodz"! Das Wort wird ein guter Wegweiser sein.
Der Führer besucht in diesem Kampfabschnitt die Divisionsstäbe und läßt sich über die Kämpfe der letzten Tage eingehend Bericht erstatten. Er spricht mit den Offizieren, die mit ihren Kompanien und Bataillonen den polnischen Durchbruchsversuch vereitelten und den deutschen Angriff weiter vvrantrugen. Unter anderem besuchte der
Von Przemysl bis Lemberg sind es in der Luftlinie mehr als 80 Kilometer. Das ist eine Zahl, die geeignet ist, das gewaltige Tempo des deutschen Vormarsches und die außerordentlichen Leistungen, die von den deutschen Truppen gefor-
d e r Division.
Von hier begibt sich der Führer nach Lodz. Lodz ist völlig unzerstört. Die Bevölkerung geht wie immer ihrer Arbeit nach, die Läden sind geöffnet. Auf den Straßen drängen sich vor den Maueranschlägen der deutschen Verwaltung die Menschen. Der Besuch des Führers kommt der Stadt vollkommen überraschend. Die
Führer-Hauptquartier, 13. September, (DNB.) Der Führer begab sich auch heute wieder im Flugzeug an die Front. Sein Besuch galt diesmal dem Operationsgebiet nördlich von Lodz, wo in den letzten Tagen die Versuche von zahlreichen polnischen Divisionen und größeren Kavallerie-Verbänden, doch noch einen Durchbruch zu erzwingen, blutig zusammenbrachen. Der Führer besuchte die siegreichen deutschen Truppen und fuhr dann um 15 Uhr in Lodz ein, wo er von den Volksdeutschen und den deutschen Soldaten jubelnd begrüßt wurde. Zur selben Stunde, als der Führer durch Lodz fuhr, wurde von Reuter ein sogenanntes amtliches Kommunique in die Welt gefunkt, daß die polnischen Truppen — Lodz wieder erobert hätten! Selten wohl ist die Lügenhaftigkeit der englischen Propaganda rascher und eindrucksvoller erwiesen worden, als am heutigen Tage durch die Führerfahrt durch Lodz!
Der deutsche Vormarsch auf Lodz ging so rasch vorwärts, daß die Polen keine Gelegenheit mehr hatten, große Zerstörungen vorzunehmen oder gar, wie sie es in fast allen anderen Orten taten, ganze Straßenzüge in Schutt und Asche zu legen. So bietet das Lodzer Gebiet ein Bild des Friedens. Nicht einmal die Glashäuser der großen Bluiüenzüchte- reien sind zerstört. Aus den Gärten leuchten die flammenden Farben des Herbstes.
Bald jedoch ändert sich das Bild. Und tn Zgierz treffen wir wieder auf K a m p f s z e n e n: zerstörte polnische Panzer liegen im Straßengraben, deutsche Truppen ziehen nach vorn, schwere. Artillerie und MG.-Züge, Infanterie und Arbeitsdienst, der beim Ausbessern gesprengter Straßen und Brücken eingesetzt werden soll. Wir treffen Munitionsausgabestellen, Gefangenensammellagerstellen, Verbandsplätze, Befehlsstellen, Stäbe, die sich in verlassenen Gutshäusern eingerichtet haben.
Das Generalkommando ist voll motorisiert und arbeitet in einem großen Befehlswagen. <5o ist es in der Lage, jederzeit in direktem Kontakt mit den Truppen der vordersten Linie seine Entscheidungen zu treffen. Es ist überhaupt ein charakteristisches Zeichen der Schlachtenzonen, daß die deutschen Kommandostellen unmittelbar Hinte r d e r kämpfenden Truppe ihr jeweiliges Quartier aufschlagen und also ihre Dispositionen ohne jeden Zeitverlust aus unmittelbar eigener Anschauung treffen können. Truppe und Führung sind sich räumlich nahe. Keine weiten Entfernungen trennen Front und Stab. Es gibt in diesem Sinne keine
Seit unserer letzten Orientierung am Dienstag ist die südlichste deutsche Heeresgruppe in gewaltigen Märschen über den San hinweg nördlich und südlich an Przemisl vorbei weiter nach Osten vorgestürmt und hat mit vorgeworfenen Abteilungen am Dienstag bereits Lemberg erreicht. Przemysl s Rolle im Weltkrieg haben wir schon kurz gestreift. Die alte Sanfestung wurde Ende September 1914 von den Russen eingeschlossen, aber am 11. Oktober wieder entsetzt. Wenig später gelang es jedoch den Russen, wieder bis nach Przemysl vorzudringen und sie zu belagern. Am 22. März 1915 mußte der Kommandant General von Kusma- nek die Festung mit 40 000 Mann übergeben, nachdem ihm der Proviant ausgegangen war. Es, wurde schon gesagt, daß Przemysl nach dem Sieg von Gor- lice-Tarnow die Armee Mackensen nach erbitterten Kämpfen am Dunajec, Wisloka und San am 2. Juni 1915 mit stürmender Hand zurückeroberte. Heute ist Przemysl eine Stadt von rund 50 000 Einwohnern mit mannigfacher Industrie. Das im Heeresbericht genannte Städtchen Jaworow (nicht Jarorow, wie gestern irrtümlich berichtet) findet man halbwegs zwischen Jaroslau und Lemberg. Mit dem Erreichen von Sambor, einem Städtchen von 21 000 Einwohnern, rund 40 Kilometer südöstlich von Przemysl, haben die hier vorstürmenden deutschen Truppen bereits das Stromgebiet der Weichsel verlassen und den oberen Dnjester erreicht, der — mit 1345 Kilometer fast doppelt so lang wie die Weser — auf eine weite Strecke die Grenze zwischen der Sowjetukraine und dem seit dem Weltkriegsende zu Rumänien gehörigen Bessarabien bildet, bis er südlich von Odessa1 ins Schwarze Meer mündet. Die deutschen Truppen haben also mit ihrem Vormarsch nach Osten hier bei Sambor eine bedeutsame Wasserscheide erreicht.
