Ausgabe 
14.6.1939
 
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Oer Untergang derThetis"

Der gestohlene Watteau.

Oie pariser Polizei verfolgt eine Spur. - Unzureichender Bilderschuh im Louvre

Oie Finanzierung der großen Aufgaben -es Reiches

Staatssekretär Reinhard erläutert die neuen Methoden.

gutscheine 2 im Rechnungsjahr 1940 nicht mehr, zum mindestens nicht mehr in dem Umfange von 1939, erforderlich fein.

Selbst wenn ein Unternehmen, dessen Wirtschafts« fahr mit dem Kalenderjahr zusammenfalle, nicht bis zum 30. Juni den erforderlichen Betrag an Steuergutscheinen besäße, ihn vielmehr erst in den ersten Tagen des Juli bekäme, so sei dies un­erheblich; diese Firmen könnten gleichwohl die vor­gesehene Bewertungsfreiheit in Anspruch nehmen. Selbst wenn ein Unternehmen tfm Ende des Wirtschaftsjahres die Steuergutscheine I nur schwer behalten könne, wegen allzu großer Inan­spruchnahme seiner flüssigen Mittel, so solle ihm unter Umständen durch kurzfristige ©tun- düng von Steuern durch das Finanzamt die Möglichkeit gegeben werden, doch die Steuergut­scheine zu behalten. Auch Unternehmen, deren Wirt­schaftsjahr in den Monaten Januar oder Februar 1940 abschließen, werde die Möglichkeit gegeben, die Bewertungsfreiheit in Anspruch zu nehmen. Das gesetzliche Aufgeld, mit dem die Steuergutscheine II ausgestattet seien, sei auch in der Hand von Privat­personen einkommensteuerpflichttg.

Zum Schluß wandte sich Reinhard gegen die Auf­fassung, daß man in dem Steuergutscheinverfahren inflatorische Wirkungen erblicken könne. Währungs­gemäß wirkt sich das Steuergutscheinverfahren in der entgegengesetzten Richtung aus. Wenn das Reich, die Länder, die Gemeinden und die anderen ©teuergutscheinpflichtigen und -berech- ttgten große Summen in Steuergutscheinen statt in Geld zahlen, so werde dadurch die Währung nicht belastet, sondern e n t l a st e t.

die Rase der in voller Fahrt befindlichenThetis" neigte und sich in den schlammigen Boden bohrte. Wären Schleppboote in der Nacht nach dem Unglück zur Stelle gewesen, so hätte dieThetis" in kurzer Zeit befreit werden können. Aber erst vierund­zwanzig Stunden nach dem Unglück wurde die Lage des Schiffes ermittelt.

Von den beiden Ausgangsluken des Bootes war die vordere durch unglückliche Lage ver­sperrt. Die Hintere wurde von den vier Geret­teten benutzt. Warum keine weiteren mehr folgten, ist ein Geheimnis, das wohl nie gelüftet werden wird. Die Theorie, daß durch den Austritt der vier Geretteten zu viel Wasser in das Boot gedrungen sei, hat sich nicht aufrechterhalten können, denn dann hätte sich durch das Wasser auch die Lage des Bootes verändern müssen. Viel wahrscheinlicher ist die Erklärung eines der geretteten Matrosen, daß durch einen verhängnisvollen Schaden an der Aus- gangstür die anderen eingeschlossen wurden und den Raum nicht mehr verlassen konnten.

Reichsminister Or. Frank in Kopenhagen.

Kopenhagen, 13.Juni. (DNB.) Reichsmini­ster Dr. Frank hiell hier einen Dortraa überDos Recht als Brücke zwischen den Völkern . Von dem starken Eindruck der Ausführungen Dr. Franks Über Rechtsgrundsätze und Rechtsschopfung im national­sozialistischen Führerstaat zeugten die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft und der minuten­lange Beifall, den die Rede auch im Hinblick auf die Würdigung des hohen Standes der dänischen Rechtskultur und die lange Geschichte der guten deutsch-dänischen Beziehungen fand. Von der Presse wird besonders hervorgehoben, daß der dänische Justizminister S t e i n ck e seinen Genesungsaufent­halt in einem Sanatorium außerhalb Kopenhagens unterbrach, um den deutschen Gast begrüßen zu kön­nen. Von dänischer Seite ist der schon in Leipzig

Das Einkommensteuergesetz vom Februar 1939 und die M e h r e i n k o m m e n st e u e r feien die letzten Maßnahmen, durch die eine bessere An­passung des Steuersystems an die Leistunaskraft der Steuerpflichtigen oorgenommen worden fei. W e t - tere Maßnahmen solcher Art seien nicht mehr zu erwarten und würden auch finanzpolitisch und steuerpolitisch nicht mehr erforderlich fein.

