14-/15. Januar 1939
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
12 Zweites Blatt
Garonne bei Toulouse würden die gesährdetsten Ob-
E. F. Paris im Januar.
ge-
SFtoi welche glänzende *usbemMftamnw
Verzinsung durch die Abkürzung befahrener See-«gemacht, um „sich engu,cy zu geoen
150 Jahre Abitur
Von Dr. Hermann DreyhauS
Frankreich das Elsaß gekostet hatte, und dreihundert Meter von der damals noch mit einem Trauerflor bedeckten Statue der Stadt Straßburg. Der Eissalon wurde von der Menge gründlich z e r st ö r t, und der Italiener wäre beinahe gelyncht worden. Ein Kaffeehauskellner namens Maxim Gaillard machte aus dem ruinierten Eissalon mit seinen kärglichen Ersparnissen ein Restaurant, dem er auch seinen Namen gab. Als er wenige Monate darauf gestorben war, übergab seine Wttwe
jette bei Luftangriffen sein.
DieVaukosten werden vorläufig auf 9 Milliarden Franken, über eine Milliarde Mark, geschätzt. Der Panamakanal hat ungefähr das Doppelte gekostet, ungerechnet die Ausgaben der verunglückten französischen Gesellschaft vor der Uebernahme durch die Vereinigten Staaten. Für die zukünftige Durchfahrt von Bordeaux bis zum Mittelmeer rechnet man 24 Stunden. Auf der Strecke von Hamburg bis Marseille z. B. würden bei Durchführung des Kanals, gegenüber dem Umweg über Spanien, f aft 100 0 Seemeilen gespart werden.
Andere Vorteile, speziell für Frankreich, liegen auf der Hand: Arbeitsbeschaffung für viele tausende Hände während einer fünf- bis sechsjährigen Bau-
Politiker haben in großer Zahl bei „Maxim s verkehrt; der Kriegsminister Maginot, der Schöpfer der Maginot-Befestigung, hatte dort sogar seinen Stammplatz, der noch heute gezeigt wird. Die literarische Welt und die Schauspieler zählten
weitergeführt, um dann direkt das Mittelmeer zu erreichen. Die technische Hauptschwierigkeit liegt in der Ueberroinbung einer Scheitelhöhe von nahezu 150 Meter über dem Meer bei Toulouse. Auf- und
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der ihm mit Geldern aus seinem Geheimfonds für die geleisteten Dienste hilfreich unter die Arme ge-
anzusetzen. . ,ri
Dabei besaß Friedrich in seinem Justizministec Karl Abraham Frefherrn von Zedlitz einen
und beendete dieses Wettrennen, indem sie kurz entschlossen ihre Juwelen künftig von^ihrer Kammerfrau tragen ließ ...
^Aus dem Restaurant „Maxime" wurde „Maxim's" r:j- —,:tx - Am Tage des
________: Leopold II. von Belgien speiste hier mit Cleo de Merode, der Prinz von Wales zerstreute sich hier, als er noch nicht Eduard VII. war, und die Schar der russischen Großfürsten, der österreichischen Erzherzöge usw., die hier verkehrten ist kaum zu zählen. Mehr als einmal stellten die Parteiführer aus dem nahen Palais Bourbon bei „Maxim's" ihre Liften für eine neue Regierung zusammen, und einmal wurde hier sogar die Wahl des französischen Staatsoberhaupts vorbereitet, als nämlich der Senator v Poincar 6 zum Prä-
Humanismus und Reformation führten allmählich zur Erklärung, d. h. zu einer Geistes. Haltung, die vermeinte, ausschließlich ’Beinunfi als Richtmaß des Lebens nehmen zu können. Ihre Macht wurde schließlich so groß, daß sogar der selbstherrliche Absolutismus der französischen Könige ihr erlag. In Preußen vollzog sich der lieber- gang zwar zeitlich verhältnismäßig schroff durch den Thronwechsel zwischen den in ihrem Wesen so grundverschiedenen Königen Friedrich Wilhelm I. und Friedrich 11. Doch trat der Gegensatz sachlich gar nicht so sehr in Erscheinung, weil der Absolutismus beider Herrscher nicht der Befriedigung eines persönlichen Ehrgeizes diente wie bei Ludwig XIV. von Frankreich, sondern geadelt wurde durch den Gedanken, daß der Fürst der „erste Diener" seines Landes sein müsse. So konnte Friedrich II. seine Regierung als mustergebendes Beispiel des ,,a u f - geklärten Despotismus" entwickeln, das ja denn auch weit genug gewirkt hat.