Der Führer in Lodz von Soldaten und Volksdeutschen jubelnd begrüßt Vom W. ^.-Sonderberichterstatter des Deutschen Nachrichtenbüros.
renz von 1908/09 genaue Regeln für die Handelskriegführung geschaffen und unterschrieben wurden, daß England aber die Ratifizierung unterließ und mit Kriegsbeginn Amerika auf dessen Aufforderung zur Ratifizierung mitteilte, „gewisse Aenderungen und Zusätze" seien „notwendig wegen der wirksamen Führung der maritimen Operationen". Tatsächlich hatte die wilde Opposition in England gegen diese internationalen Rechtsbindungen gleich nach der Konferenz eingesetzt und der parlamentarischen Mehrheit die Ueberzeugung eingeflößt, es sei für England eine Erniedrigung, seiner Kriegführung Fesseln aufzuerlegen. Ob die britische Konferenzvertretung, die alles bereits unterschrieben hatte, solche Rückwirkung nicht vorausgesehen hatte oder in tieferer Absicht beauftragt war, den Biedermann zu spielen, ist heute noch umstritten. .
England hat sich aber nicht nur über die in London festgesetzten Regeln, sondern auch über die seit altersher anerkannten Grundsätze des Seekriegsrechts bedenkenlos hinweggesetzt. Aus der „F r e i h e i t d e r M e e r e" in Wilsons Punkten, d.h. der Freiheit jedes Neutralen, auch mit Kriegführenden Handel zu treiben, außer mit Konterbande (Bannware) oder mittels Blockadebruch, wurde ebensowenig wie aus dem Plan einer neuen Seerechtskonferenz.
Die Frage ist, was können die Neutralen zum Schutz ihrer Hoheitsrechte unternehmen? Für die Lu ft f reih eit ist das leicht zu beantworten: Flakfeuer und Jagdstaffeln gegen jeden Eindringling, auch Ballon- und D r a ch e n s p e r r e n auf die beliebtesten Wechsel legen, bis der Zwecke erreicht ist. Für Schweden und Dänemark: militärische Vorbereitungen gegen jeden Versuch, Luffftützpunkte gegen Deutschland zu schaffen, zugleich bewaffneter Schutz der Hoheitsgewässer gegen Mißbrauch, ebenso der norwegischen Fjorde. Für die Niederlande steht die Verteidigung der Küste, Inseln und Flußmündungen gegen englischen Einbruch im Vordergründe, der schon seit längerem in die Berechnung eingestellt ist. Das wichtigste aber wird die Bildung einer geschlossenen Front geaen die Vergewaltigung der Schiffahrt und Versorgung sein, einer Front, wie sie ja schon als Reaktion gegen den Genfer Sanktionszwang als „Oslo-Gruppe" sichtbar wurde. Eine solche Front ist im Werden, und es ist zu hoffen, daß sie sich mit allen Mitteln gegen die Verletzung der neutralen Rechte und der Knebelung der Wirtschaft der neutralen Länder durch England zur Wehr setzt. Don solchem Widerstande können starke Wirkungen ausgehen.
Chamberlain wiederholt alte Kriegslügen.