Der das Steueraufkommen übersteigende Finanz­bedarf des Reiches fei in den vergangenen Jahren durch kurzfristige oder mittelfristige Kredite gedeckt und dann durch langfristige verzinsliche Anleihen des Reiches abgelöst worden. Dieses Verfahren stelle einen Vorgriff auf künftiges Steueraufkommen dar, denn die Verzinsung und Tilgung werde aus Zünf­tigen Steueraufkommen bestritten. Es hatten noch viele Milliarden Reichsmark im Anleihewege be­schafft werden können, jedoch hätten die finanz- und kreditpolitischen Grundsätze des Nationalsozialismus geboten, daß der außergewöhnliche Finanzbedarf des Reiches insoweit, als er das Steueraufkommen noch übersteige, anders als bisher gedeckt werde und ins­besondere der privaten Wirtschaft der Geld- und Kapitalmarkt nicht durch das Reich versperrt bleibe. Der Teil des außergewöhnlichen Finanzbedarfes, der noch nicht durch Steuern gedeckt werden könne, werde grundsätzlich in Zukunft nur noch durch d i e Ausgabe verzinslicher Steuergut­scheine gedeckt. Diese Steuergutscheine führten nicht zu einer weiteren Vergrößerung der Zinsenlast des Reiches, sondern nur zu einer Verlagerung von Steuern, die für den Reichshaushalt durchaus er­träglich sei. Infolge der steigenden Steuerein­nahmen des Reiches würden voraussichtlich die mit einem zinsähnlichen Aufgeld ausgestatteten Steuer­

Oie Winterolympiade in Deutschland.

Von unserer Berliner Schnstleiiung.

Die politische Lage hat ihre Schatten bekcuENtlich auch auf die kommenden Olympischen Spiele geworfen. Sie sollten in Tokio stattfinden, und zwar sowohl für den Winter wie für den Sommer 1940. Japan faßte dann den Entschluß, von den Olympischen Spielen zuriickzutteten und das Inter­nationale Olympische Komitee folgte einer Ein­ladung, die Spiele in Helsinki stattfinden zu lassen. Dabei war vorgesehen, daß die vorangehen­den Olympischen Winterspiele im schwei­zerischen St. Moritz stattfinden würden. Nun besteht aber innerhalb der Schweizer sportlichen Verbände ein alter Streit über die Frage, ob auch Schilehrer zur Teihrährne an der Winterolym, piade berechtigt sind oder nicht? Die Schweizer haben diese Frage verneint, aber das Internationale Olympische Komitee nahm einen entgegengesetzten Standpunkt ein. Dadurch waren die Winterspiele in St. Moritz in Frage gestellt. Die Tagung des inter­nationalen Komitees in London gab den Schwei­zern noch einmal Gelegenheit, ihren Beschluß zu ändern, über ohne Erfolg. Nun erging überraschend die Frage an Garmisch-Partenkirchen, ob dieser Platz bereit sei, im Winter 1940 wiederum die Olympischen Winterspiele zu beherbergen.

In Deutschland selbst hatte man den Gegensatz zwischen dem Schweizer Wintersport und dem In- temationalen Komitee mit größter Zurückhaltung behandelt, wie es der internationale Takt -von selber gebietet. Als aber nun von London aus der Ruf nach Garmisch-Partenkirchen erging, fand er dort, ein freudiges Echo. Die glanzvollen Wintertage von 1936 sind dort noch in bester Erinnerung, die Orga­nisation ist erprobt und bewährt, alle Einrichtungen für eine erfolgreiche Durchführung der Spiele sind vorhanden und können auf Grund der früheren Erfahrungen erweitert werden. Schon jetzt rüstet sich das Werdenfelser Land, um im kommenden Winter wiederum Hunderttausenden aus der ganzen Welt ein freundlicher Gastgeber zu fein. Man er- blickt in der Londoner Einladung des Olympischen Komitees eine Anerkennung der früheren Leistun­gen. Es stehen allerdings nur noch neun Monate zur Durchführung aller Vorarbeiten zur Verfügung, aber der Präsident des deutschen Organisations- Komitees, Ritter von Halt, wird mit feinem bewährten Stabe dafür sorgen, daß auch im Jahre 1940 die Winter-Olympiade ein großer Erfolg wird. Die Olympischen Spiele für 1944 sollen in Lon­don stattfinden. Auch Kanada und Italien hatten sich dafür beworben.