Zu den wesentlichen Forderungen der Aufklärung gehört die Hebung der allgemeinen Volksbildung, um die Segnungen eines geschulten Verstandes möglichst allen Menschen zu^ gänglich zu machen. Diese Forderung erschien auch dem sonst nicht gerade der Aufklärung freundlich gesinnten Friedrich Wilhelm I. als berechtigt, schon wenige Jahre nach seinem Regierungsantritt ordnete er die allgemeine Schulpflicht an, wenn auch nur in bescheidenen Ausmaßen. Friedrich II. ging durch das „Generallandschulreglement von 1763 insofern weiter, daß er für die Landschulen einen allgemeinen Lehrplan festlegte und außer- dem für den Unterhalt der Lehrer wie die Schulaufsicht sorgte. Aber bei ihm wie bei seinem Vatee blieb es auf dem Gebiete des Schulwesens mehr beim Wollen als beim Vollbringen. Die politischen Zeiterfordernisse zwangen immer wieder dazu, den größten Teil der Staatseinnahmen für das Heer
Der Krieg und die schlechten Zeiten, die ihm folgten, haben das Gesicht von „Maxim's" verändert. Im Kriege waren es berühmte französische Flieger, die zu ,Maxim's" kamen, wie Nungesser, Fonck, Roland Garros. Der Betrieb ist dann solider ge-
„Da geh' ich zu Maxim."
Erinnerungen an ein berühmtes pariser Restaurant.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
Frankreichs neuer Güdkanal-pkan.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Es gibt Anzeichen dafür, daß sich zwischen Frankreich und England eine Art politischer Symbiose vorbereitet. Man kann das als eine der großen szenischen Neuformierungen auf dem Welttheater betrachten, die sich jetzt nach dem Weltkrieg infolge der unvermuteten Neuerstarkung Deutschlands entwickeln. Die beiden großen westlichen Nationen
roege erzielt werden kann. Der ganze Verkehr zwischen dem Norden und Westen Europas und den Mittelmeerländern würde, tragbare Raten vorausgesetzt, den Kanal aufsuchen.
Das Projekt will oberhalb von Bordeaux den Lauf der Garonne felbst nur eine kurze Strecke weit benutzen. Bis dicht vor Toulouse soll dann parallel dem Flußlauf, ungefähr der Linie eines jetzigen Seitenkanals folgend, ein besonderes Kanalbett aus- gehoben werden. Etwas nördlich von Toulouse wird die Garonne Überschritten und die Linie dann im Zuge des alten Canal du Midi auf Narbonne
nate Darauf geftoroen mar uoeigup , Grosdidier bei ,Maxim's" Poincars zum Pra-
den Betrieb zwei jungen ß^ten aus ihrem 23e- en Republik vorschlug. Der Zigeunersänger kanntenkreis, die sich Ghauveau und Cor- ' Q murbe DOn „Maxim's" aus von der Pnn- nuche nannten, und als Koch bzm. Kellner aus! 9 Chimay entführt, eine Mesalliance,
bekannten Pariser Betrieben kamen Cornuche soll 3611 n größten Gesellschaftsskandale der Dor-
außerdem, wie böse Zungen behaupten. Spitzel dev £ einen ö
damaligen Innenministers Onftanj ««>*fen fern, '«BW«* ~ , bie folg-
leihen willst, kann ich mit dem meinen gemeinsam den Weg auf einmal hinter mich bringen."
„Meine Eselin ist aber nicht daheim , sagte Nas- reddin, „sie ist auf der Weide." In diesem Augenblick begann die Eselin, die im Stall stand, laut zu schreien. „Aber ich höre sie doch", sagte der Mann vor der Tür. , , ri . . ,
Wenn du der Eselin mehr glaubst als mir, kann ich'dir nicht helfen", sagte Nasreddin und warf ihm die Türe vor der Nase zu.