Berlin, 13. Sept. (DNB.) In einer Unterhauserklärung wiederholte der englische Ministerpräsident Chamberlain heute die alten Lügen und Phrasen von der Torpedierung der „Athe ° n i a" durch deutsche U-Boote bis zu dem „wunder- baren Kampfgeist" der Polen. Er deckte damit zugleich die Verbrechen der polnischen Insurgenten und den Trick seines Kollegen Churchill. Die Behauptung Chamberlains, daß er „für Freiheit und Sicherheit auf allen Meeren" kämpfe, muß bei den Neutralen, die mit den britischen schwarzen Listen und Blockadedrohungen eingeschüchtert werden, als ungewöhnlich dreist empfunden werden. Chamberlain sprach dann von der Sitzung des Obersten Verteidigungsrates britischer und französischer Regierungsstellen, die zum Ziel gehabt habe, einen direkten und persönlichen Meinungsaustausch herbeizuführen, ohne jedoch militärisch-strategische Fragen zu besprechen. Er entschuldigte zum Schluß die mangelhaften Methoden des britiscyen Reklame- und Lugenministeriums, das, wie der Oppositionsführer Greenwood meinte, den britischen Rundfunk und die britische Presse im Auslande lächerlich gemacht habe._____
Cin Danziger Kapitän besiegtBritannien
Paul Beneke, der Schrecken der britischen Schiffahrt.
Vor 470 Jahren, am 7. September 1469, begann einer der am wenigsten bekannten uni) doch interessantesten Kriege der Weltgeschichte: der Seekrieg zwischen der Hansa- stadt Danzig und dem mächtigen englischen Reich.
In dem Gasthof „Englisches Haus" in Danzig, das heute noch steht und an dem kein Besucher der alten deutschen Stadt vorübergeht, ohne ihm in Erinnerung an seine historische Bedeutung einen Blick zu schenken, verkehrten im Jahre 1469 in der Hauptsache die zahlreichen britischen Kaufleute, die nach der Hansastadt kamen, um hier Getreide und Holz einzukaufen. Sie mußten nach Danzig kommen, denn das stolze Britannien und die skandinavischen Länder waren auf dem Gebiete des Getreide- und Holzhandels von diesem damals selbstständigen Staate, in dem nur Menschen .Deutscher Art und deutscher Zunge" als vollberechtigte Bürger anerkannt wurden, vollkommen abhängig — ein Zustand, der von England schon seit langem mit scheelen Augen betrachtet wurde. Die fremden Kaufleute gaben ihrem Aerger über Danzigs Macht und Größe durch anmaßendes Auftteten und hochmütige Forderungen an den Wirt des „Englischen Hauses" Ausdruck; sie verlangten besser behandelt zu werden als die anderen Gäste, sie schikanierten die deutschen Köche und Gehilfen und brachen mit ihnen wie mit dem Wirt häufig Streit vom Zaune. Und wie in ihrem Quartier, so betrugen sie sich auch in der Stadt und gegenüber den Danziger Behörden; sie stießen Beleidigungen aus, ergingen sich bei Ablehnung ihrer Wünsche in dunklen Drohungen und führten viele Zwischenfälle herbei. Unerträglich aber wurden ihre Herausforderungen, als König Eduard der Vierte unter dem Druck der „Londoner Gilde der wagenden Kaufleute" den deutschen Stahlhof in London sperrte, die Kaufleute der Deutschen Hansa einkerkerte und nichts dagegen unternahm, daß fünf Deutsche von fanatischen Engländern ermordet und ihrer Waren beraubt wurden. Sie reizten die Danziger durch prahlerisches Reden, daß die Hansa es doch versuchen solle, England den Fehdehandschuh hinzuwerfen, und waren fassungslos in Zorn und Entsetzen, als die Deutsche Hansa Britannien den Kaper-Krieg erklärte.
Wer weiß, wie dieser Krieg für Danzig ausgegangen wäre, wenn in seinen Mauern nicht ein Mann gelebt hätte, den ein gütiges Schicksal zum Führer und Kämpfer und — Sieger über Britannien auserkoren: Paul Beneke, einen der größten
deutschen Seehelden, von dem kaum ein Deutscher des 20. Jahrhunderts etwas weiß. Paul Beneke, der es vom Schiffsjungen zum Hauptmann eines Handelsschiffes brachte, belagerte jahrelang die englische Küste, erbeutete mit seinen Kaperschiffen „Po- muchel" und „Adler", 26 britische Schiffe, tauchte überraschend in den feindlichen Häfen und Flußmündungen aus, feuerte aus seinen Kanonen und versetzte nicht nur die britische Seefahrt, sondern auch die englische Festland-Bevölkerung durch seine überraschenden Angriffe in Angst und Schrecken. Die Kapitäne und Matrosen Britanniens zitterten vor dem entschlossenen und hart zupackenden Danziger Seemann, der bei aller Strenge und Energie mit seinen Gegnern menschlich verfuhr und wehrlose Personen nach Möglichkeit schonte.