über 12 Monate erstreckten, um dann a u f g e g e = den zu werden. Bei derThetis" kommt der er­schwerende Umstand hinzu, daß der Rumpf des Schiffes weit tiefer liegt als seinerzeit das Wrack derM 2". Allerdings werden die Bergungsarbeiten in vollem Maße fortgesetzt.

Eine Zusammenstellung aller bisher von der Abmiralität ausgegebenen Mitteilungen sowie die Feststellungen der Regierungsmitalieder im Unter­haus ergeben, daß die Tragödie derThetis" eine aeradezu grauenhafte Verkettung unglücklicher Um­stände war. Man neigt neuerdings zu der Annahme, das Unterseeboot habe, als es sich schon eine Stunde unter Wasser befand, seine Torpedo- Oeff- nungen einer Prüfung unterzogen. Hierbei sei auch der Auslauf des Torpedos V geöffnet worden. Da aber die Außenöffnung nicht richtig ver­schlossen war, stand die zwischen beiden Schiebe­öffnungen befindliche Sicherheitskammer bereits unter Wasser. Es ist anscheinend nicht gelun­gen, das nunmehr mit Gewalt in eine weitere Kammer einflutende Wasier aufzuhalten, so daß sich

schichtlicher oder staatspolitischer Unerfahrenheit han­delten. Ader gerade diese harmlosen Deutschen gaben ein wunderbares, sozusagen natürliches Echo für die englische Propaganda ab. Nun ist es heute so, daß einmal die mißlichen Erfahrungen mit der eng­lischen Schaukelpolitik die viel herausgestrichene eng­lische Loyalität in allen deutschen Augen kompro- mitiert hat und daß sich außerdem jeder Deutsche fragt: Warum schreit England über das tschechische Flugzeugmutterschiff Ach und Weh, und warum bringt es den polnischen Größenwahn in der Dan­ziger Frage auf Hochtouren? Die Engländer merken, daß die politischen Erfolge heute nicht mehr für sie so bequem sind wie in den Tagen gewisser Heinzel­männchen. Das ärgert sie und darum suchen sie nach neuenPatentideen"!

Auch die neue Rede Lord Halifax bietet mit ihren Wenn und Aber so viele schwache Punkte, daß fie-ihren Zweck in der Welt nicht erfüllen wird. Zur Kolonialfrage bemerkte der britische Außen­minister, dieses Thema seischwierig", weil es immer nur von einer Seite behandelt wurde, nämlich in der Forderung auf Rückgabe an Kolonien an Deutschland. Glaubt Lord Halifax, daß es eine andere Seite gibt ober eine andere Lösung, um diesen Rest des Versailler Unrechts gutzumachen? Für Deutschland jedenfalls ist eine andere Form als die Rückgabe der Kolonien nicht denkbar. Ein an­deres Beispiel: Halifax sprach die Hoffnung aus, daß die Danziger Frage durch Verhand­lungen zwischen Deutschland und Polen vertraglich geregelt werden könne. Das wäre nur denkbar, wenn dieses Problem zwischen Deutschland und Polen u n » mittelbar geregelt würde. Seitdem England sich eingemischt hat und täglich erklären läßt, daß es unter keinen Umständen zu einerKongregation" kommen werde, wenn die Danziger Frage mit Ge­walt gelöst würde, wächst bei den Polen die Nei­gung zu neuen Provokationen. Man könnte das Gegenbeispiel von Memel anführen, wo die natur­gegebene Lösung durch einen friedlichen Vertrag zwi­schen Deutschland und Litauen möglich wurde, weil andere Mächte darauf verzichteten, sich hier ein­zumischen.