Nasreddin war arm. Er besaß n^ts als diese Eselin, die er liebte, und ein altes böses Weid, das er nicht mochte. Sie hieß Fatima, un'b it)r Aerger nannte er feine Eselin ebenso. Die Eselin wurde krank und ging ein. „Fatima ist gestorberi, Fatima ist gestorben!" heulte Nasreddin so laut daß alle Nachbarn, die glaubten, es handele sich um ferne Frau, herbeiliefen und ihn trösteten. ;
Du bist ein stattlicher Mann, Nasreddin , sagten sie" zu ihm, „es gibt so viele Frauen, schone und junge, du wirst bald eine andere bekommen; meine Tochter vielleicht ... oder meine ..."
Da trat die alte Fatima in die Stube. Die Leute schauten einander betroffen an und wandten sich dann voll Aerger an Nasreddin. Warum er solche Scherze treibe, begehrten sie auf. ,Lch wollte, es wäre ein Scherz", heulte Nasreddin, „meine Eselin ist ja wirklich tot." o
„Ach, um die Eselin klagst du!" sagten die Leute und gingen ihrer Wege. ,
„Ihr Halunken, ihr Tagediebe", schrie Nasreddin ihnen nach. „Für mein altes schäbiges Weib wollt ihr mir gleich eine Junge und Schöne zum Ersatz geben, für meine junge und schöne Eselin aber kann ich von euch nicht einmal eine alte, schäbige bekommen?" ... ™ ...
Man kann sich denken, wie zoimig sein Wem über diese Rede war. Sie warf mit Töpfen und Kruge« herum, und mittags setzte sie ihm den Pilaf vom glühenden Ofen weg vor, ohne ein Wort zu sprechen. Nasreddin, in seine Gedanken versunken, begann zu essen und verbrannte sich so sehr, daß ihm Tränen in die Augen kamen.
Weinst du noch immer um deine jungt anö schöne Eselin ober hast du dir vielleicht die Zunge verbrannt?" fragte Fatima, und man horte die Schadenfreude aus ihrer Stimme.
„Ich meine nicht um meine Efelin, ich meine bloß darum, daß meine Schwiegermutter, als sie starb, nicht auch ihre einzige Tochter gleich mitgenommen hat", sagte Nasreddin und blies aus voller Lunge in seinen Teller.
Ich hätte gern noch lange zugehort.
s Prix Diane im Jahre 1893 eröfnete das Restaurant | „Maxim's" seine Pforten, um eine Zeit unerhörten 1 Glanzes zu erleben. Wer das Leben der oberen - Zehntausend von Paris und seiner Gäste um die I Jahrhundertwende beschreiben will, der kann I „Maxim's" nicht unerwähnt lassen. Da begegnet : man Namen wie denjenigen des Zucker- und i Wüstenkönigs Max Lebaudy, des Herzogs von Morny, eines Neffen Napoleons III., des Fürsten ! Galitzin, der Cognac-Könige Hennessy und vieler anderer Vertreter jener Welt, die es vorzog, sich filicht zu langweilen, und die das Restaurant I „Maxim's" mit seiner Gesellschaft schöner und meist I recht leichtsinniger Frauen als die richtige Statte ' 1 hierfür empfand. Der Uebermut war oft mit Witz 1 gepaart, und eine Pariser Wochenschrift, „Match , 1 erzählt einige Anekdoten hierüber. Einer der weib- : lichen Gäste von „Maxim's", Liane de Pougy, ' hatte eines Tages die Luft verloren, das Wettren-
suchen Abhilfe gegen ein gewisses Schwächegefühl im Zusammenlegen ihrer auswärtigen Politik auf bestimmten Gebieten. Ein Symptom dafür ist der nunmehr mit größerer Bestimmtheit als früher aufgetauchte Plan eines auch für Kriegsschiffe benutzbaren Seetanais zwischen d e m Golf von Biskaya und dem Mittel meer.