Das Jahr 1471 ging zur Neige. Die Besatzungen der sieben im englischen Hafen von Downs liegenden britischen Handelsschiffe, die am 2. Januar 1472 mit schwerer Ladung nach Frankreich und Spanien auslaufen sollten, saßen friedlich beim Neujahrsschmaus — Fische in Biersuppe — als die Matrosen des „John von Newcastle", des größten und schönsten Fahrzeuges der englischen Flotte, von einem mit einem Fischerboot anlegenden Manne angerufen wurden. Ob er und sein Freund — er deutete aus eine im Dunkeln schwer erkennbare Gestalt — unter dem Heck des „John von Newcastle" ihre steifen Glieder wärmen und sich eine Suppe kochen könnten? Gewiß doch, erwiderten die Engländer und kümmerten sich nicht mehr um die beiden Fischer, die ihre Neujahrsnacht im Schatten des britischen Schiffs-Titanen zubrachten. Als sie am anderen Morgen hinunterschauten, war das Boot verschwunden und das kleine Erlebnis bald vergessen.
Wie groß war der Schreck, als zwei Stunden später in dem Hafen von Downs die Kaperschiffe des gefürchteten Kapitäns Beneke auftauchten und zuerst die kleineren Schiffe der Briten zerschossen; verzweifelt versuchte der „John von Newcastle' den „Adler" der Danziger zu rammen, aber — die Briten erbleichten — die Ruder waren nicht klar zu bekommen. Sie spotteten aller Anstrengungen. Was war geschehen? Während oben die englischen Matrosen ahnungslos das neue Jahr begrüßten, goß Paul Beneke in rasender Eile Blei und steckte dieses Blei in die Scheren der Ruder, so daß diese manövrierunfähig wurden!!! Es war ein tolles, unglaublich verwegenes Unternehmen, das nur beherzte Manner wie Paul Beneke und sein Kamerad durchführen konnten, und es schlug dem stolzen Seereich eine der schwersten Wunden dieses Krieges:
die sieben Schiffe mußten kapitulieren, ihre Ladung wurde versenkt oder erbeutet, die Mattosen ließ man laufen.
In England herrschten Ratlosigkeit und tiefe Bestürzung; das Volk murrte, weil es nicht gelang, den Krieg mit Danzig zu beenden und Beneke der Flotte starke, fühlbare Verluste zufügte. Die Mißstimmung und Unruhe erreichte den Höhepunkt, als Beneke auf einem gekaperten schiff den Oberbürgermeister von London im Triumph in das jubelnde Danzig brachte und er sich einige Monate danach des inzwischen gestürzten Königs Eduard bemächtigen konnte. Jetzt endlich und nach der Kaperung des „St. Thomas", der eine Ladung im Werte von 5 Millionen Mark und das berühmte, heute in der Danziger Marienkirche hängende Gemälde „Das Jüngste Gericht" an Bord hatte, sahen die Engländer ein, daß sie den Krieg verlieren würden; sie unterzeichneten 1474, nach 5jähri- gem, für Danzig siegreichem Kampfe, den Frieden von Utrecht, der Danzig für hundert Jahre die Handelsherrschaft über das besiegte Reich sicherte.
Grenzenloser Jubel umbrandete den Helden und Sieger des ersten deutsch-englischen Seekrieges, als er in Danzig Einzug hielt. Und wieder war es ein Herbsttag, als sich sein Geschick tragisch erfüllte: in der Seeschlacht in der Bucht von Brest gegen Frankreich Anno 1479 ging Paul Beneke mit seinem Flaggschiff unter. E. T.
Zeitschriften.
— „Das Innere R e i ch", Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leven, Herausgeber: Paul Alverdes (Verlag Albert Langen/Georg Müller, München), eröffnet chr Septemberheft mit Gedichten aus Oberschlesien. Ein Beitrag von Clemens Graf Podewils: „Westböhmische Landschaft", ruft noch einmal die Entscheidungstage des Vorjahres in untere Erinnerung zurück. In die Tiefe der ger- manisch-deutschen Vergangenheit, läßt uns H. Ehr. Schöll einen Blick tun in seinem Aufsatz über „Die germanische Mütterdreifaltigkeit im deutschen Volksglauben". Mit Beiträgen sind vertreten Franz Dumler und Georg Britting. Gedichte steuerten bei Weinheber, Britting, Tügel, Hans Baumann. Eine schöne Folge von Bettachtungen unserer wichtigsten Bäume lieferte Joses Leitgeb, Bemerkungen zu Theodor Fontane und Wilhelm Raabe runden das Heft ab.
— Daß die Ausbildung an einer Luftschutzschule des RLB. viel Spaß macht, zeigt das neueste Heft der „Sirene." Der Verlaus einer Luftschutzübung in einem rheinischen Ort, der im Schutze des Westwalls liegt, wird anschaulich geschildert. Alle Fragen des Luftschutzes werden eingehend behandelt, damit die Bevölkerung ständig über alle wichtigen Lustschutzmaßnahmen unterrichtet wird.