Es muß schon dabei bleiben, daß Taten g e fordert werden, weil die Worte uns nicht ge­nügen. Dor einigen Tagen hat Lord Halifax die Forderung nach deutschem Lebensraum mit einigen wohlwollenden Worten in seine Rechnung gestellt, inzwischen aber hat der Ministerpräsident des verbündeten Frankreich bei einer Denkmalsweihe für den Marschall Joffre diesen Begriff ausdrücklich abgelehnt. Bonnet hat im auswärtigen Senatsaus­schuß die Einkreisungspolitik in Abrede gestellt, Daladier aber hat die Schlacht an der Marne als den Sieg der verbündeten Mächte im Dienste der menschlichen Zivilisation gefeiert. Auch hier hören wir die Klänge der Einkreisungspolitiker, die sich mit ihren eigenen Worten widersprechen.

Die bisherigen Taten, wenn wir uns daran halten sollen, sind nicht weniger unfteundlicher Natur. Als Deutschland z. B. daran ging, für seine Lebensmittel­versorgung Walöl einzukaufen, hatte England nichts Eiligeres zu tun, als den größten Teil des Angebots für sich selbst zu erwerben. Als Deutschland mit Rumänien ein Abkommen schloß, das der wirtschaft­lichen Erweiterung seines Lebensraumes dienlich war, setzte von London aus eine bösartige Lügen­kampagne dagegen ein. Noch immer versucht Eng­land die Fiktton einer selbständigen Tschecho-Slowa- kei aufrecht zu erhalten, obwohl diese schon seit der Lostrennung der Slowakei in ihrer alten Substanz nicht mehr vorhanden war. Das ist nur eine kleine Blutenlese der englischen Taten in der letzten Vergangenheit. Sie paßt zu den schönen Worten von heute und sie läßt uns keine guten Aussichten für diejenigen Taten, die Lord Halifax für die Zu­kunft verspricht. Das Mäntelchen der Friedensreden, mit denen die Einkreisungspolitik geschmückt wird, ist allzu fadenscheinig! Dr. Ho.

Wer wird englischer

Propagandaminister"?

London, 13.Juni. (Europapreß.) Die Pläne für die Errichtung des englischenPropaganda- minifteriums" werden dem Kabinett am Mittwoch vorliegen. Wie derEvening Standard" berichtet, besteht innerhalb der Regierung nur noch wenig Opposition gegen ein solches Ministerium. Allerdings ist die Frage, wer Englands ersterPropaganda­minister" werden soll, noch keineswegs gelöst. Der in der letzten Zeit von verschiedenen Blättern ge­nannte ehemalige englische Botschafter in Rom, Lord Perth, kommt nach Ansicht parlamen­tarischer Kreise aus zwei Gründen für diesen Posten nicht in Betracht: Einmal würde das Unterhaus ver­langen, daß derPropagandaminister" aus feiner Mitte und nicht aus den Reihen des Oberhauses ernannt wird, zum anderen ist Lord Perth bisher Beamter und nicht Politiker gewesen. Er käme daher, wenn überhaupt, lediglich als Leiter einer Abteilung des neuen Ministeriums in Bettacht.

Oer Anschlag

auf die Herzogin von Kent.

London, 13. Juni. (Europapreß.) Bei der Ver­nehmung des Attentäters, ber auf das Auto der Herzogin von Kent einen Schuß abgegeben hatte, wurde festgestellt, daß der Mann bereits am Vor­tage in dem Stadthaus des Lords Harewood, des Schwagers des Königs, mit feinem Gewehr eine Fensterscheibe ein­geschossen hatte. Der Angeschuldigte soll weiter erklärt haben, er hätte mit einer Schußwaffe in der

Tasche den Buckingham-Palast und das königliche Schloß in Windsor verschiedentlich aufgesucht. Zur Begründung gab er an:Ich wollte die Herzöge und den König mal sehen!"

Ein Gegenbesuch Roosevelts in London?