Schon Ludwig XIV. ließ in den Jahren 1667 dis 1681 Toulouse, damals Endpunkt der Schiffahrt auf der Garonne, mit der ins Mittel- meer mündenden Aude verbinden und die künstliche Wasserstraße weiter bis in den Strandsee Etang de Thau führen. Sete (früher Cette genannt), auf öer Nehrung zwischen dem Etana und dem offenen Meer war der Endhafen. Dieser Südkana'l, der C a n al du Midi, war für das 17.Jahrhundert eine große Leistung. Er hat eine Wassertiefe von über 2 Meter und wäre demnach für große Fracht- xähne befahrbar, wenn nicht die Zahl der Schleusen __ e5 g^t deren 99 — und ihre für den modernen Kanaliärkehr zu kurzen Abmessungen ihn praktisch so gut wie stillgelegt hätten. Er kann mit dem Eisenbahnverkehr schlecht konkurrieren.
Der französische Zweimeere-Kanal wurde ein fast viermal so langes Seitenstück zum Nord-Ostfee- Kanal werden. Dieser ist rund 100 Kilometer lang, * bas französische Projekt umfaßt, mit Einschluß des für Seeschiffe ohne weiteres fahrbaren Mundungs- trichters der Garonne unterhalb von Bordeaux, gegen 400 Kilometer. Seine strategische Bedeutung kann man sich leicht an dem Beispiel des Nord- Ost see°Kanals deutlich machen, dessen Bau auf eine Forderung des alten Moltke zurückging. Moltkes Gedanken beschränkten sich nicht auf die Landstrategie. Er rechnete, besonders für den Fall eines Krieges mit Rußland, auf die Mitwirkung der deutschen Flotte, der bei dem früheren engen Verhältnis zwischen Rußland und Dänemark der Weg durch die dänischen Meerengen leicht hatte aefperrt werden können. Die früher getrennten Geschwader der deutschen Nordsee- und Ostseeflotte wurden durch den Kanal eine große Einheit.
Dieselbe Rücksicht veranlaßte die Vereinigten Staaten zur Erbauung des P a n a m a k a n als , um nach Bedarf die atlantische und die pazifische Flotte gemeinsam operieren zu lassen. Auch Frankreich muß, so lange kein Zweimeer-Kanal existiert, eine atlantisch e und eine Mittel- me erstatte unterhalten, deren ^Bereinigung nur auf dem großen Umweg durch die, im Kriegsfall keineswegs ungefährliche Straße von Gibraltar möglich ist. Der Zweimeer-Kanal würde die französische Seemacht in die gleiche günstige Lage versetzen, wie der Nord-Oftsee-Kanal die deutsche und der Panama-Kanal die amerikanische.
Fast im selben Maßstab wie Frankreich konnte England Nutznießer des neuen Seekanals werben. Die Entsendung eines Geschwaders ins Mittel- meer, unabhängig von der Straße von Gibraltar, direkt an einen natürlich aufs stärkste befestigten Punkt gegenüber den Hafen von Barcelona, Cartagena, Genua und Neapel, wurde unter Umständen für die englische Marineleitung unbezahlbar wichtig sein. Daher auch die jetzt schon erklärte Bereitwilligkeit, englisches Kapital an Den Kosten des Kanalbaues zu beteiligen. Außerdem interessieren sich, aus finanziellen Gründen, auch die Holländer für die Kapitalbeschaffung, denn die Beispiele andrer großer Seekanäle, wie des Suez
etwas: Malerisch ist nicht das Gemalte, sondern der Maler.
Es sieht verblüffend einfach aus. wie er es treiut, beinahe spielerisch. Form und Farbe fließen ihm wie zufällig aus der Hand, als könnten sie ebenso aut auch anders verteilt sein. Die häßliche Tele- aravbenftange mitten im Garten, denke ich, die wird et natürlich unterschlagen. Aber nein, er mattste hin mit zwei kühnen Strichen. Oben fließt ihm Wasser hinein, schadet nichts, ohne dieses Mihge- schick wäre dies Ganze nur halb so schön. In Wahrheit ist dies gar kein Mißgeschick, sondern es wirkt eine geheime Ordnung in dem scheinbar absichtslosen Tun des Meisters.