Washington, 14. Juni. (Europapreß. Funk­spruch.) Obwhol bisher die Nachricht, der englische König habe Präsident Roosevelt aufgefordert, noch in diesem Jahre einen Gegenbesuch in London zu machen, weder bestätigt, noch demen­tiert wurde, bestehen diese Gerüchte auch weiterhin. In eingeweihten Kreisen hält man es allerdings für höchst unwahrscheinlich, daß sich der Präsident wenige Monate vor Beginn feines neuen Wahlseldzuges ins Ausland begegen werde. Die jüdische Wochenzeit- schristKen", die oft im Besitz vertraulicher Infor- mationen aus Washington ist, berichtet freilich, Roosevelt habe die Absicht, im Herbst London zu besuchen, falls es die internationale Lage gestatte. Auch rechne Roosevelt bereits fest mit feiner dritten Kandidatur und Wiederwahl. Er plane für 1941 einen BesuchderPhilippinen.

Berlin, 13.Juni (DNB.) Staatssekretär Rein­hard sprach gestern auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute über die Durchführung und die Finanzierung ber großen Aufgaben des Reiches. Reinhard wandte sich besonders gegen die Leute, die die Ansicht vertreten, man hatte den Aufbau der Wehrmacht auf eine größere Anzahl von Jahren erstrecken sollen.Ich glaube", so führte er aus,baß nur ein Narr biefe Frage bejahen könnte." Allerdings waren dann die bisherigen Kosten für die militärischen Zwecke klei­ner gewesen und die Kosten für die Erbauung des Westwalles nicht erstanden, dafür aber wäre Deutschland im vorigen Jahre höchstwahrscheinlich ein Krieg aufgezwungen worden, dessen Kosten bestimmt um eine Vielfaches gro­ßer gewesen wären. Zu der io häufig aufge­worfenen Frage, ,woher das ganze Geld komme, verwies Reinharb auf die ständig steigende Finanzkraft des Reiches. So habe das Steu­eraufkommen des Reiches 1932 6,6 Milliarden, dagegen 1938 17,7 Milliarden Mark betragen, um 1939 wahrscheinlich 22 Milliarden Reichsmark zu erreichen. Das Mehr des Steueraufkommens im Jahre 1938 gegenüber 1937 ist nur in einer Höhe von 400 Millionen Reichsmark auf die Erhöhung der Körperschaftssteuer und in einer Höhe von 500 Millionen Reichsmark auf die J-ubenvermögensab- gabe zurückzuführen. Die Aufwärtsentwicklung des Steueraufkommens fei nicht nur auf den gewaltigen Aufschwung der deutschen Volkswirtschaft zurückzu­führen, sondern auch auf die gesteigerte Leistunas­kraft der Reichsfinanzverwaltung. So erfasse die Betriebsprüfung alle Betriebe ohne Aus­nahme und werde in fester Reihenfolge durchgeführt.

Wie bereits kurz gemeldet, wurde dieser Tage aus dem Louvre in Pa­ris ein überaus kostbares Bild ge­tobten, das GemäldeLIndifferent von Jean Antoine Watteau (1684 bis 1721), dem berühmtesten Meister des französischen Rokoko. Das Ge­mälde, obwohl nur 20:26 Zentimeter im Format, ist eines der wertvollsten Werke der größten Kunstsammlung Frankreichs: es wirb nach den Prei- en der letzten Verkäufe von Bildern Watteaus in Paris, London und Neu- york auf 3 bis 4 Millionen Franks (200 000 bis 260 000 RM.) geschätzt. Dies etwa um 1710 entstandene Bild teilt einen jugendlichen Diabolo- Spieler in blauem Satingewand und rosa Strümpfen dar. Nach dem Ka­talog des Louvre hat Watteau kaum e etwas Schöneres geschaffen als dieses Bild. Seit der Entwendung der berühmten Mona Lisa (1911), die 1913 in Florenz wiedergefunden wurde, ist dies sicher der bedeutendste Bilderdiebstahl im, Louvre.