Manchmal habe ich mich verlocken lassen auch einen Versuch zu wagen. Mein G^chicF reicht gerade hin, die äußere Gestalt der Dinge ungefähr nachzuzeichnen. Allein es zeigt sich immer wieder, daß es Darauf gar nicht ankommt. Es gelingt mir nie das Ganze des Bildes so zusammenzuschtteßen, baß es die Wesenszüge des Dargestellten Zeigt. Wie her Meister, offenbar unbewußt und unberechnet, ben Umriß eines Baumes, den Farbton einer Flache binjetzt so sind sie auch endgültig und unabänderlich notwendig für den Einklang des Bildes, das er malt Nein ich schlage meine Mappe bald wieder zu und räch- mich, indem ich den Meister aus bas Statt, eis der Theorie führe. Ob es eigentlich Kunst an sich aäbe frage ich arglistig, eine Kunst, die um ihrer selbst willen da wäre? Der Meister meint, es Meme dm manchmal so zu fein, weil er so wenig Bilder verkaufen könne. Aber das sind Ausflüchte. Ich ,ehe, daß ich ihm die Sache genauer erklären mutz. Die Kiinlt sage ich, erschöpfe sich doch nicht in der Her- norbrinX bis Kunstwerkes. Es sei doch wohl jo, daß Der9 Sinn Der Kunst in einer Wechselbeziehung dreier W-ienheiten liegen müsse, m einer Beziehung fischen Dem Schaffenden, dem Werk und dem, für den bas Werk geschaffen wurde. Keine dieser drei Wesenheiten sei entbehrlich. Darum konnten wir mm Beispiel nie ein zufälliges Naturgebilde als Kunstwerk ansprechen, eben weil eine Voraussetzung fehle die erkennbare Herkunft aus dem schopferi- khen menschlichen Geist. Und ebenso wenig sei em Kunstgebilde als Kunstwerk zu werten, wenn es nicht erlaube, die andere Beziehung, Die zum Auf. nehmenden herzustellen.
Möglich, meint Der Meister. Er wisse das nicht, er ei bloß Maler. Was Kunst sei habe seiner Meinung nach Nestroy am besten gesagt.
Kunst ist, was man nicht kann, sagt Nestroy. Denn wenn man's kann, ist's keine Kunst mehr.
Beim türkischen Kaffee.
Son Robert Michel.
Vor langer, langer Zeit, Da lebte im Lande, wo die Sonne aufgeht, ein Mann, und der hieß Nasreddin. Obwohl er schon seit Jahrhunderten tn der Erde liegt, ist sein Witz unter seinen moslemitischen Landsleuten noch so lebendig, wie wenn dieser heitere Wicht heute noch di'e Menschen mit selbstge- sprochenen Motten erluftigen könnte. In türkischen Kaffeeschenken, bei Dem trefflichen schwarzen Getränk, bekam ich manche Blüte seines ottentattschen Humors zu hören. . ,c a
War Nasreddin ein Narr? War er ein Weiser? Wer will das entscheiden? Die Leute lachten über ihn und sie lachten mit ihm: „Ich bin ein Narr", agte er selbst, als ihn die Männer, mit denen er in der Schenke an einem Tisck saß, dabei ertappten, wie er Pfirsiche aus dem Korb seines Nachbarn stahl und sie in seinen eigenen legte. „Warum gibst Du dann nicht deine Pfirsiche in Den Korb zu Den meinen?" wurde er gefragt. „Ein solcher Narr bin ich nun wieder nicht", beteuerte Nasreddin treuherzig, und alle mußten lachen.
„Behalte meinetwegen die Pfirsiche", sagte der Mann, dem sie gehört hatten, „aber dafür mußt du uns etwas erzählen." — „Gut", nickte Nasreddin, wißt ihr, wovon ich euch erzählen werde? — „Nein", riefen alle.
Ach, mit derart Unwissenden kann ich nicht sprechen", meinte Nasreddin und wandte sich seinem Kruge zu. „ . r . .. o .
„Wix wissen, wir wissen es', riefen da Die Leute.