Der dreiste Bilderdiebstahl bildet das Tagesgespräch in Paris. Die Polizei glaubt inzwischen auf Grund der Verhöre der Museumswärter eine Spur entdeckt zu haben. So wurde am Samstag und Sonn­tag von dem zuständigen Museums­wärter ein Ausländer beobachtet, der tadellos französisch sprach und ich anschickte, eine Kopie eines neben dem gestohlenen Bild gongenden Ge­mäldes von Watteau anzufertigen. Um 14 Uhr am Sonntag hätte der diensttuende Museumswärter den Mann noch an ber Arbeit gesehen, ber diesmal von einer Dame begleitet mar. Die Pariser Blätter veröffentlichen eine ge­naue Beschreibung bes verdächtigen Mannes, in ber Annahme, baß er sich melden werde, wenn es sich um einen harmlosen Kopisten handele. Wenn das nicht ber Fall fein sollte, glaubte man annehmen zu können, daß man dem Dieb auf der Spur sei. Eine Pariserin, die am Sonntagnachmittag den Louvre besucht hat, machte dem Museumsbirektor wichtige Erklärungen; sie habe in einem ber Säle eine große hagere Frau bemerkt, die unter ihrem Jackett etwas zu verbergen schien. Die Frau sei ziemlich nervös gewesen und habe, als sie sich beobachtet fühlte, die Zeugin angesprochen. Die Fremde habe erklärt, sie sei Engländerin und halte sich seit zwei Tagen in Paris auf.

Die Presse erörtert lebhaft die Frage, wie es überhaupt möglich gewesen sei, daß ein so kostbares Werk am hellichten Tage unter den Augen ber Wächter und vor einem zahlreichen Publikum ent­wendet werden konnte. Das einfachste wäre, so fol­gert man, die Bilder so stark an den Wänben zu befestigen, baß sie nicht in wenigen Minuten los­gelöst werden können. Hiergegen wenden sich jedoch die Sachverständigen mit der Begründung, daß im Falle eines Brandes dann die wertvollsten Bilder

voraussichtlich ein Opfer ber Flammen würben.

Es hat sich inzwischen herausgestellt, daß die Auf­seher während ber ganzen Nacht zum Montag in ben entlegensten Räumen bes Riesengebäudes nach bem Watteau suchten; sie hofften, es handele sich nur um einen Scherz, oder glaubten, ber Dieb halte seine Beute im Louvre versteckt. Auch vermutete man, baß es sich um eine Warnung an bie Regierung hanbele, weil biefe bie nötigen Kre­dite zur Erhöhung des Personalbestandes nicht be­willigt hat. Wie die Blätter berichten, stehen näm­lich für bie rund 900 Säle des Museums nur 405 Aufseher zur Verfügung. Von diesen werben etwa 30 für ben Nächtbien st verwenbet; im übrigen hätten bie Aufseher nicht nur bie Kunstwerke zu bewachen, sonbern auch auf alle möglichen Fragen ber Besucher 3U antworten. Gerade biefe vielfältige Ausgabe ber Aufseher hat vermutlich bie Ausführung bes Dieb­stahls begünstigt. Es wird nicht für ausgeschlossen gehalten, daß ber Dieb ober bie Diebe Helfer hatten, bie ben Aufseher burch Fragen aufhielten, während ber Diebstahl ausgeführte würbe. Außerbem sind viele ber Aufseher Kriegsinvaliben, bie nicht immer ihren Dienst versehen können. (Scherl-Bilber- bienst-M.)

Dr. Li. Lo nb on, 13. Juni.

Das Unglück, bas bie englische Marine burch ben Untergang bes UnterseebootesThetis" betroffen hat, liegt heute, zwei Wochen nach ber Katastrophe, noch in aller Munde. Nach einer abschließenben Mittei­lung ber Abmiralität befanben sieh 10 3 Perso­nen an Bord berTh e ti s , unb zwar: 14 Offiziere, 15 Unteroffiziere, 35 Mattosen, 29 Tech­niker, 7 Ziviloffiziere ber Abmiralität, 2 Funktionäre unb 1 Lotse. Vier baoon finb gerettet worben, so baß 99 Opfer.su beklagen finb. Da zwei Ma­trosen bei einem Rettungsversuch ertrunken sinb, be­finden sich noch 97 Tote im Schifssrumps auf bem Meeresgrund.

Die Hoffnung auf eine Bergung berThetis" bleibt nach ben Erfahrungen ber letzten Woche sehr gering. Don ber Marinebehörde wirb festgestellt, baß eine Verlagerung bes Schiffes in flaches Wasser innerhalb ber nächsten brei Wochen vorgenommen werben könne, doch wirb von anberen Fachkreisen auf bie Tatsache verwiesen, baß bie Bergungsversuche des vor Jahren verunglückten U-BootesM 2" sich