Nun, wenn ihr es ohneDies wißt, muß ich mich ja "mit Dem ReDen erst gar nicht anstrengen", er- miDerte NasreDDin. .
Die Männer steckten Die Kopfe zusammen und berieten. J . <.
Dann riefen Die einen: „Wir wissen es , und Die andern: „Wir wissen es nicht."
Ihr wißt es", sagte Nasreddin und wies mit feinem tabakbraunen Finger auf jene, Die so gerufen hatten; „und ihr wißt es nicht", Der braune Finger geigte auf Die andern. „Also: Ihr, die ihr es wißt, erzählt es den Unwissenden und laßt mich m Fne- Den. Mein Krug ist leer, ich gehe heim."
Nasreddin war noch nicht lange Daheim, da klopfte es an die Tür feines Hauses. „Ich habe viele Sacke Korn in die Mühle zu fahren", sagte der Mann, der Einlaß begehrte, „und wenn Du mir Deinen Esel
Kunst ist, was man nicht kann.
Von Karl Heinrich Waggerl.
Es ist für mich immer aufregenD, wenn Maler- besuch zu mir kommt. Malersleute haben von Jia» tur etwas Draufgängerisches an sich, etwas Unverkennbares, sie sinD Maler in allem, was sie tun, fo wie Aerzte immer Aerzte sind. Sie tragen ja auch ihren befonheren Geruch an sich, Die einen naa) Lysol, Die anderen nach Leinöl. Wir Bücherschreiber sind viel schwerfälliger, gewissermaßen hinterhältiger, Die Wiederkäuer unter den Künstlern.
Im Augenblick ist das Haus verwandelt und zur Werkstatt geworden. Keilrahmen lehnen in auen Ecken, Mappen liegen auf den Stühlen, Bilder werden mit Reißnägeln an Die Wand geheftet oder e tritt ein Hausgenosse im dunklen Gang auf eine Farbtube und trägt die Spuren seines B^ud^s arglos durch die Stuben. Der Hausfrau zul ebe nehme ich in so einem Fall den Gast unterm und sage etwa: „Lieber Freund und Meister e Malwetter, wir wollen uns die Gegend betrach
Ich habe mich ja selber zuweilen mit Pinsel und Farbe versucht, darum glaube ich zu wissen, I es ankommt, was malenswert ist und was< ab
Es gibt Da wundervolle alte Häuf er m l Dorf, Die find schön wetterbraun und w ndscyief, unD Geranien quellen aus allen lhreii Fenster , seien sie bis zum Dach Damit ungefüllt Aber n^n alte Häuser mag Der Meister nicht malen unD Ge ranien noch weniger, Die seien »hm zu rot, f 9 Erst vor Dem Armenhaus bleibt er stehen und s 9 an, Den Kopf schief zu halten unD wagend durch me Brillen zu blinzeln.
Wahrhaftig, hier, vor Diesem ^n?eheuer Scheußlichkeit.' diesem getünchten Stnfl
grauen Blechdach darüber, pflanzt er s-me , selei auf und ist wirklich willen- emen neuen B° aen Vavier zu verschwenDen. Vielleicht, Derne ), hat -r mittags zuviel W-in getrunken, ich kenne das^ Lber schon ist der Meister im Zug er mmmt Ib« Ä“ SEV'
gewölbten Himmel, em rötlicher Schein fliegt^^
Das ODeon-Theater hat Das im Jahre 1899 ge- ; schriebene Stück „La Dame de chez Maxim“ von Georges FeyDeau in feinen Spielplan aufgenommen. Das Odeon ist eines der vier staatlichen Theater von Paris, und Die Tatsache, Daß Dieses Theater ein „Da uDe v i ll e" von Der leichtgeschürzten Art Der „Dame de chez Maxim“ in seinen Spiel- plan aufgenommen hat, beDeutet, Daß Die Damen von Maxim in Der Literatur sozusagen hoffähig geworden sind. Maxim ist in der Literatur, wenigstens in Mitteleuropa, noch viel bekannter Durch Die „Lustige Witwe" unD Das unvergeßliche Lied „Da gelf ich zu Maxim". Das Restaurant Maxim's in Der Rue Royale in unmittelbarer Nähe her Place de la ConcorDe besteht immer noch; wenn es auch seine Glanzzeit aus Der JahrhunDertwenDe, wo Für- stcn, Erzherzoge. Finanzmagnaten und interessante clll„ v„ ...............
Frauen aller Art Dort verkehrten, hinter sich hat, so nen mit ,^rer Rivalin, Der „Schönen Oterv , tn ist dieses einzigartige Restaurant auch heute noch । b auf die Entfaltung von Luxus fortzusetzen interessant genug und eine so durchaus einzigartige . , - ■ - - - ------ r.« p,.-, ->»*-
pariserische Angelegenheit, daß es sich schon verlohnt, Die Erinnerung an diese Glanzzeiten aufzu-
-LU\J JJVXXX l LIU c L Uvlll JJ l L t, L vVl ^,uuiuu|t. uup ~ / 1 1 < s» .1. f . I
Abstieg auf beiden Seiten soll durch sieben Schleusen- zeit,. Wertsteigerung des^vom Kanal^^durchschnittenen gruppen mit einer Hubhöhe von je 20 bis 22 Meter Geländes, neue elektrische Kraftanlagen, Aufblühen überwunden werden. Das bedingt die Anlage min- von Bordeaux und Toulouse, Entstehung einet^euen bestens von Doppel chleusen, wie beim Panamakanal, großen Hafenstadt am Mittelmeer Hebung des ge^ Jede Schleuse hebt und senkt dort die Durchpassieren- sunkenen französischen Selbstbewußtsems unD des den Schiffe um etwa 9 Meter. Diese Schleusen und iranzösischen Prestiges.
die gewaltige Ueberführung des Kanals über die
tötet worden sind.
Das Kapitel „Maxim's" hat auch eine sehr er. hebliche finanzielle Seite. Eornuch6 besaß bet feinem Tode 100 Millionen Franken, die er in der Hauptsache aus dem Spielkasino von Deauville gezogen hat, das er errichten konnte. „Maxim's hat er an eine englische Gesellschaft verkauft, doch blieb fein Bruder Gustave auf Lebenszeit Direktor. Emer her zahlreichen „Chasseurs" des Restaurants ver- Diente in Dessen Glanzzeiten mehr als ein Kammer- abgeorhneter; Gerard, Der Ches der „Grooms , hat sich als M i 11 i o n ä r auf sein Schloß tn Den Pyrenäen zurückgezogen, wo er Der Jagd lebt. Vermutlich können nicht alle Erzherzöge unD Großfur- ften, Deren ©arDerobe Gerard einst verwahrte, einen fo sorglosen Lebensabend verbringen; aber immerhin hat „Maitre Jacques" während der 40 Jahre, in Denen er Den Gotha auswendig kennenlernte, zahllose Geheimnisse seiner vornehmen Kunden treu bewahrt, unD, was noch wichtiger ist, er ist ihnen auch" oft später mit seiner finanziellen Hilfe zur Seite geftanDen.
Dem Auge das Beste!
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worDen, unD Die Zeit der großen Kurtisanen ist vorüber. Immerhin kann her bereits erwähnte „Vtatch" das Bild einer Frau wiedergeben, Der letzten „Dame de chez Maxim“, Die jeDen Abend in Dem Restaurant Den reichen Ausländern zulächelt, und für die zwei — Zeichen der Zeit — Verbrecherkönige von Montmartre
frischen.
Schon die Entstehungsgeschichte dieses teuren Restaurants, wo man sich auch vergnügt und tanzt, ist eigenartig genug. Im Jahre 1890 betrieb in der Rue Royale ein Italiener, namens Imoda , einen Eissalon; am 14: Juli, dem französischen National-; ^^sj"'rftändllch ebenfalls zu den Gästen. Natürlich fest war er auf die Idee gekommen on seinem ^«taEich.^ J Ersten Häuptern aus dem Laden die deutsche Flagge zu hGesi, Ponnnfhll von Belaien speiste
dies zwanzig Jabre nach dem Siebziger Krieg, der, Ausi°n°.


